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Tag: Julian Nagelsmann

Will denn keiner Meister werden?

Bemüht man die Statistik, dann ist die Meisterfrage in der Fußball-Bundesliga eigentlich entschieden: 24mal führte Bayern München nach dem 21. Spieltag die Tabelle an und wurde danach 20mal Meister! Die Chancen für die Verfolger sind also gering. Allerdings taucht nach dem vergangenen Wochenende eher die Frage auf: Will denn keiner Meister werden? Eine Punkteteilung im Spitzenspiel zwischen den Bayern und Leipzig, eine Niederlage von Verfolger Dortmund in Leverkusen und na ja, Gladbach als Vierter durfte dem Treiben an der Spitze zuschauen und hat jetzt nach der Absage des Spiels gegen Köln eine Nachholpartie in der Hinterhand. Den Schwung von Orkan Sabine, der an der Absage schuld war, wünscht man auch den Meister-Anwärtern. Sie alle haben aber ihre Probleme.

Die Münchner sollten sich auf die Statistik auch nicht verlassen, die Bayern von heute haben in keinster Weise die Klasse und das fast schon überbordende Selbstvertrauen ihrer Vorgänger. Zwar hat sich unter Trainer Hansi Flick vieles verbessert, aber zuletzt traten ungewohnte Schwierigkeiten auf. Früher hätten die Bayern eine Vorlage wie die Niederlage von Dortmund genutzt und Verfolger Leipzig geschlagen nach Hause geschickt – eine Vorentscheidung wäre gefallen. Heute fehlt dieses „mia san mia“ und seltsam, dass die Bayern nur selten über 90 Minuten ihre Klasse zeigen, zuletzt immer wieder in der zweiten Halbzeit schwächeln. Da gehen keine Signale an die Verfolger aus wie „ihr braucht euch keine Hoffnungen machen“, sondern sie machen den Verfolgern eher Hoffnung, weil die sehen, auch den Bayern gelingt nicht alles. Auch Thomas Müller rätselt: „Wir hatten in der 2. Halbzeit nicht mehr den absoluten Siegeswillen.“

Gegenüber den Kollegen hat Hansi Flick aber einen Vorteil, die verletzten Spieler kehren Stück für Stück zurück. Die Langzeitverletzten Hernandez und Coman durften ihr Kurz-Comeback feiern, allerdings hat Flick eigentlich seine Wunschformation gefunden, Änderungen geht er nur zögerlich an. Wohl auch deshalb, wenn er sieht, wie die große Hoffnung Coutinho eher zur Belastung wird. Der Zauberer hat seinen Zauber verloren, von ihm gehen keine Impulse aus. Da werden die Bayern keine 100 Millionen auf den Tisch legen, da wären schon 10 Millionen wie für den kanadischen Jungspund Davies zu viel. Der beeindruckt derzeit am meisten, zeigt den Schwung, den die ganze Mannschaft benötigt, bügelt Fehler sofort wieder aus und hilft mit seiner Schnelligkeit einer wackligen Abwehr. Da kann Coutinho nur staunen.

Im Gegensatz zu Flick hat Kollege Lucien Favre in Dortmund mehr Sorgen. Erst das Pokal-Aus in Bremen, jetzt das 3:4 in Leverkusen, das Ziel, etwas Silbernes am Ende der Saison in den Händen zu halten, gerät immer mehr aus dem Blickfeld. Jetzt gesellen sich Verletzungen hinzu, Marco Reus und Julian Brandt waren zuletzt so etwas wie das Herz der Mannschaft, fehlen aber wohl beide einige Wochen. Ein Rückschlag, zumal auch die Champions League wieder startet. Am Freitag kommt erst einmal Frankfurt, am Dienstag aber Thomas Tuchel mit Paris St. Germain. Wieder einmal geht es um Weichenstellung.

Mit Niederlagen musste zuletzt auch Julian Nagelsmann in Leipzig leben, auch die Bullen wurden von Frankfurt aus dem Pokal geworden, da war das 0:0 in München fast schon Balsam auf die Wunden. Da kann Nagelsmann leicht aufatmen „es geht wieder aufwärts“. Seltsam aber, dass die Torjäger alle diesmal Ladehemmung hatten, Werner zielte am leeren Tor vorbei, Lewandowski konnte sich nicht durchsetzen und Wunderknabe Erling Haaland kam für Dortmund zu spät. Der Fußball sorgt immer wieder dafür, dass hochfliegende Stars wieder auf dem Boden der Tatsachen landen.

Verletzungssorgen werden in den entscheidenden Spielen im Frühjahr erfahrungsgemäß wieder eine große Rolle spielen. Die Vereine können jammern oder dem Pech so begegnen wie Leverkusen: Mit Mut, Einsatzwillen und Selbstvertrauen. Das 4:3 gegen Dortmund in einem tollen Spiel könnte ein Signal sein, auch im Vorjahr rollte Bayer das Feld von hinten auf, schoss sich noch in die Champions League. Da sollten die Klubs davor nicht nur auf die Meisterschaft schauen.

Keine Bewegung oben, viel Bewegung unten. Die Underdogs sind obenauf, Paderborn, Düsseldorf, Union Berlin und Mainz punkteten allesamt und brachten Werder Bremen wieder in die Bredouille, sprich auf einen Abstiegsplatz. Ehrenvoll, aber wirklich sinnvoll? Die Bremer halten an Trainer Florian Kohlfeldt auch nach dem 0:2 gegen Union eisern fest. Man möchte ihnen wünschen, dass sie auch belohnt werden, auch wenn man andererseits keinem anderen wünscht, dass er absteigt. Der Kampf wird aber härter, Rückschlag für Hertha, wo Trainer Jürgen Klinsmann zu einem ungewöhnlichen psychologischen Mittel greift, nämlich zwei Tage frei „um die Köpfe frei zu bekommen“. Rückschlag auch für den FC Augsburg, wieder einmal eine peinlich hohe Niederlage, diesmal 0:5 in Frankfurt. Trainer Martin Schmidt hat ein Torhüter-Problem, sein Favorit Tomas Koubek verunsichert das Team immer wieder mit Fehlern, die Nummer zwei, Andreas Luthe, genießt nicht das Vertrauen des Coaches. Wer aber kann Rückhalt im Abstiegskampf sein?

Der Pokal und die eigenen Gesetze

Ein Ausspruch für das Phrasenschwein, aber im Achtelfinale bestätigte sich wieder einmal, dass der Pokal seine eigene Gesetze hat, nämlich, dass es keine Schonfrist für die Favoriten gibt. Die Prominenz musste sich reihenweise verabschieden und sogar die Bayern wackelten beim glücklichen 4:3 gegen Hoffenheim. Leipzig scheiterte aber in Frankfurt, Dortmund beim Abstiegskandidaten Bremen, der aber seltsamerweise diesen Schwung nicht mit ins Treffen gegen Union Berlin nehmen konnte. Mit dem 1. FC Saarbrücken (5:3 im Elfmeterschießen gegen Karlsruhe) zog sogar ein Regionalligist ins Viertelfinale ein. Nach der Auslosung steht Fortuna Düsseldorf auf der „Abschussliste“. Saarbrücken hat derzeit kein eigenes Stadion und sorgt dennoch für Furore. Am 3. oder 4. März heißt das Schlagerspiel Schalke 04 gegen Bayern München, Bayer Leverkusen erwartet Union Berlin und mit Frankfurt und Bremen treffen die beiden Favoriten-Killer aufeinander. Es sieht danach aus, als sollte die Eintracht ihrem Ruf als Pokal-Mannschaft wieder gerecht werden.

Ein „Pokal-Schmankerl“ der besonderen Art lieferte der FC Liverpool. Weil Jürgen Klopp mit einer B-Elf im FA-Cup beim Drittligisten Shrewsbury Town nur unentschieden spielte, gab es ein Wiederholungsspiel, das ausgerechnet in die Liverpooler Winterpause der Premier League angesetzt wurde. Klopp weigerte sich, seinen Stars den versprochenen Urlaub zu streichen und so trat zum Wiederholungsspiel quasi ein Junioren-Team an. 19 Jahre und 102 Tage betrug das Durchschnittsalter der Mannschaft, betreut von Reserve-Coach Neil Critshley. Ein Eigentor des Gegners brachte den Junioren sensationell einen 1:0-Sieg. Klopp saß auf dem Sofa zu Hause und hatte ein Geschenk: Im Achtelfinale gegen den FC Chelsea (Bayerns Gegner in der Champions League) dürfen ein oder zwei dieser Pokal-Helden bei den Profis mitwirken. Wohl eine Art Glücksbringer.

Ende der Spekulationen, aber die Unruhe bleibt

Am 31. Januar endet die zweite Wechselfrist im Fußball, „endlich“ werden viele sagen, die die Nase voll haben von den ständigen Gerüchten und Spekulationen um Spielerwechsel. Leider, werden die Vereinsmanager sagen, die mit ihren Verhandlungen noch nicht zum Ziel gekommen sind. Zwiegespalten sind die Trainer, die einen sind froh, dass endlich Ruhe herrscht und keine Unsicherheit mehr im Kader, die anderen hadern, weil ihr Team nicht so verstärkt werden konnte, wie sie es gern hätten. Und die Fußball-Fans? Die können sich auf eines verlassen: Das Ende der Spekulationen ist am Freitag zwar gekommen, aber die Unruhe bleibt. Dies machte auch der zweite Rückrunden-Spieltag der Bundesliga deutlich.

Spekulationen um Spieler wird es weiterhin geben, denn der nächste Sommer kommt bestimmt und damit erneut Änderungen in der Mannschaft. Nehmen wir nur Bayern München als Beispiel und den „Fall Coutinho“. Der Brasilianer gilt als Ballzauberer und Vorlagengeber, Torjäger Robert Lewandowski freute sich auf einen Zulieferer, der ihm zur Torjägerkanone verhelfen könnte. Aber bisher gab es nur wenige Lichtblicke, selten blitzte das Können des begnadeten Technikers wirklich auf. So bleibt die Unruhe, ob die Leihe verlängert werden soll oder nicht, wohl bis zum Sommer. Es sei denn, die Bayern halten ihre derzeitige Form, Thiago und Goretzka trumpfen weiter auf wie zuletzt, dann hat sich das Thema nämlich erledigt: An dem Mittelfeld mit Kimmich, Thiago und Goretzka kommt Coutinho nicht vorbei, sie sind die Basis des Super-Starts in die Rückrunde mit einem 4:0 bei der Hertha und dem 5:0 gegen Schalke. Das waren Ausrufezeichen! Und der Gewinner heißt außerdem Hansi Flick, der Coach. Viele sehen ihn auf den Spuren von Jupp Heynckes. Dabei sollte man auch Co-Trainer Hermann Gerland nicht vergessen.

Einiges von den Bayern vermisst Trainer Julian Nagelsmann bei seinen Leipziger Schützlingen. Der 32-Jährige Jungtrainer sah bei seiner Mannschaft bei der 0:2-Niederlage in Frankfurt nicht die Gier nach dem Titel, wie sie die Bayern an den Tag legen und faltete seine Spieler zusammen. „Wir sind nicht so gut, wie wir alle sein wollen“, moserte er und bemängelte vor allem schlechte Trainingsleistungen. Ein überraschender Wachrüttler, sind doch die Bullen Tabellenführer, blieben erstmals in dieser Saison ohne eigenen Treffer und haben eine Serie von neun Ligaspielen ohne Niederlage hinter sich. Nagelsmanns Weckruf soll wohl Muntermacher für die nächsten Aufgaben sein. Wie wach seine Mannschaft geworden ist, wird sich am Samstag gegen den Dritten Gladbach zeigen und am Sonntag, 9. Februar, bei den Bayern. Zwei Spiele, die den Weg weisen. Nach Nagelsmann Worten entweder zum Gipfelkreuz oder es geht an den Abstieg vom Gipfel.

Es könnte ja sein, dass Leipzigs Stars dem ungewohnten Druck mit der Aussicht auf die Meisterschaft nicht standhalten. Ein Druck, den die Bayern nicht als Druck kennen und der sie anstachelt. Ein Druck, den Fußball-Profis aushalten sollten, was aber nicht jedem gelingt. So war wohl auch der Druck für den jungen Schalker Torhüter Markus Schubert zu groß. Der U21-Nationaltorhüter patzte zweimal bei den Bayern, lud zu Toren ein und so gelangten einige Super-Paraden in den Hintergrund. Schubert bestand die Bewährungsprobe im Zweikampf um den Platz im Tor mit dem wechselwilligen Alexander Nübel nicht. Der zuletzt gesperrte Keeper sieht seine Zukunft künftig bei den Bayern und fordert dort Platzhirsch Manuel Neuer heraus, während er in der Rückrunde sehen muss, ob Schalkes Trainer David Wagner ihm noch vertraut oder schon auf die Zukunftslösung Schubert setzt. Allerdings geht es bei den Vereinen um den aktuelle Erfolg und da hat Schubert den Konkurrenten in die Pole Position gebracht: Was die reine Torhüterarbeit angeht, mag Schubert nicht schlechter sein, aber Nübel hat die weitaus größere Ausstrahlung und sorgt eher für Sicherheit bei seinen Vorderleuten. Das wurde in München deutlich.

Der Kampf um den Titel bleibt heiß, der Abstiegskampf ebenso und unversehens sehen sich da wieder Mannschaften verstrickt, die sich schon ins Mittelfeld abgesetzt hatten. Der FC Augsburg zum Beispiel, der zuletzt drei Niederlagen in Folge hinnehmen musste. Die schöne Zeit des Erfolgs ist Vergangenheit, jetzt lebt man von dieser Punktesammlung (davor drei Siege in Folge und sechs Spiele ohne Niederlage). Ausruhen geht nicht, es wird wieder ernst, vor allem am Samstag gegen Werder Bremen. Gewinnt der FCA, gewinnt er auch Ruhe und stürzt Werder endgültig ins Chaos, gewinnt Werder ist Augsburg wieder mittendrin im Abstiegskampf. Den hat auch Paderborn belebt und mischt ernsthaft mit, während Düsseldorf ans Tabellenende stürzte. Jetzt fliegen dort die Funken rund um Trainer Friedhelm Funkel. Steht er durch ein Ultimatum unter Druck oder nicht?

Es ist so, die Spekulationen um Spielerwechsel enden, die Unruhe nicht.

Sonderrolle für die 2. Bundesliga

Die 2. Bundesliga giert immer nach Gelegenheiten, um den Schatten des Oberhauses zu entfleuchen. Das gelingt vor der Saison mit einem Frühstart und ein bisschen auch beim Start ins neue Jahr, indem nämlich die Rückrunde mit dem 19. Spieltag unter der Woche mit Spielen von Dienstag bis Donnerstag fortgesetzt wird. Zur Erinnerung: Tabellenführer ist überraschend Arminia Bielefeld (34 Punkte) vor den eigentlichen Favoriten Hamburger SV und VfB Stuttgart (je 31) und Außenseiter FC Heidenheim (30). Schlusslicht ist ähnlich überraschend Dynamo Dresden (13) mit schon vier Punkten Rückstand auf Wehen Wiesbaden (17), davor der 1. FC Nürnberg (!!!/19) und Karlsruhe sowie Bochum (je 20).

Die zweite Liga ist durch zahlreiche Ex-Bundesligisten und Traditionsvereine durchaus attraktiv, dennoch drängt es alle nach oben, weil es im Oberhaus wesentlich mehr Geld zu verdienen gibt. Schulden in der zweiten Liga, Gewinn in der ersten darf durchaus als Regel bezeichnet werden. Das setzt sich auch bei der Schnittstelle zur 3. Liga fort.

Wer also aus der Bundesliga absteigt, der reduziert oft nicht seinen Etat wesentlich, sondern der will mit aller Macht wieder nach oben, was manchmal auch schiefgeht und sogar zum absoluten Absturz führt. Das gilt derzeit für zwei Bundesliga-Absteiger, den 1. FC Nürnberg und Hannover 96, das nur unwesentlich besser dasteht und eher durch Chaos im Verein auffällt. Einzig der VfB Stuttgart darf am Wiederaufstieg schnuppern, versucht ihn auch mit aller Macht mit dem neuen Trainer Pellegrino Matarazzo, der bisher allerdings nur im Nachwuchs tätig war, aber einen prominenten Fürsprecher hat: Julian Nagelsmann. Der HSV wiederum vertraut Coach Dieter Hecking und ist beim Wiederaufstieg schon ein Jahr im Verzug. Mit Beyer (Gladbach), Schaub (Köln) und jetzt noch Stürmer Pohjanpalo (Leverkusen) dürften sich die Hanseaten sinnvoll verstärkt haben. Spitzenreiter Bielefeld spürt den Atem der Verfolger und die Frage lautet: Hält die Arminia durch?

Die 2. Bundesliga wird so die attraktivste zweite Liga in Europa bleiben. Aber Achtung, Unruhe gibt es auch im Unterhaus.

Das Problem der Spieler: „Ich bin kein Mann für die Bank“

Eigentlich herrscht im Fußball Winterpause bzw. Weihnachtsruhe. Doch die Ruhe gibt es nur vordergründig bzw. auf dem grünen Rasen. Spieler und Trainer sind im Urlaub, doch hinter den Kulissen wird hart gearbeitet, schließlich gilt es die Pause zu nutzen, um einerseits die Mannschaft zu verstärken, wenn es nicht so geklappt hat wie gewollt, andererseits gilt es Spieler zu verkaufen, wenn sie sich nicht so präsentiert haben wie erhofft. Aber da sind wir schon bei einem Problem des Fußballs: Spieler und Trainer haben oft unterschiedliche Vorstellungen und wer nicht zum Einsatz kommt, der meutert manchmal schnell und klagt sogar in der Öffentlichkeit: „Ich bin kein Mann für die Bank“.

Wie sich Spieler im Extremfall zu einem anderen Verein streiken können, dies musste in den letzten Monaten vor allem der FC Augsburg erleben, der sich von Akteuren im Unfrieden trennte. Prominentester Fall war Martin Hinteregger, der erst den Trainer kritisierte, dann als Leihspieler in Frankfurt sein Glück fand und als er nach Augsburg zurückkehren musste, da zeigte er in seinem Benehmen (einschließlich Sauftour) deutlich, „hier will ich nicht mehr sein“. Der FCA und sein Manager Stefan Reuter gaben nach, Hinteregger ist jetzt bei der Eintracht wieder glücklich.

Doch damit hatten die Augsburger noch nicht alle Probleme gelöst. Als der Holländer Gouweleeuw nach einer Verletzungspause zurückkehrte, fand er sich auf der Bank wieder, weil die Abwehr beim FCA plötzlich funktionierte und Trainer Martin Schmidt keinen Grund sah, zu wechseln. Prompt liebäugelte der Holländer öffentlich mit einem Wechsel und machte deutlich, „ich bin kein Mann für die Bank“. Da fand er sich in Gesellschaft von Vereinskamerad Michael Gregoritsch, der ebenfalls nach Einsatzzeiten lechzte, weil er seinen Platz in der Nationalmannschaft Österreichs in Gefahr sah. Seine Botschaft war deutlich: „Ich will weg, ich muss spielen.“ Die Probleme wurden gelöst: Gouweleeuw ist wieder Stammspieler, Gregoritsch wurde zu Schalke ausgeliehen. Ob er dort spielt?

Der RB Leipzig absolviert bisher seine erfolgreichste Saison in der Bundesliga und ging als Halbzeitmeister in die Winterpause. Dennoch war Trainer Julian Nagelsmann nicht immer glücklich, so klagte er nach einem Testspiel über die Ersatz- und Einwechselspieler, die seiner Meinung nach nicht den nötigen Ehrgeiz zeigten. „Der eine oder andere wirkte etwas beleidigt,“ staunte er und berichtete, dass er zuletzt mehrmals Besuch in seinem Büro hatte, „weil die Spieler ihren Unmut über zu wenig Einsatzzeiten loswerden wollten“. Seltsam eigentlich, denn die Profis müssen doch wissen, dass aus einem Kader von etwa 25 Mann pro Spiel nur höchstens 14 zum Einsatz kommen können. Aber jeder hält sich für den Größten, Teilzeitarbeit ist verpönt. Manchmal fehlt allerdings auch der Ehrgeiz im Training, aber professionell wollen sie alle sein – und wenn es nur beim Kassieren ist!

Deshalb ist jetzt hinter den Kulissen wieder viel los und über Spielerwechsel kann trefflich spekuliert werden. Das Problem, am Ende doch wieder nur auf der Bank zu sitzen, wird manchmal nur von Verein zu Verein verlagert. Typisches Beispiel: Dortmund meldete den Coup mit Norwegens Talent Erling Haaland. Der 19-Jährige Torjäger, der bei RB Salzburg unter anderem in der Champions League für Furore sorgte, war bei allen großen Vereinen im Gespräch, landete aber jetzt bei der Borussia, die bekanntlich einen Mittelstürmer suchte, weil Torjäger Alcacer oft verletzt ist und selten richtig in Form kommt. Vertreten wurde er entweder von Marco Reus, der lieber in der zweiten Reihe agiert, oder sogar von Mario Götze, eher ein Einfädler, meist aber auf der Bank. Eigentlich ist auch der Schütze des Siegtreffers zu Deutschlands WM-Titel 2014 kein Mann für die Bank und deshalb wird fleißig über einen Wechsel spekuliert. Besonders im Gespräch ist dabei Hertha BSC Berlin, denn dort hat der neue Trainer Jürgen Klinsmann forsch mitgeteilt, dass man sich verstärken werde. Fündig wird er wohl auf den Ersatzbänken der Konkurrenz, denn dort sitzen viele, die meinen, sie seien doch kein Mann für die Bank. Möglich, dass aber auch Klinsmann später feststellt, dass die Bank der Platz für den Neuzugang ist, wenn sich der Erfolg dann doch nicht einstellt. Der Fußball ist halt manchmal sein seltsames Spiel.

Retter Zirkzee macht bei Bayern alle glücklich

Es ist Weihnachten, Geschenke werden verteilt, in der Fußball-Bundesliga bereits vor dem Fest. Es naht aber auch das Jahresende, der Fußball hierzulande verabschiedet sich in die Winterpause, die eigentlich nur eine kurze Weihnachtspause ist. Zeit also für eine Zwischenbilanz nach Ende der Hinrunde, Zeit aber auch, sich den Geschenken zu widmen.

Natürlich, der RasenBallsport Leipzig (welch ein Name) wurde überraschend Weihnachtsmeister, aber am glücklichsten waren sie in den letzten Tagen von den Spitzenteams in München. Nach den frustrierenden 1:2-Niederlagen gegen Leverkusen und Gladbach mit einer Chancenverschwendung ohnegleichen sorgten die geforderten drei Siege zum Abschluss gegen Bremen, Freiburg und Wolfsburg wieder für gute Stimmung. Platz drei und nur vier Punkte Rückstand auf Leipzig fallen unter das Motto Schadensbegrenzung (im Vorjahr waren es sechs Zähler Rückstand auf Dortmund), alle Titel sind noch möglich und so feiert man in München frohe Weihnachten. Die Geschenke hat man schon erhalten, das Bayern-Dusel ist zurück.

Glücklich machte die Bayern vor allem ein 18-Jähriger namens Joshua Zirkzee. Der Niederländer ist 1,93 m groß, kam vor zwei Jahren von Feyenoord Rotterdam, ließ in der U17 und U19 sein Talent erkennen und wurde kürzlich unter Trainer Hansi Flick in den Profikader aufgenommen, seine Stammmannschaft ist die Bayern II in der 3. Liga. Zum Teil aus Verzweiflung, zum Teil, weil er ein glückliches Händchen hat, brachte Flick am Mittwoch In Freiburg den jungen Stürmer kurz Schluss als letzte Hoffnung, um beim 1:1 das Match noch zu drehen. Zirkzee traf nach 104 Sekunden mit der ersten Ballberührung, Bayern gewann in der Nachspielzeit 3:1. Und um das Märchen auf die Spitze zu treiben, kam Zirkzee beim Stande von 0:0 am Samstag auch gegen Wolfsburg, brauchte zwar fast drei Minuten traf aber wieder mit der ersten Ballberührung. Ein Tor von Gnabry folgte wie in Freiburg – welche eine Doublette. Zirkzees Bilanz: Acht Minuten Spielzeit, acht Ballberührungen, zwei Torschüsse, zwei Tore. Erstaunlich: In der Bayern II war er noch nicht erfolgreich und am Sonntag beim 1:1 gegen Würzburg konnte er zwei hochkarätige Chancen nicht nutzen. So bleibt der junge Mann wohl leichter auf dem Boden. Aber er machte die Bayern auch deshalb stolz und glücklich, weil sie den ersten Ertrag aus einer verbesserten Nachwuchsarbeit im sogenannten Campus ernten konnten.

Aber das waren nicht die einzigen Geschenke bei den Bayern pünktlich zum Weihnachtsfest. Hansi Flick bleibt bis zum Jahresende Trainer, nachdem er die Mannschaft nachhaltig auf Vordermann gebracht hat, wobei der Verein ausdrücklich darauf hinweist, dass er auch darüber hinaus Cheftrainer bleiben könnte. Sein Vertrag als Co-Trainer läuft bis 2021. Als Neuzugang im Sommer wird Schalkes Torhüter-Talent Alexander Nübel gehandelt. Seinen Abgang auf Schalke hat er kundgetan, bei Bayern soll er einen Fünfjahresvertrag unterschreiben und als Neuer-Nachfolger aufgebaut werden und für einige Spiele eine Einsatzgarantie haben. Andere Großvereine in Europa schauen dann in die Röhre. Gut auch, dass Torjäger Robert Lewandowski erfolgreich an der Leiste operiert wurde, so sollte er zum Rückrundenstart am 19. Januar in Berlin und sogar zum umstrittenen Trainingslager ab 4. Januar in Katar wieder an Bord sein. Auch Neugänge wie Verteidiger Benjamin Henrichs (derzeit Monaco) oder vielleicht sogar Leroy Sane (Manchester City) sind im Gespräch. Im Januar wollen die Bayern wieder einen großen Kader haben, gegen Wolfsburg saß gerade noch Boateng als Feldspieler vom Profikader auf der Bank und musste prompt den verletzten Martinez ersetzen.

Leipzg darf vom Titel träumen

Viele Teams kamen in den letzten Spielen quasi auf dem Zahnfleisch daher, nicht aber RB Leipzig. Den Brause-Klub mögen die Fans in Deutschland zwar nicht, aber man muss den Verantwortlichen schon ein Kompliment machen, wie sie mit dem Red-Bull-Geld den Verein langsam und mit dem Auge für junge Spieler zu einem Spitzenteam aufgebaut haben. Ralf Rangnick hat die Basisarbeit geleistet, Julian Nagelsmann führt sie fort und hat das Team weiterentwickelt. Die Halbzeitmeisterschaft ist der erste Schritt zum Titelgewinn, 68 Prozent holten am Ende auch den Titel. Leipzig darf also träumen. Abzuwarten bleibt, wie Leipzig mit Rückschlägen und Formtiefs, die kommen werden, umgeht. Torjäger Timo Werner zum Beispiel hat noch kein Jahr auf diesem Niveau durchgehalten. Deshalb bleibt bei den Verfolgern die Hoffnung am Leben. Zuletzt aber beeindruckte Leipzig mit zwölf Spielen in Serie ohne Niederlage, schaffte so auch den Einzug ins Achtelfinale der Champions League.

Die englische Woche zum Abschluss der Vorrunde hatte es zweifellos in sich. Borussia Dortmund verlor leichtfertig an Boden und von frohen Weihnachten ist nach dem 3:3 gegen Leipzig und 1:2 in Hoffenheim (beide Male eine Führung verspielt) nicht die Rede, sondern da spricht man im Verein von einem „Scheiß-Gefühl“. Konstanz war für den Titel-Anwärter ein Fremdwort, mal wähnte er sich nach begeisternden Spielen im Himmel, dann wieder sah man sich nach verkorksten Spielen in der Hölle.

Die schlechteste Stimmung herrscht derzeit wohl in Bremen. Da brach die Mannschaft in den letzten Spielen buchstäblich auseinander, kassierte nach dem 1:6 in München noch ein 0:5 gegen Mainz und 0:1 in Köln, zwei Spiele, die entscheidend im Abstiegskampf waren. Bremen sackte auf einen Abstiegsplatz ab, wollte aber wohlgemerkt die Plätze für Europa angreifen – vor der Saison. An Trainer Florian Kohfeldt wollen die Bremer tapfer festhalten und der verspricht: „Wir steigen nicht ab.“ Der Start zur Rückrunde wird heiß mit dem Gastspiel in Düsseldorf (ein Punkt besser). Dort wird der Vertrag mit Friedhelm Funkel verlängert, mehr als den Klassenerhalt fordert man bei der Fortuna nicht.

Ähnlich wie in Bremen ist die Stimmung auch in Frankfurt, doch die Eintracht hat genug Punkte gesammelt und bessere Zeiten erlebt, war jedoch zuletzt nach 31 Spielen in der ersten Saisonhälfte total am Boden zerstört. Viele Vereine erleben einen Einbruch, wenn sie mal die Bayern besiegen, warum auch immer. Auch die Eintracht erlebte dieses Phänomen, nach dem 5:1 über die Münchner gab es keinen Sieg mehr!

Das Gegenteil ist beim 1. FC Köln der Fall, der erlebte die englische Woche als Geschenk, drei Spiele, drei Siege und das Team unter dem neuen Trainer Markus Gisdol marschierte vom Tabellenende weg bis auf Rang 15, der den Klassenerhalt garantiert. Neues Schlusslicht ist Neuling SC Paderborn, doch hier gibt es dennoch zumindest ruhige Weihnachten, das 2:1 gegen Frankfurt lässt die Hoffnung keimen, dass der Klassenerhalt durchaus machbar ist. Schön, dass es noch Vereine gibt, die realistisch bleiben und keine utopischen Ziele als machbar verkaufen. Ein bisschen Vernunft gibt es also in der Bundesliga immer noch.

Ein kleiner Blick noch auf Bilanzen: Die meisten Tore erzielte Leipzig (48) vor den Bayern (46), die wenigsten kassierten Gladbach und Wolfsburg (je 18). Aber aufgepasst: Die beste Chancenverwertung hat Augsburg, von 78 Großchancen wurden 35,9 Prozent genutzt (Leipzig 35,3 % von 136, die Bayern nur 27,9 % von 165, die Höchstzahl). Beste Heimmannschaft war Gladbach mit 22 Punkten, in der Fremde am wohlsten fühlt sich Leipzig und holte 20 Zähler. Die Torjägerliste führt Robert Lewandowski mit 19 Treffern an vor Timo Werner (18). In der Skorerliste (Tore und Vorlagen) liegt aber Werner mit 25 Punkten vor Lewandowski (22). Kurios: Beide Spieler führen mit der Durchschnittsnote von 2,44 die kicker-Rangliste der Top-Feldspieler an (bester Torhüter ist Hradecky (Leverkusen/2,68).

Die Fans können ruhige Weihnachten genießen, den Jahreswechsel feiern und sich dann schon wieder für die Rückrunde warmlaufen, am Freitag, 17. Januar, geht es mit dem Spitzenspiel Schalke (5.) – Gladbach (2.) weiter, im Hinspiel gab es allerdings ein 0:0.

Das Dilemma der Trainer und mit den Trainern

Die Medien-Welt jubiliert und die Fußball-Fans tun es wahrscheinlich auch: Die Bundesliga ist so spannend wie nie, die Vereine an der Spitze rücken immer enger zusammen. Von den ersten sieben Klubs hat kein einziger gewonnen! So darf Borussia Mönchengladbach als Verlierer im Spitzenspiel Tabellenführer bleiben und der VfL Wolfsburg tummelt sich weiter in einer illustren Runde der ungeschlagenen Vereine in Europa, u. a. mit dem FC Liverpool, Juventus Turin und Ajax Amsterdam. Allerdings: Die Bewährungsproben für Wolfsburg kommen erst noch. Sonntag gegen Augsburg wohl noch nicht (trotz des Auftritts des FCA gegen Bayern), aber dann geht es nach Dortmund, folgen Leverkusen und Frankfurt als Gegner.

Was vielen gefällt, gefällt einem Verein nicht: Dem FC Bayern München. Der Serienmeister, der seinen achten Titel in Folge anstrebt, steht am Rande einer Krise, die neue Herbstkrise wird nämlich bereits in den Raum gestellt in Erinnerung an den Herbst 2018. Am Ende holten die Bayern dennoch das Double und nur diese Erinnerung sorgt dafür, dass es statt Krise nur ein Grummeln gibt, dies aber deutlich. Die Bayern stehen aber auch für ein Phänomen, mit dem die Bundesliga zu kämpfen hat: Das Dilemma der Trainer und mit den Trainern.

Die Trainer haben das Problem mit der Erwartungshaltung, mit den Fans und mit den Spielern. Siehe das Luxusproblem von Niko Kovac in München, der zwar eine starke Mannschaft mit vielen Stars führen darf, aber den Kader einfach nicht in Bestform bringen kann. Das wiederum macht das Dilemma mit den Trainern deutlich: Die Übertrainer fehlen heute, die Vereine müssen sich mit sogenannten B-Kandidaten zufrieden geben, sie verpflichten Mister B, hätten aber lieber Mister A, doch der war nicht zu bekommen. Nur so ist auch der Trend zu eher unbekannten und unerfahrenen Coaches zu werten, weil einige Klubs mit diesen Lösungen unerwartete Erfolge erzielten und jetzt hoffen auch andere auf diesen Effekt. Denn: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Auch Niko Kovac wurde in München nicht von allen mit offenen Armen aufgenommen. Durch das Double hat sich sein Standing im Verein verbessert, aber alle Zweifel konnte er nicht ausräumen, sie sind permanent vorhanden. Er zählt derzeit ebenso zu den Verlierern im Verein wie Thomas Müller, dessen Rolle er ungeschickt gehandelt hat. Nicht nur die letzten erfolglosen Spiele der Bayern (1:2 gegen Hoffenheim, 2:2 in Augsburg) zeigten, dass es Kovac nicht gelingt, das Bayern-Spiel positiv zu entwickeln und die Klasse der Spieler umzumünzen in ein attraktives Spiel. Pep Guardiola lässt grüßen, alles war die Bayern von heute bieten, sind mehr oder weniger Reste vom einstigen Glanz. Und so lechzen nicht nur die Bayern nach Trainern wie eben Pep Guardiola oder Jürgen Klopp. Einen Klon von den beiden gibt es nicht. Auch Hoffnungsträger Julian Nagelsmann stößt in Leipzig an seine Grenzen, drei sieglose Spiele dämpfen die Meisterhoffnungen und Lucien Favre in Dortmund muss den Beweis erst erbringen, dass er Titel gewinnen kann. Sein Müller heißt übrigens Mario Götze.

Da der Jubel, dort der Frust über die Spannung in der Bundesliga. So freuen sich die Fans über Schlagerspiele en masse, jedes Spiel ist von enormer Bedeutung, es spielen nur Derby-Emotionen wie beim Ruhrpott-Schlager Schalke – Dortmund eine Rolle. Schalke nutzte zweimal nicht die Chance zum Sprung an die Spitze, jetzt ist der wieder möglich – von Rang sieben aus! Dafür müssen die Bayern erneut schwächeln, dass dies gegen Union Berlin sein kann, hält man angesichts der letzten Leistungen für möglich.

Auch am Tabellenende geht es eng zu und auch ihr gibt es an jedem Spieltag ein Schlagerspiel. Nur der SC Paderborn droht den Anschluss zu verlieren, wartet auf den ersten Sieg. Ob er ausgerechnet gegen den „Tabellenführer“ Düsseldorf gelingt? Deren Coach Friedhelm Funkel hat nämlich eine Motivation für seine Jungs gefunden: „Wir sind Tabellenführer im Keller.“ Mainz gegen Köln ist das zweite brisante Keller-Duell.

Der Fußball-Herbst hätte diese Spannung für die Aufmerksamkeit gar nicht gebraucht, denn mit den europäischen Spielen und DFB-Pokal geht es sowieso rund. Diese zusätzlichen Belastungen können Einfluss nehmen. Oder Verletzungen, wie sie die Bayern zu beklagen haben, mit dem Ausfall von Abwehrchef Niklas Süle. Da wird manche Planung über den Haufen geworfen, aber von einem Notfall darf nicht gesprochen werden, der Trainer hat viele Möglichkeiten, um mit Boateng, Pavard, Hernandez und Martinez den Ausfall zu kompensieren. Thomas Müller wird von diesem Ausfall nicht profitieren. Und was die Nationalmannschaft angeht, da sind die Medien zur Stelle und drängen Mats Hummels Bundestrainer Joachim Löw auf. Doch auch der müsste eigentlich in seinen Zukunftsgedanken einkalkuliert haben, dass sein Abwehrchef ausfallen kann. Alles andere wäre sehr kurzsichtig. Holt er Hummels jetzt zurück, wäre dies ein Eingeständnis dieser Kurzsichtigkeit.

Apropos Spannung: Spannend geht es auch in Spanien zu und auch in der Champions League. Ob es am Ende wirklich eine bessere Ausgangslage verspricht, wenn man Gruppensieger wird? Da tut sich noch Seltsames, Real Madrid ist Schlusslicht in der Gruppe A nach einem 0:3 in Paris und 2:2 gegen Brügge, der FC Liverpool nur Dritter in der Gruppe E nach einem 0:2 in Neapel und mühsamen 4:3 gegen Salzburg und der FC Barcelona ist in der Gruppe F Zweiter hinter Dortmund. Doch das kann sich schnell ändern, die Dortmunder stehen vor den beiden entscheidenden Duellen mit Inter Mailand um den Einzug ins Achtelfinale, denn Barca bleibt Favorit. Wie auch immer, ein heißer Herbst ist gewiss.

In der Bundesliga gibt es ein Tempolimit

Tempo, Tempo – das war an den ersten Spieltagen das Motto der erfolgreichen Mannschaften in der Fußball-Bundesliga. Doch jetzt mussten Teams wie Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und mit Abstrichen auch Werder Bremen, Hertha BSC Berlin und Eintracht Frankfurt feststellen, dass es in der Bundesliga ein Tempolimit gibt. Alle sahen das Stoppzeichen, von den ersten sieben Klubs gewann am Wochenende nur der FC Bayern München!

Es war die Auffälligkeit am 9. Spieltag, dass die Mannschaften mit dem Markenzeichen Tempo-Fußball oder schnelles Umschaltspiel erste Rückschläge hinnehmen mussten. Die Bäume wachsen halt nicht in den Himmel, die Konkurrenz hat nach Gegenmitteln gesucht und so mussten einige den Fuß vom Gas nehmen. Andererseits zeigten andere zudem, dass man auch mit nüchternem, sicherem Fußball zum Ziel kommen kann, so zum Beispiel Bayern München und der FC Augsburg. Aber zugegeben, der Tempo-Fußball ist schöner anzuschauen, doch am Ende zählen (vor allem für die Trainer und ihren Arbeitsplatz) nur die Ergebnisse und die Punkte.

Apropos Trainer und Arbeitsplatz, vor einem Jahr lag am 9. Spieltag Borussia Dortmund ebenfalls an der Spitze, begeisterte mit Tempo-Fußball, sah sich aber mit den Bayern mit jeweils 20 Punkten gleichauf. Jupp Heynckes saß beim 1:0-Sieg in Hamburg erstmals wieder auf der Bayern-Bank. Der Abstieg der Dortmunder (mit der Entlassung von Trainer Peter Bosz) und der Durchmarsch der Münchner begann. Ähnliches ist allerdings in diesem Jahr nicht zu erwarten. Rückschläge wird es für die jungen Dortmunder zwar geben (Borussia-Boss Watzke: „Wir sind noch zu grün“), aber einen so gravierenden Einbruch kaum. Auf der anderen Seite machen die Bayern nicht den Eindruck einer Übermannschaft. Sie erarbeiten sich derzeit Siege und Punkte, die Leichtigkeit fehlt. Im Blickpunkt bereits das große Duell am 10. November in Dortmund.

Trainer und Arbeitsplatz – der von Heiko Herrlich in Leverkusen dürfte vorerst gefestigt sein, Bayer feierte mit dem 6:2 in Bremen eine Art Wiederauferstehung, allerdings war Werder gnädig und half ein wenig mit. Aber die Konstanz geht allen Himmelsstürmern ein bisschen ab, das zeigte sich beim 1:3 von Gladbach in Freiburg ebenso wie beim 1:1 von Frankfurt in Nürnberg. Der Aufsteiger hätte gern alle drei Punkte mitgenommen, um Abstand nach unten zu wahren. Das Schlusslicht teilen sich kurioserweise zwei Mannschaften, die punkt-und torgleich gleich schlecht sind – Fortuna Düsseldorf und der VfB Stuttgart mit nur fünf Punkten und je 6:21 Toren. Mehr Gegentreffer musste sonst niemand hinnehmen. Bei Stuttgart hat der Trainerwechsel nicht gefruchtet, in Düsseldorf ist davon keine Rede – vorerst noch.

Heldt kennt die Regeln nicht

Wie könnte es anders sein, rund um die Spiele gab es wieder vielfach Diskussionen um den Videobeweis. Die Schwäche: Eine Einheitlichkeit war nicht zu erkennen, manchmal waren die Leute im Kölner Keller einfach zu voreilig. Manchmal blamierten sich aber auch die Eiferer in den Vereinen, so wie Hannovers Manager Horst Heldt. Von einem Sportdirektor sollte man meinen, dass er die Regeln kennt, auch wenn sie manchmal etwas hart zuungunsten des eigenen Vereins ausgelegt werden. Dass Schiedsrichter Dr. Kampka das Handspiel von Haraguchi nach Hinweis des Video-Assistenten und TV-Bildern auch als solches wertete, war regelgerecht. Natürlich bekam der Japaner aus kurzer Distanz den Ball an den Arm, dieser war aber ausgestreckt und deshalb war es Hand. Heldt moserte süffisant, dass Haraguchi den Arm schlecht in der Kabine lassen könne. Auffällig ist aber, dass eben wegen dieser Regel viele Abwehrspieler mit auf den Rücken verschränkten Armen sich einem Gegenspieler beim Schussversuch entgegenstellen. Heldt schoss einmal mehr über das Ziel hinaus und disqualifizierte sich als angeblich guter Manager.

Auf Europas Bühnen herrscht unter der Woche Pause, dafür darf der DFB-Pokal wieder in den Mittelpunkt rücken. Der Wettbewerb, der bei manchen Klubs als schnellste Möglichkeit auf dem Weg zu einem Titel angesehen wird, der Wettbewerb, in dem der eine oder andere Trainer, wenn er sein Team im Vorteil sieht, sonstigen Ersatzspielern einen Einsatz schenkt. Das Motto „Klein gegen Groß“ bleibt auch bestehen, vor allem im Duell SV Rödinghausen (Regionalliga) gegen Bayern München. Da zeigte sogar die ARD ein Interesse für eine Live-Übertragung am Dienstag im Fernsehen, was vielen sauer aufstieß („Immer die Bayern“). Spektakulärer sicherlich am Mittwoch (auch in der ARD) die Partie RB Leipzig – TSG Hoffenheim, wenn Trainer Julian Nagelsmann mit seinem aktuellen auf seinen künftigen Verein trifft. Eine seltene Konstellation, dass diese Fakten schon feststehen. Nagelsmann kann also auf keinen Fall verlieren, eine glückliche Situation für einen Trainer.

Chaoten wollen den Krieg

Der deutsche Fußball musste am Wochenende wieder einmal mit schlimmen Begleiterscheinungen von Seiten der Fan-Chaoten leben. Die wollen gegenüber der DFL, dem DFB und auch der Polizei offensichtlich den Krieg, nachdem alle Bemühungen um eine Verständigung gescheitert sind. Gewalt vor den Stadien und vor allem auf den Rängen kann aber zu einer ernsthaften Bedrohung für den Fußball werden. Den Fußball, den die Ultras angeblich lieben.

In Dortmund randalierten Hertha-Chaoten auf der Tribüne, brannten unter dem Schutz eines riesigen Banners Pyrotechnik ab und lieferten sich dann eine Schlägerei mit der Polizei, als diese aus Sicherheitsgründen das Banner einkassierte, damit man gegen das Abbrennen von Pyros einschreiten kann. Rund 200 Randalierer schlugen mit Stangen auf die Polizisten ein, die sich u. a. mit Pfefferspray wehrte. Es gab etliche Verletzte.

Ein beleidigendes Banner gegenüber einem tödlich verunglückten Polizisten zeigten Chaoten in Rostock. In Worms wiederum brannten bei einem Fan die „Sicherungen“ durch, als im Regionalligaspiel Gast Pirmasens den 1:1-Ausgleich erzielte. Der Zuschauer überwand den Zaun und schlug den Wormser Trainer Peter Tretter, der leicht verletzt wurde.

Es ist eine traurige Tatsache, dass die Gewalt in den Fußballstadien offensichtlich zurückgekehrt ist. Diese einzudämmen bzw. sogar zu verbannen wird eine schwierige Aufgabe für die Verantwortlichen.

Der FC Bayern München am Scheideweg

Der Verein ist ein Markenzeichen, das selbstbewusste „mia san mia“ ist legendär, in Fußball-Deutschland hält der FC Bayern München fast alle Rekorde, seit fünf Jahren dominiert er in die Bundesliga, seine Titelsammlung ist national unerreicht: 27 Meisterschaften, 18 Pokalsiege, je 6 Siege im Supercup und Ligapokal, dazu international Champions-League-Sieger (2001, 2013), davor Europapokalsieger der Landesmeister (1974, 1975 und 1976 das Triple), Europapokalsieger der Pokalsieger (1967), UEFA-Pokalsieger (1996), Weltpokalsieger (1976, 2001), Klub-Weltmeister (2013) und UEFA-Superpokalsieger (2013). Kein Wunder, dass Bayern München auch auf Europas Bühne Spitze ist und in einem Atemzug mit den englischen und spanischen Spitzenteams genannt wird. Doch jetzt ist der Wurm drin, das Ende der glorreichen Jahre droht – wenn nicht die Wende gelingt. Auf jeden Fall steht der FC Bayern München am Scheideweg.

Als der Deutsche Rekordmeister 2013 unter Jupp Heynckes das begehrte Triple holte, als der Traum vom Sieg in der Champions League in einem deutschen Finale gegen Borussia Dortmund wahr wurde (dazu national Meisterschaft und Pokalsieg), da schien eine glorreiche Zeit für die nächsten Jahre möglich, zumal der Spanier Pep Guardiola als Nachfolger von Heynckes gewonnen werden konnte, damals allgemein als bester Trainer der Welt bezeichnet, nachdem er mit dem FC Barcelona erfolgreich war und „Zauber-Fußball“ bot. So sollte er in München weitermachen, allerdings gelang der große Wurf in der Champions League nicht. Immerhin dominierte Pep mit seinem Team den nationalen Fußball und die Bayern spielten in dieser Phase ihren schönsten Fußball. Den Drei-Jahres-Vertrag wollte der Spanier am Ende nicht verlängern und die Münchner holten sich einen Mann, der offensichtlich weiß, wie man die Champions League gewinnt: Den Italiener Carlo Ancelotti.

Diese Verpflichtung war allerdings ein großes Missverständnis. Der Italiener und sein Trainer-Team konnten die erfolgreiche Arbeit von Guardiola nicht fortsetzen, ganz im Gegenteil, es gab keine positive, sondern eine negative Entwicklung. Ein Jahr lang profitierten Mannschaft und Ancelotti noch von der Arbeit Guardiolas, dann ging es abwärts. Die Politik der langen Leine war verfehlt, die Italiener bildeten offenbar ein eigenes Grüppchen, der Zusammenhalt im Team bröckelte, die Vereinsspitze schaute zu. Die Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß müssen eingestehen, dass sie den schleichenden Niedergang der Mannschaft nicht rechtzeitig aufgehalten haben, dass sie die Stimmen der Führungsspieler ignoriert haben. Wenn sich schon Spieler über ein zu lasches Training beschweren und geheimes Sondertraining betreiben, dann sagt das alles über den Trainer. Das Ende von Carlo Ancelotti nach der 0:3-Niederlage in Paris und dem Debakel einer provokanten Aufstellung, als er die Routiniers brüskierte, kam zu spät. Schon im Sommer hätten Rummenigge und Co. die Reißleine ziehen müssen.

Jetzt hechelt der ruhmreiche FC Bayern sowohl in Deutschland als auch in Europa hinterher. Nach sieben Spielen in der Bundesliga fünf Punkte Abstand zum starken Tabellenführer Borussia Dortmund sind happig und rekordverdächtig. In der Champions League wurde mit der hohen Niederlage in Paris fast schon der Gruppensieg verspielt, im Zweikampf mit Celtic Glasgow geht es um Platz zwei und das Weiterkommen. Dann drohen in der nächsten Runde wieder ein übermächtiger Gegner (Gruppensieger) und das vorzeitige Ausscheiden. Der Traum vom Gewinn der Champions League ist ganz weit weg, zumal Europas Spitzenklubs dank der Oligarchen aus Russland und der Scheichs vor allem aus Katar (Paris) mit Geld um sich schmeißen und eklatant aufrüsten. Da können bodenständige Klubs aus Deutschland nicht mehr mithalten. Spitze in Europa? Das könnte auch für den FC Bayern bald Vergangenheit sein.

Das Problem: Können die Münchner sportlich mit den Spaniern, Engländern und eben Paris nicht mithalten, werden sie nicht nur keine Stars bekommen (weil die Bayern keine 100 Millionen Euro und mehr zahlen wollen bzw. können), sondern auch aufstrebende Talente werden sich andere Vereine suchen, damit sie schneller an die Spitze und an die Geldtöpfe kommen. Dies könnte eine Kettenreaktion auslösen und den Niedergang des stolzen Vereins bedeuten.

Wie dies aufzuhalten ist? Mit einem starken Trainer und einer erfolgreichen Mannschaft. Noch haben die Bayern ein Team, das durchaus in der Lage ist, mit Real Madrid, Barcelona, Paris oder den Klubs aus England mitzuhalten. Dann muss aber teamintern und sportlich alles stimmen. Insofern wird der nächste Trainer auch die Zukunft des Vereins bestimmen, weil auch der Umbruch einer alternden Mannschaft zu bewältigen ist. Eine Herkulesaufgabe. Gerade jetzt können sich die Bayern den Trainer aber nicht aussuchen, sondern müssen nehmen, was auf dem Markt ist. Kein Wunder, dass Dortmunds Ex-Coach Thomas Tuchel als Favorit auf die Ancelotti-Nachfolger genannt wird, nur er ist von den bekannten Trainern frei. Zukunfts-Hoffnungen wie Julian Nagelsmann in Hoffenheim stehen unter Vertrag. Ein Problem, das die Bayern-Bosse im Sommer hätten leichter lösen können. Jetzt müssen sie hoffen, dass sie mit dem neuen Trainer den Abwärtstrend stoppen können und der Weg wieder nach oben zeigt, in die Spitze Deutschlands und Europas. Noch ist die Saison jung, noch ist einiges zu reparieren.

Vergessen werden darf allerdings nicht, dass mit Kapitän Manuel Neuer die Mannschaftsstütze in den entscheidenden Spielen fehlt und jetzt mit Franck Ribery eine weitere Führungsfigur ausfällt. Gerade die Sicherheit, die der beste Torhüter der Welt, Neuer, ausstrahlt, fehlte dem Team bei den letzten Pleiten. Eine verzwickte Situation.