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Tag: Pep Guardiola

Das Dilemma der Trainer und mit den Trainern

Die Medien-Welt jubiliert und die Fußball-Fans tun es wahrscheinlich auch: Die Bundesliga ist so spannend wie nie, die Vereine an der Spitze rücken immer enger zusammen. Von den ersten sieben Klubs hat kein einziger gewonnen! So darf Borussia Mönchengladbach als Verlierer im Spitzenspiel Tabellenführer bleiben und der VfL Wolfsburg tummelt sich weiter in einer illustren Runde der ungeschlagenen Vereine in Europa, u. a. mit dem FC Liverpool, Juventus Turin und Ajax Amsterdam. Allerdings: Die Bewährungsproben für Wolfsburg kommen erst noch. Sonntag gegen Augsburg wohl noch nicht (trotz des Auftritts des FCA gegen Bayern), aber dann geht es nach Dortmund, folgen Leverkusen und Frankfurt als Gegner.

Was vielen gefällt, gefällt einem Verein nicht: Dem FC Bayern München. Der Serienmeister, der seinen achten Titel in Folge anstrebt, steht am Rande einer Krise, die neue Herbstkrise wird nämlich bereits in den Raum gestellt in Erinnerung an den Herbst 2018. Am Ende holten die Bayern dennoch das Double und nur diese Erinnerung sorgt dafür, dass es statt Krise nur ein Grummeln gibt, dies aber deutlich. Die Bayern stehen aber auch für ein Phänomen, mit dem die Bundesliga zu kämpfen hat: Das Dilemma der Trainer und mit den Trainern.

Die Trainer haben das Problem mit der Erwartungshaltung, mit den Fans und mit den Spielern. Siehe das Luxusproblem von Niko Kovac in München, der zwar eine starke Mannschaft mit vielen Stars führen darf, aber den Kader einfach nicht in Bestform bringen kann. Das wiederum macht das Dilemma mit den Trainern deutlich: Die Übertrainer fehlen heute, die Vereine müssen sich mit sogenannten B-Kandidaten zufrieden geben, sie verpflichten Mister B, hätten aber lieber Mister A, doch der war nicht zu bekommen. Nur so ist auch der Trend zu eher unbekannten und unerfahrenen Coaches zu werten, weil einige Klubs mit diesen Lösungen unerwartete Erfolge erzielten und jetzt hoffen auch andere auf diesen Effekt. Denn: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Auch Niko Kovac wurde in München nicht von allen mit offenen Armen aufgenommen. Durch das Double hat sich sein Standing im Verein verbessert, aber alle Zweifel konnte er nicht ausräumen, sie sind permanent vorhanden. Er zählt derzeit ebenso zu den Verlierern im Verein wie Thomas Müller, dessen Rolle er ungeschickt gehandelt hat. Nicht nur die letzten erfolglosen Spiele der Bayern (1:2 gegen Hoffenheim, 2:2 in Augsburg) zeigten, dass es Kovac nicht gelingt, das Bayern-Spiel positiv zu entwickeln und die Klasse der Spieler umzumünzen in ein attraktives Spiel. Pep Guardiola lässt grüßen, alles war die Bayern von heute bieten, sind mehr oder weniger Reste vom einstigen Glanz. Und so lechzen nicht nur die Bayern nach Trainern wie eben Pep Guardiola oder Jürgen Klopp. Einen Klon von den beiden gibt es nicht. Auch Hoffnungsträger Julian Nagelsmann stößt in Leipzig an seine Grenzen, drei sieglose Spiele dämpfen die Meisterhoffnungen und Lucien Favre in Dortmund muss den Beweis erst erbringen, dass er Titel gewinnen kann. Sein Müller heißt übrigens Mario Götze.

Da der Jubel, dort der Frust über die Spannung in der Bundesliga. So freuen sich die Fans über Schlagerspiele en masse, jedes Spiel ist von enormer Bedeutung, es spielen nur Derby-Emotionen wie beim Ruhrpott-Schlager Schalke – Dortmund eine Rolle. Schalke nutzte zweimal nicht die Chance zum Sprung an die Spitze, jetzt ist der wieder möglich – von Rang sieben aus! Dafür müssen die Bayern erneut schwächeln, dass dies gegen Union Berlin sein kann, hält man angesichts der letzten Leistungen für möglich.

Auch am Tabellenende geht es eng zu und auch ihr gibt es an jedem Spieltag ein Schlagerspiel. Nur der SC Paderborn droht den Anschluss zu verlieren, wartet auf den ersten Sieg. Ob er ausgerechnet gegen den „Tabellenführer“ Düsseldorf gelingt? Deren Coach Friedhelm Funkel hat nämlich eine Motivation für seine Jungs gefunden: „Wir sind Tabellenführer im Keller.“ Mainz gegen Köln ist das zweite brisante Keller-Duell.

Der Fußball-Herbst hätte diese Spannung für die Aufmerksamkeit gar nicht gebraucht, denn mit den europäischen Spielen und DFB-Pokal geht es sowieso rund. Diese zusätzlichen Belastungen können Einfluss nehmen. Oder Verletzungen, wie sie die Bayern zu beklagen haben, mit dem Ausfall von Abwehrchef Niklas Süle. Da wird manche Planung über den Haufen geworfen, aber von einem Notfall darf nicht gesprochen werden, der Trainer hat viele Möglichkeiten, um mit Boateng, Pavard, Hernandez und Martinez den Ausfall zu kompensieren. Thomas Müller wird von diesem Ausfall nicht profitieren. Und was die Nationalmannschaft angeht, da sind die Medien zur Stelle und drängen Mats Hummels Bundestrainer Joachim Löw auf. Doch auch der müsste eigentlich in seinen Zukunftsgedanken einkalkuliert haben, dass sein Abwehrchef ausfallen kann. Alles andere wäre sehr kurzsichtig. Holt er Hummels jetzt zurück, wäre dies ein Eingeständnis dieser Kurzsichtigkeit.

Apropos Spannung: Spannend geht es auch in Spanien zu und auch in der Champions League. Ob es am Ende wirklich eine bessere Ausgangslage verspricht, wenn man Gruppensieger wird? Da tut sich noch Seltsames, Real Madrid ist Schlusslicht in der Gruppe A nach einem 0:3 in Paris und 2:2 gegen Brügge, der FC Liverpool nur Dritter in der Gruppe E nach einem 0:2 in Neapel und mühsamen 4:3 gegen Salzburg und der FC Barcelona ist in der Gruppe F Zweiter hinter Dortmund. Doch das kann sich schnell ändern, die Dortmunder stehen vor den beiden entscheidenden Duellen mit Inter Mailand um den Einzug ins Achtelfinale, denn Barca bleibt Favorit. Wie auch immer, ein heißer Herbst ist gewiss.

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Ein Streifzug durch die Fußball-Ligen Europas

Die Spiele der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft stehen in diesen Tagen im Mittelpunkt, die nationalen Profi-Ligen machen zwangsläufig eine Pause. Da ist es der richtige Zeitpunkt, wieder einmal einen kleinen Streifzug durch die großen Ligen Europas zu wagen. Dabei zeigt sich Erstaunliches.

Auf den ersten Blick sieht alles normal aus. Die Tabellenführer heißen FC Liverpool (England), Real Madrid (Spanien), Juventus Turin (Italien) und Paris St. Germain (Frankreich). Nur die Bundesliga stellt mit Borussia Mönchengladbach die große Ausnahme. Doch bei den anderen ist nicht alles Gold was glänzt. Vielfach haben sich Sorgen breit gemacht, vor allem in Spanien. Real Madrid ist zwar mit drei Punkten Vorsprung an der Spitze, weil es das Schlagerspiel gegen Aufsteiger FC Granada (!!!) mit 4:2 gewonnen hat. Dennoch sprachen Beobachter von einer „phasenweise Enttäuschung“, dennoch geriet sogar der „heilige“ Trainer Zinedine Zidan in den letzten Wochen in die Kritik. Die Stars machen Probleme, Torhüter Thibaut Courtois befindet sich in einem (psychologischen?) Tief, Vertreter Areola (von Paris im Tausch mit Navas gekommen) patzte, Toni Kroos verletzt, der einstige Weltfußballer Luka Modric oft nur Ersatz. Den Abgang von Cristiano Ronaldo haben die Königlichen immer noch nicht ganz verkraftet. In der Champions League ist Real in der Gruppe A nur Letzter nach einem 0:3 in Paris und 2:2 gegen Brügge. Das drückt die Stimmung.

Eigentlich müsste die Konkurrenz diese Schwächen nutzen, doch Titelverteidiger FC Barcelona hat selbst Sorgen und ist nur Vierter. Leo Messi verletzt, Torjäger Grießmann noch nicht richtig angekommen, den Kampf um Neymar verloren. Der Glanz der vergangenen Jahre ist auch bei Barca verblasst. Atletico Madrid hat andere Sorgen, nämlich den Umbruch in der Mannschaft, viele Stars sind gegangen. Platz zwei (vor Granada) ist da schon ein gutes Trostpflaster, aber kein Ruhekissen.

Paris und Juventus sind in ihren Ligen zwar Tabellenführer, aber keineswegs so dominierend wie in den letzten Jahren, wobei Trainer Thomas Tuchel bei seiner Mannschaft vor allem Verletzungssorgen hat und zwangsläufig auf junge Talente setzen muss. Retter in den letzten Spielen war mit entscheidenden Toren ausgerechnet Neymar, der eigentlich neben Messi in Barcelona dem Ball nachjagen wollte. Der umstrittene Star und Schwalbenkönig sammelte immerhin Sympathiepunkte, er lässt sich nicht hängen.

Die alte Dame Juve ist erstaunt, dass plötzlich Konkurrenz auftaucht, erst im direkten Duell mit Inter Mailand und mit einem 2:1-Sieg konnte der angestammte Platz an der Sonne zurückgeholt werden. Inter ist auf dem Weg zu altem Glanz, ganz im Gegenteil zum Lokalrivalen AC Mailand, der auch vorn mitmischen wollte, aber als 13. erst einmal den Trainer gewechselt hat. Ein großer Star in Italien ist übrigens Franck Ribery. Der Ex-Bayer will kein Fußball-Rentner sein und genießt die Verehrung in Florenz, wurde in Italien sogar zum „Spieler des Monats“ gekürt.

Keine Sorgen muss sich derzeit Jürgen Klopp in England machen. Mit dem FC Liverpool hat er nach acht Spieltagen sage und schreibe acht Punkte Vorsprung vor Titelverteidiger Manchester City. Hochgerechnet bedeutet dies am Ende 38 Punkte Vorsprung! Nein, so wird es nicht kommen, aber logisch, dass die Fans wieder einmal von der „Erlösung“ träumen, der ersten Meisterschaft seit 1990. 2020 wäre dafür das perfekte Jahr 30 Jahre danach und Jürgen Klopp endgültig unsterblich bei den „Reds“. Die Rollen werden vielleicht anders verteilt. Pep Guardiola bescherte den Fans von Manchester City zuletzt den nationalen Titel, sie aber wollen (wie der Trainer) vor allem die Champions League gewinnen, was ja eben Klopp mit Liverpool gelang. Da bahnt sich also ein englischer Tausch an!

Nach dem Supercup heißt es „Vorteil Dortmund“

Je nach Standpunkt und Ergebnis wird die Bedeutung des Supercups hervorgehoben oder heruntergespielt. Dies ist in der Fußball-Bundesliga nicht anders als zum Beispiel in England, wenn sich der Meister und der Pokalsieger (bei einem Doublegewinn darf der Vizemeister ran) im „Vorlauf“ der neuen Punktrunde gegenüberstehen. Ist es ein erster Fingerzeig wenn man den ersten Pokal in den Händen hält oder doch nur ein weiteres Testspiel? Im Fall des 2:0 von Borussia Dortmund gegen den Titelverteidiger (auf allen Ebenen) Bayern München ist es auf jeden Fall ein erster Fingerzeig und so heißt es nach dem Supercup „Vorteil Dortmund“. Entsprechend wurde bei der Borussia auch gefeiert (mit dem Elan feiern sie in München die Meisterschaft).

Die Dortmunder feierten, weil der Erfolg ihnen die Bestätigung brachte, dass sie den Rivalen aus dem Süden wirklich angreifen können und für die Saison gerüstet sind. Er ist die Bestätigung dafür, dass die ausgegebene Parole „wir wollen Meister werden“ durch Substanz absolut gerechtfertigt ist. Wie das 2:0 zustande kam, zeigte vor allem Trainer Lucien Favre, dass er mit seiner taktischen Marschroute zumindest im direkten Vergleich richtig liegt: Die Abwehr muss stehen und das Umschaltspiel klappen. Da nützte den Bayern 65 Prozent Ballbesitz gar nichts. Die Dortmunder waren also keineswegs besser, aber cleverer und sie haben weniger Fehler gemacht. Das sollte also den Bayern zu denken geben.

In München spielen sie Bedeutung der Niederlage natürlich herunter. Motto: Gar nichts passiert. Andererseits nutzten einige Spieler die Gelegenheit, um weitere Verstärkungen einzufordern. Sie wollen auf der Bank Spieler, die sofort helfen können. Vergessen dabei allerdings, dass sie dann selbst auf der Bank sitzen könnten und ihren Unmut äußern. Da gerät der Trainer schnell in die Bredouille. Das könnte Niko Kovac jetzt auch wieder passieren, denn es keimt schon wieder eine Systemdiskussion auf. Zuletzt setzte er auf das 4-3-3, was vor einem Jahr zur Herbstkrise führte. Die Bayern schafften dem geliebten 4-2-3-1 der Spieler dann die Wende. Noch heißt es, das System spielt keine Rolle, doch wenn die Ergebnisse nicht stimmen, spielt es plötzlich die Hauptrolle.

In Dortmund standen sich mehr oder weniger noch die „alten Teams“ gegenüber, beide Mannschaften haderten auch mit Verletzungen. Einziger Neuzugang bei den Borussen war Nico Schulz, die Bayern hatten besondere „Neuzugänge“: Einmal Tolisso, der die letzte Saison mehr oder weniger wegen Verletzungen verpasste, zum anderen Jerome Boateng, dem eigentlich der Abgang nahegelegt wurde. Jetzt stieg er zur festen Größe auf – Abgang dennoch nicht ausgeschlossen.

Überhaupt sind neue Spieler ein besonderes Thema bei den Bayern, sie agieren nach wie vor unglücklich. Zuletzt meldeten einige Medien, dass der Wechsel von Leroy Sane bevorstehe, doch plötzlich scheint alles wieder offen, weil Sane beim Supercup in England nach wenigen Minuten verletzt vom Platz musste. 100 Millionen Euro oder mehr für einen verletzten Spieler ausgeben? Die Bayern gingen schon mit 80 Millionen für den verletzten Hernandez ein großes Risiko ein. Die Dortmunder schauen sich dieses Theater in Ruhe an, bei ihnen geht es nur noch darum, wer noch abgegeben werden kann. Bei den Bayern ist der Kader zu klein, in Dortmund zu groß.

Im Pokal „Vorteil für die Kleinen“

Es ist eine schöne Tradition, dass die erste Runde im DFB-Pokal vor dem Start der Bundesliga quasi die neue Saison einläutet. Im Pokal heißt es „Vorteil für die Kleinen“, die Heimvorteil genießen und ein Fest feiern, wenn Bundesligisten zu Gast sind. Alle Änderungswünsche diesbezüglich müssen deshalb auch für immer ad acta gelegt werden, an diesen Festtagen darf nicht gerüttelt werden. Dortmund und Bayern können noch einmal ein bisschen durchschnaufen, doch unterschätzen sollte man die Gegner nicht. Das müssen Jahr für Jahr einige Bundesligisten schmerzhaft erkennen. Wen erwischt es diesmal?

Neu in diesem Jahr ist, dass sich der Fernsehsender Sport1 Rechte für ein Live-Spiel in jeder Runde gesichert hat, er zeigt am Freitag Bayer Uerdingen gegen Borussia Dortmund. Die ARD hat sich bei ihrer Auswahl für die Bayern entschieden, die ja gute Einschaltquoten garantieren. Der Titelverteidiger muss am Montag bei Energie Cottbus ran, das vor einem Neubeginn in der Regionalliga steht. Das war auch schon mal ein Bundesliga-Duell. Die Bayern sollten aber nicht meinen, dass sie da so einfach das Toreschießen üben können.

Start in der Premier League

Die Premier League in England ist schneller als die Bundesliga, da geht es bereits am Freitag los, die Liga ist mit 20 Vereinen ja auch größer. Champions-League-Sieger FC Liverpool hat die Ehre des Eröffnungsspiels gegen Neuling Norwich City. Titelverteidiger Manchester City folgt am Samstag bei West Ham United. Die Teams der Trainer Jürgen Klopp und Pep Guardiola gelten wieder als Favoriten. Im ersten direkten Vergleich, dem Community Shield (quasi der Supercup), trennte man sich 1:1, da City das Elfmeterschießen gewann, fuhr Pep gleich wieder den ersten Titel ein. Die spektakulären Transfers blieben aus, die Klubs in England sind stark genug, wie sich in der Champions League zeigte. Allerdings haben viele Beobachter die Sorge, dass die vielgerühmte Spannung von früher verloren gehen könnte. Nicht vier oder sechs Klubs streiten um die Meisterschaft, vielleicht wieder nur zwei. Chelsea London, die Tottenham Hotspur, Arsenal London, Manchester United und vielleicht auch der FC Everton, der ein bisschen aufgerüstet hat, müssen Langeweile an der Spitze also verhindern.

In Deutschland ist das Interesse an der Premier League groß, schließlich ist das deutsche und vor allem das Bundesliga-Element (viele ehemalige BL-Stars) ein Anreiz. Deshalb hat der Privatsender Sky auch einige Euro hingelegt, um DAZN wieder die Übertragungsrechte abzujagen. Sky-Zuschauer können also dabei sein und testen, wo der bessere Fußball geboten wird, in der Bundesliga oder in der Premier League.

Ein Hinweis: In dieser Woche folgt noch eine Zwischenbilanz der Formel 1.

Klopp unsterblich in Liverpool – Tradition wird in die zweite Liga verbannt

Er kann es doch! Jürgen Klopp hat endlich einen internationalen Titel geholt und wird dafür in Liverpool gefeiert. Der 51-Jähige Trainer musste sich nach sechs verlorenen Endspielen gegen den Ruf wehren, kein bedeutendes Finale gewinnen zu können. Er scheiterte 2013 mit Borussia Dortmund an Bayern München, verlor 2017 mit Liverpool das Finale der Europa League und im Vorjahr das der Champions League nach schweren Torwartfehlern von Louis Karius mit 1:3 gegen Real Madrid. Doch in diesem Jahr war alles anders, Klopp, in Liverpool sowieso schon von den Fans geliebt, hat jetzt endlich geliefert und nach dem 2:0-Sieg gegen Tottenham in Madrid wird er unsterblich in der Stadt der Beatles. 200.000 waren in der Stadt auf den Beinen. Schon fordern viele für ihn ein Denkmal wie für die Legende der „Reds“, Bill Shankly. Auf dessen Spuren wandelt Klopp, jetzt will er den Fans und Stadt vor allem die nationale Meisterschaft schenken. Darauf warten sie sehnsüchtig und sie glauben an den einen, der es schaffen kann: Jürgen Klopp. Mit 97 Punkten wurde er in diesem Jahr hinter Manchester City und Pep Guardiola. Der Spanier gratulierte zum CL-Triumph und er freue sich schon auf die neuen Duelle, „wenn wir uns wieder gegenseitig in den Hintern treten“.

Das Finale in Madrid war im Vergleich zu den spektakulären Halbfinals geradezu langweilig, ein Hand-Elfmeter, einer der Sorte der unglücklichen Handbewegung, tötete schon in der 2. Minute das Spiel. In der Folge beherrschte Liverpool souverän den Kontrahenten aus der Premier League und es zeigte sich, wie wertvoll, wenn auch teuer, Klopps Verstärkungen waren: Abwehrstratege Virgil van Dijk (für 85 Millionen Euro verpflichtet) war ebenso ein Rückhalt wie Torhüter Alisson Becker (65 Mill.). Geld, vernünftig eingesetzt, gewinnt halt doch Pokale. Übrigens: Als seine größte Leistung bisher bezeichnete Klopp den Aufstieg in die Bundesliga mit Mainz 05.

14 Jahre nach einer sensationellen Aufholjagd gegen Mailand setzten sich die „Reds“ zum sechsten Mal Europas Fußball-Krone auf. Die englischen Teams waren in beiden europäischen Finals unter sich und jeder fragt sich, was bedeutet dies für die Zukunft? Eines zeigt sich, die englischen Klubs setzen ihre Millionen der übermäßigen TV-Gelder sinnvoller als in der Vergangenheit ein und deshalb sind sie eine ernsthafte Konkurrenz für den Rest der europäischen Spitzenklubs. Vom englischen Fußball brauchen wir dabei aber nicht reden, es sind internationale Stars, die für die Erfolge sorgen. Im stimmungslosen Finale der Europa League (im unsäglichen Austragungsort Baku) zwischen Chelsea und Arsenal London (4:1) stand gerade mal ein englischer Spieler in den Anfangsformationen. Der große Sieger war Belgiens Torjäger Eden Hazard, der große Verlierer der deutsche Ex-Nationalspieler Mesut Özil, der wieder einmal untertauchte und wie ein alter Mann vom Platz schlich, quasi als Beweis für die These, dass er ein weit überschätzter Spieler ist.

Aber nicht wegen England, sondern wegen der Funktionäre in den reichen Vereinen und bei dem europäischen Verband UEFA muss man sich Sorgen um die Zukunft von Europa League und Champions League machen. Tötet das Geld künftig die Spannung? Werden die Plätze ausgegeben nicht ausgelost, damit die Großen nicht ihre Pfründe verlieren? Die Gefahr besteht. In Deutschland ist die Champions League bereits im Pay-TV verschwunden und hat an Bedeutung erheblich verloren! Die CL ist auf dem Weg nur noch ein Wettbewerb für elitäre Klubs zu sein, hat dann aber für den Rest der Welt keine Bedeutung mehr.

Ein warnendes Beispiel könnte die Nations League sein, die als zusätzlicher Wettbewerb für die Nationalmannschaften erfunden wurde, um aus ungeliebten Freundschaftsspielen geldbringende Pokalspiele zu machen. Die Endrunde wird in dieser Woche in Portugal ausgetragen. Doch wen interessiert es? Schon gehört, dass jetzt am Mittwoch und Donnerstag die Halbfinals anstehen? In Deutschland verzichten die Rechteinhaber ARD und ZDF auf Übertragungen der Spiele Portugal – Schweiz und England – Niederlande, das ZDF widmet sich am kommenden Fußball-Sonntag wenigstens dem Finale in Porto. Die Nations League reißt also keinen von den Sitzen.

International ist in den nächsten Tagen noch einiges los, so stehen Qualifikationsspiele zur Europameisterschaft 2020 an und am Freitag beginnt in Frankreich die Frauen-Weltmeisterschaft. Dazu mehr in einem eigenen Kommentar in den nächsten Tagen.

Beste 2. Bundesliga aller Zeiten?

Noch ein Blick auf das nationale Geschehen. Die Relegationsspiele im Profi-Fußball sind beendet und sie brachten große Überraschungen. Nachdem sich der SC Paderborn bereits in der regulären Saison einen Platz im Oberhaus zurückgeholt hatte, zog jetzt der Dritte der 2. Bundesliga, Union Berlin, umjubelt nach und schickte den VfB Stuttgart in die zweite Liga. Zwar verloren die Stuttgarter nicht, aber ein 2:2 zu Hause und ein 0:0 in Berlin waren nach der Auswärtstorregel eben zu wenig. In Berlin wurde entsprechend gefeiert und die Fans treuen sich jetzt schon auf der Derby gegen Hertha BSC. Union ist der 56. Klub in der Bundesliga-Geschichte.

Paderborn und Union werden die „Exoten“ in der Bundesliga sein, andererseits sieht es so aus, dass die Fußball-Tradition in die zweite Liga verbannt wird. In der Bundesliga sorgen neureiche Klubs wie Hoffenheim und RB Leipzig für Furore, bleiben aber ungeliebt, dazu sind Werkklubs wie Bayer Leverkusen und der von VW am Leben erhaltene VfL Wolfsburg nur geduldet. Die Herzen der Fans schlagen eher für Vereine wie den Hamburger SV, 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart, Hannover 96, FC St. Pauli, Dynamo Dresden oder 1860 München. Gemerkt? Bis auf 1860, das sogar in die 3. Liga abrutschte, treffen sich die Vereine in der 2. Bundesliga. Es könnte also die beste und von den Namen her zumindest interessanteste zweite Liga aller Zeiten werden! Am 26. Juli beginnt bereits die neue Saison, die ersten Vereine starten am 17. Juni ihre Vorbereitung.

Glorreichen Frankfurtern droht der Scherbenhaufen

Der Fußball kann grausam sein. Das muss in diesen Tagen Eintracht Frankfurt erkennen. Die Hessen lieferten bisher eine hervorragende Saison ab und begeisterten in der Europa League ganz Deutschland. Jetzt aber droht ein Scherbenhaufen. Am Ende stehen die glorreichen Frankfurter vielleicht mit leeren Händen da. Und mehr noch, auch die Mannschaft könnte am Ende eher einem Scherbenhaufen gleichen.

Trainer Adi Hütter und seine Schützlinge übertrafen bei weitem die Erwartungen – bisher. Seit dem 27. Spieltag lag die Eintracht in der Bundesliga auf Platz vier und träumte von der Champions League, nach dem 0:2 gegen Mainz folgte der Sturz auf Rang sechs und am Schluss könnte es Rang acht sein – und der Abschied von Europa. Die kräftezehrende Saison zeigt Wirkung. Verletzungen wichtiger Spieler (zuletzt Haller und Rode) als Folge der Hetzjagd. So hinterließ das Duell mit Chelsea London vom Donnerstag Spuren, in 120 Minuten ließen die Spieler viel Kraft, die Niederlage im Elfmeterschießen beschäftigt den Kopf. Und nun soll die Eintracht das Zünglein an der Waage ausgerechnet bei Titelverteidiger Bayern München sein. Rafft sich die Mannschaft noch einmal auf? Und was ist mit den Stars Jovic und Rebic? Beide stehen vor dem Abschied, letzterer könnte sogar bei den Bayern landen. Und der Eintracht fehlen Stürmer.

Der Fußball kann grausam sein, das erlebte Dortmunds früherer Trainer Jürgen Klopp gerade in der Premier League. 97 Punkte und nur eine Niederlage – und dennoch nur Vizemeister, wenn auch der beste aller Zeiten. Doch das ist kein Trost, wenn die Fans nach dem ersten Titel seit 1990 lechzen. Den holte Pep Guardiola mit Manchester City. Erstmals seit 2009 verteidigte ein Team seinen Titel erfolgreich, das englische Triple ist noch möglich, aber das Aus in der Champions League war die riesige Enttäuschung. Jürgen Klopp kann sich noch ein großes Trostpflaster holen: Den Gewinn der Champions League im Finale gegen Tottenham und den ersten Pokalgewinn und damit die Krönung seiner erfolgreichen Zeit in Liverpool. Die Fans lieben Klopp, den nächsten Angriff auf die Meisterschaft kündigt er für das nächste Jahr schon an: „Wir werden noch besser werden.“

Genauso spannend ist die Bundesliga. Erstmals seit 2009 fällt die Entscheidung um die Meisterschaft erst am letzten Spieltag. Die Ausgangslage ist einfach, die Bayern brauchen bei zwei Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund nur noch einen Zähler, entweder sie holen ihn gegen Frankfurt oder Dortmund verliert ihn bei Borussia Mönchengladbach. Die Spannung ist nicht zu überbieten, weil beide Gegner selbst Punkte benötigen, um den Traum Champions League zu erfüllen. Verschenkt wird also nichts. Die Psycho-Spielchen haben begonnen, „die Bayern können nur verlieren, wir alles gewinnen“, machte Dortmunds Boss Watzke deutlich, quasi ein Hinweis auf die Erwartungshaltung. Aber klar ist auch, das bessere Nervenkostüm darf man von den erfahrenen Bayern erwarten…

Eine besondere Konstellation ergibt sich noch für Bayern-Trainer Niko Kovac, der ausgerechnet seinen alten Verein, mit dem er vor einem Jahr als Pokalsieger den größten Erfolg errang, wieder ins Niemandsland schicken kann. Kovac kämpft aber auch um seine eigene Zukunft bei den Bayern. Die Krise vom Herbst wirkt noch nach, nicht jeder traut ihm den Aufbau der neuen Mannschaft zu, obwohl der Trainer schon in diesem Jahr einen Teil des Umbruchs erfolgreich gemeistert hat. Gnabry und Coman haben die verletzungsanfälligen Ribery und Robben vergessen lassen, die Altstars werden Abschied nehmen. Vielleicht einer von ihnen mit dem „goldenen Schuss“? Kovac muss liefern, die Meisterschaft könnte den Job retten, das Double mit dem Pokalsieg die Woche darauf würde gute Laune verbreiten. Die Generalprobe beim 0:0 in Leipzig verlief positiv, was die Leistung angeht, der Sieg zum Titel fehlte allerdings. Der Balkon am Marienplatz ist reserviert.

Dortmund muss auf einen Ausrutscher des Konkurrenten warten. Dortmund ist in der Situation wie Liverpool, wie der frühere Trainer Jürgen Klopp. Bayern ist City, Kovac will die Rolle von Pep Guardiola spielen, in der Trainer-Philosophie ist er allerdings fast das Gegenteil.

Tränen der Freude und der Trauer begleiten das Saison-Finale. Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96 stehen als verdiente Absteiger fest, noch nie war das Niveau am Tabellenende so schlecht. Der VfB Stuttgart rettete sich in die Relegation und wartet auf seinen Gegner, er heißt SC Paderborn oder Union Berlin. Gewinnt Paderborn in Dresden, so machen die Westfalen ein doppeltes Wunder perfekt. In einem Durchmarsch von der Bundesliga bis in die 3. Liga und jetzt das Ganze wieder zurück. Verrücktheit gehört auch zum Fußball. Union muss in Bochum ran und muss auf Dresden hoffen. Der 1. FC Köln feierte im Mai Karneval, ist zurück in der Bundesliga, ein verdienter Wiederaufstieg. Der Hamburger SV hat dagegen die nächste Saison in den Sand gesetzt. Auch mit neuem Personal in der Führung gelang die Wende nicht, wohl deshalb, weil auf dem Spielfeld mehrheitlich das alte, untaugliche Personal stand. Es wird Zeit für einen kompletten Neuanfang!

Eine kleine Meldung am Rande: Die Bayern haben schon einen Titel, die zweite Mannschaft wurde Meister in der Regionalliga Bayern, hat aber damit den Aufstieg in die 3. Liga noch nicht geschafft. Da will der Verein schon lange hin, weil die 3. Liga als besserer Unterbau für die Bundesliga gesehen wird, die jungen Spieler mehr gefordert werden. Im Weg steht eine andere zweite Mannschaft, die des VfL Wolfsburg. Fest steht damit, dass es in der 3. Liga wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten geben wird. Die Konkurrenz ist darüber gar nicht so glücklich, weil diese Teams bei ihren Gastspielen kaum Fans mitbringen.

In der 3. Liga stehen der VfL Osnabrück und Karlsruher SC als Rückkehrer in die 2. Bundesliga fest, dort werden sie die Plätze der Absteiger MSV Duisburg und 1. FC Magdeburg einnehmen.

Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa

Schön, dass es so etwas im Profi-Fußball, wo Geld die Hauptrolle spielt, noch gibt. Nicht die Euros führten zum Erfolg, sondern die Nachwuchsarbeit. Insofern ist Ajax Amsterdam nach seinem Einzug ins Halbfinale der Champions League ein Vorbild für alle Vereine in Europa, die keinen reichen Sponsor in der Hinterhand haben. Geld lässt die Hoffnung auf Titel größer werden, aber eine Garantie gibt es nicht. Das musste das unterlegene Juventus Turin erfahren, das Millionen in Cristiano Ronaldo investiert hat und jetzt doch mit leeren Händen da steht. Zudem noch erkennen musste, dass die Zeit der alten Herren abgelaufen ist.

Als Bayern München in der Gruppenphase gegen Ajax nicht über zwei Unentschieden hinauskam, da wurde der Deutsche Meister kritisiert. Heute muss man diese Remis fast schon als Erfolg werten, allerdings hat sich die fehlende Klasse der Bayern dann doch im Achtelfinale gegen den FC Liverpool gezeigt. Amsterdam wurde im Laufe der Saison zudem immer besser, die „Enkel“ von Ajax-Star Johan Cruyff spielen einen leichten, beschwingten Fußball, der ganz Europa begeistert. Erinnerungen an die alten Zeiten werden wach, denn dass es Ajax ins Halbfinale schaffte, ist schon 22 Jahre her. Einen Titel haben sie schon mit dem Einzug ins Halbfinale, sie sind die Größten der Kleinen, denn seit es die Champions League gibt (92/93), gelang es allein Ajax als einzigem Klub außerhalb der großen Ligen in Spanien, England, Italien, Deutschland und Frankreich viermal ins Halbfinale einzuziehen.

Jetzt wartet mit Tottenham Hotspur der andere „Underdog“ im Halbfinale, denn auch Tottenham ging als Außenseiter ins Duell mit Manchester City und riss City-Coach Pep Guardiola und seine Mannen aus allen Träumen. Auf den Trainer lastet quasi ein Champions-Fluch, zuletzt siegte er 2011 mit dem FC Barcelona. Mit den Bayern und jetzt City läuft er dem Titel erfolglos hinterher. City scheiterte mit viel Pech, Tottenham erfuhr Gerechtigkeit durch den Videobeweis. Aber die Hotspur sind das Gegenstück zu Ajax: Sie arbeiten Fußball mit viel Leidenschaft und haben eine teurere Mannschaft.

In den Niederlanden muss man die Gunst der Stunde genießen, denn sei die Gegenwart noch so glorreich, die Zukunft sieht wieder trübe aus. Das ist das harte Los der guten Nachwuchsarbeit, dass die Talente, die den Erfolg bringen, dann das Nest verlassen und an die Fleischtöpfe der großen Vereine abwandern. Der Wechsel von Frenkie de Jong zum FC Barcelona ist bereits perfekt, Kapitän Mathijs de Ligt soll ihm angeblich folgen, Hakim Ziyech ist bei den Bayern im Gespräch, aber ebenso wie Donny van de Beek bei gut situierten Vereinen in ganz Europa. Da steht vor Trainer Erik ten Hag wieder eine große Aufbauarbeit in den nächsten Jahren.

Oder wird der Coach auch bald an den Fleischtöpfen naschen? Er wurde wohl bei den Bayern als Trainer der U23 unterschätzt, sagt aber selbst, dass er bei Pep Guardiola viel gelernt hat (wenigstens ein kleiner Erfolg für Pep!). Vielleicht wäre er für die Bayern sogar der richtige Trainer, denn die Bayern haben ja beim Umbau der Mannschaft das Ziel, ein bisschen wie das Ajax von heute zu sein: Eine Mannschaft mit jungen, talentierten Spielern, geführt von ein paar Routiniers, die einen attraktiven, erfolgreichen Fußball auf den Rasen zaubern sollen. Die Talente holen die Münchner allerdings bei anderen Vereinen, die eigenen Nachwuchsspieler haben es schwer, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Bayern ist halt nur ein bisschen Ajax. Ähnliches kann man von Borussia Dortmund sagen, die sogar schon ein Stück weiter als die Bayern sind. Beide Klubs haben es zudem finanziell im Kreuz, Spieler gegen alle Angebote an der Leine zu halten.

Ein Kleiner unter den Großen wird also ins Finale der Champions League am 1. Juni in Madrid einziehen. Im anderen Halbfinale duellieren sich zwei Favoriten: Messis FC Barcelona und Jürgen Klopps FC Liverpool. Wobei der deutsche Trainer mit einem Handicap leben muss: Die Fans der Reds wünschen sich noch sehnsüchtiger die nationale Meisterschaft als den internationalen Titel.

Frankfurt rettet die Bundesliga

Schön, dass es das in der Bundesliga noch gibt: Nicht der FC Bayern München ist der letzte Vertreter im internationalen Geschäft, sondern ein eher Kleiner der Liga. Eintracht Frankfurt schwang sich zum Retter der Bundesliga im internationalen Renommee auf und beeindruckte mit einem 2:0-Sieg über Benfica Lissabon und den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Dies erstmals seit 39 Jahren! Dabei hatte die Eintracht Glück, dass es in der EL noch keinen Videobeweis gibt und das Abseits beim ersten Treffer nicht erkannt wurde (da wäre City froh gewesen, wenn der Videobeweis in der CL noch nicht eingeführt worden wäre). Jetzt wartet aber mit Chelsea London ein dicker Brocken. Im zweiten Halbfinale stehen sich der FC Valencia und Arsenal London gegenüber. Alle vier Mannschaften haben übrigens eines gemeinsam: Sie kämpfen in ihren nationalen Ligen um den Einzug in die Champions League. Frankfurt und Chelsea sind aktuell beide Vierter, hätten es also geschafft, Arsenal und Valencia sind dagegen beide Sechster, haben aber noch Chancen auf den Sprung nach oben. Der kürzeste Weg für alle vier Vereine in die Champions League ist der Sieg in der Europa League. Leicht wird das aber auch nicht.

Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele

Das 5:0 des FC Bayern über Borussia Dortmund im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga war eine Demonstration der Macht, aber keineswegs eine Entscheidung im Titelkampf, wie viele angesichts des Münchner Spektakels unken. Ganz im Gegenteil, ein Pünktchen Vorsprung, was ist das schon. Bereits ein Unentschieden bedeutet den Verlust von zwei Punkten, wenn der Verfolger siegt. Nein, der Titelkampf ist noch nicht entschieden, aber Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele vor sich, sechs an der Zahl.

Das 5:0 im 100. Duell war aber auch ein Triumph für Bayern-Trainer Niko Kovac, der seinen Gegenspieler und eigentlichen Taktik-Fuchs Lucien Favre austrickste. Kovac traf vor allem die richtigen Personalentscheidungen, nominierte Martinez und Müller (dafür Goretzka und James auf der Bank), beide dankten es ihm mit überragenden Leistungen. Vor allem Martinez machte deutlich: In Spitzenspielen kann Kovac nicht auf den Spanier verzichten und mit Müller ist Lewandowski besser (was er auch immer betont und so hat er die Schallmauer von 200 BL-Toren durchbrochen). Der Lohn für den Trainer: Präsident Uli Hoeneß sprach ihm eine Job-Garantie aus.

Aber Vorsicht: Das 1:1 zuvor in Freiburg, aber auch das 5:4 im wilden Pokalspiel gegen Heidenheim bewiesen, dass die Fallen für den Titelverteidiger nicht in den Spitzenspielen liegen, sondern in den Vergleichen mit dem „Fußvolk“. Insofern folgt auf das „Spiel der Spiele“ gegen Dortmund vielleicht das wahre „Spiel der Spiele“, nämlich das Gastspiel am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf. Der Aufsteiger hat sich auf einer Euphorie-Welle zum Klassenerhalt tragen lassen und bereitete den Bayern schon im Hinspiel beim 3:3 Ärger. Es war der Höhepunkt der Bayern-Krise. Eigentlich eine Gelegenheit für eine weitere Macht-Demonstration des Tabellenführers. Das Restprogramm sieht für die Bayern überhaupt größere Brocken vor (Bremen, Nürnberg, Hannover, Leipzig, Frankfurt) als Dortmund (Mainz, Freiburg, Schalke, Bremen, Düsseldorf, Gladbach), vor allem am Schluss mit Leipzig und Frankfurt.

In den letzten Jahren schauten die deutschen Fußball-Fans sehnsüchtig nach den anderen europäischen Ligen, wo an der Tabellenspitze Spannung herrschte, in diesem Jahr ist es umgekehrt. Nur in Deutschland und England (Liverpool gegen Manchester City) gibt es einen echten Kampf um die Meisterschaft, in Italien (Juventus Turin), Frankreich (Paris St. Germain) – beide fast durch – und Spanien (FC Barcelona mit deutlichen Vorsprung) macht sich eher Langeweile breit.

Von Langeweile kann im Abstiegskampf der Bundesliga nicht geredet werden, von mangelnder Klasse allerdings schon. Das Niveau der Kellerkinder war in den letzten Jahren nie so schlecht wie in dieser Saison. Im Kampf um den Klassenerhalt kommt keine Mannschaft so richtig in Form, Magerkost gibt es bei den Leistungen und entsprechend auch beim Punktesammeln. Augsburg setzte einen Schlusspunkt am Wochenende mit dem 0:4 gegen Hoffenheim und der Niederländer Jeffrey Gouweleeuw sprach es deutlich aus: „Wir haben einfach Glück, das ist der Wahnsinn.“ Glück gemünzt darauf, dass die Konkurrenz auch nicht punktet und der FCA mit 25 Punkten weiter auf dem ersten Nichtabstiegsplatz verharrt, noch mit vier Zählern Vorsprung auf den VfB Stuttgart. Könnte ja reichen, wer weiß, ob Stuttgart, Nürnberg und Hannover überhaupt noch vier Punkte holen. Diesbezüglich dürfen Freiburg (32 Punkte), Mainz (33) und Hertha (35, trotz wieder schwacher Rückrunde) schon den Klassenerhalt feiern. Eigentlich eher eine traurige Angelegenheit.

Die Spiele im DFB-Pokal bewiesen wieder einmal, dass der Pokal lebt und es keineswegs einer Reform bedarf, wie sie immer wieder angedacht wird. So eroberte vor allem Zweitligist FC Heidenheim mit seinem heldenhaften 4:5 in München die Herzen der Fans. Das wäre in Punktspielen nie möglich. Die Halbfinals am 23. und 24. April versprechen Spannung mit den Partien Hamburger SV – RB Leipzig und Werder Bremen – Bayern München, zumal beide Favoriten auswärts antreten müssen. Die Bayern haben Werder dafür am 20. April in der Bundesliga zu Gast.

Frankfurt letzte Hoffnung in Europa

Champions League (CL) und Europa League (EL) bestimmen in den nächsten zwei Wochen das Fußball-Geschehen in Europa. Das Viertelfinale der CL findet bekanntlich ohne deutsche Beteiligung statt, da kann das ZDF ja froh sein, dass es für die TV-Rechte kein Geld mehr ausgegeben hat. Traurig ist es aber für die Bundesliga, dass sie zuschauen muss. Aber mit Bayern München hat sich bekanntlich nicht nur der deutsche Favorit verabschiedet, sondern – zur Erinnerung – auch Titelverteidiger Real Madrid und der Scheich-Klub Paris St. Germain sind nicht mehr dabei. Die Premier League bestimmt mit vier Vertretern das Geschehen, wobei Jürgen Klopp für seinen FC Liverpool die Favoritenrolle ablehnt. Er reicht sie an Pep Guardiola weiter: „Manchester City ist derzeit der beste Klub der Welt.“ Das wird sich schon im englischen Duell mit Tottenham (im neuen Stadion) zeigen müssen, Liverpool sollte es gegen den FC Porto leichter haben. Manchester United – FC Barcelona (mit Messi) ist wohl das interessanteste Duell, Juventus Turin (bei Ajax Amsterdam) bangt um Cristiano Ronaldo.

Die letzte Bundesliga-Hoffnung auf Europas Bühne ist Eintracht Frankfurt. Die Hessen müssen am Donnerstag bei Benfica Lissabon ran und wollen ein Alleinstellungsmerkmal erfolgreich verteidigen: Frankfurt ist als einzige Mannschaft in den europäischen Wettbewerben noch ungeschlagen! Auch in der Bundesliga hat die Eintracht 2019 noch nicht verloren, da sollte der nötige Schwung vorhanden sein, zumal auch in der Bundesliga ein Platz für die Champions League winkt. Da müssen die Schützlinge von Adi Hütter nicht einmal die Europa League gewinnen, aber sie würden es gern. Und die Bundesliga freut sich, dass in der EL nicht immer nur von einer Pleite der deutschen Klubs die Rede ist.

Zur Beachtung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs“.