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Tag: Schwimmen

Corona sorgt für ein Terminchaos 2021

IOC-Präsident Dr. Thomas Bach ist kein Mann der Tat, seine Stärke ist das Strippenziehen. Nur, Geschäfte im Hinterzimmer konnte er mit Corona nicht machen. Das Virus schert sich nicht um Geld und gute Beziehungen und der IOC-Präsident zeigte sich machtlos. Machtlos, ein Machtwort zu sprechen und so mussten ihn andere zu der Entscheidung „tragen“, bis klar war, dass die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio verlegt werden.

Zuerst hatten viele Athleten kapiert, dass Olympia in diesem Jahr nicht zu veranstalten war, später haben einige Nationen ihre Absage verkündet und danach hat Japans Ministerpräsident Abe dem IOC die Entscheidung abgenommen und verkündet: Die Spiele werden um ein Jahr verschoben, finden 2021 statt. Erst dann urteilte Thomas Bach „mutig“: „Es gab keine Alternative zu dieser Entscheidung“. Es ging nicht allein um das Virus, das einen Zeitpunkt sowieso ungewiss machte, sondern auch um Gerechtigkeit gegenüber den Sportlern. Qualifikationen konnten nicht mehr ausgetragen werden, Dopingkontrollen mussten ausgesetzt werden, Manipulationen war Tür und Tor geöffnet.

Hauptleidtragender ist natürlich Tokio, das schon 1940 mitten im Zweiten Weltkrieg die zugesagten Spiele ausfallen lassen musste und dafür 1964 bedacht wurde. Jetzt soll es schneller gehen, ist aber mit enormen Kosten verbunden. Die Kosten der Spiele, ursprünglich mit 11,5 Milliarden Euro geplant, sollen sowieso auf das Doppelte angestiegen sein, jetzt kommen noch einmal fast sechs Milliarden hinzu. Die Sportstätten sind fertig, manche Bauten sollten nach den Spielen anderweitig verwendet werden. Die Wohnungen im Olympischen Dorf sind zum Teil verkauft. Tokio steht vor großen Problemen. Man darf den Japanern wünschen, dass sie 2021 noch ein großes Fest feiern können.

Der internationale Sport steht aber auch vor großen Problemen, für 2021 droht ein Terminchaos, nachdem bereits die Fußball-Europameisterschaft verlegt worden ist (11. Juni – 11. Juli), Schwimmer und Leichtathleten ihre Weltmeisterschaften im Juli bzw. August austragen wollen, dazu wurden im Fußball auch die Frauen-Weltmeisterschaft und die EM der U21 auf das nächste Jahr verschoben. Überschneidungen werden sich nicht vermeiden lassen. Das Ziel muss sein, die Sportler vor Überlastungen zu schützen. Für junge Fußballer stehen gleich Termine an, nämlich EM, Olympia und EM der U21. Auf drei Hochzeiten können sie nicht tanzen.

Bei allen Überlegungen müssen die Athletinnen und Athleten im Vordergrund stehen. Nachdem die Spiele auch 2021 ihren Namen von den Sommerspielen 2020 behalten sollen, wäre es eigentlich logisch, dass die bisher ausgetragenen Qualifikationen ihre Gültigkeit behalten, die erreichten Normen nicht noch einmal erfüllt werden müssen. Außerdem sollten bei einigen Sportarten, wie zum Beispiel im Fußball, die Altersgrenzen von 2020 gelten, damit den Kandidaten von 2020 nicht der Traum von Olympia geraubt wird. Corona sorgt also nicht nur für gesundheitliche Probleme.

Es mag die Organisatoren aller Wettbewerbe und das IOC trösten, dass die Fernsehanstalten weltweit verkündet haben, dass sie auch im nächsten Jahr ihre Übertragungsrechte wahrnehmen wollen, das sichert vor allem Einnahmen, das lässt hoffen, dass um Gelder nicht gestritten wird. Die Sportfans allerdings, die jetzt über Wochen hinweg mit Magerkost leben müssen, werden dann übersättigt. Gesund könnte auch dies nicht sein.

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European Championships: Die Sehnsucht nach mehr Aufmerksamkeit

Die Olympischen Spiele sind das Vorbild, die Bedeutung dieses weltweiten Festes des Sports werden sie aber nie erreichen. Aber die Sehnsucht nach mehr Aufmerksamkeit führte zu einem neuen Wettbewerb im Sport, vom 2. bis 12. August werden in Glasgow und Berlin erstmals die „European Championships“ ausgetragen. Sieben Sportarten präsentieren sich in zehn Tagen, tragen aufeinander abgestimmt quasi ihre Europameisterschaften aus. Eine Art von Konzentration der Wettkämpfe, wie sie zum Beispiel bei den Asien-Spielen schon lange erfolgreich praktiziert wird.

Bezeichnend, dass die Idee zu dieser Bündelung der Meisterschaften nicht vom Sport selbst kam, sondern vom Fernsehen. Auch die TV-Anstalten wollen natürlich mehr Aufmerksamkeit, sprich höhere Einschaltquoten. Initiator war die EBU (European Broadcasting Union), ein Zusammenschluss der öffentlich-rechtlichen TV-Sender in Europa. Die EBU ist Veranstalter, hat das Ereignis nicht nur angestoßen, sondern jetzt auch organisiert. Kein Wunder also, dass in Deutschland ARD und ZDF zusammen rund 100 Stunden übertragen. Nach den Qualifikationen am 2. August beginnt das ZDF am 3. August und danach wechseln sich die beiden Sender täglich ab, die ARD überträgt also an allen geraden Tagen.

Eigentlich sollten die European Championships nur an einem Ort stattfinden, in Glasgow nämlich. Doch die Leichtathletik-Europameisterschaften waren bereits nach Berlin vergeben und die Leichtathletik sollte das Herzstück der Spiele bilden, also wurde Berlin kurzerhand zweiter Standort. In Glasgow tummeln sich Schwimmen, Rudern, Triathlon, Radsport, Turnen und Golf. Mal sehen, ob die Wettkämpfe im neuen Gewand die Zuschauer mobilisieren, schlechter kann es ja nicht werden.

Hintergrund zur Idee der European Championships ist ja, dass viele Sportarten kaum noch Beachtung im Fernsehen und in der Öffentlichkeit finden. Bestes Beispiel ist in Deutschland das einst so populäre Schwimmen. Viele Sportarten tauchen fast immer nur alle vier Jahre bei den Olympischen Spielen auf, jetzt soll die Durststrecke also nicht mehr so lang sein. Gefordert sind natürlich vor allem die Sportler selbst, denn die müssen mit guten Leistungen und Erfolge für Aufmerksamkeit, vielleicht sogar für Euphorie sorgen. Rund 4500 Athleten aus über 50 Ländern sind am Start, 188 Medaillenentscheidungen gibt es. Kleine Olympische Spiele also.

Kein Wunder, dass am Anfang noch nicht alles rund läuft. So legten die Schotten Wert darauf, dass ihr Lieblingssport Golf im Programm auftaucht, doch der internationale Wettkampfkalender war natürlich schon geschrieben. So gibt es allein Mannschaftswettbewerbe der Damen und Herren und im Mixed. Die Amateure haben das Sagen, aus Deutschland werden nur Damen am Start sein.

Die TV-Anstalten als Organisator? Vielleicht werden wir uns daran gewöhnen müssen, in vielen Ländern Europas haben vor allem Privatsender schon Wettbewerbe durchgeführt, bisher waren es allerdings meist Spaßveranstaltungen. Es kann gut sein, dass mehr TV-Anstalten die Idee aufgreifen und den darbenden Sportarten eine Plattform bieten. Die EBU ist wahrscheinlich auch deshalb auf die Idee dieser Spiele gekommen, weil ihre Sender inzwischen viele Rechte an attraktiven Sportarten (Fußball!) verloren haben. So sind jetzt alle auf das erste Experiment gespannt, gelingt es, soll es in vier Jahren eine Neuauflage geben, natürlich mit noch mehr Sportarten.