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Tag: Luca Waldschmidt

Manchmal ist Erfolg nur eine Frage des Willens

Eine ereignisreiche Woche des Fußballs liegt hinter uns. Es würde den Charakter dieser Kolumne sprengen, auf alle Geschehnisse einzugehen. Deshalb richten wir unseren Blick lieber auf Ereignisse am Rande der großen Geschichten, die vor allem eines zeigen: Manchmal ist Erfolg auch nur eine Frage des Willens!

Na gut, der Sensationssieg von Union Berlin gegen den selbst ernannten Titelkandidaten Borussia Dortmund stand natürlich schon im Mittelpunkt. Aber beweist eben die oben genannte These: Manchmal ist Erfolg eine Frage des Willens. Den zeigte der Aufsteiger, denn vor allem der Willen führte zu dem überraschenden 3:1-Erfolg, Spieler packten allen Mut zusammen und überraschten die Dortmunder. Für die allerdings war es kein neues Erlebnis, denn von den letzten sechs Auswärtsspielen gegen Neulinge gewann die Borussia nur eines, holte ein Unentschieden, handelte sich aber vier Pleiten ein. Jetzt ist die Aufregung beim Vizemeister groß, denn im letzten Jahr verspielte Dortmund den Titel vor allem durch Punktverluste gegen sogenannte Kleine. Die Bayern sehen es mit Freude.

Union stand nicht alleine da, überhaupt hauten die Aufsteiger auf den Putz und sendeten das wichtige Signal aus: Hallo, wir sind gekommen um zu bleiben. Der 1. FC Köln landete einen überaus wichtigen 2:1-Sieg in Freiburg und Paderborn erkämpfte sich ein 1:1 in Wolfsburg. Keiner der Neulinge steht damit auf einem Abstiegsplatz! Ruhe also in der Länderspielpause, aber es sind ja auch erst drei Spieltage vorbei.

Der „Mann des Tages“ spielt aber nicht in der Bundesliga, sondern eine Etage tiefer – Bakery Jatta vom Hamburger SV. Der Flüchtling aus Gambia sieht sich einer unvergleichlichen Hetzjagd ausgesetzt, die Fachzeitschrift Sport-Bild setzte diese in Gang mit der Meldung, Jatta spiele unter falscher Identität und heiße in Wirklichkeit Bakary Daffeh und sei zwei Jahre älter. Ehemalige Trainer wollen das bezeugen. Jatta hätte sich für das Asylverfahren jünger gemacht. DFB und Ausländerbehörde in Hamburg gingen der Sache natürlich nach, Nürnberg, Karlsruhe und Bochum, die gegen den HSV Niederlagen hinnehmen mussten, legten Protest ein. Eigentlich unsportlich und von den Medien eine unmenschliche Hexenjagd. Jatta legte schließlich Papiere vor, die als gültig anerkannt wurden, jetzt durch seinen Anwalt auch die Geburtsurkunde. Und siehe da, das Bezirksamt Hamburg-Mitte bestätigte nun nach erneuter Prüfung die Echtheit der Dokumente und stellte das Verfahren ein.

Sportlich steht die Klärung aus, eine Anhörung hat der DFB für den 9. September angesetzt. Aber was die Proteste der Vereine angeht, so sind die seltsam, denn dem ist HSV kein Verschulden nachzuweisen, ein Punktabzug eigentlich also unmöglich. Wird bei einem Spieler zum Beispiel Doping nachgewiesen, wird der Spieler gesperrt, der Verein aber nicht bestraft.

Der 21-Jährige Gambier hat in seinem Leben offensichtlich schon vieles mitgemacht, über seine Flucht will er nicht reden. Eigentlich müsste er sich im siebten Himmel fühlen, jetzt muss er mit dieser Schmutzkampagne leben. Doch der junge Mann zeigt, wie stark er ist, mit seinem Tor zum 3:0 gegen Hannover löste er eine besondere Sympathiewelle für ihn aus, das Volksparkstadion wurde in seinen Grundfesten erschüttert und Trainer Dieter Hecking bewundert seinen Schützling: „Wie Baka mit der Sache umgeht, ist sensationell.“ Trotz dieser Anschuldigungen seine sportliche Leistung zu bringen, zeigt einen besonders starken Willen! Diesbezüglich kann Jatta sogar Vorbild sein.

Die Bayern standen auch wieder im Mittelpunkt, nämlich mit Uli Hoeneß der über seinen endgültigen Abschied sprach und Robert Lewandowski, der seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat. Dazu die Niederlage von Dortmund, die Münchner gehen vergnügt in die Länderspielpause. Danach wird es sofort wieder Ernst, denn das Duell mit Tabellenführer RB Leipzig steht an. Die „Bullen“ sind der lachende Dritte im Titelkampf, nachdem Dortmund und München schon Punkte abgegeben haben. Vorteil der Nagelsmann-Schützlinge: Die Bayern haben nach einer Länderspielpause mit vielen Abstellungen oft Probleme.

Vorentscheidung in der EM-Qualifikation

Im Herbst ist die Bundesliga-Punktrunde immer ein Etappenrennen, dreimal wird im September, Oktober und November für internationale Länderspiele unterbrochen. Für die deutsche Nationalmannschaft geht die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 weiter und es stehen sogar vorentscheidende Spiele an. Gegner sind am Freitag in Hamburg die Niederlande und am Montag in Belfast Nordirland. Tabellenführer in der Gruppe C ist überraschend Nordirland, das alle seine vier Spiele gewann, allerdings bisher nicht auf die Favoriten Niederlande und Deutschland traf. Da sich nur zwei Mannschaften qualifizieren, ist für die Löw-Schützlinge verlieren nicht erlaubt.

Der Bundestrainer feiert quasi sein Comeback, nachdem er zuletzt wegen einer Rippenverletzung fehlte. Im Aufgebot gab es nur eine Überraschung mit der Nominierung des Freiburgers Luca Waldschmidt, allerdings immerhin Torschützenkönig der letzten Europameisterschaft der U21. Verzichten muss Löw auf die verletzten Sane, Draxler und Kehrer. Gegen die Niederlande gilt es, die gute Ausgangsposition zu behalten, den Nordiren sollten dann die Grenzen aufgezeigt werden. Klappt das, ist die EM ziemlich nahe.

Bei der U21 sieht die Sache für Bundestrainer Stefan Kuntz ganz anders aus, der muss ein neues Team basteln, nachdem die meisten der Vize-Europameister altersmäßig ausgeschieden sind. Kein Wunder, dass Kuntz 19 Neulinge nominierte, verwunderlich eher, dass nur zehn seiner 23 nominierten Schützlinge erstklassig spielen. Gibt es da in der Nachwuchsarbeit der Bundesliga Versäumnisse? Getestet wird am Donnerstag in Zwickau gegen Griechenland, am 10. September steht in Wales das erste Qualifikationsspiel an.

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Dortmund setzt die Bayern unter Druck

Die Bayern-Fans können beruhigt sein, die Profi-Abteilung Fußball des FC Bayern München existiert noch. Zuletzt war ja mehr von Borussia Dortmund die Rede oder eben von anderen Abteilungen der Münchner. Die Amateure schafften den Aufstieg in die 3. Liga und am Sonntag machten die Basketballer Vereinsboss Uli Hoeneß (ein bekennender Basketball-Fan) mit dem Gewinn der Meisterschaft glücklich. Ob allerdings die Fußball-Profis den ersten Mann im Verein in der neuen Saison glücklich machen können, das steht in den Sternen.

Das Heft des Handelns haben die Verantwortlichen bei Borussia Dortmund übernommen. Baustein für Baustein wird eine Meistermannschaft gebastelt, die Medien jubilieren schon und hoffen auf ein Ende der Bayern-Herrschaft mit sieben Titeln in Folge. Da heißt es eben „Dortmund lässt die Muskeln spielen“ oder „Dortmund vor dem Meister-Deal“ oder im Hinblick auf die Neuzugänge „Die neue Dimension“. Mit den Zugängen Hazard, Schulz, Brandt und vor allem Innenverteidiger Mats Hummels wurde die Mannschaft zielgenau verstärkt.

Und die Bayern? Die belassen es bei Ankündigungen, haben frühzeitig viel Geld ausgegeben (Hernandez 80 Millionen Euro, Pavard 35 Millionen) und nun herrscht Sendepause. Die Bayern vermeldeten nur Abgänge: Ribery, Robben, James, Rafinha, Hummels und wohl auch Boateng. Uli Hoeneß hatte vor vier Monaten vollmundig erklärt, „wenn Sie wüssten, wen wir alles schon fix haben“, nur um jetzt die zweifelnden Fans zu beschwichtigen, „wir werden am 15. August eine gute Mannschaft am Start haben“. Eine „gute“ heißt aber noch lange nicht ein Meisterteam!

Ein Blick auf jeweils die erste Elf nach Stand der Dinge lohnt sich, jeder kann sich selbst einen Reim machen, welches die Meistermannschaft ist, wobei es bei den Bayern nach den Abgängen vor allem in der zweiten Reihe fehlt. So könnte Dortmund spielen: Bürki – Hakimi, Akanji, Hummels, Schulz – Witsel, Delaney – Sancho, Brandt, Hazard – Reus. Die mögliche Bayern-Elf: Neuer – Kimmich, Süle, Hernandez, Alaba – Martinez, Thiago – Gnabry, Müller, Coman – Lewandowski.

Bezeichnend, dass es in punkto Verstärkungen auch in den anderen Teams der Bayern-Fußballer stockt. Die Bayern II haben ebenfalls mehr Abgänge als Zugänge zu verzeichnen, nehmen vor allem Talente aus den U19 hinzu und derzeit ist es zweifelhaft, ob die Mannschaft stark genug für die 3. Liga ist. Da muss der neue Coach Sebastian Hoeneß, Sohn von Dieter Hoeneß, besonders gute Arbeit leisten. Auch die Frauen, die ja eigentlich Meister VfL Wolfsburg wieder herausfordern und regelmäßig in der Champions League spielen wollen, verzeichnen noch viel mehr Abgänge als Zugänge. Sie bleiben ein Spitzenteam, aber es gilt die Einschätzung wie bei den Männern, das ist keine Meistermannschaft. Egal, wie das Wetter ist, die Bayern haben noch einen heißen Sommer vor sich.

U21 hat das erste Ziel geschafft

Sie haben aufgetrumpft, als wollten sie die Welt einreißen und der EM-Titel schien fast schon vergeben. 3:1 gegen Dänemark, 6:1 gegen Serbien, das Stürmer-Duo Marco Richter (Augsburg) und Luca Waldschmidt (Freiburg) auf Wolke sieben, die jungen Burschen wollten die Welt einreißen. Der Dämpfer folgte auf dem Fuß, der Höhenflug ist beendet mit dem 1:1 gegen Österreich. Aber harte Arbeit schadet in dem Fall auch nicht, denn der Boden der Tatsachen ist nicht allzu hart. Zwei Ziele erreicht, nämlich – Ziel eins – der Einzug ins Halbfinale und der bedeutet Ziel zwei geschafft, die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Glückwunsch deshalb, der EM-Titel, die erfolgreiche Titelverteidigung also, wäre eine prima Zugabe. Ein bisschen Höhenflug darf also schon noch sein.

In der Höhe auch die Frauen, im Austragungsort Grenoble in den französischen Alpen nämlich. Ein Höhenflug ist bei ihnen allerdings nicht zu erkennen, von Anfang galt vor allem das Motto der harten Arbeit. Die Erfolge in der Gruppe und jetzt im Achtelfinale das 3:0 gegen Nigeria waren geprägt vom Kampfgeist und nicht von spielerischer Klasse. Dabei zeigte sich, dass Nigeria als Gegner schon ein Glücksfall war. Hätte Chile zum Abschluss gegen Thailand aus dem 2:0 ein 3:0 gemacht (Latte), wäre Brasilien der Gegner gewesen. Und wie schwer diese Aufgabe gewesen wäre, musste Gastgeber und Mitfavorit Frankreich erkennen, der glücklich in der Verlängerung mit 2:1 gewann. So geht die französische Party weiter und der Frauen-Fußball feiert ein Fest. Was allerdings insgesamt auffällt, ist, dass die spielerische Qualität nicht im Vordergrund steht, vor allem die Passgenauigkeit ist mangelhaft. Was das deutsche Team angeht, so könnte Spielmacherin Dzsenifer Marozsan das Niveau wieder heben, sie will trotz Zehenbruch spielen. Die DFB-Frauen schielen bekanntlich auch nach Olympia und müssen dafür unter die besten drei Teams Europas kommen. Möglich, dass die Europäerinnen im Halbfinale unter sich sind, dann würde das Spiel um Platz drei zudem ein Endspiel für Olympia!

Großes Interesse finden U21 und Frauen in Deutschland auch in der Öffentlichkeit. Die TV-Quoten sind der Maßstab und da sind die DFB-Teams bei ARD und ZDF immer Tagessieger. Beide Mannschaften holten am Wochenende neue Bestleistungen für die aktuellen Turniere, die U21 haben dabei mit 6,97 Millionen Zuschauern am Sonntag beim 1:1 gegen Österreich die Nase vorn, die Frauen können aber auch auf 6,49 Millionen am Samstag um 17.30 Uhr stolz sein, der Marktanteil betrug dabei beeindruckende 39,9 Prozent, die U21 hat da nur 25,5 % entgegenzusetzen. Fans und Spieler träumen jetzt von den Finals. Neue Zuschauerrekorde wären garantiert.