Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: US Open

Wenn Golf-Profis wie Amateure spielen

Ja, es gibt noch etwas anderes als die Fußball-Weltmeisterschaft. Den Sport-Grantler hatten die US Open im Golf am Wochenende in seinen Bann geschlagen. Er rieb sich die Augen, als er das Ergebnis vom deutschen Vorzeige-Golfer Martin Kaymer las: +13! Also, das kennt er aus seiner Anfangszeit, als ein zweistelliger Score zum Standard gehörte. Haben also die Profis auf dem wohl besonders schweren Kurs vom Shinnecock Hills Golf-Club in Southampton/New York wie Amateure gespielt? Zur Wahrheit gehört, nicht ganz, Kaymer hatte das niederschmetternde Ergebnis nach 18 Loch auf seiner Scorekarte, beim Sport-Grantler war es das Ergebnis an einem Loch… Anfänger halt.

Aber die Profis müssen sich bei den US Open auch als Anfänger gefühlt haben. Schon im Vorfeld hieß es sinngemäß, „die wollen uns zeigen, dass wir schlechte Golfer sind“. Der Platz ist bekannt für seine Brutalität, dazu wehte am ersten Tag ein stürmischer, wechselnder Wind von rund 40 km/h. Gute Bedingungen war das nicht. Auch Golf-Star Tiger Woods, der zu den Favoriten gehörte, reihte sich bei den „Amateuren“ ein. Bereits am ersten Loch verlor er alle Chancen mit einem Triple-Bogey, also drei Schläge über Par. Tiger Woods war nach zwei Tagen noch einer der besseren ehemaligen Weltranglisten-Ersten, die am Cut scheiterten und nach Hause gehen durften. Jordan Spieth (USA) spielte neun über, Rory McIlroy (Nordirland) wie Woods eine Zehn, Jason Day (Australien) kam auf +12 und Adam Scott (Australien) auf +13. Die hatte Kaymer, man glaubt es kaum, er war auch mal Weltranglisten-Erster, nach dem ersten Tag, nach dem zweiten war er mit +18 gerade mal 136. Erstaunlich, dass zum Letzten immer noch eine große Lücke klaffte, dies war der Engländer Scott Gregory mit +27, er brauchte 92 (+22!) und 75 Schläge auf dem Par-70-Kurs! Ach, da lacht sich der Amateur doch ins Fäustchen, wenn Profis so schlecht sind.

Eigentlich ist es doch toll, wenn die Besten der Welt so gefordert werden. Die Spannung steigt und Ergebnisse von 20 Schlägen und mehr unter dem Platz-Standard zeigen somit eigentlich nur, wie leicht der Platz für Profis ist. Da sollte ein Monster wie Shinnecock Hills nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel sein. Damit das Ergebnis aber nicht gar so schlecht ausfällt, hatten die Organisatoren am letzten Tag noch ein Einsehen, machten die Fahnenpositionen leichter als vorgesehen und wässerten die spiegelglatten Grüns, damit die Stars nicht beim Putten verzweifelten. Dennoch gab es keinen Spieler, der im Gesamtergebnis der vier Tage unter Par blieb. Glücklicher Sieger war am Ende der Amerikaner Brooks Koepka mit +1, der damit seinen Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen konnte und 2,16 Millionen Dollar Siegprämie kassierte. Das war dann doch zumindest für ihn ein schönes Schmerzensgeld für all die Widrigkeiten.

Es war schon eine seltsame Konstellation, das gleich sechs ehemalige Nummer eins des Golfs den Cut nicht schafften. Vergleicht man das mit dem Fußball, wo bei der WM in Russland der „Cut“ nach den Gruppenspielen gezogen wird, dann könnten Brasilien, Argentinien, Uruguay, Spanien, England, Frankreich oder Deutschland ausscheiden. Na gut, alle wird es nicht erwischen, aber vielleicht den einen oder anderen. Und was Deutschland angeht, da sind Schwedens Golfer weitaus besser als die deutschen Spitzenspieler. Im Fußball gilt dagegen Deutschland als besser, aber so eine Fußball-Weltmeisterschaft kann auch ganz schön brutal sein. Und auch Fußball-Profis stellen sich manchmal wie Amateure an. Am Ende heißt es hoffentlich nicht, Deutschlands Fußballer sind aber die besseren Golf als die Schweden…

Über die Fußball-Weltmeisterschaft kann man im nächsten Kommentar lesen und bald gibt es auch wieder zur WM einen neuen Text.

Der Davis-Cup und andere Probleme im Tennis

Die Trophäe ist ein wuchtiger Pokal, der Wettbewerb hatte einst auch eine wuchtige, eine große Bedeutung. Früher gierten die Spieler danach, im geschichts- und prestigeträchtigen Wettbewerb antreten zu können, heute ist er eher zu einem Ärgernis verkommen, zu einer Belastung. Die Rede ist vom Davis-Cup, dem bedeutendsten Mannschaftspokal im Tennis. Im Zeichen des Profi-Tennis sind geldträchtige Turniere für die Spieler allerdings wichtiger, zumal sie um Weltranglistenpunkte kämpfen müssen. Heute heißt es „Davis-Cup? Ach bitte, das muss auch ohne mich gehen“. Der Davis-Cup ist also zum Problem geworden, aber er ist nicht das einzige Problem im deutschen und internationalen Tennis.

Eines hat Tennis mit vielen anderen Sportarten gemeinsam: Die Belastung für die Profis ist einfach zu groß geworden. Ist der Sport publikumswirksam, also attraktiv, dann drängen sich die Veranstalter an die Fleischtöpfe, um auch ein paar Bissen abzukommen. Attraktiv ist ein Turnier allerdings nur, wenn auch Stars präsentiert werden können. Die jetten dann rund um die Welt, bis sie ein Stoppzeichen bekommen – von ihrem Körper. Die Jagd nach Geld und Punkten findet ein jähes Ende. Siehe das letzte Grand-Slam-Turnier, die US Open: Die Liste der fehlenden Stars war größer als die derer, die auf dem Court zu sehen waren. Andy Murray (Großbritannien), Novak Djokovic (Serbien), Stan Wawrinka (Schweiz), Kei Nishikori (Japan) und Milos Raonic (Kanada) fehlten alle. Da war der Weg frei für Rafael Nadal (Spanien), zumal sich Roger Federer (Schweiz) vorzeitig im Viertelfinale verabschiedet hatte. Die beiden teilten sich übrigens in diesem Jahr die große Titel. Nadal siegte in Paris und New York, Federer in Melbourne und Wimbledon. Wobei vor allem der 36jährige Federer ein Beispiel dafür ist, wie man heute mit seinem Körper umgehen muss: Er legt immer wieder Pausen ein, verzichtet auf Turniere, konzentriert sich auf Höhepunkt.

Wenn im Alter (36 Jahre sind im Profi-Sport ein hohes Alter) der Körper nicht mehr so will, ist mehr der Kopf gefragt, die Geldgier weicht der Vernunft. Junge Spieler wollen in erster Linie eins: Nach oben in der Weltrangliste und in der Geldrangliste. Irgendwann rächt sich die strapaziöse Jagd nach Ruhm und Reichtum. Ein Opfer einer solchen Überbeanspruchung wurde auch der Golf-Star Tiger Woods. Der dominierte einst das Golf-Geschehen, aber dann spielten Geist und Körper nicht mehr mit. Die Veranstalter zahlten horrende Summen, weil nur Tiger Woods die große Publicity garantierte. Der Tiger spielte und kassierte bis es nicht mehr ging.

Zurück zum Tennis. Wenn die Stars sowieso schon ihre Turniere reduzieren müssen, dann zeigen sie eigentlich fast logisch dem zusätzlichen Nationenwettbewerb Davis-Cup ihre kalte Schulter. Die deutsche Mannschaft kann ein Lied davon singen, Die Spitzenspieler Alexander und Mischa Zverev sowie Altstar Philipp Kohlschreiber sagten ab. Schonung war angesagt, kein Davis-Cup. Mit der B-Besetzung gelang mit Ach und Krach dennoch der Klassenerhalt der Weltgruppe, Deutschland blieb erstklassig. Eines ist gewiss: Ärger um die Teilnahme gibt es auch in der nächsten Saison.

So muss der Weltverband über seinen Schatten springen. Warum muss der Davis-Cup jedes Jahr ausgespielt werden? Olympische Spiele gibt es ebenso im Vier-Jahres-Rhythmus wie die Fußball-Weltmeisterschaft. Das würde auch dem Davis-Cup gut tun und könnte sogar noch seine Bedeutung steigern. Wenn der Cup nicht mehr zur Belastung wird, sind die Stars auch wieder dabei und können so wieder die Helden der Nation werden. Heute sind sie bei einer Absage nur die Buhmänner. Das ist weder gut für das Tennis noch für den Davis-Cup.

Beispiel Tiger Woods: Sport ist Kopfsache

Beispiel Tiger Woods: Sport ist Kopfsache

Für einen Sportler ist es das Schlimmste, wenn er Mitleid bekommt. Insofern ist der einstige Golf-König am Ende. Eldrick Tont Woods, genannt „Tiger“, hat am Donnerstag und Freitag von den Zuschauern bei den US Open nur noch Mitleid geerntet. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst, nach Runden von 82 und 74 auf dem Platz mit Par 70 musste er Chambers Bay in der Nähe von Seattle nach zwei Tagen wieder verlassen. Nur drei waren schlechter als Woods, der nur noch ein zahnloser Tiger ist.

Was ist los mit Tiger Woods? Er ist das beste Beispiel dafür, dass Sport vor allem auch eine Kopfsache ist. Die Karriere als Spitzenspieler endete wohl 2008 mit dem Kreuzbandriss, 2009 kamen private Probleme hinzu. Tiger schaffte es zwar nach seiner Rückkehr 2010 noch einmal die Nummer 1 der Welt zu werden, doch zu Konstanz fand er nicht mehr. Seine Bilanz ist quasi Erinnerung: 2000/2001 der sogenannte „Tiger Slam“, als er alle vier Majors hintereinander gewann, allerdings nicht in einem Jahr. 683 Wochen war er insgesamt die Nummer 1 der Welt, von 2005 bis 2010 überragende 281 Wochen ohne Unterbrechung. 14 Major-Siege stehen zu Buche, es schien nur noch eine Frage der Zeit, dass er den Rekord von der Golf-Legende Jack Nicklaus mit 18 Major-Erfolgen übertreffen würde. Inzwischen, so scheint es, läuft dem Tiger die Zeit davon. 2008 gewann er mit den US Open sein letztes Major, 2013 feierte er ein kleines Comeback mit dem Sieg bei den Players Championship. Es war sein 78. Sieg bei seinem 300. Turnierstart. Die Bilanz der letzten Jahre 2014 und bis jetzt 2015: 0 Siege. Kürzlich war er sogar einmal Letzter. Der Tiefpunkt.

Der Ehrgeiz hat den Tiger nicht verlassen, was auch schon wieder ein Handicap ist. Tiger will zurück an die Spitze, probierte es mit neuen (und alten) Trainern und Schwungumstellungen. Nichts brachte auf Dauer Erfolg. Der Körper spielt nicht mehr mit. Die Knie sind ebenso ein Problem wie der Rücken. Der extreme Schwung hat den Körper extrem beansprucht. Aber der fehlende Erfolg ist vor allem Kopfsache.

Der Blick zurück. Tiger galt als großes Talent. Unbeschwert und tatendurstig begann er 1996 seine Profi-Karriere, die ihn zu einem reichen Mann machte. 1997 gewann er bereits sein erstes Major, das Masters in Augusta mit 18 Schlägen unter Par, neuer Rekord. Er war der jüngste Major-Sieger aller Zeiten. Alles ging von allein, der junge Tiger dachte nicht viel nach, er spielte drauf los und gewann drauf los, die Welt bewunderte ihn.

Diese Leichtigkeit ist zusammen mit dem überbordenden Selbstvertrauen in den Krisenjahren von 2008 bis 2010 verloren gegangen. Der übermenschliche Seriensieger wurde menschlich und zu einem normalen Spieler. Seine Aura ist ungebrochen, wo er auftaucht, steht er im Mittelpunkt, der Tiger stiehlt seinen Kollegen noch immer die Show. Aber dort wo Tiger draufsteht, ist der echte Tiger nicht mehr drin. Heute gewinnt er mit seinem Spiel keine Millionen mehr, heute bekommt er nur noch Mitleid.

Gibt es noch einmal eine Rückkehr des alten Tigers? Das wäre eine Sensation. Tiger Woods wird wohl nie mehr zu der gebotenen Leichtigkeit finden. Je tiefer er sinkt (nicht einmal mehr unter den besten 200 der Welt), umso mehr zerfrisst ihn der Ehrgeiz – und das ist keine gute Basis für Erfolge. Nur wenn Tiger seinen Ehrgeiz besiegt, kann er auch auf dem Platz wieder Siegen – Kopfsache halt.

Der Tiger als Beweis, dass Sport Kopfsache ist. Alle anderen Sportler kennen es auch. Mannschaftssportler sprechen oft von einem „Lauf“. Sie haben eine Erfolgsserie und wissen eigentlich gar nicht so genau warum. Umgekehrt fehlt manchmal der beschworene „Lauf“ und keiner weiß warum. Die Leichtigkeit des Seins führt zur Leichtigkeit der Siege. Doch dies zu erreichen ist das Schwierige am Leistungssport. Darunter leiden auch Amateure, wenn sie zu ehrgeizig an den Start gehen. Ein guter Rat vom Sport-Grantler: Locker bleiben!