Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Vierschanzentournee

Manche haben Freude, wenn der Fußball mal pausiert

Von England brauchen wir nicht zu reden, in Spanien und Italien ruht der Fußball zum Jahreswechsel auch nicht, aber in Deutschland hat die Winterpause der Fußball-Bundesliga und der Ligen darunter (Amateure sowieso) Tradition. Über diese Winterpause sind einige glücklich, andere Sportarten freuen sich nämlich, wenn der Fußball mal pausiert und nutzen diese Lücke, um selbst in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu gelangen. Vor allem Eishockey, Basketball und natürlich der Skisport sind präsent.

In England ist dies anders, da hat der „Boxing Day“, der Spieltag der Premier League am zweiten Weihnachtsfeiertag, Tradition, da wird der Besuch des Fußballs zum Familienausflug. Aber auf Sport muss man auch in Deutschland nicht verzichten. Der Fußball pausiert, andere haben Hochbetrieb. Die Deutsche Eishockey Liga hat von Weihnachten an sieben Spieltage innerhalb von 16 Tagen terminiert. Auch im Eishockey hofft man, dass Familien dieses Angebot für einen Ausflug in die Stadien nutzen und so etwas Abwechslung an den freien Tagen haben. Die Vierschanzen-Tournee im Skispringen wird nicht zufällig um den Jahreswechsel herum ausgetragen, sie wurde ein Highlight, hat sich etabliert und lässt den Fußball vergessen, auch die Einschaltquoten im Fernsehen sind beachtlich.

Diese Idee haben sich auch die Skilangläufer zu eigen gemacht, vor einigen Jahren wurde die Tour de Ski gegründet, ein Spektakel ebenfalls zum Jahreswechsel, doch selbst wenn es zum Abschluss im Val die Fiemme in Italien spektakulär den Berg hinauf geht, die Springer fliegen den Läufern davon. Aber dies zeigt, dass die Winterpause des Fußballs von anderen Sportarten gern genutzt wird, sie träumen ja immer davon, mal aus dem Schatten des Fußballs treten zu können.

Was das Fernsehen angeht, in punkto Präsenz in der Öffentlichkeit die Nummer 1 und den Printmedien weit überlegen, da wird gerade in Deutschland gern geklagt, dass es nur Fußball, Fußball, Fußball gebe und sonst nichts. Das sieht Axel Balkausky, ARD-Sportkoordinator, ganz anders. In einem Interview mit dem Sport-Journalist strich er heraus: „Eine so große Vielfalt an Sportarten wie in den ARD-Programmen gibt es auf der ganzen Welt nicht.“ Er legte dazu Zahlen vor: 20 bis 25 Prozent im Sportprogramm sind Fußball, der Wintersport kommt dagegen auf 35 Prozent und der Rest verteilt sich auf Sommersportarten und andere Ballsportarten. Allerdings: Eines ist auch gewiss, der Fußball holt die besten Einschaltquoten, ist das begehrteste Programm. Das werden wir 2018 im Sommer wieder bei der Fußball-Weltmeisterschaft sehen, wenn eine ganze Nation mit den Schützlingen von Bundestrainer Joachim Löw mit fiebert.

Seltsam ist, dass die Sommersportarten mit dem Wintersport nicht mithalten können, wenn der Fußball in Deutschland bei schönstem Wetter eben auch pausiert. Allerdings ist dann vielleicht die Konkurrenz zu groß, da locken Schwimmbäder und Biergärten, da wird der Sport schnell zur Nebensache. Angeblich ist er ja die schönste Nebensache der Welt, will aber gern die Hauptsache sein. Gut aber, dass der Fußball ein paar Lücken lässt, andere Sportarten freuen sich – und mancher von uns auch.

Allen Leserinnen und Lesern ein gutes und erfolgreiches Jahr 2018 und viel Spaß mit dieser Kolumne und beim Sport.

Skisport: Das Phänomen Vierschanzentournee

 

Freund Erwin sagte es klipp und klar: „Weißt Du, Skispringen interessiert mich nicht, ist doch langweilig, wenn einer nach dem anderen über die Schanze geht. Erst am Schluss gibt es Spannung. Aber die Vierschanzentournee, die schaue ich mir schon an.“ Genau diese Aussage beschreibt das Phänomen Vierschanzentournee. Mit Skispringen haben die meisten generell nichts am Hut, aber die vier Springen rund um die Jahreswende bannen die Zuschauer vor die Bildschirme oder locken sie sogar in die Stadien. Über sechs Millionen sahen die Übertragungen in Deutschland bei ARD und ZDF, Quoten, die in den letzten Jahren nicht mehr erreicht wurden und die auch Formel 1, Biathlon und Boxen (außer Klitschko-Kämpfe) als nächste Quoten-Könige (Fußball ist außen vor) schlagen. Zumindest in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen meldeten die Veranstalter außerdem „ausverkauft“. In dieser Saison war die Tournee sogar das absolute Highlight, weil es keine Weltmeisterschaft gibt.

Das Phänomen beginnt schon bei der Schreibweise. In den Medien sieht man „Vier-Schanzen-Tournee“ oder „Vierschanzen-Tournee“ oder eben „Vierschanzentournee“. Der Sport-Grantler hält sich hier an die wohl offizielle Schreibweise der Veranstalter. Das Phänomen setzt sich fort, dass sich auch viele Frauen für die Hupfer zwischen den Jahren begeistern können. Gut in Erinnerung sind noch die vielen Teenies, die vor zehn bis 14 Jahren Sven Hannawald und Martin Schmitt am Skianzug hingen. Es waren die „Zahnspangen-Fans“. Bei den Österreichern waren Andreas Goldberger, Thomas Morgenstern oder Gregor Schlierenzauer größere Stars als jeder Fußballer oder Abfahrer.

Gut, solch eine Begeisterung gab es diesmal nicht mehr. Auf deutscher Seite ist Severin Freund eher bodenständig, nicht der Glamour-Boy und außerdem in festen Händen. Die Österreicher mussten einen bitteren Rückschlag hinnehmen, denn erstmals seit 2008 (Janne Ahonen, Finnland) stellten sie nicht mehr den Sieger. Sieben Mal war zuletzt ein Österreicher auf dem Siegertreppchen ganz oben.

Der Triumphator war diesmal PeterPrevc aus Slowenien. Der große Star aus dem kleinen Land lieferte eine tolle Flugshow ab und musste nur in Oberstdorf vorzeitig landen, als ihn der Wind niederdrückte. Das rettete Sven Hannawald den alleinigen Rekord, als er 2002 als erster und bisher einziger Athlet alle vier Springen gewann. Severin Freund machte Prevc das Leben schwer, aber der Slowene wusste auf jeden guten Sprung des Deutschen eine noch bessere Antwort. Dennoch darf sich das Skispringen im Aufwind fühlen. Die Norweger stellten ebenso eine starke Mannschaft wie die Österreicher und vor allem auch die Deutschen, die mit vier Springern unter den ersten Zwölf in der Gesamtwertung vertreten waren.

Das lässt darauf schließen, dass das Phänomen Vierschanzentournee Ende Dezember in Oberstdorf eine Neuauflage der Begeisterung erlebt. Das Phänomen Vierschanzentournee wird aber auch in den nächsten Wochen deutlich werden, wenn die „normalen“ Springen über die Bühne gehen. Der Alltag der Skispringer mit vielleicht zwei oder drei Millionen Zuschauern an den Bildschirmen. Allerdings sollte sich der Internationale Ski-Verband überlegen, ob nicht der direkte Wettkampf von zwei Springern wie bei der Tournee jedes Springen interessanter machen würde. Das direkte Duell hat was für sich und lockt sicherlich Zuschauer. So aber: „Ist doch langweilig, wenn einer nach dem anderen über die Schanze geht“, sagt Freund Erwin.