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Tag: Trainer

Die Bundesliga spielt verrückt

Eigentlich ist jetzt die stille Zeit, Gelegenheit, um ein bisschen zur Besinnung zu kommen. Das wäre auch für die Fußball-Bundesliga wünschenswert, denn die präsentiert das Gegenteil: Die Bundesliga spielt verrückt. Statt Stille gibt es Paukenschläge, statt Besinnung Wirbel allerorten. Nach dem 12. Spieltag ist vieles nicht mehr, wie es vorher war. So gingen Siegesserien spektakulär zu Ende.

Fangen wir oben an. Nach drei Siegen in Folge grüßte Borussia Mönchengladbach ungefährdet mit vier Punkten Vorsprung von der Tabellenspitze. Heimlich wurde schon die Herbstmeisterschaft ins Visier genommen. Doch davon ist keine Rede mehr. Ausgerechnet ein Aufsteiger stoppte den Möchtegern-Weihnachtsmeister, die „Eisernen“ hielten eisern dagegen, Union Berlin siegte 2:0 und streckt Gladbach die Zunge raus, jetzt hat Union eine Serie von drei Siegen.

Möchtegernmeister – da war doch was? Dortmund muss sich gefallen lassen, dass die Borussia immer wieder auf das ausgegebene Saisonziel angesprochen wird – der Titel. Doch statt Siegesfreuden herrscht Frust, dem 0:4 in München folgte ein 0:3 gegen Paderborn, gut, bis zur Halbzeit, dann rappelte sich das Team noch und schaffte den Ausgleich. Doch das 3:3 wurde als Niederlage wahrgenommen und Kapitän Marco Reus moserte, „das darf nicht passieren“. Dazu kam ausgerechnet die Jahreshauptversammlung, Boss Watzke beruhigte Trainer Lucien Favre und zählte ihn gleichzeitig an. Er darf vorerst bleiben, die Bewährungsproben folgen aber in der Champions League in Barcelona und am Samstag in Berlin. „Es kommt auf die Ergebnisse an“, macht Watzke deutlich. Für den Coach heißt das: Wende oder Ende!

Ähnlich sieht es beim Gegner Hertha BSC aus. Mit viel Optimismus wurde die Saison angegangen, doch die Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus: Abstiegskampf. Vier Niederlagen in Folge hinterlassen Spuren, ein 0:4 in Augsburg darf nicht passieren und so ergeht es Trainer Ante Covic wie dem Kollegen Favre: Ergebnisse zählen, sprich Siege. Über seine Zukunft wird im Verein diskutiert. Wenn Covic am Samstag noch auf der Hertha-Bank sitzt, könnte es zum Showdown kommen – Covic oder Favre, wer verliert, muss gehen. Trainer-Schicksal. Bei Hertha gerät allerdings auch Manager Michael Preetz immer mehr in die Kritik. Die Saisonplanung, die nicht aufging, hat er zu verantworten.

Beim FCA ist das Gegenteil der Fall, zwei Siege in Folge haben Verein und Trainer aus der Schusslinie gebracht. Doch Heckenschützen gibt es immer, jetzt schoss Michael Gregoritsch gegen den Verein („Ich will weg“) und schaute deshalb suspendiert zu. Der FCA ist dabei, das Image des bodenständigen Vereins zu verlieren, motzende Spieler werden dort zu Mode. Das gehört nicht zu einem seriösen Geschäft, aber vielleicht zu einer verrückten Bundesliga.

Trainerwechsel sind wieder attraktiv geworden, weil anderswo die positiven Auswirkungen sichtbar werden. Am Auffälligsten in München, bei den Bayern herrscht nach dem Abgang von Niko Kovac plötzlich eine ganz andere Stimmung. Kein Motzen mehr, keine Zweifel mehr, dafür bei allen ein Lachen und Lob für Nachfolger Hansi Flick. Die Bilanz: Drei Spiele, drei Siege, 10:0 Tore. Unter Kovac schimpften die Spieler, wenn sie ausgewechselt wurden, bei Flick lachen sie. Statt dem Ende die Wende. Jetzt wird wieder gerechnet, an Weihnachten wollen die Bayern Tabellenführer sein, so wie es sich (aus ihrer Sicht) gehört. Seltsam: Der geschasste Niko Kovac ist sowohl in Dortmund als auch bei der Hertha als möglicher Nachfolger im Gespräch. Die Bundesliga spielt verrückt.

Vielleicht spielt auch hier ein seltsames Beispiel eine Rolle. Achim Beierlorzer musste in Köln gehen und heuerte wenige Tage später in Mainz an. Motto: Es muss halt passen, der richtige Trainer im richtigen Verein. In Köln passte es nicht (in Köln passt wohl gar nichts), in Mainz offensichtlich schon, der 5:1-Sieg in Hoffenheim war verrückt. Die Hoffenheimer befanden sich schließlich im Höhenflug: Fünf Siege in Folge. Und dann mischt Mainz den Gastgeber auf, obwohl eine Halbzeit in Unterzahl. Achim Beierlorzer machte aber hinterher deutlich, dass Trainer auch ein Herz für Kollegen haben, er lobte die gute Arbeit von Vorgänger Sandro Schwarz.

Es zeichnet sich ab, dass in der Adventszeit in der Bundesliga weiterhin keine Stille herrschen wird, keine Besinnung, wenn die erste, zweite, dritte und vierte Kerze brennt, sondern eher steht irgendwo das ganze Haus in Flammen, weil die Ergebnisse eben nicht stimmen. Ob die abartige Pyrotechnik der Ultras da fast schon bezeichnend ist?

Übrigens: In dieser Woche steht die vorletzte Runde der Gruppenphase in Champions League und Europa League an. Mal sehen, ob das Geschehen aus der Bundesliga abfärbt und wir auch international sagen müssen: Ein bisschen verrückt…

Transfer-Poker ist eine Gefahr im Bundesliga-Finale

Die Fußball-Mannschaften in allen Ligen befinden sich mitten drin im Saison-Finale. Die Spannung steigt und eigentlich sollten sich alle auf den Sport konzentrieren, darauf, den Kampf um Meisterschaft, Auf- und Abstieg zu bestehen. Doch tun dies Vereinsverantwortliche, vor allem aber Trainer und Spieler wirklich? Besonders im Profi-Fußball spielt auch die neue Saison schon eine große Rolle. Der Sport, und sei die Situation auch noch so brisant, wird in den Hintergrund gedrängt, die Transfers, so hat der Beobachter das Gefühl, spielen die Hauptrolle. Der Transfer-Poker ist aber eine Gefahr für die Bundesliga! Wo haben die Spieler ihre Gedanken? Können sie wirklich die Verhandlungen ausblenden und sich auf die Gegenwart konzentrieren? Nicht immer hat man das Gefühl, dass die Spieler auf dem Feld hundertprozentig bei der Sache sind.

Die Medien lieben den Transfer-Poker, denn leichter sind Schlagzeilen nicht zu bekommen, man kann vor allem so herrlich spekulieren, während es sich die Klubs angewöhnt haben, eine Erfolgsmeldung erst nach getätigter Unterschrift zu verbreiten. Stars werden mit großem Brimborium vorgestellt, bei Spielern, die den Kader eher nur auffüllen sollen, reichen ein paar Zeilen. Aber egal, die Medien stürzen sich auf jedes Gerücht und so heißt es zum Beispiel marktschreierisch „Transfer-Schlacht um die Stars“. Im Transfer-Geschäft wiederum heißt es, den Spieler zu überzeugen bzw. die notwendigen Scheine eben auf den Tisch zu legen.

Auffallend in diesem Jahr ist, dass es nicht nur um die Spieler geht, sondern verstärkt auch um Trainer und Sportdirektoren. Die Fluktuation war in diesem Jahr auf diesen Posten so groß wie noch nie, einige Klubs (z. B. Gladbach und Hertha) kündigten schon frühzeitig an, dass die Trainer im Sommer gehen müssen. Gladbach, Wolfsburg, Hertha, Schalke, Stuttgart, Nürnberg und Hannover suchen Trainer für die neue Saison. Eine Schlacht also auch um die Trainer. Dazu werden Manager gesucht und vor allem neuerdings „Kaderplaner“. Ein alter Job mit neuem Namen, aber einfach „in“. Wenn die Kaderplanung nicht funktioniert, geht aber nicht zuerst der Kaderplaner, sondern immer noch der Trainer. Oft aber nicht mehr alleine…

Ein Drittel der Vereine, außer Leverkusen alle im Abstiegskampf, hat sich über einen Trainerwechsel Besserung erhofft. Der Glücklichste ist wohl der FC Augsburg, denn mit Martin Schmidt für Manuel Baum wurde quasi der Klassenerhalt eingekauft. Der Schweizer legte einen spektakulären Start hin mit Siegen in Frankfurt und gegen Stuttgart, das „Endspiel gegen den Abstieg“. Schmidt war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Vorgänger Baum hatte die Mannschaft in Schuss, aber er hat offensichtlich die Spieler mit Taktik überfrachtet, so dass sie nicht mehr befreit aufgespielt haben. Martin Schmidt hatte eine einfache Lösung, bringe Spaß in den Laden und er läuft – das 6:0 gegen den VfB war der Beweis.

Die Ereignisse rund um dieses Spiel hatten eine Besonderheit: Stuttgarts Coach Markus Weinzierl musste noch am gleichen Tag seinen Hut nehmen. Der neue Sportdirektor Thomas HItzlsperger (für Michael Reschke) wollte die Saison zwar mit Weinzierl durchziehen, aber jetzt zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Jetzt war Weinzierl selbst der Betroffene beim FCA-Sieg, als der Straubinger noch FCA-Trainer war, wechselte der VfB schon dreimal den Trainer nach einer Niederlage gegen Augsburg! Wehe, wenn Stuttgart auf den FCA trifft! Junioren-Trainer Nico Willig soll es für den Rest der Saison richten, er arbeitete mit der U19 überaus erfolgreich. Kann er auch die Bremsen lösen?

Augsburg zog an Schalke (2:5 gegen Hoffenheim) vorbei und hat den Klassenerhalt fast sicher. Dahinter herrscht nur Tristesse. Allein Nürnberg scheint sich gegen den drohenden Abstieg zu wehren und macht trotz Niederlagen eine gute Figur. Gerettet haben sich endgültig Mainz (dort wurde groß gefeiert, weil der Klassenerhalt vier Spieltage vor Saisonende ein Erfolg ist) und die Hertha, doch bei den Berlinern war das 0:0 gegen Hannover fast schon wieder ein Offenbarungseid. Ob die Spieler mit ihren Gedanken bei neuen Vereinen sind?

An der Spitze nichts Neues, die Bayern und Dortmund gaben sich keine Blöße, die Münchner taten sich aber beim 1:0 gegen Bremen schwerer, vergaben viele Chancen und siegten durch einen abgefälschten Schuss von Niklas Süle. Die Borussia hatte das Glück des frühen Tores, danach lief es beim 4:0 gegen Freiburg fast allein. Derby-Aufgaben warten, Schalke muss allerdings schon über sich hinaus wachsen, um eine Chance zu haben, der Club in Nürnberg macht sich mehr Hoffnung gegen die Bayern. Schalke hat einen Anreiz: Ein Erfolg über die verhassten Dortmunder sorgt für Wiedergutmachung bei den Fans.

Der Pokal sorgt für Abwechslung

Das Duell Bayern – Werder geht ja weiter, jetzt am Mittwoch in Bremen im DFB-Pokal. Höhepunkt und Abwechslung von der Bundesliga zugleich. Zwei schlechte Nachrichten für die Münchner, die im letzten Jahr im Finale gegen Frankfurt und ihren jetzigen Trainer Niko Kovac unterlagen: Ausgerechnet Torschütze Niklas Süle ist gesperrt (dafür kann Mats Hummels wieder spielen) und die Bremer haben eine beeindruckende Heimbilanz – seit April 1988 sind sie im Pokal im Weserstadion ungeschlagen. Allerdings stand Werder zuletzt 2011 in einem Halbfinale, Bayern ist dort Stammgast. Aber das „Vorspiel“ in der Bundesliga machte deutlich, leicht wird es nicht für die Bayern. Immerhin: Trainer Kovac weiß, wie man ins Finale kommt. Notfalls mit ein wenig Spielglück…

Im zweiten Halbfinale sind die Rollen klar verteilt. Da der selbst in der zweiten Liga strauchelnde Hamburger SV, dort der RB Leipzig, der in der Bundesliga einen Lauf hat und die Champions League anpeilt. Leipzig wird zwar inzwischen als starker Verein akzeptiert, aber ein Teil der Ultra-Fans lässt nicht locker mit Schmähungen gegen Besitzer Red Bull und RB-Funktionäre. In Gladbach traf es Trainer-Manager Ralf Rangnick mit Sprüchen unter der Gürtellinie. Schade, dass bei einem Teil der Fans die Vernunft abhanden gekommen ist. Unbeeindruckt davon peilt Leipzig den größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte an. Für den HSV wäre der Aufstieg in die Bundesliga wichtiger. Allein die Pokalprämien helfen dem Altmeister aber ein wenig.

Übrigens: Die Bayern haderten mit dem Ausscheiden in der Champions League, dabei sind sie ja im Halbfinale vertreten. Allerdings „nur“ bei den Frauen, da verloren die Bayern-Mädchen jedoch das Heimspiel mit 0:1 gegen den FC Barcelona, machen sich aber für das Rückspiel am Sonntag (Spielbeginn 12.00 Uhr!) noch Hoffnung. Barcelona will die Frauen aber stärker unterstützen, als es wohl die Bayern tun, der Barca-Präsident verkündete bereits: „Der Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auf Europas Bühnen dominierten zuletzt die Franzosen von Olympique Lyon und Paris St. Germain, der VfL Wolfsburg war wohl der größte Gegner, aber auch Arsenal und Chelsea London rüsten auf und wollen in Europa mitmischen. Da müssen sich die Bayern strecken, wenn sie weiter vorne mitmischen wollen.

De nachfolgende Kommentar widmet sich der Champions League der Männer: Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa.

Fußball-Trainer drehen den Spieß um

 

Das normale Geschäft im Profi-Fußball geht so: Spielt die Mannschaft schlecht und es besteht die Gefahr, dass die anvisierten Ziele nicht erreicht werden, vielleicht sogar der Abstieg droht, dann muss der Trainer gehen. Der Trainer ist bekanntlich das schwächste Glied in der Kette. Vorstand und Manager oder Sportdirektor haben die Macht, eine ganze Mannschaft kann man schlecht austauschen. Mit warmen Worten wird der Coach verabschiedet, er hat tolle Arbeit geleistet, aber es hat halt nicht gepasst. Eine hohe Abfindung versüßt den zeitweiligen Ruhestand.

Inzwischen hat sich das Blatt allerdings gewendet. Gerade in dieser Saison ist es in der Fußball-Bundesliga auffällig, wie viele Trainer im Gespräch sind, ihren Verein von sich aus frühzeitig zu verlassen. Die Fußball-Trainer drehen ganz einfach den Spieß um. Sie sagen zum Saisonende ihrem Verein, ich habe gern bei Dir gearbeitet, aber ich habe Größeres vor. Ade Abstiegskampf, willkommen Champions League. So ungefähr. Es gehört wohl auch zum Geschäft, dass interessierte Vereine Trainer auf ihrem Zettel haben, die woanders noch untere Vertrag stehen. Mit Millionen lassen sich Verträge auflösen.

Bisher kannte man es nur von den Spielern, dass sie ihre Vereine vorzeitig verlassen wollen und andere, höhere Ziele anstreben. Nach dem Bosman-Urteil war es sowieso üblich, dass der Vertrag vorzeitig beendet wurde, damit der Verein noch eine Ablösesumme kassieren kann. Jetzt also auch bei den Trainern. Nehmen wir das Beispiel Markus Weinzierl beim FC Augsburg. In Zeiten, als er schon bei anderen Klubs begehrt war, setzte er ein Zeichen und verlängerte seinen Vertrag beim FCA bis 2019. Jubel im Verein und bei den Fans. Kaum beachtet, aber wohl Wahrheit: Sollte ein gutes Angebot kommen, könne Weinzierl gehen. Der Verein hat dann zwar ein paar Millionen Euro, aber keinen Trainer mehr.

Weinzierl steht nicht allein da, auch Ralph Hasenhüttl in Ingolstadt hat noch einen Vertrag, flirtet aber heftig mit anderen Vereinen. Die Gerüchteküche kocht. Mittendrin der RB Leipzig, wo Manager Ralph Rangnick die Doppelrolle als Trainer nicht mehr spielen möchte. Viele Namen kursierten, auch Weinzierl war im Gespräch, aber jetzt scheint es auf Hasenhüttl hinaus zu laufen. Das Problem: Erst muss Leipzig in die Bundesliga aufsteigen, damit der Verein für den Österreicher überhaupt interessant wird. Oder nimmt er notfalls den Umweg über die 2. Bundesliga in Kauf? Aber die Brause von Red Bull scheint in Leipzig attraktiver zu sein, als Audi in Ingolstadt.

Seltsam ist, dass Trainer zum Ende der Saison angezählt werden, obwohl ihre Vereine gar nicht so schlecht dastehen. Andre Breitenreiter steht bei Schalke 04 auf verlorenem Posten. Da gibt es Theater um den scheidenden Manager Horst Heldt und den künftigen Manager Christian Heidel, der derzeit noch für seinen alten Verein Mainz 05 arbeitet, aber dennoch Schalke im Visier hat. Offensichtlich mit Markus Weinzierl als neuen Trainer. Breitenreiter kam vor der Saison als Hoffnungsträger, legte den besten Saisonstart aller Zeiten hin und dann ging die Luft aus. Offensichtlich machte er sich im Umfeld unbeliebt, aber nicht bei der Mannschaft. Sollte Weinzierl kommen, könnte er von Anfang an zwischen den Stühlen sitzen. Vom beschaulichen Augsburg ins Chaos von Schalke 04? Wer nach oben will, muss leiden können!

Auch bei Borussia Mönchengladbach wurde Trainer Andre Schubert gefeiert, als er Lucien Favre abgelöst hatte und mit der Mannschaft eine Siegesserie hinlegte. Der Verein konnte gar nicht anders, als der öffentlichen Meinung nachzugeben, dass Schubert, eigentlich als Übergangslösung gedacht, bleiben müsse. Doch seit der Vertragsverlängerung ist der Lack ab, Gladbach rutschte ab, zeigt vor allem eine bedenkliche Auswärtsschwäche. Bezeichnend, dass Schalke und Gladbach bei 45 Punkten beide um einen Platz im europäischen Wettbewerb fürchten müssen, also die Trainer angezählt sind. Hier gilt noch das alte Geschäft.

In Bremen wissen sie nicht so recht, was sie machen sollen. Da soll Trainer Viktor Skripnik die Klasse halten, dennoch wird er angezählt. Geschäftsführer Thomas Eichin zeigt sich mutig und hält am Trainer fest, macht allerdings unterschwellig deutlich, dass diese Treue nur bis zum Ende der Saison gilt. Skripnik macht eine mürrische Miene zum bösen Spiel, zog mit dem 3:2-Sieg aber den Kopf aus der Schlinge. Werder ist für ihn eine Herzensangelegenheit, sonst hätte er schon lange ebenfalls den Spieß umgedreht.

Neu ist auch, dass sich die Trainer heutzutage gern die Freiheit nehmen, ein sogenanntes Sabbatjahr einzulegen. Das können sich freilich nur die großen Namen leisten. Bestes Beispiel war Pep Guardiola, der beim FC Barcelona vorzeitig ging, weil er ausgebrannt war. Nach einem Jahr Pause entschied er sich für den FC Bayern München, zeigte aber auch frühzeitig an, dass er seinen Dreijahresvertrag nicht verlängern würde. Immerhin erfüllt er ihn bzw. darf ihn erfüllen. Ob am Ende auch die Erfüllung steht, nämlich das Triple, das steht in den Sternen. Möglich auch, dass er wieder Pech hat. In München löste er Alt-Meister Jupp Heynckes ab, der sich mit dem Triple verabschiedete. Bei Manchester City sollte Guardiola endlich für internationale Erfolge sorgen, aber gerade jetzt liefert die Mannschaft ihre beste Saison und steht im Halbfinale der Champions League. Armer Pep, wenn City gerade jetzt die Champions League gewinnt…

Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti kommt übrigens ebenfalls ausgeruht zu den Bayern. Er hat nach seiner Aufgabe bei Real Madrid ein Sabbatjahr hinter sich, hat sich abwechseln in Vancouver und New York vergnügt. Es scheint, wir müssen die Fußball-Trainer nicht bemitleiden. Sie haben immer mehr das Heft des Handelns in der Hand.