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Tag: Stefan Kuntz

Was wird aus Bayern München ohne Uli Hoeneß?

Das eigentlich Unvorstellbare ist Tatsache geworden: Uli Hoeneß regiert nicht mehr beim FC Bayern München. Am 1. Mai 1979 hatte der Ulmer seinen Posten als Manager des Bundesligisten angetreten, zwangsläufig, weil schwere Verletzungen seine sportliche Karriere beendeten, als Hoffnungsträger, weil es den Münchnern zu dieser Zeit gar nicht so gut ging. Uli Hoeneß machte aus dem Sorgenkind einen Weltkonzern, einen dominanten Verein, der heute die Fußball-Bundesliga beherrscht, international hoch geachtet ist, der drittstärkste Verein der Welt was den Umsatz angeht, der größte Verein der Welt was die Mitglieder betrifft. Uli Hoeneß gab wie vorgesehen bei der Hauptversammlung seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratvorsitzender ab, hat als einfacher Aufsichtsrat aber noch einen Fuß in der Tür. Doch die Frage ist aktuell: Was wird aus Bayern München ohne Uli Hoeneß?

Die sportlichen Zahlen sind beeindruckend, in der Ära Uli Hoeneß als Manager und Präsident gewann der FC Bayern 58 Titel, wurde dabei 24mal Deutscher Meister und 14mal DFB-Pokalsieger und gewann die Champions League 2001 und 2013, wurde UEFA-Pokalsieger 1996, 2013 Klub-Weltmeister und 2001 Weltpokalsieger. Die Allianz-Arena wird ewig ein Symbol der Ära Hoeneß sein.

Wird der FC Bayern sportlich erfolgreich bleiben und das Festgeldkonto nicht geplündert werden? Verantwortlich dafür sind in der Führung diese vier Männer:

Herbert Hainer: Der ehemalige Adidas-Boss wurde von Uli Hoeneß persönlich als Nachfolger ausgesucht und seine Wahl als Präsident fand allgemein Zustimmung, auch von den Mitgliedern. Hainer gesteht, „den Sachverstand von Uli habe ich natürlich nicht“, aber er ist im internationalen Sport bestens vernetzt, Bayern-Fan („Ich habe das Bayern-Gen“) und hat ebenfalls eine soziale Ader. Er geht auf Menschen zu und gilt als ausgleichend. Scheint keine schlechte Wahl zu sein.

Karl-Heinz Rummenigge: Der Vorstandsboss bleibt noch zwei Jahre an Bord und wird in dieser Zeit Oliver Kahn als seinen Nachfolger einarbeiten. Besser kann eigentlich ein Wechsel nicht vorbereitet werden. Rummenigge und Hoeneß hatten oft konträre Ansichten (Rummenigge war von Niko Kovac als Trainer nicht überzeugt), rauften sich aber immer zusammen. Ein Verhältnis nach dem Motto „hart, aber herzlich“, Rummenigge bewies Weitsicht und wird den Dampfer Bayern wohl weiter in sicherem Fahrwasser halten.

Oliver Kahn: Der einst beste Torhüter der Welt verdiente sich den Spitznamen „Titan“ und ist auch nach seiner sportlichen Karriere beruflich erfolgreich und als Experte im Fernsehen beliebt. Er hat wirtschaftlichen Erfolg und besten Einblick bei Bayern. Er fängt also nicht bei „Null“ an und hat auch das Rückgrat, um unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

Hasan Salihamidzic: Aus dem Sportdirektor wird am 1. Juli 2020 der Sportvorstand. Die Bedeutung wächst, die Arbeit ändert sich nicht. Bewusst lobte Hoeneß „Brazzo“, um Kritiker zum Verstummen zu bringen. Salihamidzic verkauft sich oft ungeschickt in der Öffentlichkeit, wirkt nervös und nicht sicher genug. Er macht bisher nicht den Eindruck, die beste Lösung zu sein und könnte von Hainer und Kahn anders beurteilt werden.

Aber: Es kommt auf die Mannschaft und vor allem den Trainer an, um weiterhin Erfolge feiern zu können. Wie stark die Macht der Spieler ist, zeigte sich bei der Ablösung von Niko Kovac, der einen Teil des Teams gegen sich aufbrachte. Hansi Flick als Nachfolger, bisher Co-Trainer, brachte neuen Schwung und vor allem bessere Taktik in die Mannschaft, die Spieler loben ihn demonstrativ. Er wird auf jeden Fall bis zur Winterpause bleiben, vielleicht auch bis zum Saisonende, vielleicht auch länger, wenn sich der Erfolg einstellt. Den richtigen Trainer für die Bayern zu finden ist noch schwerer als die Trainersuche bei den anderen Klubs. 21 Trainer arbeiteten in den 40 Jahren unter Uli Hoeneß, im Schnitt sind sie also nicht allzu lange da. Kein Wunder, dass vor allem über die Rückkehr des allseits beliebten Pep Guardiola spekuliert wird. Der Spanier scheint bei Manchester City nicht mehr ganz so glücklich zu sein und sagte bezeichnend: „Ein Angebot des FC Bayern kann man nicht ausschlagen.“ Eine Wohnung hat er noch in München.

Von Uli Hoeneß wird man übrigens noch hören. Der neue Ehrenpräsident der Bayern bleibt im Aufsichtsrat und hat „angedroht“, dass er seine Meinung schon noch kundtun wird.

Löw nimmt die erste Hürde

Zur Nationalmannschaft im Laufe dieser Woche nach Abschluss der EM-Qualifikation noch mehr, aber die erste Hürde ist geschafft, Deutschland hat sich für die Europameisterschaft 2020 qualifiziert. Die Niederlande war mit dem 0:0 der Wegbereiter, auch dafür, dass Deutschland mit einem Sieg über Nordirland zudem Gruppensieger werden kann und damit bei der Auslosung eine bessere Ausgangsposition inne hätte. Alle Gruppensieger sind in Topf 1 gesetzt, so dass u. a. England, Frankreich, Spanien und Italien nicht als Gegner in Betracht kommen. Die Auslosung findet am 30. November in Bukarest statt. Aber auch das 4:0 gegen Weißrussland zeigte auf, dass Bundestrainer Joachim Löw mit seinem Team noch viel Arbeit vor sich hat. Im Sturm haperte es ebenso wie in der Abwehr, bei zwei Treffern waren deutsche Spieler knapp im Abseits (kein Video-Assistent) und nur die überragenden Neuer und Kroos hielten das DFB-Team im Spiel.

Löw setzt auf junge Spieler, aber die Zukunft sieht nicht unbedingt rosig aus. So schlug Bundestrainer Stefan Kuntz bei der U21 Alarm. Er baut vorwiegend auf Spieler aus der 2. Bundesliga, weil die Talente in der Bundesliga zu wenig zum Einsatz kommen. Da klappt vieles nicht, eine 2:3-Niederlage gegen Belgien war die Folge, die Qualifikation zur Europameisterschaft 2021 wird kein Spaziergang.

Zwei Niederlagen und doch Hoffnung für die Zukunft

Die sommerlichen Temperaturen dämpften sicherlich ein bisschen die Begeisterung und doch war Deutschland in den vergangenen Wochen wieder eine Fußball-Nation. Die TV-Einschaltquoten bestätigten dies. Doch der krönende Abschluss fehlte leider. Die Frauen schieden bei der Weltmeisterschaft im Viertelfinale gegen Schweden aus, die U21 konnte ihren Titel bei der Europameisterschaft nicht verteidigen und unterlag im Finale Spanien. Zwei Niederlagen also und doch bleibt für beide Mannschaften einige Hoffnung für die Zukunft.

Wer war jetzt näher dran am Erfolg? Zweifellos die U21, denn die stand im Finale, aber beim 1:2 gegen Spanien fehlte das Spielglück, aber der Gegner war auch den Tick besser, routinierter, mit wenigen Fehlern und schaffte so die Revanche für die Finalniederlage vor zwei Jahren. Beim ersten Gegentor patzten gleich mehrere Abwehrspieler, beim zweiten der bis dahin überragende Torhüter Alexander Nübel, als er einen Ball abprallen ließ, den er eigentlich festhalten muss. Der junge Schalker vergoss danach Tränen, aber er hat ein großes „Vorbild“ im Leid, wenn er sich an Oliver Kahn erinnert, der bei der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea zum besten Torhüter und besten Spieler des Turniers gewählt wurde, dann aber im Finale so einen Ball eben auch abprallen ließ, Ronaldo das Tor ermöglichte und damit die Final-Niederlage einleitete. Geschichten wiederholen sich also, Wiederholt sich Geschichte dann auch in einer großen Karriere für Alexander Nübel? Er erinnert stark an einen anderen überragenden Torhüter, an Manuel Neuer.

Interessant, dass im Vorfeld des Finales die Öffentlichkeit vor allem darüber spekulierte, welcher der 23 Spieler aus dem EM-Kader denn eine große Karriere machen könnte. Wer tritt in die Fußstapfen der Neuer, Hummels, Khedira oder Özil, die einst mit der U21 Europameister wurden. Für eine große Karriere reicht aber Talent allein nicht, man braucht Einsatz, Willen und ein wenig Glück und Verstand, zum Beispiel bei der Karriereplanung. Eine ganze Reihe der Jungen, die bei der EM hätten spielen können, sind bekanntlich bereits Stammspieler bei Joachim Löw. Anklopfen dürfte Torjäger Luca Waldschmidt, der mit sieben Treffern die Torjägerkanone gewann. Tah und Klostermann gehören schon zum Kreis des A-Teams, Maximilian Eggestein, Henrichs und Dahoud sind im Visier, Amiri meldet Ansprüche an, bei allen anderen wird man sehen. Einige der EM-Teilnehmer haben ja das große Los gezogen, denn sie könnten altersmäßig auch bei Olympia 2020 in Tokio spielen. Das Halbfinale war die Eintrittskarte.

Bei der Frage nach der Zukunft spielt auch Trainer Stefan Kuntz eine Rolle. Er hat mit seiner Arbeit für sich geworben, lässt vergessen, dass er eigentlich als Trainer und Funktionär schon als gescheitert galt. Jetzt ist er sogar als möglicher Nachfolger von Jogi Löw im Gespräch, weil er zeigte, dass er mit Spielern gut umgehen kann, gute Laune verbreitet und sich in der Öffentlichkeit gut verkauft. Sein Vertrag läuft vorerst bis nach Olympia, DFB-Manager Oliver Bierhoff will ihn auf jeden Fall länger halten. Was die Hoffnung angeht, da bestehen für einige jüngere Nachwuchsteams des DFB Zweifel, da waren zuletzt kaum Erfolge zu verzeichnen.

Gehalten werden soll auch die Bundestrainerin der Frauen, Martina Voss-Tecklenburg. Sie ist ja recht kurzfristig ins Boot geholt worden und hat trotz des Aus im Viertelfinale in ihrer Arbeit schon mal Zeichen gesetzt, wenn auch nicht alles geklappt hat. Es war eigentlich abzusehen, dass die routinierten und abgezockten Schwedinnen die besseren Karten in der Hand hatten gegen das junge deutsche Team und auch das Omen sprach gegen die Deutschen, die 24 Jahre lang gegen Schweden in Turnieren nicht mehr verloren hatten. Wir wissen es und die Skandinavierinnen wussten es, jede Serie reißt einmal. Deshalb war ihr Ehrgeiz auch besonders groß.

Was der deutschen Mannschaft fehlte, war in den entscheidenden Phasen mehr echte Führungspersönlichkeiten, die allein in Alexandra Popp zu finden ist, abseits des Feldes auch Torhüter Almuth Schult, doch damit hat es sich schon. Dzsenifer Marozsan als große Hoffnungsträgerin (trotz gebrochenen Zeh) kann diese Rolle nicht spielen. Die Mädchen kompensierten die Vakanz mit erhöhtem Einsatz und hatten auch das nötige Spielglück auf dem Weg ins Viertelfinale, doch ab da wird es eng in der Weltklasse. Deutschland ist noch Weltklasse, aber nicht mehr die Nummer 1, die beansprucht die USA für sich, siehe Weltrangliste. Andere Nationen haben aufgeholt, England, die Niederlande, Spanien und Italien stehen mit dem DFB-Team auf einer Stufe. Frankreich ist sogar stärker einzuschätzen, musste aber wie Deutschland die bittere Pille schlucken, dass Olympia ohne die große Nation stattfindet. Pech beim Spielplan mit den USA als Stoppschild.

Für den Frauen-Fußball in Deutschland ist die Absenz bei Olympia besonders bitter, weil wieder eine Werbemöglichkeit verloren geht. 7,9 Millionen Zuschauer (43,2 Prozent Marktanteil!, das Finale der U21 sahen 9,2 Mill., 32,2 %)) bangten mit den Mädchen, aber sie werden nicht zu alltäglichen Fans, die zum Beispiel die Spiele der Bundesliga sehen wollen. Da verlieren sich im Schnitt rund 900 Besucher auf den Rängen. So bleibt also die Hoffnung, dass die junge Mannschaft Routine und die eine oder andere Verstärkung gewinnt (wichtig vor allem in der Abwehr) und bald wieder das nötige Spielglück bis ins Finale hat. Der Bundestrainerin ist für die Mannschaft auch ein glückliches Händchen zu wünschen.

Zwei Niederlagen für deutsche Nationalmannschaften, aber beide Teams geben dennoch zu Hoffnungen Anlass.

Begeisterung für die Frauen-WM – Die Klasse fehlt

Die Fußball-Frauen stehen derzeit im Mittelpunkt. Wir dürfen annehmen, dass dies mit ihrer Weltmeisterschaft in Frankreich weltweit der Fall ist. Im Gastgeberland ist die Stimmung zumindest in den Stadien beeindruckend und so wird die WM ein Highlight. Aber auch Deutschland fiebert mit den Frauen mit, das beweisen die Einschaltquoten im Fernsehen. Natürlich sind sie nicht so hoch wie bei den Männern, wo WM-Spiele beinahe eine nationale Angelegenheit sind, aber das DFB-Frauenteam darf Begeisterung für sich verbuchen. 6,15 Millionen sahen an den Bildschirmen am vergangenen Mittwoch um 18.00 Uhr das 1:0 gegen Spanien, das war der Zuschauerrekord für den Tag, mehr also als alle Sendungen zur sogenannten Prime time nach 20.00 Uhr. Ein besonderer Sieg auch am Montag neben dem 4:0 über Südafrika, denn 5,99 Millionen sahen zu. Bei einem Marktanteil von 32,4 Prozent heißt das, dass jeder Dritte, der um diese Zeit ferngesehen hat, sich für Fußball interessierte. Damit schlugen die Frauen auch die U21 der Männer, die am Abend ab 21.00 Uhr sportlich ebenfalls mit dem 3:1 über Dänemark beeindruckte, aber da interessierte sich nur jeder Fünfte dafür, die 4,92 Millionen Zuschauer bedeuteten einen Marktanteil von 20 %.

Die Stimmung bei den Zuschauern ist also gut, auch die Stimmung in der Mannschaft, die sich gegen China, Spanien und Südafrika mit 6:0 Toren frühzeitig und eben ohne Gegentreffer für das Achtelfinale qualifiziert hatte. Eine Steigerung von Spiel zu Spiel ist erkennbar, doch bei der „Tour de France“, wie Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Rundreise durch Frankreich bezeichnet hat, kommen die schweren Bergetappen erst noch. In die Berge geht es schon im Achtelfinale am Samstag, nämlich nach Grenoble. Der Gegner sollte kein (Berg)Riese sein, ist es doch ein Drittplatziertes Team der Vorrunde.

Sportlich ließen die Gruppenspiele zu wünschen übrig, wirklich gute Spiele lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Wie immer, so hat auch bei der Frauen-WM die Aufstockung auf 24 Nationen das Niveau eher gedrückt. Die schwächeren Nationen suchen ihr Heil, um ein ehrenvolles Resultat oder vielleicht sogar ein Pünktchen zu ergattern, in Mauertaktik und Härte. Ihre spielerischen Mittel sind meist begrenzt. Wie bei den Männern auch ist es so, dass es erst ab dem Viertelfinale richtig interessant wird. Mit ihrem Gruppensieg haben die deutschen Mädchen zumindest die Weichen dafür gestellt, dass nach der Papierform die großen Favoriten USA und Frankreich erst im eventuellen Finale der Gegner sein werden. Bisher hat allerdings nur die USA überzeugt, Frankreich hangelte sich mit knappen Resultaten (2:1 gegen Norwegen, 1:0 gegen Nigeria, dazu 4:0 gegen Südkorea) ins Achtelfinale. Die Klasse fehlt also noch, die Mannschaften wollen ihr Können wohl erst in den entscheidenden Spielen zeigen. Das müssen die USA und die Gastgeberinnen bald, denn sie könnten im Viertelfinale aufeinandertreffen. Das wäre dann ein vorgezogenes Endspiel.

Guter Start der U21

Die Deutsche Nationalmannschaft der U21 startete bei der Europameisterschaft in Italien und San Marino also im Schatten der Frauen. Mit Erfolgen könnte das Team von Bundestrainer Stefan Kuntz aber bald aus dem Schatten treten. Der Auftakt war schon mal vielsprechend, denn spielerisch klappte einiges und der Augsburger Marco Richter zeigte einen bemerkenswerten Torriecher und stellte mit zwei Treffern und einer Vorlage die Weichen zum 3:1-Erfolg über Dänemark. EM-Neuling Österreich sorgte davor in dieser Gruppe für eine Sensation mit einem 2:0 gegen die favorisierten Serben. Jetzt fragt man sich im deutschen Lager, wer denn der große Gegner auf dem Weg ins Halbfinale sein kann. Serbien mit Frankfurts Torjäger Jovic wurde am meisten gefürchtet. Vielleicht sind sie jetzt doppelt gefährlich, weil angeschlagen. Sie kämpfen am Donnerstag um ihre letzte Chance. Wie bereits geschrieben, haben die Frauen und die U21 das gleiche Ziel, nämlich das Halbfinale, dass das Ticket für Olympia 2020 in Tokio bedeutet.

Mats Hummels sorgt für das Hammer-Gerücht

Abseits vom Geschehen auf dem Rasen bleibt der Fußball vor allem durch Spielertransfers im Gespräch. Dabei sind für die Öffentlichkeit die Gerüchte interessanter als die Vollzugsmeldungen, die am Ende der Spekulationen stehen. Das Hammer-Gerücht rankt sich jetzt um Ex-Nationalspieler Mats Hummels. Er soll angeblich vor der Rückkehr nach Dortmund stehen. Vor drei Jahren war er vor Trainer Thomas Tuchel geflohen mit einer Rückkehr in die alte Heimat nach München, wo seine Karriere begann. Von 2008 bis 2016 spielte er dann in Dortmund, wurde Deutscher Meister (2011, 2012) und DFB-Pokalsieger (2012) mit den Borussen, verlor aber das Finale der Champions League gegen die Bayern. Jetzt ist wieder eine Flucht vor dem Trainer bzw. der Konkurrenz möglich. Hummels befürchtet wohl, hinter der Nummer 1 der Bayern-Innenverteidiger, Niklas Süle, und den Neuzugängen Hernandez und Pavard zum Bankdrücker zu werden.

Der Wechsel könnte für den Spieler also Sinn machen, die Frage ist, welcher Verein davon mehr profitiert. Erst die neue Saison kann die Antwort geben. Hummels wurde bekanntlich von Bundestrainer Joachim Löw ausgebootet, das stachelte aber offensichtlich seinen Ehrgeiz an und er zeigte in der Bundesliga-Rückrunde überzeugende Leistungen. Das Fachblatt kicker stufte ihn in seiner halbjährlichen Rangliste prompt als besten Innenverteidiger der Liga ein. Dortmund könnte also damit den gesuchten routinierten Abwehrspieler für die jungen Nebenleute verpflichten und ein stärkerer Konkurrent für die Bayern werden. Die allerdings können auch profitieren, dann nämlich, wenn die Neuzugänge einschlagen, aber nur dann. Denn dann hätte man durch den Abgang von Hummels auch mehr Ruhe in der Mannschaft gewonnen.

In punkto Verstärkungen für die neue Saison macht derzeit Borussia Dortmund den Wirbel. Mit Nico Schulz (Hoffenheim), Julian Brandt (Leverkusen) und Thorgan Hazard (Gladbach) wurde schon mächtig aufgefrischt. Die Bayern gaben das Geld für einen Spieler aus, nämlich Hernandez. Im Gespräch sind noch die Flügelflitzer Leroy Sane (Manchester City) und Timo Werner (RB Leipzig) und dazu der Mittelfeldabräumer Rodrigo von Atletico Madrid. Stars, die viel Geld kosten und einen Umbruch bewältigen sollen, der der Mannschaft mehr Frische und Schnelligkeit verleiht. Aber noch liegen die großen Aufgaben vor den Bayern. Dortmund hat bereits Tatsachen geschaffen, die Bayern befinden sich noch im Gerüchte-Status. Fortsetzung folgt.

Das Motto beim DFB heißt Jugend forsch

„Jugend forscht“ heißt ein Wettbewerb in Deutschland, der bei den jungen Leuten den Erfindergeist wecken soll und sie zu außergewöhnlichen Ideen führen soll. Der deutsche Fußball hat auch die Jugend entdeckt, beim DFB heißt es in Anlehnung daran „Jugend forsch“. Das fällt nämlich bei den Nationalmannschaften auf: Jogi Löw hat bei den Männern endlich den Neuaufbau eingeleitet und ähnlich verfuhr bei den Frauen die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Das Ergebnis kann sich bisher sehen lassen. Zu diesem Motto gehört aber auch die U21 der Männer, die vor der Europameisterschaft steht. Jugend forsch stimmt deshalb, weil eine erfolgreiche Titelverteidigung anvisiert wird.

Bundestrainer Joachim Löw war bei der Nationalmannschaft zwar nicht dabei, aber der Heilungsprozess seiner Verletzungen nach einem Sportunfall wurde angesichts der Ergebnisse und Leistungen seiner Schützlinge sicherlich beschleunigt. 2:0 in Weißrussland und 8:0 gegen Estland waren mehr als nur Pflichterfüllung. Erfreulich vor allem, dass die junge Mannschaft mit Elan, spielerischer Leichtigkeit und Freude beeindruckte. Es wurde deutlich, dass nach der Ära von Lahm, Schweinsteiger und Co. mit dem WM-Titel 2014 als Höhepunkt jetzt eine neue Zeitrechnung begonnen hat, die verheißungsvoll aussieht. Ob es erneut zu Titelgewinnen reicht, muss sich erst zeigen. Die Europameisterschaft 2020 könnte zu früh kommen.

Vor allem die flexible Angriffsreihe macht Freude, aber da heißt es Vorsicht: Leroy Sane, Serge Gnabry und Marco Reus sind alle verletzungsanfällig. Wie sie aber mit Spielfreude, technischem Können und Tordrang die gegnerischen Abwehrreihen unter Druck setzen macht beim Zuschauen Spaß. Sie sind die Gewinner des Neuaufbaus, aber sie sind nicht allein. So hat sich Joshua Kimmich als Chef im Mittelfeld etabliert (obwohl er bei Bayern München als Rechtsverteidiger auch nicht wegzudenken ist), Ilkay Gündogan hat Werburg für sich betrieben und könnte einen Toni Kroos verdrängen, der ein Spiel eher aufhält. Auch Leon Goretzka hat gezeigt, dass er ein Gewinn für das Team sein kann, ebenso Julian Draxler. Und dahinter drängen Kai Havertz, Julian Brandt und Timo Werner auf einen Einsatz. Die Offensive ist fast ein Schlaraffenland für Jogi Löw, anders sieht es bei der Defensive aus, die wird im September getestet.

In der EM-Qualifikation hatte bisher nur das 3:2 in den Niederlanden besonderen Wert, die Siege über Weißrussland und Estland waren Pflichtaufgaben. Die Weichen werden am 6. September beim Rückspiel gegen die Niederlande und am 9. September in Nordirland gestellt. Nordirland entledigte sich seiner Pflichtaufgaben bisher ohne Punktverlust, wenn auch mit Glück und Können mit Toren oft in den letzten Minuten. Das ist auch eine Qualität. Der Härtetest folgt also erst, mit einer Begeisterung wie jetzt im Juni sollte es aber auch im September zu Beginn der neuen Saison klappen.

Olympia 2020 in Tokio lockt

Die U21 und die Frauen-Nationalmannschaft haben eines gemeinsam: Bei ihren Turnieren geht es nicht nur um den Titelgewinn, sondern vor allem auch um die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. Das Halbfinale muss jeweils dafür erreicht werden.

Die U21 tritt bei der Europameisterschaft in Italien und San Marino vom 16. bis 30. Juni als Titelverteidiger an. 2017 besiegte das Team von Bundestrainer Stefan Kuntz Favorit Spanien mit 1:0. Es war der zweite Titelgewinn nach 2009. Damals hatte Coach Horst Hrubesch eine erfolgreiche Generation, denn die Neuer, Hummels, Boateng, Khedira, Özil und Höwedes wurden später 2014 Weltmeister. Von den 17ern wurde bisher nur Gnabry Stammspieler bei Jogi Löw, Niklas Stark und Thilo Kehrer befinden sich im weiteren Kreis.

Und 2019? Auffallend, dass Jogi Löw bei seinem Motto „Jugend forsch“ der U21 die Stars geklaut hat: Leroy Sane, Julian Brandt, Kai Havertz, Thilo Kehrer und Timo Werner könnten nämlich Stefan Kuntz helfen, leichter an den Pokal zu kommen. Das A-Team geht halt vor. Immerhin wurden Lukas Klostermann und Jonathan Tah vom A-Team wieder zur U21 beordert, weil sie dort schon in der Qualifikation Führungsfiguren waren. Und wer könnte künftig noch bei Jogi Löw auftauchen? Torhüter Alexander Nübel (Schalke) vielleicht, Maximilian Eggestein (Bremen) spielte schon mal vor, ebenso wie Benjamin Henrichs (Monaco) und auch Mahmoud Dahoud (Dortmund) macht sich Hoffnungen.

Gruppengegner sind Dänemark (17.6.), Serbien (20.6.) und Österreich (23.6., jeweils 21.00 Uhr). Insgesamt sind 12 Nationen am Start, aufgeteilt in drei Gruppen, nur die Gruppensieger und der beste Gruppenzweite kommen ins Halbfinale. Bei den Gegnern trifft Deutschland auf bekannte Gesichter, wie Brunn Larsen (Dortmund) bei Dänemark und Luka Jovic (Frankfurt, bald Real Madrid) bei Serbien. Österreich ist überhaupt erstmals dabei und hat sechs Bundesligaspieler nominiert. Die Gegner sind nicht zu unterschätzen, aber als Favoriten gelten eher Spanien (das seinen 5. EM-Sieg will), England und Frankreich.

Die Frauen haben ihre Weltmeisterschaft begonnen, das 1:0 gegen China wurde mit Hängen und Würgen erzielt, allerdings stoppte die kanadische Schiedsrichterin nicht die Härte der Chinesinnen, die ihnen von ihrem Trainer mit deutlichen Gesten verordnet wurde. Das war Treten und kein Fußball. Leidtragende vor allem Spielmacherin Dzsenifer Marozsan, die mit einem Zehenbruch vorerst ausfällt.

Mit Elan soll es dennoch in die nächste Runde gehen, Jugend forsch gilt auch bei den Frauen, Deutschland stellt mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren und 10 Monaten das fünftjüngste Team. Das älteste Team hat die USA, nämlich 29 Jahre genau. So alt ist auch ihre Torjägerin Alex Morgan, die beim 13:0 gegen Thailand den Rekord von fünf Toren in einem Spiel einstellte. Alter schützt also vor Leistung nicht, das 13:0 bedeutet ebenso Rekord, wie die Tatsache, dass die USA sieben verschiedene Torschützinnen hatte. Ansonsten waren die ersten Spiele eher von biederer Qualität, die schwächeren Teams stemmten sich mit Härte und Abwehrarbeit gegen Niederlagen. Es kann nur besser werden. Eine erste Bilanz ist nach der Gruppenphase fällig.

Die Nations League der Männer hat ihren ersten Sieger und Cristiano Ronaldo ist glücklich. Beim 1:0 gegen die Niederlande erzielte er ausnahmsweise nicht das goldene Tor, er freute sich dennoch über einen ersten Pokal, den er auf heimatlichen Boden in Portugal erringen konnte (bei der Europameisterschaft war ihm das nicht vergönnt). So hat die Nations League zumindest einen glücklich gemacht, allerdings hat der Wettbewerb durchaus seine Daseinsberechtigung gezeigt, ist aber auch noch nicht zu Ende. 2020 werden noch Fahrkarten für die EM 2020 ausgespielt.