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Tag: Mainz 05

Die Bundesliga spielt verrückt

Eigentlich ist jetzt die stille Zeit, Gelegenheit, um ein bisschen zur Besinnung zu kommen. Das wäre auch für die Fußball-Bundesliga wünschenswert, denn die präsentiert das Gegenteil: Die Bundesliga spielt verrückt. Statt Stille gibt es Paukenschläge, statt Besinnung Wirbel allerorten. Nach dem 12. Spieltag ist vieles nicht mehr, wie es vorher war. So gingen Siegesserien spektakulär zu Ende.

Fangen wir oben an. Nach drei Siegen in Folge grüßte Borussia Mönchengladbach ungefährdet mit vier Punkten Vorsprung von der Tabellenspitze. Heimlich wurde schon die Herbstmeisterschaft ins Visier genommen. Doch davon ist keine Rede mehr. Ausgerechnet ein Aufsteiger stoppte den Möchtegern-Weihnachtsmeister, die „Eisernen“ hielten eisern dagegen, Union Berlin siegte 2:0 und streckt Gladbach die Zunge raus, jetzt hat Union eine Serie von drei Siegen.

Möchtegernmeister – da war doch was? Dortmund muss sich gefallen lassen, dass die Borussia immer wieder auf das ausgegebene Saisonziel angesprochen wird – der Titel. Doch statt Siegesfreuden herrscht Frust, dem 0:4 in München folgte ein 0:3 gegen Paderborn, gut, bis zur Halbzeit, dann rappelte sich das Team noch und schaffte den Ausgleich. Doch das 3:3 wurde als Niederlage wahrgenommen und Kapitän Marco Reus moserte, „das darf nicht passieren“. Dazu kam ausgerechnet die Jahreshauptversammlung, Boss Watzke beruhigte Trainer Lucien Favre und zählte ihn gleichzeitig an. Er darf vorerst bleiben, die Bewährungsproben folgen aber in der Champions League in Barcelona und am Samstag in Berlin. „Es kommt auf die Ergebnisse an“, macht Watzke deutlich. Für den Coach heißt das: Wende oder Ende!

Ähnlich sieht es beim Gegner Hertha BSC aus. Mit viel Optimismus wurde die Saison angegangen, doch die Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus: Abstiegskampf. Vier Niederlagen in Folge hinterlassen Spuren, ein 0:4 in Augsburg darf nicht passieren und so ergeht es Trainer Ante Covic wie dem Kollegen Favre: Ergebnisse zählen, sprich Siege. Über seine Zukunft wird im Verein diskutiert. Wenn Covic am Samstag noch auf der Hertha-Bank sitzt, könnte es zum Showdown kommen – Covic oder Favre, wer verliert, muss gehen. Trainer-Schicksal. Bei Hertha gerät allerdings auch Manager Michael Preetz immer mehr in die Kritik. Die Saisonplanung, die nicht aufging, hat er zu verantworten.

Beim FCA ist das Gegenteil der Fall, zwei Siege in Folge haben Verein und Trainer aus der Schusslinie gebracht. Doch Heckenschützen gibt es immer, jetzt schoss Michael Gregoritsch gegen den Verein („Ich will weg“) und schaute deshalb suspendiert zu. Der FCA ist dabei, das Image des bodenständigen Vereins zu verlieren, motzende Spieler werden dort zu Mode. Das gehört nicht zu einem seriösen Geschäft, aber vielleicht zu einer verrückten Bundesliga.

Trainerwechsel sind wieder attraktiv geworden, weil anderswo die positiven Auswirkungen sichtbar werden. Am Auffälligsten in München, bei den Bayern herrscht nach dem Abgang von Niko Kovac plötzlich eine ganz andere Stimmung. Kein Motzen mehr, keine Zweifel mehr, dafür bei allen ein Lachen und Lob für Nachfolger Hansi Flick. Die Bilanz: Drei Spiele, drei Siege, 10:0 Tore. Unter Kovac schimpften die Spieler, wenn sie ausgewechselt wurden, bei Flick lachen sie. Statt dem Ende die Wende. Jetzt wird wieder gerechnet, an Weihnachten wollen die Bayern Tabellenführer sein, so wie es sich (aus ihrer Sicht) gehört. Seltsam: Der geschasste Niko Kovac ist sowohl in Dortmund als auch bei der Hertha als möglicher Nachfolger im Gespräch. Die Bundesliga spielt verrückt.

Vielleicht spielt auch hier ein seltsames Beispiel eine Rolle. Achim Beierlorzer musste in Köln gehen und heuerte wenige Tage später in Mainz an. Motto: Es muss halt passen, der richtige Trainer im richtigen Verein. In Köln passte es nicht (in Köln passt wohl gar nichts), in Mainz offensichtlich schon, der 5:1-Sieg in Hoffenheim war verrückt. Die Hoffenheimer befanden sich schließlich im Höhenflug: Fünf Siege in Folge. Und dann mischt Mainz den Gastgeber auf, obwohl eine Halbzeit in Unterzahl. Achim Beierlorzer machte aber hinterher deutlich, dass Trainer auch ein Herz für Kollegen haben, er lobte die gute Arbeit von Vorgänger Sandro Schwarz.

Es zeichnet sich ab, dass in der Adventszeit in der Bundesliga weiterhin keine Stille herrschen wird, keine Besinnung, wenn die erste, zweite, dritte und vierte Kerze brennt, sondern eher steht irgendwo das ganze Haus in Flammen, weil die Ergebnisse eben nicht stimmen. Ob die abartige Pyrotechnik der Ultras da fast schon bezeichnend ist?

Übrigens: In dieser Woche steht die vorletzte Runde der Gruppenphase in Champions League und Europa League an. Mal sehen, ob das Geschehen aus der Bundesliga abfärbt und wir auch international sagen müssen: Ein bisschen verrückt…

Zwei Siege für den Sport

In der Veranstaltungsflut des Spitzensports gingen in den letzten Tagen vielfach zwei wichtige Gerichtsentscheidungen fast unter. Dabei waren dies zwei Siege für den Sport, die vor allem juristische Sicherheit für die Zukunft geben.

Kurz vor den Winterspielen in Südkorea ist für den olympischen Sport vor allem das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte wichtig. Er bestätigte, dass das Doping-Kontrollsystem nicht gegen das Selbstbestimmungsrecht der Athleten verstößt. Geklagt hatten französische Verbände und Sportler, die das sogenannte „Whereabouts-System“ nicht hinnehmen wollten. Monate im Voraus müssen die Sportlerinnen und Sportler täglich eine Stunde benennen, in der sie für Dopingkontrollen zur Verfügung stehen. Die Straßburger Richter zeigten sich auf der Höhe der Zeit, sie gaben dem sauberen Sport den Vorrang. Bravo!

Anders sehen dies die Rechtsanwälte der Gegenseite, die davon sprechen, dass die Sportler persönliche Rechte verloren haben. Das haben sie, das ist eindeutig, aber im Kampf gegen Doping müssen sie dies hinnehmen, denn sonst kann der Kampf gegen Betrüger nie gewonnen werden. Gut, dies ist ein Kampf, der ewig dauern wird, aber das bisher schärfste Schwert, nämlich die unangemeldeten Dopingkontrollen, würde stumpf werden. Die Doping-Praktiken in Russland lassen grüßen. So dürfen wir darauf hoffen, dass in Pyeongchang (fast) nur saubere Athleten am Start sind, zumindest gut kontrollierte.

Das muss man den Athleten schon zugestehen, dass es nicht angenehm ist, im Voraus zu planen und den Aufenthaltsort zu bestimmen. In Deutschland gibt es absolut unangemeldete Kontrollen, was aber nur möglich ist, wenn die Kontrolleure wissen, wo die Sportler zu finden sind. Diese Einschränkungen der persönlichen Freiheit müssen Spitzensportler hinnehmen.

Das zweite richtungsweisende Urteil fällte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Es stellte fest, dass befristete Arbeitsverträge im Profi-Fußball wirksam sind. Dagegen hatte der frühere Torhüter von Mainz 05, Heinz Müller, geklagt, Er wollte nicht hinnehmen, dass ihn der Trainer in die zweite Mannschaft verbannt hatte und somit dem Torhüter die Chance raubte, eine automatische Verlängerung des Vertrages zu erreichen. Es stand sogar im Raum, ob es so weit gehen würde, dass Profi-Fußballer mit ihren Vereinen quasi Rentenverträge abschließen könnten. Die Richter aber stellten eindeutig fest, dass der Profi-Sport eigenen Gesetzen unterliegt, die mit dem normalen Arbeitsleben nicht zu vergleichen sind. Es liegt an den Profi-Sportler selbst, für eine entsprechende Altersvorsorge Vorkehrungen zu treffen. Gestärkt wurde auch das Recht der Trainer, rein nach sportlichen Gesichtspunkten urteilen zu können. Am Ende erstreitet sich ein Ersatzspieler noch das Recht, dass er aufgestellt werden muss!

Wir sehen, wie überall im Leben, so gibt es auch im Sport immer wieder neue Fallstricke, diesbezüglich dürfen wir froh sein, dass die Richter mit gesundem Menschenverstand geurteilt haben. Angeblich ist das nicht immer der Fall.