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Tag: Mikaela Shiffrin

Der Winter ist heißer als der Sommer

Nicht nur der Blick auf den Kalender bestätigt es, sondern vor allem der Blick auf das Wettkampf-Programm – der Winter ist vorbei. Einzige Ausnahme bildet die Eishockey-Weltmeisterschaft vom 10. bis 26. Mai in der Slowakei, doch Eishockey sieht sich ja fast schon als Ganzjahressportart, so werden Spiele der europäischen Wettbewerbe auch im Sommer ausgetragen. Zeit also für eine Bilanz.

Apropos Sommer, im deutschen Sport ist der Winter heißer als der Sommer, was zumindest die Aufmerksamkeit und die Erfolge angeht. Das ist auch wieder an den Einschaltquoten im Fernsehen abzulesen. Wenn ARD und ZDF von Dezember bis März ihre Wintersport-Wochenenden haben mit Übertragungen vom Vormittag bis zum frühen Abend, dann schalten mehr Zuschauer ein als zu „normalen“ Zeiten. Auch wenn es natürlich viele Nicht-Sport-Fans gibt, die monieren, dass nur Sport läuft. Aber die haben wohl vergessen, wie das Umschalten funktioniert. Auffallend ist jedenfalls, dass über zwei Millionen Zuschauer sogar bei Bob und Rodeln hängen bleiben, dass Biathlon im Winter die Nummer 1 bleibt, mit Minimum drei Millionen und bei guten Sendezeiten über fünf Millionen Zuschauern. Zahlen, die im Sommer (Fußball ist immer außen vor) nur die Formel 1 und bei Meisterschaften die Leichtathletik erreichen. Sommersport-Wochenenden gibt es dagegen nicht. Außer Leichtathletik garantiert kein Sport gute Einschaltquoten, Tennis ist durch häufige Übertragungsrechte ans Pay-TV außen vor.

Das Interesse ist natürlich nur da, wenn auch die Erfolge stimmen und spannende Wettkämpfe zu sehen sind. Erfolgen haben die deutschen Frauen und Männer im Winter wieder zur Genüge erzielt. Rekorde stellte zum Beispiel Bobfahrer Francesco Friedrich auf, der im Zweier-Bob alle Weltcuprennen gewann und seit 2017 bei Weltmeisterschaften und Olympia ungeschlagen ist! Zudem wurde er auch im Viererbob Weltmeister. Natalie Geisenberger ist die Königin des Rodelns, sie gewann als erste Frau zum siebten Mal hintereinander den Gesamtweltcup und gewann von 2014 bis 2018 bei Weltmeisterschaften alle Rennen im Sprint und Einzel.

Auch die deutschen Skispringer hatten ihren König, Markus Eisenbichler erlebte zum Ende der Saison eine Leistungsexplosion, wurde Weltmeister bevor er auch nur einen Weltcupsieg errungen hatte, holte diesen heiß ersehnten Erfolg allerdings beim Skifliegen zum Schluss noch nach. Viele Siege waren im Schatten des japanischen Überfliegers Ryoyu Kobayashi sowieso nicht möglich, der Dauersieger holte sich die Vierschanzen-Tournee mit totalen Triumph, den Raw-Air-Titel in Skandinavien, frühzeitig den Gesamtweltcup und schließlich auch noch den Skiflug-Weltcup. Besonders erfolgreich waren erneut die deutschen Skispringerinnen, die wieder einmal Siege für das Geschichtsbuch erreichten, nämlich den Titelgewinn bei der Premiere der Frauen-Teams bei der WM.

Am Ende der Saison ein bisschen Trauer im Lager der Skispringer, denn der erfolgreiche Bundestrainer Werner Schuster hört auf. 2008 hatte er die deutschen Skispringer quasi am Tiefpunkt übernommen und zu zahlreichen Erfolgen geführt. Ein Österreicher soll dem Österreicher folgen, Stefan Hornbacher, zuletzt Polens ebenfalls erfolgreicher Nationaltrainer.

Es ist nicht der einzige Abschied, vor allem die alpine Welt wird Charakterköpfe und Vorzeige-Athleten vermissen. Die amerikanische Rekordjägerin Lindsay Vonn, der Norweger Aksel Svindal und das deutsche Ski-Ass Felix Neureuther haben ihre Karrieren beendet. Gerade die Amerikanerin Lindsay Vonn wird mit Argusaugen die Rekorde der neuen Ski-Königin Mikaela Shiffrin beobachten, die als erste Frau bei 26 Starts 17 Saisonsiege erzielte. Sie kann ihrer Landsfrau alle Rekorde abjagen.

Auch im Biathlon gab es einen alles überragenden König. Der 25-Jährige Johannes Thingnes Boe gewann alles, was es zu gewinnen gab, nur nicht alle WM-Titel. Aber im Weltcup ließ er der Konkurrenz nicht einmal eine kleine Kristallkugel, er war in der Gesamtwertung, im Einzel, Sprint, Verfolgung und Massenstart überall vorn und stellte nebenbei mit 16 Saisonsiegen wohl einen Rekord für die Ewigkeit auf. Der Norweger löste den Franzosen Martin Fourcade als Seriensieger ab, aber langweilig wurde es trotzdem nicht, weil Biathlon eben spannende Wettbewerbe bietet und auch die deutschen Frauen und Männer vorne mitmischten. Zwar reichte es nur selten zu Platz eins, aber Denise Herrmann wurde zur deutschen WM-Königin, Arnd Peiffer und Benedikt Doll vervollständigten zum Beispiel beim letzten Massenstart das Podium zusammen mit Boe.

Nur die einstige Biathlon-Königin Laura Dahlmeier gibt Rätsel auf, sie hatte aufgrund von gesundheitlichen Problemen den ganzen Winter über nicht ihre Bestform (und gewann trotzdem). Zweimal WM-Bronze waren unter diesen Bedingungen für sie persönliche Siege. Jetzt bangt die Biathlon-Gemeinde, ob die Partenkirchnerin ihre Laufbahn beendet oder nicht. Sie will in erster Linie Spaß haben und muss auf ihren Körper hören. Mal sehen, was er sagt. Ein Rücktritt würde natürlich die deutsche Mannschaft schwächen, die Frauen waren in der Nationenwertung immerhin Zweite hinter Norwegen und vor Frankreich. Norwegen siegte auch bei den Männern, da schob sich Frankreich vor Deutschland. Italien wiederum freute sich über einen ersten Gesamtsieg, den schaffte die Südtirolerin Dorothea Wierer bei den Frauen vor ihrer Freundin Lisa Vittozzi.

Der Sport braucht Aushängeschilder und Erfolge, die Fans wollen Spannung, aber eben auch Siege, die via Bildschirm Freude ins Wohnzimmer liefern. Insofern muss der Wintersport auch für erfolgreichen Nachwuchs sorgen, damit die Winter heißer als die Sommer bleiben und die Einschaltquoten weiterhin stimmen.

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Alpine Ski-WM: Aufgeführt werden „Die Zwei“

Es gab einst eine beliebte Krimi-Serie, die hieß „Die Zwei“ mit Roger Moore und Tony Curtis in den Hauptrollen. Zumindest der Titel lebt jetzt bei der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft vom 5. bis 17. Februar in Are/Schweden wieder auf. Egal ob bei der Zahl der Favoriten oder im deutschen Team die Zahl der aussichtsreichen Athleten – aufgeführt werden „Die Zwei“.

Da sind zum Beispiel die zwei großen Favoriten: Marcel Hirscher ist der beherrschende Fahrer bei den Herren, Mikaela Shiffrin dominiert das Geschehen bei den Damen. Der Österreicher Hirscher muss sich als Techniker allerdings mit einer vergleichsweise bescheidenden Medaillen-Aussicht zufrieden geben, aber Gold in seiner Paradedisziplin Slalom und außerdem im Riesenslalom sind wie vor zwei Jahren in St. Moritz wieder möglich. Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin ist da ein Stückchen weiter, sie hat sich in diesem Jahr im Weltcup vorgenommen, in allen Disziplinen an den Start zu gehen. Was in der heutigen Zeit fast als unmöglich schien, hat sich aber bewahrheitet: Shiffrin ist überall gut und könnte also rein theoretisch alle Goldmedaillen einsacken. Was allerdings sicherlich nicht passieren wird. Nur eine einzige wäre für sie allerdings fast schon eine Enttäuschung! Achten wir also auf „Die Zwei“.

Auch in der deutschen Mannschaft gibt es „Die Zwei“. Da haben wir zum Beispiel inzwischen zwei Damen, die für vordere Plätze, also auch für eine Medaille, gut sind, nämlich neben der bisherigen „Alleinherrscherin“ Viktoria Rebensburg plötzlich jetzt auch die 22-Jährige Kira Weidle, die vordere Plätze einfuhr. Ein gutes Omen für die Abfahrt am Sonntag, 10. Februar: Bei der Junioren-WM 2017 in Are holte Weidle Bronze. Wiederholen bitte! Bei den Herren blieben auch nur „Die Zwei“ übrig, allerdings mit Einschränkungen: Der eine ist Routinier Felix Neureuther, der mehr mit seinem Körper und Verletzungen zu kämpfen hat als mit Pisten und Konkurrenz. Er hofft, dass er noch rechtzeitig seine Form findet und vielleicht noch einmal den „Retter“ spielen kann, so wie vor zwei Jahren als er mit Bronze die einzige deutsche Medaille ergatterte. Danach könnte Schluss sein, denn bei den letzten Weltcup-Rennen sah alles nach einer Abschiedstournee des 34-Jährigen aus. Er wurde unabhängig seiner Platzierungen vom Publikum mit „Standing Ovations“ gefeiert, gemäß dem Motto, es könnte ja das letzte Mal sein, dass der beliebte Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther auf der Piste zu sehen war.

Der Zweite ist Speedfahrer Josef Ferstl, der sensationell in Kitzbühel den Super G gewann, also in die erste Reihe rückte. Dahinter tut sich eine Lücke auf, weil wieder einmal das Verletzungspech zugeschlagen hat. Vor allem Thomas Dreßen, der ebenso sensationelle Abfahrtssieger von Kitzbühel vor einem Jahr liegt ebenso flach wie der hoffnungsvolle Andreas Sander. Dagegen befinden sich die Techniker Linus Straßer, Stefan Luitz, Fritz Dopfer und Dominik Stehle in einem seltsamen Formtief. Zumindest einer von ihnen sollte doch die Nachfolge von Felix Neureuther antreten. Ob das noch gelingt?

Der Deutsche Ski-Verband befindet sich im Dilemma. Eigentlich sollte es aufwärts gehen, doch alle Bemühungen scheinen im Schnee stecken zu bleiben. Passend zur alpinen Sportart heißt es „runter geht es schnell, aber bergauf geht es langsam“. Die einst glorreichen Zeiten kommen (wenn überhaupt) so schnell nicht wieder. Dabei war Sportdirektor Wolfgang Maier vor der Saison doch so zuversichtlich: „Im Nachwuchsbereich holen wir Medaillen, also muss Substanz da sein“. Auch der neue Damen-Trainer Jürgen Graller aus Österreich konnte bis jetzt nicht helfen, dass es schnell bergauf geht, um besonders schnell den Berg runter zu kommen.

Andere Nationen haben da weniger Sorgen, sie sorgen sich höchstens darum, den Österreichern Platz eins im Medaillenspiegel streitig zu machen oder die Österreicher darum, nicht die Nummer 1 zu werden. Das würde sie ärgern. In St. Moritz 2017 holten die Österreicher neun Medaillen (3 Gold, 4 Silber, 2 Bronze) und lagen damit vor der Schweiz (7/3-2-2) und Frankreich (2/2-0-0). Der DSV lag mit einer Bronzemedaille auf Rang elf und hat vor allem ein Ziel: Nur nicht leer ausgehen. Eigentlich sollten es zwei werden…

Die nächsten interessanten Weltmeisterschaften im Winter: Nordische Ski-WM vom 20. Februar bis 3. März in Seefeld/Österreich, Biathlon-WM vom 7. bis 17. März in Östersund/Schweden.