Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Wolfgang Niersbach

Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs

Er war von Anfang an nur eine Notlösung, ein Kompromiss zwischen Profis und Amateuren, gelitten, aber nicht akzeptiert und am Ende eher verhöhnt, viele sehnten das Ende seiner Amtszeit herbei. Das Ende von Reinhard Grindel als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes kam nun schneller als gedacht, als Knall nach zahlreichen verbalen und sonstigen Entgleisungen. Grindel (vorher war er Schatzmeister) schaffte es nie in den 1082 Tagen seiner Regentschaft Verband, Vereine, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit hinter sich zu bringen, stattdessen schaffte er es von einem Fettnäpfchen ins andere zu treten. Ansonsten blieb er ein blasser Präsident. Krisenbewältigung war erstaunlicherweise nicht das Metier des ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Journalisten. So wurde er hinter vorgehaltener Hand als „Präsident Peinlich“ bezeichnet.

Reinhard Grindel versagte als Konfliktlöser, machte in der Affäre Özil ebenso eine schlechte Figur wie nach der WM-Pleite der Nationalmannschaft in Russland oder in Kommentaren zu Entscheidungen von Bundestrainer Joachim Löw. Noch bei seiner Abschiedsrede zählte er die Vergabe der Europameisterschaft 2024 nach Deutschland als seinen Erfolg auf, doch bei der UEFA sagen sie, Deutschland habe die EM nicht wegen, sondern trotz Grindel erhalten. Grindel versuchte sich als Vertreter der Amateure zu inszenieren, doch eine richtige Akzeptanz fand er nicht. Ein Präsident suchte seinen Weg und fand ihn nicht. Ganz im Gegenteil, Grindels Wirken machte die Schattenseiten des Fußballs deutlich.

Den Millionen von ehrenamtlichen Funktionären an der Basis, vorwiegend in den kleinen Vereinen der Dörfer tätig, die sich wirklich um den Fußball kümmern, wird suggeriert, dass dem DFB ein ehrenamtlicher Präsident vorsteht, doch dies ist beileibe nicht der Fall. Wer 170.000 Euro im Jahr als Verdienstausfall und Aufwandsentschädigung kassiert, macht dies wohl nicht ehrenamtlich. Dazu ist das Amt des DFB-Präsidenten das Sprungbrett auf die internationale Bühne, die Vorstandsämter bei FIFA und UEFA werden mit 500.000 Euro jährlich üppig dotiert. Weil das noch nicht reicht, kassierte Grindel zudem 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB Medien GmbH. Bei solchen Summen war ihm wohl das Gespür abhanden gekommen, was eine Uhr im Wert von 6000 Euro als Geschenk von einem ukrainischen Skandalfunktionär bedeutet. Für ihn eine Kleinigkeit, für andere Bestechung. Das Fass war übergelaufen. Möglicherweise auch für FIFA und UEFA.

Der DFB befindet sich wie Weltverband und europäischer Verband wieder einmal im Dilemma. Die heile Welt des Fußballs gibt es nicht mehr, der Sport tritt in den Hintergrund, korrupte und geldgierige Funktionäre bestimmen die Schlagzeilen. Der Fußball ist krank, er stinkt vom Kopf her. Der DFB ist zwar ein Sportverband, aber eigentlich ein Wirtschaftsunternehmen. Mehrere Hundert Mitarbeiter sind anzuleiten, zuletzt wies die Bilanz eine Summe von 320 Millionen Euro aus. Da ist es mit der Ehrenamtlichkeit vorbei.

Die letzten Präsidenten wie Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach (nach dem Skandal um die WM 2006) mussten wie Grindel vorzeitig gehen. Dies macht deutlich, dass der Verband eine neue Struktur mit Profis an der Spitze braucht. Die Arbeit im Verband muss von Hauptamtlichen geleistet werden, ein Aufsichtsrat hat die Entscheidungen zu kontrollieren. Aber die Diskrepanzen zwischen dem Profi-Fußball und den Amateuren machen eine Einigung auf eine neue Struktur kompliziert. Das wissen auch die beiden Interims-Präsidenten Reinhard Rauball, Präsident der DFL, und Rainer Koch, Präsident in Bayern, die als Vize-Präsidenten satzungsgemäß schon nach dem Niersbach-Rücktritt den Verband führten. Koch hat ihre Aufgaben deutlich umrissen: „Wir werden einen neuen Präsidenten erst ausgucken, wenn wir wissen, wie die neuen Strukturen aussehen“.

Es stellt sich sowieso die Frage, wer sich dieses Amt des DFB-Präsidenten antut. Eine Automatik, dass es jemand aus dem Präsidium ist, wie es früher die Regel war, soll es nicht geben, verschiedene Ex-Nationalspieler wie Philipp Lahm (hat angeblich abgesagt), Christoph Metzelder oder Oliver Bierhof werden genannt. Das klingt aber eher nach einem Feigenblatt, als nach einem Fachmann, der im Verband aufräumt.

Der Sport in den Ligen wird weitergehen, vor allem die Amateure werden wie gehabt „auf die da oben“ schimpfen. Und einen neuen Kandidaten als „Präsident Peinlich“ gibt es auch schon. FIFA-Präsident Gianni Infantino wäre bestens geeignet…

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Fußball-WM und Olympische Spiele: Ohne Geschenke geht gar nichts!

Der Korruptionsskandal rund um den Fußball-Weltverband FIFA wird uns noch Wochen und Monate in Atem halten und auch nach den Neuwahlen am 26. Februar 2016 nicht beendet sein. Mit Gelassenheit können die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf die Kollegen vom Fußball schauen. Sie haben ihren Skandal, der kleinere Ausmaße hatte, aber auch schneller abgehandelt wurde, hinter sich. Auch hier ging es um Korruption und Geschenke, aber das IOC handelte schnell, verbot größere Zuwendungen und versuchte mit Vorentscheidungen bei der Auswahl der Städte und strengeren Ethik-Regeln bei der Vergabe der Olympischen Spiele möglicher Korruption einen Riegel vorzuschieben. Allerdings ist eines gewiss: Egal, ob in der Vergangenheit oder in der Zukunft – ohne Geschenke geht bei der Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gar nichts. Die Frage ist, ob die Geschenke wirklich klein gehalten werden und das erträgliche Maß von Aufmerksamkeiten nicht überschreiten.

Früher war es so, dass die IOC-Mitglieder die Bewerberstädte besuchten, da gab es nicht nur teure Geschenke, sondern es wurde mancherorts auch zum Urlaub eingeladen und vieles mehr. Im Fußball ist wohl vor allem Geld geflossen, wie früher schon gemunkelt wurde und wie man jetzt sicher weiß. Manche Funktionäre haben es mit Hilfe der FIFA zu persönlichem Reichtum gebracht. Nicht der Sport stand im Vordergrund, sondern das eigene Wohlergehen. Insofern dürfen vor allem die Sportfans froh sein, wenn mal richtig ausgemistet wird. Aber schon jetzt zeichnet sich ab: Viel Mist wird wohl noch liegenbleiben.

Dass auch Deutschland mit der Weltmeisterschaft 2006 in den FIFA-Sumpf hineingezogen wurde, darf nicht verwundern. Das „Sommermärchen“ ist trotzdem nicht zerstört, die Erinnerung an heitere Tage bleibt ebenso wie der positive Eindruck, den Deutschland weltweit hinterlassen hat. Schon früher, als die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar in den Fokus von möglicher Korruption gerieten, brachte ausgerechnet FIFA-Präsident Joseph Blatter auch Deutschland, wohl als Ablenkungsmanöver, ins Gespräch: „Gekaufte WM…da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ.“ (Zitat Fachzeitung kicker). Jack Dempsey, der Vertreter Ozeaniens hatte zuerst für England gestimmt, sich aber dann nicht dem Votum seiner Heimat gebeugt und für Südafrika seine Stimme abgegeben, sondern ist gegangen und hat sich dem Druck entzogen. Dadurch siegte Deutschland 12:11. Bei einem Remis hätte der FIFA-Präsident entschieden und Blatter hatte Südafrika eigentlich die WM versprochen – und für 2010 das Versprechen verspätet eingelöst. Fragen wir nicht, wie…

So darf man als Außenstehender leicht vermuten, dass sich Blatter an seine früheren Unkenrufe erinnert hat und durch getreue Helfer die WM-Vergabe für 2006 ins Zwielicht gebracht hat, um vor allem seinem Hauptkritiker DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ins Zwielicht zu rücken. Beweisen kann der Sport-Grantler ebenso wie das Magazin Spiegel mit seinen Anschuldigungen nichts, aber der Sport-Grantler kennt ebenso wie der Spiegel das Geschäft. Dubios bleibt die Zahlung von 6,7 Millionen von Deutschland 2005 an die FIFA. Aber eigentlich sollte solch ein Betrag in den Büchern der FIFA zu finden sein. Oder ist es so, wie die Vereinbarung zwischen Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini ablief, wie wiederum der kicker bzw. die französische Tageszeitung Le Monde berichten. Platini sei 1998 nach der Wahl Blatters zum FIFA-Präsidenten dessen Berater geworden. Platini schildert die nicht schriftlich festgehaltene Vereinbarung so: Blatter habe ihn damals gefragt: „Was willst Du?“ Platinis Antwort: „Eine Million“. Die Gegenfrage: „Eine Million was?“ Platini war es egal, „Rubel, Pfund, Dollar“ und Blatter habe entschieden: „Okay, eine Million Schweizer Franken.“ Das waren damals etwa 925.000 Euro, in Rubel wäre es mit 93.000 Euro der FIFA billiger gekommen. Aber einen Vertrag gibt es ja nicht, also hätte Blatter diese Gelder eigentlich aus seiner Privatschatulle zahlen müssen! Wegen dieses dubiosen Geschäftes sind beide ja derzeit gesperrt.

Der Sport-Grantler mag glauben, dass Deutschland keine Funktionäre bestochen hat, doch Geschenke gab es und seien es eben Gastspiele von Bayern München oder der Nationalmannschaft gewesen. Nur wegen der schönen Stadien hat Deutschland die WM nicht bekommen. Klar ist, dass bei der FIFA nach wie vor nichts klar ist, sondern dubiose Ränkespiele weiterhin den Ruf des Fußball-Weltverbandes schädigen. Gezielte Aufräumarbeiten sehen anders aus. Der Sport-Grantler schließt sich denen an, die eine Veröffentlichung des Garcia-Reports fordern. Der frühere US-Bundesstaatsanwalt hat Ermittlungen um die Vergabe der WM 2018 und 2022 geführt und auf den 430 Seiten des Reports vermutlich das Korruptionssystem offengelegt. Wohl deshalb gibt es keine komplette Veröffentlichung.

Sind wir froh, dass in aller Welt wenigstens der Fußball rollt.