Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Aufbruchstimmung in der Bundesliga

Die Hitzewelle in Deutschland soll am Donnerstag ausklingen, den Fußball-Fans wird es am Freitag allerdings dennoch heiß: Mit dem Auftaktspiel Bayern München – TSG Hoffenheim beginnt die neue Saison der Fußball-Bundesliga. Eine Saison, über der eigentlich ein Schatten liegt, eine Saison, in deren Vorfeld allerdings auch eine Aufbruchstimmung in der Bundesliga zu spüren ist.

Schatten liegen über der Bundesliga, weil der deutsche Fußball in den letzten Monaten von einer Pleite in die nächste wankte. Zunächst blamierten sich die Vereine mit Ausnahme der Bayern auf Europas Bühne, danach sorgte die Nationalmannschaft für ein historisches Ausscheiden in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft. Deutschland nur noch auf Rang 15 in der Weltrangliste, die Bundesliga in der UEFA-Wertung von Italien überholt und nur noch Vierter. Der Lack ist ab am einst glorreichen deutschen Fußball, von einer der besten Ligen der Welt keine Rede mehr. Kein Wunder, dass die Fans nach Erfolgen lechzen.

Vielleicht herrscht gerade deshalb eine gewisse Aufbruchstimmung in der Bundesliga. Nicht das Jammern oder Bangen steht im Vordergrund, sondern von vielen Vereinen hört man durchaus optimistische und zuversichtliche Töne. So wollen viele nicht einmal mehr das Alleinstellungsmerkmal der Bayern auf den Titel anerkennen. „Alle auf die Bayern!“, forderte ein Manager, sprich, die Klubs müssen davon abkommen, die Punkte gegen den Meister von vornherein abzuschreiben. Allerdings: Dortmunds Boss Watzke stimmt in dieses Kampfgeheul nicht mit ein: „An den Bayern führt kein Weg vorbei.“ Na ja, alte Ehrfurcht kann nicht so schnell abgelegt werden. So bleibt es bei der alten Hoffnung: „Wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein.“ Die neue Hoffnung: Vielleicht klappt es mit dem neuen Trainer Niko Kovac nicht.

Neue Töne aber auch Richtung Europa. Da heißt die Losung plötzlich, „wir müssen von einer Dreifachbelohnung reden, nicht von einer Dreifachbelastung“. Richtig so, aber ob das Manager, Trainer und Spieler nach den ersten Niederlagen noch so sehen? Dann heißt es wieder, „wir mussten reisen und konnten nicht richtig trainieren“. Allerdings: Die Bundesliga-Klubs müssen auf Wiedergutmachungskurs gehen, sonst droht der Verlust des vierten festen Platzes in der Champions League. Die Bayern allein können es nicht richten.

In der Bundesliga streben die großen Klubs dennoch nach einem Platz auf Europas Bühne. Meister Bayern, na gut, aber dahinter machen sich Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Schalke, Hoffenheim und Gladbach Hoffnungen auf die Champions League. Eine Aufbruchstimmung wird aber auch dadurch deutlich, dass vom Abstiegskampf kaum einer spricht. Beispiel FC Augsburg. Die Schwaben wurden immer als einer der ersten Abstiegskandidaten gehandelt, sie nahmen diesen Kampf an und gehen in ihr achtes Bundesliga-Jahr. Erstmals aber gibt es beim FCA optimistische Töne: „Wir müssen nach oben schauen“, fordern vor allem Spieler wie Finnbogason, Gregoritsch und Max, die bei anderen Vereinen auf der Einkaufsliste stehen. Sie wollen gerne beim FCA bleiben, aber auch Erfolg haben und nicht gegen den Abstieg spielen. Aufbruchstimmung also.

Traditionell müssen sich die Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg als erste Teams gegen den Abstieg wehren, dazu die Neulinge vom Vorjahr, Stuttgart und Hannover. Das zweite Jahr ist bekanntlich immer das schwerste. Von den Zitterpartien verabschieden wollen sich aber die Klubs, die in den letzten Jahren oftmals bangen mussten. Wolfsburg hat von der Relegation genug, es soll ebenso wie in Freiburg ins Mittelfeld gehen. Das will auch Mainz, doch da sind eher Zweifel angebracht.

Zum Auftakt einer neuen Saison ist die Punktrunde zunächst meist eine Wundertüte. Erste wichtige Fingerzeige gab aber der DFB-Pokal. Für Titelverteidiger Eintracht Frankfurt zum Beispiel, der krachend in Ulm ausschied. Erstmals seit 22 Jahren überstand der Pokalsieger die erste Runde nicht. Eine Schwäche, die schon beim 0:5 gegen die Bayern im Supercup deutlich wurde. Die Abgänge von Leistungsträgern und Trainer Niko Kovac werden offenbar nicht verkraftet. Der neue Trainer Adi Hütter bittet um Geduld, weil er ein neues System installieren will. Geduld ist in der Bundesliga allerdings ein Fremdwort. So könnte der Österreicher der erste Trainer sein, der fliegt. Andererseits kann es für die Eintracht nach den Feiern mit dem Pokalsieg ein böses Erwachen wie in Köln geben. Der Karnevalsklub freute sich über die Teilnahme an der Europa League, verlor seinen Torjäger und stieg am Ende der Saison ab. Eher Abbruchstimmung in Frankfurt?

Der Pokal könnte auch für die Bayern ein Fingerzeig gewesen sein, die Stars taten sich gegen die Amateure von Drochtersen/Assel schwer, sie fanden kaum Lücken im Abwehrriegel und waren bei Kontern anfällig – das könnte sich in der Bundesliga wiederholen!

Was es noch gibt? Hoffen wir, dass der Videobeweis besser gehandhabt wird und alle gelernt haben. Klubs und Fans sollten den Fußball wieder in den Mittelpunkt stellen, nicht das Geld und den Streit um die Spieltage. Es muss doch für die Ultras möglich sein, auf die unsäglichen Pyrofeuerwerke zu verzichten. Und was den DFB angeht, so wird die Aufarbeitung der WM-Pleite die Bundesliga bald in den Schatten stellen. Wie Bundestrainer Joachim Löw den Neubeginn gestalten will, das könnte fast die spannendere Frage sein. Auch hier also wird Aufbruchstimmung erwartet! Viel Spaß in der neuen Saison.

So könnte die Bundesliga-Tabelle am Ende aussehen: 1. Bayern, 2. Dortmund, 3. Leverkusen, 4. Schalke, 5. Leipzig, 6. Hoffenheim, 7. Bremen, 8. Gladbach, 9. Wolfsburg, 10. Freiburg, 11. Augsburg, 12. Berlin, 13. Mainz, 14. Stuttgart, 15. Frankfurt, 16. Hannover, 17. Nürnberg, 18. Düsseldorf.

In eigener Sache: Der Sport-Grantler feiert Geburtstag! Vor fünf Jahren, am 20. August 2013 schickte der Sport-Grantler seine erste Kolumne um die Welt. 309 Kommentare wurden es inzwischen, vielen Dank an die Leser. Ob er noch einmal fünf Jahre durchhält, das weiß er nicht. Lesen Sie auch den Kommentar davor, der nämlich deutlich macht, warum andere Sportarten gegen den Fußball nicht ankommen: Keine Konkurrenz für den Fußball.

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Keine Konkurrenz für den Fußball

Die Entscheidung des Tennis-Weltverbandes, den traditionsreichen Davis Cup praktisch abzuschaffen, ist typisch, wie die Funktionäre vieler Weltverbände denken und warum es keine Sportart schafft, zu einem echten Konkurrenten für den Giganten Fußball zu werden. Verbände und Funktionäre sehen nur das Geld, verkaufen die Tradition und die Seele ihres Sports. Der Fan wendet sich mit Grausen.

Gut, abgeschafft ist der Davis Cup nicht, er wird in einer neuen Form ausgetragen, aber geblieben ist eigentlich nur der Name. Der Wettbewerb zieht sich nicht mehr über die Saison hindurch, mit wechselndem Heim- und Auswärtsrecht, womit er immer wieder im Gespräch ist, sondern soll in kompakter Form innerhalb einer Woche durchgeführt werden. Der Davis Cup verkommt praktisch zu einem Turnier unter vielen. Möglich machte dies ein finanziell unverschämtes Angebot der Firma Kosmos, hinter der Milliardäre aus Japan und den USA stecken und deren Kopf der spanische Fußball-Profi Gerard Piqué vom FC Barcelona ist. Der umstrittene ITF-Boss David Haggerty leitete den Deal in die Wege, der dem Verband jährlich drei Milliarden Dollar für 25 Jahre bringt.

Die einzige richtige Antwort hatte der Davis-Cup-Sieger von 1993, Michael Stich, parat: „Den Davis Cup wird es in der Form, wie wir sie kennen, nun nie wieder geben, und 118 Jahre werden der Geldgier von Personen geopfert, die keinen Respekt vor Historie und Tradition haben.“

Nun steht Tennis mit der Geldgier nicht alleine da. Auch andere populäre Verbände, die das Zeug dazu hätten, dem Fußball Paroli zu bieten, haben ihre Seele verkauft und sich im Kampf um die Moneten zerstritten. Nehmen wir das Beispiel Basketball in Europa. Da sagten sich schon 2000 einige Spitzenklubs vom Weltverband bzw. Europas Verband los und gründeten ihre eigene Europa Liga. Es ging, natürlich, um Macht und Geld. Die Euroleague (offiziell Turkish Airlines EuroLeague) ist nun die bedeutendste Liga in Europa, gleichzeitig aber so etwas wie eine geschlossene Gesellschaft. Der traditionsreiche Europapokal der Landesmeister war gestorben. Die Klubs der ULEB gingen sogar noch weiter und installierten darunter noch den Eurocup. Der Weltverband FIBA reagierte mit verschiedenen Gegenmaßen und bietet jetzt die Champions League als Gegenstück an. Leider ist die Champions League, dem Namen nach der Spitzen-Wettbewerb, nur zweitklassig, dazu gibt es den FIBA-Europe Cup. Wer soll sich da noch auskennen?

Ähnlich sieht es beim Handball aus. Da streiten sich die Verbände vor allem um Termine, werden die Spieler in unnötige Wettbewerbe gehetzt und Fernsehrechte für viel Geld vergeben, die keine flächendeckende Übertragung garantieren. Wie soll da eine Sportart populär werden oder bleiben? Ein schlimmes Beispiel gab es in der vergangenen Saison, als Europas Verband und der Deutsche Handball-Bund auf Termine keine Rücksicht nahmen und der Fall eintrat, dass ein Klub gleichzeitig auf Europas Bühne und in der Bundesliga antreten musste. Eine Schande. So wurde die internationale Aufgabe mit einer zweiten Mannschaft wahrgenommen. Im Januar richten Deutschland und Dänemark die Handball-Weltmeisterschaft aus, doch die Übertragung im Free-TV ist fraglich, nachdem es schon 2015 und 2017 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schwarze Bildschirme gegeben hatte. Die Agentur, die der Weltverband beauftragt hat, steckt offenbar in finanziellen Schwierigkeiten, die TV-Sender finden keinen Ansprechpartner. Bei den Verhandlungen dominierte beim Weltverband wohl Geldgier vor Seriosität. So muss der Fußball keine Konkurrenz fürchten.

Dabei macht es der Fußball seinen Konkurrenten eigentlich leicht, denn seine Funktionäre tun im Weltverband bekanntlich auch alles, um den Sport in Misskredit zu bringen. Aber der Fußball ist weltweit inzwischen so populär, dass er einfach nicht totzukriegen ist. So kann sich die FIFA sogar lachhafte Entscheidungen leisten. Im neuen Regelwerk kommt das Wort Korruption nicht mehr vor, der Tatbestand also, der dem Fußball-Weltverband Sorgen bereitete und zahlreiche Funktionäre vor Gericht brachte. Die Lösung war einfach und genial: Streichen wir das Wort Korruption, gibt es keine Korruption mehr. Die Gelder werden allerdings weiterhin fließen.

European Championships: Bitte kein neues Olympia!

Das Experiment ist gelungen, die European Championships in Glasgow und Berlin waren ein voller Erfolg. Das eigentlich alle zufrieden waren – Sportler, Funktionäre, Fans und das Fernsehen – hat Seltenheitswert. Die Idee, verschiedene Europameisterschaften zu einem besonderen Event zusammenzulegen, war ein Volltreffer. Sieben Sportarten feierten in zehn Tagen ein Fest und weckten damit gleichzeitig Begehrlichkeiten. Dort wo Begeisterung herrscht, wollen auch andere Sportarten teilnehmen. Doch Vorsicht: Noch größer heißt nicht noch schöner, die European Championships dürfen kein zweites Olympia werden.

Erstaunlich, wie diese neue Veranstaltung von den Fans in Glasgow und Berlin sowie an die Bildschirmen gleichermaßen angenommen wurde. In Deutschland war sogar von einem „Sommermärchen“ die Rede, weil sich die deutschen Sportler als Medaillensammler präsentierten. Und das TV-Konzept ging auf, wie im Winter so jetzt auch im Sommer brachte die geballte Wucht der Wettbewerbe die Zuschauer an die Fernseher. Schwimmen feierte ein Comeback, sogenannte Randsportarten profitierten, „sonst interessiert sich für uns keine Sau“, jubelten zum Bespiel die Wasserspringer. Schauen im Winter die Sportfans neben Biathlon eben auch Rodeln oder Langlauf, so blieben sie diesmal beim Rudern oder Radsport hängen. Im Schnitt rund zwei Millionen Zuschauer schauten tagsüber zu, was den Zahlen vom Winter gleichkam, abends bei der Leichtathletik waren es beständig über vier Millionen und die Leichtathleten schlugen fast durchwegs die TV-Konkurrenz am Abend. „Wir sind sehr zufrieden,“ hieß es beim Fernsehen. Bemerkenswert, denn in Deutschland gab es ja schöne Sommertage.

Aber wie geht es weiter? Sicher dürfte sein, es geht weiter. In vier Jahren soll es eine Wiederholung geben, ein neues Sommermärchen soll die fußballfreie Zeit versüßen. Die Organisatoren werden nun überlegen, ob es noch attraktiver geht, andere Sportarten zeigen wie gesagt Interesse. Die European Championships dürfen aber Olympia nicht kopieren, eine Selbstbeschränkung ist Pflicht, die Veranstaltung darf nicht überlastet und teurer werden. Der Zeitraum von zehn Tagen war ideal, 14 Tage wären die absolute Grenze. Mehr Sportarten würden dafür sorgen, dass zu viele Wettbewerbe parallel laufen müssen – der Sinn der Sache, mehr Aufmerksamkeit, würde ad absurdum geführt. Olympische Spiele sind inzwischen ein Opfer des Kommerz geworden, die Sportler sind nur noch Mittel zum Zweck des Geldverdienens. Bei den Championships standen die Sportler wieder im Mittelpunkt. So muss es sein.

Die Verbände müssen allerdings einiges tun, um den langfristigen Erfolg zu garantieren. So müssen vor allem die Weltverbände mitspielen, damit die Aktiven nicht in Terminnöte kommen und gezielt auf diesen Saisonhöhepunkt hintrainieren können. So gaben in diesem Jahr die Ruderer der baldigen Weltmeisterschaft den Vorzug und ruderten unter ferner liefen. Der einzige Schwachpunkt neben dem Golf. Auch hier haben die großen Turniere Vorrang, die Größen des Sports werden wohl selten Zeit finden, also könnte Golf gestrichen werden. Dafür wäre Beach-Volleyball eine gute Ergänzung und wo die Ruderer schon mal auf dem Wasser sind, könnten sich die Kanuten dazu gesellen.

Dann aber muss schon Schluss sein. Ideen, dass auch Volleyball und Handball gut passen würden, muss eine Absage erteilt werden. Mit Ausnahme vom Turnen sollten die European Championships eine Freiluftveranstaltung sein, auch wenn Schwimmen immer mehr in die Halle geht. Wichtig wäre (und wird wohl so auch von den Organisatoren gesehen), dass nur eine Stadt die Championships ausrichtet, diesmal musste es anders sein, weil die Leichtathletik-EM bereits nach Berlin vergeben war. Aber gerade Berlin bietet sich als Austragungsort in vier Jahren an, auch Hamburg zeigt angeblich Interesse und womöglich bieten sich auch andere Städte in Europa an. Anders als mit den Olympischen Spielen und ihrem Gigantismus können die Ausrichter die Bevölkerung sicher mit Veranstaltungen in bestehenden Stadien und geringen Kosten überzeugen. So sollte auch jegliche Idee für ein Athletendorf gleich wieder ad acta gelegt werden. Kein Gigantismus bitte!

Die Leichtathletik und Berlin waren der größte Gewinner der European Championships. Ein Grund dafür war, dass der Verband über seinen Schatten gesprungen ist und die Wettbewerbe gestrafft hat. So gab es ein Feuerwerk des Sports. Die großartige Stimmung im Olympiastadion, die Begeisterung bei Athleten und Zuschauern waren gleichzeitig ein Plädoyer dafür, dass das Olympiastadion mit seiner legendären blauen Laufbahn so erhalten bleiben muss. Am Schlusstag hatten die Leichtathletik im Fernsehen sogar mehr Zuschauer als der Fußball (Supercup-Endspiel Frankfurt – Bayern) und lieferte damit gleich das entscheidende Argument: Nicht alles darf dem Götzen Fußball geopfert werden, das Olympiastadion gehört auch der Leichtathletik. Wenn es dem Bundesligisten Hertha BSC hier nicht mehr gefällt, kann nur ein eigenes Fußball-Stadion die Lösung sein, aber nicht ein Umbau mit Wegfall der Laufbahn. Berlin würde nur verlieren, könnte in vier Jahren als Ausrichter der European Championships aber ein Gewinner sein!

Start der Premier League: Europa schaut nach England

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist Vergangenheit, der Ball rollt jetzt wieder auch in den großen Ligen Europas. „Appetitmacher“ waren die Ligen in Österreich, Schweiz oder Tschechien, richtig interessant wird es aber erst jetzt, wenn die Premier League in England startet, aber auch Ligue 1 in Frankreich. Allerdings könnten diese beiden Ligen unterschiedlicher nicht sein, da eine Masse an starken Traditionsvereinen, dort das übermächtige Paris St. Germain. Nächste Woche geht es auch in Spanien und Italien los, die Bundesliga wartet bekanntlich bis zum 24. August. Vorausschauend wurde Spielern und Vereinen viel Zeit gegeben, um die WM-Enttäuschung zu verarbeiten…

Im Mittelpunkt aber der Start der Premier League – alle schauen nach England. Bekanntlich übt die Premier League nicht nur eine große Anziehungskraft aus, weil dort der Fußball gelebt wird, sondern vor allem, weil die Geldtöpfe besonders gut bestückt sind. Diesmal schaut der Rest Europas allerdings auch deshalb nach England, weil die Premier League ein Experiment gewagt hat und die Transferliste bereits am Donnerstag, 9. August, geschlossen hat, so dass einigermaßen Ruhe an der Transferfront einkehrt, weil Englands Geld nicht mehr lockt. Andererseits können überzählige Spieler aus der Premier League durchaus abgegeben werden – auch deshalb lohnt sich also der Blick nach England! Mal sehen, ob es die Klubs in England am Ende als Vorteil werten, dass der Transfermarkt vor Beginn der Saison geschlossen wurde.

Aber lassen wir das Transfertheater, bleiben wir beim Sport. Und da stellt sich in England eine seltsame Frage: Gibt es wieder einen Alleingang von Manchester City? Pep Guardiola hatte in der letzten Saison die Liga geschockt, der Ex-Bayern-Coach dominierte mit seinem Team das Geschehen, eroberte 100 Punkte, sorgte für Langeweile an der Spitze mit 19 Punkten Vorsprung und seine Mannen erzielten 106 Tore. Fast eine Demütigung für die Konkurrenz, eine Überlegenheit wie sie in Deutschland mit Bayern München und Frankreich mit Paris St. Germain als schädlich erachtet wird. Der Unterschied: In Deutschland und Frankreich wird keine Änderung erwartet, in England schon.

Nur: Wer kann Pep Guardiola und seinen Mannen Paroli bieten? Dem Vorjahreszweiten und Lokalrivalen Manchester United mit Trainer Jose Mourinho wird dies eigentlich nicht zugetraut. Eher wird da der FC Liverpool mit Jürgen Klopp genannt. Der deutsche Coach hat sein Team gezielt verstärkt, vor allem die Schwachstelle Torhüter mit Roms Brasilianer Alisson geschlossen, zu dieser Zeit war es mit angeblich 72,5 Millionen Euro der teuerste Torhüter-Transfer. Zudem sollen Leipzigs Naby Keita, Fabinho und Shaqiri das Mittelfeld verstärken bzw. den Kader insgesamt besser machen. Jürgen Klopp rüstet sich wie in Dortmund in seinem dritten Jahr zum Kampf um den Titel. Schon in der Bundesliga hat er Pep Guardiola bekanntlich gerne geärgert.

Die weiteren großen Rivalen in London versuchen es mit neuen Trainern. Bei Arsenal ging die große und erfolgreiche Ära des Franzosen Arsene Wenger zu Ende, Unai Emery musste in Paris gehen, weil der Erfolg in der Champions League ausblieb. Jetzt soll er die Titelträume der Arsenal-Fans erfüllen, die letztmals 2004 die Meisterschaft feiern durften (in Liverpool wartet man schon seit 1990!). Antonio Conte hatte mit Chelsea erst 2017 den Titel geholt – und dennoch war er nicht mehr wohl gelitten. Jetzt soll es Maurizio Sarri richten, der in Neapel mit viel Erfolg gearbeitet hat. Chelsea sorgte zum Transferschluss noch für Aufmerksamkeit, weil sich Belgiens WM-Torhüter Courtois Richtung Real Madrid verabschiedet und die Londoner dafür einen 23-Jährigen Keeper namens Kepa von Athletic Bilbao holten – für 80 Millionen Euro, jetzt ist der Spanier der teuerste Torhüter der Welt. Aber alle sollten auch Mauricio Pochettino nicht übersehen, fast heimlich, still und leise hat er aus den Tottenham Hotspurs einen Meister-Anwärter gemacht, allen voran geht bzw. trifft der WM-Torjäger Harry Kane.

Der Rest des Feldes ist auch in England mehr oder weniger nur Staffage und hofft höchstens auf einen Platz in der Europa League. Apropos Europa, mit dem Brexit will sich Großbritannien ja politisch und wirtschaftlich von Europa entfernen, im Fußball will England endlich in Europa triumphieren. Fast eine Schmach und für die größte Geld-Liga Europas, dass man in der Champions League den Henkel-Pott zuletzt immer anderen überlassen musste, zuletzt dreimal Real Madrid. Immerhin war der FC Liverpool 2018 im Finale und verlor unglücklich mit 1:3. Den Titel gewann zuletzt Chelsea London 2012 glücklich gegen Bayern München, davor brachte 2008 Manchester United den Pott nach England heim. Den Run der Spanier seit 2014 (2015 siegte der FC Barcelona und davor 2013 Bayern München) will man vor allem in England endlich beenden. Man will sich nicht mehr nachsagen lassen, dass Geld keinen Erfolg bringt. Auch deshalb schaut Europa nach England.

Der FC Bayern geht wieder auf Titeljagd

Die Fußball-Bundesliga scheint in einer Zeitschleife festzustecken. Ist jetzt 2013 oder doch schon 2018? Auf die Frage vor der Saison nach dem Meisterschaftsfavoriten gibt es seit Jahren nur eine Antwort: FC Bayern München. Seit 2013 gibt es auch nur einen Meister – den FC Bayern München. Und der geht jetzt wieder auf Titeljagd. Mit dem kleinsten Ziel geht es am Sonntag in Frankfurt los, wenn im Supercup der Meister beim Pokalsieger Eintracht antritt. Lange Zeit wurde der Supercup belächelt, doch er hat an Bedeutung gewonnen, auch in den anderen großen Ligen. In diesem Jahr blickt das Fußballvolk besonders interessiert auf dieses Spiel, ist es doch die Rückkehr des Frankfurter Erfolgstrainers Niko Kovac mit den Bayern zu seinem alten Verein. Der Supercup gewinnt an Bedeutung.

Das sehen auch zwei ehemalige Bundestrainer so, Thomas Tuchel bei Paris St. Germain und Pep Guardiola mit Manchester City feierten bereits ihren ersten Titel und Tuchel sogar sehr ausgelassen. Ein kleines bisschen vom Erfolgsdruck ist weg, das große Ziel allerdings noch weit weg: Der Gewinn der Champions League. Danach sehnen sich viele Vereine in Europa, die Zahl der Interessenten wird immer größer und die Hoffnung träg einen Namen: Cristiano Ronaldo. Ohne den Torjäger will man Real Madrid endlich vom Thron stoßen. Das will zum Beispiel Juventus Turin eben mit Ronaldo schaffen…

Aber zurück zu den Bayern und ihre Titeljagd. Zurückhaltung kennt man in München nicht und so formuliert Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sehr deutlich, dass man wieder einen neuen Angriff auf den Henkel-Pott der Champions League starten wolle. Früher hieß es, die nationale Meisterschaft sei der ehrlichste Titel (es wäre der siebte in Folge), alles andere Zugabe. Das klingt jetzt anders. Bescheidenheit war zudem nie eine Zier in München, deshalb galt die letzte Saison auch nicht als eine erfolgreiche. „Nur“ die Meisterschaft ist nicht unbedingt das, was den Abonnementsmeister in große Jubelstimmung versetzt. Das Double wurde bekanntlich gegen Frankfurt mit einer schwachen Leistung verspielt, das bitte schön, sollte es doch dann wenigstens sein. Der Gewinn des Supercups und die Meisterschaft, das gilt dann nicht einmal als „kleines Double“. So groß ist die Bedeutung des Supercups also doch nicht.

Der neue Bayern-Trainer Niko Kovac hat ja gezeigt, wie der Pokal zu gewinnen ist. Das müsste eigentlich ein Dämpfer für alle diese Hoffnungsvollen sein, die darauf setzen, dass der Kroate in München vielleicht doch nicht so gut ankommt. Schließlich ist auch ein zumindest kleiner Umbruch im Bayern-Team zu verkraften, mit Arturo Vidal hat sich der „Krieger“ verabschiedet, Abwehr-Stratege Jerome Boateng könnte es noch tun (Tuchel in Paris und Manchester United buhlen angeblich um ihn). Leon Goretzka ist der einzige echte Neuzugang, Serge Gnabry begann zudem quasi seine Arbeit in München nach der Ausleihe nach Hoffenheim. Dazu staunten die Beobachter, dass im Vorfeld der Saison fast täglich ein anderer Nachwuchsspieler einen Profivertrag bei den Bayern unterzeichnete. Von sechs Hoffnungsträgern sollte dann halt wenigstens ein Lahm, Müller oder Alaba dabei sein. Bei der Titeljagd in diesem Jahr werden sie nicht helfen können.

Helfen sollen da schon eher noch die Oldies Franck Ribery und Arjen Robben, doch sie sind auch ein Sinnbild dafür, dass den Bayern die Zeit ein bisschen davon läuft. Die Konkurrenz in Europa rüstet immer mehr auf, die Bayern scheuen (bisher noch) das Risiko hoher Investitionen und vor allem Bayern-Präsident Uli Hoeneß will einen Traum offensichtlich umsetzen: Die Bayern als deutsche Mannschaft. Bleibt Boateng, könnten neun deutsche Nationalspieler in einer Anfangsformation beginnen! Allerdings: Ohne einen Lewandowski, Martinez, Thiago und James oder ähnliche Kaliber wird ein internationaler Erfolg auch nicht möglich sein. Also den Pott holen, bevor die Stars von heute zu alt werden. Auf geht’s zur Titeljagd!

Duell der Giganten: Rambo Vettel gegen Showman Hamilton

Die Formel 1 macht Sommerpause. Die Helden der Rennstrecken können sich ausruhen, doch in den Teams herrscht eher hektische Betriebsamkeit. Ingenieure und Mechaniker müssen alles versuchen, um die Autos schneller zu machen. Das gilt vor allem bei Mercedes und Ferrari, im Kampf um die Krone werden noch einige PS gesucht, um ihren Fahrern wenn möglich einen Vorteil zu verschaffen. Im Duell der Giganten um die WM-Krone zählt allerdings nicht nur das Auto, es zählen auch die Nerven, es kommt auf das Glück an. Wer holt sich am Ende seinen fünften Titel (beide liegen bei vier): Rambo Sebastian Vettel oder Showman Lewis Hamilton?

Im Moment heißt es „Vorteil Hamilton“. Der 32-Jährige Engländer hatte in den letzten Jahren in der zweiten Saisonhälfte immer seine stärksten Leistungen gezeigt. Das spricht für starke Nerven. Vor einem Jahr hatte sein Konkurrent Vettel zur Sommerpause sogar 14 Punkte Vorsprung, ehe Vettel den Titel durch Fahrfehler und technische Probleme noch verspielte. In dieser Saison hat Hamilton nach 12 von 21 Rennen seinerseits 24 Punkte Vorsprung, ist also fast einen Sieg voraus.

Eigentlich eine Überraschung, denn in den letzten Wochen sprach alles für den Deutschen. Der Ferrari gilt inzwischen als das schnellere Auto, die Italiener haben offensichtlich die PS-Vorteile von Mercedes nicht nur aufgeholt, sondern die Deutschen sogar überholt. Auch technisch gab es weniger Probleme, die traten eher bei Mercedes auf, doch die Stuttgarter bekamen irgendwie immer wieder die Kurve, manchmal stand ihnen auch das Glück zur Seite, so wie beim letzten Rennen in Budapest, als Regen in der Qualifikation WM-Führenden Hamilton die Pole Position schenkte (was die Basis für den Sieg war), auf einer Strecke, auf der Mercedes zuletzt kaum Erfolge einfuhr. Es scheint, dass sich auch das Glück auf die Seite von Hamilton geschlagen hat.

Sebastian Vettel verspielte wohl wieder einmal seinen Vorteil. Vor dem Rennen in Hockenheim hatte ein Sportfachblatt einen Vergleich von Vettel und Hamilton angestellt und kam zu dem Schluss, dass im Duell der Giganten der Deutsche vier von sechs Duellen für sich entscheiden würde. Auf der Strecke sieht es anders aus, falsch war zum Beispiel das Urteil, dass Vettel einen Vorteil in der mentalen Stärke hätte. Das Gegenteil ist der Fall, Vettel wird eher unruhig wenn es nicht läuft und auf der Strecke zum Rambo. Der Fahrfehler in Hockenheim ist ebenso der Beweis, wie das überharte Manöver gegen Bottas in Budapest. Vettel will den Titelgewinn erzwingen, Hamilton wirkt gelassener. Dem Showman helfen da vielleicht seine Ausflüge ins Showgeschäft – die richtige Ablenkung.

Aber noch ist nichts entschieden, es könnte ein harter Kampf bis zum letzten Rennen am 25. November in Abu Dhabi bleiben. Am 26. August geht es in Spa/Belgien weiter, der Lieblingsstrecke von Vettels Vorbild Michael Schumacher. Dessen Erfolge mit Ferrari will ja Vettel wiederholen, er wartet sehnsüchtig auf den Anfang einer Siegesserie. Immerhin hat dieses Duell der Giganten die Formel 1 wieder ins Gespräch gebracht, auch in Deutschland wurde das Interesse wieder geweckt, der übertragende Fernsehsender RTL freut sich über steigende Zuschauerzahlen und in Hockenheim kam man diesmal ohne Verlust über die Runden. Das lässt hoffen, dass am 22. Juli nicht das letzte Formel-1-Rennen in Deutschland stattfand.

European Championships: Die Sehnsucht nach mehr Aufmerksamkeit

Die Olympischen Spiele sind das Vorbild, die Bedeutung dieses weltweiten Festes des Sports werden sie aber nie erreichen. Aber die Sehnsucht nach mehr Aufmerksamkeit führte zu einem neuen Wettbewerb im Sport, vom 2. bis 12. August werden in Glasgow und Berlin erstmals die „European Championships“ ausgetragen. Sieben Sportarten präsentieren sich in zehn Tagen, tragen aufeinander abgestimmt quasi ihre Europameisterschaften aus. Eine Art von Konzentration der Wettkämpfe, wie sie zum Beispiel bei den Asien-Spielen schon lange erfolgreich praktiziert wird.

Bezeichnend, dass die Idee zu dieser Bündelung der Meisterschaften nicht vom Sport selbst kam, sondern vom Fernsehen. Auch die TV-Anstalten wollen natürlich mehr Aufmerksamkeit, sprich höhere Einschaltquoten. Initiator war die EBU (European Broadcasting Union), ein Zusammenschluss der öffentlich-rechtlichen TV-Sender in Europa. Die EBU ist Veranstalter, hat das Ereignis nicht nur angestoßen, sondern jetzt auch organisiert. Kein Wunder also, dass in Deutschland ARD und ZDF zusammen rund 100 Stunden übertragen. Nach den Qualifikationen am 2. August beginnt das ZDF am 3. August und danach wechseln sich die beiden Sender täglich ab, die ARD überträgt also an allen geraden Tagen.

Eigentlich sollten die European Championships nur an einem Ort stattfinden, in Glasgow nämlich. Doch die Leichtathletik-Europameisterschaften waren bereits nach Berlin vergeben und die Leichtathletik sollte das Herzstück der Spiele bilden, also wurde Berlin kurzerhand zweiter Standort. In Glasgow tummeln sich Schwimmen, Rudern, Triathlon, Radsport, Turnen und Golf. Mal sehen, ob die Wettkämpfe im neuen Gewand die Zuschauer mobilisieren, schlechter kann es ja nicht werden.

Hintergrund zur Idee der European Championships ist ja, dass viele Sportarten kaum noch Beachtung im Fernsehen und in der Öffentlichkeit finden. Bestes Beispiel ist in Deutschland das einst so populäre Schwimmen. Viele Sportarten tauchen fast immer nur alle vier Jahre bei den Olympischen Spielen auf, jetzt soll die Durststrecke also nicht mehr so lang sein. Gefordert sind natürlich vor allem die Sportler selbst, denn die müssen mit guten Leistungen und Erfolge für Aufmerksamkeit, vielleicht sogar für Euphorie sorgen. Rund 4500 Athleten aus über 50 Ländern sind am Start, 188 Medaillenentscheidungen gibt es. Kleine Olympische Spiele also.

Kein Wunder, dass am Anfang noch nicht alles rund läuft. So legten die Schotten Wert darauf, dass ihr Lieblingssport Golf im Programm auftaucht, doch der internationale Wettkampfkalender war natürlich schon geschrieben. So gibt es allein Mannschaftswettbewerbe der Damen und Herren und im Mixed. Die Amateure haben das Sagen, aus Deutschland werden nur Damen am Start sein.

Die TV-Anstalten als Organisator? Vielleicht werden wir uns daran gewöhnen müssen, in vielen Ländern Europas haben vor allem Privatsender schon Wettbewerbe durchgeführt, bisher waren es allerdings meist Spaßveranstaltungen. Es kann gut sein, dass mehr TV-Anstalten die Idee aufgreifen und den darbenden Sportarten eine Plattform bieten. Die EBU ist wahrscheinlich auch deshalb auf die Idee dieser Spiele gekommen, weil ihre Sender inzwischen viele Rechte an attraktiven Sportarten (Fußball!) verloren haben. So sind jetzt alle auf das erste Experiment gespannt, gelingt es, soll es in vier Jahren eine Neuauflage geben, natürlich mit noch mehr Sportarten.