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Tag: Joshua Kimmich

Löws Problem: Ohne Tore keine Siege

Mit Spannung wurde das erste Auftreten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach der verpatzten Weltmeisterschaft im Sommer erwartet. Und, wie ist jetzt die Stimmung? Die Antwort: Sie könnte unterschiedlicher nicht sein! Auf der einen Seite monieren Kritiker, warum die Nationalspieler bei der wichtigen WM nicht den doch möglichen Einsatz gezeigt haben, auf der anderen Seite die Erleichterung nach dem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich und dem 2:1 gegen Peru. Motto: Sie können es also doch noch. Zumindest ein bisschen, denn noch war nicht alles Gold, was da glänzte.

Bundestrainer Joachim Löw hat sicherlich die richtigen Lehren aus der Pleite in Russland gezogen und vor allem gegen Frankreich auf eine starke Defensive gesetzt, nach der Devise: Nur nicht verlieren. Das hat geklappt. Gegen Peru durfte gestürmt werden, doch da zeigten sich wieder die alten Probleme: Fehler in der Abwehr, mangelnde Abschlussqualität im Angriff. Künftig werden wir wohl vor allem zwei taktische Varianten sehen: Gegen scheinbar starke Gegner heißt es „Sicherheit zuerst“, bei Spielen, die man gegen schwächere Gegner unbedingt gewinnen muss wiederum „freie Bahn nach vorn“.

Die taktischen und personellen Varianten, die Löw diesmal ausprobierte, lassen nur einen Schluss zu: Er hatte bei der Nominierung des Kaders die Konzepte noch gar nicht erarbeitet. Sonst hätte er eigentlich einen Kimmich-Vertreter als Rechtsverteidiger nominieren müssen, wenn er schon den Plan hatte, den Münchner als „Sechser“ zu testen. Dass Joshua Kimmich das kann und gerne spielt, war bekannt. Der Bundestrainer hat ein Loch gestopft und andere aufgerissen: Jetzt sucht er gleich zwei starke Außenverteidiger, denn links kann er mit den Lösungen um Stammspieler Hector sowie die möglichen Vertreter Plattenhardt und jetzt Nico Schulz auch nicht unbedingt zufrieden sein. Da bietet sich schon ein Versuch mit dem Augsburger Philipp Max an, der als Vorlagen-König in der Bundesliga glänzte.

Löws Hauptproblem: Ohne Tore keine Siege. Die Abschlussschwächen dauern schon allzu lange an und man darf nicht darauf vertrauen, dass immer der gegnerische Torhüter dem DFB-Team den Sieg schenkt, wie jetzt Perus Schlussmann. Ein neuer Gerd Müller oder Miroslav Klose oder Mario Gomez (als er noch in Form war) wird gesucht. Nur mit schnellen Stürmern und Positionswechseln allein geht es halt doch nicht. Timo Werner und Marco Reus zeigten sich leider nicht als Torjäger, sondern eher als Chancentod.

Wo sind die Torjäger? Namen gibt es viele, aber wer schafft den Sprung? Naheliegend wäre der nächste Versuch mit Stoßstürmern wie Daniel Ginczek (Wolfsburg), Mark Uth (Schalke) oder sogar Niclas Füllkrug (Hannover), nachdem der nominierte Nils Petersen (Freiburg) ein bisschen zu gehemmt wirkt. Aber auch Junioren, also U21-Kandidaten, sollte Löw im Blick haben, wie Davie Selke (Hertha), Aaron Seydel (1,99 m groß!), Janni Serra (beide Holstein Kiel) oder den Augsburger Marco Richter, ein technisch beschlagener Stürmer. Da sollte Jogi Löw der Mut nicht verlassen, schlechter kann die Torausbeute ja wohl kaum werden.

Auffallend ist, dass die neugeschaffene und mit viel Kritik begleitete Nations League offensichtlich Gefallen gefunden hat. Europas Fußball war im Gespräch, Pflichtspiele statt uninteressante Freundschaftsspiele war ein guter Tausch, die Trainer kamen an ihrer stärksten Mannschaft nicht vorbei und sogar Dänemark setzte den Streik aus. So hat die Nations League Zukunft, doch alle Gedanken an eine Ausdehnung sollte man ad acta legen.

Der heiße Herbst beginnt

Der Fußball in Europa bleibt im Gespräch, nein, er nimmt jetzt erst richtig Fahrt auf, die Nations League war quasi nur ein Vorgeschmack, denn am 18. September beginnt auch die Champions League, der heiße Herbst kommt. Das bedeutet für Vereine, Spieler und Fans, es geht Schlag auf Schlag. Das Beispiel Bayern München, zwischen dem 15. September und 6. Oktober stehen sieben Spiele in 22 Tagen auf dem Programm. Langeweile kommt da nicht auf.

Zunächst gehört das Wochenende den nationalen Meisterschaften. Die Bundesliga wird da mindestens so interessant sein wie die Nations League, wenn zum Beispiel die Partie Wolfsburg – Hertha schon zum Spitzenspiel wird, weil eben zwei der bisher drei Teams ohne Punktverlust aufeinandertreffen. Der Dritte im Bunde ist Bayern München und der hat Bayer Leverkusen zu Gast. Oft ein unangenehmer Gegner, aber jetzt? Leverkusen verpatzte den Start, hat null Punkte und das Problem, dass Trainer Heiko Herrlich schon in Frage gestellt wird. Ähnlich sieht es auf Schalke aus, zwei Niederlagen ließen die Stimmung in den Keller sinken. Was ist aus dem stolzen Vizemeister geworden? Erinnerungen an einen ähnlichen Absturz werden wach. Schalke liebt ja bekanntlich die Extreme. Kommt die Wende ausgerechnet in Gladbach (und dann kommen die Bayern!). Und auch in Stuttgart sehnt man sich nach einer Wende, die Euphorie war groß und dann zwei Niederlagen zum Start! Ausgerechnet beim Derby im Ländle, in Freiburg, soll das Ruder herumgerissen werden. Also: Die Vorzeichen sind gut, die Bundesliga ist interessant und liefert sicherlich den richtigen Start in den heißen Herbst.

Rotation im Spitzenfußball notwendig oder nicht?

 

Irgendein Trainer hat sie im Spitzenfußball einmal entdeckt: Die Rotation. Heute gilt sie oft als Weisheit letzter Schluss, um auf der einen Seite Stammspieler zu schonen, andererseits den Bankdrückern mal eine Chance zu geben, sich zu zeigen. Mal gelingt die Rotation, mal wird sie zum Schuss in den Ofen. Da stellt sich schon die Frage: Ist die Rotation notwendig oder nicht?

Nehmen wir das Beispiel Bayern München in der Bundesliga. Als der neue Trainer Pep Guardiola 2013 als Nachfolger von Jupp Heynckes begann, da sollte er erneut das Triple (Sieg Champions League, Meisterschaft, Pokal) nach München holen. Bekanntlich gelang ihm dies in seinen drei Jahren nicht. Der Spanier beklagte vor allem in den ersten Jahren besonderes Verletzungspech und die Bayern rüsteten entsprechend den Kader auf, nach dem Motto, Verletzungen hin oder her, wir haben immer erstklassige Leute auf dem Feld. Stimmt aber nicht, wie sich immer wieder zeigt. Die Bayern können Verletzungen zwar besser wegstecken als viele andere Vereine, aber ein Leistungsunterschied wird dennoch deutlich.

Das zeigte sich jetzt in der Bundesliga beim Punktverlust gegen Köln. Ancelotti verzichtete zu Beginn freiwillig oder nicht ganz unfreiwillig wegen leichter Blessuren auf Lahm, Boateng, Alaba, Müller, Vidal, Thiago und Ribery. Das Fehlen der sieben Stammkräfte machte sich nachteilig bemerkbar, der erste Punktverlust war das Resultat. Rafinha ist kein Lahm, Bernat ist kein Alaba, Sanches ist kein Vidal, Coman ist kein Ribery. Ein Boateng hinterlässt trotz der starken Hummels und Martinez schon als Typ eine Lücke. Allein Müller durch Robben und Thiago durch Kimmich konnten einigermaßen adäquat ersetzt werden. Vor allem der 21jährige Joshua Kimmich spielt sich in den Vordergrund, entwickelt sich sogar zum Torjäger. Also bald Rotations-Ersatz für Lewandowski? Die Rotation jedenfalls sorgte für einen Rückschlag für die Bayern.

Die Trainer der Spitzenklubs sagen gern, dass sie rotieren müssen, damit alle Spieler im Frühjahr, wenn es darauf ankommt, wirklich fit und nicht müde sind. Sie mögen recht haben, aber gilt dieser Blick schon im Oktober oder November? Gerade in der Bundesliga gibt es auch eine Winterpause für die Regeneration. Bankdrücker können dann eine Chance bekommen, wenn der Klub klar führt und Stammpersonal geschont werden kann. Dann können auch junge Spieler wie Renato Sanches herangeführt werden. Zunächst aber gilt es, die Weichen auf Sieg zu stellen. Sonst kann man im Frühjahr überhaupt nicht ernten, wenn im Herbst schon alles verdorrt, sprich verloren ist. Rotation mag ja gut sein, aber sie sollte mit Augenmaß und ohne Punktverlust praktiziert werden.

Was die Bayern angeht, so können die Münchner nach nicht so berauschenden Leistungen wie dem 0:1 bei Atletico Madrid und dem 1:1 gegen Köln, darauf hoffen, dass jetzt unter Carlo Ancelotti alles anders wird: Nicht die große Form im Herbst, wie meist unter Pep Guardiola, sondern die große Form im Frühjahr, wenn es darauf ankommt. So muss es fast sein, sollte sich der Traum vom Triple endlich erfüllen. Rotation hin oder her.