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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Österreich

Deutschland erwache! Mit Anstand und mit Abstand!

Die Welt steht still, weil es ein Virus so will. Aber ewig ist der Stillstand nicht zu verkraften, egal, ob es um Industrie und Wirtschaft geht oder um das tägliche Leben. Wenn die Infektionszahlen zurückgehen, wenn man Corona einigermaßen im Griff hat, dann muss – langsam und vorsichtig – das gewohnte Leben wieder weitergehen. Bis zum 19. April sind die derzeitigen Maßnahmen mit Ausgangssperren und dergleichen terminiert, ab Montag, 20. April, muss es zumindest hierzulande heißen: Deutschland erwache! Österreich ist da schon weiter, dort gibt es nach Ostern die ersten Lockerungen.

Tausende Unternehmer, vor allem Kleinunternehmer bzw. der Mittelstand, und Millionen von Arbeitern und Angestellten warten auf den Tag, an dem wenigstens zum Teil und wohl nur in abgespeckter Form die gewohnte Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Der Besuch im Baumarkt muss wieder möglich sein, ebenso wie der im Schreibwarengeschäft, beim Gärtner oder im Lokal. Dabei sind aber weiterhin Anstand und Abstand wichtig. Anstand, weil man wohl noch über Wochen und Monate hinweg darauf achten muss, den anderen mit einer möglichen Infizierung nicht anzustecken. Abstand, weil dies der beste Schutz vor Ansteckung ist, besser noch als ein biederer Mundschutz. Auf Abstand achtend kann jeder einkaufen gehen, kann man Lokale besuchen (nur zwei Leute an einem Tisch) oder sogar Kinos und Theater wieder in Betrieb nehmen. Mit ein bisschen guten Willen und Disziplin sollte dies möglich sein.

Und auch der Sport sollte wieder eine Rolle spielen, in welcher Form auch immer. Freilich, der Amateursport wird noch Probleme haben, der Profisport (Wirtschaftsbetrieb!) allerdings müsste die Genehmigung bekommen, in abgesteckter Form den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, damit das Fernsehen berichten kann, damit TV- und Sponsorengelder fließen und die größten Pleiten verhindert werden. Das betrifft vor allem die Fußball-Bundesliga, 2. Bundesliga sowie 3. Liga, aber auch die höchsten Spielklassen im Basketball und Handball, obwohl da natürlich nicht diese Gelder wie im Fußball fließen. Natürlich kann der Spielbetrieb nur ohne Zuschauer aufgenommen werden, Geisterspiele sind die einzige machbare Rettung. Deshalb werden viele andere Sportarten verzichten und die Corona-Pause den einen oder anderen Verein in die Knie zwingen. Insofern heißt es jetzt auch: Rette sich, wer kann.

Die Fußball-Bundesliga steht von der Popularität her natürlich im Mittelpunkt. Am 17. April will die DFL wieder tagen und Spiele im Mai sind im Visier, bis Ende Juni soll die nationale Meisterschaft beendet sein und auch der DFB-Pokal könnte mit Halbfinale und Finale gespielt werden. Die meisten Vereine haben ein reduziertes Training wieder aufgenommen, statt sich zu Hause fit zu halten, heißt es Arbeit mit dem Ball auf Rasen in kleinen Gruppen mit Abstand. Ab Mai sollte ein normales Fußballtraining möglich sein, heißt zwei Wochen Vorbereitung bis zur Fortsetzung der Punktrunde.

Es gibt natürlich Fragezeichen. So wird der Plan, die Spieler alle drei Tage auf eine Corona-Infektion zu kontrollieren, kaum durchführbar sein, weil die Allgemeinheit meutern würde. Die Labore arbeiten am Anschlag und Tests für Fußballprofis können nicht dafür verantwortlich sein, dass Tests für kranke Patienten verschoben werden. Es könnte aber auch sein, dass sich die Gesamtsituation entscheidend verbessert, Pessimisten glauben aber, dass der Höhepunkt der Infektionen noch bevorsteht.

Entscheidend ist aber auch, dass die Fans entsprechend mitmachen. Da kommen wieder Anstand und Abstand ins Spiel. Die Fans, vor allem die Ultras mit ihren manchmal seltsamen Gedanken, müssen wissen, dass ihr Verein nur spielen kann, wenn sie keinen Krawall machen und über die Stränge schlagen, heißt, auch im Umfeld des Stadions dürfen sich die Fans nicht aufhalten (Abstand halten!). Verstoßen sie dagegen (Anstand!), werden auch Geisterspiele nicht möglich sein. Die Fans könnten dann sogar zu Totengräbern ihrer Vereine werden!

Eines muss an dieser Stelle festgestellt werden. Die Fußball-Bundesliga hat sich in diesen Krisenzeiten vorbildlich verhalten, die DFL hat gut reagiert und das Heft des Handelns in die Hand genommen. Die Spieler zeigten sich als Profis mit Herz, waren zu Gehaltskürzungen zum Wohle der Vereine und vor allem der rund 60.000 sonstigen Mitarbeiter bereit und brachten zahlreichen Spendenaktionen auf den Weg. Auch hier wurden Millionen ausgeschüttet.

Dies war in anderen Ländern oft nicht so, da gab es Theater um Gehaltskürzungen (Barcelona zum Beispiel) und in England gibt es Proteste, weil die Spieler nicht kollektiv auf Gehaltskürzungen verzichten und die Klubs sogar öffentliche Subventionen in Anspruch nehmen wollen. Seltsame Begründung der Gewerkschaft dafür, dass die Gelder nicht gekürzt werden dürfen: „Dann würden dem Staat große Steuereinnahmen fehlen.“ Einen radikalen Schnitt vollzog Belgien, das die Saison für beendet erklärte. Es ist auch das internationale Problem für die Fortsetzung der europäischen Wettbewerbe, dass die Nationen unterschiedlich von Corona gebeutelt sind und unterschiedlich damit umgehen. Eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht.

Es gab zudem andere Meldungen. Die Corona-Pause nutzte Bayern München zur Vertragsverlängerung mit Trainer Hansi Flick gleich bis 2023, die Bosse vertrauen also auf den Kurpfälzer, der als legitimer Heynckes-Nachfolger vor allem in Sachen Menschlichkeit gilt. Jetzt werden wohl auch Vertragsverlängerungen mit Spielern bis 2023 folgen, wobei Flick da ein starkes Mitspracherecht besitzt.

Es tut sich also etwas in den Vereinen, ein Grund mehr, dass die Fans hoffen, dass der Ball bald wieder rollt. Und eines darf man auch nicht vergessen: Fußball im Fernsehen hat das Zeug dazu, die Stimmung im Lande zu verbessern. Er bietet Unterhaltung und Abwechslung, vielleicht war die Fußball-Bundesliga sogar noch nie so wichtig wie heute!

Alpine Ski-WM: Aufgeführt werden „Die Zwei“

Es gab einst eine beliebte Krimi-Serie, die hieß „Die Zwei“ mit Roger Moore und Tony Curtis in den Hauptrollen. Zumindest der Titel lebt jetzt bei der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft vom 5. bis 17. Februar in Are/Schweden wieder auf. Egal ob bei der Zahl der Favoriten oder im deutschen Team die Zahl der aussichtsreichen Athleten – aufgeführt werden „Die Zwei“.

Da sind zum Beispiel die zwei großen Favoriten: Marcel Hirscher ist der beherrschende Fahrer bei den Herren, Mikaela Shiffrin dominiert das Geschehen bei den Damen. Der Österreicher Hirscher muss sich als Techniker allerdings mit einer vergleichsweise bescheidenden Medaillen-Aussicht zufrieden geben, aber Gold in seiner Paradedisziplin Slalom und außerdem im Riesenslalom sind wie vor zwei Jahren in St. Moritz wieder möglich. Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin ist da ein Stückchen weiter, sie hat sich in diesem Jahr im Weltcup vorgenommen, in allen Disziplinen an den Start zu gehen. Was in der heutigen Zeit fast als unmöglich schien, hat sich aber bewahrheitet: Shiffrin ist überall gut und könnte also rein theoretisch alle Goldmedaillen einsacken. Was allerdings sicherlich nicht passieren wird. Nur eine einzige wäre für sie allerdings fast schon eine Enttäuschung! Achten wir also auf „Die Zwei“.

Auch in der deutschen Mannschaft gibt es „Die Zwei“. Da haben wir zum Beispiel inzwischen zwei Damen, die für vordere Plätze, also auch für eine Medaille, gut sind, nämlich neben der bisherigen „Alleinherrscherin“ Viktoria Rebensburg plötzlich jetzt auch die 22-Jährige Kira Weidle, die vordere Plätze einfuhr. Ein gutes Omen für die Abfahrt am Sonntag, 10. Februar: Bei der Junioren-WM 2017 in Are holte Weidle Bronze. Wiederholen bitte! Bei den Herren blieben auch nur „Die Zwei“ übrig, allerdings mit Einschränkungen: Der eine ist Routinier Felix Neureuther, der mehr mit seinem Körper und Verletzungen zu kämpfen hat als mit Pisten und Konkurrenz. Er hofft, dass er noch rechtzeitig seine Form findet und vielleicht noch einmal den „Retter“ spielen kann, so wie vor zwei Jahren als er mit Bronze die einzige deutsche Medaille ergatterte. Danach könnte Schluss sein, denn bei den letzten Weltcup-Rennen sah alles nach einer Abschiedstournee des 34-Jährigen aus. Er wurde unabhängig seiner Platzierungen vom Publikum mit „Standing Ovations“ gefeiert, gemäß dem Motto, es könnte ja das letzte Mal sein, dass der beliebte Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther auf der Piste zu sehen war.

Der Zweite ist Speedfahrer Josef Ferstl, der sensationell in Kitzbühel den Super G gewann, also in die erste Reihe rückte. Dahinter tut sich eine Lücke auf, weil wieder einmal das Verletzungspech zugeschlagen hat. Vor allem Thomas Dreßen, der ebenso sensationelle Abfahrtssieger von Kitzbühel vor einem Jahr liegt ebenso flach wie der hoffnungsvolle Andreas Sander. Dagegen befinden sich die Techniker Linus Straßer, Stefan Luitz, Fritz Dopfer und Dominik Stehle in einem seltsamen Formtief. Zumindest einer von ihnen sollte doch die Nachfolge von Felix Neureuther antreten. Ob das noch gelingt?

Der Deutsche Ski-Verband befindet sich im Dilemma. Eigentlich sollte es aufwärts gehen, doch alle Bemühungen scheinen im Schnee stecken zu bleiben. Passend zur alpinen Sportart heißt es „runter geht es schnell, aber bergauf geht es langsam“. Die einst glorreichen Zeiten kommen (wenn überhaupt) so schnell nicht wieder. Dabei war Sportdirektor Wolfgang Maier vor der Saison doch so zuversichtlich: „Im Nachwuchsbereich holen wir Medaillen, also muss Substanz da sein“. Auch der neue Damen-Trainer Jürgen Graller aus Österreich konnte bis jetzt nicht helfen, dass es schnell bergauf geht, um besonders schnell den Berg runter zu kommen.

Andere Nationen haben da weniger Sorgen, sie sorgen sich höchstens darum, den Österreichern Platz eins im Medaillenspiegel streitig zu machen oder die Österreicher darum, nicht die Nummer 1 zu werden. Das würde sie ärgern. In St. Moritz 2017 holten die Österreicher neun Medaillen (3 Gold, 4 Silber, 2 Bronze) und lagen damit vor der Schweiz (7/3-2-2) und Frankreich (2/2-0-0). Der DSV lag mit einer Bronzemedaille auf Rang elf und hat vor allem ein Ziel: Nur nicht leer ausgehen. Eigentlich sollten es zwei werden…

Die nächsten interessanten Weltmeisterschaften im Winter: Nordische Ski-WM vom 20. Februar bis 3. März in Seefeld/Österreich, Biathlon-WM vom 7. bis 17. März in Östersund/Schweden.