Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Die Finals und der Kampf um mehr Aufmerksamkeit

Neidisch schauen die Sommersportarten im Schatten des Fußballs immer auf die Winterdisziplinen. Gut, früher war die Leichtathletik ein Knüller im Fernsehen und musste sich gegenüber Skispringen oder Biathlon nicht verstecken, doch heute können da nur noch Welt- und Europameisterschaften mithalten. Live-Übertragungen von sogenannten Randsportarten wie Tischtennis oder Turnen gab es aber gar nicht. Die Fernsehanstalten, die dem Fußball viel Geld bezahlen, forderten sogar Bezahlung von den Sportverbänden, um eine Übertragung zu ermöglichen. Der Winter dagegen boomt, von November bis März gehören die Nachmittage am Samstag und Sonntag bei ARD und ZDF dem Wintersport, von Ski alpin oder nordisch bis Rodeln und Bob wird alles gesendet und über zwei Millionen Zuschauer sind dabei, im Schnitt mehr als bei den normalen Programmen in den anderen Monaten. Die Sommersportarten hätten so etwas auch gern und haben zumindest in einem engen Rahmen einen Erfolg im Kampf um mehr Aufmerksamkeit erreicht. Vorhang auf: Die große Bühne für kleine Sportarten!

Die Idee war, dass sich mehrere Sportarten zusammen tun und ihre Deutschen Meisterschaften an nur einem Ort austragen. So entstanden „Die Finals“, die jetzt zum dritten Mal in Berlin veranstaltet werden. 14 Deutsche Meisterschaften werden in vier Tagen von Donnerstag bis Sonntag in Berlin ausgetragen, 190 Titel werden vergeben. Im Mittelpunkt steht sicherlich die Leichtathletik, aber auch Turnen, Kanu oder auch Exoten wie Polo sind dabei. Neu sind Fechten, Rudern und Trampolinturnen, welches das Angebot des Turnens komplettiert, denn nun sind neben Geräteturnen und Rhythmischer Sportgymnastik alle olympischen Turn-Disziplinen an Bord. Das Fernsehen ist mit 25 Stunden Sendezeit in ARD und ZDF dabei, wer damit nicht genug hat, kann 70 Stunden lang die verschiedenen Wettkämpfe im Live-Streaming verfolgen. Für den Sport also Winter-Feeling im Sommer.

Berlin im Banne des Sports, an neun Standorten wird gekämpft, unter anderem auch am Brandenburger Tor oder im Strandbad Wannsee, im Mittelpunkt natürlich das Olympiastadion und die Max-Schmeling-Halle. Ein Multisportevent mit einem Hauch von Olympia. Die Verbände haben richtig reagiert, dass sie nicht nur meckern, sondern etwas Neues kreieren. ARD und ZDF werden solange mitmachen, solange die Einschaltquoten stimmen, was im Sommer teilweise natürlich auch vom Wetter abhängig ist. Wer sitzt bei schönstem Sonnenschein schon vor dem Fernseher. Da haben es die Wintersportarten natürlich leichter, an manchen kalten Tagen werden es sich wohl nicht nur echte Sportfans vor dem Fernseher gemütlich machen.

In diesem Jahr folgt in Deutschland übrigens noch eine weitere Sport-Großveranstaltung mit gemeinsamen Meisterschaften. München feiert vom 11. bis 21. August vor allem im Olympiapark und auf vielen modernisierten Olympia-Anlagen die „European Championships Munich 2022“ in Erinnerung an die Olympischen Sommerspiele 1972 in München. 50 Jahre danach sind es in einem wesentlich kleinerem Rahmen neun Europameisterschaften unter anderem im Turnen und der Leichtathletik. Auch da werden ARD und ZDF wieder umfangreich berichten und sich etliche alte Sportfans an die heiteren Spiele mit traurigem Ausgang erinnern.

Das Wechseltheater ist spannender als die Punktrunde

Jetzt steht es fest: Die Fußball-Bundesliga beginnt am Freitag, 5. August, mit dem Knüller Eintracht Frankfurt (Champion in der Europa League) gegen Bayern München (zehn Jahre lang immer Meister). Warten die Fans jetzt voller Vorfreude auf die neue Saison? Nein, denn ihre Aufmerksamkeit liegt zur Zeit darauf, wie ihr Verein denn für die nahe Zukunft gerüstet ist. Die offizielle Wechselfrist beginnt zwar erst am 1. Juli, doch bereits jetzt beherrscht vor allem ein Thema die Medien und Fans: Wer kommt, wer geht? Das Wechseltheater ist spannender als die Punktrunde, denn da weiß (fast) jeder, Bayern wird Meister!

In der Bundesliga spielte bisher Borussia Dortmund die Hauptrolle im Wechseltheater. Neuer Trainer und neue Spieler mit nur einem Ziel: Endlich die Bayern stoppen. Der Coup bestand darin, den Münchnern Niklas Süle abgeluchst zu haben und dazu mit Nico Schlotterbeck das mögliche Abwehrduo der Nationalmannschaft in den eigenen Reihen zu platzieren. Dazu kommen bisher Karim Ademeyi aus Salzburg und Salih Özcan aus Köln, eine Investition von etwa 55 Millionen Euro, allein für Erling Haaland hat der BVB aber 75 Millionen kassiert.

Die Bayern backten bisher kleinere Brötchen, die Neuen von Ajax Amsterdam, Ryan Grevenberch (18,5 Millionen) und Noussair Mazroui (ablösefrei) rissen niemand von den Sitzen. Doch jetzt folgte der Befreiungsschlag: Mit Sadio Mané vom FC Liverpool holten die Münchner einen echten Weltstar in die Bundesliga. „Er bringt die Liga zum Leuchten“ urteilt das Fachblatt kicker. Der 30-jährige Senegalese hat den Bayern schon mal weh getan, nun soll er den Meister zu Erfolgen vor allem in der Champions League führen. Es ist der Coup, den die Bayern oft in der Vergangenheit gesetzt haben, wenn sie mit der Saison nicht ganz zufrieden waren. Ein Dreijahresvertrag soll in dieser Woche unterschrieben werden, die Ablösesumme beträgt als Basis 32 Millionen Euro, es könnten aber bei entsprechenden Erfolgen noch 41 Millionen werden. Fast ein Schnäppchen, denn als Mané 2016 von Southampton nach Liverpool wechselte, kostete er bereits 40 Millionen Euro.

Jetzt ist die große Frage, ob Mané Torjäger Robert Lewandowski ersetzen wird oder neben dem Polen wirbeln (Mané fühlt sich eher auf den Flügeln wohl). Könnte sein, dass Lewandowski seine Wechselgedanken zum FC Barcelona neu ordnet. Ist der von Schulden geplagte Verein wirklich eine gute und erfolgversprechende Lösung? Kann er vielleicht doch mit Mané seine sportlichen Ziele erreichen? Andererseits ist da Trainer Julian Nagelsmann, der auf ein bewegliches Angriffsspiel setzt, da fühlte sich der Pole zuletzt nicht so wohl bzw. zurückgesetzt. Mané wird aber vor allem Coman, Gnabry (so er bleibt) und Sané Beine machen.

Die Bayern haben zumindest vorgesorgt. Dortmund will sich allerdings nicht in den Hintergrund drängen lassen, sondern forciert seine Bemühungen um Verstärkungen, jetzt ist Ajax-Torjäger Sebastien Haller (in der Bundesliga schon erfolgreich) als Haaland-Ersatz im Gespräch. Ein Weltstar ist er aber nicht. Der FC Liverpool hat übrigens ebenfalls vorgesorgt, damit der Mané-Abgang nicht schmerzt. Während der Saison kam ja schon Flügelflitzer Luis Diaz, jetzt gibt der Klub von Jürgen Klopp noch viel Geld für Torjäger Darwin Nunez von Benfica Lissabon aus, der Uruguayer kostet rund 100 Millionen Euro. Im Wechseltheater ist also einiges los.

Angesichts dieser Aktivitäten verblassen die Rollen der Nebendarsteller, aber abgerechnet wird am Schluss, es ist noch viel Zeit. Einigen Wirbel gibt es in Frankfurt, da steht Dampfmacher Filip Kostic vor dem Absprung, Alario von Bayer Leverkusen wird als Neuzugang gehandelt und für einen Hammer sorgte die Eintracht auch: Sie habe Interesse an Mario Götze, heißt es, man stehe kurz vor dem Abschluss. Der WM-Held von 2014 ist nach einem Tief zuletzt in Eindhoven wieder aufgetaucht. Angeblich möchte er zurück in die Bundesliga und zudem in die Nationalmannschaft. Das passt zu einem tollen Theater. Theater gibt es aber auch um David Raum, dem neuen Star auf Links im Nationalteam, den Hoffenheim über kurz oder lang nicht halten kann. Auch da hat der BVB seine Finger im Spiel, aber das Geld könnte nicht reichen, wenn Klubs aus England zuschnappen. Die Neureichen aus Newcastle und West Ham sollen Interesse haben, 40 Millionen stehen bei David im Raum, wohl zu viel für Dortmund.

Ein Wechsel ist noch mehr als nur eine Randnotiz: Miroslav Klose, Weltmeister 2014, 137-facher Nationalspieler und mit 71 Treffern bester Torschütze der DFB-Auswahl, startet jetzt seine Karriere als Profi-Trainer. Den ersten Versuch darf der 44-Jährige beim österreichischen Erstligisten SCR Altach machen. Der kleine Verein in Vorarlberg hat gerade noch die Klasse erhalten, jetzt soll es mit Klose nach oben gehen. Klose hat zum Anfang seiner Trainer-Karriere ein Praktikum beim DFB gemacht unter Bundestrainer Joachim Löw, war zwei Jahre lang Coach der U17 bei Bayern München und danach Assistent von Cheftrainer Hansi Flick mit dem Gewinn des Triple 2020. Jetzt löst er in Altach den Schweizer Ludovic Magnin ab, der früher in Bremen und Stuttgart gespielt hat. Klose nimmt als Assistent Slaven Skeledzic mit, mit dem er bei der U17 gearbeitet hat. Mit Ballbesitz, spielerischen Momenten und offensivem Ansatz will der einstige Torjäger Altach nach oben führen. Gewöhnen muss er sich an ein kleines Stadion, Altach hat 7000 Einwohner, 4130 sind durchschnittlich bei den Spielen dabei. Viel Glück, Miro!

Frauen im EM-Fieber

Ein Wechseltheater gibt bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen nicht, aber ein bisschen Theater schon rund um den Kader für die bevorstehende Europameisterschaft. Zuerst wollte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg den Kader von 28 auf 23 frühzeitig reduzieren, dann nicht, nun tat sie es doch und sorgte damit für ein bisschen Verwunderung. Nicht dabei sind die Torhüterin Tufekovic (Hoffenheim) sowie Nüsken (Frankfurt), Rall (Bayern) und überraschend Jana Feldkamp (Hoffenheim). Mit der Nominierung des Abwehrtalents durfte gerechnet werden, jetzt erhielt jedoch Sara Doorsoun (Frankfurt) den Vorzug, aber gerade sie zeigte in der Vergangenheit große Schwächen. Mit Kapitänin Alexandra Popp, die positiv auf Corona getestet wurde, rechnet die Trainerin, belässt aber zur Sicherheit Chantal Hagel (Hoffenheim) als 24. Spielerin im Team. Verzichten muss sie ja sowieso auf Melanie Leupolz, die Mutterfreuden entgegen sieht, und die verletzte Maroszan.

Nach zwei Trainingslagern fiebert die Mannschaft jetzt der Europameisterschaft in England entgegen. Start für das deutsche Team ist am 8. Juli gegen Dänemark, dann folgen Spanien (12.) und Finnland (16.) als Gruppengegner. Der einzige Test findet am Freitag (17.00 Uhr) gegen die Schweiz statt.

Welches ist das wahre Gesicht der DFB-Elf?

Ende gut, alles gut? Nein, Ende gut, aber nicht alles gut bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Zum Abschluss des Viererpacks in der Nations League haben die Flick-Schützlinge beim 5:2 gegen Italien geglänzt, haben mit viel Schwung agiert und den Gegner fast an die Wand gespielt. Ein Befreiungsschlag nach viermal 1:1. Doch war Italien an diesem Abend ein großer Gegner? „Der Borussia-Park wurde zum Vergnügungspark für die Deutschland“ ätzte die Presse in Italien über die eigene Mannschaft und urteilte „kleines Italien“. Ende gut, alles gut? Das Urteilt kann erst im November/Dezember bei der Weltmeisterschaft in Katar gefällt werden. Bis dahin bleiben Zweifel: Welches ist das wahre Gesicht der DFB-Elf?

Hansi Flick betont immer die „Entwicklung“, die seine Mannschaft mache. Einmal ist sie zu sehen, dann wieder nicht, dann fragen wir uns, „wo ist die Entwicklung?“ „Schritt für Schritt müssen wir voran gehen,“ bittet der Bundestrainer um Geduld und muss sich manchmal selbst fragen, „wo ist die Entwicklung?“ Er betont vor der Sommerpause „wir sind auf dem richtigen Weg, wir spielen guten Fußball. Ich bin voller Zuversicht.“ Also, die Zuversicht ist uns ein bisschen abhanden gekommen, aber die Spiele in der Nations League brachten auch nur bedingt die Wahrheit ans Licht. Das gilt fast für alle Nationen. Was ist von dem 4:0 von Ungarn gegen England zu halten? England ist in der deutschen Gruppe ebenso Letzter wie Frankreich hinter Dänemark, Kroatien und Österreich! Wir kennen alle das Potential dieser Nationen, Frankreich kann mit Mbappé, Benzema, Griezmann und Coman auftrumpfen und hat auch noch Nkunku – welche Sturmkraft!

Auf die kann Hansi Flick nicht zurückgreifen. Er will den seltsamen PR-Slogan „Die Mannschaft“ zum Leben erwecken, die Mannschaft muss es richten. Dann hält er an einem Timo Werner halt solange fest, bis der wirklich Tore schießt. Und wenn wir Aufstellung und Spiel gegen Italien ansehen, dann stand da wohl die mögliche WM-Elf anfangs auf dem Feld: Neuer – Klostermann, Süle, Rüdiger, Raum – Gündogan, Kimmich – Hofmann, Müller, Sané – Werner.

Aber der Weg bis zum WM-Auftakt im November ist noch lang, gespickt mit einem strapaziösem Programm für alle Nationalspieler. Verletzungen werden für Aufregung und Bangen sorgen, der eine oder andere WM-Kandidat erfüllt vielleicht nicht einmal Flicks Grundvoraussetzung: „Jeder muss in seinem Verein genügend Spielpraxis bekommen.“ Das war bei Werner zuletzt bei Chelsea London nicht der Fall, auch Gündogan war oft nur Ersatz bei Manchester City, wenn auch dann wieder ein wichtiger Faktor. Knapp dahinter sind sowieso Spieler wie Schlotterbeck, Goretzka, Musiala, Havertz und Gnabry. Auch der ewig verletzte Marco Reus ist natürlich nicht abgeschrieben und Hoffnungen machen sich u. a. noch Marcel Halstenberg, Matthias Ginter, Robin Goosens, Florian Neuhaus oder Talent Florian Wirtz, die jetzt nicht zum Kader zählten. Wer ist im Herbst in Form? Der WM-Kader könnte am Ende doch noch ein wenig anders aussehen.

Am 5. August beginnt erst einmal wieder die Bundesliga, die nächste Aufgabe der Nationalmannschaft heißt am Freitag, 23. September (20.45 Uhr) Ungarn (in Leipzig) , dann geht es ebenso im Nations Cup am Montag, 26. September (20.45 Uhr) nach England. Der WM-Kader soll am 10. oder 11. November nominiert werden, das WM-Trainingslager beginnt am 14. November, ein Testspiel ist noch vorgesehen. Die WM-Gruppenspiele stehen fest: Mittwoch, 23.11. (14.00 Uhr) Japan, Sonntag, 27.11. (20.00 Uhr) Spanien, Donnerstag, 1.12. (20.00 Uhr) Costa Rica. Dann gilt es, dann sollte die Entwicklung zu sehen sein.

Die Konkurrenz wird mutig: Das Ende der Bayern-Ära?

Die Sommer-Belustigung Nations League geht zu Ende, dann bekommen auch die Nationalspieler ihren verdienten Urlaub. Die Klubs der Fußball-Bundesliga beginnen allerdings noch im Juni mit der Vorbereitung auf die neue Saison, die am Freitag, 5. August, eingeläutet wird (am Freitag stellt die DFL den Spielplan vor). Frühstarter sind Schalke 04 und der VfL Bochum am 20. Juni. Spätstarter ist Bayern München am 4. Juli, die Nationalspieler bekommen sogar bis zum 8. Juli frei. Der Meister kann es sich wohl leisten, aber auf die kommende Saison sollte er sich eigentlich besonders gewissenhaft vorbereiten. Von zehn Bayern-Titeln in Folge hat die Konkurrenz die Nase voll und sie wird mutig, rüstet auf. Dagegen gibt es bei den Münchnern eher Krach und auf einen Transferknüller warten die Fans noch. Steht das Ende der Bayern-Ära bevor?

Die Medien sind sich einig: Die Verfolger blasen endgültig zur Bayern-Jagd, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und RB Leipzig werden mutiger und haben den Titelgewinn in ihre Agenda aufgenommen. Bisher war ihnen immer vorgeworfen worden, dass sie schon vor der Saison nur schauen, wer denn nun Zweiter wird und allein die Teilnahme an der Champions League als Ziel ausgeben. Das hat sich offensichtlich geändert.

Das spannendste Projekt tut sich wohl in Dortmund auf. Die Borussia wandelt auf den Spuren, die eigentlich Bayern hinterlassen wollte. Uli Hoeneß hat vor einiger Zeit als Manager die Devise ausgegeben, das Herz der deutschen Nationalmannschaft muss in München schlagen. Das könnte sich ändern, Dortmund verstärkt sich mit deutschen Nationalspielern, die Bayern vertrauen vor allem auf die französische Klasse, da schlägt eher das Herz Frankreichs in München. Aber ein Abwehrchef fehlt. Die Borussia hat dagegen den Bayern Abwehr-As Niklas Süle weggeschnappt und zudem Talent Nico Schlotterbeck aus Freiburg an seine Seite gestellt (und Mats Hummels ist ja auch noch da!). Auch wenn es im DFB-Team noch nicht so geklappt, ein Duo der Zukunft. Dazu kommt Nationalspieler Karim Adeyemi aus Salzburg und für das Mittelfeld Salih Özcan aus Köln, der zuletzt auf sich aufmerksam machte. Dazu kehrt Edin Terzic als Trainer zurück, der Mann, der Dortmund vor einem Jahr Beine gemacht und zum Pokalsieg geführt hat. Interessant also, auch wenn Torjäger Erling Haaland vermisst werden wird, sein Wechsel zu Manchester City ist perfekt. Leverkusen und Leipzig setzen auf bewährte Teams, wobei Bayer vor allem einen Erfolg damit verbuchen konnte, dass Torjäger Patrik Schick seinen Vertrag bis 2027 verlängert hat.

Die Bayern liegen dagegen mit ihrem Torjäger im Clinch, Robert Lewandowski, einer der Meister-Macher, hat mit seinem Verein trotz Vertrag bis 2023 abgeschlossen. Er wurde zwar hier Weltfußballer und Europas bester Torjäger, doch der finanziell marode FC Barcelona lockt ihn trotzdem, bietet einen Vertrag über drei Jahre (Bayern nur jährliche Verlängerung) und mehr Geld, das eigentlich nicht da ist. Der Pole hat scheinbar keine Angst, dass Zahlungen ausbleiben könnten… Die Bayern tun sich dagegen schwer, adäquaten Ersatz zu finden, mit Sadio Mané ist zwar ein Weltklasse-Mann im Gespräch (zu Lewandowski oder als Ersatz), aber der FC Liverpool will weit mehr Geld, als die Bayern geboten haben, nämlich 45 Millionen Euro statt nur 32. Ausgang offen. Als Notlösung (oder vielleicht sogar mehr) bieten sich Talent Sasa Kalajdzic vom VfB Stuttgart oder auch Jonas Hofmann an, der Mönchengladbach verlassen möchte und im Nationalteam beste Werbung für sich betrieb.

Es ist ja nicht so, dass Hasan Salihamdzic und Oliver Kahn untätig geblieben sind, aber die Talente Ryan Gravenberch (20) und Noussair Mazraoui (24) von Ajax Amsterdam sind eher Optionen für die Zukunft. Dazu kommen ausgeliehene Talente wie Joshua Zirkzee oder Chris Richards wieder zurück. Sind das Meister-Spieler? Wäre der Verein stolz auf die Schlagzeile „Bayerns Talentschuppen mischt Europa auf“? Könnte sein, dass auf Trainer Julian Nagelsmann eine diffizile Aufgabe zukommt. Er ist mit seinem Trainer-Team schon in Klausur gegangen und hat erkannt, dass er die Spieler mit seinen Lernzielen wohl überfrachtet und verunsichert hat. Auch Lewandowski moniert, dass die Spielstruktur nicht mehr auf ihn zugeschnitten sei. Majestät ist also beleidigt. Aber Warnungen gibt es für die Titel-Verwöhnten: 77 Punkte sind die schwächste Ausbeute der Titel-Orgie, in der Rückrunde waren die Münchner mit 34 Punkten nur Vierter hinter Leipzig (36), Leverkusen (36) und Dortmund (35). Da sagt sich die Konkurrenz „na, geht doch!“ Die Bayern sollten also gewarnt sein.

Nationalteam: Keine Entwicklung

Im Vorfeld hatten Verbände und viele Trainer zwar die Wichtigkeit der Nations League betont, doch ein Knüller war der unfreiwillige Wettbewerb zur ungünstigsten Zeit nicht. Die Trainer setzten eher auf Experimente und achteten darauf, keinen Spieler zum Ende der Saison zu überfordern (dabei können sie sich jetzt ja ausruhen!). Das führte zu der Tatsache, dass zur Halbzeit führende Nationen wie Frankreich und England in der Liga A als Schlusslichter grüßen und Deutschland nach einer 1:1-Serie zwar noch ohne Niederlage, aber auch ohne Sieg ist. Was Hansi Flick gar nicht gefällt. Er wollte in den Spielen gegen Italien, England und Ungarn eine Entwicklung sehen, doch die hat nicht stattgefunden und der Bundestrainer selbst sagt enttäuscht nach dem weiteren 1:1 in Ungarn: „Ein Rückschritt.“ Eine endgültige Bilanz kann man erst nach dem Spiel gegen Italien am Dienstag in Mönchengladbach ziehen, das tut dann auch der Sport-Grantler.

Für einen Fortschritt ist allein Hansi Flick zuständig, aber in seinen Rotationen war er zum Teil zu zurückhaltend. Bisher gab es keine echte Chance für Tah in der wackligen Abwehr (enttäuschend Kehrer, mit Schwächen Raum und Schlotterbeck) oder im Angriff, Brandt, Adeyemi und Nmecha hätte man gern mal länger gesehen. Auch der Schwung fehlte vielfach und so können Aussagen, dass man bei der Weltmeisterschaft in Katar um den Titel mitspielen wolle, nur als Selbstüberschätzung eingestuft werden. Vielleicht gelingt gegen Italien ein Befreiungsschlag dahingehend, dass die Mannschaft mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen kann und nicht verunsichert den Endspurt der Nations League im September angeht.

Hansi Flick und die halbe Wahrheit

Als „Die Spiele der Wahrheit“ hat der Sport-Grantler den Viererpack der Nations League für die Fußball-Nationalmannschaft und Hansi Flick ausgerufen. Jetzt haben wir Halbzeit und der Bundestrainer wird mit einer geteilten Gefühlswelt leben müssen. Da die Erkenntnisse über einzelne Spieler mit Höhen und Tiefen, dort die bittere Tatsache, dass bis zur absoluten Weltspitze noch ein ganzes Stückchen fehlt. Hansi Flick bleibt als Bundestrainer zwar weiter ungeschlagen, aber ein Sieg gegen einen sogenannten Großen gelang immer noch nicht, da ist das 1:1 das Standard-Ergebnis. Nach dem 1:1 gegen die Niederlande diesmal ein 1:1 gegen Italien und eins gegen England. Kein Erfolgserlebnis also, aber zumindest die erfreuliche Erkenntnis, dass es aufwärts geht.

Genauso zwiespältig wie sich der Bundestrainer fühlen muss, ist die Beobachtung der Spiele in der Nations League. Da Nationen, die mit vollem Ehrgeiz zu Werke gehen, dort Trainer, die vor allem ihren Kader sichten wollen, kein Ernstfall, sondern Tests. Bezeichnend Italien, als Coach Roberto Mancini nach dem WM-Aus und dem 0:3 gegen Argentinien gegen Deutschland eine fast völlig neue und junge Elf aufstellte. Ähnlich Hansi Flick, der gegenüber dem Remis gegen Italien mit sieben Änderungen gegen England aufwartete. Und die Engländer selbst, die waren bei der Niederlage in Ungarn lustlos, gegen den alten Rivalen Deutschland natürlich voller Ehrgeiz. Fazit: Das 1:1 gegen England zählt mehr als das 1:1 gegen die „Junioren“ Italiens. Jetzt stehen noch die Spiele in Ungarn und das Rückspiel gegen Italien aus. Es wird Zeit für einen Sieg, trotz aller Experimente.

Hansi Flick hat aber sicherlich schon einige Erkenntnisse gewinnen können. Kein Wunder, dass auf Manuel Neuer Verlass ist, dies bewies er gegen die Engländer mit Weltklasseparaden. Gegen England stellten auf den Außenbahnen Lukas Klostermann und David Raum defensiv, sowie Jonas Hofmann und Jamal Musiala offensiv ihre Konkurrenten aus dem Italien-Spiel in den Schatten. Benjamin Henrichs und Thilo Kehrer sowie Serge Gnabry und Leroy Sané konnten da keineswegs überzeugen. Vor allem die linke Seite mit Raum und Musiala sorgte für die Belebung, die Flick gegen Italien vermisst hatte.

In der Abwehr scheint Antonio Rüdiger der Platzhirsch zu sein, neben ihm streiten Routinier Niklas Süle und Jungspund Nico Schlotterbeck um den Platz. Er könnte dem Noch-Freiburger (und Bald-Dortmunder) gehören, wenn er zuverlässiger wird. Immer wieder streut er Schlampigkeiten ein, der Elfmeter gegen Kane kann ihm allerdings kaum angelastet werden, der war hart. Und Kane nutzte ihn sogar, die Engländer können also doch Elfmeter schießen. Schlotterbeck verursachte aber schon den zweiten Elfer im dritten Spiel. Dennoch lobt Flick: „Er ist eine Bereicherung.“

Im Mittelfeld ist Leon Gorotzka dabei, seine gefühlte Stammposition neben Joshua Kimmich zu verspielen, mit Ilkay Gündogan kam mehr Sicherheit ins Team und je nach Gegner wäre ja auch Musiala eine Option. Gegen Italien zeigte sich übrigens, dass der Bayern-Block (sieben Akteure) da weiter machte wie vorher in der Bundesliga: Die Meister-Spieler konnten nicht überzeugen! Vor allem Gnabry und Sané blieben blass (Sané spielte sich fast aus dem Team, wenn nicht Flick auf sein großes Talent bauen würde), aber auch Thomas Müller irrte eher orientierungslos herum, als dass er der Mannschaft Halt gab. Und ganz vorne hat Flick auch ein Problem, egal ob Timo Werner als Mittelstürmer oder Kai Havertz, ein echter Torjäger fehlt. Da spricht viel dafür, dass vor allem gegen Ungarn Lukas Nmecha oder Karim Adeyemi ihre Chance bekommen. Ohne echten Torjäger wird es öfters ein 1:1 geben…

Positiv aufgefallen ist die Stimmung rund um die Mannschaft und im Team selbst. Die Spieler lobten und pushten sich gegenseitig, das lässt auf ein gutes Betriebsklima schließen, wie es von den Akteuren betont wird. Das färbt auch nach außen ab, die Allianz Arena war ausverkauft (viell. weil der DFB beim Sport-Grantler auf den Ticketkauf hinwies?), im Fernsehen sahen fast neun Millionen Zuschauer zu (das ZDF lockt mehr Zuschauer als RTL!).

Nach den restlichen zwei Spielen des Viererpacks am Samstag in Budapest gegen Ungarn und am Dienstag in Mönchengladbach gegen Italien will der Bundestrainer also einigermaßen Klarheit haben. Die heiße Phase beginnt aber erst im September, dann gibt es am 23. und 26. September die beiden restlichen Gruppenspiele gegen Ungarn und England. „Dann geht es um den Feinschliff“, kündigt Hansi Flick schon jetzt an, heißt also, der WM-Kader ist dann schon ziemlich konkret. Unwägbarkeiten gibt es aber noch viele, vor allem, wie es mit der Belastung der Spieler aussieht. Zwischen Ende Juli und Mitte November stehen für die Spitzenspieler etwa 25 Spiele in 15 Wochen an, Verletzungen sind fast schon vorprogrammiert, die Belastungssteuerung wird vor allem in den Vereinen wichtig sein. Hansi Flick kann fast ohne Einflussnahme nur auf die richtigen Dosierungen hoffen. Und dann muss er selbst entscheiden, wer fit ist und wer ins Team passt für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft in Katar. Zumindest das Halbfinale ist schließlich im Visier.

Die Spiele der Wahrheit

Man glaubt es kaum: Die bei der Einführung kritisierte Nations League wird plötzlich zu einem attraktiven Wettbewerb. Wortführer dieser Wende ist DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff: „International ist die Nations League enorm wichtig. Sie hat an Bedeutung und Prestige gewonnen, es ist ein interessanter Wettbewerb, der für uns unter mehreren Aspekten wichtig ist.“ Na ja, vielleicht will er auch nur Zuschauer locken. In diesem Jahr heißt es aber im Sommer Nations League statt Weltmeisterschaft, die bekanntlich diesmal im Winter in Katar stattfindet.

So machen viele Trainer aus einem einst unbeliebten Wettbewerb einen wertvollen Härtetest. Dies gilt vor allem für Bundestrainer Hansi Flick, der trotz einer Erfolgsserie in der WM-Qualifikation endlich sehen will, wie stark seine Mannschaft wirklich ist. Siege über zweitklassige Gegner können nämlich blenden. Und so werden die vier Begegnungen in der Nations League gegen Italien (am Samstag in Bologna und am 14. Juni), England (7. Juni) und Ungarn (11. Juni) zu Spielen der Wahrheit. Flick will wissen, wer seiner Schützlinge wirklich das Zeug zur WM-Teilnahme hat.

Entsprechend muss der Bundestrainer auch keine Angst haben, dass sich seine Kandidaten hängen lassen. Keiner ist mit Belgiens Star Kevin de Bruyne auf einer Linie, der sagt, „die Nations League interessiert mich nicht“. Im DFB-Team werden in den nächsten Spiele die Plätze vergeben und Hansi Flick schürt den Wettbewerb: „Keiner darf sich sicher sein“. Sicher ist sich der Bundestrainer nur, dass er an seinem erprobten 4-2-3-1-System festhalten will und er fragt, „warum soll ich eine Offensivkraft für einen Innenverteidiger opfern?“ Was nicht heißt, dass er doch einmal umstellt…

Aber seine WM-Kandidaten können sich darauf einstellen, um welche Positionen es geht. Eigentlich hat nur einer seinen Platz sicher, nämlich Kapitän Manuel Neuer im Tor. Marc-Andre ter Stegen bleibt Zweiter und darf sich jetzt sogar ausruhen, Europa-League-Held Kevin Trapp und Hoffenheims Oliver Baumann sind diesmal seine Vertreter. Es gibt natürlich einige Favoriten, so Niklas Süle und Antonio Rüdiger in der Innenverteidigung, das Mittelfeld-Duo Joshua Kimmich und Leon Goretzka, dazu die Bayern-Dreier-Reihe davor mit Gnabry-Müller-Sané. Schwächen könnte die Konkurrenz sofort ausnutzen, schließlich drängen mit Kai Havertz und Ilkay Gündogan Spieler in die erste Elf, die internationale Bewährungsproben in ihren Vereinen in England bestanden haben. Bayern-Youngster Jamal Musiala ist auf vielen Positionen einsetzbar und immer für eine Einwechslung gut und vergessen wir nicht, dass Flick in Katar wohl auch auf Leverkusens Talent Florian Wirtz bauen kann.

Die größten Fragezeichen gibt es bei den Außenverteidigern und beim Mittelstürmer, wo Timo Werner von Flick gestützt wird, aber nicht schwächeln darf, Lukas Nmecha und Karim Adeyemi sind mit unterschiedlichen Spielanlagen adäquate Vertreter. Auf den Außenbahnen aber heißt die Frage defensiv oder offensiv. Mit Thilo Kehrer meldet hier noch ein Flick-Schützling Ansprüche an, wenn es um die Defensive geht. Die offensiven Varianten heißen Jonas Hofmann und David Raum, der Flankenkönig der Bundesliga. Im Hintergrund lauern Benjamin Henrichs und Lukas Klostermann als solide Vertreter und ohne besondere Stärken in Offensive und Defensive.

26 Spieler hat der Bundestrainer für die Nations League nominiert, Marco Reus fehlt vorerst wegen Erkrankung. 23 werden im November nach Katar fliegen können, jetzt gilt es für einige, sich auch im Training anzubieten. Hansi Flick betont, dass die Tür (natürlich) geöffnet bleibt, diesmal sind u. a. Matthias Ginter, Christian Günter, Robin Goosens, Florian Neuhaus und Emre Can nicht dabei, andere wie Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah, Julian Brandt oder Anton Stach dürfen sich dagegen zeigen. Die Nations League kann für sie zum Sprungbrett werden. Im Zweifelsfall hat der Kandidat einen Vorteil, der auf mehreren Positionen einsetzbar ist.

Die Frage ist, ob Italien wirklich zum Härtetest wird, schließlich findet die WM ohne sie statt. Auch die Generalprobe ging verloren, im „Finalissima“, dem Duell zwischen Europameister und Südamerika-Champion unterlag Italien Gegner Argentinien (mit einem starken Messi) mit 0:3. Traurig war vor allem Abwehrikone Chiellini, der sich mit diesem Spiel aus der Nationalmannschaft verabschiedet hat. Deutschland so stark wie Argentinien, da liegt die Messlatte hoch. Aber wie ist der Tipp von „Dauerschwätzer“ Lothar Matthäus: „Deutschland zählt zu den WM-Favoriten.“ Wenn er da nicht zu voreilig ist. Warten wir erst mal die Spiele der Wahrheit ab!

Jürgen Klopp als Tröster, nicht als Triumphator

Immer wieder wurde Jürgen Klopp damit konfrontiert: Er könne der große Triumphator werden und mit dem FC Liverpool gleich vier Titel holen, was bisher noch keinem Trainer in England gelungen ist. Der deutsche Erfolgstrainer wehrte jeweils ab, „das ist fast ein Ding der Unmöglichkeit“, zumal das Programm Stress pur bedeutete. Jetzt sieht er sich bestätigt, die Meisterschaft knapp gegen Manchester City und Pep Guardiola um einen Punkt verloren, im Finale der Champions League wieder unterlegen, beim 0:1 gegen Real Madrid zwar Liverpool die bessere Mannschaft, aber Sieger war Real mit Carlo Ancelotti. Klopp bleiben die beiden Pokalsiege im FA Cup und League Cup, gefeiert wurde am Sonntag in Liverpool trotzdem eine tolle Saison und der 54-jährige verspricht den Fans: „Nächstes Jahr greifen wir wieder an.“ Klopp aber hat sein drittes CL-Finale verloren, 2013 mit Dortmund gegen die Bayern (1:2), 2018 mit Liverpool gegen Real Madrid (1:3) und jetzt wieder. In die Siegerliste konnte er es sich dennoch eintragen, als er den Fans der „Reds“ nach langer Leidenszeit 2019 den Henkelpott bescherte (2:0 gegen Tottenham). Eins ist sicher: Liverpool erwartet von Klopp, der seinen Vertrag bis 2026 verlängert hat, weitere Titel!

Der Held im Finale in Paris war kein Trainer oder Stürmer, sondern Real-Torhüter Thibaut Courtois. Der Zwei-Meter-Mann machte das Spiel seines Lebens, zeigte bisher schon in dieser Saison die meisten Paraden aller Torhüter in der Königsklasse und stoppte bei neun Großchancen (so viele wehrte noch nie ein Torhüter in einem Finale ab!) fast allein die gegnerischen Stars Salah, Mané, Luis Diaz oder Alexander-Arnold. Real kam fast nur einmal gefährlich vor das gegnerische Tor, das reichte zum Treffer von Vinicius Junior. Torjäger Benzema spielte diesmal keine Rolle. Reals Triumph kam umso überraschender, da die CL-Saison holprig begann (u. a. 1:2 gegen Sheriff Tiraspol) und vier Niederlagen den Weg ins Finale säumten. Allerdings zeigten die „Königlichen“ in den K.o.-Runden gegen Paris, Chelsea und Manchester City ungeheure Come-Back-Qualitäten.

Nicht Klopp, sondern Carlo Ancelotti hinterlässt Spuren in der Königsklasse. Der 62-jährige Italiener ist einer der erfolgreichsten Trainer Europas, holte als Einziger in den fünf großen Ligen die Meisterschaft, sammelte insgesamt 19 Titel und gewann als Rekord jetzt viermal die CL, schon 2014 mit Real, 2003 und 2007 aber auch mit dem AC Mailand. Aber nicht seine taktischen Leistungen werden gerühmt, sondern sein Umgang mit den Spielern. „Ancelotti behandelt die Spieler wie eine Familie“, lobt Real-Präsident Perez und notfalls übernehmen die Stars die Taktik-Aufgaben. „Er fragt uns nach der Meinung“, freuen sich Toni Kroos und Co. Der Mittelfeldstratege stand selbst auch im Mittelpunkt, er gewann nämlich den Henkelpott jetzt schon zum fünften Mal (Real zum 14. Mal) und ist damit der erfolgreichste deutsche Spieler. Gute Laune hatte er nach dem Spiel zunächst nicht, die Fragen des ZDF-Reporters gefielen ihm nicht, „was sind das für Scheißfragen“, kanzelte er Nils Kaben ab und murrte „typisch deutsch“. Gute Laune hatte er erst danach mit seinen Kindern auf dem Platz. Gute Laune hatte auch David Alaba, der grinste zum Wechsel von Bayern nach Madrid: „Alles richtig gemacht“!

Überschattet wurde das Endspiel von chaotischen Zuständen rund um das Stadion. Laut UEFA hatten Hunderte von Liverpooler Fans versucht, sich mit gefälschten Eintrittskarten Zugang zu verschaffen und hätten die Drehkreuze am Eingang lahmgelegt. Dazu versuchten viele Fans auch ohne Karte über den Zaun ins Stade de France zu gelangen. Die Polizei war offensichtlich überfordert, versuchte die Fans mit Tränengas zurückzudrängen, das Geschehen war am Rande der Massenpanik. Die Bilanz: 238 Verletzte, 105 Festnahmen, Spielbeginn 36 Minuten später. Ein schönes Fußball-Fest sieht anders aus. Krawall gab es auch am Sonntag in Frankreich, als in St. Etienne vermummte Zuschauer als Reaktion darauf, dass ihr Verein gegen Auxerre das Elfmeterschießen verlor und absteigen muss, den Platz stürmten und mit Pyros und Raketen auf Spieler und Polizei losgingen. Die Schattenseiten des Fußballs sind zurück.

Dabei hatte es noch viele Feste gegeben. Am Mittwoch holte sich der AS Rom mit einem 1:0 gegen Feyenoord Rotterdam den Sieg in der Europa Conference League. Die anfangs belächelte drittklassige Konkurrenz wurde für die UEFA zu einem Erfolg, durch prominente Namen gewann sie an Bedeutung. Rom feierte, als hätte es die Champions League gewonnen und Trainer José Mourinho war es auch egal, welchen Pokal er in den Händen hielt, er hatte seinen fünften europäischen Titel gewonnen – ein Rekord! AS Rom war zuletzt 1961 auf Europas Bühnen erfolgreich – siegte im damaligen Messepokal!

Gefeiert wurde auch in Deutschland, genauer in Wolfsburg. Das ist schon Gewohnheitssache, die Wölfinnen gewannen in Köln vor 17.000 Zuschauern wieder den DFB-Pokal mit einem klaren 4:0 gegen Turbine Potsdam und ihr Name wurde seit 2015 immer auf dem Pokal eingraviert. Gefeiert wurde zum Abschied vor allem Torhüterin Almuth Schult, die in neun Jahren Wolfsburg sechs Meisterschaften und acht Pokalsiege gefeiert hat. Dazu gewann sie mit dem VfL 2014 die Champions League, wurde mit Deutschland 2013 Europameister und 2016 Olympiasieger. Jetzt schlägt sie ein neues Kapitel auf, wechselt nach der Europameisterschaft im Juli nach Los Angeles zum Angel City FC, gegründet u. a. von der Schauspielerin Natalie Portman, Eigentümerinnen sind u. a. Tennis-Star Serena Williams, Ski-Star Lindsey Vonn und NBA-Legende Dwyane Wade. Alle haben eins gemeinsam: Sie wollen den Frauensport voranbringen. Almuth Schult hat für 18 Monate unterschrieben, zieht mit Familie um und weiß: „In Deutschland ist das nicht möglich.“

Ukraine kämpft um die WM

Nach all den Festivitäten haben im Fußball die Nationalmannschaften das Wort, in der Nations League wird gespielt und ein noch bedeutenderes Match steht an: Die vom Krieg gebeutelte Ukraine kämpft um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Winter. Im Play-Off-Halbfinale tritt die Ukraine am Mittwoch im altehrwürdigen Hampden Park in Glasgow gegen Schottland an. Es ist das erste offizielle Spiel, seit Putins Russland im Februar die Ukraine überfallen hat.. Die Mannschaft will ein Zeichen setzen, trainiert seit Wochen im westlichen Europa, ist aber außer einem Benefizspiel in Mönchengladbach ohne Spielpraxis. Es ist also wahrlich kein Spiel wie jedes andere.

Die deutsche Nationalmannschaft hatte letzte Woche „Familientrainingslager“ in Marbella (vier Kinder waren dabei), am Wochenende frei und traf sich am Montag in Herzogenaurach zur Vorbereitung auf vier Spiele. Los geht es am Samstag in Bologna gegen Italien. Mehr dazu beim Sport-Grantler noch in dieser Woche.

Aus der Traum im Eishockey

Gefeiert wurde bei der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft nicht. Das Team von Bundestrainer Toni Söderholm war zwar mit Optimismus bei der Weltmeisterschaft in Helsinki und Tampere gestartet, doch die hohen Erwartungen, die die Spieler selbst geschürt hatten, konnten sie nicht erfüllen. Nichts war es mit dem Kampf um die Medaillen, das DEB-Team schied im Viertelfinale mit einer 1:4-Niederlage gegen Tschechien vorzeitig aus. Die erfolgreiche Vorrunde mit fünf Siegen in sieben Spielen hatte wohl geblendet, bzw. es wurde von allen ausgeblendet, dass es noch nie eine so schwache Vorrundengruppe gab. Die Konstellation ergab sich durch den nachträglichen Ausschluss von Russland und Belarus. Etablierte Gegner waren nur Kanada und die Schweiz – gegen beide unterlag Deutschland.

Dennoch, das Auftreten war schon eine Art Werbung für das deutsche Eishockey, doch von Turnier zu Turnier sind die Kräfteverhältnisse im internationalen Eishockey nicht gut einzuschätzen, weil man nie weiß, wie stark jede Mannschaft besetzt ist. Stehen Stars aus der NHL zur Verfügung oder nicht? Insofern nimmt Eishockey eine Sonderstellung ein, Medaillen sind nicht planbar. Deutschland fehlte z. B. Superstar Leon Draisaitl, der will lieber den Stanley Cup gewinnen. Der neue 2. DEB-Vorsitzende für Sport, Ex-Nationalspieler Andreas Niederberger, prophezeit allerdings: „Irgendwann wird der Tag kommen für eine Medaille, wir sind auf dem richtigen Weg.“ In den letzten 30 Jahren hat Deutschland 13 Mal im Viertelfinale gestanden, nur zweimal im Halbfinale und keine WM-Medaille gewonnen – dies ist der Ausgangspunkt.

In Finnland war am Sonntag die Stimmung mindestens ebenso gut wie in Madrid. Den Eishockey-Stars gelang gegen Kanada mit einem 4:3 nach Verlängerung die Revanche für die Niederlage im Vorjahr. Als Olympiasieger und Weltmeister halten sie somit das seltene Double. Da wird sich auch Toni Söderholm als Finne ein bisschen gefreut haben.

Gewinner der Saison: Zweite Liga erstklassig!

Wer hätte das gedacht, die 2. Bundesliga hat in der vergangenen Saison der 1. Fußball-Bundesliga den Rang abgelaufen. Hoffnungen auf eine besondere Saison haben sich die Vereine schon vorher gemacht, der Bundesliga-Abstieg der Kult-Klubs Schalke 04 und Werder Bremen zusammen mit dem inzwischen fast Dauer-Gast Hamburger SV sorgten schon im Vorfeld für eine gewisse Vorfreude. Die Besetzung der Liga stimmte einfach in ihrer Gesamtheit und so bot die zweite Liga Erstklassiges, was die Fans in im Oberhaus schon nicht mehr fanden. Selbst der Boulevard stieg bei dieser Konstellation ein, die Bild am Sonntag zum Beispiel erweiterte ihre Berichterstattung, nannte die Liga „Super 2 – Die Kult-Liga“ und urteilte am Ende: „Über diese spektakuläre Saison wird man noch lange sprechen.“

„Gewinner der Saison“ war die 2. Bundesliga auch im Fernsehen. Charly Classen, Boss des Rechteinhabers, Pay-TV-Sender Sky, jubelt: „Die Quoten in der 2. Liga sind um mehr als 50 Prozent gestiegen!“ Classen schreibt auch der ersten Liga ins Stammbuch: „15.30 Uhr muss das Herzstück der Bundesliga bleiben, die 2. Bundesliga lebte davon, dass wir sie komplett übertragen konnten und jeder wusste, wo sie zu sehen ist.“ Zuletzt hatte die Bundesliga TV-Zuschauer verloren, die zweite Liga dagegen gewonnen!

Es waren aber nicht nur die Traditionsklubs, die für Interesse sorgten, wie gesagt, die Konstellation stimmte. Der Norden war mit Rostock, Kiel, Hannover, HSV, St. Pauli und jetzt Bremen gut vertreten, Derbys gab es fast an jedem Wochenende. Interessante Vereine sind auch der Club aus Nürnberg, Fortuna Düsseldorf, Karlsruher SC und Dynamo Dresden. Dazu kam, dass „Nobodys“ wie Darmstadt, Paderborn und Heidenheim oben mitspielten und Interesse weckten. Auch die Dramaturgie hat also gestimmt, zumal die Favoriten Schalke, Bremen und HSV lange schwächelten und erst spät zu einer Aufholjagd starteten. Nur der HSV konnte sie nicht erfolgreiche abschließen. Er will mit Manager Jonas Boldt, Trainer Tim Walter und gezielten Verstärkungen in der nächsten Saison einen neuen (diesmal erfolgreichen) Anlauf nehmen.

Dem Unterhaus droht also weiterer Substanzverlust, die Saison 21/22 dürfte wirklich einmalig bleiben. Schon jetzt wird die Attraktivität leiden, die Absteiger Arminia Bielefeld und SpVgg Greuther Fürth sind kein Ersatz für Schalke und Bremen, sind vor allem keine Zuschauermagneten bei ihren Gastspielen. Dagegen könnten die Aufsteiger aus der 3. Liga, der 1. FC Magdeburg, Eintracht Braunschweig und der in der Relegation gegen Dresden siegreiche 1. FC Kaiserslautern für mehr Aufmerksamkeit sorgen als die Absteiger Erzgebirge Aue und FC Ingolstadt 04. Hier hat die 2. Liga wieder mehr Tradition gewonnen. Vor allem die Pfalz feiert die Wiederauferstehung der „Roten Teufel“. Die Werder-Fans hatten den besonderen Abschiedsgruß nach dem kurzen Aufenthalt im Unterhaus: „Tschüss Zweite. ‚War geil!“

Es ist das Schicksal der 2. Bundesliga auch nach dieser sensationellen Saison: Wer von oben runter kommt, will gleich wieder rauf. Denn ewig lockt das Geld und das fließt so richtig erst ganz oben. Danach trachten eigentlich auch die Drittligisten, die langfristig gesehen bei einem Aufstieg die 2. Bundesliga wiederum möglichst nur als Durchgangsstation sehen. Selten erfüllen sich solche Träume, doch sie schaden dem Image der zweite Liga als Attraktion. Eines hat nämlich dieses Erfolgsjahr auch gezeigt, jeder Verein muss seine Liga entsprechend annehmen.

Trainer-Frage beschäftigt die Bundesliga: Neuer Klopp gesucht

Frankfurts Europa-Helden sind die neuen Lieblinge der Fußball-Nation, Leipzig feierte den ersten Titel für RB (nicht Red Bull, sondern bekanntlich RasenBall) und dennoch steht in der Bundesliga bei den Vereinen ein ganz anderes Thema ganz oben: Die Trainer-Frage. In dieser Konzentration gab es das noch nie, dass ein Trainer nach dem anderen seinem Verein entweder von sich aus Adieu sagte oder eben, wie eigentlich üblich, entlassen wurde. Das ist das Geschäft, doch ob es besser wird? Entsprechend schwer ist die Trainer-Suche und im Grunde sucht nicht nur Borussia Dortmund einen Nachfolger für Marco Rose, der eigentlich nur eine Eigenschaft mitbringen soll: Er sollte sein wie Jürgen Klopp, der Erfolgstrainer, der heute noch in Dortmund geliebt wird und jetzt ebenso in Liverpool. Empathisch soll er sein, Ausstrahlung haben, Motivitationskünstler sein und die Spieler besser machen. Logisch, dass diese Suche für alle schwierig ist.

Jürgen Klopp selbst wird in Liverpool gefeiert, der totale Triumph bleibt ihm allerdings versagt, Pep Guardiola und Manchester City haben die Meisterschaft gerade noch ins Ziel gerettet. Klopp blieb mit einem Punkt Rückstand (es waren schon mal zwölf) nur der Vize-Titel, vorher gewann er allerdings beide Pokale in England, FA-Cup und League Cup. Das Triple kann er am Samstag perfekt machen, wenn er mit dem FC Liverpool in Paris gegen Real Madrid das Endspiel in der Champions League gewinnt.

Das Original Jürgen Klopp wird es also nicht geben, aber nicht jeder Coach muss sich als B-Lösung sehen. Edin Terzic in Dortmund nicht, weil er ja die Borussia vor einem Jahr in die Erfolgsspur führte, aber aufhören musste, da Marco Rose schon für die neue Saison verpflichtet war. Terzic saß die Wartezeit als Technischer Direktor auf der Tribüne ab. Die andere Borussia aus Mönchengladbach schwelgt offensichtlich in der Vergangenheit, der Schweizer Lucien Favre soll frühere Erfolge mit ihm wiederholen und die TSG Hoffenheim setzt statt Jungspund Sebastian Hoeneß auf Erfahrung und Titel und holt Andre Breitenreiter, mit dem FC Zürich Schweizer Meister, in die Bundesliga zurück. Bleiben noch der FC Augsburg (eine Spur führt zu Peter Zeidler, zuletzt St. Gallen), VfL Wolfsburg (Niko Kovac im Gespräch), Hertha BSC Berlin und Absteiger Arminia Bielefeld übrig. Adi Hütter und Markus Weinzierl werden mitunter gerüchteweise in diesen Städten gesichtet, punktgenau hat auch Ex-Bundestrainer Joachim Löw kundgetan, dass er sich einen Job in der Bundesliga gut vorstellen kann. Die Vereine auch? Löw ist alles andere als eine Klopp-Kopie. In Ruhe kann sich Löw-Nachfolger Hansi Flick das Trainer-Karussell anschauen, er „urlaubt“ in dieser Woche mit der Nationalmannschaft in Marbella.

Jürgen Klopp selbst musste bittere Minuten am Sonntag hinnehmen. Im Endkampf um den Sieg in der Premier League gab es Spannung pur. Die „Reds“ träumten schon vom Titel, als Manchester City gegen Aston Villa 14 Minuten vor Schluss mit 0:2 zurück lag, doch dann brachte Pep Guardiola den deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan, den er zwar als wertvollen Spieler adelt, der aber oft erst mal draußen sitzt. Jetzt hat sich der Wechsel gelohnt, innerhalb von 5:36 Minuten machte City aus dem 0:2 ein 3:2, Gündogan traf doppelt (!), und verteidigte damit die Meisterschaft erfolgreich. Die Nervenanspannung entlud sich auch bei Guardiola in einem Tränenstrom, vier Titel in fünf City-Jahren hat er jetzt geholt, es war seine 10. Meisterschaft in 13 Jahren als Trainer! „Dies ist der ehrlichste Titel“, bediente sich auch Pep einer bekannten Floskel, dem Sieg in der Champions League rennt er mit City vergeblich hinterher. Na ja, nächstes Jahr kommt ja Erling Haaland.

Real Madrid muss nicht nur am Samstag ohne Frankreichs Star Kylian Mbappè auskommen, sondern auch in Zukunft. Der Torjäger hat seinen Vertrag bei Paris St. Germain um drei Jahre verlängert und soll unverschämt hohe Summen kassieren. Als Handgeld sollen ihm 150 Millionen Euro gezahlt werden, das Jahressalär nimmt sich dagegen mit 40 Millionen fast bescheiden aus! Der katarische Präsident Nasser Al-Khelafi sieht darin nichts unmoralisches, auch wenn Paris 20/21 rund 200 Millionen Euro Verlust gemacht hat. Real Madrid sieht sich allerdings geprellt und will juristische Schritte einleiten. Mbappé hätte angeblich seine Zusagen gegeben und die La Liga sieht sich um ein Zugpferd für Werbeeinnahmen betrogen. Geld ist die Begleitmusik für den sportlichen Erfolg. Der Wechsel von Haaland nach Manchester soll auch ein Paket von rund 300 Millionen Euro beinhalten. Neben Manchester City in England feierte in einem spannende Finale auch der AC Mailand in Italien den Titelgewinn vor dem Lokalrivalen Inter, Real Madrid stand ja in Spanien schon lange als Meister fest (vor FC Barcelona), in Frankreich holte sich am letzten Spieltag hinter Meister Paris Olympique Marseille noch Platz vor AS Monaco.

Der Fußball erlebt Leidenschaft

Während der Corona-Pandemie war ja immer die Frage, wie der Fußball damit umgeht und wie er sich für die Zukunft verändern würde. Dazu ein Bangen, ob die Fans und ihre Leidenschaft für den Fußball zurückkehren. Heute kennen wir die Antwort: Der Fußball änderte sich nicht, Geld spielt die Hauptrolle und die Fans haben ihre Leidenschaft aufgehoben und leben sie umso mehr wieder aus. Bestes Beispiel ist Eintracht Frankfurt. Der Triumph im Finale der Europa League gegen die Glasgow Rangers löste eine Leidenschaft aus, wie wir sie in Deutschland vielleicht bis jetzt noch nie erlebt haben. Wohl auch dadurch, dass keiner der Eintracht diesen Erfolg vorher zugetraut hatte. 25 Jahre musste die Bundesliga auf einen Erfolg in der Europa League bzw. dem Vorgänger UEFA-Cup warten. Die ganze Region Frankfurt war in Aufregung, Geschäfte schlossen am Spieltag früher, manche Schule begann am nächsten Tag den Unterricht später. Fußball ist immer noch mehr als nur Sport. Elfmeter-Held Kevin Trapp und alle anderen werden nach dem 1:1 bzw. 5:4 im Elfmeterschießen ewig Legenden der Hessen bleiben.

Das darf man von den Spielern von RB Leipzig ebenfalls sagen, schließlich holten sie sich mit dem Sieg im DFB-Pokal ihren ersten Titel der (noch jungen) Vereinsgeschichte. Auch hier hieß es gegen den SC Freiburg 1:1, dann folgte ein 4:2 im Eltmeterschießen weil den Freiburgern Günter und Demirovic die Nerven versagten. Ironie des Schicksals: Demirovic, der vorher schon eine große Chance vergab, hat mit dem Fußball in Leipzig begonnen. RB-Trainer Domenico Tedesco fand den Sieg einfach „eine geile Geschichte“, Kollege Christian Streich tröstete sich mit einem Blick auf das Ganze: „Wahnsinn, was in den letzten Jahren mit dem SC Freiburg passiert ist.“ Es hätte noch mehr sein können, aber der Fußball hat eben doch seine eigenen Gesetze. Leipzig wurde besser, als es in Unterzahl spielte, der Platzverweis in der 57. Minute für Halstenberg war wie eine Befreiung. Freiburg nutzte die Chance nicht, hat sich aber in der Bundesliga nach oben gearbeitet. Neues Stadion, mehr Geld, neue Erfolge mit dem Sprung in die Europa League. Freiburg kann sich künftig höhere Ziele stecken als nur den Kampf gegen den Abstieg, die Schwarzwälder haben sich vom Gros der Liga nach oben abgesetzt und bleiben doch bodenständig und beliebt.

RB Leipzig, dass vor dem Trainerwechsel vor einer verkorksten Saison stand, wird den ersten Titel als Signal für mehr sehen und feierte auch mit Leidenschaft, 35.000 Fans sind schon ein Bekenntnis, dass der Verein zumindest in Leipzig geliebt wird. Sie wollen auch mehr, nicht nur Dortmund ruft zum Kampf gegen Dauer-Meister Bayern München auf, Leipzig will ebenfalls mitmischen. Dortmund hat mit der Verpflichtung von Nico Schlotterbeck (bester Spieler im Pokalfinale), Niklas Süle und Karim Adeyemi schon Zeichen gesetzt, jetzt kommt Özcan aus Köln noch hinzu. Die Bayern selbst halten es derzeit eher mit Vertragsverlängerungen, auf Thomas Müller folgte jetzt Kapitän Manuel Neuer, der seinen Vertrag ebenfalls bis 2024 verlängert hat. Dagegen ziert sich Robert Lewandowski, der Pole möchte lieber zum FC Barcelona wechseln. Ein Angebot über eine Ablöse von 32 Millionen Euro liegt wohl vor, der Transferwert des Torjägers, der wieder den „Goldenen Schuh“ in Europa gewonnen hat, liegt aber bei 50 Millionen. Bayern will Lewandowski zwar nicht loswerden (Kahn „Er bleibt, basta“), würde aber wohl bei 40 Millionen schwach. Der Poker mit der bekannten Begleitmusik gegenseitiger Vorwürfe ist im Gange. Auch diese Geschäfte werden mit Leidenschaft abgewickelt.

Die Saison ist vorbei, wesentliche Fragen bleiben offen

Ende, Aus – die Fußball-Bundesliga geht in die verdiente Sommerpause. Sie hat sich mit Knalleffekten verabschiedet und so ist es nur sportlich vorbei, die Entscheidungen sind gefallen, doch für Vorstände und Manager bleiben die nächsten Wochen heiß wie selten zuvor, denn wesentliche Fragen bleiben offen. Es sieht so aus, als sollte es für die Fußball-Fans bis zum Neustart der Bundesliga am 5. August nicht langweilig werden. Natürlich stehen auch noch Relegationsspiele und zahlreiche Finals auf dem Programm.

Mit Paukenschlägen endete die Saison 21/22. Wieder einmal war die Nachspielzeit wahnsinnig turbulent am gefürchteten letzten Spieltag. Eigentlich könnten sich die Fans zum Saison-Start schon auf den letzten Spieltag freuen. Zwischendurch war Freiburg der Champions League nahe, Stuttgart stand vor dem Abstieg, Hertha war gerettet, doch dann kam alles anders: 84. Minute Talent Moukoko schießt das 2:1 für Dortmund stürzt Hertha ins Jammertal, weil Endo in der 92. Minute für den VfB zum 2:1 gegen Köln einköpft und so den Klassenerhalt rettet. „Happy Endo“ – ein Jubelsturm entlädt sich in einem Platzsturm, der leider auch Verletzte bringt. Gejubelt wird auch in Leipzig, in der 93. Minute macht Orban mit dem 1:1 in Bielefeld die Champions League perfekt.

Und so endet die Bundesliga mit Bayern München als Meister, der vor 10.000 Fans wieder einmal auf dem Rathausbalkon feierte, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Rückrundensieger RB Leipzig in der Champions League, Union Berlin und SC Freiburg in der Europa League (beide für Gruppenphase qualifiziert) sowie dem 1. FC Köln in der Conference League (Play-Offs). Die letztgenannten drei Klubs waren die Überraschungen der Saison, raubten höher gehandelten Vereinen den Platz an Europas Geldtöpfen. Absteiger sind die SpVgg Greuther Fürth, die wieder nur ein einjähriges Gastspiel gab, und Arminia Bielefeld. Hertha BSC Berlin hat in der Relegation am Donnerstag (20.30 Uhr) und Montag, 23. Mai (20.30 Uhr) gegen den Hamburger SV die Chance auf den Klassenerhalt. Achtung: Die Auswärtstore-Regelung gilt wie in Europa nicht mehr.

In der 2. Bundesliga ging es ähnlich spannend und emotional zu. Auffallend, dass die Traditionsklubs diesmal die Liga am Ende aufmischten. Meister Schalke 04 und Werder Bremen schafften die sofortige Rückkehr. Dagegen muss der Hamburger SV schon vier Jahre im Unterhaus verweilen, aber die Hoffnung lebt noch. Nach drei vierten Plätzen in Folge gelang mit einem 3:2-Sieg in Rostock in letzter Minute der Sprung auf Rang drei un die Relegation mit Hertha. Eine besondere Konstellation für Hertha-Trainer Felix Magath, einst ein Star beim HSV, der sein „Herzensverein“ bleibt. Das zählt jetzt nicht mehr. Absteiger der 2. Bundesliga sind Erzgebirge Aue und Ingolstadt 04, Dynamo Dresden hat in der Relegation gegen den Dritten der 3. Liga, dem 1. FC Kaiserslautern, noch die Chance auf den Klassenerhalt. Gespielt wird am Freitag (20.30 Uhr) und Dienstag, 24. Mai (20.30 Uhr). Auch hier duellieren sich zwei Traditionsklubs, die also insgesamt fast ein richtiges Comeback feiern. Aufsteiger aus der 3. Liga sind der SC Magdeburg und Eintracht Braunschweig. Übrigens gab es ein Comeback auch noch eine Etage tiefer: Rot-Weiß Essen, der Verein von der legendären Hafenstraße, schaffte nach 14 Jahren die Rückkehr in die 3. Liga!

Das Trainer-Beben

Es waren ja nicht nur die Ereignisse auf den Spielfeldern, die für Spannung sorgten, es waren auch Entscheidungen rund um die Teams. So gab es ein regelrechtes Trainer-Beben. Wer war der Erste? Jemand hat gestoppt: Zwei Rücktritte in 24 Sekunden! Adi Hütter ging in Mönchengladbach nach dem fast schon triumphalen 5:1 gegen Hoffenheim vor die Mikrofone und bekannte, dass er die Borussia wieder verlassen werde. „Im gegenseitigen Einvernehmen“ heißt die Floskel, die Streit vermeiden soll. 7,5 Millionen Euro Ablöse hat der Österreicher gekostet, noch teurer war das Nichterreichen der Europa-Plätze. Von Einvernehmen kann in Augsburg keine Rede sein. Trainer Markus Weinzierl sprach Klartext, er hat den Eindruck, man will ihn nicht mehr. Reden mit Sportchef Stefan Reuter, nein, dass wolle er nicht. Das sagt alles. Für Aufsehen sorgte schon am Freitag der Rücktritt von FCA-Präsident Klaus Hofmann, der auch gesundheitliche Gründe vorschob. Wie es jetzt heißt (warum hat das niemand früher gemerkt?), tobt in Augsburg seit einigen Wochen ein Machtkampf in der Führungsetage. Möglich, dass die Strafe folgt. Achtmal hat der FCA das Kunststück fertiggebracht mit weniger als 40 Punkten die Klasse zu halten, das wird nicht immer so weiter gehen.

Überraschend folgte am Sonntag die nächste Trainer-Entlassung: Florian Kohfeldt und der VfL Wolfsburg gehen ebenfalls getrennte Wege. Zwar gelang die Rettung der Wölfe, doch Zufriedenheit gab es im Verein nicht, die Mannschaft blieb weiterhin unter ihren Möglichkeiten, da halt auch ein 2:2 gegen die Bayern nicht. Und noch ein Coach steht auf der Kippe, es mehren sich die Anzeichen, dass auch für Sebastian Hoeneß die Zeit in Hoffenheim zu Ende gehen könnte. Auch da klappte am Ende der Saison nichts mehr. Das Gegenstück zu all diesem Trainer-Jammer war Mike Büskens auf Schalke: Der Ur-Schalker brachte Zusammenhalt und Emotion in den Verein zurück, startete eine Siegesserie und schaffte den Aufstieg. Nur: Mike Büskens steht als Retter zur Verfügung, aber nicht als fester Trainer für eine ganze Saison. So etwas gibt es auch!

Zwei Größen der Bundesliga beendeten freiwillig ihre Karriere: Rudi Völler hört in Leverkusen als Manager auf, Sportchef Michael Zorc wurde in Dortmund verabschiedet. 44 Jahre war er bei der Borussia tätig als Spieler und Funktionär. Beide waren markante Gesichter der Bundesliga, Völler als erfolgreicher Spieler noch beliebter „es gibt nur einen Rudi Völler“.

Wer den Titel holt, sollte eigentlich fern jeder Kritik sein. Aber bei den Bayern fällt der erste Schatten auf Julian Nagelsmann. Zuletzt waren die Münchner weit entfernt von einer Meisterform, jetzt tanzte im Niklas Süle, der nach Dortmund geht, auf der Nase herum und ob Torjäger Robert Lewandowski den Verein verlässt oder nicht, wird bis zur Entscheidung für Unruhe sorgen. Fünfmal in Folge holte er die Torjäger-Kanone – ein Rekord, was seine Bedeutung unterstreicht. Bis 2023 läuft der Vertrag, „er bleibt, basta“ tönte Boss Oliver Kahn, „vielleicht war es mein letztes Spiel“, sorgt der Pole für Unsicherheit. Immerhin, die Fans auf dem Marienplatz skandierten: „Lewa bleib, Lewa bleib“. Bei Lewa geht es aber mehr um Geld als um Zuneigung. Allgemein stimmt die Zusammenstellung des Meister-Kaders nicht, geht auch noch der Torjäger, dann schwächt dies die Bayern vor allem auf der internationalen Bühne. In der Bundesliga wird es auf jeden Fall spannender werden. Geht nach zehn Titeln in Folge eine Ära zu Ende? Sollte Lewandowski gehen, verliert die Bundesliga gleich den zweiten international bekannten Torjäger, nachdem sich Erling Haaland Richtung Manchester City verabschiedet.

Ist das vielleicht ein Zeichen: Bei den Bayern muss ein Trainer gehen, nämlich Jens Scheuer bei den Frauen. Na ja, die wurden auch nur Vize-Meister. Nach zwei Jahren kam das überraschende Ende, allerdings soll das Verhältnis zum Team gelitten haben. Verabschiedet wurden auch die Spielerinnen Marina Hegering, Lineth Beerensteyn und Viviane Asseyi. Wolfsburg holte sich bekanntlich mit vier Punkten den Titel und will im Pokal das Double schaffen, Endspielgegner ist am 28. Mai (16.45 Uhr), in Köln Turbine Potsdam.

Ein Finale der Tradition

Von „neuen Helden“ ist die Rede, wenn es um Eintracht Frankfurt geht, den derzeit beliebtesten Verein bei Deutschlands Fußball-Fans. Am Mittwoch steht in Sevilla gegen die Glasgow Rangers ein Finale aktueller Underdogs an, aber eigentlich ist es eins der Tradition. Der kicker listete auf: 273 Jahre und 96 Titel kommen zusammen. Die Rangers wurden 1872 gegründet, holten 1972 den Europokal der Pokalsieger und standen noch viermal in einem europäischen Finale. Die Eintracht wurde 1899 gegründet, gewann 1980 den UEFA-Cup und stand dazu zweimal in Finals. Legendär dabei 1960 das 3:7 im Endspiel der Landesmeister gegen Real Madrid. Erleben wir wieder ein Finale, das später als legendär bezeichnet wird? Möglich ist es, denn die Fans beider Vereine sorgen für viel Emotionen. Es könnte ein schöneres Finale geben, als wenn zwei vom Namen her sogenannte Top-Klubs auftreten, da wird nämlich gern taktiert, wir dürfen dagegen auf erfrischenden Fußball hoffen.

Sevilla leitet die Serie der Endspiele ein, es folgt am Mittwoch, 25. Mai (21.00 Uhr) in Tirana (Albanien) das Finale der Europa Conference League zwischen AS Rom und Feyenoord Rotterdam, eine attraktive Paarung für die drittklassige League. Höhepunkt ist am Samstag, 28. Mai (21.00 Uhr) natürlich das Finale der Champions League in Paris zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool. Da greift Trainer Jürgen Klopp nach dem vierten Titel mit seinen „Reds“. Nummer 2 hat er geschafft mit dem Sieg im traditionsreichen FA-Cup im Elfmeterschießen (nach 0:0) gegen seinen deutschen Kollegen Thomas Tuchel und Chelsea London.

Den Reigen der Finals komplettieren die Frauen mit dem Endspiel der Champions League am Samstag, 21. Mai (19.00 Uhr) in Turin, wenn sich Titelverteidiger FC Barcelona und Olympique Lyon duellieren. Übrigens: Am letzten Spieltag haben sich auch die Frauen von Eintracht Frankfurt für Europa qualifiziert, als Bundesliga-Dritte treten sie neben Wolfsburg und Bayern in der Champions League an.

Neuer Name auf dem Pokal

Damit ist die Serie der Endspiele noch nicht vorbei, am kommenden Samstag, 21. Mai (20.00 Uhr), steht das große Pokal-Finale in Berlin an. Dabei wird ein neuer Name im DFB-Pokal eingraviert, entweder der von Favorit RB Leipzig oder der des SC Freiburg, dem wahrscheinlich eher die Sympathien gehören. Für Leipzig ist es der dritte Anlauf zu einem Titelgewinn nach Final-Niederlagen gegen die Bayern und Dortmund. In der Bundesliga trennten sich die Klubs zweimal 1:1. Bemerkenswert: Freiburg musste in allen fünf Runden auswärts antreten, das passierte erstmals seit Werder Bremen 2008/09. Werder gewann damals das Endspiel mit 1:0 gegen Bayer Leverkusen. Berlin ist ja auch auswärts… Ein besonderes Spiel wird es vor allem für den Emil Forsberg, quasi alter Schwede bei RB, der schon in der 2. Bundesliga für die Sachsen spielte. „Ich will mit Leipzig Titel gewinnen, deshalb habe ich meinen Vertrag noch einmal verlängert.“ Jetzt gilt es in Berlin.

Viele Finals, aber Nationalspieler sind kaum im Einsatz, das sollte Bundestrainer Hansi Flick in die Karten spielen. Vom 23. bis 27. Mai treffen sich die nominierten Akteure zu einem Regenerationstrainingslager in Marbella, sie dürfen dabei auch ihre Familien mitbringen. Ernst wird es danach in der Nations League in Italien (4.6.), gegen England (7.6.), in Ungarn (11.6.) und erneut gegen Italien (14.6.). Freigestellt für diese Spiele ist Torhüter ter Stegen. Beim Natioanlteam sollte es harmonisch zugehen, bei vielen Bundesliga-Klubs wird die Atmosphäre angesichts der Probleme eine andere sein…