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Hansi Flick ist mit Deutschland auf dem richtigen Weg

Die Fußball-Bundesliga rüstet zum Saison-Endspurt, doch davor wirft die Weltmeisterschaft in Katar ihren Schatten voraus. Dies nicht nur mit der Auslosung der Gruppen am Freitag, sondern auch im Kampf um die letzten WM-Tickets oder bei allen Testspielen, in denen der Kampf um die Plätze in den Mannschaften im Mittelpunkt steht. Für die deutschen Fans besonders im Blickpunkt natürlich das Duell mit dem alten Rivalen Niederlanden. Endlich ein echtes Kräftemessen nach acht Siegen gegen höchstens mittelmäßige Gegner. Hat das 1:1 jetzt besondere Erkenntnisse gebracht? Ja und Nein, denn man muss auch die acht Spiele vorher einbeziehen und einen Blick auf den Stil werfen, den Flick der Nationalmannschaft verpasst hat. Diesbezüglich bleibt auf jeden Fall ein Urteil: Hansi Flick ist mit Deutschland auf dem richtigen Weg. Manche sehen das DFB-Team als einen der WM-Favoriten, doch dazu sagt der Bundestrainer lieber nichts. Hollands Nationaltrainer Louis van Gaal nahm wie immer kein Blatt vor den Mund und tat kund: „Deutschland ist ein Top-Kandidat, kann die WM gewinnen.“

Beeindruckend war, dass Deutschland lange Zeit die Niederlande dominierte, die ja zuletzt mit guten Ergebnissen Stärke demonstrierte. Die Flick-Schützlinge spielten auf wie gegen die Fußball-Zwerge, zeigten, das lag nicht nur an der Schwäche der Gegner, da ist Qualität vorhanden. Dies überraschte umso mehr, da das DFB-Team keineswegs in Bestbesetzung antreten konnte, aber gerade das brachte dem Bundestrainer wohl wertvolle Erkenntnisse. So haben sich vor allem die Talente Jamal Musiala (19), der beste Spieler gegen die Niederlande, und Nico Schlotterbeck (23), wenn auch mit Leichtsinnsfehlern, in den Vordergrund gespielt. Sie sollten einen Platz im WM-Kader ergattern. Dagegen machten Florian Brandt und Julian Draxler eher den Eindruck, dass Flick auf sie verzichten könnte.

Im Vorfeld der WM führen ja die 80 Millionen Bundestrainer in Deutschland gern die Diskussion, wer denn für die WM in Frage komme. Am Ende werden wohl auch Corona und Verletzungen eine Rolle spielen. Aber eines hat Flick deutlich gemacht, seine Kandidaten sollten Spielpraxis haben. Das spricht zum Beispiel im Tor für Trapp statt Leno als dritten Keeper, das spricht gegen Draxler und Brandt. Andererseits gibt es Ausnahmen, so ist Thilo Kehrer, bei Paris oft auf der Bank, ein Liebling Flicks mit dem Vorteil der Vielseitigkeit, auch Stürmer Timo Werner werden Pausen verziehen, er dankt es im Nationalteam mit Toren, die ihm bei Chelsea nicht so gelingen.

Ein WM-Kader zeichnet sich deutlich ab, es bleiben nur wenige Fragezeichen. Hier der Überblick: Tor: Neuer, ter Stegen, Trapp (Leno). Außenverteidiger: Hofmann, Kehrer – Gosens, Raum. Innenverteidiger: Süle, Rüdiger, Schlotterbeck, Ginter (Tah, Koch). Mittelfeld: Kimmich, Goretzka, Musiala, Gündogan. Angriff: Müller, Reus, Sané, Gnabry, Werner, Havertz, Wirtz (Adeyemi, Nmecha). Dazu gibt es einige Kandidaten, wobei wohl für Mats Hummels der Zug abgefahren ist. Zur Debatte stehen aber Can, Neuhaus, Klostermann,, Henrichs oder Arnold. Wobei ein vielseitiger Spieler wie Emre Can Vorteile genießt. Hansi Flick hat auf jeden Fall die Qual der Wahl, die DFB-Auswahl scheint besser gerüstet zu sein als bei den letzten verunglückten WM- und EM-Turnieren unter Joachim Löw.

Vor der WM stehen noch sechs Spiele in der Nations League an, vier davon noch vor der Sommerpause im Juni. Hansi Flick möchte davor ein Trainingslager abhalten, weil vor der WM die Zeit fehlt. Gespielt wird am 4. Juni in Bologna gegen Italien, am 7. in München gegen England, am 11. in Ungarn und am 14. Juni in Mönchengladbach das Rückspiel gegen Italien. Die Runde wird am 23. September in Leipzig gegen Ungarn und am 26. September in England abgeschlossen.

Deutschland in Topf zwei

Am Freitag werden bereits die WM-Gruppen in Katar ausgelost. Drei Plätze sind noch nicht vergeben, Wales wartet auf den Sieger vom Duell Schottland gegen Ukraine, wenn die kriegsgeplagte Ukraine überhaupt im Sommer noch spielen kann. Außerdem geht es bei Peru, dem Fünften in Südamerika, gegen Australien um ein Ticket und Costa Rica trifft auf Neuseeland. Jubel gab es in dieser Woche dagegen in Polen, wo Kapitän Robert Lewandowski endlich beim größten Turnier auch mal treffen will, und Portugal, auch wenn Cristiano Ronaldo kaum in Erscheinung trat, außerdem in Kanada, das die WM-Premiere feiert und damit vor allem Alphonso Davies glücklich machte. Dabei sind USA, Mexiko und in Afrika Senegal, Marokko, Tunesien, Ghana und Kamerun. Die WM-Töpfe werden nach der Weltrangliste bestückt, deshalb findet sich Deutschland als Zehnter in Topf zwei wieder.

So sehen die WM-Töpfe aus: Topf 1: Katar als Gastgeber, Belgien, Brasilien, Argentinien, Frankreich, England, Spanien, Portugal. – Topf 2: Niederlande, Deutschland, Dänemark, USA, Mexiko, Schweiz, Kroatien, Uruguay. – Topf 3: Senegal, Iran, Japan, Marokko, Serbien, Polen, Südkorea, Tunesien. – Topf 4: Kamerun, Kanada, Ghana, Ecuador, Saudi-Arabien, Wales/Schottland-Ukraine, Peru/Australien, Costa Rica/Neuseeland.

Viel Spaß mit Spielereien, welche Gruppengegner Deutschland bekommen könnte. Es kann nur immer ein Land von einem Kontinent sein, zum Beispiel Brasilien, Polen und Kanada oder doch lieber Katar, Tunesien, Costa Rica? Nein, Katar kann es nicht werden, Louis van Gaal weiß: „Ich habe bei Auslosungen immer Glück, wir bekommen Katar.“

Vor den entscheidenden Wochen der Saison

Vor dem Start der neuen Fußball-Saison ist viel von Hoffnung die Rede, Wünsche sind an der Tagesordnung. In der Bundesliga sprechen nur die Bayern vom Titel, die nächsten wollen da sein, wenn die Münchner schwächeln, andere hoffen auf einen Platz für Europa, während der größte Teil der Klubs vor allem davon spricht, nicht mit dem Abstiegskampf konfrontiert zu werden. Die Saison ist inzwischen weit fortgeschritten, nach der Länderspielpause stehen die entscheidenden Woche an. Nur noch sieben Spieltage und in den Aussagen hat sich gegenüber dem Start nichts geändert: Es ist vor allem von Hoffnung die Rede.

Im Mittelpunkt steht mit Sicherheit der Abstiegskampf und deshalb vor allem ein Blick nach unten. Besonders involviert sind vier Vereine, nämlich Stuttgart (26 Punkte), Augsburg (26), Hertha BSC (26) und Bielefeld (25). Schlusslicht Fürth (15) muss sich mit dem Abstieg abfinden, Wolfsburg (31), Gladbach und Bochum (32) können die letzten Spiele mit mehr Zuversicht angehen. Die anderen vier sprechen aber von Hoffnung, zwei können sich direkt retten, einer wird direkt absteigen und einer muss in die Relegation. Der Spielplan will es so, dass eine Vorentscheidung in vielen direkten Duellen fällt. Wie sind die Aussichten?

Der FC Augsburg hat den Vorteil, dass noch ein Nachholspiel gegen Mainz aussteht und damit insgesamt fünf Heimspiele – der FCA baut vor allem auf Heimstärke! Bielefeld hat noch vier Heimspiele, die anderen nur drei. Ein Nachteil, jeder punktet leichter zu Hause. Der FCA hat Hertha noch zu Hause und kann am letzten Spieltag gegen Fürth darauf hoffen, dass Enttäuschung die Franken lähmt. Die Augsburger wollen auch ihren Rekord verteidigen: Sie sind in elf Jahren Bundesliga aktuell der Verein, der am meisten auf einem Abstiegsplatz stand (94mal), aber nie absteigen musste! Das soll so bleiben. Das Restprogramm: Wolfsburg (H), Mainz (H), Bayern (A), Hertha (H), Bochum (A), Köln (H), Leipzig (A), Fürth (H).

Der VfB Stuttgart baut auf sein derzeitiges Formhoch und Konterstärke im Spiel, auch der VfB duelliert sich noch mit der Hertha. Das Restprogramm: Bielefeld (A), Dortmund (H), Mainz (A), Hertha (A), Wolfsburg (H), Bayern (A), Köln (H). Hertha BSC Berlin hat es also in der Hand, in direkten Duellen mit der Konkurrenz (auch in Bielefeld) den Abstieg abzuwenden, hat aber mit der mit Abstand schlechtesten Tordifferenz (minus 31) ein weiteres Handicap. Der Abschluss gegen Dortmund könnte bitter werden, aber auch der Auftakt im Endspurt ist schwer: Erst in Leverkusen, dann das Derby gegen Union. Außerdem Augsburg (A), Stuttgart (H), Bielefeld (A), Mainz (H), Dortmund (A).

Arminia Bielefeld hatte, wie viele andere auch, vor der Saison den Klassenerhalt als vorrangiges Ziel ausgegeben und war lange Zeit im Soll. Erst jetzt am 27. Spieltag rutschte die Arminia wieder auf den Abstiegsplatz und jetzt sind die Alarmglocken nicht zu überhören. Das Restprogramm hat es in sich, zweimal Spitzenteams zu Hause, aber auch zweimal direkte Konkurrenten! Die Spiele: Stuttgart (H), Wolfsburg (A), Bayern (H), Köln (A), Hertha (H), Bochum (A), Leipzig (H). Ein Tipp für alle: Im Zweifel gewinnt man durch Standards, das zeigte sich in den letzten Spielen und auch die Nationalmannschaft machte daraus ein Erfolgsrezept.

Wenn der Blick nach oben geht, dann steht dort der Kampf um die Champions League im Mittelpunkt, da duellieren sich drei Klubs um Rang vier, der Rest darf in den nicht so attraktiven Europa- und Conference-League dabei sein. Leipzig (45 Punkte), Freiburg (45) und Hoffenheim (44) müssen aber auch die Verfolger Köln (40), Frankfurt (38) und Union (38) im Auge behalten, die ihre internationalen Ambitionen noch nicht abgeschrieben haben. Die letzten Spiele der genannten drei Konkurrenten: Leipzig trifft auf direkte Konkurrent und hat vielleicht das schwerste Programm: Dortmund (A), Hoffenheim (H), Leverkusen (A), Union (H), Gladbach (A), Augsburg (H), Bielefeld (A). Freiburg spielt gegen Bayern (H), Frankfurt (A), Bochum (H), Gladbach (H), Hoffenheim (A), Union (H), Leverkusen (A). Hoffenheim hat Bochum (H). Leipzig (A), Fürth (H), Frankfurt (A), Freiburg (H), Leverkusen (H) und Gladbach (A).

Wird der April Bayerns Monat?

Ganz oben wollen sich die Bayern nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen. Sechs Punkte Vorsprung auf Verfolger Dortmund sind aber kein sanftes Ruhekissen. Der April hat es in sich. Wird er Bayerns Monat? Er wird den Weg zum Erfolg weisen oder ihn verwehren. Der Start erfolgt in Freiburg, der Höhepunkt in der Bundesliga mit dem Schlagerspiel gegen Dortmund am Samstag, 23. April (18.30 Uhr). Da könnte die endgültige Entscheidung fallen. Die Borussia hat ihr Ziel geändert. „Wir wollen bestes Team in der Rückrunde werden“, hat Sportchef Sebastian Kehl formuliert. Psychologie: Nur kein Druck, trotzdem erfolgreich sein. Die Bayern wollen im April aber auch in der Champions League bestehen, gegen den FC Villarrael soll am 6. und 12. April der Einzug ins Halbfinale gelingen. Klappt es, könnte der April für die Weichenstellung sorgen, der Mai für die Titel. Mit dabei voraussichtlich wieder Alphonso Davies nach Herzproblemen. Er ist ein Schlüsselspieler, sowohl hinten wie auch vorn. Auch im Krankenstand durfte er feiern, Kanada hat sich auch ohne ihn für die WM in Katar qualifiziert.

Auch für die Bayern-Frauen ist der April der Monat der Entscheidung in Sachen Meisterschaft und Champions League. Ihre Position ist allerdings nicht so gut wie die der Männer. In der Bundesliga bleibt Wolfsburg einen Punkt vorn, das „Endspiel“ steigt am Sonntag (14.00 Uhr) in Wolfsburg, das Hinspiel haben die Wölfinnen in München 1:0 gewonnen. Zuvor müssen die Bayern-Mädels ein Ausscheiden in der CL verhindern, nach dem 1:2 im Hinspiel gegen Paris St. Germain ist die Aufgabe am Mittwoch (21.00 Uhr) im Rückspiel in Paris gewaltig. Und Corona machte die Aufgabe noch schwerer, sechs Spielerinnen (Zadrazil, Dallmann, Wenninger, Vilhjalmsdottir, Damnjanovic, Klett) haben sich infiziert und fallen aus. Da bleibt nur ein Häuflein erstklassiger Spielerinnen übrig. Und das vor den entscheidenden Duellen.

Die Wölfinnen dürfen sich im Vorteil fühlen. Sowohl gegen die Bayern als auch am Donnerstag (18.45 Uhr) im Rückspiel gegen Arsenal nach dem 1:1 in London.

Für Flick wird es ernst

Seine neue Aufgabe als Bundestrainer war für Hansi Flick nach dem Triple mit den Bayern eine leichte. Nur zweitklassige Gegner und acht Siege in acht Spielen – neuer Rekord. Am Samstag ohne viele Stammspieler ein 2:0 gegen Israel, aber jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt kommen starke Gegner, jetzt wird es ernst. So richtig noch nicht am Dienstag (20.45 Uhr) in Amsterdam gegen die Niederlande, ist ja nur ein Testspiel. Danach sind aber in der Nations League Italien, England und Ungarn im Juni und September in Hin- und Rückspielen die Gegner. Und dann folgt die Weltmeisterschaft vom 21. November bis 18. Dezember in Katar. Die Auslosung der Gruppen gibt es bereits am Freitag, 1. April (17.00 Uhr). Kein April-Scherz, Deutschland wird nur in Topf 2 vertreten sein, trotz der Siegesserie von Hansi Flick.

Zu diesen Themen, ein Fazit der Länderspiele und ein Blick auf die Auslosung, mehr in einem weiteren Blog im Laufe der Woche.

Dortmund will den Titel nicht

Kurze Zeit sah es so aus, als sollte in der Fußball-Bundesliga eine neue Ära anbrechen: Die Bayern schwächelten und Borussia Dortmund rumpelte sich jeweils zu 1:0-Siegen, zeigte Stärken, die sonst den Münchner zugeordnet werden: Schlecht spielen und dennoch gewinnen. Auf vier Punkte schrumpfte der Bayern-Vorsprung, Unruhe machte sich schon breit und es klang nach Selbstberuhigung, als Trainer Julian Nagelsmann kundtat: „Wenn wir alle Spiele gewinnen, werden wir Meister.“ Oder die Dortmunder gewinnen nicht und fallen in alte Muster zurück. So ist es nämlich, alles wieder wie vorher: Die Bayern trumpfen auf und Dortmund kann die Erfolgsserie nicht fortsetzen (1:1 in Köln). Wieder sechs Punkte Rückstand und wie schon so oft nur ein kurzer Borussia-Hoffnungsschimmer und die ernüchternde Feststellung: Dortmund will den Titel nicht.

Das 1:1 zuletzt gegen Leverkusen schmerzte den Dauer-Meister, doch dann war es sogar eine gute Bayern-Woche. Zuerst in der Champions League ein bisschen Los-Glück, nicht ein Kaliber wie Liverpool (evtl. im Halbfinale) oder Manchester City, sondern der FC Villarreal, immerhin Überraschungssieger gegen Juventus Turin. Auch die Ausfälle in der Abwehr waren nicht so schlimm wie befürchtet, Süle (verletzt) und Pavard (Corona) fielen aus, aber die franzöische Junioren-Abwehr Upamecano/Nianzou schlug sich gegen Union tapfer. Vor allem der erst 19-jährige Tanguy Nianzou beeindruckte. Er galt als großes Talent, als er vor zwei Jahren aus Paris geholt wurde, bekam in München aber kaum Einsatzzeiten. Jetzt war Not am Mann und die Überraschung groß. Julian Nagelsmann macht bei beiden Talenten bisher Probleme mit der Konzentration aus und moniert Leichtsinnsfehler. Die hielten sich diesmal in Grenzen, aber das 4:0 gegen Union täuscht, denn die Berliner hatten selbst gute Chancen und halfen bei den Gegentoren ein bisschen mit. So kennen es die Bayern und Nagelsmann lobt sogar: „Nianzou ist unser bester Kopfballspieler.“ Er zeigte dies bei seinem ersten Bundesliga-Tor. Das Spiel könnte sein Durchbruch gewesen sein.

Abseits davon erreichten die Bayern auch wieder historische Bestmarken. Es war der 1164. Sieg im 1935. Spiel, damit wurde Werder Bremen als Rekordhalter mit 1934 Spielen abgelöst. Und Torhüter Manuel Neuer löste seinen Chef Oliver Kahn ab, er feierte nämlich mit seinem 311. Bundesliga-Sieg einen neuen Rekord, Kahn erreichte 310. Oliver Kahn wird diesen Verlust verschmerzen, was ihn aber ärgert, ist der Druck, der von den Medien aufgebaut wird, weil es bei den Vertragsverlängerungen der Leistungsträger Lewandowski, Müller und Neuer hapert. Zwar laufen ihre Verträge erst 2023 aus, aber vor allem der Boulevard hätte gern eine sofortige Vertragsverlängerung und liefert sich selbst ein tägliches neues (altes) Thema. Bayern-Präsident Hainer spricht zwar davon, sich nicht treiben lassen zu wollen, doch genau das ist der Fall. Ruhe gibt es erst, wenn man weiß, was Sache ist. Na ja, und wichtig für die Zukunft ist es ja auch. Bleiben die „Chefs“ Lewandowski, Müller und Neuer weiter an Bord, muss die Konkurrenz noch länger die Meisterschale in München anschauen.

Einen Rekord gab es auch in Mainz. Beim 4:0 gegen Bielefeld (vier Zu-Null-Niederlagen in Folge = Abstiegsplatz!) verwandelten die 05er ihren 36. Elfmeter in Folge! Novum: Innerhalb von 14 Minuten gab es drei Elfmeter für Mainz, die drei verschiedene Spieler (Niakhate, Burkardt, Ingvartsen) verwandelten. Novum auch für Schiedsrichter Felix Zwayer: Die Torlinientechnik streikte, doch Zwayer hatte das richtige Gefühl und die richtige Sicht und klärte alles per normaler Video-Ansicht.

Fluch und Segen

Auch wenn die Corona-Pandemie noch tobt, hat sich die Politik für Lockerungen entschieden und auch die Fußball-Stadien füllen sich wieder. Für viele ein Segen, weil die Stimmung zurück ist, Fußball macht wieder Spaß. Natürlich nur dann, wenn der eigene Verein gewinnt. Tut er das nicht, dann flippen manche Fans leider aus. Wenn sie volle Bierbecher Richtung Spielfeld werfen, schaden sie nicht nur dem eigenen Geldbeutel, sondern können auch ihrem Verein schaden. Also Fans können auch verflucht werden, wenn sie mit dem Bierbecher den Linienrichter treffen. So geschehen am Freitag in Bochum (das für seine Fans oft beneidet wird), Spielabbruch beim Stand von 2:0 für Gladbach. Die Punkte sind sicher weg, wahrscheinlich auch die Fans, ein Geisterspiel droht. Schade, dass manche Zuschauer auf den Rängen das Hirn nicht einschalten. Der Übeltäter müsste eigentlich ausfindig zu machen sein, per Video, aber auch die umstehenden Zuschauer sollten dem Verein helfen, der sich ja weiterhin im Abstiegskampf befindet.

Zuschauer bringen Geld, noch mehr Geld bringen Investoren, doch nicht immer sind sie glücklich damit. sie können für die Vereine Fluch und Segen sein, zugleich können sie ihre Investition auch verfluchen. Dies tut wohl Lars Windhorst, der Wohltäter von Hertha BSC Berlin, der zusehen muss, wie sie seine Millionen in Berlin verpuffen. Jetzt will er eingreifen und fordert den Rücktritt von Präsident Werner Gegenbauer bzw. fordert die Mitglieder auf, diesen bei der nächsten Hauptversammlung keinesfalls zu wählen. Windhorst mag ja recht haben, dass im Hertha-Vorstand nicht gut gearbeitet wird, doch diese Einmischung ist genau das, was Kritiker den Geldgebern vorwerfen: Investoren dürfen die Vereine nicht beherrschen. Windhorst beweist, dass die 50+1 Regelung in der Bundesliga durchaus vernünftig ist.

Dabei hat der Investor mit seinem Vorstoß in der Öffentlichkeit den Festtag der Hertha versaut. Endlich wieder ein Sieg, der erste in der Rückrunde, da wäre doch Freude pur eher richtig gewesen. Hoffenheim stellte sich beim 3:0 der Hertha ein bisschen zu demütig an, aber bei Hertha war frischer Wind zu spüren und Disziplin. Die vermittelte der neue Trainer Felix Magath, der allerdings wegen Corona im Hotel bleiben musste und die Mannschaft per Video coachte. Den Schwung brachte dagegen Co-Trainer Mark Fotheringham rein, vielleicht sogar die bessere Verpflichtung. Der 38-jährige Schotte bezeichnet sich als Kind der Arbeiterklasse, arbeitete an der Seitenlinie mehr als die Spieler auf dem Feld, riet ihnen „lasst die Handbremse weg“ und die wunderten sich, „der Typ ist Wahnsinn“. Nach nur einem Spiel wird er in Berlin schon als „Kultfigur“ bezeichnet! Gelingt die Rettung, gehört er zu den Größen in Berlins Geschichte.

Auch die Standards können Fluch und Segen sein. Gelingen sie, sind sie ein Segen und der Gegner verflucht sie. Die Hertha gewann durch Standards, Stuttgart besiegte in einem heißen Kampf den FC Augsburg durch Standards, Bayern schaffte die Vorentscheidung gegen Union durch einen Standard – also trainiert mal schön, Standards können eher die Rettung sein, als ein Investor. Zeit für Training ist, denn die Bundesliga macht eine Länderspielpause. Danach geht es aber rund, vor allem im Abstiegskampf, wo für den Rest der Saison viele direkte Duelle anstehen.

Die Länderspiele gegen Israel (Samstag in Sinsheim) und in den Niederlanden werden übrigens keine gültige WM-Generalprobe. Bedingt durch viele Ausfälle hat Bundestrainer Hansi Flick mehr einen Notkader nominiert, Spieler aus der zweiten Reihe dürfen sich zeigen, aber die Chance, sich wirklich in den Vordergrund zu spielen, ist minimal. Einer darf sich aber auf jeden Fall freuen: Dem Freiburger Nico Schlotterbeck hat Flick das Länderspieldebüt versprochen.

Geschenk für die Frauen

Die Champions League ist nicht nur bei den Männern der Knüller, sondern auch bei den Frauen. Die deutschen Vertreterinnen erhalten nun für ihre Viertelfinals ein besonderes Geschenk: Sie dürfen in den großen Männer-Arenen spielen. Die Bayern-Mädchen machen am Dienstag gegen Paris St. Germain (18.45 Uhr) den Anfang, für die Allianz-Arena sind bereits über 10.000 Karten verkauft, das 4:2 am Freitag im Campus gegen Frankfurt sahen gerade mal 1000 Zuschauer. Die Frauen sind einfach nur stolz und müssen gegen CL-Favorit Paris wohl auch über sich hinauswachsen. Die Wölfinnen sind gegen Arsenal am Mittwoch zuerst in London gefordert, dürfen dann aber im Rückspiel am 31. März in der VW-Arena spielen. Vielleicht gelingt dann sogar der Sprung ins Halbfinale.

Bei den Männern wurde das Viertelfinale ausgelost. Ob Glückslos für Bayern (siehe oben) ist die Frage. Das sind die Partien: Benfica Lissabon – FC Liverpool, Manchester City – Atletico Madrid (beide 5./13. April), FC Villarreal – FC Bayern, FC Chelsea – Real Madrid (beide 6./12. April). In der Europa League ist Bayer Leverkusen unglücklich ausgeschieden, Eintracht Frankfurt glücklich weitergekommen. Bayer-Bezwinger Bergamo bekommt es nun mit einem weiteren Bundesligisten zu tun, jetzt greift RB Leipzig ein. Frankfurt hat mit dem FC Barcelona einen prominenten Gast, der neue Stärke im spanischen Clasico demonstrierte und Real Madrid mit 4:0 bezwang.

Die neue Formel 1 im Schatten des alten Skandals

Eigentlich müssten die Motorsportfans der neuen Formel-1-Saison, die am Sonntag in Bahrain beginnt, mit Vorfreude entgegen sehen. Leider ist es aber so, dass fast mehr Skepsis dabei ist. Grund ist das Ende der letzten Saison, als der Rennleiter mit einer Entscheidung gegen die Regeln in den Kampf um den Titel eingriff. Michael Masi machte Max Verstappen zum Weltmeister, weil er nur die Autos von der Strecke räumte, die dem Niederländer im Wege standen und ihm so ermöglichte, mit frischen Reifen Titelverteidiger Lewis Hamilton zu übeholen. Red Bull triumphierte, Verstappen bejubelte einen „verdienten Titel“, aber bei neutralen Beobachtern blieb ein fahler Beigeschmack. Als Beispiel darf Rallye-Weltmeister Walter Röhrl gelten, der in einem Interview zu seinem 75. Geburtstag zum Geschehen in Abu Dhabi sagte: „Ich schaue mir das nicht mehr an, verarschen kann ich mich selbst.“

Die Formel-1-Bosse hatten wohl auch ein schlechtes Gewissen, denn Masi wurde abgelöst, er wird gleich durch drei Rennleiter ersetzt und auch einen Video-Schiedsrichter soll es künftig geben. Der Funkverkehr ist nicht mehr öffentlich, Masi hatte sich da massiv von Red Bull beeinflussen lassen und den Wünschen des Mercedes-Konkurrenten entsprochen. Der entthronte Weltmeister Lewis Hamilton tauchte danach lange Zeit ab, brennt inzwischen aber wieder vor Ehrgeiz: „Ich fühle mich frisch wie nie“, sagt der 37-jährige Brite, den gegen den 24-jährigen Verstappen wieder heiße Rennen erwarten. Der Niederländer kündigte seine bekannt harte Tour schon wieder an: „Ich nehme auf niemanden Rücksicht.“ Na ja, wenigstens auf die Regeln sollte er achten.

Für eine neue Formel 1 gibt es die größten Veränderungen seit Jahrzehnten. Insofern fangen eigentlich alle bei Null an, alle Rennwagen sind fast neu und es könnte ganz andere Konstellationen geben, als nur einen Zweikampf zwischen Mercedes und Red Bull oder sogar einen Alleingang, wie es viele Jahre Mercedes gelang. Entscheidend ist eine Kostendeckelung für alle Teams von 140 Millionen Euro (Fahrergagen ausgenommen), ein völlig anderes Aerodynamikkonzept und mächtige 18-Zoll-Reifen statt bisher 13 Zoll. Die Haltbarkeit soll größer sein, es könnte mehr Ein-Stopp-Strategien geben. Die Überholmöglichkeiten sollen besser sein, die Boliden allerdings wohl schwerer zu fahren, wie sich zeigte. Formel-1-Boss Stefano Domenicali verrät, was bezweckt wurde: „Wir wollen den Kampf zurück auf die Strecke bringen.“ Die ersten Trainingseindrücke zeigten, dass es Kräfte-Verschiebungen geben kann, Ferrari beeindruckte, Mercedes zeigte Schwächen. Doch das muss nicht so bleiben: „Und plötzlich ist Mercedes wieder schnell“, orakelt Verstappen.

Die neue Formel 1 will auch mit einem Rekord starten, Bahrain am Sonntag soll das erste von 23 Rennen sein, aber wegen des Putin-Krieges wurde Sotschi in Russland als Austragungsort gestrichen. Istanbul gilt als Ersatz-Favorit für den Termin am 25. September. Erstmals wird gleich zweimal in den USA gefahren, am 8. Juni die Premiere in Miami/Florida, und dann am 23. Oktober in Austin/Texas. Das Finale steigt wieder in Abu Dhabi am 20. November, hoffentlich diesmal ohne Skandal. Deutschland ist wieder nicht vertreten, Nürburgring und Hockenheimring ist die Formel 1 schlichtweg zu teuer geworden. Drei Sprintrennen wurden beibehalten, es gibt sie in Imola, Spielberg und Sao Paulo mit höherer Punkteverteilung.

Von einer deutschen Formel 1 kann also keine Rede mehr sein, aber deutsche Fahrer wollen schon ein bisschen mitmischen und nicht nur Zuschauer sein. Das trifft aber doch auf Sebastian Vettel zu, der an Corona erkrankt ist und in Bahrain passen muss. Ihn vertritt bei Aston Martin Landsmann Nico Hülkenberg. Mick Schumacher hatte eine bewegte Saisonvorbereitung, weil sein Rennstall besonders von dem Krieg betroffen war, floss doch Geld aus Russland. Das US-Team trennte sich vom russischen Hauptsponsor und setzte auch den russischen Fahrer Nikita Masepin vor die Tür. Er wurde durch Routinier Kevin Magnussen ersetzt, der Schumacher fordern wird. Nach einem ersten Lehrjahr und mit einem vielversprechenden neuen Auto will er jetzt zumindest um Punkte mitfahren.

Allzu viel hat sich im Fahrerlager nicht getan, gespannt sein darf man, wie sich George Russell als Nachfolger von Valtteri Bottas bei Mercedes schlägt. Das 24-jährige Talent soll neben Hamilton für mehr Punkte sorgen, könnte aber auch ein ernsthafter Konkurrent werden. Alfa Romeo wartet mit einer gänzlichen Neubesetzung auf, hat nicht nur Bottas verpflichtet, sondern auch Guanyu Zhou, der erste Chinese in der Formel 1. Er darf als Zeichen dafür gelten: In der Formel 1 ist alles neu. Dies sollte auch für die Fairness gelten.

Die Fußball-Woche der Demaskierungen

Der Brei hat den DFB-Delegierten nicht mehr geschmeckt, der Koch ist weg (siehe nächster Blog „Ein Koch verdirbt den Fußball-Brei“). Die erhoffte Revolution hat beim Bundestag am Freitag in Bonn stattgefunden, doch dies kann nur der Anfang sein, der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf ist mit weiteren Aufräumarbeiten gefordert. In Bezug auf Strippenzieher Rainer Koch fand eine Demaskierung statt, wie es überhaupt eine Fußball-Woche der Demaskierungen war.

Die wichtigste Weichenstellung fand beim DFB statt, wobei man als neutraler Beobachter skeptisch ist. Hat Bernd Neuendorf nicht ein bisschen eine Ähnlichkeit mit FIFA-Präsident Gianni Infantino? Wenn er auch dessen Großmannssucht hat, dann wird es nichts mit einem neuen DFB. Koch zumindest hat sich selbst ein Bein gestellt und sein treuer Gefährte Ronny Zimmermann, Mann der Amateure im Präsidium, tat es ihm (treu ergeben) gleich. Es hat ja schon was von einem Eigentor, dass ausgerechnet Kochs Bayern die Wissenschaftlerin Silke Sinning nominierte, die dann anstelle von Koch mit überwältigender Mehrheit gewählt wurde. Mit der Nominierung gaukelte Koch Demokratie vor, nach dem Motto, „eine Gegenkandidatin macht mir nichts aus, ist ja ohne Chance“. Dann machte er den Fehler, den Delegierten ins Gewissen zu reden, „haltet Euch an die Abmachungen und wählt mich“. Koch verhaspelte sich, Silke Sinning brachte die Mehrheit mit klarer Ansage hinter sich. Da half es nicht, dass Zimmermann laut Süddeutsche Zeitung noch am Vorabend die Reihen schließen wollte mit einem Brief, dass Sinning ja nur vorgeschlagen wurde, um den Vorwurf von undemokratischem Verhalten zu entkräften und man möge sich doch bitte an die Absprachen halten und Koch wählen“. Demokratie sollte also nur vorgegaukelt werden! Die Demaskierung war perfekt!

Die Revolution beim DFB wird auch dadurch deutlich, dass gleich fünf Frauen ins neue Präsidium gewählt wurden. Die stärkste Position hat wohl Heike Ullrich als neue Generalsekretärin (bisher interimsmäßig), bekanntestes Gesicht ist Ex-Nationalspielerin Celia Sasic als Vizepräsidentin für Gleichstellung und Diversität. DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen ist Kraft ihres Amtes dabei, zudem Sabine Mammitzsch als Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball. Erste Aufgabe wird es aber sein, dass Vertreter aus dem neuen Präsidium auch die internationalen Aufgaben bei UEFA und FIFA wahrnehmen. Dort haben Koch und Peter Peters, der Neuendorf klar unterlag, nichts mehr zu suchen.

Demaskiert hat sich auch ein weiterer Funktionär und zwar Nasser Al-Khelaifi, Scheich aus Katar, Geldgeber und Präsident von Paris St. Germain. Sein größter Wunsch – und dafür investierte er viele Millionen Euro – ist der Gewinn der Champions League, doch am Mittwoch schied Paris mit einem 1:3 bei Real Madrid nach dem 1:0 im Hinspiel schon wieder vorzeitig aus. Die Wende kam durch einen Leichtsinnsfehler von Torhüter Donnarumma, der den Ball zu lässig behandelte, von Benzema mit hartem, aber regelkonformen Einsatz gestört wurde und so Paris den Ausgleich im Spiel ermöglichte. Plötzlich wachte Real auf, Benzema erzielte innerhalb von 17 Minuten einen Hattrick und ist mit 34 Jahren jetzt der älteste Spieler, der das in der CL schaffte. Der PSG-Präsident sah aber nicht in Donnarumma, sondern in Schiedsrichter Danny Makkelie (Niederlande) den Schuldigen, weil er kein Foul pfiff. Gemeinsam mit Manager Leonardo stürmte er angeblich sogar die Schiedsrichter-Kabine und bedrängte Makkelie. Ein unmöglicher Vorgang, der von der UEFA hart mit Berufsverbot bestraft werden muss, aber auch eine deutliche Demaskierung des Scheichs. Millionen für Mbappé, Neymar und Messi hat er in seinen Augen wohl sinnlos weggeschmissen. Ein besseres Gefühl hatten die Fans, die protestierten gegen Al-Khelaifi und pfiffen beim Spiel gegen Bordeaux Neymar und Messi aus. Paris bleibt als Trostpreis nur noch der nationale Meistertitel, nachdem PSG auch im Pokal schon ausschied. Andere Sorgen hat im internationalen Fußball Chelsea London, dort hat die Regierung die Gelder von Investor Roman Abramovich wegen seiner Nähe und zu Kriegstreiber Putin eingefroren und Chelsea einen Sparkurs auferlegt. So steht sogar der Fortbestand des Vereins auf der Kippe!

Corona beschäftigt die Bundesliga

Eine Art Demaskierung hat es auch in der Bundesliga gegeben und zwar im Umgang mit der Corona-Pandemie. Die Statuten müssen wohl überarbeitet werden, denn Spielabsagen und Spielzwang sind nicht ganz eindeutig und verständlich erklärbar. So durfte Mainz nach Dortmund jetzt auch gegen Augsburg pausieren, weil angeblich keine den Statuten nach einsatzfähige Mannschaft zur Verfügung stand. Doch ging alles mit rechten Dingen zu? Der FCA wollte am Sonntag spielen, da waren Mainzer Spieler wieder gesund. In der 2. Bundesliga musste dagegen Düsseldorf trotz Corona-Ausbruch in Paderborn spielen, meldete einen Torhüter als Feldspieler und erreichte mit einem dezimierten Kader immerhin ein 1:1. Ein schaler Beigeschmack blieb aber.

Eine Corona-Schwächung musste auch schon Bayern München überstehen, doch dass es in der Bundesliga jetzt erstmals unter Jürgen Nagelsmann zwei Spiele hintereinander ohne Sieg gab (jeweils 1:1 gegen Leverkusen und bei Hoffenheim) hatte nichts mit der Pandemie zu tun. Dazwischen gab es ja das 7:1 gegen RB Salzburg, als sich zuvor schon ein bisschen Unsicherheit nach dem 1:1 im Hinspiel breitgemacht hatte. Aber da spielte Bayern den geschwächten und unerfahrenen Gegner an die Wand und Lewandowski holte sich den Rekord mit dem schnellsten Hattrick aller Zeiten in der Champions League (genauso beeindruckend die Rettungsaktionen von Coman und Sané). So wollten die Bayern gegen Hoffenheim weitermachen, doch diesmal traf nur der Torjäger einmal, ansonsten wurden die besten Chancen zunichte gemacht. Was nun Bayern? Gewinnt Dortmund am Mittwoch im Nachholspiel in Mainz schmilzt der Vorsprung auf vier Punkte. Die Liga hätte mal wieder die ersehnte Mini-Spannung. Dortmund hat auch mit Ausfällen zu kämpfen, zeigt sich aber robust. Aber bleibt das so?

Spannender bleibt auf jeden Fall der Abstiegskampf und da gab es einen Knüller. Das Hertha-Trainer Tayfun Korkut nach der 0:2-Niederlage in Gladbach nicht zu halten war, war jedem klar. Doch wer hätte auf den Trainer-Rentner Felix Magath als seinen Nachfolger getippt? Wahrscheinlich sollte es ein prominenter Name sein, damit Investor Lars Windhorst zufrieden ist. Die Verpflichtung ist eine Art Demaskierung oder eben der Griff nach dem letzten Rettungsanker. Laut kicker tauchten schon im Vorfeld viele Namen auf, doch es hagelte für Hertha und Fredi Bobic nur Absagen. Egal, ob Friedhelm Funkel, Lucien Favre, Roger Schmidt oder Niko Kovac. Jetzt also Magath, schon mal Meister-Trainer und Abstiegsretter, zuletzt aber eher ein Ritter der traurigen Gestalt, nichts klappte, egal ob in China oder Würzburg. Erste Aufgabe ist ausgerechnet gegen die erfolgreichste Mannschaft der letzten Woche, die TSG Hoffenheim. Nach der Länderspielpause wird es nicht leichter in Leverkusen und im Derby gegen Union.

Hertha hofft auf einen Aufwind, wie in der VfB Stuttgart zu verzeichnen hat, der auch bei Union punktete. Sosa und Sasa (Kalajdzic) sind die Lebensversicherung, wenn sie gesund bleiben. Die nächsten Duelle sind wegweisend, gegen Augsburg und am 2. April in Bielefeld. Den Augsburgern geht es ähnlich, zuerst Stuttgart, danach Wolfsburg und nach dem Zwischenspiel bei den Bayern das Duell mit der Hertha. Es ist dann Ostern und da weiß man bei vielen Klubs wie der Hase läuft.

International laufen auch in dieser Woche Champions League und Europa League. Aus der Bundesliga wollen Leverkusen und Frankfurt die nächste Runde erreichen, allerdings mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen. Die Eintracht steht nach dem 2:1-Sieg bei Betis Sevilla mit einem Bein im Viertelfinale, darf sich aber nicht zu sicher sein. Leverkusen hat ein doppeltes Handicap, einmal die 2:3-Niederlage in Bergamo, dann noch der Schock vom Sonntag mit der Verletzung von Talent und Dampfmacher Florian Wirtz. Er fällt mit einem Bänderriss für den Rest der Saison aus. Da könnte nach dem 0:1 im Derby gegen Köln auch der erneute Einzug in die CL in Gefahr geraten. Die Verfolger Leipzig, Freiburg und Hoffenheim liegen nur einen Punkt zurück und haben das bessere Momentum für sich.

Interesssant wird der Freitag mit den Auslosungen in den internationalen Wettbewerben, aber auch mit dem ersten Länderspielaufgebot von Bundestrainer Hansi Flick in diesem Jahr. Auch er wird Wirtz vermissen. Die einzigen Testspiele in diesem Jahr gibt es am Samstag, 26. März, gegen Israel und am Dienstag, 29. März, in den Niederlanden.

Vorher wird es aber auch beim Sport-Grantler noch interessant mit einem Blog zur neuen Saison der Formel 1 in dieser Woche. Die alte endete mit einem Skandal, die neue beginnt mit Sicherheit mit Demaskierungen. Da heißt es nämlich Maske ab: Wie stark sind die neuen Renner?

Ein Koch verdirbt den Fußball-Brei

Freitag, der 11. März 2022, könnte ein geschichtsträchtiges Datum für den Deutschen Fußball-Bund werden. Man wird sich einmal daran erinnern, dass an diesem Tag beim 44. Ordentlichen Bundestag des Verbandes die Weichen für eine seriöse Zukunft gestellt wurden oder daran, dass der DFB endgültig vom Vorbild für andere Sportarten zum Skandalverband abglitt. Die Antwort macht sich eigentlich an einer Person fest: Dr. Rainer Koch, seines Zeichens Vorsitzender des Bayerischen und des Süddeutschen Fußball-Verbandes, der ewige DFB-Vizepräsident und ebenso Interimspräsident von den Präsidenten, deren Absturz er angeblich initiierte. Das Kürzel DFB steht nicht mehr für Deutscher Fußball-Bund, sondern wird schon als „Deutsche Fußball-Betrüger“ interpretiert oder ganz einfach „Deutscher Fußball-Brei“. Doch der ist nicht schmackhaft, ein Koch verdirbt den Fußball-Brei. Wird er „kaltgestellt“ oder nicht?

Es ist bezeichnend, dass die Süddeutsche Zeitung anmerkte: „Die Staatsanwaltschaft sollte überlegen, ob sie ein Außenbüro beim DFB einrichtet.“ Gerade erst waren die Staatsanwälte wieder beim Verband zugange, es ging um Steuerbetrug, Untreue und einen undurchsichtigen, offensichtlichen Scheinvertrag über 360.000 Euro für einen dubiosen Berater. Angeblich immer involviert: Rainer Koch. In vielen Affären gaben sich die Staatsanwälte quasi die Türklinke in die Hand, der DFB selbst wollte für Aufklärung sorgen, doch erklärt er die Ergebnisse als Verschlusssache. Keiner soll erfahren, was im Hintergrund abläuft, keiner soll erfahren, wie der DFB für die Funktionäre zum Selbstbedienungsladen verkommen ist. Bezeichnend, dass „außerordentliche“ Sitzungen des Präsidiums und Vorstands im Ausland stattfanden, gern bei Welt- und Europameisterschaften. Wäre das in Deutschland nicht billiger? Wie hoch müssen Entschädigungen für die Präsidenten der Regional- und Landesverbände sein? Es sollen Betroffene Entschädigungswünsche eingereicht haben, die weit über den Einkünften in ihrem eigentlichen Beruf liegen!

Diese Absahner aus den Landesverbänden spielen die entscheidende Rolle bei der Wahl des neuen Präsidenten. Erstmals stehen zwei Kandidaten zur Wahl, erstmals gibt es damit eine geheime Wahl, was ein bisschen Hoffnung macht, dass nicht alle Ränkespiele in den Hinterstübchen zum Erfolg führen. Bisher wurde dort nämlich der künftige Präsident gekürt. Jetzt ist Bernd Neuendorf (60), Chef des Mittelrhein-Verbandes, Mann der Amateure und von Rainer Koch, der Favorit. Der einstige Politiker (NRW-Staatssekretär/SPD) brüstet sich damit, dass er Kanzler Scholz gut kennt und Weichen für den Fußball stellen könnte. Sein Gegenspieler ist Peter Peters (59), Mann des Profi-Fußballs, der von Koch nichts wissen will, aber mit der Hypothek leben muss, dass die Amateure den Profis keine Macht im DFB zugestehen wollen. Aber Aufräumarbeiten wären wichtig, um die Skandale rund um den Verband zu beenden. Vielleicht können das nur Profis…

Der Zugriff von Rainer Koch muss beschränkt werden, doch der einstige Richter findet immer ein Hintertürchen. Er will nicht im Mittelpunkt stehen, doch für den Süddeutschen Verband wird er einen Posten als Vizepräsident behalten. Das ist für ihn wichtig, weil er nur so seinen gutdotierten Posten im Exekutivkomitee der UEFA behalten kann. Die letzten Präsidenten haben alle unter ihm gelitten, der letzte, Fritz Keller, wollte aufräumen, doch das verhinderte Koch, den Keller treffend als „Spaltpilz“ bezeichnete, „der von der Intrige lebt“. Treffend auch die Beurteilung über Koch als Mann „der omnipräsent und spurlos zugleich ist“. Koch zieht die Fäden im Hintergrund, will von Skandalen und Betrügereien aber nie etwas gewusst haben. So heißt es, er hätte dafür gesorgt, dass die Ethikkommission ruhig gestellt wurde, bevor sie Klage gegen Koch einreichen konnte.

Es ist zu befürchten, dass die Grabenkämpfe um den Machterhalt im DFB auch nach dem 11. März weitergehen. Um insgesamt 262 Stimmen geht es, davon haben die Landesverbände allein 140, die DFL gerade mal 74, dazu kommt der DFB-Vorstand. Wer die Delegierten sind, weiß namentlich kein Mensch, die werden von den Landesverbänden bestimmt, den Ränkespielen sind Tür und Tor geöffnet. Dabei würde der deutsche Amateur-Fußball dringend eine starke Führung brauchen, weil vor allem die Corona-Pandemie viele Vereine in Schwierigkeiten gebracht hat und ehrenamtliche Helfer fehlen. Doch wer will an der Basis seine Freizeit opfern, wenn er die Skandale bei „denen da oben“ sieht und erleben muss, dass Verbandsfunktionäre eher an den eigenen Geldbeutel denken. So oder so erwartet den neuen Präsidenten eine schwere Aufgabe. Fritz Keller war ehrenwert und ist gescheitert. Sein Nachfolger muss aufpassen, dass ein Koch den Fußball-Brei nicht weiterhin ungenießbar macht. Außerdem ist Transparenz gefragt, die Basis muss wissen, was oben gespielt wird. Zuletzt war es leider nur schlechtes Theater.

Die Bundesliga spielt gegen den Trend

Der Sport hatte in den letzten Tagen fast weltweit eine Gemeinsamkeit: Überall sendete er ein Signal gegen Russlands Überfall auf die Ukraine. Blau und Gelb waren die angesagten Farben, die Farben der Ukraine, die Botschaften waren eindeutig: Putin stopp den Krieg, wir wollen Frieden! Es gab vor allem im Internet über die verschiedenen Kanäle das Bemühen, die Botschaft über die Verbote Russlands hinweg zum russischen Volk zu bringen, das überwiegend im Unklaren gelassen wird. Diesbezüglich hat der Sport seine Aufgabe erfüllt.

Trotz dieser unsäglichen Auseinandersetzung muss der „normale“ Sport natürlich weitergehen. Dabei bietet die Bundesliga weiterhin gute Unterhaltung, zum Teil auch, weil es drunter und drüber geht. Die Vereine spielen praktisch gegen den Trend. Ist einer sichtbar, folgt sofort das sportliche Dementi. Nicht einmal Serien-Meister Bayern spielt souverän auf, sondern zeigt sich vor allem in der Abwehr erschreckend anfällig. Gegen den Trend spielt in erster Linie Hertha BSC Berlin, das beweist, Geld schießt doch keine Tore. Mit den Investor-Millionen sollte eine glorreiche Zukunft eingeleitet werden, jetzt läuten die Alarmglocken, das Abstiegsgespenst wird immer größer. Die Vorrunde endete mit einem Hoffnungserfolg – 3:2 gegen Borussia Dortmund. Seitdem gab es mickrige zwei Punkte in der Rückrunde, acht Spiele ohne Sieg, selbst Schlusslicht Fürth hat neun Zähler gesammelt. Gegen Frankfurt (bis dahin ebenfalls nur vier Pünktchen in der Rückrunde) war das 1:4 eine Bankrott-Erklärung, vor allem für Trainer Tayfun Korkut. Er führt die Berliner nicht zur Rettung, sondern in den Abgrund. Wann handelt Sportdirektor Fredi Bobic?

Noch steht die Hertha nicht auf einem Abstiegsplatz, den hält noch der VfB Stuttgart, der in der Rückrunde auch nur fünf Punkte sammelte, aber jetzt dem Trend trotzte: Nach neun erfolglosen Spielen läutete das 3:2 (nach 0:2-Rückstand!) gegen Mönchengladbach die Wende ein. Trainer Matarazzo hofft jetzt darauf, dass sich seine Prognose bewahrheitet: „Wir müssen einmal gewinnen, dann ist der Knoten geplatzt“. Die Hoffnungsträger heißen Sosa und Kalajdzic. Das Duo sorgte im Vorjahr für Tore, jetzt ist es wieder zusammen (und erfolgreich). Gegen den Trend möchte auch Gladbach spielen, jeder sagt, für den Abstieg zu gut, doch die bittere Wahrheit nach der Niederlage in Stuttgart: Der Abstieg ist möglich. Acht Punkte in der Rückrunde sind die Bilanz eines Abstiegskandidaten, jetzt steht das Duell der Sorgenkinder an: Gladbach erwartet am Samstag (18.30 Uhr) die Hertha. Immerhin: Die Borussia hat vier Zähler mehr auf dem Konto (27:23) und könnte mit einem Heimsieg ein Hoffnungslicht anzünden. Der VfB muss zu Union Berlin, wo die Punkte hoch hängen, dann kommt der FCA zum nächsten Spiel der Wahrheit im Abstiegskampf. Der Trend? Offen.

Die Augsburger spielten auch gegen den eigenen Trend, das glückliche 1:0 in Bielefeld war nämlich das zweite gute Spiel in Folge (nach dem 1:1 gegen Dortmund), was die Schwaben bis dato nie schafften. Der Erfolg war fast überlebenswichtig, nachdem Stuttgart aufbegehrt. Gleichzeitig bringt er die Arminia in Not, die Kramer-Schützlinge sind wieder mittendrin im Abstiegskampf. Dagegen gelang Wolfsburg (1:0 gegen Union), Bochum (2:1 gegen Fürth) und Frankfurt der Befreiungsschlag. 31, 32 bzw. 34 Punkte stehen auf dem Konto, die Rettung ist nahe.

Bestes Team der Rückrunde ist RB Leipzig, unter Trainer Tedesco ging es aufwärts, der Trend geht Richtung Champions League – wenn da nicht die TSG Hoffenheim wäre. Sebastian Hoeneß und seine Mannen lassen nicht locker, sackten ein glückliches 1:0 in Köln ein und sprangen auf Platz vier. Am Samstag kommen die Bayern, die ihre übliche Sicherheit vermissen lassen, zu Hause allerdings 4:0 auftrumpften. Ob sie den Hoffenheimer Trend – vier Siege in Folge – jetzt stoppen können? Gegen Leverkusen ging es gerade noch einmal gut aus, das 1:1 war eher glücklich, Leverkusen (mit 17 Zählern zweitbestes Rückrundenteam) profitierte aber auch von einer Premiere: Dem ersten Eigentor von Thomas Müller, der völlig unnötig vor Torhüter Ulreich in eine Freistoßflanke rutschte. Sein erstes Eigentor im 725. Pflichtspiel als Profi (615 für Bayern, 110 für Deutschland)! Künftig will er wieder das gegnerische Tor anvisieren. Schon am Dienstag gegen Salzburg?

Verfolger Borussia Dortmund musste tatenlos zusehen, was die Bundesliga bot. Gegner Mainz 05 musste wegen gleich 20 Corona-Fällen im Team und Verein passen. Ein Ausfall gegen den Trend, bisher kam die Fußball-Bundesliga im Gegensatz zu anderen Sportarten (Chaos vor allem im Eishockey) noch gut davon. Am Wochenende könnte aber der nächste Mainzer Ausfall drohen, es steht am Samstag das Spiel in Augsburg an.

Die 2. Bundesliga spielt auch gegen den Trend. Sah es zwischendrin so aus, als ob Darmstadt und St. Pauli schwächeln würden und den Weg frei machen zum Aufstieg der Traditionsklubs Bremen, Hamburg und Schalke, so drehte sich der Trend wieder. Werder holte sich zwar die Tabellenspitze, dahinter aber verteidigen Darmstadt und St. Pauli die Aufstiegsplätze, während der HSV und vor allem Schalke an Boden verloren. Mit dem Club schob sich sogar noch ein anderer Altmeister ins Rampenlicht. Niederlagen in so einer Phase sind schlecht für den Arbeitsplatz, das musste Trainer Dimitrios Grammozis erkennen, der von Schalke entlassen wurde. Richtig unumstritten war er ja nie, aber er war immerhin einigermaßen erfolgreich. Bis jetzt die Delle kam und dann eben die Entlassung.

Reizvoller Pokal

Ein glückliches Händchen hatte Bob-Olympiasiegerin Laura Nolte bei der Auslosung des Halbfinales des DFB-Pokals. Auch ohne große Namen gibt es reizvolle Partien. Mit RB Leipzig gegen Union Berlin zog sie ein brisantes Ost-Duell, der reiche Newcomer gegen den Kultclub. Zweitligist HSV bekam ein Heimspiel gegen den SC Freiburg, hier heißt es Altmeister gegen die Sympathiebolzen aus Baden. Gespielt wird am 19./20. April. Bei den Frauen gibt es das Duell der Favoritenteams bereits im Halbfinale, die Bayern erwarten Titelverteidiger VfL Wolfsburg, die Partie Leverkusen – Potsdam ist dagegen das Duell der Außenseiter. Wer bekommt das richtige Ostergeschenk? Gespielt wird am 17./18. April an den Osterfeiertagen. Bereits am Sonntag, 3. April, stehen sich Wolfsburg und München in der Bundesliga gegenüber, voraussichtlich das entscheidende Spiel um die Meisterschaft. Die Bayern-Mädchen möchten gern das erneute Wolfsburger Double verhindern.

Für Bayern geht es um alles

Die Bayern-Profis sind nicht gerade in Bestform, dennoch geht es für sie in dieser Woche eigentlich um alles. In der Champions League soll der große Coup gelingen, vor allem könnten die Münchner groß kassieren. Rund 100 Millionen Euro Einnahmen winken bei einem Halbfinaleinzug, Geld, um die Stars im Verein zu halten. Davor steht zunächst aber einmal die Hürde RB Salzburg am Dienstag. Beim Hinspiel (1:1) taten sich die Bayern schwer, ein Heimsieg ist kein Selbstläufer. Aber der Trend spricht dafür: Die Bayern haben daheim noch gegen keine Mannschaft aus Österreich verloren, Salzburg in dieser Saison auswärts noch nicht gewonnen. Im letzten Duell in München gab es 2020 in der Gruppenphase ein 3:1 der Bayern. Schiedsrichter ist der Franzose Turpin, unter dessen Leitung die Bayern noch nie verloren haben! Am Mittwoch steigt aber das interessanteste Duell: Real Madrid will die 0:1-Niederlage bei Paris St. Germain wettmachen.

Auch das Achtelfinale der Europa League steht an, Eintracht Frankfurt ist am Mittwoch bei Betis Sevilla gefordert, Bayer Leverkusen tritt am Donnerstag bei Atalanta Bergamo an. Starke, aber machbare Gegner. RB Leipzig kam ohne Spiel ins Viertelfinale, da Gegner Spartak Moskau dem Bann der UEFA unterlag. Russland wurde aus dem Wettbewerb ausgeschlossen.

Ein weiterer wichtiger Termin steht in dieser Woche noch für den deutschen Fußball an: Der 44. Bundestag des DFB. Da soll der neue Präsident gewählt werden, erstmals stellen sich zwei Kandidaten zur Wahl. Als Favorit gilt Bernd Neuendorf, der Vertreter der Amateure, Peter Peters ist der Mann der Profis, aber eigentlich auch der Kandidat, der nicht zum Kreis der Ränkespieler um Dauer-Vizepräsident Rainer Koch gehört. Mehr zu dieser Wahl in einem weiteren Blog im Laufe der Woche.

Putin-Krieg wird zur Nagelprobe für den Sport

Sport und Politik solle man immer trennen, wird vor allem von den Sportfunktionären oft gepredigt, besonders dann, wenn die Grenzen verwischt werden. Dabei sonnen sich vor allem die Top-Funktionäre gern im Glanz der politischen Prominenz, an der Spitze IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und FIFA-Präsident Gianni Infantino. Jetzt wurden auch sie vom Einmarsch der Russen in der Ukraine überrascht und vor allem Infantino wirkt hilflos und wundert sich, was denn sein Freund Putin da macht. Jetzt ist aber endgültig klar, Sport und Politik lassen sich nicht trennen, der von Putin angezettelte Krieg wird zur Nagelprobe für den Sport.

Bei den Konsequenzen darf es eigentlich keine zwei Meinungen geben. Natürlich können Russlands Sportler nichts für die wahnwitzigen Entscheidungen ihres kriegslüsternen Präsidenten, aber Russland muss von der demokratischen Welt geächtet werden, da ein Überfall auf ein anderes Land nicht geht, und dazu gehört eben auch der Sport. Alle Verbände und Vereine müssen sich einig sein, dass Russlands Sport ab sofort gesperrt werden muss. Für die Nationalmannschaften Russlands muss es sogar eine längere Sperre geben, Russland als Land muss länger vom internationalen Sport ausgeschlossen werden.

Klare Kante zeigte die Interessenvertretung deutscher Spitzensportler, die darauf dringt, dass die Verbände aus Russland und Belarus aus dem Sportverbandssystem ausgeschlossen werden. Belarus deswegen, weil sich Präsident Lukaschenko als Handlanger von Putin präsentierte. Sie sehen auch die Sportler als unschuldiges Opfer, doch sie betonen, „der russische Angriffskrieg lässt keine andere Wahl, als dass Sanktionen auch unschuldigen Dritten Schaden zufügen“. Die Sportler gingen auch voran in öffentlichen Sympathiebekundungen für die Ukraine. Bevor die internationalen Verbänden reagiert haben, hatten nationale Verbände schon Konsequenzen gezogen. so haben es im Fußball Schweden, Polen und Tschechien abgelehnt, im Nations Cup gegen Russland (ein möglicher Gegner) anzutreten, auch nicht auf neutralem Boden. Manche Verbände haben schon (eigentlich logische) Konsequenzen gezogen und Wettbewerbe in Russland abgesagt. Nur die FIFFA will „abwarten, wie sich die Lage entwickelt“. Der Angriffskrieg ist aber nicht mehr rückgängig zu machen, Russland gehört so oder so gesperrt, eine mögliche Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Katar im November muss tabu sein. Finnland als Ausrichter der Eishockey-WM will zum Beispiel Russland und Belarus nicht mitspielen lassen.

Auch der deutsche Sport ist natürlich betroffen, so hat Schalke 04 jetzt Konsequenzen gezogen und den Sponsorvertrag mit dem russischen Energieunternehmen Gazprom gekündigt. Seit 15 Jahren bestand diese für Schalke lukrative Partnerschaft. In der Zwickmühle befindet sich Bundesligist RB Leipzig, der in der Europa League als nächsten Gegner Spartak Moskau zugelost bekam. Die Leipziger sollten sich weigern, gegen Moskau anzutreten. Leipzig muss aber auch absagen, weil ein Spiel gegen Moskau ein Affront gegen die langjährige Partnerstadt Kiew wäre. Da ist von RB Solidarität gefragt. Es sieht zum Glück danach aus, dass die UEFA Spartak ausschließt.

Der Sport ist ja überhaupt im Leben nur eine Nebensache, doch angesichts des Überfalls ist klar, dass sich Sport und Politik nie mehr trennen lassen. Jetzt muss der internationale Sport aber die Nagelprobe bestehen und entsprechende Konsequenzen ziehen. Wir warten darauf!

Dortmund hat alles verspielt

Und nun zur Fußball-Bundesliga. Da stand Borussia Dortmund im Mittelpunkt, hatte sich das aber ganz anders vorgestellt. Die Woche begann mit einem 6:0-Kantersieg gegen Gladbach und endete mit einem Desaster. Nach dem Ausscheiden in der Europa League am Donnerstag bei den Glasgow Rangers folgte am Sonntag ein 1:1 beim Abstiegskandidaten FC Augsburg in der Bundesliga, was wieder acht Punkte Rückstand auf Bayern München bedeutet und damit eigentlich das Aus im Titelkampf. Dortmund hat (wenn kein Wunder geschieht) in dieser Saison alles verspielt. Trainer Marco Rose, mit viel Hoffnung gestartet, kann zwar darauf verweisen, dass sechs Stammspieler fehlten, darunter vor allem Torjäger Haaland und Kapitän Reus, aber dieses Desaster der Saison wäre mit einer anderen Einstellung zu verhindern gewesen. Kein Wunder, dass erste Rufe „Rose raus“ von den Tribünen schallten. Die Fans durften wieder dabei sein und hatten dennoch keinen Spaß. Als Trostpflaster bleibt die Qualifikation für die Champions League.

Bayer Leverkusen ging den umgekehrten Weg, zeigte sich nach der 2:3-Niederlage in Mainz beim 3:0 gegen Bielefeld gut in Schuss. Vor allem der Franzose Diaby trumpfte auf und so festigte Bayer Rang drei. Jetzt folgt das Spitzenspiel in München und den Bayern könnte der schnelle Diaby ebenfalls weh tun. Die Bayern taten etwas für ihr angeknackstes Selbstvertrauen mit dem 1:0-Sieg bei Angstgegner Frankfurt. Herausgestellt wurde aber vor allem der Kampfgeist, nicht Kombinationen waren gefragt, sondern Maloche, die Bayern gewannen 65 Prozent der Zweikämpfe – Liga-Bestleistung. Joshua Kimmich war diesmal wieder Vorbild („So macht es Spaß“) und freut sich auch auf Leverkusen („Solche Spiele liebe ich“). Mit Ausfällen müssen auch die Bayern weiter leben (Hernandez Gelbgesperrt), immerhin winkt die baldige Rückkehr von Kapitän Manuel Neuer. Hinter dem Spitzentrio bleibt es eng, die punktgleichen Leipzig, Freiburg und Hoffenheim blieben auf Kurs. Vor allem Leipzig machte es besser als Dortmund, sowohl in San Sebastian, als auch in Bochum

Spannender als oben geht es unten zu. Für den FC Augsburg brachte das 1:1 gegen Dortmund einen besonderen Lohn – Platz 15, raus aus der direkten Abstiegszone. Auf den Relegationsplatz rutschte Hertha BSC Berlin durch die schlechtere Tordifferenz. Hertha ist ebenfalls durch Verletzungen und Corona gebeutelt und inzwischen ein echtes Sorgenkind, andererseits auch eine Hoffnung für den VfB Stuttgart, der mit einem Trauma der letzten Minuten fertig werden muss. Zuletzt ließ der VfB fünf Punkte in den letzten Minuten liegen, das wäre Platz 15! So fehlen vier Zähler zu Hertha BSC, also müssen die Stuttgarter auf Niederlagen der Konkurrenz hoffen und selbst den Fluch der erfolglosen Spiele durchbrechen, es sind jetzt neun Stück.

Am Samstag gibt es die nächste Gelegenheit gegen Gladbach. Die Borussia ist ja auch nicht glücklich, hat sich aber ein wenig von den heißesten Plätzen entfernt. Dennoch, die Abstiegsgefahr bleibt und da gibt es in den nächsten Wochen viele direkte Duelle. Gladbach hat gleich zwei in Folge, auf Stuttgart folgt die Hertha. Am Freitag duellieren sich schon Bielefeld und Augsburg und Bochum erwartet am Samstag Fürth. Nach der Überraschung gegen die Bayern gewannen die Bochumer nicht mehr, jetzt vielleicht gegen Schlusslicht Fürth im Duell der Neulinge?

Der Pokal der Nobodys

Eine seltsame Konstellation in dieser Woche, es ist Viertelfinale im DFB-Pokal und die bekanntesten Klubs haben Pause. Keine Bayern, kein Dortmund, kein Leverkusen, kein Gladbach. Die Ehre der Bundesligisten retteten Leipzig, Freiburg, Bochum und Union Berlin. Ihnen stehen vier Zweitligisten gegenüber, nie waren es mehr und zuletzt gab es das 2004. Da sich der HSV und Karlsruhe direkt gegenüberstehen, wird auch im Halbfinale ein Zweitligist vertreten sein. Als einziger Klub, der nicht in der ersten Liga spielte, gewann Hannover 96 im Jahr 1992 den Pokal und schaltete dabei fünf Erstligisten aus. Hannover ist wieder dabei und steht dem Favoriten RB Leipzig gegenüber. Aber eigentlich träumen alle vom Endspiel in Berlin, selten war die Chance so groß, den Pokal zu gewinnen. Es ist ein Pokalwettbewerb der Nobodys, auch wenn es vielleicht Union Berlin und Gegner St. Pauli oder auch Bochum und Freiburg im Bundesliga-Duell nicht so sehen.

Auch die Frauen spielen ihr Viertelfinale in dieser Woche aus, da sind die Favoriten Bayern München (Montag in Jena) und VfL Wolfsburg (Mittwoch gegen Sand) noch dabei. Außerdem spielen Essen – Leverkusen und Henstedt-Ulzburg – Potsdam. Im Mittelpunkt aber die Bundesliga, da am kommenden Wochenende wieder den Spielbetrieb aufnimmt, mehr oder weniger der Saison-Endspurt steht bevor. Das Spitzenspiel Wolfsburg – Bayern gibt es am 2./3. April. Mehr zu den Fußball-Frauen im nächsten Blog „Die Letzten werden die Ersten sein“.

Frauen-Fußball: Die Letzten wollen die Ersten sein

Amerikas Fußball-Nationalteam kann als Vorbild gelten: Die Frauen haben einen Vergleich mit dem US-Verband erreicht und erhalten künftig die gleichen Prämien wie die Männer. Es ist ein Sieg im ewigen Kampf um das Equal-Pay, die gleiche Bezahlung für Frauen und Männer. „Es ist ein monumentaler Schritt vorwärts“, freut sich die Kapitän und Initiatorin Megan Rapinoe. Der Verband zahlt ihnen rückwirkend 22 Millionen Dollar für entgangene Prämien und zwei weitere Millionen zur Förderung von Mädchen- und Frauenfußball. Ab sofort werden beide Nationalteams Prämien in gleicher Höhe erhalten.

Die US-Damen haben den Vorteil, dass sie in ihrer Heimat populär sind, darum kämpfen die Frauen in Europa noch, vor allem in Deutschland. Hier war der Frauen-Fußball in Europa führend, doch inzwischen haben andere Nationen dem DFB den Rang abgelaufen. England, Spanien und die Niederlande haben die Spitze übernommen, Deutschland hinkt inzwischen ein bisschen hinterher. Es geht dabei nicht nur um Anerkennung, inzwischen auch um den sportlichen Anschluss. Eine Standortbestimmung sollte der Arnold-Clark-Cup in England sein, doch da schaut es jetzt eher düster aus mit dem letzten Platz. Bangemachen gilt allerdings nicht, weil nach 14 Absagen eher ein Nachwuchsteam am Start war, erfahrene Stützen der Mannschaft fehlten. „Wembley bleibt unser Ziel“, sagt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg trotzig. In Wembley findet bei der Europameisterschaft vom 6. bis 31. Juli das Endspiel statt. Dort will das DFB-Team hin und natürlich dann auch gewinnen. Die Letzten wollen die Ersten sein.

Die Spiele in England waren allerdings ein willkommener, sogar notwendiger Test für die deutschen Mädchen, die in der WM-Qualifikation keine ernsthaften Gegnerinnen haben und leicht unbesiegt bleiben können. Diesmal waren Spitzenteams dabei, nämlich Spanien (1:1), Kanada (0:1) und Gastgeber England (1:3). Statt Erfolgserlebnissen gab es einen Lerneffekt, vor allem die unbedarfte Abwehr musste Lehrgeld zahlen, sie wurde am Ende von England überrollt. Da fehlte vor allem die fast schon dauerverletzte Marina Hegering, aber auch Lena Oberdorf. Spielerinnen wie Kapitänin Alexandra Popp, Dzsenifer Marozsan und Svenja Huth können für Ruhe und Schwung sorgen. Ohne sie geht es nicht. Deutschland hat eine schwere EM-Gruppe erwischt, Dänemark, Spanien und Finnland sind die Gegner. Da hängen die Trauben hoch, zumal der achtmalige Rekord-Europameister zuletzt international nicht erfolgreich war. Bei der EM 2017 und WM 2019 war für Deutschland jeweils im Viertelfinale Schluss, für Olympia 2021 wurde die Qualifikation verpasst. 2016 war Deutschland noch Olympiasieger.

Es passt für die Träume und Pläne im Frauen-Fußball gar nicht, dass das Nationalteam als Aushängeschild einen Durchhänger hat. Auch in Deutschland kämpfen die Frauen um mehr Anerkennung und Gleichberechtigung mit den Männern. Sie hoffen auf mehr Aufmerksamkeit, vor allem durch Fernsehzeiten. Das Turnier in England versteckten ARD und ZDF im Streamingdienst, Länderspiele werden meist nur am Nachmittag übertragen. Die Bundesliga spielt vor mehr oder weniger leeren Tribünen, Zuschauerzahlen über 1000 sind eine Seltenheit.

Bei Organisation und Spielplangestaltung muss wohl zuerst angesetzt werden. Mit zwölf Mannschaften ist die Frauen-Bundesliga zu klein, es gibt zu wenige Spieltage für mehr Aufmerksamkeit. Außerdem ist die Spielplangestaltung fast schon konfus, das Hauptaugenmerk liegt auf internationalen Terminen, die Bundesliga spielt, wenn halt Zeit ist. Nach der Winterpause gab es zwei Spieltage, dann schon wieder die Pause für den Cup in England. Es folgen immerhin fünf Spieltage am Stück vor der nächsten Pause, dann folgt der Endspurt mit gerade noch drei Spieltagen, die Saison endet am 15. Mai, fast zwei Monate vor der EM, so viel Zeit hätte die Männer auch mal gern als Vorbereitung auf ein großes Turnier.

Neidisch schauen die Frauen in Deutschland auch nach England, Frankreich und Spanien. Dort haben immer mehr Top-Vereine die Frauen unter ihre Fittiche genommen und die sind entsprechend erfolgreich. Der FC Barcelona bestimmt neuerdings das Geschehen, vorher waren es Olympique Lyon und Paris St. Germain. Die deutsche Dominanz ist vorbei. Immer mehr übernimmt England das Kommando mit Manchester United, Arsenal London und anderen. Dort steigen die Zuschauerzahlen, dort ist das Geld und zieht immer mehr Spielerinnen an. Internationale Stars machen inzwischen um die Bundesliga einen Bogen, weil sie in England, Spanien oder bei Paris mehr verdienen.

Neidisch schauen die deutschen Frauen auf spektakuläre Spiele im Ausland mit für hierzulande utopischen Zuschauerzahlen. Schon im März 2019 waren 60.739 Zuschauer in Madrid beim Spiel der Frauenliga zwischen Atletico und dem FC Barcelona. Sogar in Italien kamen 40.000 zum Frauen-Duell zwischen Juventus Turin und Florenz. In England sind zweistellige Zuschauerzahlen an der Tagesordnung, das EM-Finale in Wembley werden 70.000 sehen.

Erste Versuche gibt es jetzt auch in Deutschland. Wolfsburg war der Vorreiter, die VfL-Frauen werden das Heimspiel im Viertelfinale der Champions League gegen Arsenal London in der Volkswagen-Arena, der Heimstätte der Bundesliga-Männer, austragen. Da wollte der FC Bayern nicht zurückstehen, die Bayern-Mädchen dürfen also in die Allianz-Arena zum großen Duell in der Champions League gegen Paris St. Germain. Sie hoffen am 22. März wenigstens auf 20.000 bis 30.000 Zuschauer, also eine große Kulisse. Das Schild „ausverkauft“ wird es kaum geben, aber ein Anfang ist gemacht. Das nächste Bundesligaspiel gegen Köln am 6. März werden am Bayern-Campus allerdings wohl wieder nur ungefähr 1000 Zuschauer verfolgen. Der Blick geht aber in die Zukunft, ein Anfang ist gemacht. Vielleicht werden auch hier quasi die Letzten einmal die Ersten sein.

Die Spiele zum Vergessen werden ewig in Erinnerung bleiben

Das Feuer ist erloschen, die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking sind vorbei. Wie immer bei solchen Großveranstaltungen gab es Gewinner und Verlierer, selten ist, dass Gewinner gleichzeitig auch Verlierer sein können. Das ist zum Beispiel bei China der Fall, das Austragungsland wurde vorher schon angesichts von Menschenrechtsverletzungen und Raubbau an der Natur heftig kritisiert, blieb aber stur, präsentierte bestens organisierte Spiele mit immer freundlichen Volunteers, hervorragenden Wettkampfstätten und kämpfte erfolgreich gegen die Corona-Pandemie. Das Virus kam der chinesischen Führung gerade recht, es gab einen willkommenen Grund, das Ausland auszusperren (keine Zuschauer), Olympia lebte in einer Blase, es gab Sport in Käfighaltung, die eigene Bevölkerung feierte die Spiele vor dem Fernseher. Es waren durch die Begleitumstände Spiele zum Vergessen, aber gerade deshalb werden sie ewig in Erinnerung bleiben und das IOC muss seine Hausaufgaben machen, damit es eine Wiederholung in so einem politischen Umfeld nicht mehr gibt. Die nächsten Spiele zeigen hoffentlich wieder Olympia mit Seele und Atmosphäre, 2024 im Sommer in Paris und 2026 im Winter in Mailand und Cortina d’Ampezzo.

Es ist doch traurig, wenn es bei den Sportlern (immer Frauen und Männer) heißt, „nichts wie weg“ (zu Hause dürfen sie wieder alles sagen). Die Blase hatte zur Folge, dass an den Wettkampfstätten kaum Stimmung herrschte. „Wir Athleten haben uns die Stimmung selber gemacht“, erzählte Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger. Die gigantischen Sportstätten imponierten, aber der Blick auf die braunen Hügel, die als Wintersportstätten dienten, machten einen traurig. Richtige Berge gehören zum Wintersport. Ohne Rücksicht auf die Natur wurden hier Rennstrecken in die Natur gepfercht und wochenlang künstlich beschneit, mit Wasser, das ansonsten als rares Gut gilt. Hier muss das IOC ansetzen, keine Spiele mehr in Diktaturen mit Menschenrechtsverletzungen, keine Eingriffe mehr in die Natur und hauptsächlich müssen die Sportstätten auch für eine spätere Nutzung gebaut werden. In den Hügeln um Peking werden wohl wieder Ruinen entstanden sein, auch wenn die Regierung davon spricht, dass China ein Wintersportland geworden ist und es schon Millionen von Wintersportbegeisterten gibt.

China hat einen Beweis, dass es eine Wintersportnation geworden ist: Rang drei in der Nationenwertung hinter Norwegen und Deutschland (und vor den verhassten USA). Doch mit welchen Mitteln wurden diese Erfolge erkauft? Vor vier Jahren landete China noch auf Rang 16 mit einer Goldmedaille, jetzt gab es gleich neun Goldmedaillen. Corona bestimmte den Sport, das Dopingproblem geriet fast in den Hintergrund, wenn da nicht der Skandal um die 15.jährige Eiskunstläuferin Kamila Walijewa gewesen wäre. Die Russin wurde der Einnahme verbotener Substanzen überführt, durfte aber dennoch starten. Sie zerbrach aber am Druck der Kritik. Die Sportler des russischen NOK (Russland als Land ist ja gesperrt) waren überraschend erfolgreich, aber mal sehen, was nach weiteren Überprüfungen der Dopingproben später ans Tageslicht kommt, den Erfolgen ist nicht zu trauen und der Fall Walijewa zeigt, dass die einzig richtige Strafe für die Dopingvergehen der Russen vor allem in Sotschi 2014 eine echte Sperre gewesen wäre.

Wie immer bei Olympia gab es Favoritenstürze und erfolgreiche Medaillensammler. Spiele zum Vergessen waren es vor allem für US-Skistar Mikaela Shiffrin, der man mehrere Goldmedaillen zugetraut hatte, die aber als gestürzter Star leer ausging. Das Gegenstück war die Chinesin Eileen Gu, in San Francisco geboren, mit amerikanischer Mutter und chinesischen Vater. Seit drei Jahren startet die Ski-Freestylerin für China und das 18-jährige Model ist hübsch und intelligent, lässt sich aber von der Politik als Vorzeigechinesin vereinnahmen. Zweimal Gold und einmal Silber steuerte sie zum Erfolg der Chinesen bei und gilt bei den chinesischen Mamas als Traumvorbild für die eigenen Töchter. Erfolgreichste Medaillensammlerin war aber die norwegische Biathletin Marte Olsbu Röiseland mit fünf Medaillen, das hatte vor ihr noch keine Biathletin geschafft. Viermal Gold und einmal Bronze hat auch ihr Landsmann Johannes Thingnes Bö im Gepäck. Norwegen ist nicht nur eine Nation der Langläufer, sondern offensichtlich auch der Biathleten.

Deutschland kann eigentlich mit den Erfolgen zufrieden sein. Platz zwei in der Nationenwertung ist mehr als erwartet, zwölfmal Gold ebenso. Ein Blick hinter die Medaillen macht aber deutlich, dass nur die Sportler im Eiskanal die Bilanz geschönt haben. Allein neunmal Gold gab es für Rodler, Bobfahrer und im Skeleton. Biathlon, nordisch Kombinierer und Langläuferinnen steuerten den Rest bei. Zwei Sportarten waren also erfolgreich, fünf dagegen nicht. Eisschnell- und Eiskunstlauf sind derzeit zum Vergessen, Curling, Shorttrack und Eishockey enttäuschten. Sinnbildlich: Eishockey reiste mit breiter Brust nach Peking und flog zersaust und gerupft wieder heim.

Für die Zukunft könnten Bob und Langlauf Vorbild sein. Die Bobfahrer fuhren 2014 noch komplett hinterher, jetzt dominierten sie die Konkurrenz. Es wurde in allen Bereichen super gearbeitet, vor allem in der Entwicklung der Schlitten, die derzeit die besten der Welt sind. Im Langlauf baute Trainer Peter Schlickenrieder zielgerichtet über Jahre hinweg auf und erntete jetzt den Lohn mit Gold an seinem Geburtstag. Katharina Hennig und Victoria Carl waren mit ihrem Sieg Langlauf-Sprint die deutsche Sensation der Spiele. Also heißt es für die anderen: Nachmachen!

Die Bayern geben Rätsel auf

Spiele zum Vergessen gab es auch im Fußball. So blamierten sich die Bundesligisten in der Champions- und Europaleague, es gab keinen Sieg. Vor allem Borussia Dortmund war beim 2:4 gegen die Glasgow Rangers vollkommen von der Rolle, aber auch Leipzig gegen San Sebastian hätte man mehr als ein 2:2 zugetraut und die Bayern kamen nach schwacher Leistung und großem Glück gerade mal zu einem 1:1 in Salzburg. Die Bundesliga ist in der UEFA-Rangliste gerade mal Fünfter in dieser Saison, insgesamt ist der vierte Platz aber nicht gefährdet, obwohl Frankreich derzeit stärkste Nation ist.

Immerhin haben sich Dortmund und Leipzig in der Bundesliga für die Rückspiele in Laune geschossen. Vor allem die Borussia bleibt bei ihrem Auf und Ab und konterte mit einem 6:0 gegen Mönchengladbach. Kapitän Marco Reus schürt die Hoffnung für Donnerstag in Glasgow: „Da werden wir anders auftreten“. Muss wohl auch so sein. Gladbach dagegen erlitt einen Rückfall im Abstiegskampf und zeigte sich wieder verunsichert. Der Schlüssel zum Erfolg wird noch gesucht.

Ein Rätsel geben auch die Bayern auf. Der Meister ist von seiner Bestform meilenweit entfernt, wirkt verunsichert und zeigt nicht seine gewohnte Dominanz. Das kann doch nicht am Ausfall von Torhüter Manuel Neuer liegen. Allerdings fehlt der Schwung von Alphonso Davies, dafür wirkt der 80-Millonen-Mann Hernandez als Unsicherheitsfaktor in der Abwehr und Kimmich ist weit weg von seiner Bestform. Was nun, Jürgen Nagelsmann? Der Trainer macht selbst den Eindruck, dass er nicht weiß, wie er die Abwehrschwächen abstellen soll. Gegen Fürth wurde nach Rückstand eine Pleite noch abgewendet, aber das darf man gegen das Schlusslicht auch erwarten. Aber souverän waren die Bayern nicht. Ständiger Systemwechsel sorgt nicht für Sicherheit.

Im Abstiegskampf ist die Verunsicherung naturgemäß besonders groß, sie wird gern mit starken Sprüchen überdeckt. „Wir sind über dem Strich, dort werden wir auch bleiben“, will Trainer Tayfun Korkut von Abstiegsgefahr für Hertha BSC nichts wissen. Das 1:6 gegen Leipzig sagt aber anderes aus. An dem Tag ging aber auch alles schief: Sechs Corona-Ausfälle im Vorfeld, der als Abwehrstabilisator geholte Kempf musste frühzeitig mit Rot vom Platz. Jetzt geht es nach Freiburg, das wird nicht viel leichter. „Wir haben es noch immer geschafft“, tönt es auch aus Augsburg. Damit haben sie recht, haben sich schließlich seit dem Aufstieg 2011 behauptet und waren schon in einer prekäreren Lage. Die Leistungen sagen allerdings anderes aus, die gute Spiele sind zu selten. Am Sonntag kommt Dortmund und die Frage ist, wer ist wie in Form, im Auf oder Ab? Den Relegationsplatz hält der FCA nur, weil der VfB Stuttgart nicht ins Rollen kommt. Darauf wartet Trainer Pellegrino Matarazzo und erhält dafür einen Nackenschlag nach dem anderen. Das 1:1 gegen Bochum war eine gefühlte Niederlage mit einem dummen Gegentor kurz vor Schluss und dem Verlust von Hoffnungsträger Silas, der nach überstandener Verletzung mit einer Schulterluxation für den Rest der Saison ausfällt. Für die Rettung sind aber Punkte nötig, so wie es Bielefeld gegen Union beim 1:0 vormachte. Ein bisschen mehr Abstand nach unten und viel Hoffnung. Das gibt mehr Sicherheit als starke Sprüche.