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Tag: Manchester City

Die Stunde der Wahrheit für die Bayern

Die einen nennen es das „Spiel des Jahres“, die anderen rätseln „Wie stark ist der FC Bayern wirklich?“, aber eines ist gewiss: Am Dienstag kommt „Die Stunde der Wahrheit“ für den FC Bayern München. Gegner ist der FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League und die ganze deutsche Fußball-Nation steht hinter den eigentlich ob ihres Erfolges und oft großspurigen Auftretens eigentlich ungeliebten Bayern. Aber sie sind – wieder einmal – der einzige Hoffnungsträger der Bundesliga in der Champions League (CL).

Nach der Auslosung des CL-Achtelfinals richteten sich alle Augen auf das Duell England – Deutschland (auch hier hieß es am 2. Februar „Der Zweikampf England – Deutschland steht im Mittelpunkt“). Jetzt ist das erste Duell vorbei und Fußball-Deutschland enttäuscht, den Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund erhielt bei den Tottenham Hotspur eine Lehrstunde erteilt und steht nach dem 0:3 unmittelbar vor dem Aus. Eigentlich galten die Favre-Schützlinge als größter deutscher Hoffnungsträger, aber die großartige Frühform der Saison ist verflogen, dafür schmerzt das Verletzungspech. Jetzt müssen die Bayern wieder die Rolle des Hoffnungsträgers übernehmen, wobei die Chancen gegen den Tabellenführer in England allenfalls als 50:50 eingeschätzt werden. Immerhin: Alles ist möglich.

Eins ist klar: Von den beiden Kontrahenten könnte jeder am Ende auch im Endspiel am 1. Juni in Madrid stehen. In Höchstform zeigten sich zuletzt beide Teams nicht, auch hier spielt das Verletzungspech eine große Rolle. Trainer Jürgen Klopp hat beim FC Liverpool vor allem Abwehrsorgen, Abwehrchef van Dijk fehlt ebenso wie sein stärkster Nebenmann Lovren und der nächste in der Rangliste, Joe Gomez. Ein Dilemma, das den Ex-Schalker Joel Matip in die Mannschaft spült. Also heißt es wieder einmal: Angriff ist die beste Verteidigung, der Super-Sturm mit Afrikas Fußballer des Jahres Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane muss es richten. Ein Sonderfall: Da Liverpool in den nationalen Pokalwettbewerben frühzeitig ausgeschieden ist, hatte die Mannschaft jetzt zehn Tage Pause. Klopp nutzte sie zu einem Trainingslager in Spanien. Vorteil (ausgeruht) oder Nachteil (kein Spielrhythmus) wird sich zeigen. Von müden Engländern vom Liga-Stress sollte aber keine Rede sein.

Abwehrprobleme plagen auch die Bayern. Immerhin ist Stammtorhüter Manuel Neuer wieder an Bord, aber Jerome Boateng wird wegen Magenproblemen fehlen. Er ist zusammen mit Mats Hummels laut Statistik Bayerns stabilste Innenverteidigung. Aber von stabil kann bei den Münchnern eigentlich nicht die Rede sein, denn sie kassieren ungewöhnlich viele Gegentore, zeigen sich vor allem als konteranfällig und könnten deshalb für die schnellen Liverpooler Stürmer ein gefundenes Fressen darstellen. Vorteil Klopp also, es sei denn, Bayern-Trainer Niko Kovac besteht seine Meisterprüfung und schafft es, die offenen Reihen dicht zu bekommen. Kovac in der Rolle des Klempners. Übrigens: Bei einer Umfrage des kicker sagt die Mehrheit der Leser (56,9 Prozent), dass die Bayern nicht weiterkommen.

Bei der Frage des Weiterkommens von Schalke 04 sagen sogar 88,4 Prozent „Nein“. Ist auch logisch, heißt doch der Gegner Manchester City mit Trainer Pep Guardiola. Dessen Mannschaften beeindrucken besonders mit Spielkultur. Der Trainer bei Schalke heißt Domenico Tedesco, der Schalke im Vorjahr mit Defensiv-Disziplin zur Vizemeisterschaft führte, in diesem Jahr aber eher an den Abgrund. Bei Schalke fehlt quasi alles, ein Gegner auf Augenhöhe wird der Bundesligist nicht sein. Abwehrbeton gegen Spielkunst ist wohl die Losung und die Schalker Fans werden sich eher an Leroy Sane erfreuen, wenn denn ihr alter (junger) Liebling von Pep auch aufgestellt wird.

Die Bayern wollen alle Rekorde

Und da sind wir auch wieder bei der Bundesliga. Die Bayern wollen offensichtlich alle Rekorde, selbst wenn er negativ ist. Leon Goretzka traf beim mühsamen 3:2-Sieg in Augsburg nach 13 Sekunden ins eigene Netz und schaffte damit das schnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte. Es gibt allerdings Rekorde, die werden für die Bayern unerreichbar sein. Oder ist es denkbar, dass zum Beispiel Franck Ribery mit über 40 noch für die Bayern wirbelt? Mit Blick auf „Oldie“ Claudio Pizarro können die Bayern wenigstens darauf verweisen, dass der Peruaner auch für sie spielte. Der Stürmer ist aber wirklich ein Phänomen, netzte in Berlin glücklich ein und ist jetzt mit 40 Jahren und 136 Tagen der älteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Und es wird wohl nicht das letzte Tor gewesen sein, vielleicht hängt er sogar noch ein Jahr dran. Noch ist er wertvoll für Werder Bremen. Noch ein Rekord: Pizarro traf von 1999 bis 2019 in allen 21 Kalenderjahren.

Ansonsten machte die Bundesliga zuletzt Schlagzeilen, weil sie nach dem Skifliegen in Oberstdorf eine eigene Flugwoche veranstaltete. Neben Trainern fliegen neuerdings auch die Sportdirektoren. Nach dem VfB Stuttgart räumte auch der 1. FC Nürnberg auf, entließ gleich Trainer Michael Köllner und Sportvorstand Andreas Bornemann. Bleibt im Abstiegskampf nur noch Augsburgs Trainer Manuel Baum als einziger im Amt. Zusammen mit Kollegen Markus Weinzierl, der ja in Stuttgart schon als „Retter“ geholt wurde, muss er von Woche zu Woche schauen, wie die Leistungen bewertet werden. Schwere Aufgaben stehen für Baum in Freiburg und Weinzierl in Bremen bevor. Was passiert bei Niederlagen?

Thema des Spieltags: Was passiert bei Handspielen? Die werden immer mehr zu einem Buch mit sieben Siegeln, keiner kennt sich mehr aus. Schlimm: Spieler, Trainer und Fans haben die Eindruck, auch Schiedsrichter und Video-Schiedsrichter kennen sich nicht mehr aus. Wie bei Handspielen geurteilt wird, ist zum reinen Glücksspiel geworden. Ob der Fußball so bald zu einem verbotenen Glücksspiel wird?

Noch einmal zurück zum FC Bayern München. Sollten die Profis in diesem Jahr tatsächlich ohne Titel bleiben, dann gibt es im Verein vielleicht noch einen kleinen Trost. Die Frauen haben am Sonntag das Spitzenspiel gegen den eigentlich übermächtigen VfL Wolfsburg glücklich mit 4:2 gewonnen und haben nach Punkten aufgeschlossen. Was das Ergebnis bedeutet, zeigt ein Blick auf die Statistik: Wolfsburg erlitt die erste Saisonniederlage und hatte bis dahin nur fünf Gegentreffer in 13 Spielen hinnehmen müssen und das Hinspiel noch mit 6:0 gewonnen!

Die Frauen könnten also Bayern einen Titel bescheren, ebenso die zweite Mannschaft, die in der Regionalliga Süd auf Platz eins liegt und endlich in die 3. Liga aufsteigen will. Bayern-Präsident Uli Hoeneß wäre glücklich, wenn die Basketballer wieder die Meisterschaft wieder nach München holen würden. Diese führen die Bundesliga klar an, aber es gibt ja Play-Offs. Eine Entscheidungsrunde, die alles wieder auf „Null“ stellt und die viele sich deshalb in den letzten Jahren auch für die Fußball-Bundesliga wünschten. Doch in diesem Jahr hat ja Borussia Dortmund eine andere Antwort gegeben. Wie auch immer, ganz leer ausgehen werden die Bayern vielleicht doch nicht.

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Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League

Der Wintersport macht derzeit mit zahlreichen Weltmeisterschaften auf sich aufmerksam, die Handballer sonnten sich bei ihrer WM im Licht der Öffentlichkeit, doch in den nächsten Wochen wird wieder der Fußball die Schlagzeilen bestimmen. Die besten Vereine Europas rüsten sich für die entscheidende Phase im Kampf um die Pokale. Der Februar und März gehören der Champions League (CL) und der Europa League (EL). Für Fernsehsender und Sponsoren hat die UEFA für das CL-Achtelfinale einen Gummi-Terminplan über mehrere Wochen erstellt (12. Februar bis 13. März). Im Mittelpunkt dabei der Zweikampf zwischen England und Deutschland.

Es war schon ein seltsames Los, dass alle drei deutschen Teilnehmer am Achtelfinale einen englischen Gegner erhielten. Das elektrisierte auch die Medien, so liefert die Fachpresse über Wochen hinweg schon Erinnerungen an die Duelle zwischen England und Deutschland. Doch die Gegenwart zählt, wenn auch die Engländer sicherlich gerne darauf verweisen, dass ihre Klubs bereits zwölf Titel in Europas Königsklasse holten, die Deutschen dagegen nur sieben (Bayern München 1974, 1975, 1976, 2001, 2013, Hamburger SV 1983, Borussia Dortmund 1997). Erster englischer Sieger war Manchester United 1968. Die Duelle werden aber auch befeuert durch die Diskussionen, wer nun die beste Liga in Europa sei. England kann als Trumpf das viele Geld vorweisen, die Deutschen verweisen auf die gute Stimmung in den Stadien und daneben muckt Spanien auf: „Eigentlich sind wir am erfolgreichsten“. Nach Bayerns Triumph 2013 siegten nur Spanier. Vor allem Real Madrid mit dem Hattrick von 2016 bis 2018 (dazu Sieg 2014) bestimmte zuletzt das Geschehen, aber der FC Barcelona als Sieger von 2015 gehört ebenfalls immer zu den Favoriten. Wer also aus England oder Deutschland kann die Spanier stoppen?

Am meisten wird Englands Meister Manchester City genannt, aber die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola hat sich zuletzt nicht unbedingt in Bestform präsentiert. Wie überhaupt fast alle Top-Teams in Europa in den letzten Wochen mit einer Leistungsdelle zu kämpfen hatten. Da stehen ManCity oder eben auch die Bayern nicht allein. Bezeichnend aber, dass die deutschen Klubs gegen die momentan drei besten Teams in England antreten. Der FC Liverpool ist Tabellenführer vor City und den Tottenham Hotspur. Das kann die Bundesliga nicht vorweisen, vor allem Schalke 04 erlebte als Vizemeister einen Absturz und kämpft national eher gegen den Abstieg. Auch die Bayern haben die nicht die Form des Vorjahres. Leichtes Spiel also für Englands Premier-Klubs?

Leicht wollen es die Bundesligisten ihren Gegnern nicht machen. Vor allem das Duell zwischen Liverpool und den Bayern könnte auch ein Endspiel sein, hat vor allem mit dem Deutschen Jürgen Klopp als Trainer der „Reds“ eine besondere Note, denn mit Borussia Dortmund unterlag Klopp bekanntlich 2013 den Münchnern im Finale in Wembley. Den Auftakt macht aber das Duell zwischen Tottenham und Dortmund am Mittwoch, 13. Februar. Es ist das Duell, in dem sich die Bundesliga am meisten ausrechnet, zumal die Spurs auf ihren Torjäger Harry Kane verzichten müssen. Die Frage ist allerdings, ob Dortmunds Himmelsstürmer schon die Reife für solche Aufgaben haben. Immerhin können sie als Meisterprüfung den Gruppensieg vor Atletico Madrid vorweisen, Tottenham kam am FC Barcelona nicht vorbei.

Das ist auch der Trumpf, den die Münchner auf ihrer Seite sehen, dass der FC Liverpool zwar in England imponiert, aber auf Europas Bühne in der Gruppenphase ungewohnte Schwächen zeigte und kein einziges Auswärtsspiel gewinnen konnte! Und die Fans in Liverpool sehnen sich auch mehr nach der Meisterschaft in England (die letzte liegt 19 Jahre zurück) als nach dem Gewinn der Champions League, da gewann man zuletzt 2005. Die CL kann da noch warten. Jürgen Klopp sieht das vielleicht anders, für ihn gilt vor allem: Ein Titel muss her. Als ohne Chance gilt Schalke O4 gegen Manchester City, dennoch kommt Freude in Gelsenkirchen auf. Freude über das Geld, das fließt, Freude über den prominenten Besuch von Pep Guardiola, vor allem Freude über das Wiedersehen mit Talent Leroy Sane, der sich inzwischen in Manchester durchgesetzt hat. Für Schalke gilt das Motto: Wir sind ohne Chance, also nutzen wir sie.

Übrigens verwundern Zahlen, die Sport-Bild im Vorfeld veröffentlichte, denn trotz riesigen Summen aus Fernsehgeldern für die Premier League können die deutschen Spitzenteams in den Gehaltetats durchaus mithalten. Die Zahlen im Vergleich: Liverpool 166 Millionen Euro TV-Geld für die Saison (Bayern 95,8), Liverpool 244 Mill. für Gehälter (Bayern 276 Mill.!). Tottenham 165 Mill. TV-Geld (Dortmund 86,5) und 148 Mill. für Gehälter (Dortmund 140 Mill.). Schalke fällt dagegen ab: ManCity 170 Mill. TV und 334 Mil. für Gehälter, Schalke dagegen 77,9 Mill. TV und „nur“ 92 Mill. für Gehälter. Arm werden die Spieler also in Deutschland auch nicht.

Neben den deutsch-englischen Vergleichen steht vor allem das Duell Manchester United gegen Paris Saint Germain im Blickpunkt. Da der Traditionsverein, der sich gerade sportlich ein bisschen im Tief befindet, allerdings nach der Entlassung von Trainer Mourinho wieder zu besseren Leistungen findet. Dort die Neu-Reichen aus Paris, die mit Geld aus Katar gefüttert werden und deren großer Traum der Gewinn der Champions League ist. Eine Mammutaufgabe für Trainer Thomas Tuchel, zumal ausgerechnet Superstar Neymar ausfällt. Aber auch mit Atletico Madrid und Juventus Turin duellieren sich zwei Mitfavoriten, leichter sollte es der FC Barcelona mit Olympique Lyon haben, aber Achtung, da musste Paris gerade seine erste Saison-Niederlage einstecken.

Das CL-Achtelfinale: Manchester United – Paris St. Germain, AS Rom – FC Porto (beide 12.2./6.3.), Tottenham Hotspur – Borussia Dortmund, Ajax Amsterdam – Real Madrid (beide 13.2./5.3.), FC Liverpool – Bayern München, Olympique Lyon – FC Barcelona (beide 19.2./13.3.), Schalke 04 – Manchester City, Atletico Madrid – Juventus Turin (beide 20.2./12.3.).

In der Europa League wird erst noch eine Zwischenrunde gespielt, bevor es in das Achtelfinale geht. Mit Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt sind noch zwei deutsche Vereine dabei, die sogar Finalträume haben und die Bundesliga besser vertreten wollen, als es von anderen Klubs in den letzten Jahren der Fall war. Gespielt wird am 14. und 21. Februar, Leverkusen muss sich mit den Russen von FK Krasnodar auseinandersetzen, Frankfurt mit dem Meister der Ukraine Schachtar Donezk keine leichte Aufgabe. Dem Sieger der Europa League winkt bekanntlich ein Platz in der Champions League, was mehr wert ist als jede Prämie.

Fußball in Europa: Krisen und Spannung

Die Punktrunden in Europas Fußball haben Pause, wieder steht eine Länderspielpause an, die diesmal mit der neuen Nations League gefüllt wird. Für die Fans die Gelegenheit, ein bisschen durchzuschnaufen, für viele Klub-Bosse eher die Gelegenheit zu meckern: Ihnen gefällt die Unterbrechung der Meisterschaft gar nicht. Immerhin dreimal gibt es diese Länderspielpausen im Herbst, wenig Willkommen sind sie dann, wenn es in den Ligen gerade Spannung pur gibt. Und dies ist diesmal durchaus der Fall, dort Krisen, da Spannung, ein Blick auf den Fußball in Europa lohnt sich.

Spannung gibt es meist dann, wenn die Favoriten überraschend schwächeln, so wie vor allem Bayern München in der Bundesliga. Der Abonnement-Meister der letzten sechs Jahre ist offensichtlich ein bisschen satt geworden oder Verein und Spieler haben den Trainerwechsel von Altmeister Jupp Heynckes auf den relativ unerfahrenen, am 15. Oktober 47-Jährigen Niko Kovac nicht verkraftet. Der Start mit Siegen in Serie ist nach vier Pflichtspielen ohne Sieg und nur Rang sechs in der Bundesliga vergessen. Die Bayern weinen, die Liga lacht, endlich gibt es wieder Spannung in Deutschland. Und das Beste an der Sache ist: Diejenigen, die vorne stehen, egal ob Tabellenführer Borussia Dortmund, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach oder Hertha BSC Berlin spielen alle durchaus ansehnlichen Fußball. Also wieder Hoffnung in der Bundesliga. Selbst in München. Dort allerdings, die Hoffnung, dass die Krise schnell gemeistert wird. Mehr Spannung geht nicht.

Oder doch? In England sind sie froh, dass die Spannung auch wieder zurückgekehrt ist. Der Alleingang von Manchester City im Vorjahr ist vergessen und war auch im Vorfeld nicht mehr zu erwarten. Die Premier League brüstet sich ja immer damit, dass es in keiner anderen Liga solch ein breites Favoritenfeld gibt wie auf der Insel. Und weil dort auch das meiste Geld fließt, es aber nicht nur deshalb viele Spieler nach England zieht, ist schnell von der besten Liga der Welt die Rede. Ein bisschen kann man sich bestätigt fühlen, mit Manchester City, Chelsea London und dem FC Liverpool liegen drei der Favoriten mit 20 Punkten nach acht Spielen gleichauf, dahinter lauern mit Arsenal London und den Tottenham Hotspur weitere zwei Titelanwärter nur zwei Zähler zurück. Allein Manchester United hat aus diesem Kreis den Anschluss verloren (nur 13 Punkte), dafür sorgt Trainer Jose Mourinho für die größten Schlagzeilen. Man muss halt im Gespräch bleiben. Das wird die Premier League aber auch ohne den exzentrischen Portugiesen.

Beste Liga? Die größten Stars kann England nicht vorweisen. Mbappe und Neymar spielen in Paris, Spanien hat immer noch Messi und mit Luka Modric den aktuellen Welt-Fußball des Jahres, obwohl Cristina Ronaldo La Liga verlassen hat. Er heuerte aber nicht in England an, sondern in Italien. Dort sorgt er eher dafür, dass keine Spannung aufkommt und Juventus Turin weiterhin der Seriensieger bleibt. Sehr zum Leidwesen, der Klubs aus Rom, Mailand und Neapel. Auch in Frankreich keine Spannung, Paris St. Germain mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel, hat nach neun Spieltagen mit der vollen Punktausbeute von 27 Zählern bereits acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten OSC Lille.

Da geht der Blick doch leichter nach Spanien, gemäß der UEFA-Rangliste die stärkste Liga in Europa und damit wohl auch in der Welt. La Liga hat die Abgänge von Cristina Ronaldo und auch Iniesta (nach China, um noch ein bisschen Geld zu verdienen) nicht verkraftet. Aber dadurch, dass sich der FC Barcelona und vor allem Real Madrid nicht in Bestform präsentieren, steigt die Spannung. Das Tabellenbild ist ungewohnt, der FC Sevilla, führt vor dem FC Barcelona, Atletico Madrid und dem Lokalrivalen Real, das zudem punktgleich mit Espanyol Barcelona und Deportivo Alaves ist. Kein Wunder, dass der als Nationaltrainer erfolgreiche Julen Lopetegui als Real-Coach in die Schusslinie geraten ist, die Fans trauern Zinedine Zidane nach, der ihnen dreimal hintereinander die Champions League gewann. Das ist Lopetegui natürlich auch noch möglich, die Frage ist, ob er die Zeit bekommt. Ein Phänomen von Real ist es ja, dass nationale Krisen an der Mannschaft international vorbeigehen. Die Mannschaft kann sich offensichtlich punktgenau auf die entscheidenden Spiele der Champions League konzentrieren (manchmal hilft allerdings auch in bisschen Wohlwollen der Schiedsrichter).

Überhaupt schwebt die Champions League als großer Unbekannter über den nationalen Meisterschaften. Endgültig abgerechnet wird am 1. Juni 2019 in Madrid (im Stadion von Atletico), wenn der Henkelpott vergeben wird. Wer ihn in die Höhe halten kann, hat die Saison gerettet, egal welche nationale Krise es vorher gegeben hat. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, mit vielen Krisen und hoffentlich auch viel Spannung. Und natürlich Länderspielpausen.

Start der Premier League: Europa schaut nach England

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist Vergangenheit, der Ball rollt jetzt wieder auch in den großen Ligen Europas. „Appetitmacher“ waren die Ligen in Österreich, Schweiz oder Tschechien, richtig interessant wird es aber erst jetzt, wenn die Premier League in England startet, aber auch Ligue 1 in Frankreich. Allerdings könnten diese beiden Ligen unterschiedlicher nicht sein, da eine Masse an starken Traditionsvereinen, dort das übermächtige Paris St. Germain. Nächste Woche geht es auch in Spanien und Italien los, die Bundesliga wartet bekanntlich bis zum 24. August. Vorausschauend wurde Spielern und Vereinen viel Zeit gegeben, um die WM-Enttäuschung zu verarbeiten…

Im Mittelpunkt aber der Start der Premier League – alle schauen nach England. Bekanntlich übt die Premier League nicht nur eine große Anziehungskraft aus, weil dort der Fußball gelebt wird, sondern vor allem, weil die Geldtöpfe besonders gut bestückt sind. Diesmal schaut der Rest Europas allerdings auch deshalb nach England, weil die Premier League ein Experiment gewagt hat und die Transferliste bereits am Donnerstag, 9. August, geschlossen hat, so dass einigermaßen Ruhe an der Transferfront einkehrt, weil Englands Geld nicht mehr lockt. Andererseits können überzählige Spieler aus der Premier League durchaus abgegeben werden – auch deshalb lohnt sich also der Blick nach England! Mal sehen, ob es die Klubs in England am Ende als Vorteil werten, dass der Transfermarkt vor Beginn der Saison geschlossen wurde.

Aber lassen wir das Transfertheater, bleiben wir beim Sport. Und da stellt sich in England eine seltsame Frage: Gibt es wieder einen Alleingang von Manchester City? Pep Guardiola hatte in der letzten Saison die Liga geschockt, der Ex-Bayern-Coach dominierte mit seinem Team das Geschehen, eroberte 100 Punkte, sorgte für Langeweile an der Spitze mit 19 Punkten Vorsprung und seine Mannen erzielten 106 Tore. Fast eine Demütigung für die Konkurrenz, eine Überlegenheit wie sie in Deutschland mit Bayern München und Frankreich mit Paris St. Germain als schädlich erachtet wird. Der Unterschied: In Deutschland und Frankreich wird keine Änderung erwartet, in England schon.

Nur: Wer kann Pep Guardiola und seinen Mannen Paroli bieten? Dem Vorjahreszweiten und Lokalrivalen Manchester United mit Trainer Jose Mourinho wird dies eigentlich nicht zugetraut. Eher wird da der FC Liverpool mit Jürgen Klopp genannt. Der deutsche Coach hat sein Team gezielt verstärkt, vor allem die Schwachstelle Torhüter mit Roms Brasilianer Alisson geschlossen, zu dieser Zeit war es mit angeblich 72,5 Millionen Euro der teuerste Torhüter-Transfer. Zudem sollen Leipzigs Naby Keita, Fabinho und Shaqiri das Mittelfeld verstärken bzw. den Kader insgesamt besser machen. Jürgen Klopp rüstet sich wie in Dortmund in seinem dritten Jahr zum Kampf um den Titel. Schon in der Bundesliga hat er Pep Guardiola bekanntlich gerne geärgert.

Die weiteren großen Rivalen in London versuchen es mit neuen Trainern. Bei Arsenal ging die große und erfolgreiche Ära des Franzosen Arsene Wenger zu Ende, Unai Emery musste in Paris gehen, weil der Erfolg in der Champions League ausblieb. Jetzt soll er die Titelträume der Arsenal-Fans erfüllen, die letztmals 2004 die Meisterschaft feiern durften (in Liverpool wartet man schon seit 1990!). Antonio Conte hatte mit Chelsea erst 2017 den Titel geholt – und dennoch war er nicht mehr wohl gelitten. Jetzt soll es Maurizio Sarri richten, der in Neapel mit viel Erfolg gearbeitet hat. Chelsea sorgte zum Transferschluss noch für Aufmerksamkeit, weil sich Belgiens WM-Torhüter Courtois Richtung Real Madrid verabschiedet und die Londoner dafür einen 23-Jährigen Keeper namens Kepa von Athletic Bilbao holten – für 80 Millionen Euro, jetzt ist der Spanier der teuerste Torhüter der Welt. Aber alle sollten auch Mauricio Pochettino nicht übersehen, fast heimlich, still und leise hat er aus den Tottenham Hotspurs einen Meister-Anwärter gemacht, allen voran geht bzw. trifft der WM-Torjäger Harry Kane.

Der Rest des Feldes ist auch in England mehr oder weniger nur Staffage und hofft höchstens auf einen Platz in der Europa League. Apropos Europa, mit dem Brexit will sich Großbritannien ja politisch und wirtschaftlich von Europa entfernen, im Fußball will England endlich in Europa triumphieren. Fast eine Schmach und für die größte Geld-Liga Europas, dass man in der Champions League den Henkel-Pott zuletzt immer anderen überlassen musste, zuletzt dreimal Real Madrid. Immerhin war der FC Liverpool 2018 im Finale und verlor unglücklich mit 1:3. Den Titel gewann zuletzt Chelsea London 2012 glücklich gegen Bayern München, davor brachte 2008 Manchester United den Pott nach England heim. Den Run der Spanier seit 2014 (2015 siegte der FC Barcelona und davor 2013 Bayern München) will man vor allem in England endlich beenden. Man will sich nicht mehr nachsagen lassen, dass Geld keinen Erfolg bringt. Auch deshalb schaut Europa nach England.

Diskussionen stellen den Bundesliga-Abstiegskampf in den Schatten

Das Geschehen auf dem grünen Rasen wäre ja interessant genug, dennoch wurde es in der vergangenen Woche in der Fußball-Bundesliga in den Schatten gestellt. Themen abseits der Punktrunde beschäftigten die Öffentlichkeit, im Mittelpunkt natürlich wieder einmal Bayern München, das einen neuen Trainer präsentierte. Der Favorit sagte zu, der 46-Jährige Kroate Niko Kovac folgt auf den bald 73-Jährigen Jupp Heynckes. Auf Erfahrung pur folgt ein Mann, der erst einmal im Spitzenfußball Erfahrung sammeln muss. Wieder einmal gehen die Münchner Bosse ins Risiko, was früher schon gründlich schief gegangen ist (bestes Beispiel war Jürgen Klinsmann). Branchenüblich wurde der Wechsel mit verbalen Scharmützeln begleitet. Der Vorwurf von Eintracht-Manager Fredi Bobic, dass die Bayern „unverschämt“ und „unanständig“ gehandelt hätten, war wohl in erster Linie Selbstschutz, damit keine Kritik aufkommt, warum er den Trainer nicht halten konnte. Seltsam ist allerdings schon, dass uns erzählt wird, der Deal wäre an einem Tag abgeschlossen worden.

Niko Kovac hat Eintracht Frankfurt auf Vordermann gebracht und der Mannschaft Spielkultur beigebracht. Durchaus eine Empfehlung. Bei den Bayern könnte er es sich leicht machen und einfach die Arbeit von Jupp Heynckes weiterführen. Die Frage ist allerdings, ob Kovac bei den zwischenmenschlichen Beziehungen bestehen kann. Wie bekannt, ist es nicht leicht, alle Stars unter einen Hut zu bringen und bei Laune zu halten und zudem eine Verjüngung der Mannschaft einzuleiten.

Im Moment kann sich Kovac noch auf Frankfurt konzentrieren, aber die 1:4-Niederlage in Leverkusen war im Anschluss an die Bekanntgabe des Wechsels zum Meister nicht glücklich. Die Eintracht rutschte auf Rang sieben ab und muss zusehen, dass der Traum vom Sprung auf Europas Bühnen nicht platzt. Dann würde im Endeffekt noch ein Schatten auf Kovacs Arbeit in Frankfurt fallen.

Der künftige Bayern-Coach wird interessiert beobachten, welche Titel ihm den Jupp Heynckes übrig lässt, um im nächsten Jahr zu glänzen. Oder geht es ihm wie Pep Guardiola, der 2013 einen Triple-Gewinner übernahm? Auf jeden Fall zeigen sich die Münchner in Form, Pokalgegner Bayer Leverkusen allerdings ebenfalls, mit zwei 4:1-Siegen in einer Woche. Gegen Leverkusen und vor allem Real Madrid im Halbfinale der Champions League wird sich zeigen, wie stark die Bayern wirklich sind und ob sie vor allem auf den Punkt genau ihre beste Form abrufen können. Also auch rund um die Bayern bleibt es spannend.

Eine zweite Diskussion wurde unnötig entfacht. Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke brachte wieder eine Play-Off-Runde ins Gespräch. Dass dies für die Bundesliga Humbug ist, wurde schon oft festgestellt. Auch seine Idee von einer verkürzten Runde allein mit Halbfinale und Finale bringt Terminprobleme und vor allem kassieren die vier Klubs, die sowieso schon an die Geldtöpfe der Champions League gelangen, noch einmal zusätzlich. Damit wird die finanzielle Schere zur Konkurrenz noch größer. Nachdem Stuttgart den Klassenerhalt sicher hat, hatte Reschke wohl zu viel Zeit für dumme Ideen. Er sollte lieber sein Team für das nächste Jahr wirkungsvoll verstärken.

Es bleibt dabei, Unentschieden sind das beliebteste Resultat in der Bundesliga, nur nicht verlieren bleibt das Motto. Beispiel Stuttgart und Hannover, die sich die Punkte teilten und damit wohl beide gerettet sind, weil die Kellerkinder Köln und Hamburg Niederlagen hinnehmen mussten. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber bald ist auch die letzte Hoffnung dahin. Ein Unentschieden in Wolfsburg hilft auch dem FC Augsburg, der mit 37 Punkten praktisch ebenfalls den Klassenerhalt feiern kann. Am Sonntag gegen Mainz könnten die magischen 40 Punkte geschafft und außerdem die eigenen Fans nach vier Heimpleiten versöhnt werden.

Spannender ist der Kampf um die Plätze in der Champions League. Schalke 04 war der große Sieger im Revier-Derby und vergrößerte mit dem 2:0-Sieg gleichzeitig die Angst bei Borussia Dortmund, dass der Sprung in die Champions League noch scheitern könnte. Gleichzeitig verstärkt sich die Tendenz, dass Trainer Peter Stöger keine Zukunft in Dortmund hat. Da gilt Gladbachs früherer Coach Lucien Favre als Favorit. Trainer-Wechsel werden auch in den nächsten Wochen für Gesprächsstoff in der Bundesliga sorgen.

Die Bayern haben es vorgemacht, in den großen Ligen zogen jetzt Paris St. Germain und Manchester City mit den Titelgewinnen nach. Wer mit großem Abstand führt, für den löst die Meisterschaft keine großen Emotionen mehr aus, doch von Feierlaune war in England und Frankreich nicht die Rede. City gewann den Titel auf dem Sofa (Pep wollte zum Golf), weil Konkurrent United gegen das Schlusslicht patzte, in Paris schwiegen die meisten Fans aus Protest gegen das Verbot von Pyrotechnik. Dies zeigt, dass sich die Fans sich selbst näher sind, als der Mannschaft, für die eigentlich ihr Herz schlagen sollte. Übrigens war der Titelgewinn eine Premiere für Nationalspieler Julian Draxler und für Trainer Unai Emery, der dennoch seinen Posten räumen muss, angeblich für Thomas Tuchel, der München abgesagt hatte und für Niko Kovac den Weg frei gemacht hat.

Apropos Trainer, Bundestrainer Joachim Löw war bei den Bayern natürlich auch im Gespräch, aber er ist jetzt verstärkt in den Stadien zu sehen, weil er seine WM-Kandidaten sichten muss. Da stehen einige schwierige Entscheidungen an und seine Kandidaten bringen sich nicht nur mit Leistung, sondern auch mit Statements ins Gespräch. Beispiel Sandro Wagner, der in Konkurrenz zu Mario Gomez steht, wenn es um den einen klassischen Mittelstürmer geht. Wagner verkündete selbstbewusst: „Ich gehe davon aus, dass ich bei der WM dabei bin.“ Nach einem Doppelpack lässt sich gut auftrumpfen, Gomez konnte nicht glänzen, für ihn spricht derzeit höchstens die internationale Erfahrung. Aber auch im Nationalteam zeigte sich Wagner treffsicher. Fragen auch bei den Flügelflitzern, da brachten sich vor allem Serge Gnabry (vor den Augen von Löw) und Julian Brandt, beide bisher eher in der zweiten Reihe, ins Gespräch bzw. schossen sich in den Vordergrund. Löw hat die Qual der Wahl, die Spieler, die nicht nominiert werden, eher nur die Qual.

Bundesliga zwischen Langeweile und Weinen

Die Fußball-Bundesliga mutierte nicht nur zur Krisenliga (siehe Kommentar vor einer Woche), sondern auch zu einer Schicksalsgemeinschaft zwischen Langeweile und Weinen. Neun Spieltage vor Schluss beginnt endgültig der Endspurt, doch drei Vereine sind dabei mehr oder weniger Zuschauer: Die Bayern grüßen von oben und spielen in einer eigenen Liga, der 1. FC Köln und der Hamburger SV haben am Wochenende ihre wohl letzten Chancen auf den Klassenerhalt verspielt und können fortan für die zweite Liga üben und planen.

Bemerkenswertes kommt von den Bayern. Der deutsche Meister ist in Europa Spitze, kein anderer Klub weist diesen enormen Vorsprung von 20 Punkten vor dem Zweitplatzierten auf. Da können nicht einmal Manchester City (18 Punkte Vorsprung) oder Paris St. Germain (14) mithalten. Während Paris in Frankreich eine ähnlich schwache Konkurrenz vorfindet wie die Bayern in Deutschland, ist der Alleingang von Pep Guardiolas Schützlingen in der starken Premier League in England schon erstaunlich. Angesichts des Riesenvorsprungs haben die Bayern-Stars eines deutlich gemacht: Ihnen ist langweilig! Nur Training macht keine Laune, sie sehnen sich nach Stress, haben den März praktisch abgehakt und warten auf den April, der wird nämlich der entscheidende Monat, da warten die großen Aufgaben in der Champions League und das Halbfinale im DFB-Pokal. Bis dahin heißt es aufpassen und vor lauter Langeweile nicht die Form verlieren. Außerdem müssen die Bayern hoffen, von weiteren Verletzungen wie bei Coman verschont zu bleiben. Der junge Franzose hatte gerade für viel Schwung gesorgt, jetzt ist für ihn die Saison wohl beendet.

Von Sorgen wie in München können sie in Köln und Hamburg nur träumen. Der Abstieg der Traditionsvereine naht, wobei über das Schicksal des Dinos im Norden nicht nur HSV-Anhänger einige Tränen verdrücken werden. Aber nach jahrelangen Anläufen haben es die Hanseaten geschafft, den Verein wirklich zu ruinieren, die Mannschaft präsentiert nicht mehr den stolzen HSV, sondern den Harmlos-Sieglos-Verein. Ein hausgemachtes Chaos, der Dino sieht nur noch alt aus. Auch Köln muss sich an die eigene Nase fassen, denn die Aufgabe Bundesliga wurde unterschätzt, die Mannschaft nach dem Abgang von Torjäger Modeste nicht entsprechend verstärkt. Dazu kamen weitere Rückschläge in Form von Verletzungspech und falschen Schiedsrichter-Entscheidungen. Na ja, mit Stefan Ruthenbeck hat man ja einen Trainer verpflichtet, der sich in der 2. Bundesliga auskennt.

Die Mannschaft der Stunde ist der VfB Stuttgart. Unter dem anfangs ungeliebten Trainer Tayfun Korkut gelang der Sprung ins Mittelfeld, nach vier Siegen ist vom Abstiegskampf keine Rede mehr, zumal die „aussichtsreichsten“ Kandidaten für die Relegation, Wolfsburg und Mainz, keinen großen Siegeswillen zeigen. So sind die Stuttgarter jetzt an Klubs vorbei gezogen, die schon eher in Richtung Europa als in Richtung Abstiegskampf schielten. Jetzt aber heißt es, wieder einmal als Punktesammeln zu denken.

Gemeint sind vor allem Hannover 96 und der FC Augsburg, die seit drei bzw. vier Spielen auf einen Sieg warten und jetzt am Samstag aufeinandertreffen. Der Terminplan wollte es so, dass es dazu das Duell der Nächstplazierten Hertha BSC und Freiburg zur gleichen Zeit gibt. Die Verlierer werden wieder verstärkt nach unten schauen müssen.

Gedanken macht man sich allerdings jetzt schon in Augsburg. Der FCA war lange Zeit eine der Überraschungsmannschaften der Saison, aber in der Rückrunde hakt es. Es ist ja wirklich Schicksal, dass ausgerechnet dann, als der überdimensionierte Kader verkleinert wurde, dass Verletzungspech verstärkt zugeschlagen hat. Mit Abwehr-Ass Gouweleeuw und Torjäger Finnbogason fehlen Mannschaftsstützen verletzt. Dazu konnte Philipp Max als Vorlagenkönig der Bundesliga seine Bilanz nicht mehr verbessern, er steht wie nach der Vorrunde bei elf Assists. Tore wurden beim FCA Mangelware und von Europa spricht in Augsburg niemand mehr. Eher davon, dass die Gegner den FCA-Code geknackt haben, die Form nicht stimmt und der Wurm drin ist. Da passt der holprige Rasen dazu. Mal sehen, wie die Weichenstellung nach dem nächsten Wochenende ausschaut. Schon ein Remis in Hannover würde beruhigen.

In den Mittelpunkt rückt nach einer Pause wieder die Champions League und dabei natürlich das Rückspiel zwischen Paris und Real Madrid. An der 1:3-Niederlage hat St. Germain noch zu knabbern und an dem Ausfall von Neymar. Der teuerste Spieler der Welt bangt nach einer Fußoperation sogar um die WM. Es gibt aber auch Beobachter, die sagen, Paris könnte ohne den defensivunwilligen Neymar sogar kompakter und gefährlicher auftreten. Mal sehen. Real setzt einen Cristiano Ronaldo in Bestform entgegen.

Die Bayern müssen noch warten, ihr Rückspiel in Istanbul ist auf Mittwoch, 14. März (18.00 Uhr) terminiert. Nach dem 5:0-Sieg im Hinspiel dürfte der Auftritt bei Besiktas nicht so laut werden wie befürchtet, dass die türkischen Fans in Ehrfurcht erstarren, ist allerdings auch nicht zu erwarten. In der Europa League sind die Bundesligisten Borussia Dortmund (gegen RB Salzburg) und RB Leipzig (gegen Zenit St. Petersburg) am Donnerstag gefordert. Die Europa League dürfte auch für FC Arsenal London der letzte Rettungsanker in Richtung Champions League sein. In der Premier League schwächeln die Wenger-Schützlinge und nur Erfolge international können den Trainer retten. Der AC Mailand ist allerdings kein leichter Gegner, aber wenn man die Europa League gewinnen muss, um in die Champions League zu kommen, darf Milan keine Hürde sein. Das hat Arsenal übrigens mit dem HSV und Köln gemeinsam: Es werden zu viele Fehler in der Vereinsführung gemacht.

Kurz noch zum Videobeweis. Bei der Weltmeisterschaft in Russland soll er zur Anwendung kommen, doch ob die Schiedsrichter bis dahin richtig geschult sind, steht in den Sternen. Zwischen Reden und Taten gibt es bei der FIFA immer Diskrepanzen. In der Bundesliga wird es immer besser, am Wochenende wurden wieder Ungerechtigkeiten verhindert – so soll es sein!

Start der Champions League: Der Sport lockt die Fans – nicht das Geld

Der Kaufrausch ist vorbei, jetzt geht es für die Fußball-Fans wieder um den Sport. Die Vereine und die Scheichs und die anderen Milliardäre, die mit ihrem Geld um sich schmeißen, sollten erkennen: Nur der Sport lockt die Fans – nicht das Geld. Also freuen wir uns trotz des Transfertrubels, als die Millionen nur so durch Europa flatterten, auf die neue Saison. Eines haben die teuren Transaktionen nämlich bewirkt: Es wird in der Champions League noch interessanter.

Es ist wirklich so, da spielt das Geld eine große Rolle. Zum Beispiel Paris St. Germain. Der neue Traumsturm mit dem jetzt teuersten Spieler, Neymar, und Talent Mbappe (nur ausgeliehen, um die UEFA und das Financial Fairplay auszutricksen) sowie Torjäger Cavani soll den Scheichs von Katar den Henkelpott bescheren. In diesem Fall schießt Geld wohl wirklich Tore, aber ist die Abwehr stark genug für die großen Spiele und halten die Nerven? Auch Millionäre sind nur Menschen. Die Sympathien werden Paris nirgends zufliegen. Erstes Test-Objekt ist in der Gruppenphase Bayern München. Sie werden sich mit ihrem typischen „mia san mia“ nicht wie das Kaninchen vor der Schlange benehmen.

Der Blick geht aber auch nach England. Dort wurden ja die meisten Millionen umgesetzt, die Premiere League befand sich wirklich im Kaufrausch, steigerte ihren Umsatz für neue Spieler auf 1.549 Milliarden Euro und will endlich die Dominanz der Spanier brechen. Allein Manchester City gab 250 Millionen Euro aus, davon 140 Millionen für drei neue Verteidiger. Trainer Pep Guardiola muss seinen Scheichs liefern, er blieb in seiner Trainer-Karriere das erste Jahr ohne Titel. Da darf man schon fragen: Kann Pep nur mit Geld? Wir werden es sehen. Aber auch Englands Meister Chelsea London will angreifen und Manchester United mit dem ehrgeizigen Pep-Erzfeind Jose Mourinho, der als Sieger der Europa League einen Platz in der Elite-Klasse ergatterte.

Also, welche Wünsche gehen nun in Erfüllung? Spannung ist garantiert, allerdings nicht in der Gruppenphase. Da sorgte die seltsame UEFA-Regelung mit einer Bevorzugung der acht Meister der besten Nationen dafür, dass es uninteressante Gruppen gibt und in einigen Fällen werden wir wieder erleben, dass sich Vereine vorzeitig das Weiterkommen sichern und manchmal sogar die zwei letzten Spieltage uninteressant werden. Aber auch hier regiert ja das Geld, weil die Gruppenphase mehr Spiele garantiert, ginge man gleich zum K.o.-Modus über (wie früher), wäre für viele der Reibach kaum möglich. Seltsam sind Umfragen vor dem Start nach dem künftigen Titelträger. Ergebnisse aus den Gruppen sind Schall und Rauch, auf die K.o.-Runde und dann auf Glückslose oder nicht kommt es an. Sprechen wir uns also wieder im Frühjahr. Der Herbst ist das manchmal interessante und am Ende oft langweilige Warm up.

Die deutschen Vereine hoffen darauf, dass sie im Frühjahr noch in den Lostöpfen zu finden sind. Das sollte Bayern München gelingen, weil man neben der Bewährungsprobe gegen Paris die anderen Gegner Anderlecht und Celtic Glasgow schlagen muss, wenn man sie nicht unterschätzt. Von einer „Hammergruppe“ spricht Borussia Dortmund, mit dem ewigen Rivalen Real Madrid (im Vorjahr zweimal 2:2!) sowie Tottenham Hotspur und dem Außenseiter Nikosia. Der dritte im Bunde ist der Newcomer RB Leipzig, der als Bundesliga-Neuling gleich in die Champions League durchstartete. Die Gegner AS Monaco, FC Porto und Besiktas Istanbul sind Chance und Bewährungsprobe zugleich. Dies ist eine dieser Gruppen ohne einen der großen Favoriten und Leipzig sollte die Stärke besitzen, sich hier durchzusetzen. Allerdings fehlt die internationale Erfahrung. Ein nicht zu unterschätzendes Handicap.

Das Finale gibt es am 26. Mai 2018 in Kiew. Real Madrid will das Triple, nachdem es bis dahin kein Verein geschafft hatte, überhaupt den Titel erfolgreich zu verteidigen. Genügend Vereine wollen Cristiano Ronaldo und Trainer Zinedine Zidane stoppen (u. a. natürlich auch der FC Barcelona mit Messi), doch wer schafft es? Bayern München musste zuletzt im Viertelfinale erkennen, das notfalls höhere Mächte den Spaniern helfen. Nach der selbstverschuldeten Heimniederlage (Vidal verschoss einen entscheidenden Elfmeter) hielt im Rückspiel Ungarns Schiedsrichter Kasai schützend seine Hand über Real und erklärte Abseitstore von Ronaldo als gültig. Nicht nur das Geld spielt also eine große Rolle.