Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Union-Fans träumen schon vom Titel

Zehn Spieltage alt ist die Saison 2022/23 der Fußball-Bundesliga und sie hat auch den Super-Sonntag hinter sich, Zeit also für eine erste Zwischenbilanz.

Der Blick auf die Tabelle erstaunt immer noch, die Außenseiter Union Berlin und SC Freiburg haben das erste Drittel der Saison bestimmt, die Top-Favoriten aus München und Dortmund dagegen Schwächen gezeigt. Dies vor allem die Borussia aus Dortmund, die jetzt auch das Duell mit dem Tabellenführer Union 0:2 verloren hat und den Anschluss zu verlieren droht. Es folgte nämlich der Absturz auf Rang acht mit immerhin sieben Punkten Rückstand nach ganz oben. Da hatte man sich nach den Verpflichtungen von Schlotterbeck und Süle etwas anderes erwartet. Dagegen Euphorie an der Alten Försterei, die Trainer Urs Fischer dämpfen will, „wir ändern unsere Ziele nicht“. Die Fans sehen das ganz anders: „Meister wird nur der FCU“ sangen sie auf den vollbesetzten Tribünen – eine Kampfansage auch an die Bayern. Nur den Klassenerhalt im Blick haben, passt wirklich nicht.

Die Münchner wollen natürlich Union stoppen, sie trumpften erneut mit einem Schützenfest auf und das gegen den Zweiten SC Freiburg. „Wir waren müde, kamen überhaupt nicht in die Zweikämpfe“, haderte dessen Trainer Christian Streich. Die Strapazen in den zusätzlichen Spielen in Europa könnten den Außenseitern Probleme bereiten, auch Urs Fischer sprach von Müdigkeit, doch sichtbar wurde sie bisher nicht. Zweifellos ist der große Kader ein Vorteil der Bayern, die aber erst einmal Konstanz beweisen müssen. „Wir wissen, dass wir liefern müssen“, merkte Leon Gorotzka an, „wir dürfen uns keine Lässigkeit mehr erlauben“. Die Bayern brauchen den großen Kader, die Ausfälle häufen sich. Kapitän Manuel Neuer (Schulter) muss derzeit zuschauen, bei Thomas Müller zwickt der Rücken, jetzt zeigte Leroy Sané beim 5:0 gegen Freiburg erst eine überragende Leistung, dann schied er mit einem Muskelfaserriss aus – Pause!

Die Bayern rückten immerhin auf Rang zwei, vor einem Jahr hatten sie sechs Punkte mehr und waren Tabellenführer mit einem Zähler Vorsprung vor Dortmund und vier vor – man höre und staune – dem SC Freiburg, der also Beständigkeit beweist (heute 18 statt 22 Punkte). Union Berlin rangierte noch auf Platz sechs und wurde am Ende Fünfter vor Freiburg. Und diesmal? Die Reise könnte wirklich bis zum Titelgewinn gehen, Union zeigt eine Zuverlässigkeit, die anderen abgeht. Da müssen die Bayern schon eher um ihre Form und die großen Ziele kämpfen. Übrigens steht am Samstag das nächste Schlagerspiel an, denn die Bayern als Zweiter gastieren beim Vierten TSG Hoffenheim. Die Breitenreiter-Schützlinge haben sich ebenso wie Frankfurt und Gladbach heimlich, still und leise nach vorne geschlichen.

Am Tabellenende fällt auf, dass im Vorjahr die späteren Absteiger Greuther Fürth und Arminia Bielefeld zu dieser Zeit bereits ganz unten rangierten. Gegen dieses böse Omen kämpfen die Revierklubs Bochum und Schalke an. Nur wenig besser geht es Leverkusen, Hertha BSC und Stuttgart. Die Stimmung bei den Klubs ist unterschiedlich. Der VfB befreite sich etwas mit dem 4:1 gegen Bochum und „befreite“ sich letzte Woche auch von Trainer Pellegrino Matarazzo. Jetzt wird ein Nachfolger gesucht, der den Erfolg zurückholen soll und möglichst auch „1000 Tage bleiben soll“ (Sportchef Mislintat). Hertha kommt nicht richtig vom Fleck, behält aber die Zuversicht. Dagegen ist der Effekt des Trainerwechsels in Leverkusen verpufft, Xabi Alonso wirkte beim peinlichen 1:5 in Frankfurt hilflos. Davor gibt es ein breites Mittelfeld, der Weg nach oben ist dabei kürzer als der nach unten. Tendenzen sind da, aber alles ist noch im Fluss.

Abwechslung im Pokal

Auch wenn auf Europas Bühne Pause ist, der Stress wird nicht weniger. Für Abwechslung sorgt in dieser Woche wieder einmal der DFB-Pokal. 15 Bundesligisten sind noch dabei, als einziger Fünftligist die Stuttgarter Kickers. Sie erwarten die Eintracht aus Frankfurt und da kommt Nostalgie auf, Erinnerungen an die Gastspiele der Kickers in der Bundesliga. Jetzt sind sie nach dem Absturz in die Fünftklassigkeit Spitzenreiter in der Oberliga Baden-Württemberg und der Aufstieg in die Regionalliga steht an erster Stelle. Der Pokal soll aber dennoch genossen werden, es gibt viel Geld und vielleicht eine Premiere: Noch nie schaffte ein Fünftligist den Sprung ins Achtelfinale (31. Januar/1. Februar und 7./8.2., Auslosung am Sonntag).

So ein richtiges Schlagerspiel gibt es nicht, ARD und ZDF haben sich die Partien Darmstadt 98 – Borussia Mönchengladbach (Dienstag) und FC Augsburg – Bayern München (Mittwoch) ausgesucht (der Rest live auf Sky). Eine durchaus gute Wahl, Darmstadt macht als Spitzenreiter der 2. Bundesliga das Duell mit Gladbach interessant und der FCA kann darauf verweisen,dass er erst kürzlich die Bayern geschlagen hat. Das 0:1 vor einem Monat ärgert die Münchner heute noch, die zudem besonders motiviert sind, weil sie die letzten zwei Jahre gegen Gladbach und Kiel jeweils in der zweiten Runde ausgeschieden sind. Die Chance auf den Pokalgewinn soll erhalten bleiben, zumal auch Gastgeber Augsburg personelle Probleme hat. Das Geld spielt beim Meister nicht die Hauptrolle, er präsentierte bei der Jahreshauptversammlung einen Gewinn von 12,7 Millionen Euro, andere Spitzenklubs in Europa melden Schulden! Es war diesmal eine ruhige Versammlung, auch wenn erneut die Verbindung zu Katar im Mittelpunkt stand. Vor allem der wiedergewählte Präsident Herbert Hainer hatte im Vorfeld den Kontakt zu den Fans gesucht.

Bayern-Frauen fordern Wolfsburg

Wie die Männer, so sind auch die Frauen des FC Bayern in ihrer Bundesliga Zweiter. Da dominierte die letzte Jahre der VfL Wolfsburg und der leistete sich in dieser Saison noch keinen Punktverlust, während die Bayern in Frankfurt zum Auftakt nur zu einem 0:0 kamen. Umso wichtiger für die Münchnerinnen also das erste direkte Duell am Sonntag (14.00 Uhr/MagentaSport) in Wolfsburg. Die Wölfinnen ziehen in die große VW-Arena um, rund 10.000 Karten sind bereits verkauft. Der Zuschauer-Boom bei den Frauen hält an, der Bayern-Campus war beim Spiel gegen Köln (4:0) mit 2500 Besuchern ausverkauft, bisher saßen meist nur rund 1000 Fans auf den Tribünen. Über 2000 Zuschauer waren es auch in Potsdam und Essen.

Die positiven Nachrichten reißen für die Fußball-Frauen nicht ab, die künftig mit den neuen Fernsehrechten ab 2023 bis 2026/27 finanziell ein dickes Plus machen. 5,1 Millionen jährlich bedeuten eine 16-fache Steigerung, nie gab es mehr Geld. Außerdem steigert sich die Fernsehpräsenz eklatant, neben MagentaSport überträgt künftig auch DAZN alle Spiele, ARD und ZDF sicherten sich zehn Highlight-Partien pro Saison und die Nationalmannschaft soll mindestens zweimal zur Primetime gesendet werden! Der Montag-Spieltag wird von der 3. Liga der Männer übernommen und da überträgt Sport1. Bei dem Sender ist der Montag etabliert. „Das ist ein bedeutender Schritt nach vorn, das ist das, was wir uns nach der erfolgreichen Europameisterschaft erhofft haben“, freut sich Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Auch in der Champions League gibt es für die beteiligten Vereine mehr Geld, da sind Meister Wolfsburg und Vize Bayern dabei, wenn in dieser Woche die Gruppenspiele beginnen (DAZN überträgt alle Spiele). Die Bayern-Mädchen werden es am Mittwoch (18.45 Uhr) gegen den FC Rosengard schwerer haben als die Wölfinnen am Donnerstag (ebenfalls 18.45 Uhr) gegen St. Pölten. Die Münchnerinnen freuen sich aber schon auf das letzte Gruppenspiel gegen den FC Barcelona am 7. Dezember, da dürfen sie nämlich in die Allianz-Arena umziehen. Der Kartenvorverkauf ist bereits gut angelaufen, der Frauen-Fußball boomt. Gut so!

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Mad Max und die Schatten über seinen WM-Titeln

Max Verstappen ist also wieder Weltmeister in der Formel 1. Er siegte beim Chaos-Rennen in Suzuka und wusste am Ende selbst nicht, bin ich jetzt Weltmeister oder nicht. Wenn der 25-jährige Niederländer den Titel holt, dann begleitet ihn das Chaos. Die Gazetten fragen zwar schon, „wird Verstappen der Größte aller Zeiten?“, aber zunächst sollte er erst einmal einen sauberen Titel einfahren. „Mad Max“ wurde er früher wegen seiner rücksichtslosen Fahrweise genannt und dazu passt, dass über seinen ersten beiden WM-Titeln ein Schatten liegt.

Erinnern wir uns an das Finale vor einem Jahr, als der Rennleiter zugunsten von Verstappen eine Entscheidung fällte, die es so vorher noch nie gegeben hatte. Damit wurde Titelverteidiger Lewis Hamilton ausgebremst und alle Welt moserte „gerecht war das nicht“. Verstappen konnte das egal sein, Hauptsache Weltmeister. In diesem Jahr konnte ihm eigentlich keiner den Titel streitig machen, die Konkurrenz besiegte sich selbst. Doch die Entscheidung endete wieder im Chaos, weil der Motor-Weltverband FIA offensichtlich nicht in der Lage ist, lupenreine Statuten zu erstellen. Der Rennleiter urteilte diesmal zwar nach einem Regen-Chaos und langen Unterbrechungen buchstabengetreu, doch was er ausgrub, hatten alle anderen nicht auf dem Schirm. Selbst der eigene Rennstall von Mad Max nicht. Vier Rennen vor Schluss ist also die Entscheidung gefallen.

Doch Halt, eigentlich doch nicht, Schatten bleiben. Nach monatelangen Buchprüfungen hat der Verband bekanntgegeben, dass Verstappens Rennstall Red Bull gegen die Satzung verstoßen hat, nämlich die Kostengrenze der Teams von 148,6 Millionen US-Dollar überschritten hat. Alle anderen hatten sich an die Regeln gehalten. Red Bull fällt oft damit auf, dass es die Konkurrenz der üblen Machenschaften bezichtigt. Wer laut schreit, lenkt offenbar von eigenen Fehlern ab. Bezeichnend ist, dass der Strafenkatalog ungewiss bleibt. Die einen glauben sogar, dass Verstappen seinen Titel verlieren könnte, die anderen sehen nur eine Geldstrafe auf Red Bull zukommen, nach dem Motto „ist ja nicht so schlimm, wenn einer betrügt“. Das Gegenteil hatte aber der Sportdirektor der Formel 1, Ross Brawn, behauptet: „Dieses Regelwerk hat Biss. Wenn du betrügerisch die Finanzregeln brichst, wirst du deinen WM-Titel verlieren.“ Geht es wirklich so weit? Müsste eigentlich, denn die Regeln wurden eingeführt, um den kleineren Teams bessere Chancen zu geben. So klagt ein betrogener Teamleiter: „Mit dem Geld hätten wir auch ein besseres Auto bauen können.“ Wie es ausgeht, ist aber auch klar: Die Formel-Bosse werden sich nicht selbst schädigen! Schatten bleiben. Die Formel 1 urteilt, wie es ihr beliebt.

Zunächst einmal muss sich Max Verstappen bei seinem genialen Chefkonstrukteur Adrian Newey bedanken, der am besten die neuen technischen Vorgaben umgesetzt hat und dem Niederländer ein Auto hinstellte, das den anderen überlegen war. Dann darf er sich bei Ferrari bedanken, das den Weg frei gemacht hat. Ferrari hat sich selbst geschlagen, der Autos schienen ebenbürtig zu sein, Charles Leclerc träumte vom Titel. Doch sein Rennstall patzte, unnötige Boxenstopp mit Pannen, viermal platzte der Motor und als Fazit blieb: „Es ist unglaublich, wie Ferrari es schafft, es in jedem Rennen zu vergeigen“, klagte Ex-Teamchef Flavio Briatore. Mercedes hatte von den Top-Teams die größten Probleme die Regeln umzusetzen für ein schnelles Auto. Lewis Hamilton sah von der Konkurrenz nur die Rücklichter, aber es gibt auch Hoffnung, eine stete Verbesserung wurde sichtbar. Könnte sein, dass Red Bull im nächsten Jahr stärkere Konkurrenz bekommt. Nur, wie schaut dann der nächste Griff in die Trickkiste aus?

Unabhängig davon darf sich Verstappen im Moment zu dem Kreis von 16 Fahrern zählen, die Doppel-Weltmeister wurden. Sebastian Vettel bleibt mit 24 Jahren der jüngste in diesem illustren Haufen, Verstappen mit 25 Jahren liegt auf Platz zwei. Rekordhalter sind allerdings Michael Schumacher und Lewis Hamilton mit sieben Titeln. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, zumal Hamilton immer noch darauf hofft, alleiniger Rekordhalter zu werden. Dazu braucht er ein schnelles Auto, denn eins ist auch gewiss. Mad Max ist nicht leicht zu schlagen. insofern können wir den Rest der Formel-1-Saison abhaken und schon auf 2023 mit einer Rekordzahl an Rennen schauen. Aber Vorfreude ist eigentlich nicht angebracht, angesichts der Machenschaften.

Kirchweih-Sonntag wird zu einem Hochfest der Bundesliga

Am kommenden Sonntag, 16. Oktober, ist Kirchweih. Manche Religionen feiern diesen besonderen Sonntag als ein Hochfest der Kirche. Diesmal mischt die Fußball-Bundesliga mit, denn der Terminplan will es, dass der Sonntag auch für die Vereine und Fans zu einem Hochfest wird, wenn sich die ersten vier Klubs der Tabelle direkt gegenüberstehen. Damit stiehlt die Bundesliga auch den Amateuren die Show, Streamingdienst DAZN darf sich auf neue Abonennten freuen. Spitzenreiter Union Berlin trifft um 15.30 Uhr auf den Vierten Borussia Dortmund, der Zweite SC Freiburg gastiert im Abendspiel um 19.30 Uhr beim Dritten Bayern München. Bei einem Tennis-Tableau wäre dies das perfekte Halbfinale. In der Bundesliga ist es die Chance der Favoriten, die frechen Außenseiter ein bisschen einzufangen. An Union kommen sie allerdings nicht vorbei, die Berliner vergrößerten mit dem 1:0 in Stuttgart ihren Vorsprung vor den Favoriten auf vier Punkte.

Ein Hochfest der Bundesliga war allerdings auch der Spitzenkampf in Dortmund, mit dem dramatischen Finale des 2:2-Ausgleichs in letzter Sekunde, wie es kein Hollywood-Film hätte besser inszenieren können. Fast schon unwirklich, dass Borussias „gefallener Held“ Anthony Modeste, der eine Riesenchance vergab, zum Ausgleich einköpfte und das Stadion zum Beben brachte. Fast schon unwirklich, dass Bayern eine 2:0-Führung noch aus der Hand gab. Wo blieb erneut die Souveränität früherer Jahre? Die aktuelle Mannschaft kann viel, doch es gelingt ihr nicht Konstanz – vor allem im Torabschluss – zu zeigen. Trainer Julian Nagelsmann gelingt es ebenfalls nicht, das Team beständig in Form zu bringen. Kein Wunder, dass sich immer öfter Stimmen melden, die seine Ablösung vorhersehen. Präsident Herbert Hainer beteuerte erneut, dass man mit Nagelsmann etwas aufbauen möchte, doch derzeit bauen die Bayern eher ab. Nach leichten Siegen gegen Leverkusen und Pilsen wackelte die Mannschaft wieder bei energischer Gegenwehr.

Münchens Coach verlor auch das Duell gegen seinen Kollegen Edin Terzic. Der wechselte mit dem schnellen Adeyemi, mit Wolf und schließlich Modeste die Wende ein. Dortmund setzte die Bayern unter Druck, wollte den Ausgleich und damit den gefühlten Sieg einfach mehr. Nagelsmann musste die verletzten Davies und de Light ersetzen, was nicht adäquat gelang, die Basis ging verloren, dazu handelte sich der eingewechselte Coman beim Comeback kurz vor Schluss noch zwei dumme Gelbe Karten ein, was den Platzverweis bedeutete. Da konnte Schiedsrichter Deniz Aytekin nicht anders.

In der 45. Minute traf Dortmunds Jude Bellingham Gegenspieler Davies mit dem Stiefel im Gesicht. Der Bayern-Flitzer musste mit Schädelprellung vom Feld, da zog Aytekin weder Rot noch Gelb, was beides möglich gewesen wäre, sondern ließ Gnade vor Recht walten und erklärte dies nachher offen: „Jude hatte eine harte Gelbe Karte bekommen, ich wollte nicht zweimal hart urteilen und mit einem Platzverweis das Spiel entscheiden. Es war eine Kann-Entscheidung.“ Vielleicht mit zu viel Sympathie für „im Zweifel für den Angeklagten“. Der eine hatte ebenso Glück wie der andere, nämlich Modeste. Die Bayern hatten diesmal nicht das sprichwörtliche Glück, denn gerade in Duellen mit Dortmund hatten sie oft von zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidungen zu ihren Gunsten profitiert. Diese Gunst haben sie sich aber auch nicht erarbeitet. Jetzt sind beide Teams am Kirchweih-Sonntag fast schon im Zugzwang, die Außenseiter zu stoppen.

Alonso als Gewinn

Die Weltstars Lewandowski und Haaland sind weg, Weltstar Xabi Alonso ist da – die Bundesliga kann wieder mit einem großen Namen klotzen. Der Coup von Bayer Leverkusen zeichnete sich nach der Pleite in München ab und war schon vor derm 0:2 in der Champions League in Porto perfekt. Der einstige Weltstar Xabi Alonso, in Liverpool, Madrid und München erfolgreich, fängt seine Karriere als Profi-Trainer bei Bayer Leverkusen an, nachdem der beim Nachwuchs und einem Reserveteam geübt hat. Er musste noch gar nichts tun oder sagen, sein Name allein sorgte für einen „Wow-Effekt in der Kabine“, wie Mittelfeldspieler Andrich gestand. Nun sollte das 4:0 gegen schwache Schalker nicht überbewertet werden, aber Alonso hat bei Bayer verloren gegangene Stärken wieder ausgegraben. Er hat die Mannschaft aufgeweckt, aber die Nagelproben folgen am Mittwoch in der CL im Rückspiel gegen Porto sowie am Samstag in Frankfurt.

Alonso ist ein Gewinn für Verein und Liga und das beste Beispiel eines erfolgreichen Trainerwechsel. Ein altes Spiel im Fußball, wenn die Ergebnisse nicht stimmen, muss der Trainer gehen. Marco Rose war in Leipzig erfolgreich, Thomas Letsch hat Schlusslicht Bochum neues Leben eingehaucht, gegen die Eintracht gelang mit einerm imponierenden 3:0 der erste Saisonsieg. Der fehlt Pellegrino Matarazzo noch mit dem VfB Stuttgart, auch gegen Union klappte es nicht. Kein Wunder also, dass über seine baldige Ablösung diskutiert wird. Ebenso auf Schalke über Frank Kramer, der schon bei Amtsbeginn mit Skepsis empfangen wurde. Jetzt ist auch Schalke als Drittletzter in Not, mal schauen, welcher Vorstand eher die Nerven verliert. Matarazzo bekommt vielleicht am Samstag im Kellerduell gegen Schlusslicht Bochum eine letzte Chance. Wenn der VfB da nicht gewinnt, wann dann…

Manchmal ist der Trainer aber auch machtlos. So hat Enrico Maaßen dem FC Augsburg neues Leben eingehaucht, doch die Ausfälle werden immer schlimmer. Nicht die auf dem Spielfeld, denn dort ging es beim 1:1 gegen Wolfsburg ziemlich giftig zu, so giftig, dass beide Innenverteidiger Bauer und Gouweleeuw sich Gelbe Karten und eine Sperre abholten. Zu ersetzen sind sie am Sonntag beim 1. FC Köln nicht adäquat, denn die Kollegen Oxford und Uduokhai fehlen sowie schon verletzt. Vier Innenverteidiger kann kein Trainer der Welt ersetzen. Fast schon eine absurde Situation.

Frauen dürfen sich freuen

Die Euphoriewelle rund um die Frauen-Nationalmannschaft hält an. Die EM-Stars, die die Fußball-Fans begeistert hatten, schwimmen weiterhin auf einer Welle der Sympathie, die auch auf die Bundesliga übergegriffen hat. Der Höhepunkt der ersten Wochen in der neuen Saison war das Länderspiel in Dresden gegen Frankreich, wo 26.835 Zuschauer das Spiel zu einem Erlebnis machten und die ersatzgeschwächte Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg mit dem 2:1-Sieg auch die Stimmung anheizte. Im Mittelpunkt erneut Kapitänin Alexandra Popp, die wie beim 2:1 bei der EM beide Tore erzielte. Nur zwei Wermutstropfen mischten sich in die guter Laune: Die poppige Popp lässt einen WM-Einsatz im nächsten Jahr offen, weil der Wunsch nach Nachwuchs groß ist (Mann, Hund und Haus hat sie schon), Giulia Gwinn zog sich im Training wie schon 2021 einen Kreuzbandriss im Knie zu und fällt wieder lange aus.

Ansonsten aber staunen die Mädchen und freuen sich darüber, welche Zuneigung sie erfahren und dass sie von den Fans in der Öffentlichkeit angesprochen werden. Sie haben es geschafft, die Anonymität zu verlassen und dürfen auf weiteren Zuspruch hoffen. 47.238 Zuschauer sahen an den ersten beiden Spieltagen in der Bundesliga zu, mehr als in der kompletten Hinrunde der vergangenen Saison. Es müssen natürlich auch mehr Spiele in große Stadien verlegt werden, so dass Schlagerspiel Wolfsburg – Bayern am 23. Oktober. Die Bayern-Mädchen sollten in der Champions League zudem in die Allianz-Arena umziehen dürfen. Im Fernsehen haben die Frauen die Männer schon geschlagen, 3,2 Millionen Zuschauer sahen in der ARD das Länderspiel gegen Frankreich, nur 2,9 Millionen interessierten sich bei RTL für die Männer mit Köln gegen Belgrad in der Conference League. Es liegt aber auch an den Männern und vor allem den teilweise noch zögerlichen Medien, diesen Frauen-Boom nicht wieder erlöschen zu lassen. So wäre die ARD gut beraten gewesen, den temperamentvollen Bernd Schmelzer das Länderspiel kommentieren zu lassen, Christina Graf konnte leider keinen von den Sitzen reißen. Gut, dass das Spiel selbst beste Werbung war.

Das Duell der Weltfußballer von morgen

Weltmeisterschaft und Champions League sind internationale Ereignisse, doch die Fußball-Fans interessiert in erster Linie die Bundesliga, sie ist schließlich das tägliche Brot für Vereine, Spieler und Anhänger. Da wird tagelang gelitten, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Gejammert wird in diesen Tagen vor allem in Dortmund, denn die Borussia hat es immer noch nicht gelernt konstante Leistungen zu bringen, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Vor dem großen Duell am Samstag (18.30 Uhr) hätte Dortmund den Dauer-Meister aus München (derzeit Dritter) als Tabellenführer erwarten können. Aber wieder gab es einen Ausrutscher, nach der 2:3-Niederlage in Köln rangieren die Bayern bei Punktgleichheit (beide 15, Tordifferenz +17 zu +1!) vor der Borussia. Davor liegen (ebenfalls punktgleich mit 17) die Außenseiter Union Berlin und SC Freiburg.

Dennoch bleibt das Duell Dortmund – Bayern momentan der attraktivste Vergleich. Diesmal sogar unter besonderen Vorzeichen, denn mit Jude Bellingham und Jamal Musiala treffen zwei junge Spieler aufeinander, die zuletzt die Schlagzeilen bestimmt haben und Fans und Experten träumen lassen. Sogar von den Weltfußballern von morgen ist die Rede, Nachfolger für die Stars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo werden gesucht. So weit sind die beiden 19-Jährigen natürlich noch nicht, aber sie bestimmten in den letzten Wochen in Deutschland dank ihrer überdurchschnittlichen Leistungen die Schlagzeilen. Und das Schönste dabei: Sie sind Freunde.

Ihre Karriere verlief bisher konträr, doch sie trafen sich in den Nachwuchs-Nationalmannschaften von England und waren gemeinsam erfolgreich. Jude Bellingham begann seine Karriere in der Akademie von Birmingham City, schoss in der U10 einmal 15 Tore in einer Halbzeit, wurde schnell in die nächsten Altersklassen befördert und debütierte mit 16 Jahren bereits in der Championship, der zweiten Liga in England. Die Topklubs standen Schlange, doch nicht Manchester United oder der FC Liverpool erhielten den Zuschlag, Bellingham entschied sich im Sommer 2020 für Borussia Dortmund und wechselte für 25 Millionen Euro in die Bundesliga. Akademieleiter Speakman gestand: „Wir haben mehr von Jude gelernt, als er von uns.“ Der junge Mann selbst, die Eltern und Berater sahen in Dortmund die beste Chance zur Entwicklung ohne großen Wirbel in der englischen Presse. Bellingham begeisterte auch gleich Borussia-Trainer Lucien Favre und wurde schnell ein entscheidender Faktor im Dortmunder Spiel. Am Samstag war er sogar der jüngste Kapitän der Mannschaft in der Geschichte des Vereins. Mit 19 wohlgemerkt!

Der Traum von Jude Bellingham bleibt allerdings die Premier League in England. Bei Jamal Musiala ist das nicht unbedingt so, es scheint, er hat sein Glück in Deutschland gefunden und da bei den Bayern. Geboren ist er in Stuttgart und kam als Siebenjähriger nach England, weil die Familie wegen des Studiums der Mutter dorthin zog. Er begann seine Karriere beim FC Southampton und wechselte als Achtjähriger schon zu Chelsea London. Sein Ziel: Fußball-Profi werden. Der Brexit spielte eine entscheidende Rolle in seinem Leben, die Mutter wollte wieder nach Deutschland, die Bayern hatten Jamal im Visier und konnten ihn begeistern. Sie mussten lediglich eine Ausbildungsentschädigung im niedrigen sechsstelligen Bereich bezahlen. Über die U17 und U19 kam Musiala schnell in den Blickpunkt von Profi-Trainer Hansi Flick und Bundestrainer Joachim Löw begeisterte ihn für die deutsche Nationalmannschaft. Am 20. Juni 2020 debütierte er in der Bundesliga beim 3:1 gegen Freiburg, am 25. März 2021 im DFB-Team beim 3:0 in der WM-Qualifikation gegen Irland. Inzwischen ist er in beiden Mannschaften ein fester Bestandteil, auch beim 4:0 gegen Leverkusen war er wieder bester Bayern-Spieler und es hieß einmal mehr: „Es ist ein Genuss, ihn spielen zu sehen.“

Doch wohin führen die Wege der beiden am Ende wirklich? Einmal in einem Team? Am Samstag stehen sie sich zunächst im Bundesliga-Alltag gegenüber und es geht um das tägliche Brot. Die Bayern wollen endlich wieder an die Spitze und die Konkurrenz tat schon ein bisschen was dafür. Nur Freiburg siegte, Tabellenführer Union Berlin verlor erstmals (0:2 in Frankfurt), Dortmund verlor, Hoffenheim kam nur zu einem 1:1 bei Hertha BSC. Die Bayern mischten Leverkusen auf, aber Bayer zeigte nicht die Gegenwehr wie zuletzt andere Teams, so der FC Augsburg, die kratzten und bissen und hatten hervorragende Torhüter. Da fanden die Münchner kein Gegenmittel. Doch kann das auch Dortmund? Trainer Edin Terzic bemängelt schließlich mangelnde Zweikampfhärte bei seinen Schützlingen. Ohne die wird es nicht gehen. In den letzten vier Jahren hatten die Bayern immer das bessere Ende für sich, siegten im Vorjahr 3:2 und 3:1. Union und Freiburg wollen ihre Plätze ganz oben aber verteidigen, haben dabei Teams aus dem Keller als Gegner: Union muss nach Stuttgart, Freiburg gastiert bei der Hertha in Berlin.

Mit dem Abstieg wurde Bayer Leverkusen vor der Saison nicht in Verbindung gebracht, doch jetzt wird die Verunsicherung immer größer. Gegen Schalke muss ein Befreiungsschlag her, sonst ist Trainer Gerardo Seoane nicht zu halten. Schalke hat auch seine Probleme, das Team belohnt sich nicht und verlor jetzt gegen Augsburg mit 2:3 selbst in Überzahl. Der FCA wiederum siegte dreimal hintereinander (Vereinsrekord) und bannte den Bayern-Fluch, siegte nämlich nach dem 1:0 gegen die Münchner gleich wieder – ansonsten werden Siege gegen die Bayern mit einer Punkte-Dürre in den nächsten Partien bestraft.

Was bringt Europa?

Letzte Woche Nations League, jetzt wieder die Klub-Wettbewerbe in Europa. Erkenntnisse? Das DFB-Team hat sich nicht mit Lorbeeren geschmückt, Bundestrainer Hansi Flick ist nach dem 0:1 gegen Ungarn und 3:3 gegen England genauso klug wie zuvor. Seine Kandidaten müssen sich für die WM in den Vereinen empfehlen. Da würden sich die internationalen Spiele anbieten, doch das Abschneiden der Bundesligisten war bisher eher mäßig. Leuchtendes Vorbild wieder einmal die Bayern, die nach 2:0-Siegen bei Inter Mailand und den FC Barcelona Tabellenführer der Gruppe C sind. Jetzt folgen zwei Duelle mit dem bisher punktlosen Außenseiter Viktoria Pilsen. Alle vier Vergleiche bisher haben die Bayern gewonnen, außerdem ihre letzten zwölf (!) Heimspiele in der CL ebenfalls erfolgreich bestritten. Allerdings fehlen am Dienstag die Mannschaftsstützen Joshua Kimmich und Thomas Müller wegen eines positiven Corona-Tests. Ein besonderer Test auch für Trainer Julian Nagelsmann und das Team, denn Ausfälle wird es in den Stresszeiten immer geben.

Alle anderen Bundesligisten sind in den Doppelspielen der CL dringend auf Siege angewiesen, wollen sie die Gruppenphase erfolgreich überstehen. Das punktlose Leipzig muss Celtic Glasgow eigentlich zweimal schlagen, für Dortmund, Frankfurt und Leverkusen geht es gegen Sevilla, Tottenham bzw. Porto um Weichenstellungen. Erfolgreich in der Europa League ist auch der SC Freiburg mit zwei Siegen, jetzt geht es gegen den FC Nantes, Union Berlin sollte dagegen Malmö schlagen. Der Bundesliga-Tabellenführer noch ohne Punkt ist ein schlechtes Bild. Da steht der 1. FC Köln in der Conference League besser da, ist mit vier Punkten in der Gruppe D Spitzenreiter und will dies gegen Partizan Belgrad bleiben.

Frauen im Aufwind

Auch die Frauen schauen auf ihre Champions League, Bayern München hat mit zwei Siegen gegen Real Sociedad den Sprung in die Gruppenphase geschafft, für die Meister Wolfsburg bereits direkt qualifiziert war. Am 19. Oktober geht es richtig los, die Gruppen wurden am Montag ausgelost. Wolfsburg hat es als gesetztes Team leichter und trifft auf Slavia Prag, St. Pölten und AS Rom. Die Bayern haben den FC Barcelona als dicken Brocken, der im Vorjahr Hoffenheim und Wolfsburg ausgeschaltet hat. Nicht leicht auch Rosengard (Schweden) und wie im Vorjahr Benfica Lissabon (0:0 und 4:0). Die Gruppenphase läuft bis zum 21. Dezember, gespielt wird also auch während der WM in Katar. Die K.o.-Spiele folgen im Januar.

Der Frauen-Fußball befindet sich in Deutschland in einem leichten Aufwind, die Zuschauerzahlen sind gestiegen, jetzt will die Nationalmannschaft an die EM-Euphorie vom Sommer anschließen. Am Freitag (20.30 Uhr) geht es in Dresden in einem Freundschaftsspiel gegen Frankreich und es kann mit über 20.000 Zuschauern gerechnet werden. Die ARD überträgt das Spiel live zu bester Sendezeit, da haben die Mädchen wohl mehr TV-Zuschauer als parallel das Bundesligaspiel Hoffenheim – Bremen. Die Bestbesetzung kann Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nicht aufbieten, Lina Magull (Corona), Sara Däbritz und Laura Freigang (beide verletzt) fallen aus. Dennoch sollte wieder Werbung für den Frauen-Fußball gelingen.

Bayern und Nationalteam als ein Dilemma

Aller guten Dinge sind für Hansi Flick 13, aber nicht 14. In seinem 14. Spiel als Bundestrainer gab es für ihn die erste Niederlage mit dem DFB-Team und das 0:1 gegen Ungarn hat es in sich. Plötzlich hat Flick die gleichen Probleme wie Kollege Julian Nagelsmann in München. Vor allem die Spielweise in der ersten Halbzeit offenbarte, dass die Bayern und das Nationalteam sich im gleichen Dilemma befinden. Nichts war es mit einem Kuraufenthalt für die Bayern-Stars im Kreis der Nationalmannschaft, die Probleme wurden transportiert und nicht beseitigt. Hinzu kam, dass Flick ähnliche Fehler machte wie Nagelsmann in der Aufstellung und bei den Wechseln. Und beide haben für die Zukunft auch das gleiche Dilemma: Da ist die Meisterschaft in Gefahr, dort eine erfolgreiche Weltmeisterschaft in Katar. Vor einigen Wochen sah das noch ganz anders aus.

Zunächst ist der Bundestrainer am Zug, bereits am Montag gibt es das letzte Spiel in der Nations League in England. Dabei geht es nicht mehr um den Gruppensieg, den Deutschland verspielt hat, den machen Ungarn und Italien unter sich aus, sondern das Traditionsduell ist ein reines Testspiel, denn England steht bereits als Absteiger aus der Liga A fest – welche Blamage. Das große England, die reiche Premier League, nur zweitklassig! Dies hatte auch schon Deutschland getroffen, doch da wurde die Liga A kurzerhand aufgestockt und der attraktive Teilnehmer Deutschland blieb erstklassig. Das geht jetzt nicht mehr. Flicks Kollege Gareth Southgate ist also viel schlechter dran und dennoch hat das Spiel für ihn Bedeutung: Er muss beweisen, dass England noch gewinnen kann.

Das möchte Hansi Flick natürlich auch und vor allem geht es um einen letzten guten Eindruck vor der WM. Doch mit welchem Personal, mit welcher taktischen Ausrichtung? Nur eins ist sicher, die Einstellung muss sich ändern, die Gier aufs Tor muss erkennbar sein. Vielleicht gibt es für den Bundestrainer aber auch die endgültige Erkenntnis, dass es ohne echte Neun nicht geht. Da kommen dann Namen ins Gespräch, die bisher von der Nationalmannschaft nur geträumt haben, Niclas Füllkrug von Werder Bremen zum Beispiel, in der Bundesliga mit fünf Treffern bester deutscher Torschütze, oder Augsburgs neuer Torjäger Mergim Berisha, der die Bayern „erlegt“ hat und in einem Testspiel mit vier Treffern Eigenwerbung betrieb – „Achtung, hier ist einer, der Tore schießen kann“! Bei Bayern und im Nationalteam gab es zuletzt nur – Fehlanzeige!

Hoffen auf den Befreiungsschlag

In Katar wird zwar in zwei Monaten bereits gespielt, dennoch ist die WM für die Bundesliga ganz weit weg. Jetzt stehen erst einmal acht Spieltage bis zum 13. November an, dazu gibt es die europäischen Wettbewerbe und den DFB-Pokal. Wie schon oft betont, Hochbetrieb und Stress pur. Den Auftakt macht am Freitag gleich das Duell der Unzufriedenen: Bayern als Fünfter (und nicht Erster!) nach der ersten Niederlage und Bayer Leverkusen als wohl größte Enttäuschung mit nur fünf Punkten und einem Sieg auf Rang 15 in Abstiegsgefahr. Ziel war eigentlich die Champions League, doch nie hat dies ein Verein dahin noch geschafft, der nach sieben Spieltagen so eine magere Bilanz aufwies. Trainer Gerardo Seoane wird ähnlich in Frage gestellt wie Nagelsmann.

Die Bayern weisen ebenfalls eine magere Bilanz auf, die ein Blick auf die Statistik offenbart. Die Effizienz sank von weit über den durchschnittlichen 50 Prozent an den ersten drei Spieltagen auf nur noch 10,5 Prozent. Dafür durften die Gegner treffen, deren Erfolg stieg von 7,7 auf 38,5 Prozent. In der Chancenverwertung liegen die Bayern insgesamt nur auf Rang fünf, von 68 Chancen wurde gerade mal 27,9 Prozent verwertet. Noch schlechter ergeht es Leverkusen (was bei dem Tabellenplatz logisch ist), das von 48 Chancen gerade mal 18,8 Prozent verwertete und damit Drittletzter ist (nur Wolfsburg und Bochum sind schlechter). Es wird also ein heißes Duell am Freitag, beide hoffen auf den Befreiungsschlag. Bei einem Unentschieden jammern beide…

Bei den Bayern ist die Krise nach dem famosen Saisonauftakt noch unverständlicher. Aber jetzt werden die Weichen gestellt, nach der Aufgabe gegen Leverkusen folgt am Samstag, 8. Oktober (18.30 Uhr), das Schlagerspiel in Dortmund und dann kommt Freiburg, derzeit Dritter. Dazwischen liegen die Aufgaben in der Champions League, nämlich zweimal gegen Viktoria Pilsen, hier muss nach den Siegen über Inter Mailand und den FC Barcelona die erfolgreiche Gruppenphase unter Dach und Fach gebracht werden. Leverkusen wird sich mehr auf die Bundesliga konzentrieren und auf den 8. Oktober gegen Schalke 04. Wenn es nicht spätestens da mit einem Sieg klappt…

Aber reden wir doch von Union Berlin, schließlich der Tabellenführer, Ehre, wem Ehre gebührt. Auch an dieser Stelle wurde schon darauf hingewiesen, dass man die Berliner trotz ihres Understatements nicht unterschätzen sollte, sie könnten einen Coup wie Kaiserslautern 1998 wiederholen oder wie Leicester in England und als Nobody Meister werden. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache, Union hat die Gegner im Griff, die Defensive ist der Trumpf auf dem Weg zum Titel. Union lässt den Gegnern keinen Raum, führte bisher 111 Zweikämpfe pro Spiel – Spitze in der Liga. Wenn es nicht anders geht, wird die Keule ausgepackt, 106 Fouls sind auch Spitzenwert, aber die Zweikämpfe wurden clever geführt, es gab nur sechs gelbe Karten. Kein Wunder, dass die anderen Teams gerade mal zu 3,9 Torchancen pro Spiel kamen (Spitze!). Wie will man da gewinnen? Union ist deshalb als einzige Mannschaft noch ungeschlagen. Jetzt geht es am Samstag nach Frankfurt, danach folgt das Gastspiel in Stuttgart, keine unlösbare Aufgaben, die weiße Weste könnte Bestand haben. Dann aber folgt am Sonntag, 16. Oktober (17.30 Uhr), das Duell mit dem derzeit ersten Verfolger Borussia Dortmund, da kommt schon heute in Berlin Vorfreude auf. Die Borussia muss erst noch die Aufgaben in Köln und gegen die Bayern lösen. Die Bundesliga bleibt also interessant, da treten Gedanken an die WM in Katar in den Hintergrund.

Nationalteam als Kuraufenthalt für die Bayern-Patienten

Das „mia san mia“ bleibt den Bayern derzeit im Halse stecken. Jetzt heißt es eher „wer san mia denn?“ Der Oktoberfestbesuch am Sonntag hatte nichts von Heiterkeit, die Stimmung war trüb wie das Wetter, die Bilanz nach den ersten sieben Spieltagen ist schließlich niederschmetternd: Nur Platz 5 (nicht mal Champions League!), nur drei Siege, das 0:1 in Augsburg war die erste Niederlage der Saison, erstmals wieder nach einer Rekordserie von 87 Spielen ohne Torerfolg, erstmals seit 20 Jahren vier Spiele ohne Sieg, der schlechteste Start seit zwölf Jahren – die Bayern am Boden!

Doch Rettung droht, bei persönlichen Negativserien hatte schon Gerd Müller ein probates Mittel: Ab zur Nationalmannschaft – und schon traf er wieder. So wird vielleicht auch diesmal das Nationalteam zum Kuraufenthalt für die Bayern-Patienten, insgesamt 18 Spieler sind bei ihren verschiedenen Nationalteams. Die Bosse zu Hause beraten stattdessen, wie die Wende geschafft werden kann. „Wir werden dem Ganzen auf den Grund gehen“, hat Oliver Kahn angekündigt, gleichzeitig will er an Trainer Julian Nagelsmann (noch?) nicht rütteln. Doch der ist zweifellos ein erheblicher Teil des Problems.

Der Trainer ließ sich ebenso blenden wie alle anderen auch, als zu Saisonbeginn die Tormaschine lief, die Spieler die Gegner verwirrten und trafen. Heute verwirren sie sich selbst und wirken vor dem Tor unsicher und überhastet, die Gier fehlt. Und Nagelsmann, anfangs bei strittigen Themen als perfektes Sprachrohr des Vereins gelobt, macht Fehler, bei Rotation und Auswechslungen bleibt den Beobachtern oft nur Kopfschütteln. Was soll eine Auswechslung von Musiala (bester Torschütze!) gegen Abwehrspieler Stanisic beim Stand von 0:1? Bezeichnend, dass ausgerechnet Torhüter Manuel Neuer die Pleite hätte abmildern können. Er tauchte, was ja Torhüter oft tun, in den letzten Minuten vor dem FCA-Tor auf und hatte zwei Abschlüsse, beim zweiten Versuch verhinderte FCA-Torhüter Rafal Gikiewicz mit einer Glanzparade den Einschlag. In seinem 473. Bundesligaspiel (gleichauf mit Sepp Maier, auf Platz 5 in der ewigen Rangliste) hatte er damit ebenso viele Torabschlüsse wie in den 472 Spielen vorher!

Es ist also offensichtlich, ohne einen echten Mittelstürmer keine Tore. Die erzielt Robert Lewandowski beim FC Barcelona am Fließband. Und nur, weil er mit Barca in München nicht traf, die Bayern glücklich in der Champions League mit 2:0 gewannen (wie vorher schon bei Inter Mailand), brennt die Hütte in München nicht gänzlich. Aber die Meisterschaft gilt als das erste Ziel, als ehrlichster Titel, deshalb ist die Stimmung im Keller. Geht die Siegesserie mit zehn Titeln in Folge also doch zu Ende? Die Kritiker freuen sich, die Verfolger schöpfen Hoffnung.

Beim FC Augsburg sorgte der erste Heimsieg der Saison natürlich für Begeisterung, selbst die Spieler lobten Trainer Enrico Maaßen für seine mutige taktische Ausrichtung. Offensiv ging er den Meister an und hinten hat er ja Torhüter Gikiewicz, der bei allen drei Saisonsiegen der Matchwinner war. Der manchmal umstrittene Pole sorgte für den einzige Mißton, er kündigte einen möglichen Abgang an. Die FCA-Führung kontert damit, dass sie Gespräche über eine Verlängerung des Vertrages, der bis 2023 läuft, ankündigte. Wer will schon seine Lebensversicherung verlieren.

Der Tabellenführer ist eine ebenso große Überraschung wie das Tief der Bayern. Union Berlin ist die einzige noch ungeschlagene Mannschaft der Liga und schlich sich heimlich still und leise an die Spitze. Das genaue Gegenteil zu den Münchnern ist der Fall, in der Europa League erlebte Union zwei Pleiten, was seltsam ist für einen Spitzenreiter der Bundesliga. Immerhin wurden schon Leipzig und die Bayern abgewiesen, dass wahre Spitzenspiel steigt jetzt nicht am 8. Oktober zwischen Dortmund und München, sondern am 16. Oktober zwischen Union und Dortmund!

Die Dortmunder liegen in Lauerstellung, drei Punkte vor den Bayern. Sie erlebten ein „süßes 1:0“ (Trainer Terzic) im Revier-Derby gegen Schalke, hat aber eine Schrecksekunde als sich Marco Reus verletzte. Es sah schlimm aus, sollte er schon wieder ein großes Turnier der Nationalmannschaft verpassen? Inzwischen leichte Entwarnung, drei bis vier Wochen Pause, alles ist noch möglich. Alles möglich gilt auch für Youssoufa Moukoko. Der 17-Jährige möchte so gern von Anfang an spielen, ist derzeit aber noch Backup für Mittelstürmer Modeste, der aber ein bisschen Ladehemmung hat. So kommt Moukoko und siegt. Er köpfte das Siegtor und ist jetzt der jüngste Torschütze im Revier-Derby. Schon sein 7. Bundesliga-Tor, so jung war noch keiner beim 7. Treffer. Die Dortmunder wiederum glänzen nicht, punkten aber ziemlich zuverlässig. So kann man auch Meister werden. Oder doch Union als Überraschungsmeister wie weiland 1998 der 1. FC Kaiserslautern? Der wurde lange Zeit von der Konkurrenz nicht richtig ernst genommen, dann war es zu spät. Na ja, noch ist die Saison jung. Jetzt heißt es für alle die Länderspielpause nutzen, am 30. September geht es weiter, mit dem Duell der Sorgenkinder Bayern und Leverkusen.

Für Hansi Flick beginnt die WM

Die Weltmeisterschaft beginnt für Deutschland erst am 23. November gegen Japan, aber wenn am Freitag das Spiel der Nations League gegen Ungarn ansteht, da simuliert der Bundestrainer quasi den Ernstfall. Für Hansi Flick beginnt die WM! Er will von seinen Mannen Leistung sehen und die Spiele in Leipzig und am 3. Oktober in England gewinnen, um als Gruppensieger ins Finalturnier einzuziehen.

Sein 24-köpfiges Aufgebot sieht der Bundestrainer aber nicht als WM-Kader an. Da darf er dann sogar 26 Spieler nominieren. Der verletzte Marco Reus steht jetzt auf der Kandidatenliste, aber vor allem die Weltmeister Mats Hummels und Mario Götze lobt Flick und das sie durchaus noch auf den WM-Zug aufspringen könnten. „Die Tür bleibt offen“, betont der Trainer und bewies dies mit der überraschenden Nominierung von Youngster Armel Bella Kotchap, der beim FC Southampton unter Trainer Ralph Hasenhüttl imponiert. Den Leichtsinn aus seiner Bochumer Zeit hat der 20-jährige Abwehrspieler offensichtlich abgelegt, er wird mit Abwehrchef Rüdiger verglichen. Hansi Flick wird sich aber vor allem den Sorgenkindern des FC Bayern widmen müssen. Die Münchner würden sich freuen, wenn er Sané, Musiala, Gnabry und Co. den Weg zum Torerfolg zeigen kann.

Fußball-Frauen im Aufwind

So hatten es sich die Frauen zum Beginn der neuen Saison gewünscht: Der Wind der EM-Euphorie wehte auch in die Bundesliga hinein und sorgte für einen neuen Zuschauer-Rekord. 23.200 sahen das Eröffnungsspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern, wobei das 0:0 durchaus interessant war und Werbung bedeutete. Auch in Wolfsburg kamen 1000 Zuschauer mehr als normal beim 4:0 über Essen. Nur in Duisburg und Bremen wurden keine vierstelligen Besucherzahlen registriert. Das nächste Highlight steht bevor, die Partie Hoffenheim – Wolfsburg am Samstag (17.55 Uhr) überträgt die ARD live aus der großen Arena und Felicitas Rauch und Laura Freigang zeigten sich als sympathische Gäste im Aktuellen Sportstudio des ZDF. Die Medien haben plötzlich ein Faible für die Fußball-Frauen, die viel mehr Spiele in die großen Stadien legen müssen. So sollten vor allem die Bayern-Frauen bald in er Allianz-Arena zu sehen sein.

Die Bayern-Frauen müssen sich vorerst aber vor allem auf den internationalen Wettbewerb konzentrieren. Im neuen Spielmodus der Champions League stehen zunächst einmal Qualifikationsspiele an. Mit Lyon, Barcelona, Wolfsburg und Chelsea London sind vier Mannschaften für das Achtelfinale qualifiziert, zwölf weitere werden gesucht. Münchens Gegner ist der Vize-Meister aus Spanien, Real Sociedad. Am Dienstag gibt es das erste Kräftemessen in Spanien, eine Woche später folgt das Rückspiel. Trainer Straus warnt: „Eine spielstarke Mannschaft.“ Die Frauen müssen der Krise der Männer trotzen!

Von Krise nichts zu sehen war bei den deutschen Basketballern. Das Team um Kapitän Dennis Schröder schaffte mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Finalturnier der Europameisterschaft in Berlin den größten Erfolg seit 2005! Europameister Spanien stoppte das DBB-Team zwar im Halbfinale, aber im Kampf um Bronze hatte Polen beim 82:69 keine Chance. Trotz vieler Ausfälle begeisterte die deutsche Mannschaft und gewann viele Fans, nachdem der TV-Sender RTL die letzten Spiele live übertrug und zum Beispiel 3,5 Millionen Zuschauer den Krimi gegen Spanien verfolgten. Dennis Schröder schwärmte vom Zusammenhalt: „Das habe ich noch nie in einer Mannschaft erlebt.“

Fußball-Frauen hoffen auf den Durchbruch

Der Mannschaftssport hat wieder Hochkonjunktur, die meisten Punktrunden sind am Laufen oder beginnen jetzt, wie am Wochenende die Fußball-Bundesliga der Frauen oder die Deutsche Eishockey Liga. Zwei vollkommen konträre Sportarten, die aber eine Gemeinsamkeit aufweisen: Sie sind mit ihrer Rolle im Schatten der Fußball-Bundesliga der Männer und mit mangelnder Anerkennung und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit nicht zufrieden. Das soll in diesem Jahr besser werden.

Vor allem die Fußball-Frauen hoffen auf den Durchbruch. Sie erlebten mit den Erfolgen bei der Europameisterschaft und dem Vize-Titel ein Sommermärchen, sie gewannen die Sympathien der Sportfans in Deutschland, was in der TV-Zuschauerzahl von 18 Millionen beim Finale gegen England gipfelte. Dieser Schwung soll genutzt werden und zu mehr Anerkennung der Frauen-Bundesliga führen. Dafür gibt es positive Nachrichten, zum Beispiel mehr Fernsehübertragungen zu attraktiveren Zeiten, aber auch schlechte Nachrichten: Nach einer Umfrage wollen sich trotz EM-Euphorie 49 Prozent der Sportfans dennoch keine Bundesligaspiele der Frauen anschauen.

Trotzdem beginnt die Saison 22/23 der Bundesliga mit einem Rekord: Für das Eröffnungsspiel Eintracht Frankfurt gegen Bayern München am Freitag, 16. September (19.15 Uhr) im Deutschen-Bank-Park, dem Stadion der Männer, werden mehr als 20.000 Zuschauer erwartet, was eine neue Bestleistung bedeuten würde, die alte datiert aus der Saison 2013/14, als 12.464 Zuschauer in Wolfsburg die Partie gegen den 1. FFC Frankfurt sahen. Übrigens war die jetzige Kapitänin der Nationalmannschaft, Alexandra Popp, damals die Torschützin zum 2:1-Siegtreffer, der zwei Minuten vor Schluss Wolfsburg die Meisterschaft sicherte. Und noch eine von damals ist diesmal dabei, die Japanerin Saki Kumagai, die letztes Jahr von Lyon zu den Bayern wechselte.

Spiele in großen Stadien sind ein Wunsch, der andere eben eine höhere Fernsehpräsenz, aber auch mehr Anerkennung und bessere Organisation. Den Frauen geht es nicht um die gleiche (teilweise astronomische) Bezahlung wie bei den Männern, sie sehen ein, dass die Einnahmen dafür zu wenig sind, aber es geht ihnen um Gleichstellung in der Organisation und grundsätzlichen Voraussetzungen. Wunsch wäre das Vollprofitum in der Bundesliga, dass alle Spielerinnen vom Fußball leben können. Heute gehen mit Ausnahme von Wolfsburg (Etat 2,6 Millionen) und München (2,3 Millionen) die meisten Spielerinnen noch einer Arbeit nach, die Trainingszeiten und -verhältnisse sind oft schlecht, im Umfeld herrschen Amateurbedingungen.

Zumindest was das Fernsehen angeht, stellen sich auf Grund der EM-Euphorie Verbesserungen ein. Ein neuer Fernsehvertrag ab der Saison 23/24 bis 26/27 wurde ausgeschrieben, er soll eine spürbare Steigerung bringen, etwa fünf Millionen Euro sind im Gespräch, eine Verdoppelung der Einnahmen für jeden Verein. Außerdem steigert sich die TV-Präsenz bereits ab jetzt, MagentaSport überträgt alle Spiele im Streaming, Eurosport ist jeden Freitag mit einem Spiel wie bisher im Free-TV dabei, aber auch die ARD will mindestens zwei Spiele live übertragen, so am Samstag, 24. September, um 17.45 Uhr die Partie Hoffenheim – Wolfsburg, außerdem soll es vermehrt Übertragungen in den Dritten Programmen geben und Präsenz in der Sportschau. Die Bundesliga wird auch vom nächsten Länderspiel profitieren, wenn Deutschland am 7. Oktober in Dresden auf Frankreich trifft. Die ARD wird zur Primetime um 20.30 Uhr live übertragen, 20.000 Karten sind für das Spiel in Dresden schon verkauft.

Jetzt fehlt nur noch der gute Sport mit Spannung. Wobei, mit der Spannung ist es so eine Sache. Seit 2013 machen Wolfsburg und die Bayern die Meisterschaft unter sich, die Münchnerinnen konnten den Lauf der Wölfinnen allerdings nur 2015, 2016 und 2021 unterbrechen. Auch in diesem Jahr ist Wolfsburg wieder Favorit, stellte zehn EM-Teilnehmerinnen (Bayern sechs) und verstärkte sich durch die Nationalspielerinnen Merle Frohms (Frankfurt), Marina Hegering (Bayern) und Jule Brand (Hoffenheim). Die Bayern können da nur mit der Europameisterin Georgia Stanway dagegenhalten, die ablösefrei von Manchester City kam. Vielleicht kann der neue Trainer die Wende bringen, Alexander Straus löste Jens Scheuer ab, dessen Vertrag zwar bis 2023 abgeschlossen war, der aber offensichtlich die Mannschaft nicht mehr erreichte, von Problemen war die Rede. Straus steht für einen neuen Stil und der Norweger hat eine bemerkenswerte Statistik aus seinem Heimatland. Mit Sandviken/Brann wurde er 2021 ungeschlagen Meister, gewann 17 von 18 Partien! Das wünschen sich die Bayern-Mädchen auch, die im Vorjahr Wolfsburg nicht stoppen konnten: In der Bundesliga unterlagen sie 0:1 und 0:6, im Pokal 1:3. In der Meisterschaft waren das am Ende vier Punkte Rückstand.

Wolfsburg, Bayern und wer noch? Der Rest des Feldes schielt auf Platz drei und damit die Teilnahme an der Champions League, außerdem geht es vor allem gegen den Abstieg. Anwärter auf Platz drei ist wie im Vorjahr Eintracht Frankfurt, also schon ein wegweisendes Eröffnungsspiel. Aber auch Hoffenheim und Turbine Potsdam melden Ambitionen an. Freiburg, Leverkusen und Köln sehen sich als Teams des Mittelfeldes, bei Bremen, Essen und die Neulingen Meppen und Duisburg geht es vor allem um den Klassenerhalt. Alle hoffen aber, dass die Zuschauerzahlen steigen, dass der mäßige Schnitt vom Vorjahr von 811 Besuchern wieder eine vierstellige Zahl erreicht oder sogar den Rekord von 2013/14 mit 1175 verbessert. Was möglich ist, wenn öfters in größeren Stadien gespielt wird und mehr Profitum Einzug hält.

Es wird heiß auf dem Eis

Da hübsche Mädchen in Trikots, dort starke Burschen in voller Montur – einer der Gegensätze von Frauen-Fußball und Männer-Eishockey. Die Deutsche Eishockey Liga startet am Freitag ebenfalls in die neue Saison, der Auftakt findet sogar schon am Donnerstag mit dem Spiel Kölner Haie gegen Red Bull München statt. Insgesamt 15 Mannschaften sind vertreten, die Wunschzahl wäre 14, weshalb es zwei Absteiger geben kann, wenn der Meister der DEL2 die Zulassungskriterien erfüllt.

Die DEL-Klubs werden jetzt mit ein bisschen Neid auf die Basketballer schauen, die bei der EM dabei sind, ähnlich wie die Fußball-Frauen, mit ihren Erfolgen Deutschlands Sportfans hinter sich zu bringen. Da steht Eishockey wieder ein bisschen im Schatten und buhlt doch so um Anerkennung. Das Problem: Eishockey ist keine Fernsehsportart, man muss die Stimmung in den Stadien erleben. Die sind nach zwei Corona-Problemjahren endlich wieder voll, die Vereine atmen auf. Dazu wurde im Hintergrund gut gearbeitet, der Vertrag mit Sponsor Penny verlängert und MagentaSport zahlt auch mehr als bisher. Bei Servus-TV gibt es zudem Spiele im Free-TV.

Alles gut also? Nein, Sorgen bleiben, diesmal spielt der Klimaschutz eine Rolle. Vor allem Eishockey als teure Sportart steht am Pranger, es gibt Forderungen, dass Eisstadien geschlossen werden sollen, der Stromverbrauch sei zu hoch, die Beleuchtung müsse eingeschränkt werden. Manche schießen über das Ziel hinaus, schließlich muss das Leben weitergehen und der Sport gehört dazu. Kalte Duschen sind auch nicht zumutbar, denn es wird heiß auf dem Eis.

Für Spannung ist in der DEL gesorgt. Die Eisbären Berlin streben nach der dritten Meisterschaft in Folge, vor allem die Red Bull München möchten diesen Titellauf beenden und ihrerseits eine neue Serie starten wie von 2016 bis 2018. Spielverderber könnten die Adler Mannheim sein. Als Neuling sind die Löwen Frankfurt dabei, die Absteiger Krefeld abgelöst haben, aber in einer alten, maroden Halle spielen, die eigentlich die Anforderungen nicht erfüllt. Dennoch heißt es bei den Hessen: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Da müssen sich Vereine wie Iserlohn, Bietigheim, Schwenningen und Augsburg Sorgen machen. Düsseldorf, Ingolstadt, Straubing, Wolfsburg und Nürnberg sollten den Weg in die Play-Offs finden. Wie immer wird eine Doppelrunde gespielt, die ersten sechs sind weiter, die Plätze sieben bis zehn spielen noch zwei Plätze für die Endrunde aus. Im April sollte dann der Deutsche Meister feststehen, hoffentlich nach einer Saison ohne Sorgen mit Corona und zu hohen Energiekosten.

Thema der Woche: Robert Lewandowskis Rückkehr zu den Bayern

Der Blick auf die Bundesliga-Tabelle am Samstag war irritierend: Bayern München Erster, klagte aber nach drei Unentschieden in Folge über den schlechtesten Start seit zwölf Jahren. Am Sonntag sah es wieder anders: Geklagt wurde in München immer noch, die Gründe analysiert, aber Erster war Union Berlin! Nach Freiburg der nächste Überraschungsgast an der Spitze, ein Wechselspiel der Kultvereine, der 1:0-Sieg in Köln machte es möglich. Union ist in seiner Geschichte erstmals Tabellenführer der Bundesliga und der 34. Verein ganz oben insgesamt. Die Bayern sind Dritter, das gefällt ihnen gar nicht, zumal die Leistung nicht stimmt.

Der Abfall gegenüber dem Saisonstart ist unverständlich oder waren die torreichen Siege nur Augenwischerei, weil Leipzig, Frankfurt und Bochum einfach nur zu schwach waren oder die Bayern keine Gegenwehr spürten wie gegen Gladbach, Union und jetzt Stuttgart? Noch ist der Meister wie Berlin ungeschlagen (Union seit 13 Spielen in Folge, Rekord!); aber Platz drei sorgt für Unruhe. Auch Trainer Julian Nagelsmann trägt seinen Teil dazu bei, die Wechselarie gegen wohl unterschätzte Stuttgarter war ein Schuss in den Ofen, der hochgelobte Kader scheint doch nicht in seiner Breite so hochkarätig zu sein. Die Wechsel sollte für gute Stimmung sorgen, alle merken, dass sie gebraucht werden. Doch den Bossen ist Platz eins lieber mit schlechter Stimmung als Platz drei und gute Stimmung. Da ist der Trainer gefordert. Und jetzt folgt der ultimative Test gegen den FC Barcelona, die Rückkehr von Torjäger Robert Lewandowski ist das Thema der Woche, das überall diskutiert wird. Der Pole trifft beim neuen ebenfalls FCB wie er will. Auch in München?

Doch zunächst die Bundesliga. Ein weiterer Trainer stand im Mittelpunkt: Marco Rose. In Dortmund unerwünscht, war er bei RB Leipzig nach der schnellen Trennung von Domenico Tedesco absolut erwünscht. RB-Boss Oliver Mintzlaff hatte im Vorjahr lange gewartet, ehe er auf mäßige Erfolge mit einer Trainer-Entlassung reagierte und Tedesco holte, der die Wende herbeiführte und sogar den DFB-Pokal holte. Doch alte Meriten zählen nicht, wieder holperte es bei RB und Mintzlaff versuchte eigene Fehler durch eine neuen Trainer zu kaschieren. Marco Rose war frei und scheint der ideale Mann für Leipzig zu sein: Er wohnt in der Stadt und hat das RB-Gen, nachdem er schon in Salzburg erfolgreich war. Und er hatte einen Einstand nach Maß mit einem 3:0-Sieg ausgerechnet über Dortmund. Leipzig war nicht wiederzuerkennen, was eigentlich dafür spricht, dass es in der Beziehung von Mannschaft zu Trainer nicht mehr stimmte. Dortmund wiederum leidet unter Verletzungsproblemen und Modeste scheint kein adäquater Ersatz für Torjäger Haaland zu sein. Rose ist aber weiter gefordert, es folgen die Duelle mit Real Madrid und pikanterweise die Rückkehr nach Gladbach, wo er vor Dortmund erfolgreich war. Und wenn jetzt noch Max Eberl als Sportdirektor nach Leipzig kommt, ist das alte Erfolgsduo komplett.

Egal ob Freiburg oder Union, die Vereine, die immer noch den Klassenerhalt als erstes Ziel ausgeben, freuen sich über den Platz an der Sonne, können aber die Lage realistisch einschätzen: „Wir haben 14 Punkte, das zählt,“ sagt Union-Trainer Urs Fischer, „die schweren Zeiten kommen noch mit den ständigen Belastungen“. Nur wer den Stress-Test besteht, wird auf Dauer erfolgreich sein. Der erste Test von den Bayern ging aber schon einmal daneben.

Am Wochenende ist der letzte Spieltag vor der Länderspielpause, er hat es in sich. So das große Revierderby zwischen Dortmund und Schalke, das sich im kleinen Revierderby gegen Bochum mit dem 3:1-Sieg Mut geholt hat. Bochum dagegen ist nach einem historisch schlechten Start immer noch punktlos, da bricht dann Panik aus, am Montag ging deshalb die Amtszeit von Trainer Thomas Reis zu Ende. Im Vorjahr der Held, jetzt der Sündenknabe. Er brachte Bochum in die erste Liga und schaffte auch den Klassenerhalt. Dies trauen die Bosse Reis wohl jetzt nicht mehr zu. Vorerst übernimmt U19-Coach Heiko Butscher.

Die Blicke sind aber auch auf Roses Rückkehr in Gladbach gerichtet und aufs bayerische Derby des FCA gegen die Bayern. Die Augsburger sorgten mit dem 1:0 in Bremen für Ruhe im Verein, auf dem Spielfeld war es alles andere als ruhig, denn Torhüter Gikiewicz, der wieder einmal gefeiert wurde, weil er einen Elfmeter hielt und damit den Erfolg sicherte, legte sich mit den Werder-Fans hinter seinem Tor an, die ihn offensichtlich beleidigt hatten. Aber auch Trainer Enrico Maaßen war eine Art Held, weil er Mut zeigte mit gleich vier Stürmern und damit gewann. Vor allem zeigte der FCA Geschlossenheit und Kampfgeist, eine Gegenwehr, die den Bayern in den letzten Spielen gar nicht gefiel.

Mit Niko Kovac stand bei Wolfsburg ein weitere Trainer im Mittelpunkt. Er zog die Konsequenzen, die man bereits bis zum Ende der Transferfrist erwartet hatte. Kovac suspendierte Max Kruse, weil er nicht die Kondition oder den Willen habe, das strapaziöse Kampfspiel anzunehmen. Kruse hat hohe spielerische Fähigkeiten, wirkt aber nicht austrainiert und passt nicht ins taktische Konzept. Die Maßnahme zeitigte Erfolg, Wolfsburg holte durch Einsatz und Kampfeswillen beim 1:0 in Frankfurt den ersten Saisonsieg. Kruse kann in Wolfsburg mittrainieren, einen hoch dotierten Vertrag hat er ja noch, wird aber nicht mehr eingesetzt. „Seine Karriere ist zu Ende“, hatte Kovac orakelt, doch da widerspricht Pokerspieler, Zocker und Influencer Kruse: „Wann meine Laufbahn zu Ende geht, bestimme noch immer ich.“ Auf einen neuen Verein muss er bis Dezember warten.

Knaller in der Champions League

Der Start auf Europas Bühne war für die Bundesligisten keineswegs von Glanz geprägt. Nur Bayern, Dortmund und Freiburg gewannen ihre Spiele, Köln schaffte immerhin ein Remis in Nizza, aber Leipzig, Leverkusen, Frankfurt und Union mussten teils peinliche Niederlagen hinnehmen. Ob es in der zweiten Runde besser läuft? Es sieht nicht unbedingt danach aus, vor allem in der Champions League stehen Knaller an und Vereine wie Leverkusen und Frankfurt machen nicht unbedingt Mut mit ihren gezeigten Leistungen.

Brisanz steckt vor allem hinter dem Wiedersehen von Bayern München und Borussia Dortmund mit ihren alten Torjägern. Lewandowski kommt in die Allianz-Arena, die Borussia besucht Erling Haaland in Manchester. Beide Torjäger fehlen ihren Vereinen. Bei den Bayern schwärmte man zwar anfangs von dem variablen Spiel, doch nach drei Unentschieden wird der Ruf nach einer echten Neun wieder lauter. Jetzt geht die Angst um, dass ausgerechnet der Pole den Bayern die erste Niederlage nach 29 erfolgreichen Gruppenspielen zufügen könnte, dann wäre der Rekord von 30 (gehalten von Real Madrid) futsch. Andererseits sind die Bayern der Angstgegner von Barca, von 13 Vergleichen gewannen die Bayern neun (zwei Remis, zwei Niederlagen), alle Aufeinandertreffen in der Gruppenphase verlor Barca und in Erinnerung bleibt vor allem der 14. August 2020, da demütigte Bayern im Viertelfinale Barcelona mit 8:2. Mit Lewandowski soll alles anders werden, Trainer Xavi schwärmt, „er bringt die Siegermentalität mit.“ Genau die fehlt den Münchnern aber jetzt offensichtlich!

Ähnlich gelagert ist der Fall Dortmund mit Erling Haaland. Der Norweger wurde bei Manchester City schnell zum Star, er führt die Torjägerliste in der Premier League an und ist für Trainer Pep Guardiola unverzichtbar geworden. Wie werden sich die Borussia und Trainer Edin Terzic wehren? Könnte sein, dass er erstmals alle drei Abwehrrecken Hummels, Süle und Schlotterbeck in einer Dreier-Kette aufbietet. Schwere Aufgaben aber auch für Leipzig bei Real Madrid, Bayer Leverkusen gegen Atletico Madrid und Eintracht Frankfurt bei Olympique Marseille. Dort haben die Behörden Einschränkungen für die Eintracht-Fans verfügt, um Ausschreitungen zu verhindern.

In der Europa League spielen der alte und der aktuelle Tabellenführer der Bundesliga, das sollte sich eigentlich in positiven Ergebnissen niederschlagen. Der SC Freiburg muss zu Olympiakos Piräus, keine leichte Aufgabe, auch wenn die Griechen zunächst beim FC Nantes mit 1:2 unterlagen. Union Berlin verlor das erste Match, aber die Reise nach Braga wird nicht leichter. Die Portugiesen haben sich international etabliert und zum Auftakt in Malmö 2:0 gewonnen. Der 1. FC Köln hat in der Conference League gegen die Tschechen von Slovacko Heimrecht, ist aber gewarnt, der Gegner bot gegen Partizan Belgrad beim 3:3 ein Torfestival. Insgesamt aber geht es für die Bundesliga um eine bessere Reputation und da sollte die Bilanz mehr Siege als Niederlagen aufweisen.

Ein Hinweis: Am Freitag beginnt die neue Saison sowohl in der Fußball-Bundesliga der Frauen, als auch in der Deutschen Eishockey Liga der Männer. Zwei konträre Ligen, die aber durchaus Gemeinsamkeiten aufweisen. Mehr darüber in dieser Woche ein einem weiteren Blog.

Die neue Welle in der Bundesliga

Mancher, der auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga schaut, wird sich erstaunt die Augen reiben: Erster ist der SC Freiburg vor Borussia Dortmund! Und wo sind die Bayern? Dritter mit einem Punkt Rückstand, gleichauf mit Union Berlin, und dahinter tummeln sich Mainz 05 und der 1. FC Köln. Klubs, die den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben haben und jetzt als neue Welle die Bundesliga aufmischen. Allerdings: Sie bleiben auf dem Boden der Tatsachen, vom Titel redet keiner, eher davon, dass es weiterhin zunächst einmal um die 40 Punkte geht, da ist der Klassenerhalt sicher. Typisch die Antwort von Freiburgs Trainer Christian Streich: „Tabellenführer, das interessiert mich jetzt gar nicht. Wenn wir eine gute Saison im Europokal spielen und die Klasse halten, dann sind wir glücklich.“ Dennoch, das Wortspiel muss sein, ein hübscher Streich der Freiburger, die vor 22 Jahren das bisher einzige Mal an der Spitze standen, am 1. Spieltag der Saison 2000/21.

Den Weg freigemacht hat Union Berlin, das gegen die Bayern ein fast unüberwindliches Bollwerk aufbaute, die wenigen Chancen nutzten die Münchner nicht. Dennoch denkt keiner im Verein an Torjäger Lewandowski, der jetzt auch in Barcelona trifft wie er will. Auffallend, dass vor allem die Torhüter in den Spielen gegen die Bayern über sich hinaus wachsen. Yann Sommer absolviert immer sein bestes Spiel, Frederik Rönnow machte es ihm jetzt nach und selbst der Amateur Voll von Viktoria Köln bildete im Pokal trotz des 0:5 keine Ausnahme. Rönnow (vorher Frankfurt und Hertha) bestritt sein 12. Spiel für Union und ist noch ungeschlagen, übrigens auch gegen die Bayern! Die Bayern wirbelten aber auch nicht wie in den ersten Spielen. Anfangs wie Weltmeister, am Ende nur Waldmeister? Aber zur Erinnerung: Vor einem Jahr übernahmen die Münchner am 5. Spieltag erstmals die Tabellenführung und gaben sie danach bis zum Samstag nicht mehr ab. Kommt die Wende am Wochenende? Freiburg erwartet Gladbach, Dortmund muss nach Leipzig, die Bayern haben den VfB als Gegner, der noch keinen Sieg errang, aber auch nur fünf Gegentore kassierte.

Auffallend jedenfalls die neue Welle, doch die erfolgreichen Vereine haben eine Gemeinsamkeit: Charakteristische Trainer! Auf Streichs Linie befinden sich auch Urs Fischer bei Union, Steffen Baumgart in Köln und Bo Svensson in Mainz, Typen, die aus dem Rahmen fallen. Sie sorgen dafür, dass es im Verein stimmt, dass der eigentlich von der Nationalmannschaft unbeliebte Begriff „Die Mannschaft“ hier Wahrheit wird: Die Teams präsentieren sich als Mannschaft, als echte Gemeinschaft und es wird clever eingekauft, wie in Freiburg, das mit Gregoritsch ein wichtiges Puzzle dazu holte und Baumgart klagte in Köln nicht über den Weggang von Torjäger Modeste. Ist halt so, weiter geht’s! Mal sehen, wie lange die Welle rollt. Dortmund ist mittendrin, mit einem anderen Phänomen: Bisher wurde kaum spielstarker Fußball gezeigt, eher rumpelte man sich mit an die Spitze, hatte (Ausnahme Bremen) das nötige Spielglück. So kann man auch Meister werden!

Es gibt auch das Gegenteil. Frag nach in Wolfsburg, der VfL war vor einem Jahr Tabellenführer von Spieltag zwei bis vier, jetzt folgte der schlechteste Saisonstart aller Zeiten. Trainer Niko Kovac steht dennoch nicht zur Debatte, er moniert mangelnden Einsatz der Spieler. Auch in Leverkusen wird nicht über Trainer Gerardo Seoane diskutiert, der aber erstmals eine Krise bewältigen muss. Abstiegskampf war nicht vorgesehen. Feuer auf dem Dach ist aber in Leipzig, das 0:4 in Frankfurt war eine Blamage, der vielgelobte Coach Domenico Tedesco gilt jetzt als Kandidat Nummer eins für eine Trainer-Entlassung. Angeblich wartet schon Marco Rose im Hintergrund, er wohnt in Leipzig und war ja vor dem Missgriff Dortmund durchaus erfolgreich.

Auf Dauer wird man diesen Mannschaften nicht unten sehen, eher das jetzige Schlusslicht Bochum, Augsburg, Schalke und Hertha. Die Berliner landeten allerdings beim FCA mit ihrem ersten Saisonsieg einen kleinen Befreiungsschlag. Eine echte Fußball-Geschichte, dass zum 2:0 Marco Richter traf, ein Ex-Augsburger, der nach einer Krebserkrankung seine ersten Minuten wieder spielen kann und in der Heimatstadt für seinen neuen Verein jubeln durfte. Die Eltern saßen auf der Tribüne. Der FCA hat viel Verletzungspech und wenig Klasse. Er investierte vor allem in Stürmer, doch die Tore fehlen (nur 3, wie Bochum). Mergim Berisha kam von Fenerbahce Istanbul, dafür wurde der einst gefeierte US-Nachwuchsstar Pepi nach Groninen verliehen. Vor der Länderspielpause sind Werder Bremen und die Bayern die Gegner, da könnte die Punktausbeute ebenfalls mager ausfallen.

Fußball, Essen, Schlafen

Noch zwei Spieltage stehen in der Bundesliga an, ehe es eine kleine Länderspielpause gibt. Der Stress für die nächsten Monate beginnt aber sofort, die Europapokal-Wettbewerbe starten. Im Vorfeld haben viele Vereine noch mit Spielerwechseln zugeschlagen, wobei manche Zahlen beeindruckend sind. Die Klubs der Premier League warfen bei den Transfers mit Geld um sich, investierten laut kicker 2,2 Milliarden Euro und nahmen dabei nur rund 1,3 Milliarden an Erlösen ein. Allein Aufsteiger Nottingham Forest zahlte für 21 Neue 160 Millionen Euro. Spaniens Vereine schlossen mit einem Minus von 57 Millionen ab (vorne dran Schuldenklub Barcelona), die Bundesliga dagegen machte einen Überschuss von 77 Millionen! 480 Millionen wurden zwar investiert, aber 557 Millionen eingenommen. Damit war die Bundesliga unter den Spitzenligen in Europa die vernünftigste.

Stellen sich jetzt auf Europas Bühne aber auch die Erfolge ein? In der UEFA-Rangliste ist Deutschland die Nummer drei hinter England und Spanien und vor Italien, den Platz gilt es zu verteidigen. Zweifel sind angesagt, wenn man die Formkurve von Leipzig und Leverkusen anschaut. Frankfurt befindet sich dagegen im Aufwind und die Klubs der neuen Welle, Freiburg, Union und Köln, gehen mit viel Vorfreude die Aufgabe Europa an. Was den Stress angeht, hat es Christian Streich auf den Punkt gebracht: „In der nächsten Zeit gibt es nur Fußball, Essen, Schlafen.“

Die Augen sind zunächst vor allem auf Bayern München gerichtet. Bei dem Raketen-Start staunte auch die europäische Konkurrenz, jetzt soll Inter Mailand am Mittwoch prüfen, was mit den Bayern wirklich los ist. Am Dienstag drauf kommt der FC Barcelona. Dortmund hat zweifellos den leichteren Start am Dienstag gegen den FC Kopenhagen, RB Leipzig erwartet Schachtar Donezk und hofft auf ein Erfolgserlebnis, ebenso wie Eintracht Frankfurt gegen Sporting Lissabon und Leverkusen bei Club Brügge. Das Ziel: Die Tristesse der Bundesliga vergessen machen oder sogar, siehe Frankfurt, erstmals in der Champions League tolle Europapokal-Abende feiern.

In der Europa League haben Union Berlin und der SC Freiburg Gruppen, in denen das Weiterkommen möglich ist. Los geht es für Berlin gegen die Belgier von Saint-Gilloise, Freiburg trifft auf Qarabag Agdam. Der 1. FC Köln debütiert bei OGC Nizza, eine Mannschaft, die in Frankreich im unteren Tabellendrittel zu finden ist.

Erfolgreich waren bereits die Fußball-Frauen, die Nationalmannschaft hat sich mit einem 3:0-Sieg in der Türkei für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Australien und Neuseeland qualifiziert. Vom Glanz der Europameisterschaft war allerdings nicht viel zu sehen, die Türkinnen bauten ein Abwehrbollwerk auf, um keine vernichtende Niederlage zu kassieren, den Mädchen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg fehlte der Schwung, um wirkungsvoll die Mauer einzureißen. „Die neue Saison geht erst los, nach der Pause fehlte noch der das richtige Zusammenspiel,“ hatte die Trainerin Verständnis. Gegen Schlusslicht Bulgarien wird die Qualifikation am Dienstag abgeschlossen, am 16. September beginnt die Bundesliga.

Deutschlands lange Kerls auf Medaillenjagd

Die Fußball-Frauen begeisterten bei der Europameisterschaft ganz Deutschland und gewannen neue Fans, die European Championships in München wurden zum Sommermärchen und vor allem die Leichtathletik lockte die Zuschauer vor die Bildschirme. Jetzt steht das nächste sportliche Großereignis in Deutschland an, die Basketball-Europameisterschaft, die am Donnerstag in Köln beginnt. Allerdings gibt es für die Basketballer ein Handicap, um richtig Euphorie zu entfachen, ihre Spiele werden allein im Streaming bei MagentaSport übertragen, wenn auch dort die deutschen Spiele freigeschaltet werden. Das Zeug zur Euphorie hätte das Team, Deutschlands lange Kerls gehen nämlich auf Medaillenjagd. Die „Zwölf“ (so viele Akteure dürfen nominiert werden) um NBA-Star Dennis Schröder gilt als talentierteste Mannschaft des DBB seit langem. Bundestrainer Gordon Herbert genießt großes Vertrauen und wird deutlich, „wir wollen eine Medaille“, der Kanadier warnt gleichzeitig aber auch, „wir sind in einer Todesgruppe“.

Das Feld der Favoriten ist groß, mit Frankreich und Titelverteidiger Slowenien gehören zwei davon zur deutschen Vorrundengruppe, aber auch Serbien und Griechenland werden hoch eingeschätzt. Mut macht dem deutschen Team, dass in der WM-Qualifikation als letzten Test vor der EM Slowenien mit 90:71 besiegt wurde. Dabei wurde NBA-Star Luka Doncic (Dallas) einigermaßen ausgeschaltet, die Defensive um Franz Wagner (Orlando) und Münchens erst kürzlich eingebürgerten NIck Weiler-Babb war das Glanzstück. Wer also den Titelverteidiger schlägt, darf zumindest vom Halbfinale träumen. Den einzigen EM-Titel holte Deutschland 1993, WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2006, jeweils mit Dirk Nowitzki, waren die weitere Erfolge. In Erinnerung ist aber auch noch das unglückliche Vorrundenaus 2015 bei der letzten EM im eigenen Land. Das soll also diesmal anders werden.

Allerdings hatte es der Bundestrainer nicht leicht, eine starke Mannschaft auf die Beine zu stellen, es hagelte für ihn Absagen. Bonga (Toronto, künftig Bayern), Moritz Wagner (Orlando), Kapitän Barthel (Fener Istanbul) und Zipser (Bayern) fallen verletzt aus. Pleiß (Anadolu Istanbul) fühlt sich nicht fit, Kleber (Dallas) und Hartenstein (New York) ziehen eine Erholungspause vor. Sieben Mann also fehlen für den 12er-Kader! So ruht die Last vor allem auf dem neuen Kapitän Dennis Schröder, der in der NBA gerade einen neuen Verein sucht und sich gut präsentieren will. Daniel Theis (Indiana) will nach Verletzungspause spielen und gilt als Verstärkung.

In der Vorrunde sind Frankreich (Donnerstag), Bosnien-Herzogowina (Samstag), Litauen (Sonntag), Slowenien (Dienstag) und Ungarn (Mittwoch) die Gegner in Köln. Die anderen drei Gruppen spielen in Tiflis, Mailand und Prag. Die besten vier Mannschaften jeder Gruppe ziehen in die Finalrunde ein, die im K.o.-Modus in Berlin ausgetragen wird. Das Finale findet am Sonntag, 18. September (20.30 Uhr) statt. Wie im Fußball mit dem Pokal-Endspiel in Berlin wird also jetzt auch von den Basketball-Fans gesungen werden „wir fahren nach Berlin“.

Vor dem ersten deutschen Match in Köln gibt es noch eine besondere Aktion: Deutschlands größter Star Dirk Nowitzki wird geehrt, sein Trikot mit der Nr. 14 wird vor 19.000 Fans unter das Stadiondach gezogen. Die Nummer 14 wird in der Nationalmannschaft nicht mehr vergeben, eine Ehrung, mit der er auch bei seinem NBA-Verein Dallas gefeiert wurde. Nowitzki ist zudem EM-Botschafter und hofft einfach darauf, „dass die Jungs eine tolle EM spielen“.

Handball macht es mit Tempo und Spannung

Während im Basketball die EM gespielt wird, beginnt die Handball-Bundesliga mit ihrer neuen Saison. Eingeleitet wird sie bereits am Mittwoch, 31. August, mit dem Duell um den Supercup zwischen Meister SC Magdeburg und dem THW Kiel. Für die Kieler könnte es eine Standortbestimmung sein, ob sie den Titelverteidiger wirklich herausfordern können. Der erste Spieltag geht dann von Donnerstag bis Sonntag über die Bühne.

Die Handballer bieten wahrscheinlich das, nach dem sich andere Mannschaftssportarten (vor allem der Fußball) sehnen: Spannung im Kampf um die Meisterschaft. Neben Magdeburg und Rekordmeister Kiel wollen auch Flensburg-Handewitt und die Füchse Berlin ein Wort mitsprechen. Berlin hat den Transfercoup gelandet und mit dem Dänen Mathias Gidsel einen der begehrtesten Handballer Europas verpflichtet. Demgegenüber muss Kiel in der Hinrunde auf die Mannschaftsstützen Pekeler (Achillessehnenriss) und Sagosen (Fraktur im Sprunggelenk) verzichten. Nur, wenn sie diese Ausfälle kompensieren können, haben die Kieler eine Chance. Die Spiele sind beim Pay-TV-Sender Sky zu sehen, einige Ausnahmen gibt es auch für die ARD.

Neben Spannung ist in der 18er-Liga vor allem Tempo angesagt. Es gab Regeländerungen, die den Sport noch schneller machen sollen. Wird Zeitspiel angesagt, dürfen nur noch vier statt sechs Pässe gespielt werden und noch schneller kann es auch beim Anspiel nach einem Tor gehen. Dabei ist Handball bisher schon rasant genug, es ist viel los. Eines hat Handball aber mit Basketball gemeinsam, der Terminkalender ist national und international dicke voll, eigentlich zu voll, so dass die Spieler teilweise sogar über ihre Leistungsgrenzen gehen müssen. Das wiederum schadet beiden Sportarten, aber die Verbände sind nicht fähig, einen anständigen Terminplan zu erstellen. Es ist generell ein Problem des Profisports (auch die Fußballer klagen), dass die Verbände nur nach dem Geld schielen und die Gesundheit der Sportler außer Acht lassen.