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Tag: RB Leipzig

An jedem Spieltag wird jetzt gefeiert

Die Fußball-Saison geht ihrem Ende entgegen. Das macht die Fans zum Teil traurig, andererseits haben die letzten Spieltagen einen besonderen Reiz: An jedem Spieltag wird jetzt gefeiert! In Europas Ligen stehen einige Meister bereits fest, in der Bundesliga feierten der SC Freiburg, FC Augsburg und Schalke 04 den Klassenerhalt. Das Bangen und Zittern über viele Wochen hinweg hat ein glückliches Ende gefunden.

Und so fallen jetzt an jedem Spieltag Entscheidungen, allerdings nicht nur gute. Logisch, ein Abstieg stürzt die Vereine in ein finsteres Loch, manche finden daraus nicht mehr den Weg zurück ans Licht und an die Geldtöpfe der Bundesliga. Oft sind solche Abstürze allerdings durch schlechtes Management auch selbst gemacht. Hier steht der HSV als Beispiel, der eigentlich in einer Stadt wie Hamburg beste Voraussetzungen hat, aber durch jahrelange Misswirtschaft den Abstieg zu verantworten hatte und nun dabei ist, den möglichen sofortigen Wiederaufstieg zu verpassen. Ist es mutig, dass der HSV-Vorstand an Trainer Hannes Wolf festhält oder ist es nach einer Misserfolgsserie nicht eher fahrlässig? Das Spiel beim Überraschungszweiten Paderborn wird es zeigen. Der Fußball ist unberechenbar, da der Neuling, der nie mit einem Durchmarsch gerechnet hatte, dort der Altmeister, für den es nichts als den Aufstieg gab, der aber vor dem Scheitern steht. Wo wird am Schluss gefeiert?

In der Bundesliga werden wohl Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg in diesem Jahr den Weg des HSV in die zweite Liga gehen. Sechs bzw. fünf Punkte Rückstand sind es auf den VfB Stuttgart, der sich fast schon auf die Relegationsspiele konzentrieren kann. Wie soll eine Mannschaft, die in 34 Spielen nur vier bzw. dreimal gewann, plötzlich zwei Spiele in Serie gewinnen? Möglich, aber unwahrscheinlich. Im Tabellenkeller waren die Leistungen in diesem Jahr katastrophal. Vor der Saison haben die Abstiegskandidaten meist das Ziel 40 Punkte zu erreichen, künftig sollten sie das Ziel auf 35 reduzieren, damit wäre man derzeit 13.! Schalke hat mit 31 Zählern den Klassenerhalt schon sicher. Das sagt alles. Bedenklich: Die Aufstiegskandidaten aus der 2. Bundesliga zeigen sich eigentlich außer Köln allesamt (Paderborn, HSV; Union Berlin, Heidenheim, St. Pauli) nicht als tauglich für das Oberhaus.

Überhaupt waren die Leistungen in dieser Saison überschaubar. Richtig guten Fußball bekamen die Fans nur selten geboten, teilweise zauberten Dortmund, Gladbach, Leverkusen oder Leipzig, aber niemand war konstant genug. Beispiel Dortmund, dass mit jugendlichem Elan begeisterte, aber als es ernst wurde, da flatterten die Nerven. So wird wohl der FC Bayern München wieder Meister, der selten begeisterte, sich aber auf solide Wertarbeit verlegte (Kovac-Schule) und nach seiner Krise im Herbst die Konkurrenz wohl einschüchterte. Dortmund verlor in der Rückrunde zehn Punkte auf die Bayern.

Nicht Dortmund, sondern der RB Leipzig wird zum Saisonschluss zum großen Konkurrenten der Bayern. Am Samstag geht es in Leipzig um die Meisterschaft, den Bayern reicht angesichts der weitaus besseren Tordifferenz ein Unentschieden, um den Meistertitel unter Dach und Fach zu bringen. Am 25. Mai geht es dann im Pokalfinale um das Double. Dass die Bayern die Vorlage der Borussia mit dem 2:2 in Bremen nicht nutzen, ist kaum vorstellbar. Dann können auch die Stars Arjen Robben und Franck Ribery zu ihrem Abschied gebührend gefeiert werden. So eine Feier kann man sich nicht nehmen lassen.

Eintracht Frankfurt könnte am Schlusstag noch der Spielverderber sein, wenn die Bayern in Leipzig verlieren. Doch die Helden auf Europas Bühnen kommen buchstäblich auf dem Zahnfleisch daher, sie könnten am Ende einer begeisternden Saison sogar noch mit leeren Händen dastehen. Kein Finale in der Europa League, kein Platz in der Champions League, vielleicht nicht einmal ein Platz für Europa. Wie Donnerhall kam Leverkusen über die Frankfurter mit dem Rekord von 6:1 zur Halbzeit. Das kann Spuren hinterlassen und gibt den Verfolgern Leverkusen, Gladbach (da fehlt derzeit aber auch die Form), Wolfsburg und Hoffenheim Auftrieb. Am Schluss können vier Klubs feiern, einer wird der Dumme sein.

Dumm ausgeschaut haben wieder einmal die Schiedsrichter in punkto Entscheidungen über ein Handspiel. Auf dem Feld und im Kölner Keller beim Videobeweis gab es nur Fehler. Keiner weiß mehr, wie entschieden wird, bei den Schiedsrichtern passt ein Filmtitel: Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Meisterschaften werden gefeiert

In anderen Ligen Europas werden die Meisterschaften bereits gefeiert. Vorzeitig waren bereits Paris St. Germain in Frankreich, Juventus Turin in Italien, der FC Barcelona in Spanien und RB Salzburg in Österreich am Ziel. Nachgezogen haben jetzt unter anderem Zenit St. Petersburg in Russland und Celtic Glasgow in Schottland (50. Titel). Die Salzburger schafften mit dem Pokalsieg das Double und hoffen auf die Champions League. Ajax Amsterdam zeigte sich erneut als „Mannschaft der Stunde“ und holte mit dem Pokal in den Niederlanden den ersten von drei möglichen Titeln. Das Triple hat auch der FC Barcelona noch im Visier.

So wird in dieser Woche in der Champions League auch gefeiert oder getrauert. Nach den Hinspielen heißt es Vorteil Ajax (1:0 gegen Tottenham) und Barcelona (3:0 gegen Liverpool, wo Lionel Messi wieder einmal eine überragende Partie bot und bewies, er ist derzeit wieder der beste Fußballer der Welt). In der Europa League wird es für Eintracht Frankfurt schwer, das Finale zu erreichen, das 1:1 gegen Chelsea London machte für das Rückspiel nicht unbedingt Mut.

Gefeiert wurde die Meisterschaft auch bei den Frauen. Der VfL Wolfsburg ist endgültig am Ziel, ein mageres 1:0 in Hoffenheim bedeutete den fünften Titel. Nach dem Pokalsieg gegen Freiburg war es das dritte Double in Folge, deutliches Zeichen einer großen Dominanz. Wolfsburg verlor nur ein Spiel, nämlich beim Zweiten Bayern München. Dort steht ein gewaltiger Umbruch an, das Trainerteam um Thomas Wörle geht und gleichzeitig verlassen neun (!) Spielerinnen den Verein. Kapitänin Melanie Behringer beendet ihre Karriere, zu neuen Zielen brechen Gina Lewandowski (USA), Sara Däbritz (Paris), Manuela Zinsberger, Leonie Maier, Lucie Vonkova, Jill Roord, Fridolina Rölfö und Anna Gerhardt auf. Da wartet auf den neuen Trainer Jens Scheuer (bisher Freiburg) viel Arbeit.

Lesen Sie dazu ergänzend auch den nächsten Kommentar „Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht“.

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Transfer-Poker ist eine Gefahr im Bundesliga-Finale

Die Fußball-Mannschaften in allen Ligen befinden sich mitten drin im Saison-Finale. Die Spannung steigt und eigentlich sollten sich alle auf den Sport konzentrieren, darauf, den Kampf um Meisterschaft, Auf- und Abstieg zu bestehen. Doch tun dies Vereinsverantwortliche, vor allem aber Trainer und Spieler wirklich? Besonders im Profi-Fußball spielt auch die neue Saison schon eine große Rolle. Der Sport, und sei die Situation auch noch so brisant, wird in den Hintergrund gedrängt, die Transfers, so hat der Beobachter das Gefühl, spielen die Hauptrolle. Der Transfer-Poker ist aber eine Gefahr für die Bundesliga! Wo haben die Spieler ihre Gedanken? Können sie wirklich die Verhandlungen ausblenden und sich auf die Gegenwart konzentrieren? Nicht immer hat man das Gefühl, dass die Spieler auf dem Feld hundertprozentig bei der Sache sind.

Die Medien lieben den Transfer-Poker, denn leichter sind Schlagzeilen nicht zu bekommen, man kann vor allem so herrlich spekulieren, während es sich die Klubs angewöhnt haben, eine Erfolgsmeldung erst nach getätigter Unterschrift zu verbreiten. Stars werden mit großem Brimborium vorgestellt, bei Spielern, die den Kader eher nur auffüllen sollen, reichen ein paar Zeilen. Aber egal, die Medien stürzen sich auf jedes Gerücht und so heißt es zum Beispiel marktschreierisch „Transfer-Schlacht um die Stars“. Im Transfer-Geschäft wiederum heißt es, den Spieler zu überzeugen bzw. die notwendigen Scheine eben auf den Tisch zu legen.

Auffallend in diesem Jahr ist, dass es nicht nur um die Spieler geht, sondern verstärkt auch um Trainer und Sportdirektoren. Die Fluktuation war in diesem Jahr auf diesen Posten so groß wie noch nie, einige Klubs (z. B. Gladbach und Hertha) kündigten schon frühzeitig an, dass die Trainer im Sommer gehen müssen. Gladbach, Wolfsburg, Hertha, Schalke, Stuttgart, Nürnberg und Hannover suchen Trainer für die neue Saison. Eine Schlacht also auch um die Trainer. Dazu werden Manager gesucht und vor allem neuerdings „Kaderplaner“. Ein alter Job mit neuem Namen, aber einfach „in“. Wenn die Kaderplanung nicht funktioniert, geht aber nicht zuerst der Kaderplaner, sondern immer noch der Trainer. Oft aber nicht mehr alleine…

Ein Drittel der Vereine, außer Leverkusen alle im Abstiegskampf, hat sich über einen Trainerwechsel Besserung erhofft. Der Glücklichste ist wohl der FC Augsburg, denn mit Martin Schmidt für Manuel Baum wurde quasi der Klassenerhalt eingekauft. Der Schweizer legte einen spektakulären Start hin mit Siegen in Frankfurt und gegen Stuttgart, das „Endspiel gegen den Abstieg“. Schmidt war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Vorgänger Baum hatte die Mannschaft in Schuss, aber er hat offensichtlich die Spieler mit Taktik überfrachtet, so dass sie nicht mehr befreit aufgespielt haben. Martin Schmidt hatte eine einfache Lösung, bringe Spaß in den Laden und er läuft – das 6:0 gegen den VfB war der Beweis.

Die Ereignisse rund um dieses Spiel hatten eine Besonderheit: Stuttgarts Coach Markus Weinzierl musste noch am gleichen Tag seinen Hut nehmen. Der neue Sportdirektor Thomas HItzlsperger (für Michael Reschke) wollte die Saison zwar mit Weinzierl durchziehen, aber jetzt zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Jetzt war Weinzierl selbst der Betroffene beim FCA-Sieg, als der Straubinger noch FCA-Trainer war, wechselte der VfB schon dreimal den Trainer nach einer Niederlage gegen Augsburg! Wehe, wenn Stuttgart auf den FCA trifft! Junioren-Trainer Nico Willig soll es für den Rest der Saison richten, er arbeitete mit der U19 überaus erfolgreich. Kann er auch die Bremsen lösen?

Augsburg zog an Schalke (2:5 gegen Hoffenheim) vorbei und hat den Klassenerhalt fast sicher. Dahinter herrscht nur Tristesse. Allein Nürnberg scheint sich gegen den drohenden Abstieg zu wehren und macht trotz Niederlagen eine gute Figur. Gerettet haben sich endgültig Mainz (dort wurde groß gefeiert, weil der Klassenerhalt vier Spieltage vor Saisonende ein Erfolg ist) und die Hertha, doch bei den Berlinern war das 0:0 gegen Hannover fast schon wieder ein Offenbarungseid. Ob die Spieler mit ihren Gedanken bei neuen Vereinen sind?

An der Spitze nichts Neues, die Bayern und Dortmund gaben sich keine Blöße, die Münchner taten sich aber beim 1:0 gegen Bremen schwerer, vergaben viele Chancen und siegten durch einen abgefälschten Schuss von Niklas Süle. Die Borussia hatte das Glück des frühen Tores, danach lief es beim 4:0 gegen Freiburg fast allein. Derby-Aufgaben warten, Schalke muss allerdings schon über sich hinaus wachsen, um eine Chance zu haben, der Club in Nürnberg macht sich mehr Hoffnung gegen die Bayern. Schalke hat einen Anreiz: Ein Erfolg über die verhassten Dortmunder sorgt für Wiedergutmachung bei den Fans.

Der Pokal sorgt für Abwechslung

Das Duell Bayern – Werder geht ja weiter, jetzt am Mittwoch in Bremen im DFB-Pokal. Höhepunkt und Abwechslung von der Bundesliga zugleich. Zwei schlechte Nachrichten für die Münchner, die im letzten Jahr im Finale gegen Frankfurt und ihren jetzigen Trainer Niko Kovac unterlagen: Ausgerechnet Torschütze Niklas Süle ist gesperrt (dafür kann Mats Hummels wieder spielen) und die Bremer haben eine beeindruckende Heimbilanz – seit April 1988 sind sie im Pokal im Weserstadion ungeschlagen. Allerdings stand Werder zuletzt 2011 in einem Halbfinale, Bayern ist dort Stammgast. Aber das „Vorspiel“ in der Bundesliga machte deutlich, leicht wird es nicht für die Bayern. Immerhin: Trainer Kovac weiß, wie man ins Finale kommt. Notfalls mit ein wenig Spielglück…

Im zweiten Halbfinale sind die Rollen klar verteilt. Da der selbst in der zweiten Liga strauchelnde Hamburger SV, dort der RB Leipzig, der in der Bundesliga einen Lauf hat und die Champions League anpeilt. Leipzig wird zwar inzwischen als starker Verein akzeptiert, aber ein Teil der Ultra-Fans lässt nicht locker mit Schmähungen gegen Besitzer Red Bull und RB-Funktionäre. In Gladbach traf es Trainer-Manager Ralf Rangnick mit Sprüchen unter der Gürtellinie. Schade, dass bei einem Teil der Fans die Vernunft abhanden gekommen ist. Unbeeindruckt davon peilt Leipzig den größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte an. Für den HSV wäre der Aufstieg in die Bundesliga wichtiger. Allein die Pokalprämien helfen dem Altmeister aber ein wenig.

Übrigens: Die Bayern haderten mit dem Ausscheiden in der Champions League, dabei sind sie ja im Halbfinale vertreten. Allerdings „nur“ bei den Frauen, da verloren die Bayern-Mädchen jedoch das Heimspiel mit 0:1 gegen den FC Barcelona, machen sich aber für das Rückspiel am Sonntag (Spielbeginn 12.00 Uhr!) noch Hoffnung. Barcelona will die Frauen aber stärker unterstützen, als es wohl die Bayern tun, der Barca-Präsident verkündete bereits: „Der Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auf Europas Bühnen dominierten zuletzt die Franzosen von Olympique Lyon und Paris St. Germain, der VfL Wolfsburg war wohl der größte Gegner, aber auch Arsenal und Chelsea London rüsten auf und wollen in Europa mitmischen. Da müssen sich die Bayern strecken, wenn sie weiter vorne mitmischen wollen.

De nachfolgende Kommentar widmet sich der Champions League der Männer: Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa.

Mit Tempo an den Bayern vorbei

Die Fußball-Bundesliga befindet sich in einer Art „Glücksrausch“. Endlich ist es so weit, die Alleinherrschaft des FC Bayern München ist beendet. Der „Glücksrausch“ wird aber auch befeuert, weil sich Dortmund und die Bayern beim 3:2 des Tabellenführers ein hochklassiges Spitzenspiel geliefert haben, das via Fernsehen beste Werbung für die Bundesliga in rund 200 Ländern rund um den Globus war. Der „Glücksrausch“ wird aber auch befeuert, weil Dortmunds Verfolger Mönchengladbach, Leipzig und Frankfurt einen attraktiven Tempo-Fußball spielen und die Hoffnung keimen lassen, dass es nach einem sechs Jahre langen Alleingang der Bayern an der Spitze nun kein Solo der Dortmunder geben wird. Die Bayern schauen von Rang fünf zu und müssen konstatieren, dass die Konkurrenz mit Tempo an ihnen vorbei gezogen ist.

Im Hinblick auf die Bundesliga und die Bayern ist jetzt von Machtwechsel und Umbruch die Rede. Schlagwörter für Gegenwart und Zukunft. Selbst die Dortmunder wehren ab, dass dies schon ein Machtwechsel sein kann. Noch ist die Meisterschaft in weiter Ferne, vielleicht schnaufen die Bayern vor dem nächsten Großangriff nur ein wenig durch. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat die Richtung schon vorgegeben: „Wir müssen nicht in jedem Jahr Meister werden“ und „wir werden im Sommer das Mannschaftsgesicht ziemlich verändern“. Da schwingt die Erkenntnis mit, dass man in diesem Jahr mit dem Verzicht auf größere Verpflichtungen wohl falsch lag. Pflichtgemäß will man den Kampf um den Titel natürlich nicht aufgeben, auf der Bayern-Homepage heißt es „Die Jagd hat begonnen“ und Hoffnung gibt es: Nach elf Spieltagen ungeschlagen waren die Dortmunder zuletzt in der Saison 2002/03, Meister wurde am Ende – Bayern München.

Das Zauberwort in der Bundesliga heißt derzeit aber „Tempo“. Ein Zauber, der an den Bayern vorbei ging, Ihr Kredo Ballbesitz ist veraltet. Die Bayern feierten eine Halbzeit lang in Dortmund zwar eine Wiederauferstehung, zeigten einen Kampfgeist wie noch nie in dieser Saison und bewiesen, ganz abschreiben sollte man sie nicht. Und dennoch gab es Szenen, die einen Machtwechsel ebenso deutlich machen wie den notwendigen Umbruch. Zum Beispiel als Franck Ribery vor dem entscheidenden 3:2 den Ball in der gegnerischen Hälfte verlor und dem schnellen Sancho nicht folgen konnte. Die Bayern hielten an Robben, Ribery und auch Martinez fest, jetzt haben sie den Salat bzw. das fehlende Tempo. Die Hoffnungsträger sind verletzt, die Franzosen Coman und Tolisso nämlich. Sie stehen für Höchstgeschwindigkeit.

Die Bayern müssen sich aber auch fragen, ob ihre Scoutingabteilung nicht einiges verschlafen hat. Stürmer wie Sancho und Alcacer in Dortmund, Plea in Gladbach, Nelson in Hoffenheim oder gar das Frankfurter Duo Jovic und Rebic sorgen für Tempo und Aufmerksamkeit. Warum landete keiner von ihnen in München? Gerade Pokalsieger Eintracht Frankfurt wurde zu Saisonbeginn unterschätzt, als es beim Wechsel von Trainer Niko Kovac zu Adi Hütter kriselte. Doch inzwischen hat der Österreicher die Eintracht in Schwung gebracht, Kovac die Bayern dagegen nicht. Haben die Bayern den falschen Trainer? Coach Dieter Hecking und Manager Max Eberl haben in Gladbach nach einer enttäuschenden Saison die richtigen Schlüsse gezogen und an den richtigen Stellschrauben gedreht, Gladbach spielte sich mit Tempo an die Spitze, da schnaufen die Bayern wie eine Dampflok hinterher. Es gibt aber zwei Hoffnungen: Die Bayern-Stars haben endlich erkannt, dass es nur mit vermehrten Einsatz und Mannschaftsgeist geht. Und: Die Bayern haben ihre Krise mit Verletzungen schon hinter sich, die Konkurrenz blieb bisher weitgehend davon verschont. Außerdem müssen die anderen erst noch eine gewisse Konstanz beweisen. Die Jagd könnte sogar erfolgreich sein, ausgeschlossen ist das nicht.

Die Bundesliga insgesamt aber im „Glücksrausch“, sie wehrt sich erfolgreich gegen Langeweile, auch am Tabellenende. Dort gab es einen „Aufstand“ der Schlusslichter, und urplötzlich sind auch Mannschaften, die man eigentlich oben sucht, unten dabei, nämlich Bayer Leverkusen und der vorjährige Vizemeister Schalke 04. Da ist Spannung garantiert.

Auch Jogi Löw braucht Tempo, Tempo

Die Bundesliga muss ihren „Glücksrausch“ ein bisschen konservieren, denn es steht erst mal wieder einmal eine Länderspielpause an. Und was die deutsche Nationalmannschaft betrifft, da kann von einem „Glücksrausch“ keine Rede sein. Bundestrainer Joachim Löw und seine Mannen stehen nämlich sogar vor einem Abstieg aus der Liga A der neuen Nations League. Deutschland braucht die Schützenhilfe von Frankreich gegen die Niederlande und am Montag, 19. November, zudem einen Sieg gegen den Kontrahenten. In Amsterdam hat Deutschland bekanntlich 0:3 verloren, ein Tiefpunkt. Ein Sieg muss in Gelsenkirchen auch deshalb her, um für die nächste EM-Qualifikation als Gruppenkopf gesetzt zu sein und schweren Gegnern aus dem Weg zu gehen.

Auch Bundestrainer Jogi Löw muss mit der Zeit gehen und seinem Team eins verpassen: Tempo, Tempo. Da heißt es möglicherweise Abschied nehmen von verdienten Spielern, denn für Tempo stehen zum Beispiel Toni Kroos und Thomas Müller nicht. Tempo garantieren dagegen der gerade überragende Marco Reus, Timo Werner, Serge Gnabry und Leroy Sane. Erfolg garantieren sie damit freilich noch nicht, könnte auch sein, dass Deutschland nach der WM-Pleite allzu schnell schon die nächste Pleite erlebt.

Trainerwechsel lohnen sich immer!

Die Fußball-Klubs und -Spieler in den Ligen Europas können in ihren nationalen Meisterschaften durchschnaufen, eine Länderspielpause steht an. Gut, das Durchschnaufen gilt nicht für die Nationalspieler, doch bei ihnen zählt die willkommene Abwechslung, steigt das WM-Feeling und mancher, der im Verein etwas aus der Spur geraten war, hat im Nationalteam wieder seine Form gefunden.

In den Vereinen wird die Pause genutzt, um Kraft zu tanken, Wunden zu lecken und Hoffnung zu schöpfen. Mancherorts wird allerdings vor allem Bilanz gezogen und der Weg zum Erfolg gesucht. Weil es als letzte Rettung gilt, wenn Abstiegsgefahr besteht, wird vielleicht auch noch der eine oder andere Trainerwechsel vollzogen. Es ist der beliebte Rettungsversuch der Vereine und sie können auf die Erfahrung anderer verweisen: Ein Trainerwechsel lohnt sich immer!

Natürlich wird nicht jeder neue Coach auch zum Retter. Dann aber kann die Vereinsführung darauf verweisen, dass sie alles versucht hat und sie hat den Beweis, dass die Mannschaft einfach zu schwach für die Liga ist. Auch da hat sich dann also ein Trainerwechsel gelohnt, er hat die Augen geöffnet.

Sinn der Sache ist aber natürlich, dass sich der Trainerwechsel in Punkten auszahlen soll. Da werden sie sich in Stuttgart die Hände reiben, denn trotz aller Bedenken hat sich Trainer Tayfun Korkut als der Prinz erwiesen, der den Verein wach geküsst hat. In der Korkut-Tabelle mit den letzten sieben Spielen steht der VfB mit 17 Punkten hinter Borussia Dortmund (17) noch vor Bayern München auf Rang zwei! Stuttgart greift sogar die Europa League an! Auch Dortmund hat bekanntlich den Trainer gewechselt, Peter Stöger ist mit der Borussia in der Bundesliga noch ungeschlagen, hat sich allerdings mit seiner Mannschaft in der Europa League blamiert. Was zählt, ist die erneute Qualifikation für die Champions League und da sind Stöger und Dortmund auf einem guten Weg. Der Trainerwechsel hat sich also gelohnt.

Das gilt auch für Bremen, auch wenn Florian Kohfeldt keine so gute Platzierung in der reinen Kohfeldt-Tabelle vorweisen kann. Immerhin liegt der einstige Abstiegskandidat in diesen 17 Spielen auf Rang fünf, das wäre der Sprung in die Europa League. Kohfeldt kann vor allem vorweisen, dass er bei Werder für neuen Schwung gesorgt hat, für eine erkennbare spielerische Entwicklung und, na ja, die Abstiegssorgen sind mit jetzt 33 Punkten nicht mehr so groß, weil im Kampf gegen die Relegation die Kandidaten Wolfsburg und Mainz (je 25 Punkte) nicht von der Stelle kommen. Beim 3:1-Sieg der Bremer in Augsburg spielte eher der FCA wie ein Absteiger, aber der hat in der Hinrunde vorgesorgt und ruht sich jetzt auf 35 Punkten aus und ist als Zehnter immerhin „Tabellenführer“ der zweiten Hälfte.

Am Tabellenende der Bundesliga hat allein Mainz 05 in dieser Saison noch nicht zum Mittel des Trainerwechsels gegriffen. Kritiker dieses menschlich fragwürdigen Kniffs hoffen jetzt darauf, dass die Geduld der Pfälzer mit Trainer Sandro Schwarz (einst der Amateur-Coach im Verein) auch belohnt wird, obwohl Mainz beim 0:3 im Derby in Frankfurt wie ein Absteiger auftrat. Das gilt auch für Wolfsburg, wo sich die Trainer fast schon die Türklinke in die Hand gaben und aktuell Bruno Labbadia auch nur die bittere Erkenntnis gesammelt hat, dass es einfach nicht reicht. Das ist die Hoffnung des 1. FC Köln, der mit dem 2:0 über Leverkusen erstmals seit dem 2. Spieltag die Rote Laterne des Schlusslichts abgegeben hat und wieder hofft. „Nur noch fünf“ wird am Rhein gesungen, nur noch fünf Punkten fehlen zum rettenden Ufer. Am Tabellenende macht Köln den besten Eindruck – nach einem Trainerwechsel.

Beim neuen Schlusslicht Hamburger SV haben die Trainerwechsel nur die Erkenntnis gebracht, dass nicht die Trainer die Schuld tragen, sondern die Spieler und die Vereinsführung, der Verein versinkt immer mehr im Chaos. Ausdruck dafür auch die wiederholten Ausschreitungen sogenannter „Fans“, die aber nur Krawallbrüder sind. Christian Titz, Trainer der U21, probierte einen Neuanfang, eine spielerisch bessere Ausrichtung, hatte aber beim 1:2 gegen Hertha nur eine Halbzeit Erfolg. Dafür meuterten die alten Spieler, die sich schlecht behandelt fühlten. Selbstzweifel kommen ihnen nicht, wie können permanente Verlierer nur ihren Einsatz fordern! Spielerwechsel wären manchmal die bessere Lösung.

Die Bundesliga legt den Fans erst wieder Ostereier ins Nest, jetzt haben erst einmal die Nationalmannschaften das Wort (siehe auch letzter Kommentar vom 16. März). Deutschland trifft auf Spanien und Brasilien und im Gegensatz zu den letzten Freundschaftsspielen kann der DFB sogar auf volle Stadien hoffen. Die Gegner sind attraktiv und die Fans hoffen vielleicht auch darauf, mal wieder gute Spiele zu sehen, nachdem das Niveau in der Bundesliga zuletzt in der Regel doch sehr bescheiden war.

Die Länderspielpause bedeutet vor allem für die besten Klubs und Spieler wirklich ein letztes Durchschnaufen, im April geht es Schlag auf Schlag, die englischen Wochen häufen sich. Kein Wunder, dass sich da mancher wundert, nachdem es im März zumindest in Deutschland relativ ruhig war. Bayern-Trainer Jupp Heynckes kritisiert dafür die UEFA, „der April ist vollgepackt, davor gab es keine englischen Wochen“. Wie schon oft hier kritisiert, alles was bei FIFA und UEFA zählt, ist eben das Geld.

Heynckes ist keineswegs sauer, weil seine Mannschaft mit dem 1:2 bei RB Leipzig einen Rückschlag hinnehmen musste und weiter auf den Vollzug des Titelgewinns warten muss. Die Bayern werden Meister, das steht fest, „der Zeitpunkt ist mir egal“, sagt Heynckes. Der Trainer wird aber vielleicht mit Sorge beobachtet haben, wie anfällig seine Mannschaft ist und dass die Form keineswegs für das erträumte Triple reicht. Da wird es in der Länderspielpause einige Gedanken geben. Im Training kann nicht viel passieren, 14 Bayern-Stars sind auf Reisen. Zu Hause gilt dagegen das Hoffen: Hoffentlich kommt keiner verletzt zurück. Schon oft haben Länderspiel-Abstellungen die Vereine gebeutelt, weil wichtige Spieler ausgefallen sind. Das wäre dann in den entscheidenden Wochen der Saison besonders bitter.

Bundesliga zwischen Langeweile und Weinen

Die Fußball-Bundesliga mutierte nicht nur zur Krisenliga (siehe Kommentar vor einer Woche), sondern auch zu einer Schicksalsgemeinschaft zwischen Langeweile und Weinen. Neun Spieltage vor Schluss beginnt endgültig der Endspurt, doch drei Vereine sind dabei mehr oder weniger Zuschauer: Die Bayern grüßen von oben und spielen in einer eigenen Liga, der 1. FC Köln und der Hamburger SV haben am Wochenende ihre wohl letzten Chancen auf den Klassenerhalt verspielt und können fortan für die zweite Liga üben und planen.

Bemerkenswertes kommt von den Bayern. Der deutsche Meister ist in Europa Spitze, kein anderer Klub weist diesen enormen Vorsprung von 20 Punkten vor dem Zweitplatzierten auf. Da können nicht einmal Manchester City (18 Punkte Vorsprung) oder Paris St. Germain (14) mithalten. Während Paris in Frankreich eine ähnlich schwache Konkurrenz vorfindet wie die Bayern in Deutschland, ist der Alleingang von Pep Guardiolas Schützlingen in der starken Premier League in England schon erstaunlich. Angesichts des Riesenvorsprungs haben die Bayern-Stars eines deutlich gemacht: Ihnen ist langweilig! Nur Training macht keine Laune, sie sehnen sich nach Stress, haben den März praktisch abgehakt und warten auf den April, der wird nämlich der entscheidende Monat, da warten die großen Aufgaben in der Champions League und das Halbfinale im DFB-Pokal. Bis dahin heißt es aufpassen und vor lauter Langeweile nicht die Form verlieren. Außerdem müssen die Bayern hoffen, von weiteren Verletzungen wie bei Coman verschont zu bleiben. Der junge Franzose hatte gerade für viel Schwung gesorgt, jetzt ist für ihn die Saison wohl beendet.

Von Sorgen wie in München können sie in Köln und Hamburg nur träumen. Der Abstieg der Traditionsvereine naht, wobei über das Schicksal des Dinos im Norden nicht nur HSV-Anhänger einige Tränen verdrücken werden. Aber nach jahrelangen Anläufen haben es die Hanseaten geschafft, den Verein wirklich zu ruinieren, die Mannschaft präsentiert nicht mehr den stolzen HSV, sondern den Harmlos-Sieglos-Verein. Ein hausgemachtes Chaos, der Dino sieht nur noch alt aus. Auch Köln muss sich an die eigene Nase fassen, denn die Aufgabe Bundesliga wurde unterschätzt, die Mannschaft nach dem Abgang von Torjäger Modeste nicht entsprechend verstärkt. Dazu kamen weitere Rückschläge in Form von Verletzungspech und falschen Schiedsrichter-Entscheidungen. Na ja, mit Stefan Ruthenbeck hat man ja einen Trainer verpflichtet, der sich in der 2. Bundesliga auskennt.

Die Mannschaft der Stunde ist der VfB Stuttgart. Unter dem anfangs ungeliebten Trainer Tayfun Korkut gelang der Sprung ins Mittelfeld, nach vier Siegen ist vom Abstiegskampf keine Rede mehr, zumal die „aussichtsreichsten“ Kandidaten für die Relegation, Wolfsburg und Mainz, keinen großen Siegeswillen zeigen. So sind die Stuttgarter jetzt an Klubs vorbei gezogen, die schon eher in Richtung Europa als in Richtung Abstiegskampf schielten. Jetzt aber heißt es, wieder einmal als Punktesammeln zu denken.

Gemeint sind vor allem Hannover 96 und der FC Augsburg, die seit drei bzw. vier Spielen auf einen Sieg warten und jetzt am Samstag aufeinandertreffen. Der Terminplan wollte es so, dass es dazu das Duell der Nächstplazierten Hertha BSC und Freiburg zur gleichen Zeit gibt. Die Verlierer werden wieder verstärkt nach unten schauen müssen.

Gedanken macht man sich allerdings jetzt schon in Augsburg. Der FCA war lange Zeit eine der Überraschungsmannschaften der Saison, aber in der Rückrunde hakt es. Es ist ja wirklich Schicksal, dass ausgerechnet dann, als der überdimensionierte Kader verkleinert wurde, dass Verletzungspech verstärkt zugeschlagen hat. Mit Abwehr-Ass Gouweleeuw und Torjäger Finnbogason fehlen Mannschaftsstützen verletzt. Dazu konnte Philipp Max als Vorlagenkönig der Bundesliga seine Bilanz nicht mehr verbessern, er steht wie nach der Vorrunde bei elf Assists. Tore wurden beim FCA Mangelware und von Europa spricht in Augsburg niemand mehr. Eher davon, dass die Gegner den FCA-Code geknackt haben, die Form nicht stimmt und der Wurm drin ist. Da passt der holprige Rasen dazu. Mal sehen, wie die Weichenstellung nach dem nächsten Wochenende ausschaut. Schon ein Remis in Hannover würde beruhigen.

In den Mittelpunkt rückt nach einer Pause wieder die Champions League und dabei natürlich das Rückspiel zwischen Paris und Real Madrid. An der 1:3-Niederlage hat St. Germain noch zu knabbern und an dem Ausfall von Neymar. Der teuerste Spieler der Welt bangt nach einer Fußoperation sogar um die WM. Es gibt aber auch Beobachter, die sagen, Paris könnte ohne den defensivunwilligen Neymar sogar kompakter und gefährlicher auftreten. Mal sehen. Real setzt einen Cristiano Ronaldo in Bestform entgegen.

Die Bayern müssen noch warten, ihr Rückspiel in Istanbul ist auf Mittwoch, 14. März (18.00 Uhr) terminiert. Nach dem 5:0-Sieg im Hinspiel dürfte der Auftritt bei Besiktas nicht so laut werden wie befürchtet, dass die türkischen Fans in Ehrfurcht erstarren, ist allerdings auch nicht zu erwarten. In der Europa League sind die Bundesligisten Borussia Dortmund (gegen RB Salzburg) und RB Leipzig (gegen Zenit St. Petersburg) am Donnerstag gefordert. Die Europa League dürfte auch für FC Arsenal London der letzte Rettungsanker in Richtung Champions League sein. In der Premier League schwächeln die Wenger-Schützlinge und nur Erfolge international können den Trainer retten. Der AC Mailand ist allerdings kein leichter Gegner, aber wenn man die Europa League gewinnen muss, um in die Champions League zu kommen, darf Milan keine Hürde sein. Das hat Arsenal übrigens mit dem HSV und Köln gemeinsam: Es werden zu viele Fehler in der Vereinsführung gemacht.

Kurz noch zum Videobeweis. Bei der Weltmeisterschaft in Russland soll er zur Anwendung kommen, doch ob die Schiedsrichter bis dahin richtig geschult sind, steht in den Sternen. Zwischen Reden und Taten gibt es bei der FIFA immer Diskrepanzen. In der Bundesliga wird es immer besser, am Wochenende wurden wieder Ungerechtigkeiten verhindert – so soll es sein!

Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga

Eigentlich gab es ja einen Hoffnungsschimmer: Mit Ach und Krach überstanden Borussia Dortmund und RB Leipzig die Zwischenrunde der Europa League und sind im Achtelfinale noch dabei. Dortmund gegen RB Salzburg mit guten Chancen auf ein Weiterkommen, bei RB Leipzig gegen Zenit St. Petersburg muss man wohl ein Fragezeichen setzen. Aber zusammen mit den Bayern und dem 5:0 gegen Besiktas Istanbul haben die Bundesliga-Klubs ein paar Punkte in der UEFA-Rangliste aufgeholt. Es ist doch noch nicht alles verloren.

Doch das Geschehen national sagt etwas anderes: Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga. Das Niveau sinkt, die meisten Vereine suchen ihr Heil nur noch in einem defensiven Konzept, die Fans randalieren und wollen ihre Wünsche durchdrücken, egal, was auf dem Rasen passiert. Vor allem verzeihen die Chaos-Fans, vornehmlich die Ultras, nicht, wenn der Verein sportlich in Schwierigkeiten gerät. Abstiegskampf ist in ihrem Weltbild nicht vorgesehen. Der Verein hat, verdammt noch mal, erfolgreich zu sein. Wenn Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, dann randalieren sie auf der Tribüne, siehe Hamburger SV. Der einst stolze Weltklub versinkt im Chaos.

Aber manchmal hilft es nicht einmal, wenn im Verein erfolgreich gearbeitet wird. Martin Kind ist seit mehr als zwanzig Jahren Vorstand und Geldgeber bei Hannover 96. Er hat den Klub jahrelang in der Bundesliga gehalten, sogar in den Europacup geführt und den „Unfall“ Abstieg wieder repariert. Die Mannschaft behauptet sich als Neuling erfreulich gut im Mittelfeld, der Klassenerhalt ist nahe. Das muss ohne Anfeuerung von den Tribünen gehen, die Chaos-Fans boykottieren die Mannschaft und fordern „Kind muss weg“. Wie vage die Zukunft ohne Kind und seine Geldgeber aussehen würde, interessiert sie nicht. Sie haben ihr Feindbild, Verstand ist nicht gefragt. Kind steht bei ihnen auf der „Abschussliste“, weil er quasi über die 50+1-Relegung nach der absoluten Mach im Verein greift. Die Macht im Vereine wollen lieber die Chaos-Fans.

Schwache Leistungen auf dem Rasen, Trainerwechsel an der Tagesordnung, Chaos auf den Rängen – in der Bundesliga gab es schon bessere Zeiten. Da ist es gut, wenn ein Stern noch leuchtet, der FC Bayern München geht unbeirrt seinen Weg. Allerdings ist auch der Rekord-Meister nicht sorgenfrei. Die Zukunft erscheint ungewisser als gewünscht. Es gibt Probleme mit den Alten. Die Trainerfrage nach der Saison bleibt ungelöst, Nothelfer und Wunschkandidat Jupp Heynckes wehrt alle Fragen zu einem Weitermachen ab, der 72-jährige will nach dem Intermezzo wohl endgültig wieder zurück in den Ruhestand. Die Zukunft der Alten bei den Spielern ist ebenfalls noch ungelöst. Arjen Robben und Franck Ribery können sich eine Vertragsverlängerung gut vorstellen, allerdings können sie sich eine Altersteilzeit auf dem Rasen wohl weniger vorstellen, aber die ist unbedingt notwendig, um den jungen Nachfolgern Spielpraxis zu ermöglichen.

So sind die Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge besonders gefordert. Notfalls müssen sie auch das Vakuum füllen, das Jupp Heynckes hinterlässt, wenn sein Nachfolger weniger menschelt und auf die Befindlichkeit seines Personals weniger eingeht. Heynckes versucht zu moderieren, erklärt und beschwichtigt. Vorgänger Carlo Ancelotti hat dies wohl weniger getan und die Mannschaft verloren. Da haben die Bosse nicht gehandelt, sie müssen dies notfalls in der Zukunft besser machen.

Bayern München ist also auch nicht ohne Probleme, doch mit einem riesigen Vorsprung vorne dran, das zeigt, dass dahinter eine zu große Lücke klafft. Die anderen Klubs müssen wieder mehr Mut zur Offensive haben. Wer am Wochenende zur Bundesliga geht, will gute Spiele sehen und nicht nur Kampf und Krampf. Einziges Trostpflaster: Spannung ist garantiert, vor allem der Abstiegskampf wird uns bis zum Schluss fesseln, zumindest der Kampf gegen die Relegation. Zwei wegweisende Duelle stehen wieder an: Der HSV (Platz 17 und17 Punkte) kämpft (tut er das wirklich?) gegen Tabellennachbar Mainz 05 (Platz 16/24 Punkte) wohl schon um seine letzte Chance. Für Schlusslicht Köln (nach dem überraschenden 2:1-Sieg in Leipzig wie der HSV 17 Punkte) geht die Aufholjagd gegen Stuttgart weiter. Der VfB könnte im Kurs nach oben gestoppt werden. Auch bei den Stuttgartern zeigt sich, wie die Fans daneben liegen können. Trainer Tayfun Korkut wurde frostig empfangen, jetzt müsste er nach zehn Punkten in vier Spielen ohne Niederlage umjubelt werden. Doch die Zurückhaltung haben noch nicht alle abgelegt.

Hinweis: Ab sofort gibt es in der Regel jeden Montag an dieser Stelle einen Bundesliga-Kommentar. Eine Olympia-Bilanz folgt noch in dieser Woche.

Der deutsche Vereinsfußball in der Krise

Die alte Diskussion wird nie enden, aber die deutschen Fußball-Fans müssen derzeit ein bisschen zurückhaltend sein, wenn es darum geht, zu bestimmen, welche nationale Liga die stärkste in Europa ist. Gerne haben wir dann auf Deutschland verwiesen, doch mit solch einer Einschätzung macht man sich derzeit gegenüber England und Spanien, ja sogar Italien lächerlich. Die europäischen Wettbewerbe waren ein einziges Desaster für die Bundesliga, Deutschland landete in der UEFA-Wertung nur auf Platz elf. Der deutsche Vereinsfußball befindet sich in der Krise.

Ein Trost zum Advent, weil immer noch ein Lichtlein brennt. Das betrifft zum Beispiel die Nationalmannschaft, die als amtierender Weltmeister derzeit auch die Nummer 1 der Weltrangliste ist. Die Ausnahme ist auch Bayern München, das sich mit dem 3:1-Sieg über Paris St. Germain nach dem blamablen 0:3 im Hinspiel mit der verunglückten Ancelotti-Aufstellung wieder international rehabilitiert hat. Traurig aber, dass der deutsche Meister als einziger Bundesligist ins Achtelfinale der Champions League (CL) einzog. In der Europa League (EL) schieden zudem alle Bundesligisten sang- und klanglos aus, so dass nur die CL-Absteiger Dortmund und Leipzig in der EL vertreten sind.

Die aktuelle Jahres-Rangliste der UEFA spricht Bände. England vor Spanien und Italien, Deutschland, in der Fünfjahreswertung immerhin noch Vierter, aktuell nur Elfter – hinter der Ukraine, Zypern, Türkei und Österreich. Da darf keiner sagen, das liege – mit Blick auf die reichen englischen Vereine – am Geld. Gegenüber den genannten Nationen sind die deutschen Klubs wohl finanziell besser ausgestattet. Es fehlte den EL-Vertretern Hoffenheim, Hertha BSC Berlin und 1. FC Köln vor allem an Ehrgeiz und Siegeswillen. Sie sahen die EL als Spaß an, als Abwechslung zum Bundesliga-Alltag, der absoluten Vorrang genießt. Bei dieser Einstellung brauchen wir nie mehr davon sprechen, die Bundesliga könne die Nummer 1 in Europa sein.

England macht es vor, die Vereine der Premier League haben die Gelder des Fernsehens und der Sponsoren wohl doch gut investiert. Fünf Klubs starteten in der CL, alle fünf sind jetzt im Achtelfinale immer noch dabei, vier davon qualifizierten sich als Gruppensieger. In 30 Spielen gab es 21 Siege und nur drei Niederlagen. Die Bilanz von München, Dortmund und Leipzig ist mit 7 Siegen (davon allein fünf die Bayern, zwei Leipzig), 3 Unentschieden und 8 Niederlagen negativ! In der Europa League sah es nicht besser aus: Nur 4 Siege, 4 Remis, 8 Niederlagen. Gut Nacht deutscher Fußball. Deutsche Urlauber werden sich in Österreich etwas anhören dürfen, bei der besseren Bilanz des Nachbarn.

Es muss ein Umdenken bei den Klubs der Bundesliga geben. Die internationalen Wettbewerbe müssen mit allem Ehrgeiz bestritten werden, auch die Europa League muss angenommen werden. Es wirkt noch immer nach, dass „Kaiser“ Franz Beckenbauer in seiner unnachahmlichen Art den zweitklassigen Wettbewerb einst als „Cup der Verlierer“ bezeichnet hat. Seltsam ist nur, dass während der Saison die Vereine nach den Plätzen für Europa schielen. Nur deshalb, weil sie dann sicher sein können, mit dem Abstiegskampf nichts zu tun zu haben? Auch in der EL lässt sich gutes Geld verdienen, man muss dafür allerdings auch etwas tun.

Bleibt das Umdenken aus, wird sich Deutschland bald aus der Zone der privilegierten Nationen verabschieden, nämlich Rang der 4 der Jahreswertung gegen Frankreich oder Russland verlieren und damit auch vier fixe Starter in der Champions League. Dann allerdings ist das Geschrei in der Liga wieder groß.

Vielleicht gibt es ein bisschen Wiedergutmachung schon in den K.o.-Spielen im Frühjahr, wenn Bayern München der Konkurrenz trotzt, Borussia Dortmund zu alter Stärke zurückfindet und Punkte in der EL holt und RB Leipzig im Lernprozess weiter kommt und die Überraschung gegen Neapel schafft. Auch für die Bundesliga gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ob nur ein vorübergehendes Tief oder eine echte Krise werden wir im nächsten Jahr sehen. Doch von der Bundesliga als bester Liga in Europa wollen wir nicht mehr reden. Da lässt England grüßen.