Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

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Die Fans wollen ihren Spaß und einen Fußball von gestern

Die Fußball-Bundesliga macht sportlich Sommerpause, aber die Diskussionen um die Geisterspiele kennen keine Pause. Ganz im Gegenteil, nachdem ein Fußball ohne Fans ein Fußball ohne Atmosphäre war, drehen sich die Gedanken um die Möglichkeit, wie schnell wieder mit Zuschauern gespielt werden bzw. wie eine Öffnung der Stadien ohne Gefährdung der Gesundheit aller organisiert werden kann. Es ist fast ein gordischer Knoten, der hier gelöst werden muss, entsprechend abenteuerlich sind auch die Gedanken, die durch die Gegend geistern.

Es ist auffallend: Die Klubs machen sich Gedanken, ob man mit einer geringen Zuschauerzahl anfangen kann, damit vor allem die Grundvoraussetzung im Kampf gegen das Coronavirus erfüllt ist, nämlich Abstand halten. Entsprechend der Kapazitäten der Stadien könnten dann vielleicht 2000 bis sogar 10.000 Zuschauer den Spielen beiwohnen. Von Fans kann hier nicht die Rede sein, denn diese meldeten sich schon zu Wort und kennen keinen Kompromiss: Entweder alle oder keiner. Bis es allerdings volle Stadien ohne Gesundheitsrisiko geben kann, wird noch viel Zeit vergehen mit vielen Geisterspielen. Aber warum nicht mit kleineren Kapazitäten anfangen, es wäre ein Schritt nach vorn. Um auch die Anfahrt der Zuschauer zu vereinfachen, muss wohl auf Gästefans verzichtet werden. Was den Fans auch wieder nicht gefällt.

Fan-Organisationen haben in einer gemeinsamen Erklärung bereits gefordert, dass der Fußball zurück zu den Wurzeln müsse. Die Corona-Krise soll die Klubs zur Besinnung kommen lassen, der Kommerz soll eingeschränkt werden, Gehälter gekürzt bzw. gedeckelt. Nicht das Geld soll im Mittelpunkt stehen, sondern der Sport. Die Fans machen den Eindruck, als ob für sie die Qualität der Spiele keine Rolle spielt, sie auf Stars verzichten würden und es in Kauf nehmen, wenn die internationale Konkurrenzfähigkeit dann nicht mehr gegeben ist. Was sie wollen, ist ihre Fankultur mit Nähe, Emotionen und Freiheit ausleben. Sie wollen in erster Linie ihren Spaß und plädieren auf ein Zurück zum Fußball von gestern. Mit dem Leistungssport der heutigen Zeit lässt sich das nicht vereinbaren und wahrscheinlich wäre es ihnen am Ende sogar egal, wenn die Bundesliga international nur noch unter „ferner spielten“ registriert würde. Am Ende könnte es dazu kommen, dass sich die Ultras vom Profi-Fußball ganz abwenden. Vielleicht finden sie bei den Amateuren ihre wirkliche Erfüllung. Andererseits: Erst die Masse macht’s, sorgt für Stimmung.

Der Fußball muss aber weiter geplant werden. Die DFL hat in diesem besonderen Jahr auf ein strenges Lizenzierungsverfahren verzichtet und allen Vereinen der 1. und 2. Bundesliga die Lizenz erteilt, damit die Klubs die Möglichkeit haben, sich finanziell zu erholen. Der Terminkalender für die neue Saison steht auch, mit einem Start der Bundesliga am 18. September und ohne Winterpause. Letzter Spieltag soll der 22. Mai sein.

In der Bundesliga wird weiterhin Werder Bremen vertreten sein, das im Duell mit dem Zweitliga-Dritten 1. FC Heidenheim zwar kein Spiel gewinnen konnte, doch das 0:0 und 2:2 auswärts reichte zum überaus glücklichen Klassenerhalt nach einer verkorksten Saison. Damit wurde sogar belohnt, dass die Bremer entgegen der üblichen Gesetzmäßigkeiten an Trainer Florian Kohfeldt festhielten. Logischerweise bleibt er nun weiterhin Coach und alle hoffen auf ein ruhigeres Jahr.

Wer verliert, würde die Relegation natürlich am liebsten abschaffen. Das gilt vor allem für den FC Ingolstadt der eine besonders bittere Zeit hinter sich hat. Am letzten Spieltag der 3. Liga träumte der Verein schon vom direkten Aufstieg, als ein Tor in Würzburg nach einem zweifelhaften Elfmeter alle Träume platzen ließ und stattdessen den Kickers den Aufstieg beschwerte. In der Relegation ging es wieder ähnlich zu. Zuerst lag das Aus gegen Nürnberg nach dem 0:2 im Hinspiel nahe, dann führte Ingolstadt zu Hause plötzlich 3:0 und träumte wieder von der 2. Bundesliga. Doch die Nachspielzeit war erneut eine Zeit der Ernüchterung, Nürnberg traf und jubelte. Ingolstadt fand in Schiedsrichter Christian Dingert den Schuldigen, fünf Minuten Nachspielzeit und die auch noch verlängert, wären nicht korrekt gewesen, außerdem hätte er vor dem entscheidenden Treffer ein Foul übersehen. Verständnis muss man für diese Sichtweise nach der Enttäuschung haben, aber Dingert hatte bei allen Entscheidungen korrekt gehandelt. So kann er beruhigt am Dienstag seinen 40. Geburtstag feiern. Aber alles in allem: Die Relegation hat ihre Berechtigung, spannender geht es nicht.

Auch international bleibt es weiter bei Geisterspielen. So werden Champions League und Europa League in diesem Jahr ohne Zuschauer entschieden. Die Auslosung ist erfolgt, der Spielplan steht, die Spannung steigt. Der portugiesische Ex-Star Paolo Sousa hatte kein glückliches Händchen, als er für Viertel- und Halbfinale der CL die großen Favoriten so zog, dass sie sich schon im Vorfeld des Finales eliminieren werden. Bayern München droht im Viertelfinale (am 8. August erst das Achtelfinale gegen Chelsea mit 3:0-Vorsprung) der FC Barcelona (auch am 8. 8. gegen Neapel, im Hinspiel 1:1). Den Gegner im Halbfinale machen Juventus Turin und Olympique Lyon (0:1 im Hinspiel) bzw. Manchester City und Real Madrid (2:1 im Hinspiel) unter sich aus. Da hat es RB Leipzig in der anderen Hälfte leichter, hat allerdings mit Atletico Madrid ein abzocktes Team als Gegner, der große Favorit auf das Finale ist aber Paris St. Germain mit Thomas Tuchel als Trainer, das zuerst auf Atalanta Bergamo trifft. Es gibt nur K.o.-Spiele im Finalturnier vom 12. bis 23. August, da zählen dann Tagesform, Glück und der Schiedsrichter. Besonderen Schwung dürfte Manchester City haben, nachdem der Internationale Sportgerichtshof die von der UEFA ausgesprochene Sperre für die internationalen Wettbewerbe aufgehoben hat. 10 Millionen Euro Strafe für Vergehen bei Transfers sind zu verschmerzen. Pep Guardiola darf weiter vom CL-Sieg mit City träumen. Allerdings: Träume platzen schnell (siehe oben).

Aufbruchstimmung in der Bundesliga und Bayern leidet

Schon vor einer Woche hatte der Sport-Grantler davon gesprochen, dass die Bundesliga in diesem Jahr ihr besseres Gesicht zeigt. Die Liga wollte ihn wohl bestätigen, denn in der englischen Woche war buchstäblich eine Aufbruchstimmung zu spüren. Einer der Leidtragenden war ausgerechnet der Abonnementsmeister FC Bayern München: Nur 1:1 gegen den FC Augsburg, 0:2 bei Hertha BSC Berlin. Die Bundesliga lacht und Bayern leidet.

Wenn die Bayern gewinnen, klagen die Medien: Warum zeigt keiner Mut, den übermächtigen Münchner Paroli zu bieten, warum haben alle Angst, warum kämpft keiner gegen die Langeweile? Vergessen wir das, wobei auch vergessen wird, dass die Bayern am 5. Spieltag des Vorjahres auch nur Zweiter waren, mit 12 Punkten einen Zähler hinter Dortmund, dass sich jetzt wieder an die Spitze schoss. Damals saß noch der Italiener Carlo Ancelotti auf der Münchner Trainerbank, das 2:2 gegen Wolfsburg den Spieltag darauf war sein letzter Auftritt in der Bundesliga. Ein Trainerwechsel deutet sich bei den Bayern diesmal nicht an, der neue Coach Niko Kovac reagiert auf die Punktverluste mit dem Münchner Selbstverständnis: „Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Thomas Müller ergänzt: „Wir müssen wieder unser wahres Gesicht zeigen.“ Leidtragende sollen in dieser Woche Ajax Amsterdam in der Champions League am Dienstag und Borussia Mönchengladbach am Samstag sein. Dann ist Länderspielpause – mit Ruhe in München oder Unruhe?

Augsburg und Berlin haben es also vorgemacht, Angst vor den Bayern muss nicht sein, es geht auch anders, aber auch nur mit einem ungeheuren Einsatz. Aufbruchstimmung verbreitet vor allem Borussia Dortmund. Im Gegensatz zu den Bayern drehten die Borussen einen 0:2-Rückstand in Leverkusen, schossen sich mit 4:2 an die Spitze und sind die einzige noch ungeschlagene Mannschaft. Über das Ziel wollen sie nicht hinausschießen, sehen das nur als Momentaufnahme. Aber die Zukunft könnte den Westfalen gehören, die mit einer jungen Mannschaft antraten, im Schnitt 23,56 Jahre alt, den Bayern nutzte alle Routine nichts (im Schnitt 28,19 Jahre alt). Nächster Prüfstein ist Augsburg, das nach Bayern den nächsten Favoriten ärgern will.

Aufbruchstimmung aber auch am Tabellenende, Schalke und Stuttgart feierten ihren ersten Saisonsieg und ließen damit die aufkommenden Kritiker verstummen. Ähnliches gilt für Neuling Nürnberg, wo ein 3:0 gegen Mitaufsteiger Düsseldorf die Situation rund um den Verein beruhigte. Ohne Sieg ist nur noch das neue Schlusslicht Hannover 96. Unruhe bei den Niedersachsen ist fast schon obligatorisch (siehe Fanprotest gegen Boss Kind) und jetzt fast logisch. Die Leistungen bisher machen aber auch nur wenig Hoffnung.

Aufbruchstimmung aber auch bei den Torjägern – und der Titelverteidiger der Torjäger-Kanone, Robert Lewandowski, schaut torlos zu. Die größte Auferstehung feierte der Isländer Alfred Finnbogason beim FC Augsburg. Nach langer Verletzungspause stand er erstmals in der Startelf und schoss den SC Freiburg gleich mit drei Treffern ab. Das machte gute Laune bei den bayerischen Schwaben, die ja zuletzt unter Torwartfehlern litten. Tore vorn sind besser als Tore hinten, doch ein „Slapstickgegentreffer“ durfte es auch diesmal sein. Aber auch die Torjäger in Gladbach und Dortmund beeindruckten, Die Neuzugänge Plea in Gladbach und Alcacer in Dortmund erweisen sich als Volltreffer.

Noch ein Spieltag, dann geht die Bundesliga in die Länderspielpause. Da lechzen am Wochenende alle nach einem Erfolgserlebnis, denn nur das verschafft gute Stimmung für die zwei Wochen ohne Punktspiele. Das Gegenteil könnte eine Unruhe sein, die die ganze Saison negativ beeinflussen kann. In Champions- und Europa League sind die Bundesligisten wieder gefordert, die Aufbruchstimmung national auch international zu zeigen. Den dicksten Brocken hat Hoffenheim mit Manchester City vor der Brust, die Bundesliga aber freut sich auf die Rückkehr von Meister-Trainer Pep Guardiola.

Einen Erfolg errang der deutsche Fußball am Donnerstag mit dem Zuschlag für die Austragung der Europameisterschaft 2024. Beim Kontrahenten Türkei war das Jammern natürlich groß, einen Betrug zu wittern, geht aber an den Tatsachen vorbei und kann nur damit entschuldigt werden, dass Bestechung und Korruption im Fußball noch nicht ausgerottet sind. Der DFB allerdings hat seine Bewerbung diesmal so transparent wie möglich gestaltet und sicher nicht wegen falscher Versprechungen gewonnen. Die Türken eher wegen nicht einzuhaltender Versprechungen verloren.

Niederlagen fair hinzunehmen gelingt nicht jedem. Superstar Cristiano Ronaldo schon gleich gar nicht. Der Portugiese blieb schon der Wahl zu „Europas Fußballer des Jahres“ fern, als er hörte, dass er nicht der Sieger sein würde. Der Kroate Luka Modric siegte jetzt auch bei der Wahl zum „Weltfußballer des Jahres“ und musste ohne die Seriensieger feiern, denn neben Ronaldo ließ sich auch Messi wegen privater Verpflichtungen entschuldigen. Na ja, siegen ist leichter als verlieren. Bei den Frauen gewann übrigens Marta (Brasilien), Trainer des Jahres wurde (logisch) Weltmeister Didier Deschamps (Frankreich), bei den Frauen Reynald Pedros (Lyon).

Ryder Cup nichts für den Tiger

Das Großereignis des Wochenendes war natürlich der Ryder Cup der Golfer in Paris und die Stimmung dort mit einem Fest im Fußball vergleichbar. Rund 270.000 Zuschauer an den drei Tagen sorgten für eine Atmosphäre, wie es sie sonst beim Golf nicht gibt. Superstar Tiger Woods „veredelte“ zwar durch seine Teilnahme die Veranstaltung (siehe Kommentar zuvor), aber nicht mit seiner Leistung. Der Tiger und der Ryder Cup passen nicht zusammen. Obwohl in Bestform angereist, verlor der Amerikaner alle seine vier Auftritte. Das Gegenteil schaffte der Spanier Sergio Garcia. Der war zuletzt nicht in Form, triumphierte aber in Paris und ist am Ende neuer Rekordhalter des Kontinentalvergleichs mit 25,5 Punkten (der Deutsche Bernhard Langer liegt übrigens mit 24 Punkten auf Rang drei). Besonders gefeiert haben die siegreichen Europäer, denen mit 17,5: 10,5 eine erfolgreiche Revanche für die Niederlage vor zwei Jahren in den USA gelang, Francesco Molinari. Im Gegensatz zu Woods steht der Italiener sonst nicht im Rampenlicht, jetzt aber siegte er bei allen seinen Auftritten, zweimal zusammen mit Tommy Fleetwood auch gegen den Tiger. Die schlechte Serie von Woods blieb damit ebenso erhalten wie die der USA, die die letzten 25 Jahren in Europa nicht gewinnen konnte.

Der Fußball leidet unter seinen Funktionären

Der Fußball feiert wieder einmal ein Fest, doch die Fröhlichkeit ist bei der Auslosung für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland nur aufgesetzt. In Wirklichkeit leidet der Fußball nämlich, er leidet unter seinen Funktionären. Ein Glück, dass der Spielbetrieb in aller Welt reibungslos läuft, dank der ehrenamtlichen Helfer in den Vereinen und Verbänden. An der Spitze aber, egal ob FIFA, UEFA oder in vielen nationalen Verbänden, da herrscht das Chaos, teilweise sogar Kriminalität in Form von Korruption, wie der FIFA-Prozess jetzt in New York deutlich zeigt. Beim Weltverband selbst steht nicht die Aufklärung im Vordergrund, sondern die Vertuschung. Dies machte FIFA-Präsident Gianni Infantino wieder einmal vor der WM-Auslosung deutlich.

Gianni Infantino erdreistete sich, im Vorfeld der WM davon zu sprechen, dass es 2018 in Russland intensive Doping-Kontrolle gebe, aber auf die Doping-Anschuldigungen gegen das Veranstalterland ging er nicht ein. Auch im Fußball stehen Anschuldigungen im Raum, die von einem staatlich organisierten Doping in Russland sprechen. Bekanntlich ist der olympische Sport in heller Aufregung über immer neue Sperren von russischen Sportlern, Putins Reich verliert reihenweise Olympiasieger (und die Medaillen), die bei Nachtests des Dopings überführt werden. Ein IOC-Report spricht von systematischem Doping.

Für den FIFA-Präsidenten gibt es keine Probleme, solange er sie nicht anspricht. Da stehen Forderungen im Raum, dass Katar wegen erwiesener Bestechung die Weltmeisterschaft 2022 verlieren müsste, doch eine Stellungnahme der FIFA zu den Vorwürfen gibt es nicht. Nicht einmal eine Rechtfertigung, dass es wohl aus organisatorischen Gründen und wegen möglicher gigantischer Schadenersatzforderungen eine Verlegung zu schwierig wäre. Die Lösung für die Funktionärsspitze: Schweigen.

„So wie der Herr, so das Gscherr (Untergebenen)“ heißt ein Sprichwort. Das bewahrheitet sich im Fußball, denn nicht nur die FIFA macht eine schlechte Figur, sondern viele Landesverbände ebenso. Spanien hat in der Führung ebenso Probleme wie Italien und von Südamerika und den Ländern in der Karibik ganz zu schweigen. Selbst in Deutschland häufen sich die Klagen rund um den Verband, seit Reinhard Grindel als Nachfolger von Wolfgang Niersbach an der Spitze steht. Von Ordnung und einer ruhigen Führung mit Augenmaß kann keine Rede sein. Ein Eigentor schoss der Verband u. a. damit, dass im Rahmen einer Kooperation mit China eine chinesische Auswahl in einer Regionalliga mitspielen sollte. Bei den ersten Missfallenskundgebungen (Zuschauer zeigten die Tibet-Fahne) ging Chinas Auswahl vom Platz. In Erwartung weiterer Zwischenfälle wurden die nächsten Gastspiele vertagt. Die Politik siegte über den Sport. Die Funktionäre sorgen nicht mehr für einen reibungslosen Spielbetrieb, sondern eher für Chaos. Es bleibt leider immer wieder das gleiche Urteil: Korruption können sie besser als Organisation.

Da kann bei der WM-Auslosung auch noch so gefeiert werden, die Vorfreude auf Russland 2018 ist für die Fans getrübt. Der Fußball leidet unter seinen Funktionären.

Money, Money, Money – Geht der Fußball im Geld unter?

Was haben die Zeichentrickfigur Dagobert Duck und der Fußball gemeinsam? Sie schwimmen beide gern im Geld. Während aber Dagobert der eher unsympathische Reiche ist, will der Fußball sympathisch bleiben und weltweit Fans anziehen. Derzeit ist er allerdings eher dabei, in eine unsympathische Rolle abzugleiten und Fans abzustoßen. Es geht fast nicht mehr um den Sport, sondern nur noch ums Geld. Spieler, Berater und Funktionäre haben die Dollar-Zeichen in den Augen. Das Motto heißt „Money, Money, Money“ und der Sport-</em>Grantler fragt sich: Geht der Fußball im Geld unter?

Das Thema ist ja nicht neu, kam aber jetzt mit der Vergabe der TV-Rechte für die Champions League wieder neu auf den Tisch. Vor allem in Deutschland war der Aufschrei groß, weil ab 2018 die Königsklasse des Fußballs im Pay-TV verschwindet. Das sind die Fernseh-Zuschauer in England, Spanien und Italien gewöhnt, aber nicht die in Deutschland, die ja sowieso eine monatliche Gebühr für die öffentlich-rechtlichen Sender zahlen müssen. ARD und ZDF müssen mit diesen Geldern haushalten und haben Proteste geerntet, wenn sie viele Millionen Euro für die Übertragungsrechte im Sport ausgegeben haben. Hohe Einschaltquoten bewiesen eine gewisse Berechtigung. Jetzt aber erleben sie eine Niederlage nach der anderen. Die Rechte für die Olympischen Spiele haben sie ebenso verloren wie die nun für die Champions League. Bisher zeigte das ZDF 18 Spiele live, ab dem Finale 2018 in Kiew ist dies vorbei. Das Angebot war zu niedrig, „wir sind an unsere Grenzen gegangen“, gestand der ZDF-Boss, „mehr war nicht drin“.

Schon bei den Bundesliga-Rechten wurde es für ARD und ZDF knapp, aber die Sportschau und das Sportstudio wurden gerettet, es gibt weiter ein paar Live-Spiele im ZDF, aber alle Spiele weiterhin nur im Bezahl-Fernsehen, wobei dem Platzhirsch Sky Konkurrenz erwachsen ist. Vor allem der Streamingdienst DAZN mischt die Branche auf und schmeißt mit Geld um sich. Ob sich das lohnt? Dem Sport, vor allem dem Fußball, ist das egal: Hauptsache die Kasse stimmt. Es könnte aber auf lange Sicht auch ein Eigentor werden. Bleibt der Fußball wirklich Volkssport, wenn er im Pay-TV und Internet verschwindet?

Die Grenzen gesprengt haben vor allem die Fernsehsender in England, die der Premiere League das Geld quasi hinterher werfen. Da entstanden auch gesteigerte Begehrlichkeiten in anderen Ländern, vor allem in Deutschland, wo die Vereine jammern, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig sein können, wenn der Letzte der Premiere League mehr TV-Gelder kassiert als der Erste in Deutschland, Bayern München. Dazu kommen Scheichs aus den Golfstaaten, Oligarchen aus Russland, Milliardäre aus Asien und Afrika, die sich im Fußball Europas verwirklichen wollen und quasi mit dem Geld um sich werfen. Als Beispiel zwei Überschriften zum Saisonschluss: „Geld aus Nigeria hilft beim Titel“ hieß es zum Titelkampf in Kroatien, „Investoren aus China feiern“ zur Meisterschaft in Tschechien. Money, Money, Money – das Geld regiert überall.

Es ist ein riskantes Spiel, das der Fußball derzeit spielt. Die Bundesliga kassiert jetzt auch Milliarden über das Fernsehen, aber dieses Geld stößt anderweitig sauer auf. Immer drängender wird die Frage, ob die Fußballvereine nicht für den Polizei-Einsatz zahlen müssen. Immer mehr Leute sehen nicht ein, dass die öffentliche Hand Gelder zum Bau von Fußball-Stadien in die Hand nimmt. Darf der Staat die reiche Unterhaltungsindustrie Fußball unterstützen? Dazu kommen die Probleme mit den Hooligans, die vor Gewalt nicht zurückschrecken und manchen davon abhalten können, auf einen Besuch im Stadion zu verzichten. Dann aber wird es gefährlich: Weniger Leute im Stadion, keine Zuschauer mehr vor den Bildschirmen (im ZDF sahen bisher 7 – 9 Millionen Zuschauer die Champions League, auf Sky höchstens 2 Millionen), da ist der Werteverlust programmiert. Money, Money, Money kommt in den großen Geldspeicher. Dagobert schwimmt im Geld, der Fußball geht in der Geldmenge vielleicht eines Tages unter. Vernunft wäre ein guter Rettungsring.

Der unbekannte Gegner unserer Wintersportler

 

Der Winter 2015/16 ist vorbei, zumindest für die Wintersportler. Was die deutschen Athleten angeht, so könnte man sagen „Pyeongchang kann kommen“. Es ist zwar noch ein bisschen Zeit bis zu den Olympischen Winterspielen vom 9. bis 25. Februar 2018 in Südkorea, doch alle Augen, sprich Training und Wettkampfergebnisse, sind auf dieses Großereignis gerichtet. Auch viele Karrieren richten sich auf dieses Ziel aus, so heißt es immer wieder „Olympia 2018 will ich noch erleben, danach ist Schluss“.

Die Winterbilanz der deutschen Sportlerinnen und Sportler fällt ausgesprochen gut aus, ohne dass der Sport-Grantler hier auf Einzelheiten eingehen kann. Vor allem bei Bob und Rodel sind die Medaillenaussichten ausgesprochen gut, allerdings müssen sich die lange Zeit fast schon drückend überlegenen deutschen Rodler immer mehr einer erstarkten Konkurrenz erwehren. Schlecht sieht es eigentlich nur auf dem Eis aus, dort werden Medaillen Mangelware sein.

Auf Schnee (wenn es ihn denn gibt) fühlen sich die deutschen Athleten wohl. Einzig im Langlauf wurde vor allem bei den Männern der Anschluss verpasst, das lässt sich wahrscheinlich bis Olympia nicht mehr beheben. Vorbild sollten die Nordischen Kombinierer sein, die einen sehr erfolgreichen Winter mit zahlreichen Siegen und Erik Frenzel als Weltcupsieger hinter sich haben. Da sind trotz der starken Norweger und Österreicher Medaillen fast garantiert. Deutschland hat eine starke Mannschaft. Die Skispringer blickten vor allem dem „Überflieger“ Peter Prevc aus Slowenien hinterher, doch an günstigen Tagen kann ihn Deutschlands Vorzeigespringer Severin Freund (Zweiter im Weltcup) herausfordern. Dahinter klafft allerdings eine Lücke, die Thomas Freitag und Andreas Wellinger schon lange schließen sollten. Im alpinen Bereich bleibt bei den Männern Felix Neureuther der Vorzeigefahrer, doch bremst ihn oft der Rücken. Bei den Frauen steht Viktoria Rebensburg allein auf weiter Flur, nur knapp verpasste sie die kleine Kugel im Riesenslalom. Ein perfekter Winter könnte sie sogar einmal ganz an die Spitze bringen.

Deutschlands Vorzeigesport im Winter ist nach wie vor Biathlon. Die Deutschen verfolgen die Wettkämpfe gern an den Bildschirmen, gerade bei der Weltmeisterschaft waren die TV-Einschaltquoten wieder überragend. Fast in jedem Rennen sind die Deutschen beim Kampf um die Podestplätze dabei, Simon Schempp war dabei, dem dominierenden Franzosen Martin Fourcade (er gewann alle Gesamtwertungen!) Paroli zu bieten, doch Krankheiten stoppten ihn. Ähnlich sah es bei Laura Dahlmeier aus, die wegen Verletzungen und Krankheiten nicht nach dem Sieg in der Gesamtwertung (Gabriela Soukalova, Tschechien) greifen konnte, aber bei der Weltmeisterschaft in Oslo zur Medaillensammlerin wurde. Sie hat das Zeug, dies bei Olympia auch zu schaffen. Immerhin waren die deutschen Männer in der Weltcup-Nationenwertung Zweite hinter Norwegen und vor Russland, die Frauen waren sogar das stärkste Team vor Frankreich und Tschechien. Also gute Aussichten.

Ein unbekannter Gegner trübt allerdings die Erfolgsaussichten unserer Wintersportler. Das heißt, eigentlich ist er bekannt, aber unbekannt ist, wann er zuschlägt, leider ist es so, dass er dies meist zur ungelegenen Zeit tut. Die Rede ist von Verletzungen und Krankheiten. Typisches Beispiel ist Biathlet Simon Schempp, den ausgerechnet vor der Weltmeisterschaft eine starke Bronchitis zum Nichtstun verdammte. Die Form ging verloren, Schempp trumpfte erst eine Woche nach der WM wieder auf. Pech gehabt. Ein fahrender Lazarus ist Slalom-As Felix Neureuther, der aufgrund von Rückenbeschwerden wohl den ganzen Winter über nicht zu seiner Bestform finden konnte. Auch aussichtsreiche Ski-Talente wurden durch Brüche und Kreuzbandrisse gestoppt. Fast liegt ein Fluch vor allem über der alpinen Mannschaft, so dass ein Aufwind immer wieder gestoppt wird.

Stürze werden sich im Skisport nie vermeiden lassen, diese Pechserie muss aber einmal zu Ende gehen. Was allerdings Erkältungen und andere Krankheiten angeht, da sind Ärzte, Betreuer und die Sportler selbst gefordert, hier entsprechende Vorkehrungen zu treffen (allerdings keineswegs mit Medikamenten, die auf der Dopingliste stehen!). Es kann nicht sein, dass Deutschland in Pyeongchang höchstens die Schnupfen-Medaillen gewinnt.

Biathlon: Medaillen für die Gunst der Zuschauer

 

Der Wintersport „kochte“ in dieser Saison ein bisschen auf Sparflamme, weil im alpinen und nordischen Skisport keine Weltmeisterschaften anstanden und schon gleich gar nicht Olympische Winterspiele. Einige Wintersportarten halten allerdings jährlich ihre Weltmeisterschaften ab und dann wird auch auf Olympia (wieder 2018) geschielt, nach dem Motto „haben wir dort Medaillenchancen?“. Gerade bei Bob und Rodel hagelte es Medaillen – gerüstet für Olympia, wenn man das zwei Jahre davor sagen darf. Ab dem 3. März sind jetzt die Biathleten dran. Sie hoffen aus zwei Gründen auf ein gutes Abschneiden: Medaillen-Gewinne sorgen auch für die Gunst der Zuschauer. Was die Einschaltquoten im Fernsehen angeht, ist Biathlon die Wintersportart Nummer 1 und will es auch bleiben. Erfolge bei der WM in Oslo am Holmenkollen würden zudem dafür sorgen, dass Biathlon TV-Sport Nummer 2 hinter Fußball bleibt, wenn auch Formel 1 und Boxen manchmal noch mehr Zuschauer haben oder Handball mit dem Gewinn der Europameisterschaft (13 Millionen saßen vor den TV-Geräten) sensationell in den Blickpunkt rückte.

Biathlon hat den Vorteil, dass die Rennen überaus spannend sind, weil bei jeder Schießeinlage sich an den Platzierungen etwas ändert. Da gab es schon Tragödien, weil vermeintliche Sieger mit dem letzten Schuss alles verspielten, da gab es Aufholjagden, welche die Zuschauer von den Sitzen rissen und erst auf der Ziellinie entschieden wurden. Aufholjagden, wie sie sich zum Beispiel die Formel 1 sehr wünschen würde.

Bei der Weltmeisterschaft ist nun die Frage, ob wir auch wieder viel Spannung erleben oder ob überragende Athletinnen und Athleten die Spannung kaputt machen. Das könnte bei den Männern zum Beispiel dem Weltcupführenden Martin Fourcade (Frankreich) gelingen oder Gabriela Soukalova (Tschechien) bei den Frauen. Zum Glück haben aber beide starke Konkurrenz. Vor allem bei den Männern wollen die Norweger ihr „Hausrecht“ wahrnehmen. Für sie ist die WM im eigenen Land ein besonderes Ereignis, das mit Medaillen und Siegen gekrönt werden soll. In erster Linie gilt dies für die Brüder Tarjei und Johannes Thingnes Boe. Bei den Frauen sind die norwegischen Hoffnungen nicht so groß, Tyrill Eckhoff könnte vorne rein laufen, aber vor allem Marie Dorin-Habert (Frankreich), Dorothea Wierer (Italien) und Kaisa Mäkäräinen (Finnland) – nach der Platzierung im Weltcup – sind die Herausforderinnen von Soukalova.

Und dann natürlich auch die Deutschen! Sie können bei Männern und Frauen ein Wörtchen mitreden, haben schon zahlreiche Siege in dieser Saison auf ihrem Konto und sind dem eigenen Anspruch – bei jedem Rennen möglichst einer auf dem Treppchen – schon sehr nahe. Bei den Männern hätte Simon Schempp zu den großen Favoriten gezählt, doch eine Bronchitis behinderte die WM-Vorbereitung. Er wird nicht in Bestform antreten können und bleibt so eine Wundertüte, genauso wie die Mannschaftskameraden Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher, die an guten Tagen vorne dabei sein können. In der Staffel sind die Männer Titelverteidiger, aber gegen Norwegen, Russland, Österreich und Frankreich hängt Gold ziemlich hoch.

Von Medaillen träumen natürlich auch die Frauen und die haben mit Laura Dahlmeier die größte Herausforderin für die Favoritinnen. Die 22jährige Garmischerin klettert in ihrer Freizeit gerne auf die Berge, am Holmenkollen würde sie gerne aufs Treppchen klettern. Sie gilt als die perfekte Biathletin, sicher beim Schießen und schnell in der Loipe. Leider wird sie oft von Verletzungen und Krankheiten zurück geworfen. Wenn alles passt, geht der Weg zu Gold nur über die Laura. Mit vorne dabei will auch Franziska Hildebrand sein, die Nummer 5 im Weltcup. Sie hat erstaunliche Fortschritte in der Loipe gemacht und wurde von der Mitläuferin zur Siegläuferin. Auch die weiteren deutschen Starterinnen Franziska Preuß (16. im Weltcup), Miriam Gössner (19., wenn sie trifft, kann sie immer gewinnen, leider schießt sie mehr daneben), Vanessa Hinz (22-) und Maren Hammerschmidt (24.) sind alle unter den besten 25 im Weltcup zu finden. Ausdruck der Stärke: Deutschland ist im Nationencup führend vor Tschechien und Frankreich (bei den Männern Norwegen vor Deutschland und Russland).

Die Biathlon-Weltmeisterschaft ist allein schon vom legendären Austragungsort Holmenkollen her der Höhepunkt des Winters, beste Stimmung ist garantiert. In welcher Mannschaft die Stimmung besonders gut sein wird, dass wird man an den Medaillen ablesen können. Deutsche Erfolge garantieren jedenfalls die Gunst der Zuschauer zu Hause an den Fernsehgeräten. In den insgesamt elf Rennen sollten zumindest sechs deutsche Medaillen möglich sein.

Das WM-Programm: 

Donnerstag, 3. März: 15.30 Uhr Mixed-Staffel. – Samstag, 5.: 11.30 Sprint Männer, 14.30 Sprint Frauen. – Sonntag, 6.: 13.30 Verfolgung Männer, 15.45 Verfolgung Frauen. – Mittwoch, 9. März: 15 km Frauen. – Donnerstag, 10.: 20 km Männer. – Freitag, 11.: 15.30 Staffel Frauen. – Samstag, 12.: 15.30 Staffel Männer. Sonntag, 13.: 13.00 Massenstart Frauen, 15.00 Massenstart Männer.

Bayern und Pep: Das Triple oder es war nix!

 

Der Countdown läuft. Die Fußball-Welt weiß, Trainer Pep Guardiola wird am Saison-Ende den FC Bayern München und die Bundesliga verlassen. Seine Wege führen ihn nach England, nur den (glücklichen?) Verein will er noch nicht nennen. Der Spanier wurde am Montag 45 Jahre alt und sucht eine neue Herausforderung. Sein Nachfolger in München steht im Gegensatz dazu fest, der Italiener Carlo Ancelotti.

Muss er das unvollendete Werk von Pep Guardiola vollenden oder schafft es Pep selbst? Der Katalane steht unter Druck. In Anlehnung an seine Forderung zu Beginn seiner Tätigkeit in München, als er seinen Lieblingsspieler forderte mit dem Satz „Thiago oder nix“, heißt es nun: Das Triple oder es war nix! Die Bayern erfüllten ihm seinen Wunsch, erfüllt jetzt Pep den Traum der Bayern?

Mit glänzenden Augen wurde Pep Guardiola vor zweieinhalb Jahren in München empfangen. „Der beste Trainer der Welt“ hieß es, nach neun Titelgewinnen mit dem FC Barcelona, davon zweimal die Champions League (2009 und 2011), die Erfolge schienen buchstäblich auf der Straße zu liegen. Fünf Titel holte er auch mit seiner neuen Mannschaft, die zumindest als eine der besten Welt gilt. Aber neben der FIFA-Klub-WM, zwei deutschen Meisterschaften, dem UEFA-Supercup und DFB-Pokal fehlt eben die Krönung, der Traum vom erneuten Gewinn der Champions League. Wer national von einem Rekord zum anderen eilt und schier keinen adäquaten Gegner mehr zu besitzen scheint, der strebt natürlich nach Höherem, in dem Fall die Krone Europas.

Die Konstellation könnte ja spannender nicht sein: Vor drei Jahren beendete Trainer Jupp Heynckes sein Engagement in München und seine Trainer-Laufbahn mit dem Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League. Er packte seinem Nachfolger Guardiola einen dicken Rucksack. Der beeindruckte durchaus, trieb seine Spieler teilweise zu traumhaften Fußball, verwunderte aber auch mit manchen Experimenten und zeigte eine Schwäche: Jeweils im Frühjahr, wenn die deutsche Meisterschaft frühzeitig entschieden war, kam seine Mannschaft international aus dem Tritt. Jetzt hat Pep noch eine Chance…

Der FC Bayern München hatte (logisch) eine ganze Reihe von international anerkannten Trainern wie Giovanni Trapattoni oder Branko Zebec, aber die deutschen Trainer Ottmar Hitzfeld (zudem auch mit Borussia Dortmund) und Jupp Heynckes holten die europäische Trophäe. Doch einen deutschen Trainer, der es mit Guardiola oder Ancelotti aufnehmen könnte, ist derzeit nicht zu sehen. Deshalb blieben die Bayern auf der internationalen Schiene und im Gegensatz dazu müssen die Trainer halt deutsch lernen, wie es Pep getan hat und wie es dem Vernehmen nach derzeit der Italiener Ancelotti fleißig tut. Beide Coaches haben aber eines gemeinsam, sie beherrschen mehrere Sprachen, was in der Multikulti-Gesellschaft einer internationalen Mannschaft heute wohl notwendig ist. Andererseits heißt es in München, „bei uns wird in erster Linie deutsch gesprochen“ – oder vielleicht noch bayrisch…

Die nächsten Monate werden also zeigen, wie nach drei Jahren das Wirken von Pep Guardiola in München bewertet werden wird. Geht er als großer Triumphator (was ihm natürlich jeder Bayern-Fan sehr eigennützig wünscht!) oder geht er als der Fachmann, der eben ein unvollendetes Werk hinterlässt, das seinen Ruf als weltbester Trainer einen Kratzer zufügen würde. An Ehrgeiz wird es Spielern und Trainer nicht mangeln, was beide brauchen, ist zweifellos etwas Glück.

Das Glück des Carlo Ancelotti wäre es allerdings, wenn ihm Guardiola ein unvollendetes Werk übergeben würde… Man könnte sich gut vorstellen, dass er eher Real Madrid, dem FC Barcelona und vielleicht sogar schon Juventus Turin im Achtelfinale die Daumen drückt. Je weniger Guardiola gewinnt, umso leichter wird die Aufgabe für Ancelotti!

Der König ist wieder auf dem Thron

 

Man könnte meinen, der Ausdruck „Messias“ aus dem Biblischen, der für Könige und Hohepriester galt, stammt aus der Neuzeit und wurde für einen erfunden, für den König der Fußballer, für Lionel Messi. Der 28jährige, der Messias des Balles, wurde wieder zum „Fußballer des Jahres“ gewählt, der König ist wieder auf dem Thron.

Der Sport-Grantler hat es schon in den vergangenen Jahren betont, dass die Wahl beim „Ballon d’Or“ ziemlich langweilig ist. Trainern, Spielern und Journalisten, die wählen dürfen, fehlt meist der Einfallsreichtum, der Willen, auch mal einem Außenseiter eine Chance zu geben, der in diesem einem Jahr wirklich besser war als die üblichen Verdächtigen. Franck Ribery zum Beispiel 2013. So aber wechseln sich die Stürmer-Stars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi in schöner Regelmäßigkeit ab. „CR7“ war die beiden letzten Jahre stolz, dass er den Argentinier quasi in die Pampa schicken konnte und den „Ballon d’Or“ in den Händen hielt. Jetzt schlug der König zurück, zum insgesamt fünften Mal holte er sich den „Goldenen Ball“, zuvor von 2009 bis 2012 durchgehend. Der letzte Sieger, der nicht Messi oder Ronaldo hieß war 2007 der brasilianische Edeltechniker Kaka, der diesmal in Zürich den Sieger verkünden durfte. Es wird Zeit, das Allerlei zu beenden. Eintopf schmeckt nicht immer.

In diesem Jahr gibt es an der Wahl von Lionel Messi allerdings nichts zu granteln. Messi hatte mit dem FC Barcelona ein überragendes Jahr und holte quasi alle Pokale, die es zu gewinnen gab. Da musste Ronaldo einfach in die Röhre gucken, da war es eher verwunderlich, dass Messis Vereinskollege, der Brasilianer Neymar, nicht auf Platz zwei kam. Er ist ein Kandidat für die Zukunft.

Deutsche Spieler sind es wohl vorerst nicht. „Willst Du den ‚Ballon d’Or’ gewinnen, musst Du in England oder Spanien spielen“, heißt der Rat an die Kandidaten. Manuel Neuer wäre vor einem Jahr ein würdiger Gewinner gewesen, weil er als Weltmeister das Torhüterspiel auf eine neue Stufe gehoben hat. Neuer war diesmal immerhin der einzige deutsche Spieler in der Weltelf. Doch Torhüter und Abwehrspieler haben gegen die Torjäger und Zauberer vor dem Tor kaum eine Chance. So müsste zum Beispiel Thomas Müller 2016 bei der Europameisterschaft zumindest Torschützenkönig und eben Europameister werden und zudem noch mit Bayern München die Champions League gewinnen, um in den engeren Kreis der Kandidaten zu kommen. Ein Müller ist halt kein Messias. „Mülleras“ klingt nicht so gut.

Bei den Frauen wurde die kleine deutsche Serie beendet, nach fünfmal Marta (Brasilien) ist die Wahl beim weiblichen Geschlecht eine amerikanisch-deutsche Angelegenheit. Carli Lloyd setzte sich diesmal durch nach Nadine Kessler und Nadine Angerer in den letzten beiden Jahren. „Trainer des Jahres“ war – logisch – Luis Enrique vom Seriensieger FC Barcelona. Seltsam nur, dass Pep Guardiola Zweiter wurde, er hat im letzten Jahr mit dem FC Bayern München nicht viel erreicht und international eher eine Blamage hinnehmen müssen. Dies zeigt deutlich: Welche Fachleute die Juroren auch sein mögen, die bekannten Namen haben einfach einen Bonus. Vielleicht steht Pep Guardiola im nächsten Jahr ganz oben, dann aber müssen die Münchner des Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen.

Die schönste Ehrung durfte der deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah (früher Schalke 04) entgegennehmen und zwar stellvertretend für alle, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Und da tut der Fußball ja einiges zur Integration. Das ist die wahre Stärke des Fußballs bzw. des Sports, hier werden unterschiedliche Nationalitäten wirklich zur Nebensache.

2016 werden die Weichen im Sport neu gestellt

 

Der Terminkalender im Sportjahr 2016 ist voll, aber nicht die sportlichen Wettbewerbe werden im neuen Jahr im Mittelpunkt stehen, sondern die Geschehnisse auf der Funktionärsbühne. Ob der Sport davon profitieren wird, das kann erst die Zukunft zeigen. Eines ist aber sicher, 2016 werden die Weichen im Sport neu gestellt. Wir Sportfans können nur darauf hoffen, dass sie für eine glückliche Zukunft gestellt werden.

Im Mittelpunkt wird auch 2016 der Skandal im Fußball-Weltverband stehen. Am 26. Februar soll der neue FIFA-Präsident gewählt werden und von dieser Wahl wird es abhängen, wie der Fußball-Weltverband in Zukunft wahrgenommen wird: Gibt es einen wirklichen Neuanfang oder eine verdeckte Art der alten Korruption? Der Gau wäre, wenn die Justiz auch die neuen FIFA-Funktionäre im Visier hätte.

Aber auch im Hinblick auf Olympische Spiele werden die Weichen neu gestellt. Wie zu hören ist, werden in Rio de Janeiro die Stadien bis zum Start am 5. August bereit sein, allerdings gibt es am Rande des Sportes in Brasilien erhebliche Probleme: Die ökonomische Krise des Landes, ein Korruptionsskandal, Umweltprobleme und Rückstand bei der Modernisierung der öffentlichen Verkehrsmittel. Dazu kommt, dass die sportlichen Aussichten des Gastgeberlandes nicht besonders gut sind. Fraglich ist, ob dann die typische brasilianische Begeisterung entflammt wird. Möglich, dass nur der brasilianische Optimismus hilft: Alles wird gut!

Allerdings stehen die Olympischen Sommerspiele ebenso dafür, dass auch bei Olympia die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Immer mehr Städte, immer mehr Länder, die sich für die Austragung von Olympischen Spielen bewerben wollen, haben Probleme, diese Großveranstaltung den Bürgern schmackhaft zu machen. Die Gegner haben leichtes Spiel: Sie prangern die Korruption in den Verbänden an, verweisen auf überdimensionale Kosten und punkten damit, dass das Geld für die eigene Bevölkerung besser angelegt wäre. Die Stadtväter von Hamburg und Boston haben zum Beispiel 2015 erfahren müssen, dass die Bevölkerung „NOlympia“ sagt. Insofern wären Probleme und galoppierende Kosten in Rio Wasser auf die Mühlen der Olymia-Gegner. Also, auch in Rio werden Weichen gestellt! Allerdings glaubt der Sport-Grantler nicht, dass generell die Zukunft von Olympia auf dem Spiel steht.

Man mag es kaum glauben, aber die Wettkämpfe, die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler werden 2016 schon noch im Mittelpunkt stehen. Eben durch Olympia, aber auch durch die Fußball-Europameisterschaft vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich. Im Sog des FIFA-Skandals wird alle Welt diese EM besonders kritisch betrachten.

Im Schatten dieser Großereignisse gibt es aber auch eine Reihe von anderen Weltmeisterschaften und Veranstaltungen von weltweitem Interesse, die dafür sorgen, dass uns Sportfans 2016 nicht langweilig wird. Es beginnt mit der Handball-Weltmeisterschaft vom 15. bis 31. Januar in Polen, die Eishockey-Weltmeisterschaft wird vom 6. bis 22. Mai in Russland ausgetragen (Eishockey gilt aber schon noch als Wintersportart!), die Leichtathletik-Europameisterschaft findet vom 6. bis 10. Juli in Amsterdam statt und dann gibt es ja auch noch die Formel 1 mit sage und schreibe 21 Rennen vom 20. März in Melbourne bis 27. November mit dem Finale in Abu Dhabi (auch in Deutschland wird wieder gefahren, 31. Juli Hockenheim), die Tour de France (2. bis 24. Juli), die großen Turniere im Tennis und Golf, das mit dem Ryder Cup vom 30. September bis 2. Oktober in Chaska/Minnesota auf ein Weltereignis verweisen kann.

Trotz aller Skandale freuen wir uns also auf das Sportjahr 2016. Der Sport-Grantler wird es wieder mit seinen Kolumnen begleiten und hofft, dass dies auch seine Blog-Leser auf allen fünf Kontinenten tun werden. Der Sport-Grantler wünscht allen ein gutes neues Jahr mit viel Spaß an jedem Tag und vor allem beim Sport.

2015 war ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport

 

Die deutschen Sportlerinnen und Sportler sammelten wieder Titel und Medaillen, waren in vielen Sportarten wieder mit an der Weltspitze. Die sportliche Bilanz stimmte also, dennoch war 2015 ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport. Die Ereignisse von 2015 werden auch in vielen Jahren noch Auswirkungen auf den Sport haben. Die Schuld tragen nicht die Athleten, die Schuld tragen die Funktionäre.

Es kommt auf die Sichtweise an, was dem deutschen Sport am meisten geschadet hat. Im Vordergrund steht vielleicht der Korruptionsskandal des Weltverbandes FIFA, der bis nach Deutschland durchschlug. Plötzlich kam das „Sommermärchen“ der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ins Visier und die sonst so selbstbewussten DFB-Funktionäre, allen voran DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, zeigten plötzlich Unsicherheiten und Schwächen und verstrickten sich in seltsamen Erklärungen, die man von außen schnell als offensichtliches Lügengebilde ansehen musste. Wo sind die 6,7 Millionen Euro hin? Wurde bestochen oder nicht? Die Aufklärung wird sich bis Sommer 2016 hinziehen, wenn es denn überhaupt am Ende eine plausible Aufklärung geben wird. Dann wird sich auch zeigen, ob „Kaiser“ Franz Beckenbauer noch eine saubere Weste hat oder ob des Kaisers Kleider auch schmutzig geworden sind. Zur Entschuldigung muss man allerdings sagen: Die Zeiten erforderten damals gewisse Handlungen, um die Fußball-Weltmeisterschaft austragen zu können. Für die Öffentlichkeit bleibt ein bitterer Nachgeschmack, der deutsche Sport erlebte schwarze Stunden.

Eine schwarze Stunde war auch, dass Hamburgs Bevölkerung eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 ablehnte. Grund der Ablehnung war neben vielleicht nicht beherrschbaren Kosten vor allem auch die Abneigung, selbstherrlichen Funktionären mit Olympia eine Bühne zu bieten. Großereignisse gelten nicht mehr als zeitgemäß, die Gegner gewannen mit dem Argument, dass mit dem Geld soziale Einrichtungen besser unterstützt werden können. Das eine tun ohne das andere zu lassen, das sah die Mehrheit der Bevölkerung nicht so. Hamburg hat eine große Chance zur Weiterentwicklung der Stadt verpasst, der deutsche Sport hat Schaden genommen, weil sich für die nächste Zeit kaum eine Stadt an eine Olympia-Bewerbung wagen wird.

Eine Niederlage erlitt der deutsche Sport auch bei der Bewerbung um den Ryder Cup 2022 im Golf, der nicht in der Nähe von Berlin, sondern vor den Toren Roms ausgetragen wird. Die Italiener gewannen mit viel Geld gegen eine gute und schlüssige Bewerbung der Deutschen. Die große Masse der Bevölkerung tat diese Niederlage als Randnotiz ab, weil Golf ja auch nur eine Randsportart sei. Über die Grenzen Deutschlands hinaus muss man allerdings feststellen, dass der Ryder Cup, der Erdteilkampf zwischen den USA und Europa, eines der größten Sportereignisse der Welt nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaft ist. Insofern nicht nur ein schwarzes Jahr für das Golf hierzulande, das sich nach mehr Aufmerksamkeit sehnt, sondern eben auch für den deutschen Sport, der auch hier bei einem Großereignis nicht zum Zuge kam.

Das schwarze Jahr wird noch Auswirkungen haben, weil der Sport für positive Schlagzeilen sorgen muss, um Kinder und junge Leute für den Sport zu interessieren. Gerade Olympische Spiele im eigenen Land gelten da als besondere Lokomotive. Sportarten, die nicht im Blickpunkt stehen, haben schon Probleme bei der Nachwuchsförderung. Sportarten, die nicht erfolgreich sind, haben Probleme mit der Finanzierung. Die selbstbewussten Deutschen wollen erfolgreich sein, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Kunst und vor allem auch im Sport. 2015 wurden aber nicht die Weichen für eine gute Zukunft des deutschen Sports gestellt. Ganz im Gegenteil, 2015 war ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport.