Beim Nationalteam muss Hansi Flick ein Puzzle lösen
von knospepeter
Das ist ein stolze Zahl: Am Montag, 12. Juni 2023, bestreitet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr 1000. Länderspiel. Gegner ist um 18.00 Uhr (bewusst wurde eine „jugendfreundliche“ Anstoßzeit gewählt) in Bremen die Ukraine. Angesichts der Kriegsleiden durch Russland ein besonderer Partner. Erster Gegner war am 5. April 1908 die Schweiz, in Basel gab es eine 3:5-Niederlage. Inzwischen sieht die Bilanz nach 999 Länderspielen positiv aus: 578 Siege, 207 Unentschieden und 214 Niederlagen stehen zu Buche. Dazu gab es die WM-Titel 1954, 1974, 1990 und 2014. Das kann sich sehen lassen. Gratulation an den Deutschen Fußball-Bund, der leider in letzter Zeit eher durch Skandale auf sich aufmerksam machte.
Mit dem ersten WM-Titel 1954 in Bern, mit dem überraschenden 3:2-Triumph über Favorit Ungarn, wurde die Basis für die Fußball-Begeisterung in unserem Land gelegt. Das vom Zweiten Weltkrieg gebeutelte Deutschland hatte plötzlich wieder Hoffnung. So stark kann Fußball in der Bevölkerung wirken, doch der Glanz ist leider eher verloren gegangen, Fußball ist heute fast reine Unterhaltung, wird als geldgierig gebrandmarkt und Spieler und Funktionäre wirken teils abgehoben gegenüber dem „einfachen Volk“. Aber der Fußball wirkt, er wird trotz aller Anfeindungen nicht untergehen.
Die aktuelle Fußball-Nationalmannschaft hat jetzt die Aufgabe, die Begeisterung für die „Nati“ wieder zurück zu holen. Eine schwere Aufgabe für Bundestrainer Hansi Flick nach den letzten Pleiten bei großen Turnieren. Die Hoffnung gilt jetzt der Europameisterschaft 2024 in Deutschland, da soll es ein ähnliches Sommermärchen geben wie bei der Weltmeisterschaft 2006 hierzulande. Das geht natürlich nur über Erfolge und da muss Hansi Flick ein Puzzle lösen, er hat viele talentierte Spieler, aber wie passen sie wirklich zusammen. Er wird viel probieren müssen, andererseits aber auch rechtzeitig ein Stammteam finden müssen. Einen Neustart gibt es jetzt gegen die Ukraine. Danach stehen noch die Testspiele am 16. Juni in Warschau gegen Polen an und am Dienstag, 20 Juni in Gelsenkirchen gegen Kolumbien (jeweils 20.45 Uhr).
Eine erste Entscheidung hat der Bundestrainer getroffen, in diesen drei Länderspielen testet er in der Abwehr eine Dreierkette, sie soll für Stabilität sorgen, ohne die Offensive zu vernachlässigen. Das macht Hansi Flick deutlich: „Wir möchten unsere Gegner mit viel Offensivpower über die Außenspieler unter Druck setzen und gleichzeitig mit der Dreierkette kompakt stehen.“ Erstaunlich, dass er da auf den Dortmunder Niklas Süle verzichtet. Ein Warnschuss an den Spieler, der endlich sein ganzes Potenzial abrufen soll. Dazu wird Flick in der Offensive experimentieren, das Angebot ist groß. Fehlen werden Ilkay Gündogan und Robin Gosens, die noch im Finale der Champions League beschäftigt sind. Kevin Schade reiste angeschlagen gleich zur U21, Timo Werner fällt auch mit einer Sprunggelenkblessur aus. Dafür kommen Vagnomann und Moukoko für das Ukraine-Match von der U21.
Südtirol als gutes Omen
Für die Nationalmannschaft der U21 steht die große Aufgabe unmittelbar bevor, vom 21. Juni bis 8. Juli wird in Rumänien und Georgien die Endrunde der Europameisterschaft ausgetragen. Gruppengegner der DFB-Elf sind Israel (Donnerstag, 22. Juni), Tschechien (Sonntag, 25. Juni) und England (Mittwoch 28. Juni, jeweils 18.00 Uhr). Am Samstag beginnt der Lehrgang der U21 in Prad in Südtirol mit einem vorläufigen Kader von 26 Spielern (23 dürfen nominiert werden), wobei Südtirol für deutsche Nationalteams schon immer als gutes Omen gilt. Den einzigen Test gibt es gegen eine Auswahl von Südtirol. Für einen guten Start sorgte der Verband, der die Verträge mit Bundestrainer Antonio di Salvo und Assistent Hermann Gerland schon vor dem Turnier bis zum 31. Juli 2025 verlängerte.
Sein stärkstes Team kann di Salvo nicht aufbieten, die größten Talente Musiala und Wirtz weilen ebenso bei der A-Nationalmannschaft, wie Malik Thiaw (AC Mailand), der eigentlich erst die EM spielen sollte. Dazu fällt mit Armel Kella Kotchap (Southampton) ein weiteres Abwehr-As aus. Das Ersatz-Pärchen hat sich allerdings gemausert, Jordan Beyer wurde beim FC Burnley in der Premier League Stammspieler, Yann Aurel Bisseck verpasste in der dänischen Liga beim Tabellendritten Aarhus GF keine einzige Spielminute! Schlagzeilen machte zuletzt auch Torhüter Noah Atubolu, der beim SC Freiburg den Niederländer Mark Flekken ersetzen soll, den es zum FC Brentford in die Premier League zieht. Die U21 hat außerdem ein schönes Vorbild, die U17 wurde gerade Europameister. Nach dem Titel greifen wollen auch di Salvo und seine Schützlinge.