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Tag: Silvia Neid

Olympia als Ziel, Olympia als Trost

Es laufen derzeit international große Turniere im Fußball, immer wieder im Gespräch sind aber auch die Olympischen Spiele. Es scheint so zu sein: An Olympia kommt niemand vorbei. Die Themen sind allerdings sehr unterschiedlich. Einmal ist Olympia das Ziel, dann wiederum gilt die Teilnahme an den Olympischen Spielen als Trost. Ein schöner Trost, könnte man sagen.

Nehmen wir zuerst einmal Olympia als Ziel. Vor wenigen Tagen hat die französische Hauptstadt Paris ihre Bewerbung für die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 kundgetan. 2024 hätte seinen Reiz, denn vor genau dann 100 Jahren war Paris zum letzten Mal Gastgeber. Für 1992, 2008 und 2012 scheiterten die Franzosen. Jetzt aber ist Paris eine starke Bewerbung mit der Unterstützung von über 60 Prozent der Bevölkerung (es gibt Umfragen, die sprechen sogar von über 70 Prozent). Gerade die Sommerspiele haben ihren Reiz nicht verloren, nach den Spielen in Südamerika (Rio de Janeiro 2016) und Aisen (Tokio 2020) kann man über die Bewerber-Städte aus Europa sagen, eine ist attraktiver als die andere: Hamburg, Rom, Paris, wahrscheinlich auch noch Budapest und Istanbul, als Klammer zwischen Europa und Asien. Als Favorit für die Austragung galt aber der amerikanische Kandidat, weil das IOC einen lukrativen Fernsehvertrag mit dem US-Sender NBC abgeschlossen hat. Das Rennen machte zur Überraschung der Fachwelt mit Boston vor San Francisco und Washington, angeblich der schwächste Kandidat. Aber die Granden vom IOC haben schon oft ähnliche seltsame Entscheidungen getroffen wie die der FIFA… Vernunft ist bei Funktionären manchmal ein Fremdwort.

Tatsache ist, dass die Sommerspiele attraktiv bleiben, im Gegensatz zu den Winterspielen, die zumindest in Europa zunehmend ins Visier der Umweltschützer geraten sind und es interessierten Städten nicht gerade leicht machen, Zustimmung zur Austragung der Spiele zu erhalten. Siehe das Beispiel München, als sich die Bevölkerung gegen Olympia aussprach. Hier könnte auf das IOC das Problem zukommen, dass nur noch – sagen wir mal – die weniger demokratischen Staaten die Winterspiele ausrichten wollen.

Ohne Titel bleibt immer noch Rio

Aber bleiben wir bei den Sommerspielen und da steht Rio 2016 im Blickpunkt. So auch bei den deutschen Auswahlmannschaften. Die U21 bei der Europameisterschaft und die Frauen bei der Weltmeisterschaft kämpften um Titelehren. Aber einen Erfolg haben sie frühzeitig bereits errungen: Sie haben sich die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2016 erkämpft. Olympia also auf jeden Fall schon mal als Trost, sollte es mit dem Titel nicht klappen. Auch so wird Olympia attraktiv…

Bei den Fußball-Junioren der U21 ergibt sich allerdings eine seltsame Konstellation, die aufzeigt, dass beim Weltverband FIFA – wen überrascht das noch – nicht weitsichtig gedacht wird. Nachdem das Olympische Fußballturnier keine Konkurrenzveranstaltung zur Weltmeisterschaft sein soll, haben sich IOC und FIFA darauf geeinigt, dass nur Spieler unter 23 Jahren an Olympia teilnehmen dürfen. Eine Ausnahme: Drei Spieler dürfen älter sein. Der Fehler: Viele derjenigen Spieler, die jetzt bei der Europameisterschaft die Kastanien aus dem Feuer holen sollen, sind in einem Jahr für Olympia zu alt! Für die EM zählte als U21 der Start der Qualifikation 2013, Stichtag war der 1. Januar 1992, die Spieler mussten danach geboren sein. Zur EM-Runde sind viele logischerweise älter als 21. Warum weitet man dies gleich bis zu den Olympischen Spielen aus? FIFA-Funktionäre können wohl nicht von 2013 bis 2016 denken…

EM und Olympia: Zwei große Turniere im Sommer 2016

Die Olympia-Teilnahme 2016 bringt aber auch logistische Probleme mit sich. Spieler wie Torhüter Marc-André ter Stegen, Emre Can und Kevin Volland machen sich auch Hoffnung auf den Sprung in die A-Nationalmannschaft. Sie wollen bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich dabei sein, die vom 10. Juni bis 10. Juli ausgetragen wird. Das Fußballturnier in Rio läuft vom 3. bis 20. August. Für Olympia besteht keine Abstellungspflicht für die Vereine, beide Turniere wird kaum einer spielen können oder dürfen. Für den jungen Spieler, der den Sprung zur EM nicht schafft, bleibt also Olympia als Trost…

Übrigens: 1988 in Seoul war eine deutsche Fußballmannschaft zum letzten Mal bei Olympia dabei. Trainer war der Kölner Hannes Löhr, mit Jürgen Klinsmann, Frank Mill und Wolfram Wuttke waren drei Spieler dabei, die bei EM und Olympia auflaufen durften. Also, es geht doch! Deutschland holte Bronze.

Bronze gab es bisher nur für die deutschen Frauen, die ansonsten Welt- und Europameister wurden, aber nie Olympiasieger. 2000, 2004 und 2008 holten sie sich die Medaillen, 2012 fehlte Deutschland. Nächstes Jahr ist Deutschland wieder dabei und Bundestrainerin Silvia Neid darf sich auf einen zumindest attraktiven Abschluss ihrer sportlichen Karriere freuen. Olympia war ein erstes Ziel für die Weltmeisterschaft in Kanada (drei Starter aus Euorpa), Hauptziel bleibt allerdings der WM-Titel. Gelingt der große Erfolg nicht, bleibt immer noch Olympia als Trost… Und Altersbeschränkungen gibt es bei den Frauen nicht.

WM und FIFA: Frauen im Mittelpunkt

„Fußball ist Männersache“ heißt es allgemein. Derzeit haben aber die Frauen im Fußball die Hosen an. Gibt es nicht? Gibt es doch. Loretta Lynch ist die Frau, die den FIFA-Funktionären Sorgen bereitet. Die US-Justizministerin hat die Korruption im Weltverband aufs Korn genommen und ist eigentlich ursächlich dafür verantwortlich, dass Präsident Sepp Blatter seinen Rücktritt angekündigt hat. Aber auch im Sport stehen die Frauen im Mittelpunkt: Mit ihrer Weltmeisterschaft vom 6. Juni bis 5. Juli in Kanada.

Beim Sport-Grantler steht der Sport im Mittelpunkt, also die Frauen-Weltmeisterschaft. Sie mobilisiert natürlich nicht die Massen in aller Welt wie die Männer alle vier Jahre, aber die Frauen haben sich auch im Fußball durchgesetzt und Respekt verschafft. Sind wir ehrlich: Manchmal sind Spiele der Frauen besser anzuschauen, weil vor allem die Technik im Vordergrund steht, als reine Kampfspiele im Männer-Fußball. Auch die Frauen haben in Sachen Kabinettstückchen einiges drauf, das zeigt die Brasilianerin Marta immer wieder, das ist auch bei Deutschlands Mittelfeldstrategin Dzsenifer Marozsan zu beobachten. Technisches Können wird auch bei der Weltmeisterschaft gefragt sein, denn Kunstrasen erfordert eine gute Ballbehandlung.

Streitfall Kunstrasen

Dieser Kunstrasen stand vor Austragung der WM im Mittelpunkt. Einige Spielerinnen klagten sogar dagegen, dass das Turnier auf Kunstrasen ausgetragen wird, sie fühlten sich gegenüber den Männern diskriminiert. Sie scheiterten allerdings vor Gericht und müssen nun in den sauren Apfel beißen, heißt, mit dem Kunstrasen leben. Diesbezüglich hat die FIFA die Frauen als Versuchskaninchen für die Männer missbraucht. Immer diese FIFA!

Ebenso müssen die Frauen mit dem Trend der alternden FIFA-Funktionäre leben, die möglichst vielen Nationen den Zugang zum Endturnier ermöglichen wollen. Sie nehmen es hin, dass der sportliche Wert verwässert wird, vor allem im Frauen-Fußball fehlt es noch an der Breite im Blick auf internationale Klasse. Ist aber egal, erstmals nehmen 24 Nationen statt bisher 16 teil. Bei den Männern sind es inzwischen 32 Nationen und viele reden bereits von 40. Mal sehen, ob künftig eine „neue FIFA“ diesen Trend beibehält.

Ein Turnier mit 24 Nationen macht aber ein Achtelfinale notwendig, es scheiden nach den Gruppenspielen also nur acht Mannschaften aus. Im Grunde genommen zunächst also keine Gefahr für die Favoriten, allein in der Gruppe D dürfte es mit den USA, Schweden und Nigeria ein bisschen spannend werden. Ansonsten ist Spannung erst ab den K.o.-Spielen angesagt und da wiederum gilt: In einem Spiel ist alles möglich.

Deshalb sind die Prognosen, wer die größten Titelchancen hat, mit Vorsicht zu genießen. Gegenüber den „üblichen Verdächtigen“ wie Deutschland, USA, Brasilien und Schweden sowie Titelverteidiger Japan haben sich zum Kreis der Titelanwärter auch das aufstrebende Frankreich und Gastgeber Kanada hinzugesellt. Vielleicht aber auch Norwegen oder Nigeria als die vermutlich stärkste afrikanische Mannschaft? Also ein bisschen Spannung gibt es schon.

Deutsche Erfolge immer mit Silvia Neid

Vor vier Jahren war bei der WM in Deutschland der Titel eigentlich für die Gastgeberinnen reserviert, sie scheiterten aber am großen Druck, der im eigenen Land immens wurde. Deutschland schied im Viertelfinale gegen Japan aus und die Asiatinnen nutzten ihre Chance. Jetzt können die deutschen Mädchen eher befreit aufspielen, allerdings haben sie auch mit Verletzungspech zu kämpfen, so fehlt vor allem die beste Spielerin der Welt von 2014, Mittelfeldmotor Nadine Kessler. Aber Bundestrainerin Silvia Neid hat wieder eine starke Truppe mit Torhüterin Nadine Angerer, Dzsenifer Marozsan und Torjägerin Celia Sasic als Stützen. Für Silvia Neid wird es das letzte WM-Turnier sein, Olympia könnte noch folgen. Die besten drei europäischen Mannschaften qualifizieren sich für Rio 2016. Doch die scheidende Bundestrainerin, die 2016 (normal nach Olympia) Steffi Jones Platz macht, sagt: „Im Fußball steht die Weltmeisterschaft im Vordergrund, bei Olympia ist Fußball nur eine Sportart unter vielen.“ Bemerkenswert: Silvia Neid war als Spielerin, Co-Trainer und letztlich Bundestrainerin an allen Medaillen- und Titelgewinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft beteiligt. Der WM-Titel in Kanada wäre die Krönung. In den Gruppenspielen sind die Elfenbeinküste, Norwegen und Thailand die ersten Hürden.

Die erste Weltmeisterschaft der Frauen wurde übrigens 1991 ausgetragen. Die bisherigen Sieger waren die USA (1991 und 1999), Norwegen (1995), Deutschland (2003 und 2007) sowie Japan (2011). Gibt es also einen neuen Namen?

Klare Worte von Loretta Lynch

Neue Namen sind bei der FIFA gefragt, gesucht wird ein Nachfolger für Joseph Blatter, der aber bis zur Neuwahl, die erst im Zeitraum Dezember bis März 2016 stattfinden soll, im Amt bleibt. Loretta Lynch hat es aber schon deutlich gesagt: „Die Namen ändern sich, das System bleibt das gleiche.“ Sprich: Nur mit einem Neuanfang kann die FIFA die Korruption in den eigenen Reihen besiegen.

Erfreuen wir uns lieber am Sport.