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Tag: Nations League

DFB-Team 2018: Der Absturz und ein bisschen Hoffnung

Die Bilanz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Jahr 2018 ist furchterregend und deshalb bestimmt ein Ausdruck die Diskussionen um das Team von Bundestrainer Joachim Löw: Ein Horrorjahr. Der stolze Weltmeister von 2014 hat 2018 einen Absturz erlebt. Zwei offizielle Turniere, zweimal Gruppenletzter, sowohl bei der Weltmeisterschaft in Russland als auch bei der neu geschaffenen Nations League. Da gab es nicht einmal einen Sieg, sondern nur zwei Unentschieden und zwei Niederlagen gegen Weltmeister Frankreich und Gruppensieger Niederlande. Das letzte Spiel gegen die Holländer sollte „das Beste zum Schluss“ bringen, wie Jogi Löw hoffte, doch nach 80 Minuten, die Mut machten, und nach einer 2:0-Führung brachten die letzten Minuten erneut einen Absturz. Wieder nur 2:2, bezeichnend, dass der Ausgleich in der Nachspielzeit fiel. Eben ein Horrorjahr.

Die Jahresbilanz ist wirklich erschreckend für eine einst so stolze Mannschaft wie die DFB-Elf: Gerade mal vier Siege und drei Unentschieden, aber sechs Niederlagen. Die bittere Erkenntnis für Jogi Löw, der gern an seinen treuen (und lange Zeit überragenden) Weggefährten festgehalten hätte, den Weltmeistern von 2014. Doch die Zeit des Tempo-Fußballs ließ die einstigen Rennpferde wie lahme Gäule ausschauen. Spät, fast zu spät und eigentlich nur gezwungenermaßen hat sich Löw zum Umbruch entschieden und erntet am Ende für die Zukunft auch ein bisschen Hoffnung. Die jungen Wilden können es richten, wenn sie noch ein bisschen Erfahrung sammeln und auch entsprechend gelenkt werden. Diese richtige Mischung zu finden, ist die Hauptaufgabe des Bundestrainers, um nach dem Absturz den Aufbruch in eine glorreiche Zukunft zu schaffen.

Joachim Löw hat bereits Zeit verloren, weil er eben zu lange an den Weltmeistern festgehalten hat. Jetzt beklagt er, dass er 2019 mit der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 (12. Juni bis 12. Juli) keine Testspiele mehr hat. Kommt Deutschland bei der Auslosung am 2. Dezember in eine Sechser-Gruppe, wird es für das DFB-Team in den Länderspielpausen mit Doppelspieltagen im März, Juni, September, Oktober und November nur Pflichtspiele geben. Keine Zeit für Experimente also.

Eine Basis hat der Bundestrainer allerdings gefunden. Timo Werner, Serge Gnabry und Leroy Sane sind ein modernes Tempo-Trio, das jede Abwehr zur Verzweiflung bringen kann, weil eben jeder unberechenbar ist. Bezeichnend, dass den Deutschen der Sieg aus den Händen glitt, als diese drei vom Feld gegangen waren. 80 Minuten lang hatte Jogi Löw gegen die Niederlande quasi seine Mannschaft der nahen Zukunft auf dem Feld mit Neuer – Süle, Hummels, Rüdiger – Kehrer, Kimmich, Kroos, Schulz – Werner, Gnabry, Sane. In der Abwehr sollte Boateng noch nicht abgeschrieben sein, stehen auch Ginter und Hector auf der Liste, in Mittelfeld und Sturm gehört die Zukunft vor allem dem 19-Jährigen Kai Havertz, Julian Brandt und ein bisschen auch Marco Reus. Alle anderen, vor allem auch Thomas Müller, der dies ausgerechnet in seinem 100. Länderspiel erkennen musste, müssen sich hinten anstellen. Spieler wie Goretzka oder Rudy suchen ihren Platz und bekommen Konkurrenz aus der U21, die in diesem Jahr ungeschlagen blieb und 2019 nach dem EM-Titel greift. Auch da also ein bisschen Hoffnung für die Zukunft.

Die Niederlande machte es den Deutschen vielleicht vor, denn bei den beiden letzten großen Turnieren fehlte das Land und es durchschritt ein tiefes Tal. Jetzt das strahlende Comeback mit dem Gruppensieg in der Nations League gegen die Weltmeister von 2014 und 2018. Wer hätte das gedacht. Überhaupt zeigte die viel kritisierte Nations League, dass sie eine Zukunft haben kann, die Großen müssen um ihre Pfründe kämpfen, die Kleinen haben ihre Erfolgserlebnisse gefeiert, siehe Zwerg Gibraltar. Eine Endrunde der Liga A (im Juni 2019 in Portugal) mit Gastgeber Portugal, Niederlande, Schweiz und England hätte so keiner erwartet. Aber Trost ist das für Deutschland nicht.

Der Bundestrainer hat jetzt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Deutschland nicht so tief fällt und nicht so lange unten bleibt wie die Niederlande, also bei den großen Turnieren fehlt. So weit sollte der Absturz dann doch nicht gehen. Bei der EM 2020 muss Deutschland dabei sein, zumal in jeder Quali-Gruppe der Erste und Zweite weiterkommt (mit einem dicken Brocken ist zu rechnen). Bei der nächsten Austragung der Nations League wird sich das DFB-Team in der ungewohnten Umgebung der Zweitklassigkeit bewegen, in Liga B mit Gegnern wie Island, Polen, Österreich, Tschechien, Finnland aber auch Vizeweltmeister Kroatien. Mal sehen, wie dann die Fans auf die Gegner reagieren, die ja keine Großen sind. Auf Schalke war es erstaunlich stimmungslos.

Wir sehen, die Zukunft ist ein Stück weit sehr ungewiss, aber nach dem Absturz bleibt auf jeden Fall ein bisschen Hoffnung.

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Jogi Löw wurde zum Mut gezwungen

Im Fußball greift der Jugendwahn um sich! Nimmt man die letzten Spiele der Nations League, dann sorgten die Teams für Furore, die sich dem Nachwuchs verschrieben haben. Allen voran England, das mit der jüngsten Mannschaft seit 60 Jahren einen Coup in Spanien landete. Jugend forsch hieß es auch bei der deutschen Nationalmannschaft, doch Bundestrainer lenkte nicht aus freien Stücken auf diese Linie um. Nach dem 0:3-Debakel gegen die Niederlande wurde er zum Mut gezwungen und präsentierte die deutschen Talente gegen Frankreich. Sie überzeugte nicht ganz so wie die Engländer, aber selbst die 1:2-Niederlage gegen den Weltmeister wurde in Deutschland wie ein Sieg gefeiert. So ändern sich die Zeiten.

Bundestrainer Joachim Löw nahm nach der Pleite bei der Weltmeisterschaft in Russland Änderungen in der Mannschaft nur sehr zögerlich vor, sein Argument war zum Teil sicherlich stichhaltig („Die haben den Fußball doch nicht verlernt“), aber die Weltmeister von 2014 sind müde geworden, befinden sich in einem Formtief bzw. zeigen einen nicht enden wollenden Abwärtstrend. Löw blieb also gar nichts anderes übrig, als auf die Jungen zu setzen, er konnte nur gewinnen: Bei guter Leistung hätte er alles richtig gemacht, bei schlechter Leistung hätte er seinen Kritikern sagen können, „seht, die Jungen sind noch nicht so gut“. Jetzt sind die Gefühle zwiespältig, Deutschland hat gute Talente, aber andere Nationen sind weiter. Ergo: Die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft ist ungewiss.

Die Begegnung gegen den Weltmeister als Basis: Deutschland hat keinen Griezmann, Deutschland hat keinen Mbappe. Deutschland hat aber auch keinen Rashford wie England oder Raheem Sterling, bei dem mit zwei Treffern gegen Spanien der Knoten geplatzt ist. Englands Sieger-Team hatte ein Durchschnittsalter von 23 Jahren, Löw Jungs kamen diesmal auf rund 25 Jahre im Schnitt (gegenüber 28 gegen die Niederlande). Die Ginter, Süle, vor allem Kimmich (fast schon ein Routinier), Werner, Gnabry, Sane, Kehrer, Draxler und Brandt lassen hoffen, sind aber kein Versprechen auf eine gute Zukunft.

Immerhin hat Bundestrainer Joachim Löw seinen Teil zu einer guten Leistung beigetragen, die taktische Einstellung überraschte den Gegner, das 3-4-3 kann auch das Rezept gegen die Niederlande sein im vielleicht entscheidenden Spiel um den Erhalt der Liga A in der Nations League. Die Formdelle des DFB-Teams kann nämlich gewaltige Ausmaße haben: Absturz in der Weltrangliste, Absturz in de Europarangliste und keine Nominierung als Gruppenkopf bei der Qualifikation zur EM 2020. Die UEFA ging nämlich in ihrem Zwang zur Aufwertung der neuen Nations League so weit, die alte Regelung wegzuwerfen und allein die Platzierung in der Nations League für die Einteilung der Gruppen heranzuziehen. Und da schaut Deutschland schlecht aus, ist momentan gerade mal Zehnter (vor Kroatien und Island). Auch für diese Tabelle wäre ein Sieg gegen die Niederlande am 19. November wichtig, um sich nicht einen dicken Brocken für die EM-Qualifitkation einzuhandeln.

Es könnte sein, dass die Stimmung im DFB dann ganz schnell wieder umschlägt. Wie Beobachter berichten, feierte man im DFB-Lager das 1:2 gegen Frankreich wie einen Sieg, DFB-Präsident Reinhard Grindel hat schon wieder eine rosa Zukunft vor Augen: „Das, was die junge Mannschaft gezeigt hat, darauf kann man aufbauen. Wir können mit Zuversicht auf die kommenden Wochen und Monate schauen.“ Dabei verschloss der DFB-Präsident die Augen vor den Problemen: Torhüter Manuel Neuer ist nicht mehr der schier unüberwindbare Rückhalt, bei den Außenverteidigern fehlt internationale Klasse, einen Spielmacher gibt es nicht mehr und einen Torjäger schon gleich gar nicht. Erschreckend, wie Werner und Sane mit ihren Torchancen umgingen. Ein Sieg wäre möglich gewesen, Tempo und Spielwitz allein reichen nicht.

Sie sind jung, sie müssen noch lernen, noch viel lernen für eine rosa Zukunft.

Bayern und Löws Jungs: Kampf gegen die Verunsicherung

Länderspiel-Wochenenden waren in früheren Zeiten in Deutschland eher eine Art Fest- oder Feiertage, doch diese Euphorie rund um das Team mit dem Adler auf der Brust ist vorbei. Frust statt Fest ist angesagt, Werbung für den Fußball macht die Nationalmannschaft derzeit nicht. Muss die Krise an Bundestrainer Joachim Löw festgemacht werden? Ist es eine Krise des deutschen Fußballs schlechthin? Oder tragen die formschwachen Bayern die Schuld? Tatsache ist: Beide haben eines gemeinsam, die Bayern und die Nationalmannschaft kämpfen gegen die Verunsicherung an.

Die Bundesliga nimmt am kommenden Wochenende wieder Fahrt auf, Vier Spieltage stehen neben Champions- und Europa-League sowie DFB-Pokal am 30./31. Oktober bis zur nächsten Länderspielpause am 17./18. November auf dem Programm. Die Bundesliga wird die Fans eher in ihren Bann ziehen, als es das DFB-Team derzeit kann. Die Augen werden aber vor allem auf Bayern München gerichtet sein, denn dort werden die Fragen der Zukunft beantwortet: Gelingt den Bayern selbst der Weg aus der Krise und damit vielleicht danach auch der Nationalmannschaft für das wohl entscheidende Rückspiel gegen die Niederlande in der Nations League? Beide Mannschaften leiden unter der Formkrise der Weltmeister, den Bayern ging die Achse der Führungsspieler ebenso verloren wie Jogi Löw, der ja unverdrossen weiter auf die Bayern-Achse setzte und nun einen Achsschaden beim 0:3 in Amsterdam erlitt.

Für Bayern-Trainer Niko Kovac ist die Aufgabe ungleich schwerer, weil er im sowieso schon dezimierten Münchner Kader schlecht auf Neuer, Boateng (aktuell verletzt), Hummels oder Müller verzichten kann. Er muss sie jedoch in Form bringen! Aber die Verunsicherung ist groß, von der wurde jetzt sogar der einst beste Torhüter der Welt erfasst, Manuel Neuer. Nach seinen Fehlern fielen zuletzt zu viele Gegentore (auch in Amsterdam das 0:1), in der Bundesliga weisen nur zwei Torhüter eine schlechtere Paradequote als Neuer auf! Seine Vorderleute machen die Verunsicherung mit einer hohen Fehlpassquote deutlich (Boateng und Hummels), die Stürmer treffen nicht mehr. Spaßvogel Thomas Müller ist der Spaß vergangen, Robert Lewandowski ist ein Torjäger der traurigen Gestalt, er traf auch für Polen nicht mehr, das nun als erster Absteiger aus der Nations League A feststeht. Wie heißt es so schön, für Tore gibt es keinen Ersatz. Darum wird im Gegensatz dazu der Dortmunder Paco Alcacer gefeiert, der nicht nur im Verein trifft wie er will, sondern jetzt auch für Spanien. Eine andere Welt.

Das Bundesliga-Programm im Oktober und November könnte für Bayern fast ein Aufbauprogramm sein, um die Verunsicherung zu verscheuchen. Die beste Therapie sind da Siege, die könnten mit ein bisschen mehr Kampfgeist und Disziplin in Wolfsburg und Mainz sowie gegen Freiburg gelingen, ehe es zum Showdown der Spitzenteams am 10. November in Dortmund kommt. Aber nur, wenn die Bayern bis dahin die Verunsicherung abgelegt haben.

Dortmund ist derzeit das Gegenteil der Bayern (deshalb auch Tabellenführer) und könnte Vorbild für Jogi Löw sein, denn Dortmund holte sich Schwung durch junge Spieler, ähnlich wie eben die Niederlande. Dieser Mut fehlt offensichtlich dem Bundestrainer, der erst verspätet die Talente Sane, Brandt und Draxler gegen die Niederlande ins Gefecht warf, mit allerdings zwiespältigen Ergebnissen. Sane und Draxler brachten zwar frischen Schwung, Sane vergab aber eine klare Chance, Draxler leitete nach erfrischendem Anfang die endgültige Niederlage mit zwei dicken Patzern ein. Unverständlich aber, dass Löw mit dem nachnominierten Emre Can einen der noch besseren Spieler vom Feld nahm. Ist das „Löws Kurs ins Verderben“ wie das Fachblatt kicker schreibt, jedenfalls trauen 91,9 Prozent der Kicker-Leser dem Bundestrainer die Wende nicht zu. Ein erschreckender Vertrauensverlust.

Mehr zur Nationalmannschaft und die Zukunft des deutschen Fußballs im Laufe der Woche.

Noch ein Blick aber auf die Bundesliga: Sieben Spieltage sind gespielt, nach zehn, so heißt es oft, könne man die ersten wirklichen Tendenzen erkennen. Fast genau (dann elf) zur nächsten Länderspielpause. Bis dahin will zum Beispiel der VfB Stuttgart wieder in die Erfolgsspur gefunden haben. Beim Schlusslicht gab es den ersten Trainerwechsel der Saison, Markus Weinzierl übernahm wie erwartet das Kommando von Tayfun Korkut. Er galt ja schon vor Korkut als Wunschtrainer, wird aber mit einem schweren Startprogramm leben müssen, mit den Aufgaben gegen Dortmund und in Hoffenheim, ehe Frankfurt kommt. Natürlich macht Weinzierl in Optimismus und nun nimmt praktisch eine Anleihe in England: „Warum soll nicht der Letzte den Ersten schlagen können“. Das sah man bisher in der Bundesliga fast als undenkbar an und verwies darauf, dass das in der Premier League keineswegs unmöglich sei. Der VfB könnte die Bundesliga ins Gespräch bringen.

Dortmund Meister des Comebacks – Bald Comeback als Meister?

Es war eines der spektakulärsten Spiele der Bundesliga-Geschichte und nicht nur rein zufällig war Borussia Dortmund beteiligt. Beim 4:3 gegen den FC Augsburg, mit dem Siegtreffer durch einen Freistoß in letzter Sekunde, zeigt der noch ungeschlagene Tabellenführer der Fußball-Bundesliga alles, was den Fans gefällt und zum Erfolg führt: Schwung, Punch, Begeisterung. Trainer Lucien Favre war nicht glücklich über die Anzahl der Gegentreffer, aber glücklich über das Spiel: „Fantastisch“.

Die junge Dortmunder Mannschaft (im Schnitt gerade mal 23,8 Jahre alt) beeindruckt mit den jungen Flügelflitzern Sancho, Pulisic und Brunn Larsen (geführt von Kapitän Marco Reus), zeigt sich andererseits aber unbeeindruckt von Rückständen und beweist sich als Meister des Comebacks, als Meister der zweiten Halbzeit (in Leverkusen 4:2 nach 0:2) und der letzten Minuten. Die Moral bleibt scheinbar ungebrochen. Und der Trainer hat ein glückliches Händchen, was Joker-Tor en masse beweisen, und er hat den Spanier Alcacer. Der Torjäger wurde vom FC Barcelona ausgeliehen und wird von Favre erst im Laufe des Spiels aufs Feld geschickt, aber dann kracht es. Mit sechs Treffern führt er die Bundesliga-Torschützenliste an. Favre will den Torjäger, der auch das Comeback in der Nationalmannschaft feiern kann, langsam aufbauen: „Er hat drei Jahre lang kein Spiel über 90 Minuten bestritten.“

Die Augsburger mussten sich vorkommen wie im falschen Film. Sie machten ihrem Ruf als „nervigste Mannschaft der Bundesliga“ alle Ehre, ärgerten nach den Bayern (1:1) auch Dortmund, führten 1:0 und 2:1, glichen in der 87. Minute zum 3:3 aus und mussten doch mit leeren Händen abreisen, weil Alcacer in der 6. Minute der Nachspielzeit einen Freistoß durch die sich auflösenden Mauer ins Netz donnerte. Mitspieler berichten, „das macht er im Training auch immer so“. Beim FCA dagegen ist fast Verzweiflung angesagt, wieder gut gespielt, wieder Lob, wieder keine Punkte. Acht sind es bisher in sieben Spielen, vier wurden schon durch Torwartfehler verschenkt und jetzt dies. Der FCA könnte Sechster sein, nicht Zehnter wie aktuell, mit nur drei Zählern Abstand zu den Abstiegsplätzen.

Sechster ist, man höre und staune, der FC Bayern München. Die Lust am Oktoberfest ist den Münchnern am Sonntag zwar nicht vergangen, aber der Frust sitzt tief, Trainer Niko Kovac aber angeblich noch fest auf seinem Trainerstuhl. Präsident Uli Hoeneß hat ihm die Absolution erteilt, „ich werde ihn bis aufs Blut verteidigen“ – aber wie lange noch. Die Länderspielpause muss zur Ursachenfindung genutzt werden, aber schon seltsam, dass alle Stärken der ersten vier Spiele wie weggeblasen sind. Da ist vor allem auch Hasan Salihamidzic als Sportdirektor gefordert, der bisher nur Allgemeinplätze von sich gab („Wir werden gestärkt zurückkommen“).

Bayern nur Sechster, das gab es zuletzt 2010 unter Trainer Louis van Gaal, als die Bayern zum Oktoberfest nach drei Niederlagen 13 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Mainz (!) hatten und gerade mal Zwölfter waren. Diesen Absturz soll es nicht wieder geben, aber die Bayern präsentieren sich als das Gegenteil von Dortmund: Teilnahmslos, müde und erschreckend harmlos. Beim 0:3 gegen Gladbach traf der Gegner wie er wollte, wurden die Punkte mit eklatanten Fehlern quasi auf dem Silbertablett serviert, aber die Bayern selbst kamen kaum einmal zu gefährlichen Aktionen. Die Wende soll ab dem 20. Oktober in Wolfsburg und Mainz sowie gegen Freiburg gelingen, danach geht es zum Schlagerspiel nach Dortmund. Der Tabellenführer selbst hat Stuttgart, Hertha BSC und ebenfalls Wolfsburg vor der Brust, könnte also ungeschlagen auf die Bayern treffen – und dann die Weichen stellen für ein weiteres Comeback, für das Comeback als Meister!

Stuttgarts seltsame Tradition

Alles schaute auf die Bayern und was mit Trainer Niko Kovac passiert, da war ein anderer Verein mit der Entlassung seines Coaches schon schneller: Beim VfB Stuttgart brach nach dem Absturz auf den letzten Platz die Panik aus und Trainer Tayfun Korkut musste gehen. Seltsam, es hat fast schon Tradition beim VfB, dass der Trainer im Herbst gehen muss. Seit 2008 wurden sieben Coaches in dieser Zeit geschasst. Seltsame Parallelen auch, meist nach erfolgreicher Arbeit in der Rückrunde, also im Frühjahr. Korkut wurde wohl die defensive Spielweise zum Verhängnis. Markus Weinzierl, seit seinem Schalke-Gastspiel arbeitslos und einst in Augsburg erfolgreich, wird als heißer Nachfolger gehandelt. Vor einem Jahr wollte er keinen Vertrag nur bis Saisonende unterschreiben. Viel mehr wird es in Stuttgart aber sowieso nicht… Der nächste Herbst kommt bestimmt.

Was auffällt, ist, dass die Bayern nicht die einzige Spitzenmannschaft in Europa sind, die als Anwärter auf den Sieg in der Champions League gilt, aber mit Problemen zu kämpfen hat. Frust schiebt auch Real Madrid, drei Niederlagen in den letzten vier Spielen bringen Trainer Lopetegui in die Schusslinie, der Abgang von Cristiano Ronaldo wurde offensichtlich nicht verkraftet. So ist Real in der La Liga nur Vierter, zwei Punkte hinter Überraschungstabellenführer FC Sevilla, weil auch Titelverteidiger FC Barcelona mit Messi nicht richtig in die Spur findet und sich vorerst mit Platz zwei zufrieden geben muss. Seltsam, dass die Barca-Stars schon im Oktober müde wirken. Dabei hatten sie doch gar kein Oktoberfest.

Deutschland auf Platz eins

Real patzte auch in der Champions League mit der 0:1-Niederlage bei ZSKA Moskau, was die Krise noch ein bisschen ernster macht. Barca zeigte sich da mit einem 4:2-Erfolg bei den Tottenham Hotspur voll auf der Höhe. Wie übrigens auch die deutschen Klubs, die sich in dieser Saison auf Europas Bühne von der besten Seite zeigen und wirklich Wiedergutmachung für die UEFA-Rangliste betreiben. Deutschland führt derzeit die Jahresliste sogar an. Getrübt wurde die Bilanz nur durch das unglückliche und verletzungsgeplagte Hoffenheim mit einem 1:2 gegen Pep Guardiolas Manchester City und eben durch die Bayern, für die das 1:1 gegen Ajax Amsterdam fast schon eine Niederlage war, aber auch eine Bestätigung der Krise, die sich gegen Gladbach noch verschärfte. Insgesamt aber nehmen die Bundesliga-Klubs die Wettbewerbe in Champions- und Europa League offensichtlich wieder ernsthafter und mit Erfolgshunger an. Wird ja auch Zeit.

Löws Kampf gegen den Abstieg

Erfolgshunger muss die deutsche Nationalmannschaft auch zeigen, in der Nations League, die jetzt in der zweiten Länderspielpause in den Mittelpunkt rückt. Zwei richtungsweisende Spiele stehen für Bundestrainer Joachim Löw und seine Jungs an, nämlich am Samstag in Amsterdam gegen die Niederlande und am Dienstag, 16. Oktober, in Paris das Rückspiel gegen Weltmeister Frankreich (Hinspiel 0:0). Gerade gegen die Niederlande geht es schon um den Klassenerhalt in der Dreier-Gruppe. Es treffen da zwei Teams aufeinander, die zuletzt Probleme hatten. Die Niederlande sicherlich noch mehr, aber so richtig Zutrauen zum DFB-Team und Jogi Löw haben die deutschen Fans auch noch nicht.

So sorgte der Bundestrainer für Verwirrung mit der Nominierung von Stürmer Mark Uth, der bei Schalke oft nur auf der Ersatzbank sitzt. Als er in Hoffenheim zum Torjäger mutierte, zeigte ihm Löw noch die kalte Schulter. Eine erhebliche Schwächung stellt die Absage von Marco Reus da, der Dortmunder Kapitän klagt über Kniebeschwerden und will sich schonen. Der Verein geht vor. Nach Özils Rücktritt und da auch Gündogan verletzt ausfällt, wird ein Spielgestalter neben Toni Kroos gesucht. Möglich, dass der 19-Jährige Leverkusener Kai Havertz ins kalte Wasser geworfen wird. Hoffentlich geht dann Deutschland mit ihm nicht unter. Wäre ja blöd, wenn sich die Fans in der Niederlande revanchieren könnten, für die beliebten Gesänge in Deutschland: „Ohne Holland fahr’n wir zur WM!“

Löws Problem: Ohne Tore keine Siege

Mit Spannung wurde das erste Auftreten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach der verpatzten Weltmeisterschaft im Sommer erwartet. Und, wie ist jetzt die Stimmung? Die Antwort: Sie könnte unterschiedlicher nicht sein! Auf der einen Seite monieren Kritiker, warum die Nationalspieler bei der wichtigen WM nicht den doch möglichen Einsatz gezeigt haben, auf der anderen Seite die Erleichterung nach dem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich und dem 2:1 gegen Peru. Motto: Sie können es also doch noch. Zumindest ein bisschen, denn noch war nicht alles Gold, was da glänzte.

Bundestrainer Joachim Löw hat sicherlich die richtigen Lehren aus der Pleite in Russland gezogen und vor allem gegen Frankreich auf eine starke Defensive gesetzt, nach der Devise: Nur nicht verlieren. Das hat geklappt. Gegen Peru durfte gestürmt werden, doch da zeigten sich wieder die alten Probleme: Fehler in der Abwehr, mangelnde Abschlussqualität im Angriff. Künftig werden wir wohl vor allem zwei taktische Varianten sehen: Gegen scheinbar starke Gegner heißt es „Sicherheit zuerst“, bei Spielen, die man gegen schwächere Gegner unbedingt gewinnen muss wiederum „freie Bahn nach vorn“.

Die taktischen und personellen Varianten, die Löw diesmal ausprobierte, lassen nur einen Schluss zu: Er hatte bei der Nominierung des Kaders die Konzepte noch gar nicht erarbeitet. Sonst hätte er eigentlich einen Kimmich-Vertreter als Rechtsverteidiger nominieren müssen, wenn er schon den Plan hatte, den Münchner als „Sechser“ zu testen. Dass Joshua Kimmich das kann und gerne spielt, war bekannt. Der Bundestrainer hat ein Loch gestopft und andere aufgerissen: Jetzt sucht er gleich zwei starke Außenverteidiger, denn links kann er mit den Lösungen um Stammspieler Hector sowie die möglichen Vertreter Plattenhardt und jetzt Nico Schulz auch nicht unbedingt zufrieden sein. Da bietet sich schon ein Versuch mit dem Augsburger Philipp Max an, der als Vorlagen-König in der Bundesliga glänzte.

Löws Hauptproblem: Ohne Tore keine Siege. Die Abschlussschwächen dauern schon allzu lange an und man darf nicht darauf vertrauen, dass immer der gegnerische Torhüter dem DFB-Team den Sieg schenkt, wie jetzt Perus Schlussmann. Ein neuer Gerd Müller oder Miroslav Klose oder Mario Gomez (als er noch in Form war) wird gesucht. Nur mit schnellen Stürmern und Positionswechseln allein geht es halt doch nicht. Timo Werner und Marco Reus zeigten sich leider nicht als Torjäger, sondern eher als Chancentod.

Wo sind die Torjäger? Namen gibt es viele, aber wer schafft den Sprung? Naheliegend wäre der nächste Versuch mit Stoßstürmern wie Daniel Ginczek (Wolfsburg), Mark Uth (Schalke) oder sogar Niclas Füllkrug (Hannover), nachdem der nominierte Nils Petersen (Freiburg) ein bisschen zu gehemmt wirkt. Aber auch Junioren, also U21-Kandidaten, sollte Löw im Blick haben, wie Davie Selke (Hertha), Aaron Seydel (1,99 m groß!), Janni Serra (beide Holstein Kiel) oder den Augsburger Marco Richter, ein technisch beschlagener Stürmer. Da sollte Jogi Löw der Mut nicht verlassen, schlechter kann die Torausbeute ja wohl kaum werden.

Auffallend ist, dass die neugeschaffene und mit viel Kritik begleitete Nations League offensichtlich Gefallen gefunden hat. Europas Fußball war im Gespräch, Pflichtspiele statt uninteressante Freundschaftsspiele war ein guter Tausch, die Trainer kamen an ihrer stärksten Mannschaft nicht vorbei und sogar Dänemark setzte den Streik aus. So hat die Nations League Zukunft, doch alle Gedanken an eine Ausdehnung sollte man ad acta legen.

Der heiße Herbst beginnt

Der Fußball in Europa bleibt im Gespräch, nein, er nimmt jetzt erst richtig Fahrt auf, die Nations League war quasi nur ein Vorgeschmack, denn am 18. September beginnt auch die Champions League, der heiße Herbst kommt. Das bedeutet für Vereine, Spieler und Fans, es geht Schlag auf Schlag. Das Beispiel Bayern München, zwischen dem 15. September und 6. Oktober stehen sieben Spiele in 22 Tagen auf dem Programm. Langeweile kommt da nicht auf.

Zunächst gehört das Wochenende den nationalen Meisterschaften. Die Bundesliga wird da mindestens so interessant sein wie die Nations League, wenn zum Beispiel die Partie Wolfsburg – Hertha schon zum Spitzenspiel wird, weil eben zwei der bisher drei Teams ohne Punktverlust aufeinandertreffen. Der Dritte im Bunde ist Bayern München und der hat Bayer Leverkusen zu Gast. Oft ein unangenehmer Gegner, aber jetzt? Leverkusen verpatzte den Start, hat null Punkte und das Problem, dass Trainer Heiko Herrlich schon in Frage gestellt wird. Ähnlich sieht es auf Schalke aus, zwei Niederlagen ließen die Stimmung in den Keller sinken. Was ist aus dem stolzen Vizemeister geworden? Erinnerungen an einen ähnlichen Absturz werden wach. Schalke liebt ja bekanntlich die Extreme. Kommt die Wende ausgerechnet in Gladbach (und dann kommen die Bayern!). Und auch in Stuttgart sehnt man sich nach einer Wende, die Euphorie war groß und dann zwei Niederlagen zum Start! Ausgerechnet beim Derby im Ländle, in Freiburg, soll das Ruder herumgerissen werden. Also: Die Vorzeichen sind gut, die Bundesliga ist interessant und liefert sicherlich den richtigen Start in den heißen Herbst.

Nations League: Sport mit Mehrwert oder Betrug an den Fans?

Vor sieben Tagen war an dieser Stelle von einer „Woche des Fußballs“ die Rede. Der Fußball hört aber nicht auf, sich international ins Gespräch zu bringen. In dieser Woche ist es die Premiere der neuen Nations League, eine Erfindung, um aus Testspielen einen Ernstfall zu machen und die Stadien zu füllen. Am Ende muss also die Frage beantwortet werden, ist die Nations League Sport mit Mehrwert oder nur Betrug an den Fans?

Sieht man sich die ganze Konstruktion an, so könnte die Nations League durchaus ihren Reiz haben, 55 Nationen sind in vier Leistungsklassen unterteilt, die ihren jeweiligen Sieger in vier Gruppen mit je drei oder vier Teams ausspielen. Die Gruppenspiele werden bis November absolviert, im Juni 2019 wird dann der Sieger der Nations League in einem Finalturnier der vier Gruppensieger der Liga A ausgespielt. Zudem soll ein Abstieg für Spannung sorgen, der Gruppenletzte muss in die nächst tiefere Liga zurück. Ein besonderer Anreiz wurde noch für die schwächeren Nationen geschaffen, denn vier Nationen können sich über die Nations League noch für die Europameisterschaft 2020 qualifizieren und zwar in einer Ausscheidung jeweils die Gruppensieger bzw. der Nächstplazierte der Gruppe, der sich nicht schon über die EM-Ausscheidung qualifiziert hat. Ein bisschen kompliziert, es werden aber quasi vier zusätzliche EM-Tickets verschenkt, mit einer Chance für die schwächeren Nationen (je ein Team aus Liga A, B, C und D).

Für Deutschland und die Fans hierzulande wird der Start besonders interessant, ist es doch das erste Auftreten der Nationalmannschaft nach der WM-Pleite in Russland mit dem ersten Fingerzeig, was Bundestrainer Joachim Löw in punkto Einstellung und Einsatz beim DFB-Team wirklich ändern kann. Selten wurde ein Länderspiel mit so viel Spannung erwartet, zumal ausgerechnet Deutschlands Weltmeister-Nachfolger Frankreich am Donnerstag, 6. September, in München der Gegner ist. Wie wird die Stimmung am Abend nach dem Spiel sein. Nationalspieler Thomas Müller bringt die zwei Möglichkeiten auf den Punkt: „Bei einem Sieg wäre es ein Riesenschritt in die richtige Richtung, dass wir die Pleite vom Sommer auswetzen, bei einer Niederlage wird die Diskussion weitergehen.“ Eins ist klar: Das DFB-Team befindet sich auf Wiedergutmachungskurs. Also Sport mit Mehrwert!

Dabei dürfen einige Entscheidungen von Jogi Löw mit besonderer Spannung erwartet werden. Wird er das System ändern? Wie will er die schnellen Stürmer des Weltmeisters stoppen? Mit einem 3-4-3 oder 4-2-3-1 oder 4-4-2? Wer wird den nach dem Erdogan-Skandal zurückgetretenen Mesut Özil ersetzen? Bekommt Thomas Müller eine neue Rolle in der Mitte, wo er sich am wohlsten fühlt und ersetzen ihn echte Flügelflitzer wie Brand oder Sané? Allerdings ist ein Schatten auf Löws Nominierung gefallen. Ausgerechnet Talent Leroy Sané kam negativ in die Schlagzeilen. Bei der WM verzichtete Löw auf ihn und unterschwellig drang durch, dass der Bundestrainer mit seiner Einstellung und Konzentration nicht zufrieden war. Jetzt setzte ihn auch sein Vereinstrainer Pep Guardiola bei Manchester City auf die Tribüne. Die englische Presse will wissen, dass dem Coach die Einstellung seines Juwels missfiel. Im Vorjahr war Sané in England bekanntlich das „Talent des Jahres“. Haben wir hier wieder einen jungen Mann, der sein Talent verschleudert?

Übrigens, zweiter Gruppengegner Deutschlands in der Nations League sind die Niederlande, die am 13. Oktober Gastgeber sind. Nach der WM-Pleite werden sogar Gedanken, dass ein Abstieg möglich wäre, laut. Auch hier also wird das erste Spiel gleich Wegweiser sein. Die öffentlichen-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben sich die Austragungsrechte bis 2022 gesichert.

Deutschlands Termine in der Nations League: 6. September Deutschland – Frankreich, 13. Oktober Niederlande – Deutschland, 16. Oktober Frankreich – Deutschland, 19. November Deutschland – Niederlande.

Die weiteren Gruppen der Liga A:
2: Belgien, Schweiz, Island. 3: Portugal, Italien, Polen. 4: Spanien, England, Kroatien.

Das Freundschaftsländerspiel des DFB-Teams am Sonntag, 20.45 Uhr, in Sinsheim gegen Peru wird angesichts der Premiere der Nations League fast vergessen. Da wird der Unterschied deutlich werden, Stars werden fehlen, viele Wechsel werden den Spielfluss stören. Kein Wunder, dass die Zuschauer wegbleiben. Gegenmittel des DFB kann nur sein, die Eintrittspreise zu senken, im Vorfeld Show-Trainings anzubieten und auf diese vielen Wechsel zu verzichten. Bei nur zehn Minuten Einsatzzeit kann der Trainer kaum große Erkenntnisse erlangen. Tests müssen wohl sein, dann aber über die ganze Spielzeit und eben auch nur drei Wechsel wie bei Pflichtspielen. Außerdem wären familienfreundliche, frühere Anfangszeiten für die Kinder dazu angetan, die Stadien zu füllen. Der DFB muss auch hier lernen. Länderspiele dürfen kein Betrug an den Fans sein.

Die nationalen Ligen haben kaum begonnen und müssen schon wieder Pause machen. Der internationale Spielkalender will es so. Die Bundesliga hat gerade mal zwei Spieltage absolviert und es ist wie immer: Bayern München ist Tabellenführer. Aber es gibt nicht nur glückliche Gesichter wie vor allem In Wolfsburg und Berlin (als „Bayern-Verfolger“), sondern auch erste Sorgenfalten wie in Leverkusen, auf Schalke oder Leipzig. Während die „Bullen“ wohl vor allem ihrem internationalen Frühstart wohl Tribut zollen müssen, fliegen in Leverkusen und Gelsenkirchen die großen Pläne davon. Jetzt heißt es erst einmal, einen Fehlstart zu vermeiden, was bei den nächsten Gegnern nicht einfach wird: Leverkusen muss nach München, Schalke nach Gladbach.

Dabei gab es unter der Woche noch zufriedene Gesichter, machbare Gruppen nämlich in der Champions- und Europa League. Sowohl Schalke gegen Porto, Lok Moskau und Galatasary Istanbul, als auch Leverkusen gegen Rasgrad, FC Zürich und Larnaka hoffen auf ein Weiterkommen. Überhaupt haben die deutschen Mannschaften Gruppen ausgelost bekommen, die auf ein besseres Abschneiden als im letzten Jahr hoffen lassen. Die Bayern zum Beispiel haben keinen großen Brocken, sie sind gegen Benfica Lissabon, Ajax Amsterdam und AEK Athen klarer Favorit. Gefahr: Nur nicht überheblich werden.

Eine Art „Outing“ vollzog der große Star Cristiano Ronaldo, er blieb der Ehrung zu „Europas Fußballer des Jahres“ in Monte Carlo fern. Es war unter seiner Würde, mit dem zweiten Platz vorlieb zu nehmen hinter Sieger Luka Modric. Das sagt alles über das Selbstverständnis affektierten Dauersiegers, der ja gestand, am liebsten sich im Spiegel zu sehen. Als Zweiter schaut er da nicht mehr rein…

Die Zukunft von Jogi Löw: Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Es war die längste Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes aller Zeiten. Es war ja auch die größte Schmach des deutschen Fußballs aller Zeiten, die Pleite bei der WM in Russland. Also warteten alle in Deutschland, nicht nur die Fans, auf die Erklärungen von Bundestrainer Joachim Löw. DFB-Präsident Grindel hatte nach dem Bericht des Bundestrainers vor dem DFB-Präsidium gelobt, es sei eine umfassende und erstklassige Aufarbeitung der WM gewesen. Was Jogi Löw jetzt präsentierte, war nicht viel mehr, als jeder selbst in Russland gesehen hatte. Insofern fragt man sich, warum sich Jogi Löw nicht früher geäußert hatte. Diese Analyse hätte er auch innerhalb von 24 Stunden erstellen können.

Jeder hat es bei den Spielen gesehen: Deutschland hatte keine Begeisterung, das Spiel war zu langsam, die Abstimmung fehlte und die taktische Einstellung war oftmals falsch. Das Resultat dementsprechend erschütternd: Tabellenletzter in einer Gruppe mit Mexiko, Schweden und Südkorea. Angeblich eine eher leichte Gruppe. Immerhin wollte der Bundestrainer nichts beschönigen, er streute Asche auf sein Haupt und gestand, „wir waren teilweise zu arrogant, wir haben in der Summe versagt.“ Klar war auch, der Mannschaftsgeist, der vier Jahre zuvor in Brasilien den Titel gebracht hatte, war diesmal nicht vorhanden.

Jetzt geht es um die Zukunft. Jetzt muss Joachim Löw wirklich zeigen, was er kann, dass er den Schalter umlegen und die Spieler begeistern kann. Die kleinen Korrekturen rund um die Mannschaft, dass aus dem Co-Trainer Thomas Schneider jetzt der Chef der Scouts wird und dass der Betreuerstab verkleinert wird (einige wie Teamarzt Müller-Wohlfahrt scheiden sowieso aus Altersgründen aus) bringen noch keine gravierenden Verbesserungen oder einen Stimmungsumschwung. Der muss im Spiel kommen, der muss aus der Mannschaft kommen. Noch nie war der Spruch von Altmeister Otto Rehhagel wohl so treffend: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Die Wahrheit zeigt sich am 6. September zum Start der Nations League gegen Weltmeister Frankreich. Tempo, Einsatz und Begeisterung müssen als Grundvoraussetzung zu sehen sein. Löw verspricht, in der Taktik künftig flexibler und variabler zu sein, das Risiko möchte er reduzieren. Damit auch das Risiko eines nahen Ende seiner Amtszeit reduziert wird.

Einen Umbruch im Team wird es allerdings nicht geben, kann es eigentlich auch gar nicht geben, denn neue Talente bieten sich kaum an. So sind 17 WM-Teilnehmer gegen Frankreich und am 9. September im Testspiel in Sinsheim gegen Peru wieder dabei. Einziges „Bauernopfer“ wurde Sami Khedira, aber er ist nicht ohne Zukunft. Die für die WM verschmähten Tah, Petersen und vor allem Flügelflitzer Leroy Sane sind wieder dabei, dazu die drei Neulinge Thilo Kehrer, Nico Schulz und Kai Havertz. Der Leverkusener könnte der Özil-Nachfolger werden.

Allerdings muss sich nicht nur auf dem Spielfeld einiges ändern, sondern auch einiges rund um die Mannschaft. Teammanager Oliver Bierhoff gestand zwar seine Fehler nicht so offen ein wie Jogi Löw, sondern schob viel auf andere ab, aber auch er gestand, verstanden zu haben: Der DFB will sich wieder um mehr Fan-Nähe bemühen, das heißt, wieder mehr öffentliche Trainingseinheiten, mehr Zeit für Autogramme oder Selfies. Was noch fehlt: Gerade für Testspiele muss der DFB moderatere Eintrittspreise anbieten, zumal in solchen Spielen selten die erste Garnitur zu sehen ist (sind eben Testspiele). Mal sehen, ob der DFB auch hier verstanden hat.

Deutlich wurde Jogi Löw auch in Sachen Mesut Özil, einst sein Lieblingsschüler. Auch ihm zeigte der in Wut zurückgetretene Spielmacher die kalte Schulter, auch für den Bundestrainer hieß es „kein Anschluss unter dieser Nummer“. Es wird immer deutlicher, dass sich der Deutsch-Türke von seinen Beratern und anderen Gestalten um ihn herum falsch steuern lässt, angeblich soll er sich für die EM-Bewerbung der Türkei für 2024 gegen Deutschland vereinnahmen lassen. Das würde dann das Bild abrunden.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, warten wir die Wahrheiten gegen Frankreich und Peru ab und die Vergabe der EM 2024 am 27. September. Danach wird es möglicherweise im DFB eine erneute Aufarbeitung geben.

Die weiteren Termine in diesem Jahr: 13. Oktober in Amsterdam Niederlande – Deutschland (Nations League), 16. 10. in Paris Frankreich – D (NL), 15. 11. in Leipzig Testspiel D – Russland, 19. 11. in Gelsenkirchen D – Niederlande (NL).