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Tag: Johannes Rydzek

Die Nordischen Skisportler stehlen den Alpinen die Show

Früher waren die Rollen klar verteilt: Das Interesse im Skisport gehörte den alpinen Skifahrern, die mit rasanten Rennen und vielen Siegen die Herzen der Fans eroberten. Langlauf und Springen galt als langweilig und konnte in der Medaillensammlung nicht mithalten. Die Zeiten haben sich geändert. Langlauf und Skispringen bringen die Fans an die Fernsehgeräte weil die Wettbewerbe attraktiver wurden und die deutschen Frauen und Männer überaus erfolgreich sind. Die Alpinen haben ihre Weltmeisterschaft in Are in Schweden gerade beendet, mit einer mickrigen Silbermedaille für Viktoria Rebensburg im Riesenslalom. Die Nordische Ski-WM beginnt mit ihren Wettbewerben am Donnerstag in Seefeld in Tirol und zehn Medaillen sollten für die deutsche Mannschaft bis zum 3. März möglich sein. Die Fans wollen Erfolge sehen, also fliegen heute die Herzen den nordischen Skisportlern zu.

In der Tat lassen die diesjährigen Ergebnisse im Weltcup wieder eine erfolgreiche WM für den Deutschen Ski-Verband erwarten. Es dürfte eine Ausbeute ähnlich wie bei den letzten Weltmeisterschaften geben, mit acht Medaillen 2015 in Falun/Schweden und sogar elf vor zwei Jahren in Lathi/Finnland. Welche Farbe die Medaillen letzten Endes haben werden, steht in den Sternen, hängt von der Konkurrenz und der Tagesform ab. Im Langlauf wäre jede Medaille eine Überraschung, aber nicht in der Nordischen Kombination, wo es vier Wettbewerbe gibt, und im Skispringen, wo für Frauen und Männer sechs Wettbewerbe anstehen. In jeder dieser Konkurrenzen ist eine deutsche Medaille möglich, hier und dort auch mehr, dass also insgesamt zehn Medaillen keine allzu gewagte Prognose sind.

In der Nordischen Kombination war vor zwei Jahren der Oberstdorfer Johannes Rydzek der unschlagbare König, er gewann gleich alle vier Wettbewerbe, geht also in allen Disziplinen als Titelverteidiger an den Start. Doch die Kräfteverhältnisse haben sich geändert, in dieser Saison ist der 21-Jährige Norweger Jari Magnus Riiber der überragende Athlet. Er gewann bereits vorzeitig die Weltcup-Gesamtwertung und zeigt sowohl auf der Schanze als auch in der Loipe keine Schwächen. Die deutschen Athleten mussten nach eher schwachen Sprüngen oft hinterherlaufen. Es wird spannend sein, zu sehen, ob die Deutschen ihre Sprungschwächen im Training abstellen konnten und ob Riiber seine tolle Form halten konnte. Dazu kommen aber auch starke Mannschaftskameraden in Norwegen und Deutschland, dazu kommen aber auch starke Österreicher, die ihren Heimvorteil in Medaillen ummünzen wollen. Überhaupt, auch bei den Österreichern könnten die nordischen Skisportler den oft vergötterten Alpinen den Rang ablaufen, denn nur eine Goldmedaille (Marcel Hirscher im Slalom) bei der alpinen WM nagte schon ein bisschen an der selbsternannten Skisportnation Nummer 1 (immerhin acht Medaillen insgesamt und damit am meisten von allen Nationen).

Im Skispringen haben die Österreicher ihre einstige beherrschende Stellung auch verloren. Der frühere Seriensieger Gregor Schlierenzauer schaffte es nicht mehr ins Team, Altstar Thomas Morgenstern ist abgetreten. Nur ab und zu war ein Österreicher in dieser Saison vorn dabei, die Hoffnungen ruhen auf Stefan Kraft, Doppelsieger in Lahti. Doch die Springer aller Nationen schauen auf den jungen Japaner Ryoyu Kobayashi, der in dieser Saison das Maß aller Dinge darstellt und mit vier Siegen auch bei der Vierschanzentournee triumphierte. Dazu stellen die Polen und Norweger eine starke Mannschaft und eben auch die Deutschen. Im DSV-Team, das seinem österreichischen Trainer Werner Schuster zum Abschied noch einmal Medaillen schenken will, hat sich kein Springer eine richtig gute Konstanz erarbeitet, aber immer wieder war einer vorn dabei. Karl Geiger und Markus Eisenbichler lösten die einstigen Führungskräfte Richard Freitag, Severin Freund und Andreas Wellinger ab. Letzterer holte in Finnland noch Gold und zweimal Silber. Derzeit springt er eher hinterher.

Eine Medaillenbank sind dagegen die Frauen im Skispringen. Sie stehen zwar bei ihren Wettkämpfen noch im Schatten der Männer, aber wenn es in Seefeld um die Medaillen geht, könnten sie ihnen schon den Rang ablaufen. Katharina Althaus aus Oberstdorf führte lange Zeit den Weltcup an, ehe ihr die Norwegerin Maren Lundby die Show stahl. Dazu ist auch die Japanerin Takanashi eine Siegspringerin, aber die deutschen Mädchen stellen neben Althaus mit Juliane Seyfarth (Platz vier im Weltcup), Carina Vogt (Platz fünf) Ramona Straub oder Anna Rupprecht eine echte Gold-Mannschaft. WM-Medaillen könnten die Frauen auf der Schanze zu Überfliegern werden lassen und ihrem Sport einen Schub versetzen. Das würde dann zur aufgezeigten Tendenz passen: Die Nordischen Skisportler stehlen den Alpinen die Show.

Der Langlauf wird wohl von den Norwegern dominiert. Theresa Johaug ist nach ihrer Dopingsperre wieder dabei und könnte ebenso wie Johannes Kläbo bei den Männern in allen Rennen vorne dabei sein. Das wiederum könnte den Langlauf wieder langweilig machen.

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Olympia kommt ein Jahr zu spät

Die Sonne lacht vom Himmel (zumindest in Deutschland), die letzten Wettbewerbe auf Eis und Schnee sind absolviert, der Winter ist offensichtlich vorbei. Zeit also, eine sportliche Bilanz zu ziehen. Aus deutscher Sicht war es ein Winter voller Freude, mit Erfolgen und Titelgewinnen bei Weltmeisterschaften. Teilweise dominierten deutsche Athleten ihre Disziplinen, dass mancher mit Wehmut an die Olympischen Spiele dachte. Kann diese großartigen Ergebnisse 2018 in Pyeongchang in Südkorea wiederholt werden? Oder kommt Olympia ein Jahr zu spät?

Zur Erinnerung: Bei den letzten Spielen in Sotschi 2014 enttäuschte die deutsche Mannschaft, holte zwar immerhin achtmal Gold, sechsmal Silber und fünfmal Bronze, doch im Medaillenspiegel lag Deutschland nur auf Rang sechs, so schlecht wie nie seit der Wiedervereinigung. 1992 und 1998 war Deutschland Erster. Bezeichnend: Im Biathlon gab es in Sotschi gerade mal zwei Silbermedaillen für das deutsche Team, Laura Dahlmeier holte in diesem Winter fünfmal Gold bei der Weltmeisterschaft, Johannes Rydzek räumte allein und mit dem Team bei der WM in Lahti vier Titel ab. Die beiden zusammengerechnet ergeben neunmal Gold!

Deshalb der freudige, auf der anderen Seite aber auch der bange Blick auf Olympia 2018. Was kann bis dahin nicht alles passieren: Die Konkurrenz holt auf, die Weltmeister von heute sind nicht in Form, krank oder verletzt. Der Spitzensport ist ein fragiles Gebilde, nur wenigen Sportlerinnen und Sportlern ist es vergönnt über lange Zeit dominant zu sein, ohne Verletzungen. Aber es gibt die Ausnahmen, zum Beispiel den Franzosen Martin Fourcade im Biathlon, der ebenso Rekorde aufstellte wie der Österreicher Marcel Hirscher im alpinen Skisport. Es wäre eine Tragödie, wenn einer von ihren in Südkorea passen müsste.

Mit einem Blick auf die erfolgreichsten deutschen Sportarten darf man vor allem, wie oben aufgeführt, im Biathlon und in der Nordischen Kombination (da gewannen die Deutschen fast alle Wettkämpfe) große Hoffnungen hegen. Die Rodler und Bobfahrer sahnten bei den Weltmeisterschaften ab, Skeleton wird immer stärker, die Skispringer etablierten sich in der Weltklasse (Andreas Wellinger landete für den verletzten Severin Freund in der Weltspitze), da können einige Medaillen abfallen.

Es gibt natürlich auch noch erheblichen Nachholbedarf. Ski alpin, Snowboard und vor allem der Skilanglauf hecheln hinterher. In der einen oder anderen Sportart müssen wohl Nachwuchssichtung und –förderung überdacht und verbessert werden. Teilweise wird geklagt, dass sich die Buben und Mädchen heute nicht mehr so plagen wollen. Die vielfältige Ablenkung ist das andere Problem, weil viele Talente verloren gehen. Außerdem hat Olympia in der Öffentlichkeit viel von seinem Reiz verloren. Wer allerdings im Spitzensport drinsteckt, der sieht die Olympischen Spiele als großes Ziel an. Und er hofft, dass er gesund bleibt und zur rechten Zeit in Bestform ist. Diesbezüglich war für viele deutschen Sportler 2017 eigentlich ein guter Test. Wiederholen sich die Erfolge, wäre Deutschland die Nummer 1! Dann käme Olympia 2018 nicht zu spät, sondern gerade richtig.