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Tag: Markus Weinzierl

Zwischenbilanz der Fußball-Bundesliga vor dem Jahres-Endspurt

Elf von 34 Spieltagen sind absolviert, quasi ein Drittel der Saison, Zeit für eine Zwischenbilanz der Fußball-Bundesliga. Die Länderspielpause dient zum Durchschnaufen, bevor der Jahres-Endspurt beginnt, sechs Spiele sind es noch bis zum 23. Dezember, ausgerechnet in der Woche vor Weihnachten müssen die Klubs zusätzlich ran, alles andere als ein Weihnachtsgeschenk für die Fans (erstaunlich, dass es am 24. Dezember kein Montagspiel gibt!). Wer aber hat bisher die Erwartungen erfüllt, wer nicht? Der Sport-Grantler gibt einen kleinen Überblick:

Über dem Soll

Auffallend, fünf Klubs befinden sich über dem Soll, genau fünf aber auch unter dem Soll, dazwischen das breite Mittelfeld. Fangen wir aber mit der Spitze an und damit natürlich mit Borussia Dortmund. Ungeschlagener Tabellenführer mit vier Punkten Vorsprung vor Gladbach und sieben auf Bayern München (Platz 5), was will man mehr. Vor der Saison hatten selbst die Dortmunder nicht damit gerechnet, schließlich musste man erwarten, dass der neue Trainer Lucien Favre mit einer neuen Mannschaft mit vielen jungen Spielern Zeit für den Erfolg benötigen würde. Aber die Konkurrenz wurde praktisch überrannt, die Neuen schlugen ein (kein Wunder, dass der kicker Dortmund als Transfersieger sah, Schlusslicht ist Stuttgart) und alle staunen, auch die Bayern. Für die letzten sechs Spiele der Vorrunde stellt sich die Frage, bleibt die Borussia ungeschlagen? Könnte sein, die Gegner sind Mainz (auswärts), Freiburg (zu Hause), Schalke (A), Bremen (H), Düsseldorf (A) und Gladbach (H).

Dortmund überstrahlt alles, aber über dem Soll sind sicherlich auch die Nächstplatzierten, nämlich Borussia Mönchengladbach, RB Leipzig und Eintracht Frankfurt. Von Leipzig durfte das erwartet werden, unter Trainer-Sportdirektor Ralf Rangnick sollte es doch wieder in die Champions League gehen. Bei Gladbach und Frankfurt bleiben Fragezeichen, ob die Teams ihre Form durchhalten. Bei beiden beeindruckt der Schwung, die Eintracht bestaunt ihr „magisches Dreieck“ mit Jovic, Rebic und Kostic. Kein Wunder, dass die Stürmer bei vielen Großklubs auf der Wunschliste stehen, u. a. auch bei Bayern München. Ja, und zu den Spitzenteams gesellt sich auch der Außenseiter Mainz 05, derzeit auf Rang neun, also im gesicherten Mittelfeld und spielerisch stark, das durfte man so nicht unbedingt erwarten.

Im Soll

Das breite Feld befindet sich quasi im Soll, zum Teil ist der Sprung nach oben noch im Visier (Hoffenheim, Bremen), zum Teil gilt ein einstelliger Tabellenplatz als Ziel (Berlin, Augsburg), zum Teil ist man froh, wenn man nicht im Abstiegskampf steckt (Freiburg, Wolfsburg). Dazu gesellt sich noch Neuling 1. FC Nürnberg, der mit Rang 15 und zehn Punkten im Moment sogar der Relegation entgeht, also mit dieser Platzierung am Saisonende punktgenau das Ziel erreicht hätte: Nur nicht absteigen.

Die Stimmung ist bei den betroffenen Vereinen natürlich ein bisschen unterschiedlich. So haben sich vor allem Hertha BSC und Wolfsburg ihren Aufenthalt im Mittelfeld zu Beginn der Saison verdient. Die Hertha ist jetzt fünf Spiele ohne Sieg (der letzte gelang ausgerechnet gegen die Bayern, dann schlug wohl der „Bayern-Fluch“ zu, denn Bayern-Bezwinger tun sich danach mit dem Siegen schwer), Wolfsburg hat in den letzten acht Spielen gerade einmal gewonnen (in Düsseldorf). Bei beiden heißt es also, den Trend umkehren, sonst sind sie nicht mehr lange im Soll. Trainer Pal Dardai hat Ruhe in Berlin, Bruno Labbadia in Wolfsburg fordert mehr, Ziel war ja, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Von der Relegation hat man die Nase voll,.

Ein Sonderfall ist der FC Augsburg. Platz 10 und 13 Punkte bedeuten das Soll, nur einmal war man in sieben Jahren Bundesliga besser (14/15 Platz 7 mit 15 Punkten, am Ende 5. und in der Europa League). Was die Augsburger ärgert: Sie haben viele Punkte verschenkt, haderten über individuelle Fehler und späte Gegentore. Ohne „Geschenke“ könnte der FCA punktgleich mit den Bayern sein! Der Verein sieht sich immer im Kreis derer, die gegen den Abstieg kämpfen, die Spieler allerdings wollen mehr, Das könnte möglich sein, zumindest nach Weihnachten sollte es mit den Geschenken aber vorbei sein.

Unter dem Soll

Logisch, dass hier der Blick ans Tabellenende geht, aber nicht nur. Der Verein, der gefühlt wohl am meisten von seinen Zielen entfernt ist, heißt Bayern München. Sechs mal in Folge Meister und jetzt nur Fünfter, nicht einmal in der Champions League – ein Wunder, dass Trainer Niko Kovac nicht in Frage gestellt wird. Das Verletzungspech schlägt zwar weiter unerbittlich zu (jetzt fällt auch James aus), aber dennoch soll es im Endspurt ein Punktesammeln ohne Niederlage geben. Die größten Hürden des Restprogramms kommen zum Schluss der Vorrunde: Am 19. Dezember gegen Leipzig, am 22. in Frankfurt.

Gleich nach den Bayern kommt natürlich der VfB Stuttgart, das Schlusslicht. Da hat man sich mehr erwartet, auch wenn klar war, dass sich eine so erfolgreiche Rückrunde wie im letzten Jahr unter Tayfun Korkut, die mit Rang sieben endete, nicht wiederholen lässt. Korkut musste gehen, aber Nachfolger Markus Weinzierl startete mit klaren Niederlagen, bisher hat sich noch wenig geändert. Ruhiger ist es bei Neuling Fortuna Düsseldorf, der ja fast im Soll liegt, denn mit einem Wiederabstieg muss man rechnen, und bei Hannover 96, für das der Kampf gegen den Abstieg nicht unerwartet kommt. Kurios: Die Fans machen wieder Stimmung, aber stimulierend auf das Team wirkt das scheinbar nicht.

Anders sieht es natürlich bei Schalke 04 und Bayer Leverkusen aus. Das internationale Geschäft war das Ziel, Vizemeister Schalke stürzte tabellarisch am meisten ab, aber auch Leverkusen blickte vom letztjährigen Platz 5 eher in die Champions League, als dass man die unteren Regionen im Kalkül hatte. Die Mannschaft hat das Zeug zum begeisternden Fußball, doch zeigt sie ihn zu selten. Schalke war im Vorjahr mit minimalistischem Fußball erfolgreich, jetzt geht das nicht mehr und die Tore fehlen, Dazu fällt ein Stürmer nach dem anderen aus (Uth, Embolo, Burgstaller), da muss Trainer Dominik Tedesco die Leistung vom Vorjahr wiederholen: Viele Punkte mit wenig Toren. Erstaunlich, die Manager auf Schalke und in Leverkusen verteidigen tapfer ihre Trainer gegen die ständigen Anfragen der Medien, wann denn der Coach gehen muss. Wenn aber weiter die Punkte fehlen, könnte es bald ganz anders aussehen.

Lassen wir uns überraschen, wer frohe Weihnachten feiern kann.

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Bayern und Löws Jungs: Kampf gegen die Verunsicherung

Länderspiel-Wochenenden waren in früheren Zeiten in Deutschland eher eine Art Fest- oder Feiertage, doch diese Euphorie rund um das Team mit dem Adler auf der Brust ist vorbei. Frust statt Fest ist angesagt, Werbung für den Fußball macht die Nationalmannschaft derzeit nicht. Muss die Krise an Bundestrainer Joachim Löw festgemacht werden? Ist es eine Krise des deutschen Fußballs schlechthin? Oder tragen die formschwachen Bayern die Schuld? Tatsache ist: Beide haben eines gemeinsam, die Bayern und die Nationalmannschaft kämpfen gegen die Verunsicherung an.

Die Bundesliga nimmt am kommenden Wochenende wieder Fahrt auf, Vier Spieltage stehen neben Champions- und Europa-League sowie DFB-Pokal am 30./31. Oktober bis zur nächsten Länderspielpause am 17./18. November auf dem Programm. Die Bundesliga wird die Fans eher in ihren Bann ziehen, als es das DFB-Team derzeit kann. Die Augen werden aber vor allem auf Bayern München gerichtet sein, denn dort werden die Fragen der Zukunft beantwortet: Gelingt den Bayern selbst der Weg aus der Krise und damit vielleicht danach auch der Nationalmannschaft für das wohl entscheidende Rückspiel gegen die Niederlande in der Nations League? Beide Mannschaften leiden unter der Formkrise der Weltmeister, den Bayern ging die Achse der Führungsspieler ebenso verloren wie Jogi Löw, der ja unverdrossen weiter auf die Bayern-Achse setzte und nun einen Achsschaden beim 0:3 in Amsterdam erlitt.

Für Bayern-Trainer Niko Kovac ist die Aufgabe ungleich schwerer, weil er im sowieso schon dezimierten Münchner Kader schlecht auf Neuer, Boateng (aktuell verletzt), Hummels oder Müller verzichten kann. Er muss sie jedoch in Form bringen! Aber die Verunsicherung ist groß, von der wurde jetzt sogar der einst beste Torhüter der Welt erfasst, Manuel Neuer. Nach seinen Fehlern fielen zuletzt zu viele Gegentore (auch in Amsterdam das 0:1), in der Bundesliga weisen nur zwei Torhüter eine schlechtere Paradequote als Neuer auf! Seine Vorderleute machen die Verunsicherung mit einer hohen Fehlpassquote deutlich (Boateng und Hummels), die Stürmer treffen nicht mehr. Spaßvogel Thomas Müller ist der Spaß vergangen, Robert Lewandowski ist ein Torjäger der traurigen Gestalt, er traf auch für Polen nicht mehr, das nun als erster Absteiger aus der Nations League A feststeht. Wie heißt es so schön, für Tore gibt es keinen Ersatz. Darum wird im Gegensatz dazu der Dortmunder Paco Alcacer gefeiert, der nicht nur im Verein trifft wie er will, sondern jetzt auch für Spanien. Eine andere Welt.

Das Bundesliga-Programm im Oktober und November könnte für Bayern fast ein Aufbauprogramm sein, um die Verunsicherung zu verscheuchen. Die beste Therapie sind da Siege, die könnten mit ein bisschen mehr Kampfgeist und Disziplin in Wolfsburg und Mainz sowie gegen Freiburg gelingen, ehe es zum Showdown der Spitzenteams am 10. November in Dortmund kommt. Aber nur, wenn die Bayern bis dahin die Verunsicherung abgelegt haben.

Dortmund ist derzeit das Gegenteil der Bayern (deshalb auch Tabellenführer) und könnte Vorbild für Jogi Löw sein, denn Dortmund holte sich Schwung durch junge Spieler, ähnlich wie eben die Niederlande. Dieser Mut fehlt offensichtlich dem Bundestrainer, der erst verspätet die Talente Sane, Brandt und Draxler gegen die Niederlande ins Gefecht warf, mit allerdings zwiespältigen Ergebnissen. Sane und Draxler brachten zwar frischen Schwung, Sane vergab aber eine klare Chance, Draxler leitete nach erfrischendem Anfang die endgültige Niederlage mit zwei dicken Patzern ein. Unverständlich aber, dass Löw mit dem nachnominierten Emre Can einen der noch besseren Spieler vom Feld nahm. Ist das „Löws Kurs ins Verderben“ wie das Fachblatt kicker schreibt, jedenfalls trauen 91,9 Prozent der Kicker-Leser dem Bundestrainer die Wende nicht zu. Ein erschreckender Vertrauensverlust.

Mehr zur Nationalmannschaft und die Zukunft des deutschen Fußballs im Laufe der Woche.

Noch ein Blick aber auf die Bundesliga: Sieben Spieltage sind gespielt, nach zehn, so heißt es oft, könne man die ersten wirklichen Tendenzen erkennen. Fast genau (dann elf) zur nächsten Länderspielpause. Bis dahin will zum Beispiel der VfB Stuttgart wieder in die Erfolgsspur gefunden haben. Beim Schlusslicht gab es den ersten Trainerwechsel der Saison, Markus Weinzierl übernahm wie erwartet das Kommando von Tayfun Korkut. Er galt ja schon vor Korkut als Wunschtrainer, wird aber mit einem schweren Startprogramm leben müssen, mit den Aufgaben gegen Dortmund und in Hoffenheim, ehe Frankfurt kommt. Natürlich macht Weinzierl in Optimismus und nun nimmt praktisch eine Anleihe in England: „Warum soll nicht der Letzte den Ersten schlagen können“. Das sah man bisher in der Bundesliga fast als undenkbar an und verwies darauf, dass das in der Premier League keineswegs unmöglich sei. Der VfB könnte die Bundesliga ins Gespräch bringen.

Fußball-Trainer drehen den Spieß um

 

Das normale Geschäft im Profi-Fußball geht so: Spielt die Mannschaft schlecht und es besteht die Gefahr, dass die anvisierten Ziele nicht erreicht werden, vielleicht sogar der Abstieg droht, dann muss der Trainer gehen. Der Trainer ist bekanntlich das schwächste Glied in der Kette. Vorstand und Manager oder Sportdirektor haben die Macht, eine ganze Mannschaft kann man schlecht austauschen. Mit warmen Worten wird der Coach verabschiedet, er hat tolle Arbeit geleistet, aber es hat halt nicht gepasst. Eine hohe Abfindung versüßt den zeitweiligen Ruhestand.

Inzwischen hat sich das Blatt allerdings gewendet. Gerade in dieser Saison ist es in der Fußball-Bundesliga auffällig, wie viele Trainer im Gespräch sind, ihren Verein von sich aus frühzeitig zu verlassen. Die Fußball-Trainer drehen ganz einfach den Spieß um. Sie sagen zum Saisonende ihrem Verein, ich habe gern bei Dir gearbeitet, aber ich habe Größeres vor. Ade Abstiegskampf, willkommen Champions League. So ungefähr. Es gehört wohl auch zum Geschäft, dass interessierte Vereine Trainer auf ihrem Zettel haben, die woanders noch untere Vertrag stehen. Mit Millionen lassen sich Verträge auflösen.

Bisher kannte man es nur von den Spielern, dass sie ihre Vereine vorzeitig verlassen wollen und andere, höhere Ziele anstreben. Nach dem Bosman-Urteil war es sowieso üblich, dass der Vertrag vorzeitig beendet wurde, damit der Verein noch eine Ablösesumme kassieren kann. Jetzt also auch bei den Trainern. Nehmen wir das Beispiel Markus Weinzierl beim FC Augsburg. In Zeiten, als er schon bei anderen Klubs begehrt war, setzte er ein Zeichen und verlängerte seinen Vertrag beim FCA bis 2019. Jubel im Verein und bei den Fans. Kaum beachtet, aber wohl Wahrheit: Sollte ein gutes Angebot kommen, könne Weinzierl gehen. Der Verein hat dann zwar ein paar Millionen Euro, aber keinen Trainer mehr.

Weinzierl steht nicht allein da, auch Ralph Hasenhüttl in Ingolstadt hat noch einen Vertrag, flirtet aber heftig mit anderen Vereinen. Die Gerüchteküche kocht. Mittendrin der RB Leipzig, wo Manager Ralph Rangnick die Doppelrolle als Trainer nicht mehr spielen möchte. Viele Namen kursierten, auch Weinzierl war im Gespräch, aber jetzt scheint es auf Hasenhüttl hinaus zu laufen. Das Problem: Erst muss Leipzig in die Bundesliga aufsteigen, damit der Verein für den Österreicher überhaupt interessant wird. Oder nimmt er notfalls den Umweg über die 2. Bundesliga in Kauf? Aber die Brause von Red Bull scheint in Leipzig attraktiver zu sein, als Audi in Ingolstadt.

Seltsam ist, dass Trainer zum Ende der Saison angezählt werden, obwohl ihre Vereine gar nicht so schlecht dastehen. Andre Breitenreiter steht bei Schalke 04 auf verlorenem Posten. Da gibt es Theater um den scheidenden Manager Horst Heldt und den künftigen Manager Christian Heidel, der derzeit noch für seinen alten Verein Mainz 05 arbeitet, aber dennoch Schalke im Visier hat. Offensichtlich mit Markus Weinzierl als neuen Trainer. Breitenreiter kam vor der Saison als Hoffnungsträger, legte den besten Saisonstart aller Zeiten hin und dann ging die Luft aus. Offensichtlich machte er sich im Umfeld unbeliebt, aber nicht bei der Mannschaft. Sollte Weinzierl kommen, könnte er von Anfang an zwischen den Stühlen sitzen. Vom beschaulichen Augsburg ins Chaos von Schalke 04? Wer nach oben will, muss leiden können!

Auch bei Borussia Mönchengladbach wurde Trainer Andre Schubert gefeiert, als er Lucien Favre abgelöst hatte und mit der Mannschaft eine Siegesserie hinlegte. Der Verein konnte gar nicht anders, als der öffentlichen Meinung nachzugeben, dass Schubert, eigentlich als Übergangslösung gedacht, bleiben müsse. Doch seit der Vertragsverlängerung ist der Lack ab, Gladbach rutschte ab, zeigt vor allem eine bedenkliche Auswärtsschwäche. Bezeichnend, dass Schalke und Gladbach bei 45 Punkten beide um einen Platz im europäischen Wettbewerb fürchten müssen, also die Trainer angezählt sind. Hier gilt noch das alte Geschäft.

In Bremen wissen sie nicht so recht, was sie machen sollen. Da soll Trainer Viktor Skripnik die Klasse halten, dennoch wird er angezählt. Geschäftsführer Thomas Eichin zeigt sich mutig und hält am Trainer fest, macht allerdings unterschwellig deutlich, dass diese Treue nur bis zum Ende der Saison gilt. Skripnik macht eine mürrische Miene zum bösen Spiel, zog mit dem 3:2-Sieg aber den Kopf aus der Schlinge. Werder ist für ihn eine Herzensangelegenheit, sonst hätte er schon lange ebenfalls den Spieß umgedreht.

Neu ist auch, dass sich die Trainer heutzutage gern die Freiheit nehmen, ein sogenanntes Sabbatjahr einzulegen. Das können sich freilich nur die großen Namen leisten. Bestes Beispiel war Pep Guardiola, der beim FC Barcelona vorzeitig ging, weil er ausgebrannt war. Nach einem Jahr Pause entschied er sich für den FC Bayern München, zeigte aber auch frühzeitig an, dass er seinen Dreijahresvertrag nicht verlängern würde. Immerhin erfüllt er ihn bzw. darf ihn erfüllen. Ob am Ende auch die Erfüllung steht, nämlich das Triple, das steht in den Sternen. Möglich auch, dass er wieder Pech hat. In München löste er Alt-Meister Jupp Heynckes ab, der sich mit dem Triple verabschiedete. Bei Manchester City sollte Guardiola endlich für internationale Erfolge sorgen, aber gerade jetzt liefert die Mannschaft ihre beste Saison und steht im Halbfinale der Champions League. Armer Pep, wenn City gerade jetzt die Champions League gewinnt…

Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti kommt übrigens ebenfalls ausgeruht zu den Bayern. Er hat nach seiner Aufgabe bei Real Madrid ein Sabbatjahr hinter sich, hat sich abwechseln in Vancouver und New York vergnügt. Es scheint, wir müssen die Fußball-Trainer nicht bemitleiden. Sie haben immer mehr das Heft des Handelns in der Hand.