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Tag: Severin Freund

Der unbekannte Gegner unserer Wintersportler

 

Der Winter 2015/16 ist vorbei, zumindest für die Wintersportler. Was die deutschen Athleten angeht, so könnte man sagen „Pyeongchang kann kommen“. Es ist zwar noch ein bisschen Zeit bis zu den Olympischen Winterspielen vom 9. bis 25. Februar 2018 in Südkorea, doch alle Augen, sprich Training und Wettkampfergebnisse, sind auf dieses Großereignis gerichtet. Auch viele Karrieren richten sich auf dieses Ziel aus, so heißt es immer wieder „Olympia 2018 will ich noch erleben, danach ist Schluss“.

Die Winterbilanz der deutschen Sportlerinnen und Sportler fällt ausgesprochen gut aus, ohne dass der Sport-Grantler hier auf Einzelheiten eingehen kann. Vor allem bei Bob und Rodel sind die Medaillenaussichten ausgesprochen gut, allerdings müssen sich die lange Zeit fast schon drückend überlegenen deutschen Rodler immer mehr einer erstarkten Konkurrenz erwehren. Schlecht sieht es eigentlich nur auf dem Eis aus, dort werden Medaillen Mangelware sein.

Auf Schnee (wenn es ihn denn gibt) fühlen sich die deutschen Athleten wohl. Einzig im Langlauf wurde vor allem bei den Männern der Anschluss verpasst, das lässt sich wahrscheinlich bis Olympia nicht mehr beheben. Vorbild sollten die Nordischen Kombinierer sein, die einen sehr erfolgreichen Winter mit zahlreichen Siegen und Erik Frenzel als Weltcupsieger hinter sich haben. Da sind trotz der starken Norweger und Österreicher Medaillen fast garantiert. Deutschland hat eine starke Mannschaft. Die Skispringer blickten vor allem dem „Überflieger“ Peter Prevc aus Slowenien hinterher, doch an günstigen Tagen kann ihn Deutschlands Vorzeigespringer Severin Freund (Zweiter im Weltcup) herausfordern. Dahinter klafft allerdings eine Lücke, die Thomas Freitag und Andreas Wellinger schon lange schließen sollten. Im alpinen Bereich bleibt bei den Männern Felix Neureuther der Vorzeigefahrer, doch bremst ihn oft der Rücken. Bei den Frauen steht Viktoria Rebensburg allein auf weiter Flur, nur knapp verpasste sie die kleine Kugel im Riesenslalom. Ein perfekter Winter könnte sie sogar einmal ganz an die Spitze bringen.

Deutschlands Vorzeigesport im Winter ist nach wie vor Biathlon. Die Deutschen verfolgen die Wettkämpfe gern an den Bildschirmen, gerade bei der Weltmeisterschaft waren die TV-Einschaltquoten wieder überragend. Fast in jedem Rennen sind die Deutschen beim Kampf um die Podestplätze dabei, Simon Schempp war dabei, dem dominierenden Franzosen Martin Fourcade (er gewann alle Gesamtwertungen!) Paroli zu bieten, doch Krankheiten stoppten ihn. Ähnlich sah es bei Laura Dahlmeier aus, die wegen Verletzungen und Krankheiten nicht nach dem Sieg in der Gesamtwertung (Gabriela Soukalova, Tschechien) greifen konnte, aber bei der Weltmeisterschaft in Oslo zur Medaillensammlerin wurde. Sie hat das Zeug, dies bei Olympia auch zu schaffen. Immerhin waren die deutschen Männer in der Weltcup-Nationenwertung Zweite hinter Norwegen und vor Russland, die Frauen waren sogar das stärkste Team vor Frankreich und Tschechien. Also gute Aussichten.

Ein unbekannter Gegner trübt allerdings die Erfolgsaussichten unserer Wintersportler. Das heißt, eigentlich ist er bekannt, aber unbekannt ist, wann er zuschlägt, leider ist es so, dass er dies meist zur ungelegenen Zeit tut. Die Rede ist von Verletzungen und Krankheiten. Typisches Beispiel ist Biathlet Simon Schempp, den ausgerechnet vor der Weltmeisterschaft eine starke Bronchitis zum Nichtstun verdammte. Die Form ging verloren, Schempp trumpfte erst eine Woche nach der WM wieder auf. Pech gehabt. Ein fahrender Lazarus ist Slalom-As Felix Neureuther, der aufgrund von Rückenbeschwerden wohl den ganzen Winter über nicht zu seiner Bestform finden konnte. Auch aussichtsreiche Ski-Talente wurden durch Brüche und Kreuzbandrisse gestoppt. Fast liegt ein Fluch vor allem über der alpinen Mannschaft, so dass ein Aufwind immer wieder gestoppt wird.

Stürze werden sich im Skisport nie vermeiden lassen, diese Pechserie muss aber einmal zu Ende gehen. Was allerdings Erkältungen und andere Krankheiten angeht, da sind Ärzte, Betreuer und die Sportler selbst gefordert, hier entsprechende Vorkehrungen zu treffen (allerdings keineswegs mit Medikamenten, die auf der Dopingliste stehen!). Es kann nicht sein, dass Deutschland in Pyeongchang höchstens die Schnupfen-Medaillen gewinnt.

Skisport: Das Phänomen Vierschanzentournee

 

Freund Erwin sagte es klipp und klar: „Weißt Du, Skispringen interessiert mich nicht, ist doch langweilig, wenn einer nach dem anderen über die Schanze geht. Erst am Schluss gibt es Spannung. Aber die Vierschanzentournee, die schaue ich mir schon an.“ Genau diese Aussage beschreibt das Phänomen Vierschanzentournee. Mit Skispringen haben die meisten generell nichts am Hut, aber die vier Springen rund um die Jahreswende bannen die Zuschauer vor die Bildschirme oder locken sie sogar in die Stadien. Über sechs Millionen sahen die Übertragungen in Deutschland bei ARD und ZDF, Quoten, die in den letzten Jahren nicht mehr erreicht wurden und die auch Formel 1, Biathlon und Boxen (außer Klitschko-Kämpfe) als nächste Quoten-Könige (Fußball ist außen vor) schlagen. Zumindest in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen meldeten die Veranstalter außerdem „ausverkauft“. In dieser Saison war die Tournee sogar das absolute Highlight, weil es keine Weltmeisterschaft gibt.

Das Phänomen beginnt schon bei der Schreibweise. In den Medien sieht man „Vier-Schanzen-Tournee“ oder „Vierschanzen-Tournee“ oder eben „Vierschanzentournee“. Der Sport-Grantler hält sich hier an die wohl offizielle Schreibweise der Veranstalter. Das Phänomen setzt sich fort, dass sich auch viele Frauen für die Hupfer zwischen den Jahren begeistern können. Gut in Erinnerung sind noch die vielen Teenies, die vor zehn bis 14 Jahren Sven Hannawald und Martin Schmitt am Skianzug hingen. Es waren die „Zahnspangen-Fans“. Bei den Österreichern waren Andreas Goldberger, Thomas Morgenstern oder Gregor Schlierenzauer größere Stars als jeder Fußballer oder Abfahrer.

Gut, solch eine Begeisterung gab es diesmal nicht mehr. Auf deutscher Seite ist Severin Freund eher bodenständig, nicht der Glamour-Boy und außerdem in festen Händen. Die Österreicher mussten einen bitteren Rückschlag hinnehmen, denn erstmals seit 2008 (Janne Ahonen, Finnland) stellten sie nicht mehr den Sieger. Sieben Mal war zuletzt ein Österreicher auf dem Siegertreppchen ganz oben.

Der Triumphator war diesmal PeterPrevc aus Slowenien. Der große Star aus dem kleinen Land lieferte eine tolle Flugshow ab und musste nur in Oberstdorf vorzeitig landen, als ihn der Wind niederdrückte. Das rettete Sven Hannawald den alleinigen Rekord, als er 2002 als erster und bisher einziger Athlet alle vier Springen gewann. Severin Freund machte Prevc das Leben schwer, aber der Slowene wusste auf jeden guten Sprung des Deutschen eine noch bessere Antwort. Dennoch darf sich das Skispringen im Aufwind fühlen. Die Norweger stellten ebenso eine starke Mannschaft wie die Österreicher und vor allem auch die Deutschen, die mit vier Springern unter den ersten Zwölf in der Gesamtwertung vertreten waren.

Das lässt darauf schließen, dass das Phänomen Vierschanzentournee Ende Dezember in Oberstdorf eine Neuauflage der Begeisterung erlebt. Das Phänomen Vierschanzentournee wird aber auch in den nächsten Wochen deutlich werden, wenn die „normalen“ Springen über die Bühne gehen. Der Alltag der Skispringer mit vielleicht zwei oder drei Millionen Zuschauern an den Bildschirmen. Allerdings sollte sich der Internationale Ski-Verband überlegen, ob nicht der direkte Wettkampf von zwei Springern wie bei der Tournee jedes Springen interessanter machen würde. Das direkte Duell hat was für sich und lockt sicherlich Zuschauer. So aber: „Ist doch langweilig, wenn einer nach dem anderen über die Schanze geht“, sagt Freund Erwin.