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4:2 – Eintagsfliege oder ein Versprechen?

So ein Urteil hätte man vor wenigen Tagen noch ins Reich der Fabel verwiesen, einfach nicht möglich: Bundestrainer Joachim Löw hat alles richtig gemacht! Allerdings, das 4:2 gegen Portugal war schon ein seltsames Spiel, erst der peinliche Rückstand, nachdem sich die DFB-Elf nach einem eigenen Standard überrumpeln ließ, zwar dominant, aber ohne Schwung auftrat, dann die Wende mit zwei Eigentoren des Gegners und plötzlich der „Urknall“. Alles klappte, aus einer trägen Angelegenheit wurde ein Spektakel, Deutschland ist wieder im Spiel. Mit ein bisschen Abstand stellt sich allerdings die Frage: War das nun eine Eintagsfliege gegen Lieblingsgegner Portugal, der bei den letzten fünf EM- oder WM-Turnieren Deutschland brav die Punkte abgab, oder ist es ein Versprechen für den Rest des Turniers?

Die Antwort wird es bereits am Mittwoch gegen Ungarn geben. Im letzten Gruppenspiel ist alles noch möglich, vom Gruppensieg bis zum Ausscheiden. In den letzten Spielen bis zum Ende der Gruppenphase wird überall gerechnet, die besten zwei jeder Gruppen und die vier besten Gruppendritten kommen weiter, ein Rätsel, das auf Auflösung wartet. Bei Deutschland wird auf der Suche nach der Lösung eher in Erinnerungen gekramt. Ungarn! Da war doch was, eben, das „Wunder von Bern“, das sensationelle 3:2 als Weckruf für eine ganze Nation nach dem Zweiten Weltkrieg. Seltsam: Bei einer Europameisterschaft ist Ungarn erstmals der Gegner. Auf dem Papier der schwächste im Konzert der Welt- und Europameister, aber ein kampfkräftiger, wie das 1:1 gegen Frankreich bewies. Doch Ungarn spielt diesmal nicht in Budapest vor über 50.000 Fans, sondern in München vor nur 14.000, überwiegend Gegner. Da wird es für die Löw-Schützlinge leichter, dass der Glanz gegen Portugal keine Eintagsfliege bleibt.

Erinnerungen werden aber auch wach an die Weltmeisterschaft 2018 in Russland, an die Pleite, die sich nach dem glücklichen 2:1-Sieg gegen Schweden im zweiten Gruppenspiel nicht abzeichnete. Aufgemerkt: Es war das zweite Gruppenspiel! Allerdings: Diesmal scheint alles ein bisschen anders zu sein, keine Selbstüberschätzung zu sehen, das Team präsentiert sich wirklich als Mannschaft, der gerade gefundene Schwung sollte nicht verloren gehen. Also doch eher ein Versprechen? Seltsam: Zehn aus dem unglücklichen WM-Kader standen auch diesmal auf dem Platz!

Bei Jogi Löw müssen viele also ein bisschen Abbitte leisten. So wurde die Dreierkette verteufelt, aber ohne Dreierkette kann der Bundestrainer nicht auf Robin Gosens setzen. Der Flügelflitzer ist jetzt der Star, der neue Liebling der Fans, aber in einer Viererkette als linker Verteidiger defensiv zu schwach. Also Dreierkette für Gosens, verbunden mit einem Opfer für Joshua Kimmich. Nichts ist es als Mittelfeld-Lenker, dafür präsentiert er sich – wenn er die Rolle annimmt, so wie gegen Portugal – als echtes Gosens-Pendant auf rechts. Deutschlands Flügelzange kommt von hinten, bzw. sie drängt nach vorn und setzt den Gegner unter Druck, zwingt ihn manchmal halt zu Eigentoren… Drei Eigentore in zwei Spielen von einer Mannschaft, noch ein Novum für das deutsche Team. Gosens hat übrigens ein anderes Talent in den Schatten gedrängt, das mehr Aufmerksamkeit verdient hättte: Kai Havertz! Der Champions-League-Held verbannte quasi den hochgelobten Leroy Sané auf die Ersatzbank.

Es war aber schon überraschend, dass Jogi Löw nach der unnötigen Niederlage gegen Frankreich auf die gleiche Elf setzte, aber plötzlich stand doch eine ganz andere Mannschaft auf dem Feld. Plötzlich geht es ohne echten Mittelstürmer und was außerdem aufgefallen ist, Torhüter und Kapitän Manuel Neuer musste noch nicht einmal richtig eingreifen, um Deutschland zu retten. Bisher war er nur ein Nebendarsteller, was aufs Tor kam, war dann meistens drin, leider nicht zu verhindern. Jetzt gibt es nur eins: Den Schwung beibehalten, Ungarn nicht unterschätzen und weiterkommen. Fragezeichen gibt es: Mit Müller, Hummels und Gündogan sind drei Stammkräfte angeschlagen. Vor allem Thomas Müller als Mittelfeldmotor und wortreicher Lenker würde eine Lücke hinterlassen.

Es ist ja immer so bei den großen Turnieren, mit dem Achtelfinale geht es erst richtig los. am Samstag, 26. Juni, zwei Wochen nach dem Start! Vorher meldet sich auch der Sport-Grantler noch einmal. Vorerst wird gerechnet, bei einigen, von denen man es nicht gedacht hätte, zum Beispiel Spanien, das nach Unentschieden gegen Schweden (0:0) und Polen (1:1, Tor Lewandowski) am Mittwoch in Sevilla gegen die Slowakei gewinnen muss, um das Achtelfinale zu erreichen. Als erstes Team ausgeschieden ist die Türkei nach Niederlagen gegen Italien, Wales und die Schweiz. Wer die größten Sprüche macht, fällt tief. Trainer Senol Günes hatte vorher getönt, dass die Türkei zu den Favoriten gerechnet werden müsse. Jetzt droht ihm die Ablösung, notfalls macht es wohl Staatschef Erdogan persönlich.

Die positive Überraschung bisher Italien, neben Wales (dahinter punktgleich die Schweiz, die aber muss noch zittern) und den Niederlanden bereits qualifiziert. Bisher ist Italien sogar noch ohne Gegentor und seit Dezember 2018 auch unbesiegt. Für Jogi Löw hat das alles keine Bedeutung, „die, die in den ersten Spielen perfekt auftreten, haben in den seltensten Fällen ein Turnier gewinnen können“. Wir wissen: Jogi Löw kennt sich aus.

Die Angst des Trainers vor dem ersten Spiel

Der österreichische Literaturnobelpreisträger (2019) Peter Handke schrieb bereits 1970 einen viel beachteten Roman mit dem Titel „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“. Peter Handke wird damit auch heute noch gern zitiert. Dabei könnte er sich eines neuen, aktuelleren Themas annehmen, nämlich „Die Angst des Trainers vor dem ersten Spiel“. Dies wird vor allem jetzt wieder bei der Fußball-Europameisterschaft deutlich, ist aber schon ein alter Angstzustand der Trainer bei allen Turnieren. Allein der Hinweis, „das erste Spiel ist das wichtigste“, sagt alles. So wird allzu oft auch die Taktik von der Angst vor der ersten Niederlage geprägt. Es steht zu befürchten, dass dies auch bei Bundestrainer Joachim Löw so ist, vor dem deutschen Turnierauftakt am Dienstag (21.00 Uhr) gegen Weltmeister Frankreich.

Jetzt beginnt die EM auch für Deutschland richtig, ein besonderes Ereignis vor allem für Löw persönlich, der sich auf seiner Abschiedstour befindet. Wie lange wird sie dauern? Nur drei Spiele oder sogar sieben, wenn er mit seinen Jungs das Finale schafft? In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob die DFB-Elf wirklich vom Losglück verlassen wurde, nachdem sich am Samstag auch Portugal als Hürde aufbaut. Aber bei Jogi Löw scheint sich Angst vor dem ersten Spiel schon breit zu machen. Für ihn ein Spiel der Wahrheit, alle Anzeichen deuten darauf hin, dass er es nicht selbstbewusst davon ausgeht. Mit welchem System will der Trainer gewinnen? Denkt er überhaupt an einen Sieg? Löw äußert sich eher defensiv, „die Null muss stehen“ oder „wir müssen den Supersturm Frankreichs stoppen“. Die Dreierkette soll es wohl richten, könnte sein, dass er sich wieder vercoacht, wie bei der EM 2012, als er im Halbfinale gegen Italien Toni Kroos als Sonderbewacher für Spielmacher Andrea Pirlo missbrauchte und Deutschland prompt 1:2 unterlag.

Diesmal also offenbar nicht das gewohnte System im 4-2-3-1, sondern ein 3-4-3, wobei diesmal Joshua Kimmich wohl oder übel auf rechts rausrücken muss. Gosens links ist offensiv orientiert und da stellt sich die Frage, ob Kroos und Gündogan die Mitte wirklich dichtmachen können. Es könnte zum Systemfehler führen gegen Mbappé, Griezmann und Benzema mi Pogba in der Hinterhand. Auch die Bilanz macht keine Hoffnung: In 31 Spielen gewann Deutschland nur 9mal, es gab 14 Niederlagen bei 8 Unentschieden (48:49 Tore). Das letzte Aufeinandertreffen m Oktober 2018 in Paris ging mit 2:1 an Frankreich, das auch im bisher einzigen EM-Duell 2016 im Halbfinale gegen den damaligen Weltmeister Deutschland mit 2:0 gewann. Na ja, da kann Jogi Löw schon ein bisschen Angst haben… Übrigens: Von Angstzuständen ist bei den Franzosen nichts zu hören und zu sehen, sie bekunden immerhin Respekt.

Der Bundestrainer hat einen starken Kader zur Verfügung, der es ihm ermöglicht in jedem Spiel entsprechend zu reagieren. Manche Fragen sind offen und werden wohl erst im Laufe des Turniers Klärung bringen. Eben die Sache mit der Position von Kimmich, kann Löw auf einen fitten Gorotzka verzichten und wer schießt die Tore, ist Volland der Retter in der Not oder trifft Werner das Tor doch wieder, bleibt Havertz der Mann für wichtige Tore wie im Finale der Champions League? Wir sind gespannt auf die Antworten.

Eine Antwort hat der DFB bereits gegeben, sollte die Mannschaft tatsächlich Europameister werden, dann erhält jeder Spieler eine Siegprämie von 400.000 Euro, also 100.000 mehr im Vergleich zu 2016. Und das zu Corona-Zeiten, wo das Geld knapp ist und Sparen das Motto. Da hat der DFB wieder einmal ein Eigentor geschossen, auch wenn Manager Oliver Bierhoff betont, dass es keinen Bonus für die Qualifikation gab. Dennoch unverständlich, im Fall des Falles sollten die Spieler freiwillig einen Teil der Prämie spenden und dem Verband zeigen, was Vernunft heißt.

Die Fußball-Europameisterschaft begann in Rom heiter und beschwingt, aber die Hoffnung auf ein Sommermärchen wurde bereits durch den „Fall Eriksen“ getrübt. Die Sorge um den Dänen nach einen Herzstillstand im Spiel gegen Finnland drückt allgemein auf die Stimmung. Auch dieses Drama hinterlässt Fragen, vor allem kann natürlich über die Fortsetzung des Spiels diskutiert werden. Es war ein Weiterspielen im Schockzustand, Dänemarks Torhüter Schmeichel hätte normal wohl das Gegentor verhindert, Höjbjerg den Elfmeter verwandelt. Doch die 0:1-Niederlage war für die Dänen Nebensache, Hauptsache war, dass Christian Eriksen schnell Hilfe erhalten hat und gerettet werden konnte. Mannschaftsarzt Boesen sagte es richtig, „er hatte Glück, dass es im Stadion passierte, in einem Kaufhaus wäre so schnelle Hilfe nicht möglich gewesen“.

Angeblich hatte die UEFA für einen Abbruch und die Fortführung des Spiels am nächsten Tag plädiert, aber die Spieler wollten offensichtlich das Match hinter sich bringen, zumal Eriksen außer Lebensgefahr war und signalisierte „spielt weiter“. So hieß das Motto „spielen für Christian“, doch jeder reagiert auf den Schock eben anders. Psychologen sagen, es wäre auch am nächsten Tag noch ähnlich schwer gewesen. Nachdem Eriksen auf dem Weg der Besserung ist, sollte sich kein Schock-Zustand auf das Turnier legen, darf der Sport wieder die Oberhand gewinnen.

Stoppt den Wahnsinn!

Dass der Sport aber manchmal auf die Gesundheit der Spieler keine Rücksicht nimmt, zeigte sich im Basketball. Da wurde am Sonntag die Deutsche Meisterschaft entschieden, im vierten Spiel der Play-Off-Serie „best of five“ entschied Alba Berlin in München mit zwei Siegen bei den Bayern den spannenden Vergleich (nach zwei Spielen in Berlin stand es 1:1) für sich, es war der zehnte Titel. Für Alba war es das 83. Pflichtspiel der Saison, für die Bayern bereits das 90.! Auch die Bayern standen unter Schock, Nationalspieler Paul Zipser musste am Mittwoch wegen einer Gehirnblutung notoperiert werden. Das bittere Ende einer Saison, die es so eigentlich nicht geben darf. Hintergrund ist der Streit zwischen Basketball-Verband und der kommerziellen Euroleague. Es gibt keine Terminabsprachen, auf die Belastung wird keine Rücksicht genommen. „In Europa sind wir die einzige Liga, die so spielt, ich glaube, wir sind eine Art Versuchskaninchen“, klagt Bayern-Kapitän Nihad Djedovic. Kein Wunder, dass sich die Verletzungen häuften, ein Herzstillstand hat gerade noch gefehlt. „Stoppt den Wahnsinn“ muss es für die Funktionäre heißen.

Eishockey zwischen Euphorie, Hoffnung, Versagen und Eitelkeiten

Manche waren ganz weg vor Begeisterung, „die Nationalmannschaft begeisterte zwei Wochen lang und entfachte eine Eishockey-Euphorie im ganzen Land“, war nach der Weltmeisterschaft in Riga zu lesen. In der Euphorie wird eben alles rosarot gesehen. In punkto Einsatz und Willen begeisterte die DEB-Auswahl wirklich, Platz vier war ein Erfolg, wurde nach unglücklichen Spielen in der Endphase der WM von den Eis-Cracks selbst aber eher als Niederlage gesehen. Ein Zwiespalt ist festzustellen und das gilt für das deutsche Eishockey auch insgesamt. Das Eishockey zeigt sich zwischen Euphorie, Hoffnung, Versagen und Eitelkeiten bei den Funktionären.

Bleiben wir bei der Euphorie, die allerdings realistisch gesehen werden muss. Das „ganze Land“ begeisterte sich keineswegs, sonst hätte der Fernsehsender Sport1 mehr als eine Million Zuschauer bei den TV-Übertragungen gehabt. Die Euphorie ist eher bei den Spielern (und echten Fans) zu suchen, die zu Recht Optimismus ausstrahlen und sich in der Weltspitze angekommen fühlen. Schließlich gelang mit dem Erfolg von Riga der Sprung auf Platz fünf in der Weltrangliste, das ist aller Ehren wert. Die Spieler richten deshalb den Blick bereits auf Olympia im nächsten Jahr. 2022 in Peking soll der Medaillengewinn nachgeholt werden, „wir hören nicht auf zu träumen“, sagt Kapitän Moritz Müller fast trotzig. Und Hoffnung hat auch die Eishockey-Legende Erich Kühnhackl: „So wie sich das DEB-Team Riga präsentiert hat, gehe ich nicht davon aus, dass es sich um ein Strohfeuer handelt, sondern dass das Niveau gehalten werden kann.“ Allerdings muss eine Besonderheit festgestellt werden: Deutschland feiert dann gute Platzierungen, wenn die Konkurrenz nicht ihre besten Teams aufs Eis schicken kann! Das war auch bei Olympia-Silber so.

Plötzlich alles gut, nachdem in der Vergangenheit dem DEB eher Versagen vorgeworfen werden konnte? Der Höhenflug muss wohl mehr als glückliche Konstellation angesehen werden und er muss auch eher der DEL in der Nachwuchsarbeit zugerechnet werden als dem Verband in München. Dort sonnt sich Präsident Franz Reindl im aktuellen Erfolg, den er vorher in verantwortlicher Position als Sportdirektor und Generalsekretär des DEB schon längst hätte auf den Weg bringen müssen. Damals war der Blick nicht nach vorn, sondern eher nach hinten gerichtet, galt es, zuerst einmal den Abstieg zu vermeiden. Franz Reindl selbst hatte aber als Sportdirektor den einen oder anderen Abstieg zu verantworten, doch es war leicht, ihn auf den jeweiligen Trainer abzuwälzen. Bezeichnend, dass zum Beispiel 2009 der Abstieg nur dadurch vermieden werden konnte, weil Deutschland bei der WM 2010 Gastgeber war und Startrecht genoss. Heute feiert der Präsident Erfolge, für die andere den Weg ebneten.

Bezeichnend, dass die sportlichen Großtaten der Nationalmannschaft ausgerechnet von einem Skandal um den Präsidenten getrübt wurden. Drei Landesverbände fordern Aufklärung über offensichtliche Mauscheleien und undurchsichtige finanzielle Aktionen rund um den Präsidenten. Franz Reindl spielt offensichtlich seit Jahren eine seltsame Doppelrolle als ehrenamtlicher DEB-Präsident und bezahlter Geschäftsführer einer DEB-Tochterfirma. Dabei soll es zu unerklärlichen und dubiosen Geldflüssen zugunsten des Präsidenten gekommen sein, der eben angeblich ehrenamtlich arbeitet. Undurchsichtiges Arbeiten war schon immer eine Stärke des früheren Nationalspielers, der zum Bronze-Team von Olympia 1976 in Innsbruck gehörte. So verschaffte er Familienmitgliedern und Freunden Jobs beim DEB, andererseits verstieß er treue und profilierte Weggefährten, wenn sie ihm (seiner Meinung nach) in seinem Karriere-Weg standen. Ein Teflon-Funktionär voller Eitelkeiten ist sein Ruf in der Branche bei denjenigen, die hinter die Kulissen schauen. Aber nur mit solchen Machenschaften kann man wohl den letzten Schritt gehen, den Reindl jetzt eingeleitet hat: Er will im September Nachfolger von Weltpräsident René Fasel werden, der Schweizer tritt zurück. Die Chancen stehen für den Deutschen gut. Ob der DEB profitiert?

Es ist fast wie immer, das deutsche Eishockey bleibt im Zwiespalt, so richtig will der Schritt nach vorn nicht gelingen. Die Diskussionen um den Eishockey-Präsidenten sind aber auch bezeichnend für den deutschen Sport generell, eitle und geldgierige Funktionäre trüben die Erfolge von Sportlerinnen und Sportlern, die viel opfern, um Erfolge feiern zu können. Die Funktionäre wollen ihren Glanz abbekommen und kassieren. Skandale wie beim DFB, dem nationalen Sportbund und eben jetzt beim DEB sind traurig und abstoßend.

Die Fußball-EM 2020 wird 2021 ein Turnier der Hoffnung

Als die Bosse der UEFA rund um Präsident Michel Platini (Frankreich) die Idee hatten, anlässlich des Jubiläums 60 Jahre Fußball-Europameisterschaft das Turnier 2020 zu einer Veranstaltung in ganz Europa zu machen, da hatte dieser Plan wohl durchaus seinen Reiz. Wer dachte bei den paneuropäischen Spielen schon an den Klimaschutz, Flugreisen waren alltäglich, von Corona war keine Rede und die Fans würden schon mitmachen und einen Weg und Geld finden, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Im Vorfeld musste Michel Platini danach viel Kritik für diese Idee einstecken und die Corona-Pandemie führte den Plan fast ad absurdum. Flugreisen, Zuschauer, ständiger Ortswechsel – alles war plötzlich verpönt. Und Covid-19 zwang dann sogar zur Absage bzw. zur Verlegung. 2021 ist die Fußball-EM inzwischen zu einem Turnier der Hoffnung mutiert – aus unterschiedlichen Gründen.

1960 wurde erstmals um einen Europatitel gespielt und der Vorläufer der Europameisterschaft, damals „Europapokal der Nationen“ genannt, war auch so etwas wie ein Turnier der Hoffnung. Damals sollte aus den Anfängen mit 17 Nationen, die gemeldet hatten (Deutschland und England waren u. a. nicht dabei) etwas Großes entstehen. Die erste Endrunde mit vier Mannschaften wurde in Frankreich gespielt, erster Europameister war die Sowjetunion mit einem 2:1 nach Verlängerung gegen Jugoslawien. Staatenbünde, die es heute nicht mehr gibt. Bei der EM 2020, so heißt sie noch, sind 24 Nationen am Start, gespielt wird in sechs Gruppen in elf Ländern bzw. elf Städten und nach Fortschritten in der Pandemie-Bekämpfung dürfen auch Zuschauer dabei sein. Hoffnung Nummer 1: Rückkehr zur Normalität im Fußball mit Fans auf den Rängen. Die Sehnsucht nach vollen Rängen ist groß.

Die Fans und Kritiker des heutigen Profi-Fußballs haben aber auch die Hoffnung, dass der Fußball rund um die EM ein wenig in sich geht und Abschied nimmt vom protzigen Gehabe der Vor-Corona-Zeiten. Mehr Demut wird eingefordert, mehr Normalität könnte schon jetzt in den elf Städten zum Vorschein kommen. An die guten alten Zeiten soll dann das nächste Turnier 2024 in Deutschland anknüpfen. Von Bescheidenheit ist da die Rede. Diese Hoffnungen sollten auch nicht dadurch zunichte gemacht werden, dass geldgierig Funktionäre immer mehr Spiele und mehr Einnahmen wollen. So muss dem Plan, eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre auszutragen, ein Riegel vorgeschoben werden. Das würde das Ende der Kontinentalturnier bedeuten.

Jede Endrunde ist sportlich aber ein Turnier der Hoffnung. Natürlich haben nicht alle der 24 Teilnehmer Chancen auf den Titelgewinn, ganz im Gegenteil, der Kreis der absoluten Favoriten ist klein. Geht es nach den Lesern des Fachmagazins kicker, dann wird Weltmeister Frankreich jetzt auch Europameister. Bei einer Umfrage sahen 36 Prozent die „Blues“ vorn, 16 Prozent trauen immerhin Deutschland den Sieg zu, danach folgen Belgien (13,8), England (13,3) und Spanien (8). Damit sind die Favoriten genannt. Aber vergessen wir auch Titelverteidiger Portugal nicht oder die Niederlande. Überraschungen sind bekanntlich an der Tagesordnung.

Deutschland wurde bisher dreimal Europameister, 1972 (vielleicht die beste Mannschaft aller Zeiten), 1980 und 1996. Beim letzten Titelgewinn gab es Parallelen zu heute, weil die Gruppe mit Tschechien, Italien und Russland als „Todesgruppe“ galt. Die Vogts-Schützlinge gaben nur gegen Italien (0:0) einen Punkt ab und marschierten über Kroatien (2:1) und England (1:1, 6:5 nach Elfmeterschießen) ins Finale. Dort war dem DFB-Team das Glück hold, ohne dem man keinen Titel gewinnt. Oliver Bierhoff erzielte gegen Tschechien in der Verlängerung (1:1) in der 95. Minuten das historische „Golden Goal“, das erstmals eingeführt wurde.

Mit Glück allein geht es natürlich nicht, aber Deutschland hat wieder eine Todesgruppe. Vor allem der Auftakt am Dienstag, 15. Juni, gegen Weltmeister Frankreich hat es in sich. Zwei Favoriten unter sich, es könnte auch das Endspiel sein. In der ewigen EM-Tabelle liegt Deutschland (12 Teilnahmen, 90 Punkte) vor Frankreich (9/69). Eine Weichenstellung? Es folgen Europameister Portugal (Samstag, 19.) und Außenseiter Ungarn (Mittwoch, 23.). Bundestrainer Joachim Löw ist in seinem letzten Turnier also gefordert, vor allem die Offensivkraft der Franzosen imponiert mit Mbappe, Griezmann, Coman, Benzema, Pogba, Dembele oder Giroud. Löw wird wohl mit einer Dreierkette dagegenhalten, viele meinen, dies sei eine Kette der Angst.

Die deutschen Stärken liegen in der Gruppenbildung der Bayern und der Champions-League-Sieger von Chelsea London. Die Achse Neuer-Hummels-Kimmich-Müller steht, wobei Kimmich vielleicht doch in den sauren Apfel beißen muss und auf der rechten Seite spielen, weil es dort Schwächen gibt. Die Dreierkette ist auch deshalb seltsam, weil es vor allem im Mittelfeld ein Überangebot gibt und dort noch einer weniger zum Einsatz kommt. Dies ist die spannendste Frage, auf wen Löw verzichtet: Kroos, Goretzka (vorerst verletzt), Gündogan, Müller oder Havertz? Für und Wider gibt es bei jedem Namen. Und wer schießt die Tore? Ein echter Torjäger fehlt. Wie auch immer, die Löw-Schützlinge sollten sich die U21 als Vorbild nehmen, die als geschworene Gemeinschaft auftrat und Europameister wurde. Eine der Stärken könnte aber auch der Heimvorteil in München sein, mit erlaubten 14.500 Zuschauern.

U21 und Eishockey als Vorbild

Die große Gemeinschaft im Team wird auch bei der A-Nationalmannschaft immer betont, aber was die U21 angeht, da könnte Löw bei Stefan Kuntz etwas lernen. Der Gute-Laune-Onkel scheint wirklich der geeignete Mann für den Nachwuchs zu sein, fünf Jahre ist er jetzt verantwortlich und holte bei drei Turnieren zweimal den Sieg! Nur 2019 klappte es nicht, aber im Finale war man schon. Kuntz hatte ein Team ohne Stars, er vertraute Spielern, denen die Trainer in den Vereinen nicht unbedingt vertrauten, er beklagte teilweise deren mangelnde Spielpraxis in der Bundesliga und griff lieber auf Stammspieler der zweiten Liga zurück. Der Zusammenhalt brachte den Erfolg, einzig Lukas Nmecha stach hervor, der Stürmer, der in Wolfsburg Lehrgeld zahlte und beim RSC Anderlecht jetzt Stammspieler ist, erzielte auch das entscheidende 1:0 im Finale gegen Portugal und wurde mit vier Treffern Torschützenkönig des Turniers. Da wäre er also, der Torjäger, doch von Bundesliga-Interesse hört man nichts.

Die Mannschaft ist der Schlüssel zum Erfolg hieß es auch im Eishockey. Bei der Weltmeisterschaft in Riga/Lettland verpasste das DEB-Team ein Eishockey-Wunder nur knapp. Schlüsselspiel war die 1:2-Niederlage im Halbfinale gegen Titelverteidiger Finnland, das Glück fehlte bei aufopferungsvollen Kampfgeist. Heldenhaft warfen sich die Kufencracks in die Schüsse des Gegners, zeigten Kampfgeist ohnegleichen, aber vielleicht fehlte in entscheidenden Situationen doch das Quäntchen Klasse. Bei einer der WM der Überraschungen, weil bei allen die großen Stars fehlten, wurde am Schluss Kanada Weltmeister, das Kanada, das mit einer jungen Mannschaft mit drei Niederlagen (unter anderem gegen Deutschland) startete. Auch hier also ein Hinweis: Fehlende Klasse kann ausgeglichen werden.

Fehlende Klasse kann man den Frauen von Bayern München nicht nachsagen. Sie zeigten sie in der Deutschen Meisterschaft und brachten mit einem 4:0 über Eintracht Frankfurt den Titel unter Dach und Fach. Ein Start mit 17 Siegen in Folge, 20 von 22 Spielen gewonnen, sagt alles. Zwei Punkte Vorsprung hatten sie vor dem letzten Spieltag vor Titelverteidiger VfL Wolfsburg, der die letzten vier Jahre vorne lag, nachdem die Bayern 2016 und 2015 sowie davor 1976 Deutscher Meister wurden. Jetzt wollen die Bayern-Mädchen eine Ära prägen, sie wollen auch auf Europas Bühne in der Champions League angreifen, mit Japans Mittelfeldass Saki Kumagi haben sie einen Weltstar verpflichtet. Mit Lyon war sie erfolgreich, galt als Herz der Mannschaft und verzichtet angeblich in München auf Geld, weil sie von der Mannschaft überzeugt ist. Auch bei den Bayern-Mädchen galt das gute Miteinander als Basis für den Erfolg. Vielleicht noch ein Vorbild für Joachim Löw und seine Jungs.

Jogi und Pep: Die Fehler der großen Trainer

Das Finale der Champions League liegt hinter uns, die Fußball-Europameisterschaft vor uns. Veranstaltungen, welche die Fans elektrisieren, Spiele, über die sich trefflich diskutieren lässt. Bewährungsproben aber vor allem für die Trainer. Joachim Löw und Pep Guardiola gehören zur kleinen Spezies der großen, vor allem erfolgreichen Trainer, aber sie sind vor Fehlern nicht gefeit. Bei beiden ist es eklatant: Ihre Fehler kosteten ihren Mannschaften Titel!

Augenscheinlich war dies wieder beim Finale der Champions League in Porto. Pep Guardiola konnte aus seiner Haut nicht raus, er wollte gegen seinen Taktik-Freund Thomas Tuchel wieder etwas Besonderes bieten – und scheiterte kläglich. Er hat frühere Fehler wiederholt und seinem Team eine andere Einstellung verordnet wie gewohnt im Liga-Alltag. Das schien ihm nicht genug für eine Finale, doch in der Liga war Manchester City erfolgreich. Im Finale in Porto gegen Chelsea London erwies sich vor allem als Rohrkrepierer, dass der Spanier seinen zuletzt offensiv erfolgreichen Mittelfeldstar Ilkay Gündogan auf die Sechs zurückzog.

Thomas Tuchel vertraute lieber auf Gewohntes, sogar auf Chancentod Timo Werner, aber es ging gut, dank Kai Havertz, der 80-Millionen-Einkauf von Bayer Leverkusen bewies, dass Geld Tore schießt ( aber es war sowieso das Duell Geld gegen Kohle) und erzielte mit seinem ersten Tor in der Champions League einen geschichtsträchtigen Treffer. Damit sorgte Havertz vor allem dafür, dass Glanz auf alle deutschen Trainer fiel, denn zum dritten Mal in Folge führte ein deutscher Coach sein Team zum Gewinn des Henkelpotts. 2019 war es Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool, 2020 Hansi Flick mit Bayern München und jetzt eben Thomas Tuchel.

Wobei sein Werdegang in dieser Saison fast wie ein Märchen anmutet. Nach der Niederlage im letzten CL-Finale mit Paris Saint Germain gegen die Bayern und einem schwachem Start nach ungewohnten Strapazen und Verletzungspech angeschlagen, wurde er ausgerechnet an Weihnachten entlassen. Wenig später heuerte ihn Chelsea London an, nachdem dort Ikone Frank Lampert als Trainer nicht so erfolgreich war wie als Spieler. Tuchel stabilisierte das Team, führte es in der Premier League auf Platz vier (und damit in die CL) und landete zudem noch den großen Triumph, der zweite von Chelsea nach 2012 (Leidtragender damals der FC Bayern). So glücklich gehen bekanntlich Märchen aus. Tuchel war offensichtlich auch begeistert, dass wieder Fans im Stadion sein durften und heizte die Stimmung kräftig an.

Pep Guardiola aber muss sich wie ein Hofnarr gefühlt haben. Die Welt schwärmt immer wieder von seinen Mannschaften, mit dem FC Barcelona trumpfte er auf, gewann 2009 und 2011 die Champions League. Bayern München machte er danach national zu einem Überflieger, die Bayern spielten damals den schönsten Fußball aller Zeiten, doch in den drei Jahren mit Pep gelang nie der Sprung ins CL-Finale. Denkwürdige Fehler vom Coach bleiben in Erinnerung. Und jetzt versucht es der Spanier schon fünf Jahre lang mit Manchester City, diesmal schien der Erfolg greifbar nahe, doch Pep machte wieder seinen alten Fehler und vercoachte das Team zur Niederlage. Gefreut haben sich dagegen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund, die neben Chelsea als Gewinner hervorgingen. Leverkusen, weil es noch etliche Millionen Euro Nachschlag für den Erfolg von Kai Havertz bekommt, Dortmund, weil die Borussia damit in Topf zwei für die nächste CL-Auslosung bleibt und so die Chance auf ein Überstehen der Gruppenphase steigen.

Zur Info: Topf 1 (Meister): Chelsea London (CL-Siegere), Villarreal (EL-Sieger), Manchester City, Atletico Madrid, Bayern München, Inter Mailand, Lille, Sporting Lissabon. – Topf 2: Real Madrid, FC Barcelona, Juventus Turin, Paris SG, Manchester United, Liverpool, FC Sevilla, Dortmund. In Topf 3 stehen u. a. fest FC Porto, Ajax Amsterdam, RB Leipzig, Bergamo, Zenit St. Petersburg. In Topf 4 befindet sich der VfL Wolfsburg mit dem AC Mailand.

Ein neuer Jogi Löw für die EM

Bundestrainer Joachim Löw steht in einigen Tagen vor seiner letzten großen Bewährungsprobe. Der 61-Jährige gibt danach sein Amt ab und will seine Karriere im Nationalteam sicherlich glorreich beenden. Zuletzt hatte der Weltmeister-Coach von 2014 ja viel von seiner Reputation verloren, mit der Pleite bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland und schlechten Länderspielen. Seine Pläne, u. a. mit der Erneuerung des Kaders, gingen nicht auf. Jetzt präsentiert sich im Trainingslager der Nationalmannschaft ein neuer Jogi Löw. Er strahlt Kraft und Motivation aus, zeigt sich lernfähig. Genug Fehler hat er ja gemacht, mit einem Wirrwarr an Vierer- und Dreierkette, mit unverständlichen personellen Entscheidungen. Jetzt nimmt er Rat an und lässt zum Beispiel Standards trainieren. Deutschland kassierte zu viel und profitierte vor dem gegnerischen Tor zu wenig. Das kann bei der EM zu einem Schlüssel für Erfolg werden.

Das Trainingslager in Seefeld in Tirol verläuft nicht ohne Hindernisse. Aus dem 26-Mann-Kader standen nur 20 zur Verfügung. Immerhin kommt jetzt das Chelsea-Trio mit Rückenwind zum DFB-Team und die Frage der Quarantäne scheint geklärt zu sein. Diese hat auch Toni Kroos beendet, so dass Löw bald richtig loslegen kann. Erster Test ist am Mittwoch in Innsbruck gegen Dänemark, es folgt am Montag, 7. Juni, in Düsseldorf der letzte Probelauf gegen Lettland. Danach erfolgt wegen der Quarantäne-Bestimmungen ohne Heimaturlaub der Umzug ins EM-Quartier nach Herzogenaurach. Mal sehen, ob Löw und seine Kritiker danach optimistisch auf die EM schauen können bzw. wo es hakt.

Im nationalen Profi-Fußball fielen die letzten Entscheidungen. Der 1. FC Köln wollte doch nicht die 2. Bundesliga zusätzlich bereichern, sondern gewann die Relegation mit Zittern gegen Holstein Kiel. Nach der 0.1-Heimspielniederlage war der Druck groß, doch ein fulminanter Start bei den „Störchen“ sorgte für die Wende. Nach drei Minuten war der Rückstand ausgeglichen, nach 13 Minuten führte Köln 3:1 (alles Kopfballtore!) und die Weichen waren gestellt. Hier hat ein Trainer keine Fehler gemacht, sondern das richtige Mittel gefunden: Friedhelm Funkel kann mit einem großen Erfolg in Rente gehen. Die Kieler mussten ihrem Mammutprogramm von 11 Spielen in 37 Tagen Tribut zollen. Aber nicht in Kiel, sondern in Köln folgte am Sonntag eine Entlassung: FC-Manager Horst Heldt muss gehen, der Klassenerhalt überdeckte nicht mehr die Unzufriedenheit im Verein. Heldt hatte dazu nur eine Antwort: „In Köln überrascht mich nichts mehr“.

In der Relegation zur 2. Bundesliga setzte sich der FC Ingolstadt gegen Osnabrück durch, im dritten Anlauf hat der Aufstieg endlich geklappt. Die Relegation als Nachlese zur Punktrunde zeigte sich aber wieder einmal als Erfolg, mit Spannung ähnlich wie im Pokal. Auf diese Zugabe sollte man nicht verzichten.

Bei den Frauen immer Wolfsburg

Eine Zugabe gab es auch für den VfL Wolfsburg bei den Frauen. Die Wölfinnen können ja aus eigener Kraft den Meistertitel nicht mehr erfolgreich verteidigen. Aber im Pokal bleiben sie eine Macht. Das Finale gegen Eintracht Frankfurt bot alles, was das Fußballherz begehrt, einschließlich eines Platzverweises. Nationaltorhüterin Almut Schult agierte in der 96. Minute zu hart und ungestüm und musste vom Platz. Ausgerechnet in Unterzahl gelang dann dem VfL in der 118. Minute durch Pajor der Siegtreffer. Es war für Wolfsburg der erste Titel der Saison, aber der elfte Pokalerfolg in Folge! Und welch glorreicher Abschied für Trainer Stephan Lerch, der Junioren-Trainer bei der TSG Hoffenheim wird: Seit seinem Amtsantritt 2017 verlor mit „seinen“ Frauen kein einziges Pokalspiel!

Die letzte große Entscheidung im Frauen-Fußball fällt am Sonntag. Bayern München führt in der Bundesliga mit zwei Punkten und 23 Toren Vorsprung vor Wolfsburg, so dass im letzten Spiel ein Unentschieden reicht. Gegner ist ausgerechnet Eintracht Frankfurt. Die Mannschaft steht also im Blickpunkt, die Eintracht darf also gleich im ersten Jahr nach der Übernahme der Frauen vom 1. FFC Frankfurt mit der Aufmerksamkeit zufrieden sein. Die Hessinnen hatten Wolfsburg ein Angebot gemacht: „Lasst uns den Pokal, wir holen euch die Meisterschaft!“ Was nun? Wie viel Mumm haben die tapferen Frankfurterinnen noch, die auf Kapitänin Pawollek wegen Verletzung verzichten müssen. Die Bayern-Mädchen haben keine Angst: „Wir lassen uns auf den letzten Metern den Titel nicht mehr nehmen, wie sind gut drauf.“ Dumm nur, dass ausgerechnet vor dem letzten Spieltag die Punktrunde durch das Pokalfinale unterbrochen wurde. Das hätte man doch sicherlich anders regeln können.

Fußball in Europa: Favoritensterben in den Top-Ligen

Nicht nur in der Bundesliga ging am vergangenen Wochenende die Fußball-Saison 2020/21 zu Ende, sondern mehr oder weniger in ganz Europa. Deshalb lohnt sich ein Blick über die Grenzen. Eins vorweg: Es ist fast ein Wunder, dass trotz der Corona-Pandemie der Profi-Fußball seine Punktrunden fast reibungslos über die Bühne gebracht hat. Für negative Schlagzeilen sorgte dann weniger Covid-19, sondern es waren eher Vereinsbosse mit kranken Ideen, befallen vom Virus Geld. Die Super League lässt grüßen.

Dabei war der Sport eigentlich interessant genug. In den Top-Ligen gab es das große Favoritensterben, der FC Bayern München war die Ausnahme, der einzige, der seinen Titel wieder souverän verteidigt hat. Auf der Meisterliste fehlen die üblichen Namen wie Real Madrid, FC Barcelona, Juventus Turin oder Paris St. Germain, auch Jürgen Klopp konnte mit dem FC Liverpool seinen Titel nicht erfolgreich verteidigen.

Wobei der Gewinn der Meisterschaft in der Premier League für Pep Guardiola und Manchester City fast schon ein Wunder ist. Vor einigen Monaten war damit gar nicht zu rechnen, City lief der Musik hinterher, der Spanier verzweifelte fast, das Verletzungspech schlug zu und die Form der Mannschaft stimmte nicht. Doch Guardiola gelang es, das Ruder herumzureißen, City marschierte wieder und am Schluss sogar vorneweg. Jetzt fehlt ihm nur noch die Krönung im Finale der Champions League am Samstag, einem Titel, dem er in den fünf Jahren bei City hinterher läuft. Verletzungspech hatte auch Jürgen Klopp beim FC Liverpool, vor allem der Ausfall von Abwehr-Ass Virgil van Dijk tat weh, zumal zwischendurch alle gestandenen Innenverteidiger ins Lazarett wechselten. Neue Abwehrrecken wie Ozan Kabak von Schalke 04 mussten her, dass es am Ende noch Rang drei wurde, bezeichnete Klopp sogar als „Wunder“. Manchester United landete noch davor, Thomas Tuchel rettete sich mit Chelsea London auf Platz vier und zog wieder in die Champions League ein. Soll erfüllt. Dabei musste aber Tottenham mit einem Sieg in Leicester Schützenhilfe leisten. Der Lohn für die Hot Spurs ist die Conference League, Leicester tritt mit West Ham United in der Europa League an.

Einem ist das zu wenig, Tottenhams Torjäger und Idol Harry Kane will den Verein verlassen, er will Titel gewinnen. Dort wo Geld ist stehen ihm die Türen offen, bei City, United und Chelsea. Pep Guardiola vergoss sogar Tränen, weil sich sein Torjäger verabschiedet (nach Spanien). Sergio Aguero kam rechtzeitig aus einer Verletzungspause zurück, um mit seinen Treffern 183 und 184 für ein und denselben Verein beim 5:0 gegen Everton den alten Rekordhalter in der Premier League, Wayne Rooney (183 für Manchester United), abzulösen. „Wir können ihn nicht ersetzen“, stöhnte Pep. Wer kann schon Torjäger ersetzen? Deshalb stehen Harry Kane die Türen offen.

Auch Bayern München musste ja in der Champions League erfahren, dass es ohne Torjäger nicht geht. Robert Lewandowski fehlte gegen Paris St. Germain verletzt und die Bayern schieden aus. Eine erfolgreiche Saison wurde es für Paris aber nicht. Die Nachwehen des verlorenen CL-Finals im Herbst gegen die Bayern wirkten lange nach. Trainer Thomas Tuchel brachte seine Mannen nicht in Schwung und verlor in der nationalen Meisterschaft entscheidend an Boden. Der Deutsche musste gehen, der Argentinier Mauricio Pochettino, voher in Tottenham, sollte den Erfolg zurückbringen. Es gelang nicht, Paris, ununterbrochen Meister seit 2013, hatten gegenüber den Underdogs vom OSC Lille das Nachsehen. Die „Doggen“, wie Lille genannt wird, bissen mit dem Ex-Bayern Renato Sanches in ihrem Team zu und wurden sensationell Meister.

Ja, die Favoriten hatten es überall schwer. Ein böses Erwachen gab es auch für Juventus Turin, Dauermeister in Italien seit 2012, doch nach neun Titeln in Folge war Endstation. Peinlich vor allem für Ikone Andrea Pirlo, der einst vergötterte Spielmacher Italiens musste erkennen, dass ein Weltklassespieler nicht sofort ein Weltklassetrainer ist. Jetzt stellt sich die Frage, ob er bleiben darf. Ein Problem konnte er vor allem nicht lösen: Cristiano Ronaldo ließ zu oft den Star raushängen und sonderte sich zu sehr von der Mannschaft ab. Ein Team war Juve also nicht. Es wird gemunkelt, dass Ronaldo zu neuen Zielen aufbricht. Die Bayern schauen übrigens auch auf Turins Sturz, auch sie stehen ja jetzt bei neun Meisterschaften in Folge. Wird es Nummer 10 mit einem neuen Trainer? In Italien gab es aber das große Comeback der Mailänder Klubs, Inter vor dem AC an der Tabellenspitze, das erinnerte an alte Zeiten. Atalanta Bergamo darf als Dritter glücklich sein, Juve rettete sich gerade noch in die Champions League, weil Neapel gegen Hellas Verona nicht gewann.

Die großen Namen mussten auch in Spanien leiden. Der FC Barcelona und Real Madrid machten eher neben dem Spielfeld Schlagzeilen. Zum Beispiel (mit Juve) mit der Ausrufung der Super League. Das war ein Schuss in den Ofen, jetzt will die UEFA disziplinarisch gegen die Klubs vorgehen. In Barcelona ging es vor allem wegen Star Messi drunter und drüber, der Argentinier schmollte, wollte weg, blieb doch, der Erfolg aber fehlte. Rang drei ist nicht FCB-like und auch Real mit Zinedine Zidane wurde nur Vize-Meister, geschlagen vom ungeliebten Lokalrivalen Atletico, der erstmals seit 2014 wieder triumphierte. Auch für Trainer Diego Simeone war es fast ein „Wunder“, aber die Konkurrenz leistete Schützenhilfe. Von Real kam Mittelfeldspieler Marco Llorente, der dem Team Halt gab, von Barcelona der dort nicht mehr erwünschte Torjäger Luis Suarez, der im letzten Spiel zum entscheidenden 2:1-Sieg in Valladolid traf. Er wurde mit 21 Treffern Vierter der Torschützenliste hinter Messi (30), Benzema (23/Real) und Gerard (23/Villarreal).

Das sollte doch in allen Ligen kleineren Vereinen Mut machen, dass Geld allein den Erfolg nicht garantieren kann. Wer geschickt plant und arbeitet, zudem vielleicht noch ein bisschen Glück hat, kann den Großen schon ein Bein stellen. Davon lebt der Sport und nicht von einem Eigenleben in einer Blase wie der Super League, wo sich die Vereine vom „Fußvolk“ abschotten wollen.

Bestes Beispiel war am Mittwoch der FC Villarreal, der Underdog aus der Region Valencia, der noch nie in einem Finale stand und nur Siebter in Spanien wurde, gewann in einem zwar nicht hochklassigen, aber denkwürdigen Finale in Danzig gegen Manchester United die Europa League – und zwar nach einem 1:1 nach 120 Minuten mit einem 11:10 (!) im Elfmeterschießen. Alle trafen (!), den letzten, entscheidenden Schuss gab United-Keeper David de Gea ab, ein Spanier, dessen Schüsschen so aussah, als wollte er seinen Landsleuten sagen, „kommt, da habt ihr den Pott“. Kollege Rulli hielt ohne Probleme und damit zieht Sieger Villarreal sogar in die Champions League ein. Wundern muss dieses Ergebnis nicht, denn die Europa League ist so etwas wie eine spanische Liga, in den letzten zehn Jahren siegten siebenmal spanische Teams, Titelverteidiger war der FC Sevilla, der insgesamt sechsmal den Pokal holte. Da hatte es sich für Villarreal (wegen der gelben Trikots auch „Gelbes U-Boot genannt“) gelohnt, Trainer Unai Emery zu holen, der EL-Experte ist, denn mit dem FC Sevilla schaffte er von 2014 bis 2016 den Hattrick.

Saison-Ende: Von Abschied und Hoffnung

Es gab Freude, Tränen, Rekorde, Krawalle, Ausschreitungen, Abschiede, Pokale, Schalen und natürlich auch Hoffnung – zum Saison-Ende im Profi-Fußball war alles dabei. Die letzten Entscheidungen fielen manchmal in den letzten Minuten, Hoffnungen zerstoben, gefühlte Wunder wurden Wahrheit. Bevor Fußball gespielt wurde, gab es aber erst einmal Verabschiedungen, beginnen wir also auch hier damit.

Besonders viele Bilder und Blumensträuße wurden in München benötigt. Bei Meister Bayern war es mit dem Ende einer Ära nicht getan. Von den Meisterspielern gehen David Alaba (wohl zu Real Madrid) nach 13 Jahren, Jerome Boateng (10, Ziel unbekannt) und Javi Martinez (9, wohl Spanien). Besonders Martinez prägte eine besondere Ära. Er kam als damals teuerster Spieler aller Zeiten für 40 Millionen Euro, weil ihn Trainer Jupp Heynckes unbedingt wollte. Warum, dies bewies der Spanier: Mit ihm wurde Bayern immer Meister (!), er war entscheidend an den Siegen in der Champions League 2013 und 2020 beteiligt. Ein adäquater Ersatz ist im Gespräch: Hollands Mittelfeldstar Georginio Wijnaldum, der den FC Liverpool ablösefrei verlässt. Zweimal FCB sind im Gespräch: FC Barcelona und FC Bayern.

Eine Ära prägte Trainer Hansi Flick nicht, aber er sorgte für die vielleicht erfolgreichsten Zeit des Vereins mit sieben Titeln in 18 Monaten! Er wird wohl Bundestrainer. Hermann Gerland allerdings war bereits in Institution und es ist ein bisschen unverständlich, dass der altgediente Trainer-Recke nach 25 Jahren gehen muss. Der 66jährige will vom Fußball nicht lassen, warum nicht weiter bei den Bayern? Anders sieht es bei Miroslav Klose aus, der wohl nicht Assistent unter Julian Nagelsmann werden wollte und vielleicht sogar eine Cheftrainer-Rolle sucht, Fortuna Düsseldorf ist im Gespräch. Bei den Bayern ist die Zukunft aber ungewiss, 107 Titel verlassen den Verein. Lesen Sie deshalb auch den Blog vom 12. Mai: „Bayern München vor ungewisser Zukunft oder für immer Meister?“.

Große Abschiedsveranstaltung auch in Dortmund, wo Bayer Leverkusen gastierte und Manuel Gräfe als Schiedsrichter fungierte. Es war sein Abschiedsspiel (auch die Kollegen Markus Schmidt und Guido Winkmann hören auf), aber besonders auch für Dortmunds Abwehr-Institution Lukasz Piszczek, der elf Jahre bei der Borussia spielte, aber auch für die Zwillinge Sven und Lars Bender bei Bayer. Sven durfte das Team als Kapitän aufs Feld führen, Lars nach seiner Einwechslung zum Abschluss der großen, aber bei beiden von vielen Verletzungen geprägten Karriere, einen Elfmeter verwandeln, den Torhüter Bürki großzügig passieren ließ. Auf eine noch größere Karriere als die Bender-Zwillinge blickt Sami Khedira zurück, der das kurze Gastspiel bei Hertha beendete, aber auch hier Eindruck hinterließ. Als größte Momente seiner Laufbahn bezeichnet er den Weltmeistertitel 2014 (in dem Jahr gewann er mit Real Madrid auch die Champions League) und die Meisterschaft 2007 mit dem VfB Stuttgart. Erfolgreich war er auch bei Juventus Turin. Ungewohnt ist auch, dass Borussia Mönchengladbach in Zukunft ohne den Schweden Oscar Wendt antreten wird. Er gehörte einfach zu den „Fohlen“. In der Aufzählung natürlich nicht alle Abschiede zum Saison-Ende, aber wohl die populärsten.

Der Sport selbst war ebenfalls geprägt von Abschied und Hoffnung. So muss sich die Bundesliga von zwei weiteren prominenten Vertretern verabschieden, Schalke 04 und Werder Bremen. Bei beiden Klubs gibt es nur ein Urteil: Der Abstieg ist hausgemacht mit vielen Fehlern im Management und in der Kader-Zusammenstellung. Schalke (seit 1996 erstklassig) geht als Rekord-Absteiger, war 110. Mal Tabellenletzter, so viel wie keine andere Mannschaft (bisher Hannover 105). Nur 16 Punkte ist Minusrekord seit Einführung der Dreipunkteregel. Werder geht nach 40 Spielzeiten in Folge und insgesamt 1934 Bundesligaspielen, ein Rekord, den in der kommenden Saison Bayern München (bisher 1908) brechen wird.

Dass die Bayern Rekorde brechen, ist man gewohnt. Im Mittelpunkt stand dabei natürlich Torjäger Robert Lewandowski, der in letzter Minute doch noch den Jahrhundert-Rekord von Bomber Gerd Müller übertraf und sein 41. Saisontor erzielte. Landsmann Rafal Gikiewicz im Kasten des FC Augsburg machte ihm das Leben beim 5:2 schwer, dann aber nutzte der Pole in letzter Minute einen Abpraller. 41 Saisontore – das muss jetzt wirklich ein Rekord für die Ewigkeit sein. Dahinter taucht Gerd Müller gleich dreimal in der Bestenliste auf, danach rangiert wieder Lewandowski mit seinen 34 Toren von der Vorsaison, diese erreichte einst auch Dieter Müller 1976/77 mit dem 1. FC Köln. Lewandowski holte sich viermal in Folge und zum sechsten Mal insgesamt die Torjäger-Kanone, jetzt peilt er den nächsten Rekord von Gerd Müller an, der gewann nämlich sieben Mal.

2. Bundesliga attraktiv wie nie

Zurück zu den Vereinen. Spannend war es am letzten Spieltag der 2. Bundesliga, wer Bremen und Schalke ersetzen kann. Bochum, Kiel und Fürth lieferten sich einen heißen Dreikampf mit einigen Kapriolen, am Ende war Holstein Kiel der dumme Dritte, die Franken von Greuther Fürth trotzten gegen Fortuna Düsseldorf Unterzahl und Rückstand und drehten den Spieß um, während sich Kiel von Darmstadt düpieren ließ. Die Aufsteiger haben eines gemeinsam, es war eine echte Mannschaftsleistung mit Nobodies als Trainer. Bochum galt in der Bundesliga einst als Unabsteigbar, zuletzt in elf Jahren zweite Liga allerdings als Unaufsteigbar. Trainer Thomas Reis übernahm im September 2019 ein verunsichertes Team und führte es nach oben. Mit Bochum hatte keiner gerechnet, mit Fürth auch nicht. Der Architekt des Erfolgs ist in erster Linie Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi, der vor allem Trainer Stefan Leitl holte. In Fürth wird besonders gefeiert, der Aufstieg gilt „als Wunder“ und Nachbar 1. FC Nürnberg bleibt zweitklassig.

Die eigentlichen Favoriten schauten am Ende dumm aus der Wäsche, vor allem der einstige Bundesliga-Dino Hamburger SV, der auf dem Weg ist, ein Zweitliga-Dino zu werden. Der Wiederaufstieg wird immer schwerer angesichts der Konkurrenz. Andererseits wird die 2. Bundesliga immer attraktiver, die Traditionsklubs, die aus dem Oberhaus gedrängt werden, bilden jetzt eine (vom Namen her) Eliteliga im Unterhaus. Da sind neben dem HSV und Club zumindest für ein Jahr Schalke und Bremen, einen guten Namen haben auch Karlsruhe, Hannover und Düsseldorf, dazu gesellen sich als attraktive Neulinge die Ost-Klubs Dynamo Dresden und Hansa Rostock als Aufsteiger aus der 3. Liga. Sollte Holstein Kiel in der Relegation gegen den 1. FC Köln gewinnen, käme noch ein prominenter Name hinzu. Die Relegation bildet traditionell die Verlängerung der Saison, da duellieren sich eben Köln und Kiel um einen Platz im Oberhaus, Osnabrück und Ingolstadt um einen Platz im Unterhaus.

Schon heute also viel Hoffnung für die neue Saison, aber auch Hoffnung auf normalen Fußball mit Fans auf den Tribünen. Ein besonderer Abschied wäre der Abschied von der Corona-Pandemie.

Noch gibt es aber aktuellen Fußball. Bevor sich das Augenmerk auf die Europameisterschaft richtet, stehen auf Europas Bühne die Höhepunkte an, mit den Finals in Europa League und Champions League. Am Mittwoch treffen in Danzig Manchester United und die Spanier vom FC Villarreal im EL-Endspiel aufeinander, am Samstag in Porto (wegen Corona von Istanbul verlegt) gibt es in der CL das englische Duell mit deutscher Beteiligung zwischen Manchester City und Chelsea London. Es könnte also ein Triumph der Premier League werden und Manchester zu Europas Fußballstadt Nummer 1. City wurde mit Pep Guardiola bereits englischer Meister, er vertraut u. a. auf Ilkay Gündogan. Thomas Tuchel als neuer Coach bei Chelsea schaffte mit Glück als Vierter der Premier League bereits den Sprung in die CL. Der Titel wäre natürlich die Krönung, aber den jagt Guardiola mit City seit fünf Jahren. Chelseas Problem war zuletzt die Chancenverwertung, da tat sich vor allem Nationalstürmer Timo Werner unrühmlich hervor, er könnte aber ebenso erstmals den Henkelpott wie sein Trainer und die Mitspieler Antonio Rüdiger und Kai Havertz.

Bundestrainer Joachim Löw muss auf diese EM-Kandidaten vorerst noch verzichten, wenn am Freitag das erste Trainingslager der EM-Vorbereitung in Seefeld in Tirol beginnt. Er überraschte bei seinem Aufgebot nur mit wenigen Namen, so hatte mit Stürmer Kevin Volland (Monaco) ebenso niemand gerechnet wie mit Christian Günter (Freiburg) als möglicher Linksverteidiger. Wie erwartet kehren Thomas Müller und Mats Hummels zurück. Erfahrung für die Jugend ist das Motto und so kann sich Löw freuen, dass es kaum Kritik an seinem Aufgebot gab, jetzt fehlt zu seinem Abschied nur noch der Erfolg. Er nominierte ein Team der Hoffnung. Abschied und Hoffnung also zum Saison-Ende.

Die Eishockey-Cracks träumen sogar vom WM-Titel!

Wer sich im Eishockey auskennt und die Überschrift liest, der wird im ersten Moment poltern: „Sind die denn übergeschnappt?“ Nein, das sind die Spieler der deutschen Nationalmannschaft nicht, aber seit dem sensationellen Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang in Südkorea zeigen sie ein neues Selbstbewusstsein. Ging es früher nur gegen den Abstieg, so werden die Ziele heute höher gehängt. „Es ist alles möglich“, heißt es vor der Eishockey-Weltmeisterschaft in Riga/Lettland, die am Freitag beginnt und am 5. Juni mit dem Finale endet. Trotz allem wäre es erneut eine Sensation, wenn Deutschland im Endspiel vertreten wäre.

Die Corona-Pandemie hat auch die Eishockey-Welt ganz schön durcheinander gebracht. So fiel bekanntlich die WM vor einem Jahr aus, so dass Finnland als Weltmeister von 2019 diesmal der Titelverteidiger ist. Weil es überall wegen der Pandemie Terminprobleme in den nationalen Ligen gab, wurde die Austragung der WM weit nach hinten gelegt, so dass Eishockey fast zur Sommersportart wird. Von einer Hitzewelle scheinen die Cracks laut Wetterbericht allerdings verschont zu bleiben. Gespielt wird nur in Riga, nachdem der Internationale Verband dem vorgesehenen Co-Veranstalter Weißrussland die Spiele wegen politischer Unruhen und Verstößen gegen die Menschenrechte wieder entzogen hat.

Bis die Teams überhaupt in Riga landen konnten, mussten sie alle einen Parforceritt durch ihre nationale Meisterschaften überstehen. Auch in der DEL begann die Punktrunde erst kurz vor Weihnachten, wurde der Spielplan verdichtet und vor den ebenfalls verkürzten Play-Offs waren 14 Spiele in 29 Tagen zu absolvieren. Immerhin gab es im Gegensatz zum letzten Jahr mit den Eisbären Berlin einen Meister, mit ihrem achten Titel wurden die Eisbären sogar Rekordchampion. Wie immer zu WM-Zeiten wird in Übersee in der NHL sogar noch gespielt, der Kampf um den Stanley-Cup geht vor und er beeinträchtigt auch das DEB-Team, denn neben Superstar Leon Draisaitl und Dominik Kahun (beide Edmonton) fehlen auch der überragende Torhüter Philipp Grubauer (Colorado) und Stürmer Nico Sturm (Minnesota). Talent Tim Stützle erhielt von seinem Verein in Ottawa keine Freigabe. Wegen Corona, aber auch, weil sie nach einer strapaziösen Saison einfach müde waren, sagten einige Stammspieler Bundestrainer Toni Söderholm ab.

Der 43jährige Finne hat dafür sogar Verständnis, was ihm leicht fällt, weil er einfach glücklich ist, nach rund eineinhalb Jahren endlich wieder richtig arbeiten zu können und weil er trotz allem eine starke Mannschaft aufs Eis schicken kann. Aus der NHL kommt Tobias Rieder (Buffalo) aus den Farmteams u. a. Tom Kühnhackl, der Sohn der Legende Erich Kühnhackl. Große Hoffnungen ruhen aber vor allem auf Verteidiger-Talent Moritz Seider (Rögle), der in Schwedens Top-Liga für Furore sorgte und zusammen mit Leon Gawanke (Manitoba) ein Ass in Überzahlsituationen sein soll. Überhaupt ist der Blick vorwärts gerichtet, Trainer und Spieler sind der Meinung ein offensivstarkes Team aufs Eis zu bringen und deshalb heißt das Motto: Angriff auf die Weltelite! Kapitän Moritz Müller (Köln) verrät, warum: „Bei der letzten WM haben wir Finnland in der Vorrunde geschlagen, dann wurden sie Weltmeister. Das zeigt, dass alles möglich ist.“

Zum Kreis der Favoriten gehört Deutschland natürlich nicht, es sind die alten Bekannten wie Russland, Kanada, Schweden und Titelverteidiger Finnland, doch ist im Vorfeld kaum auszumachen, wie stark die einzelnen Nationen wegen Corona und Quarantäne besetzt sind. Bei Italien, erster Gegner Deutschlands am Freitag (15.15 Uhr), fallen zum Beispiel 15 Spieler wegen Corona aus. Fraglich auch, wie die Teams mit den strengen Hygienevorschriften klarkommen. Bei Ankunft gab es zwei Tage Einzel-Quarantäne, bevor die Teams (einige Tage noch getrennt von anderen Mannschaften im Hotel) aufs Eis durften. Die Vorbereitung ist wohl alles andere als ideal. Insofern sind Überraschungen Tür und Tor geöffnet. Gastgeber Lettland hat den Vorteil, dass einige Zuschauer in die beiden Spielhallen dürfen, aus dem Ausland durften aber keine Fans anreisen.

Die 16 Nationen spielen zunächst in zwei Gruppen, die jeweils besten vier Teams qualifizieren sich für das Viertelfinale am 3. Juni. In der Gruppe B mit Deutschland gelten Kanada, Finnland und die USA als erste Anwärter auf das Viertelfinale, das DEB-Team streitet sich wohl mit Gastgeber Lettland und Norwegen um den vierten Platz, außerdem dabei die Außenseiter Italien und Kasachstan. In Gruppe A spielen Russland, Schweden, Tschechien, Schweiz, Slowakei, Dänemark, Weißrussland und Großbritannien.

Die Spiele des DEB-Teams: Freitag, 21. Mai, 15.15 Uhr, Italien. Samstag, 11.15 Uhr, Norwegen. Montag, 19.15 Uhr, Kanada. Mittwoch, 15.15 Uhr, Kasachstan. Samstag, 29., 19.15 Uhr, Finnland. Montag, 31., 15.15 Uhr, USA, Dienstag, 1. Juni, 19.15 Uhr, Lettland. Das Viertelfinale wird am Donnerstag, 3. Juni, gespielt, Halbfinale am Samstag, 5. Juni, Finale am Sonntag, 6. Juni, um 19.15 Uhr. In Deutschland überträgt Sport1 alle deutschen Spiele und die Endspiele im Fernsehen live.

Der Trainer ist der wichtigste Mann

Wieder sind im Fußball einige Entscheidungen gefallen, doch das war am vorletzten Spieltag der Saison zu erwarten. „Mannschaft der Woche“ war zweifellos Borussia Dortmund, denn das Team holte nicht nur in überzeugender Art und Weise beim 4:1 gegen Leipzig den DFB-Pokal, sondern sicherte mit dem 3:1 in Mainz zudem die Teilnahme an der Champions League zusammen mit dem VfL Wolfsburg. Leidtragende war die schwächelnde Frankfurter Eintracht. In Sachen Abstieg wird ebenso noch gezittert wie in Sachen Aufstieg in der 2. Bundesliga, wo nur eins feststeht: Der Hamburger SV hat es wieder nicht geschafft. Aber insgesamt wurde eins deutlich: Der Trainer ist der wichtigste Mann!

Diese Erkenntnis ist sicherlich nicht neu, aber selten waren die Auswirkungen so drastisch wie in diesen Wochen in der Bundesliga. Im Gespräch sind meist die teuren Stars, die Millionen Euro kosten, aber nur selten beweisen, dass sie ihr Geld auch wert sind. Im Mittelpunkt stehen die Trainer nur dann, wenn es nicht klappt (bei Abstiegsgefahr werden sie entlassen) oder wenn sie extrem erfolgreich sind, wie Hansi Flick bei Bayern München. Aber diese Saison offenbarte, dass Wohl und Wehe, Erfolg oder Nichterfolg weniger von den Spielern oder Managern, sondern in erster Linie vom Mann am Spielfeldrand abhängen.

Nehmen wir Borussia Dortmund, dort wurde gerade noch rechtzeitig erkannt, dass mit dem spröden Schweizer Lucien Favre die Ziele nicht erreicht werden können. Assistent Edin Terzic das Kommando zu übertragen war ein Wagnis, vielleicht diente dabei Meister München mit Hansi Flick als Vorbild. Nach holprigem Start hauchte Terzic den Borussen neues Leben ein und vollendete die Aufholjagd mit Pokalsieg und CL-Teilnahme. Saison gerettet!

Ganz anders sieht es aus, wenn der Trainer vorzeitig seinen Abschied verkündet. Plötzlich gerät der ganze Verein durcheinander, die Erfolgswelle verebbt. Diese leidvolle Erfahrung mussten sie in Frankfurt machen, wo die Mannschaft jetzt sogar die ersehnte Teilnahme an der Champions League verspielt hat. Es ging abwärts nachdem Trainer Adi Hütter seinen Wechsel nach Mönchengladbach verkündet hatte. Dort wird er Nachfolger von Marco Rose, der Cheftrainer in Dortmund wird, nach dieser Nachricht war es mit dem Aufwind in Gladbach vorbei. Selbst die Europa League wurde verspielt. Ein Rätsel, dass solche Wechsel die Beine der Stars schwer werden lassen. Ein Phänomen, welches die Manager dringend untersuchen müssen. Wobei Dortmund jetzt ein besonderes Problem hat, denn Erfolgscoach Terzic soll ja ins zweite Glied rücken – oder bricht er doch zu neuen Ufern auf? Für den RB Leipzig und Julian Nagelsmann ging es gerade noch einmal gut. Im DFB-Pokalfinale hat er sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert (da werden sie in München schon geschluckt haben), aber immerhin hat Nagelsmann Leipzig noch zur Vizemeisterschaft geführt. Er hinterlässt also wenigstens kleine Spuren.

Eintracht Frankfurt hat noch keinen Nachfolger für Adi Hütter gefunden. Im Gespräch bleibt Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg und der hat es cleverer und geheimnisvoller als seine Kollegen angestellt. Der Österreicher kommentierte Wechselgerüchte nicht, vermied aber auch ein Bekenntnis zum VfL und hielt die Mannschaft auf Erfolgskurs. Anders als in Frankfurt ist die Teilnahme an der Champions League der Lohn. Dennoch dürfte sich Glasner wohl ein neues Ziel suchen, weil ihm (ähnlich wie Flick in München) die Wohlfühlatmosphäre mit Manager Jörg Schmadtke fehlt. Ein besonderes Problem hat Bayer Leverkusen. Hannes Wolf löste Peter Bosz ab und erfüllte die gestellte Aufgabe: Qualifikation für die Europa League. Doch beeindruckend waren die Leistungen nicht, ist er also ein Mann für die Zukunft? Wolf selbst hat Sicherheit, er wurde als Junioren-Trainer des DFB nur auf Dauer freigestellt.

Im Abstiegskampf können Trainer zu Helden werden, so Bo Svensson in Mainz. Der Däne sorgte als Nachfolger von Achim Beierlorzer für neuen Teamgeist und aktivierte das Leistungsvermögen der Mannschaft, die bei Halbzeit abgeschlagen schien. Jetzt spielte sogar die Konkurrenz mit und auf dem Sofa wurde der Klassenerhalt gefeiert. Liebling der Fans ist auch Pal Dardai bei Hertha BSC, er brachte gute Laune und befreite die Berliner von den Abstiegssorgen, nennt sich selbst ein Kind des Vereins und wird immer für Hertha da sein. Und doch gibt es Zweifel, ob er auch auf Dauer der „Gute-Laune-Onkel“ sein kann und darf. Gerettet hat sich auch Augsburg und auch da hatte der Trainer den entscheidenden Anteil: Gerade mal drei Spieltage vor Schluss löste Markus Weinzierl den farblosen Heiko Herrlich ab, brachte den Schwung zurück und sicherte dem FCA ein elftes Jahr in der Bundesliga. Da wurde in Berlin und Augsburg groß gefeiert. Bei Weinzierl gilt der Vertrag schon für die nächste Saison. Da muss Manager Stefan Reuter keinen neuen Coach suchen, sondern neue (bessere) Spieler.

„Die drei von der Tankstelle“ hieß ein bekannter Film, in Sachen Abstieg und Aufstieg heißt es jetzt „Die drei von der Zitterstelle“. Im Abstiegskampf der Bundesliga traten Köln (30 Punkte), Bremen (31) und Bielefeld (32) auf der Stelle. Trotz neuer Trainer darf weiter gezittert werden, wobei Bielefeld den Vorteil hat, es aus eigener Kraft schaffen zu können, mit einem Sieg in Stuttgart. Bremen muss gegen Gladbach gewinnen und Köln gegen Schalke und beide werden nach Stuttgart blicken. Bei Werder haben sie doch noch die Notbremse gezogen, der altgediente Thomas Schaaf soll der Retter sein, Florian Kohfeldt musste gehen. Das lange Zögern von Manager Frank Baumann kann sich nun rächen.

In der 2. Bundesliga wird auch gezittert, doch beim Aufstieg geht es um die Erfüllung eines großen Wunsches. Der VfL Bochum (64 Punkte) benötigt nur noch einen Zähler zum Ziel, Gegner ist Sandhausen, das bei einer Niederlage noch absteigen kann. Holstein Kiel (62) hat dagegen in Karlsruhe mit einer 2:3-Niederlage die gute Ausgangsposition verspielt, ein Sieg gegen Darmstadt lässt alles wieder gut werden. Fürth (61) hat die Relegation sicher, ob der Wunsch direkter Aufstieg in Erfüllung geht, liegt eben auch an der Konkurrenz. Im Abstiegskampf sind übrigens neben Absteiger Würzburg noch Braunschweig (31), Osnabrück (33), Sandhausen (34) und Regensburg (35) involviert. Ein großes Finale also. Als erster Aufsteiger in der 3. Liga steht Dynamo Dresden fest, wo die Fans leider so ausgiebig gefeiert haben, dass es sogar zu Krawallen gab. Mit Aufstiegsfreude hat das nichts zu tun.

Ob Robert Lewandowski in den letzten Wochen gezittert hat, ist nicht bekannt. Aber das Ergebnis kann jetzt gefeiert werden: Der Pole hat tatsächlich den Torrekord von Bayern-Legende Gerd Müller eingestellt. Als er den 40. Saisontreffer in Freiburg per Elfmeter erzielt hatte, standen alle im Bayern-Tross Spalier und Lewandowski selbst erinnerte an seinen großen Vorgänger mit einem T-Shirt „4ever Gerd“. Eine nette Geste, der Torjäger wurde selbst zur Legende und hat ein Denkmal verdient. Erinnert sei an die Zeiten, als Lewandowski als egoistisch galt und auch offen mit einem Wechsel zu einem noch größeren Verein (dachte er) wie Real Madrid kokettierte. Er hat dann erkannt, dass er auch bei Bayern und mit seinem Mitspielern seine großen Ziele schaffen kann. Er stellte nicht nur Müllers Rekord ein, wurde bekanntlich „Weltfußballer“ und hat sich auch den „Goldenen Schuh“ als bester Torjäger Europas gesichert. Im letzten Spiel gegen Augsburg kann er noch die Marke 40 überbieten. Der Pole profitierte in großem Maße vor allem von Thomas Müller, der mit 21 Assists mit Abstand bester Vorlagengeber der Bundesliga ist. Es gab für die Bayern noch einen anderen Rekord in Freiburg, sie erzielten im 34 Auswärtsspiel in Folge ein Tor und sind damit die erste Mannschaft die in zwei Saisons hintereinander in der Fremde immer getroffen hat.

Ein bisschen Wehmut gibt es in München auch, wie bekannt wurde, werden Miroslav Klose und Hermann Gerland, beide derzeit Assistenztrainer, den Verein nach der Saison verlassen. Klose, ebenso eine Stürmer-Ikone, der erfolgreich seinen Trainerschein gemacht hat, sucht neue Ziele, Urgestein Gerland soll nicht zum Team vom neuen Trainer Julian Nagelsmann gehören. Schade, der gebürtige Bochumer war insgesamt 25 Jahre bei Bayern München, er hätte einen anderen Abgang verdient gehabt.

Einen besseren Abgang für die Saison hatten sich auch die Bayern-Amateure erhofft, die in der 3. Liga gegen den Abstieg spielen, das 2:2 gegen den Lokalrivalen 1860 München wurde als Erfolg gewertet, aber vorangebracht hat sie der Punktgewinn nicht. Immerhin haben sie die „Löwen“ geärgert, was in gehässigen Kommentaren seitens des Gegners sichtbar wurde.

Ein Rücktritt sorgte nicht mehr für Aufregung, DFB-Präsident Fritz Keller bestätigte am Montag seine Ankündigung, dass er sein Amt niederlegen werden. Er übernahm die Verantwortung für eine verbale Entgleisung betonte aber noch einmal, dass ihm beim DFB von Seiten der Verwaltung Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden (interne Machtkämpfe) und er an seiner vordringlichsten Aufgabe, eine Erneuerung des Verbandes gehindert wurde. „So kann man nicht vernünftig arbeiten“, war sein bitteres Fazit. Er bestätigte einmal mehr, dass der DFB eine Runderneuerung benötigt. Welche Neuerungen es sportlich gibt, wird Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch bei der Bekanntgabe seines EM-Kaders mitteilen, wobei mit Spannung vor allem darauf gewartet werden darf, ob die Youngster Florian Wirtz (Leverkusen) und Jamal Musiala (Bayern) einen Platz im Aufgebot erhalten.

Bayern München vor ungewisser Zukunft oder für immer Meister?

Der FC Bayern München ist wieder Deutscher Fußball-Meister und die Konkurrenz hat wieder eine günstige Gelegenheit verschlafen. Noch ist die Saison 2020/21 nicht beendet, aber an der Spitze war es wie immer (siehe auch nachfolgend „Bundesliga-Endspurt: Mehr Spannung geht nicht“). Zum neunten Mal in Folge holten die Bayern die Schale und mancher fragt sich, „werden die Münchner jetzt immer Meister?“ Auf den ersten Blick müssen die Freunde der Spannung und Abwechslung diese Befürchtung hegen, doch irgendwann hat alles ein Ende (bekanntlich hat nur die Wurst zwei) und es gibt auch Anzeichen, dass der Dauer-Sieger eher vor einer ungewissen Zukunft steht. Also gibt es doch Spannung: Was bringt die Zukunft?

Wieder einmal stehen die Bayern vor einem Umbruch. In den letzten Jahren schon gab es Fragezeichen, als Stützen wie Lahm und Schweinsteiger ihre Karriere beendeten oder Stars wie Robben und Ribery keine neuen Verträge mehr bekamen. Bekanntlich hat die Leistung nicht gelitten, Titel wurden dennoch gehamstert. Zuletzt war allerdings eine Menge Glück dabei, denn mit Niko Kovac als Trainer sah die Zukunft nicht gerade rosig aus, dass Hansi Flick, bis dahin Assistent, so einschlagen und die Mannschaft gleich zum Triple und insgesamt sieben Titeln führen würde, konnte niemand vorhersagen. Es passte einfach alles, bis auf den Knatsch zwischen dem harmoniebedürftigen Coach und dem auftrumpfenden Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der wohl deutlich machen wollte, wer hier der Chef ist. Deshalb steht der Verein nach dem Triumph vor einer ungewissen Zukunft.

Vor allem auch, weil sich in der Führungsetage entscheidendes tut. Als Uli Hoeneß das Schiff verließ, da war er schon nicht mehr der Alleinherrscher und hielt dennoch im Hintergrund die Zügel weiterhin in der Hand, so dass der Wechsel zu Herbert Hainer geräuschlos verlief. Einschneidender wird es sein, wenn Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge Ende des Jahres aufhört und das Kommando an Oliver Kahn übergibt. Kann ein Neuling trotz guter Einarbeitungszeit einen alten Recken mit besten internationalen Verbindungen ohne Probleme ersetzen? Hält ein unerfahrener Kapitän das Schiff auf Kurs? Schafft er es, weiter für den entscheidenden Vorteil zu sorgen, dass die Bayern gegenüber der Konkurrenz einfach die besseren Spieler haben?

Oliver Kahn selbst mahnt in Interviews bereits zur Vorsicht. „In den kommenden Jahren wird viel um die Mannschaft herum passieren“, orakelt er bereits und macht zudem deutlich in Richtung Neuverpflichtungen, „ein Paket für 100.000 Euro ist nicht denkbar“. Hat er das auch dem neuen Trainer Julian Nagelsmann gesagt? Der Nachfolger vom wohl künftigen Bundestrainer Hansi Flick wird allgemein gelobt und er darf ab der neuen Saison seinen Traum vom Bayern-Trainer leben. Aber er bekommt auch auf den Weg, dass er vermehrt junge Talente heranführen soll, ohne dass die Leistung nachlässt und Titel gefährdet werden. Die zehnte Meisterschaft in Folge ist im Visier, das hat in den großen europäischen Ligen noch kein Klub geschafft.

Aber es gibt wieder einen Umbruch im Team, David Alaba zieht wohl zu Real Madrid, Javi Martinez peilt neue Ziele an, er war lange Zeit ein Garant für Erfolge, weil er im Mittelfeld aufräumte, die Zeit ist auch für Jerome Boateng abgelaufen, so dass es Nagelsmann mit einer vollkommen neuen Abwehr versuchen muss, aber auch ohne einen Sicherheitsmann wie Martinez im Mittelfeld auskommen muss. Diese robuste Rolle können Kimmich und Goretzka nicht spielen. Abwehrprobleme offenbarte der Meister auch in dieser Saison, mit 40 Gegentreffer (bis jetzt) wird man normal nicht Erster. Künftig wird in der Abwehr französisch gesprochen, neben Lucas Hernandez (25 Jahre alt) soll Neuzugang Dayot Upamecano (22) für Halt sorgen, dazu kommt Talent Tanguy Nianzou (18), der in seinem ersten Jahr von Verletzungspech verfolgt war und auf dem Feld eher unglücklich agierte. Niklas Süle (25) gibt es auch noch, einst von Nagelsmann in Hoffenheim zum Nationalspieler geformt, was für einen Verbleib des Abwehrrecken spricht. Wenn die Vereinsbosse es wollen.

Verstärkung sollte es im Mittelfeld geben, auf den Flügeln wird auch eine Ergänzung zu Coman, Gnabry und Sané gesucht, die Leistungen waren bei allen zuletzt nicht gerade konstant genug. Hoffnung macht Jamal Musiala (18). Die Maschinenmeister im Angriff waren vor allem Robert Lewandowski (32) und Thomas Müller (31). Aber wie lange können die „Dreißiger“ ihre Form noch halten? Von den Leihspielern Cuisance (Marseille), Fein (Eindhoven) oder Zirkzee (Parma) ist ebenso wenig eine Verstärkung zu erwarten wie von den Neuzugängen in dieser Saison Sarr und Roca (bei ihm besteht noch Hoffnung), Costa wird den Verein wieder verlassen. Es fehlt den Bayern in der Breite des Kaders an Qualität für eine sorgenlose Zukunft. Diesbezüglich also mehr Ungewissheit. Die Achse Neuer-Kimmich-Müller-Lewandowski allein wird es nicht richten können.

Julian Nagelsmann hat einen Vertrag für die Dauer von fünf Jahren unterschrieben. „Wir wollen hier Kontinuität“ hat Oliver Kahn betont, aber ob die neuen Vereinsbosse wirklich die Geduld aufbringen, wenn die Meister-Serie mal reißt? Schneller reißt wahrscheinlich der Geduldsfaden. Eher steht also Bayern München vor einer ungewissen Zukunft, als dass die Fußball-Fans Angst haben müssten, dass es nie mehr einen anderen Deutschen Meister gibt.