Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Das Jahr des Lewis Hamilton

Pustekuchen! Da hatten die Formel-1-Fans lange Zeit die Hoffnung, dass die Saison 2017 Spannung bis zum Schluss bringen würde, aber plötzlich gingen Ferrari und Sebastian Vettel die Puste aus und Mercedes und Lewis Hamilton wurden wieder vorzeitig Weltmeister. Und dennoch: In diesem Jahr der Formel 1 war vieles anders.

Was vor Beginn der Saison keiner gedacht hat: 2017 ist das Jahr des Lewis Hamilton. Der Titelverlust 2016 gegen den Konkurrenten im Team, Nico Rosberg, hat den Briten wohl tief getroffen. Er hat an sich gearbeitet, er scheint erwachsen geworden zu sein, ohne aber seinen Spaß am Leben mit der High Society zu verlieren. Mit 32 Jahren hat er jetzt sein Herz auch für die Technik entdeckt, wurde zum Rennwagen-Verbesserer und zur Führungspersönlichkeit. Dass Mercedes nach 2014, 2015 und 2016 zum vierten Mal hintereinander triumphierte und die Konkurrenz in Schach hielt, war ein Verdienst des gereiften Lewis Hamilton. Er bewies, dass er der beste Fahrer im Feld ist und erfüllte auch die Vorbildfunktion, die man von ihm erwartet. Der neue Formel-1-Boss Chase Carey lobte: „Keiner präsentiert den Sport besser als Lewis Hamilton.“ Ein Ritterschlag für das Feier-Biest, bei dem es scheint, als sei der Sport für ihn manchmal Nebensache. Vorbei?

Nico Rosberg wird sich nachträglich noch oft beglückwünschen, dass er mit dem Gewinn des WM-Titels seine Karriere auf dem Höhepunkt beendet hat. Er wird erkannt haben, dass er den Nervenkrieg mit dem ehrgeizigen Konkurrenten nicht ein zweites Mal gewinnen kann. Hamilton wiederum profitierte offensichtlich davon, dass er die unangefochtene Nummer 1 bei Mercedes war und vom neuen Konkurrenten, dem Finnen Valtteri Bottas, nichts zu befürchten hatte. So verlor Hamilton seine Kraft nicht im Kleinkrieg mit dem Kollegen, sondern konzentrierte sich auf Team und Auto. Formel-1-Sportchef Ross Brawn beobachtete: „Lewis ist noch einmal gereift. Es lässt sich nicht mehr so schnell von äußeren Einflüssen von seinem Weg abbringen.“ Insofern hat vielleicht auch Nico Rosberg noch einen nachträglichen Anteil an der Formsteigerung von Hamilton! Der hat jetzt seinen vierten WM-Titel nach 2008 (mit McLaren), 2014 und 2015 errungen, ist der erfolgreichste britische Rennfahrer und steht auf einer Stufe mit Alain Prost und Sebastian Vettel. Nur Michael Schumacher (7) und Juan Manuel Fangio (5) haben mehr Titel errungen.

Diese Wende war wohl auch notwendig, denn Konkurrent Ferrari hatte offensichtlich wesentliche Fortschritte gemacht. Die Italiener und ihr Fahrer Sebastian Vettel wollten Siege und träumten vom Titel. Lange Zeit waren sie auf dem richtigen Weg, schockten Mercedes gleich mit dem Auftaktsieg in Melbourne und Vettel führte zwischendurch die WM-Wertung an. Die Rennen eins, drei, sechs und elf gewann Vettel, dann war es vorbei. Es blieb bei vier Siegen, Hamilton hat zwei Rennen vor Schluss bereits neun. Seit Ferrari nach dem Erfolg am 30. Juli in Budapest quasi der Sprit ausging, siegten nur noch Hamilton und zweimal Max Verstappen.

Sebastian Vettel musste in diesem Jahr erkennen, dass ihm zum großartigen Lewis Hamilton einiges fehlt, vor allem ein starkes Nervenkostüm. Der Brite blieb auch in der Bedrängnis cool, als Vettel führte, während der Heppenheimer hektisch und zum Rambo wurde, als ihm die Felle davon zu schwimmen drohten. Bezeichnend sein Rammstoß gegen Hamilton, bezeichnend aktuell der Startunfall in Mexiko, als Vettel die Karambolage verursachte und die letzte Chance auf den Titelgewinn vergab. Vettel findet nicht das richtige Maß. Gewinnt er, jubelt er mit einem richtigen Kindergeschrei ins Mikrofon, verliert er, wirkt er ratlos. Doch er wird die Hoffnung von Ferrari bleiben, Anerkennung hat er sich dort verschafft, aber die Fußstapfen eines Michael Schumacher sind zu groß für ihn. Es liegt an den Technikern, ob das Ferrari-Hoch 2018 länger hält.

Vielleicht wird Red Bull sogar der größere Konkurrent von Mercedes und Lewis Hamilton. Das Auto ist reif für Siege, wie Max Verstappen bewies. Der 20-jährige Belgier gilt als Mann der Zukunft und wird auf Dauer der größte Konkurrent des Briten sein bzw. ihn langfristig wohl an der Spitze des Feldes ablösen. Vielleicht sogar im Mercedes. Doch das ist Zukunftsmusik. Auf jeden Fall dürfen die neuen Besitzer der Formel 1 schon zwei Rennen vor Saisonende glücklich sein: Die Formel 1 ist zurück, ist wieder interessant und hat Zukunft. Vielleicht sogar mit Elektro-Antrieb, dann schaut sowieso wieder alles anders aus. 2017 war jedenfalls das Jahr des Lewis Hamilton.

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Ein Plädoyer für den Videobeweis

Die Sportfans in Nordamerika lachen über die Diskussionen, die es im europäischen Fußball über die Einführung des Videobeweises gibt. In anderen Sportarten, vor allem eben im Profisport in Nordamerika, gehört der Videobeweis zum Alltag. Gerade im Football, Tennis und Eishockey sind strittige Entscheidungen ohne den Blick auf den Fernsehschirm undenkbar. Denken wir an knappen Entscheidungen im Tennis, ob der Ball im Aus ist oder nicht. Denken wir an das schnelle Eishockey, wo der Puck mit einer Geschwindigkeit unterwegs ist, dass das menschliche Auge gar nicht mehr erkennen kann, ob er im Netz landete oder am Gestänge. Erst der Blick auf den Bildschirm gibt oft Aufschluss.

Warum also nicht im Fußball, nicht nur in Europa, sondern weltweit in allen Profiligen. Es ist viel Geld im Umlauf, es geht nicht nur um Pokale, sondern auch um viel Geld und da müssen die Verbände nun einmal wirklich alles unternehmen, dass Fehlentscheidungen minimiert werden. Ganz ausschließen kann man sie nicht, weil es auch Ermessungsentscheidungen des Menschen gibt. Aber die ersten Spieltage in der Bundesliga zeigten bereits, dass es durch den Videobeweis ein ganzes Stück mehr Gerechtigkeit gibt. Dabei befindet man sich noch in der Testphase, Anfangsprobleme müssen erst noch ausgeräumt werden, aber eines ist sicher: Auf den Videobeweis darf der Profi-Fußball nicht verzichten!

Ein Plädoyer für den Videobeweis waren die Spiele der Mannschaften des FC Bayern München in der Champions League, da waren nämlich Männer wie Frauen Opfer von Fehlentscheidungen. Die Herren konnten das verkraften, die Damen schauten in die Röhre und schieden unverdient aus.

Die Tatsachen. Als die Bayern gegen Celtic Glasgow mit 3:0 gewannen, da war es am Ende egal, ob am Anfang ein Tor korrekt erzielt worden war (der Ball war nicht im Aus) oder nicht, ob es den berechtigten Elfmeter gab oder nicht. Aber es hätte auch anders kommen können und am Schluss könnte doch noch die Tordifferenz entscheidend sein. Aber in so einer wichtigen Liga wie der Champions League gehört der Videobeweis eingeführt. Die Frauen des FC Bayern schieden mit einem 0:1 und 2:1 durch die Auswärtstorregel gegen Chelsea London aus. Sie hätten aber weiterkommen müssen! Das Tor in London fiel aus einer Abseitsposition heraus, in München wurde den Bayern-Mädels ein klarer Handelfmeter versagt und danach noch ein korrektes Tor zum 3:1 wegen eines angeblichen Foulspiels aberkannt. Mit Videobeweis wäre nicht Chelsea in die nächste Runde eingezogen, sondern Bayern München. Krasser geht es nicht und kräftigere Argumente für die Einführung des Videobeweises wird man kaum finden.

Dazu kommt noch, dass die Bedenken vieler Fans, dass die lebhaften Diskussionen um den geliebten Fußball an den Stammtischen kein Futter mehr bekommen, entkräftet werden können. Trotz Videobeweis bleiben genügend strittige Szenen, über die man diskutieren kann. Dass mehr Gerechtigkeit dem Sport aber gut tut, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Deshalb: Im Profi-Fußball muss der Videobeweis eingeführt werden, es darf in den Top-Ligen, in der Champions- und Europa-League, bei Welt- und Europameisterschaften keine Spiele mehr ohne Videobeweis geben.

Die Trainer in der Rotations-Falle

Athleten anderer Sportarten schauen manchmal verächtlich auf die Fußball-Profis, wenn die über die sogenannten „englischen Wochen“ stöhnen, wenn sie also auch unter der Woche die Fußballschuhe schnüren und um Punkte kämpfen müssen. „Was sollen wir sagen, wenn wir zwei Tage hintereinander Spiele haben oder sogar vier in einer Woche“, schütteln vor allem Eishockey- und Basketball-Cracks den Kopf. Der einfache Fan wiederum behauptet: „Die Millionäre sollen für ihr Geld auch was tun.“ Zur Ehrenrettung der Fußball-Millionäre muss allerdings gesagt werden, dass halt jede Sportart ihre Eigenarten hat.

Die Fußball-Trainer wiederum nehmen die erhöhte Belastung, die vor allem durch die Spiele auf der internationale Bühne auftreten (da heißt es, dass vor allem die Reisen so anstrengend sind) sehr ernst. War es früher so, dass jeder Trainer seine „Stamm-Mannschaft“ hatte, die er aufs Spielfeld schickte, so ist dies schon lange nicht mehr der Fall. Die Profi-Kader wurden größer und sind im besten Fall so bestückt, dass es für jede Position zwei gleichstarke Bewerber gibt. Dies ist allerdings die Ausnahme, denn zwei Messi oder zwei Cristiano Ronaldo kann sich kein Verein leisten.

Um aber die Belastung zu reduzieren, gingen die Trainer vor einigen Jahren von der eingespielten Stamm-Mannschaft ab und erfanden die Rotation. „Belastung gleichmäßig verteilen“, hieß die Losung, die aber nicht bei allen Gefallen fand. Viele Stars motzen, wenn sie auf der Bank sitzen müssen, statt auf dem Spielfeld zu zaubern und gefeiert zu werden. So sitzen die Trainer heute in der Rotations-Falle: Da die Stars, die spielen wollen, dort die Belastung, die nach einem gleichmäßigen Einsatz der Spieler ruft. Und weil der Glücksfall des absolut ausgeglichenen Kaders eben Glücksfall ist, wartet nämlich noch eine weitere Falle: Verliert die sogenannte B-Mannschaft, dann ist Feuer auf dem Dach, dann wird die Rotation zum Rohrkrepierer oder im schlimmsten Fall zum Schleuderstuhl. Dies musste zuletzt der prominenteste Fall erkennen, als Bayern München Star-Trainer Carlo Ancelotti auf die Straße setzte, als der Italiener im wichtigen Champions-League-Spiel in Paris auf gestandene Spieler verzichtete und Kandidaten aus der zweiten Reihe eine Chance gab. Die Rotations-Falle schnappte zu und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach Luft: „Wie kann man in so einem Spiel auf erfahrene Spieler verzichten.“

Das Für und Wider zur Rotation ist so alt wie die Rotation selbst. Ein Meister seines Rotations-Fachs war einst Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld, der sowohl in Dortmund als auch später in München die Stars bei Laune hielt, rotierte und dennoch oder vor allem deshalb Titel gewann. Dies schaffte auch Jupp Heynckes bei seinem letzten Gastspiel in München, als er 2013 das begehrte Triple gewann. Rotation spielte da eine gewichtige Rolle. So wird es immer an den Trainern selbst liegen, wie sie mit ihren Stars umgehen und sie eben bei guter Laune halten. Es gibt ja auch die kleine Rotation, wo ein Star vom Feld geholt wird, wenn sich die Mannschaft auf der Siegesstraße befindet. Doch halt, eine Ausnahme gibt es: Hole niemals einen Torjäger vom Platz, wenn er um die Torjägerkanone kämpft und sich an diesem Tag weitere Treffer erhofft. Man sieht, die Rotations-Falle hat schon viele Tücken. Nicht alle Trainer können ihr erfolgreich ausweichen.

Warum Deutschland nicht Fußball-Weltmeister wird

Die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ist fast gelaufen, 23 von 32 Nationen stehen fest. Afrika sucht noch drei Vertreter und einige Play-Offs stehen noch an. Turbulent gingen die letzten Spiele in Amerika und Europa zu Ende, mit Chile und den Niederlanden fehlen in Russland prominente Vertreter, Italien muss noch bangen. Deutschland hat die Qualifikation bekanntlich ungeschlagen mit einem neuen Weltrekord beendet. Ist die DFB-Elf, immerhin auch Erster der Weltrangliste, damit der logische Favorit? Vorsicht! Der Sport-Grantler sagt, warum Deutschland nicht Fußball-Weltmeister wird.

Es wäre ja zu schön, wenn Deutschland erstmals nach Brasilien (1958 und 1962) die erfolgreiche Titelverteidigung gelingen würde. Das Zeug dazu haben die Löw-Schützlinge sicherlich, aber einiges spricht auch dagegen. Wer an schlechte Omen glaubt, hat gute Argumente. Eben, dass eine erfolgreiche Titelverteidigung unwahrscheinlich ist (doch jede Serie geht einmal zu Ende, siehe Real Madrid in der Champions League) und vor allem, dass der Confed-Cup-Sieger danach nie Weltmeister wurde. Da wehrte Bundestrainer Joachim Löw zwar schon im Sommer nach dem überraschenden Cup-Gewinn mit einem B-Team ab, „daran denke ich überhaupt nicht“, aber der Sport hat doch seltsame Gesetzmäßigkeiten.

Realistischer muss man darauf verweisen, dass Jogi Löw zwar eine starke Mannschaft mit einer großen Kaderbreite zur Verfügung hat, aber die überragenden Spieler, die gerade in wichtigen Spielen den Unterschied ausmachen können, die fehlen. Gerade der Titelgewinn 2014 in Brasilien hat gezeigt, dass für den großen Coup alles stimmen, alles zusammenpassen muss und gerade diese glückliche Fügung wird sich vier Jahre später nicht gleich wiederholen. Könnte sein, dass Löw und seine Mannen 2014 das Füllhorn von Glücksgöttin Fortuna bereits geleert haben. Ein Handicap ist auch, dass Deutschland in der Qualifikation kaum gefordert wurde. Zwar stehen in den nächsten Freundschaftsspielen mit England, Brasilien und Spanien starke Gegner parat, aber die Wettkampfhärte kann auch hier nicht geschult werden. Wird die junge Garde den Druck aushalten? Ein Handicap. Alles deutet darauf hin, dass Deutschland eher nicht Weltmeister wird, die Konkurrenten Brasilien und Frankreich sind wohl weiter, mit Spanien und Argentinien (Messi !!!) ist immer zu rechnen.

Natürlich gibt es auch Gründe, warum Deutschland zum Favoritenkreis gehört und deshalb Weltmeister werden kann. Der große Kader ohne deutliche Leistungsunterschiede ist ein Vorteil, weil selbst Verletzungspech kaum für einen Qualitätsverlust sorgt. Dazu hat die DFB-Elf den Vorteil, dass jeder Gegner mit Respekt antritt. Jogi Löw weiß, wie man Titel gewinnt, aber die Turniere vorher und nach 2014 zeigten auch, dass der Bundestrainer gern mal zu taktischen Fehleinschätzungen neigt. Was aber die Anhänger des mystischen Glaubens angeht, da gibt es einen verlockenden Hinweis vom Schicksal: Italien war erster Doppel-Weltmeister genau vor 80 Jahren 1934 und 1938. Das wäre doch ein Jubiläum!

Was wirklich passiert, werden wir vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 in Russland sehen. Am 1. Dezember folgt die Auslosung der WM-Gruppen. Was passieren kann, musste vor allem Chile erleben. Der Südamerika-Meister scheiterte u. a. an einem Einspruch! Kurios: Die Chilenen hatten 2016 gegen das 0:0 gegen Bolivien Protest eingelegt, weil der Gegner einen nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt hatte. Dem Protest wurde stattgegeben, aber auch Peru profitierte davon, weil dieser Spieler auch in dem Vergleich mitgewirkt hatte. Nur: Peru hatte verloren und bekam gleich drei Punkte geschenkt und landete nun vor Chile auf Platz fünf und bestreitet die Qualifikation mit Neuseeland. Hätte Chile auf den Protest verzichtet, wäre Chile Fünfter geworden! Pech auch für die USA, die mit der 1:2-Niederlage bei Trinidad & Tobago allerdings auch selbstverschuldet ausgeschieden ist. Panama, das den USA die Qualifikation wegschnappte, gewann allerdings durch ein Phantom-Tor. Man sieht, im Fußball kann alles passieren, auch, dass Deutschland Weltmeister wird.

Der FC Bayern München am Scheideweg

Der Verein ist ein Markenzeichen, das selbstbewusste „mia san mia“ ist legendär, in Fußball-Deutschland hält der FC Bayern München fast alle Rekorde, seit fünf Jahren dominiert er in die Bundesliga, seine Titelsammlung ist national unerreicht: 27 Meisterschaften, 18 Pokalsiege, je 6 Siege im Supercup und Ligapokal, dazu international Champions-League-Sieger (2001, 2013), davor Europapokalsieger der Landesmeister (1974, 1975 und 1976 das Triple), Europapokalsieger der Pokalsieger (1967), UEFA-Pokalsieger (1996), Weltpokalsieger (1976, 2001), Klub-Weltmeister (2013) und UEFA-Superpokalsieger (2013). Kein Wunder, dass Bayern München auch auf Europas Bühne Spitze ist und in einem Atemzug mit den englischen und spanischen Spitzenteams genannt wird. Doch jetzt ist der Wurm drin, das Ende der glorreichen Jahre droht – wenn nicht die Wende gelingt. Auf jeden Fall steht der FC Bayern München am Scheideweg.

Als der Deutsche Rekordmeister 2013 unter Jupp Heynckes das begehrte Triple holte, als der Traum vom Sieg in der Champions League in einem deutschen Finale gegen Borussia Dortmund wahr wurde (dazu national Meisterschaft und Pokalsieg), da schien eine glorreiche Zeit für die nächsten Jahre möglich, zumal der Spanier Pep Guardiola als Nachfolger von Heynckes gewonnen werden konnte, damals allgemein als bester Trainer der Welt bezeichnet, nachdem er mit dem FC Barcelona erfolgreich war und „Zauber-Fußball“ bot. So sollte er in München weitermachen, allerdings gelang der große Wurf in der Champions League nicht. Immerhin dominierte Pep mit seinem Team den nationalen Fußball und die Bayern spielten in dieser Phase ihren schönsten Fußball. Den Drei-Jahres-Vertrag wollte der Spanier am Ende nicht verlängern und die Münchner holten sich einen Mann, der offensichtlich weiß, wie man die Champions League gewinnt: Den Italiener Carlo Ancelotti.

Diese Verpflichtung war allerdings ein großes Missverständnis. Der Italiener und sein Trainer-Team konnten die erfolgreiche Arbeit von Guardiola nicht fortsetzen, ganz im Gegenteil, es gab keine positive, sondern eine negative Entwicklung. Ein Jahr lang profitierten Mannschaft und Ancelotti noch von der Arbeit Guardiolas, dann ging es abwärts. Die Politik der langen Leine war verfehlt, die Italiener bildeten offenbar ein eigenes Grüppchen, der Zusammenhalt im Team bröckelte, die Vereinsspitze schaute zu. Die Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß müssen eingestehen, dass sie den schleichenden Niedergang der Mannschaft nicht rechtzeitig aufgehalten haben, dass sie die Stimmen der Führungsspieler ignoriert haben. Wenn sich schon Spieler über ein zu lasches Training beschweren und geheimes Sondertraining betreiben, dann sagt das alles über den Trainer. Das Ende von Carlo Ancelotti nach der 0:3-Niederlage in Paris und dem Debakel einer provokanten Aufstellung, als er die Routiniers brüskierte, kam zu spät. Schon im Sommer hätten Rummenigge und Co. die Reißleine ziehen müssen.

Jetzt hechelt der ruhmreiche FC Bayern sowohl in Deutschland als auch in Europa hinterher. Nach sieben Spielen in der Bundesliga fünf Punkte Abstand zum starken Tabellenführer Borussia Dortmund sind happig und rekordverdächtig. In der Champions League wurde mit der hohen Niederlage in Paris fast schon der Gruppensieg verspielt, im Zweikampf mit Celtic Glasgow geht es um Platz zwei und das Weiterkommen. Dann drohen in der nächsten Runde wieder ein übermächtiger Gegner (Gruppensieger) und das vorzeitige Ausscheiden. Der Traum vom Gewinn der Champions League ist ganz weit weg, zumal Europas Spitzenklubs dank der Oligarchen aus Russland und der Scheichs vor allem aus Katar (Paris) mit Geld um sich schmeißen und eklatant aufrüsten. Da können bodenständige Klubs aus Deutschland nicht mehr mithalten. Spitze in Europa? Das könnte auch für den FC Bayern bald Vergangenheit sein.

Das Problem: Können die Münchner sportlich mit den Spaniern, Engländern und eben Paris nicht mithalten, werden sie nicht nur keine Stars bekommen (weil die Bayern keine 100 Millionen Euro und mehr zahlen wollen bzw. können), sondern auch aufstrebende Talente werden sich andere Vereine suchen, damit sie schneller an die Spitze und an die Geldtöpfe kommen. Dies könnte eine Kettenreaktion auslösen und den Niedergang des stolzen Vereins bedeuten.

Wie dies aufzuhalten ist? Mit einem starken Trainer und einer erfolgreichen Mannschaft. Noch haben die Bayern ein Team, das durchaus in der Lage ist, mit Real Madrid, Barcelona, Paris oder den Klubs aus England mitzuhalten. Dann muss aber teamintern und sportlich alles stimmen. Insofern wird der nächste Trainer auch die Zukunft des Vereins bestimmen, weil auch der Umbruch einer alternden Mannschaft zu bewältigen ist. Eine Herkulesaufgabe. Gerade jetzt können sich die Bayern den Trainer aber nicht aussuchen, sondern müssen nehmen, was auf dem Markt ist. Kein Wunder, dass Dortmunds Ex-Coach Thomas Tuchel als Favorit auf die Ancelotti-Nachfolger genannt wird, nur er ist von den bekannten Trainern frei. Zukunfts-Hoffnungen wie Julian Nagelsmann in Hoffenheim stehen unter Vertrag. Ein Problem, das die Bayern-Bosse im Sommer hätten leichter lösen können. Jetzt müssen sie hoffen, dass sie mit dem neuen Trainer den Abwärtstrend stoppen können und der Weg wieder nach oben zeigt, in die Spitze Deutschlands und Europas. Noch ist die Saison jung, noch ist einiges zu reparieren.

Vergessen werden darf allerdings nicht, dass mit Kapitän Manuel Neuer die Mannschaftsstütze in den entscheidenden Spielen fehlt und jetzt mit Franck Ribery eine weitere Führungsfigur ausfällt. Gerade die Sicherheit, die der beste Torhüter der Welt, Neuer, ausstrahlt, fehlte dem Team bei den letzten Pleiten. Eine verzwickte Situation.

Hat Kim Jong Un vielleicht sogar Olympia in Südkorea im Visier?

Die Welt ist nicht nur durch Wetterkatastrophen in Aufruhr, sondern vor allem durch pubertäre Politiker, die ihrem Spielzeug Macht Geltung verschaffen wollen. So steuern wir auf eine Weltkrise zu und der Sport steckt mittendrin, denn für ihn steht auch eine Katastrophe bevor. Am Ende könnten die Olympischen Winterspiele in Südkorea, die eigentlich vom 9. bis 25. Februar in Pyeongchang ausgetragen werden sollen, gestrichen werden. Grund: Die Gefahr für die Sportler ist zu groß.

Die ersten Verbände und Sportler haben bereits ihre Bedenken geäußert. Pyeongchang liegt nur etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Nordkorea entfernt. Was plant Herrscher Kim Jong Un in Nordkorea wirklich? Kommt es zu einem militärischen Streit mit den USA, wo – zum Glück vorerst nur in Worten – bereits der Untergang an die Wand gemalt wird. „Wir werden Nordkorea zerstören“, hatte US-Präsident Donald Trump angesichts der nicht enden wollenden und verbotenen Raketentests Machthaber Kim gedroht. Nordkorea antwortete mit der Möglichkeit, eine Wasserstoffbombe im Pazifik zu zünden und ließ bereits Raketen über Japan fliegen. Noch sind es nur Drohungen, doch das Unwohlsein der Sportler steigt. Ist Angesichts dieser Lage Olympia noch sicher?

Die ersten Verbände haben bereits eine Absage ins Auge gefasst. Frankreich beschäftigt sich damit ebenso wie Österreich, zwei starke Wintersportnationen. Die deutschen Spitzenathleten Laura Dahlmeier (Biathlon) und Felix Neureuther (Ski alpin) ließen bereits Einblick in ihre Gedanken zu. Tenor: Wir wollen nicht unser Leben für Olympia riskieren. Keiner weiß, wie weit die Eskalation in Worten noch geht und welche Konsequenzen sie nach sich ziehen. Kehrt allerdings keine Beruhigung ein, dann werden sich viele Sportler einen Start in Südkorea genau überlegen, selbst wenn ihr Verband nicht im Ganzen zurückzieht.

Vor allem die Organisatoren in Südkorea werden diese Entwicklung mit Sorge sehen. Geraten die Olympischen Winterspiele in Gefahr? Vielleicht ist das sogar die wahre Absicht von Kim Jong Un, dass er nicht nur der Welt seine Macht zeigen will, sondern dass er auch im Hinterkopf hat, dass er mit solchen kriegerischen Spielchen Südkorea verunsichern kann und dem ungeliebten Nachbarn die Olympischen Spiele madig machen kann. Eskaliert die weltpolitische Lage und kehrt nicht der „Olympische Friede“ ein, wie er früher ausgerufen wurde, damit die Waffen schwiegen, dann könnte dem IOC am Ende wirklich nur eine Absage bleiben, um die Gesundheit der Sportler nicht zu gefährden.

Dass das IOC derzeit unerwartet still hält, könnte auch dem Umstand geschuldet sein, dass man nicht noch mehr Feuer ins Öl gießen will. IOC-Präsident Thomas Bach hat als einzige Handlung an die UN die Bitte gerichtet, für die Sicherheit der Spiele einzutreten (siehe auch Kolumne vom 14. September „Letztes Aufbäumen des IOC für Olympia“).

Pyeongchang hat sowieso Sorgen, weil selbst im eigenen Land die Begeisterung für die Spiele nicht so groß ist und der Kartenverkauf den Erwartungen hinterher hinkt. Insofern kommen die Machtspiele aus Nordkorea total ungelegen, da sie die Touristen aus Amerika und Europa abhalten werden, die Winterspiele zu besuchen. Sollte Kim Jong Un tatsächlich den Gedanken haben, Südkorea schaden zu wollen, dann hat er sein Ziel zum Teil sogar schon erreicht. Wie auch immer, von Vorfreude auf Olympia ist jetzt im Herbst und vor dem baldigen Start in das Wintersport-Halbjahr nichts zu spüren.

Der Davis-Cup und andere Probleme im Tennis

Die Trophäe ist ein wuchtiger Pokal, der Wettbewerb hatte einst auch eine wuchtige, eine große Bedeutung. Früher gierten die Spieler danach, im geschichts- und prestigeträchtigen Wettbewerb antreten zu können, heute ist er eher zu einem Ärgernis verkommen, zu einer Belastung. Die Rede ist vom Davis-Cup, dem bedeutendsten Mannschaftspokal im Tennis. Im Zeichen des Profi-Tennis sind geldträchtige Turniere für die Spieler allerdings wichtiger, zumal sie um Weltranglistenpunkte kämpfen müssen. Heute heißt es „Davis-Cup? Ach bitte, das muss auch ohne mich gehen“. Der Davis-Cup ist also zum Problem geworden, aber er ist nicht das einzige Problem im deutschen und internationalen Tennis.

Eines hat Tennis mit vielen anderen Sportarten gemeinsam: Die Belastung für die Profis ist einfach zu groß geworden. Ist der Sport publikumswirksam, also attraktiv, dann drängen sich die Veranstalter an die Fleischtöpfe, um auch ein paar Bissen abzukommen. Attraktiv ist ein Turnier allerdings nur, wenn auch Stars präsentiert werden können. Die jetten dann rund um die Welt, bis sie ein Stoppzeichen bekommen – von ihrem Körper. Die Jagd nach Geld und Punkten findet ein jähes Ende. Siehe das letzte Grand-Slam-Turnier, die US Open: Die Liste der fehlenden Stars war größer als die derer, die auf dem Court zu sehen waren. Andy Murray (Großbritannien), Novak Djokovic (Serbien), Stan Wawrinka (Schweiz), Kei Nishikori (Japan) und Milos Raonic (Kanada) fehlten alle. Da war der Weg frei für Rafael Nadal (Spanien), zumal sich Roger Federer (Schweiz) vorzeitig im Viertelfinale verabschiedet hatte. Die beiden teilten sich übrigens in diesem Jahr die große Titel. Nadal siegte in Paris und New York, Federer in Melbourne und Wimbledon. Wobei vor allem der 36jährige Federer ein Beispiel dafür ist, wie man heute mit seinem Körper umgehen muss: Er legt immer wieder Pausen ein, verzichtet auf Turniere, konzentriert sich auf Höhepunkt.

Wenn im Alter (36 Jahre sind im Profi-Sport ein hohes Alter) der Körper nicht mehr so will, ist mehr der Kopf gefragt, die Geldgier weicht der Vernunft. Junge Spieler wollen in erster Linie eins: Nach oben in der Weltrangliste und in der Geldrangliste. Irgendwann rächt sich die strapaziöse Jagd nach Ruhm und Reichtum. Ein Opfer einer solchen Überbeanspruchung wurde auch der Golf-Star Tiger Woods. Der dominierte einst das Golf-Geschehen, aber dann spielten Geist und Körper nicht mehr mit. Die Veranstalter zahlten horrende Summen, weil nur Tiger Woods die große Publicity garantierte. Der Tiger spielte und kassierte bis es nicht mehr ging.

Zurück zum Tennis. Wenn die Stars sowieso schon ihre Turniere reduzieren müssen, dann zeigen sie eigentlich fast logisch dem zusätzlichen Nationenwettbewerb Davis-Cup ihre kalte Schulter. Die deutsche Mannschaft kann ein Lied davon singen, Die Spitzenspieler Alexander und Mischa Zverev sowie Altstar Philipp Kohlschreiber sagten ab. Schonung war angesagt, kein Davis-Cup. Mit der B-Besetzung gelang mit Ach und Krach dennoch der Klassenerhalt der Weltgruppe, Deutschland blieb erstklassig. Eines ist gewiss: Ärger um die Teilnahme gibt es auch in der nächsten Saison.

So muss der Weltverband über seinen Schatten springen. Warum muss der Davis-Cup jedes Jahr ausgespielt werden? Olympische Spiele gibt es ebenso im Vier-Jahres-Rhythmus wie die Fußball-Weltmeisterschaft. Das würde auch dem Davis-Cup gut tun und könnte sogar noch seine Bedeutung steigern. Wenn der Cup nicht mehr zur Belastung wird, sind die Stars auch wieder dabei und können so wieder die Helden der Nation werden. Heute sind sie bei einer Absage nur die Buhmänner. Das ist weder gut für das Tennis noch für den Davis-Cup.