Olympia ist nur noch schöner Schein

Es waren glückliche Tage für das Internationale Olympische Komitee (IOC). Am Samstag tanzten die IOC-Granden bei der Eröffnung ihres neuen Hauptquartiers in Lausanne, am Montag gab es den nächsten Jubel bei der IOC-Vollversammlung, als Mailand die Olympischen Winterspiele für 2026 bekam. Die Welt des IOC war wieder in Ordnung, zumal abseits davon neue Sponsorenverträge abgeschlossen wurden. Doch die Zufriedenheit ist nur oberflächlich, Olympia ist nur noch schöner Schein, der Kampf um die echten Werte der Olympischen Spiele ging schon lange verloren. Geblieben ist die Jagd nach Geld und Ruhm.

Früher drängte sich alles um Olympia, der Höhepunkt für die Sportler, eine Auszeichnung für die Städte und Länder. Heute haben die Kritiker die Oberhand, nachdem Olympia immer mehr dem Kommerz verfiel und zur Geldmaschine verkommen ist. Die Bevölkerung ging auf die Barrikaden und heute heißt das Motto eher „Hände weg von Olympischen Spielen“. In Deutschland überwiegt ebenso die Skepsis, wenn es um Olympia geht, wie in anderen Ländern. In München und Hamburg stoppten Olympia-Gegner alle Bewerbungsgedanken. Ebenso war es vor der Vergabe für die Winterspiele 2026 in Innsbruck, Calgary und Sion/Schweiz, die Skepsis überwog, die Bevölkerung zog nicht mit. Olympia schön und gut, aber nicht bei und nicht mit uns.

Und so darf man die Zufriedenheit beim IOC verstehen, es herrscht erst einmal wieder Ruhe, die Spiele sind gesichert bis 2028. Es war ja schon bezeichnend, dass bei der Vergabe der Sommerspiele für 2024 am Ende nur die Kandidaten Paris und Los Angeles übrig blieben und in einem Handstreich gleich beide Städte zum Zug kamen, hier atmete das IOC auf, denn wer weiß, welche Interessenten danach noch zur Verfügung stehen. Bezeichnend, dass vor allem totalitäre Staaten nach Olympia greifen, wo die Menschenrechte eher mit den Füßen getreten werden, aber sie sehen noch die Chance, mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele international Glanz zu ergattern. Der schöne Schein eben.

Das IOC hat sich selbst eine gewisse Zurückhaltung auferlegt. So soll das Wettrüsten der Städte beendet werden, Korruption eingedämmt und der Umweltschutz in den Vordergrund rücken. Doch ein Zurück zum Ursprung, zum Beispiel atmosphärisch beeindruckende Spiele wie in Lillehammer 1994, wird es nicht mehr geben. Olympia hat seine Zentralität verloren, ein echtes Olympisches Dorf mit dem entsprechenden Erlebnis für die Sportler ist Vergangenheit, allein damit hat Olympia seine Seele verloren. Mailand gewann gegen Stockholm, weil es mit der Zustimmung der Bevölkerung punkten konnte, während es in Schweden unsicher war, wie Olympia ankommen würde. 47 zu 34 Stimmen machen deutlich, dass den IOC-Mitgliedern Mailand das geringere Übel war. Zumal eines ja gesichert war, Olympia ist zurück in Europa nach der Asien-Tour von 2014 (Sotschi) bis 2022 (Peking).

Denn Mailand als Hauptort der Spiele wird eher ein Nebenschauplatz sein. Die Wettbewerbe im Schnee werden verstreut in den Dolomiten stattfinden, nicht nur in Cortina d’Ampezzo, das als zweiter Austragungsort genannt wird und das den Glanz der letzten Spiele von 1956 zurückgewinnen will, sondern eben auch in Valtellina, im Fleimstal und Antholz. Von Mailand aus sind Strecken über 400 km zurückzulegen und das auf engen, wenig ausgebauten Straßen. Das zeigt die Zerrissenheit der Spiele und die Sportler müssen damit leben, dass Olympia inzwischen zu einer Anhäufung von einzelnen Wettbewerben wurde. Das IOC hat Glück, dass eine Medaille bei Olympia immer noch einen besonderen Wert hat.

Ein großes Fragezeichen bleibt allerdings, nämlich die Entwicklung von Politik und Wirtschaft in Italien, die derzeitige Regierung lebt bekanntlich über ihre finanziellen Verhältnisse. Aber die Italiener werden es schon schaffen, am Ende haben sie immer noch alles hingekriegt. So war es ja auch in Turin 2006.

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