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Gutes Benehmen gehört beim Fußball dazu

Der Sport stand am Wochenende in der Fußball-Bundesliga nicht im Mittelpunkt, diskutiert wurde vor allem die Gelb-Rote Karte für den Dortmunder Mahmoud Dahoud bei der 0:1-Niederlage in Mönchengladbach. Sein Platzverweis beeinflusste das Spiel entscheidend und so stellt sich die Frage, ist ein verärgertes Abwinken und damit die Nichtanerkennung des Schiedsrichter-Pfiffes bereits ein grobes Vergehen oder nicht? Schiedsrichter Deniz Aytekin, mit 43 Jahren einer der Erfahrensten seiner Zunft, hatte genug vom verächtlichen Abwinken. Er hatte vorher schon Raphael Guerreiro ermahnt und wenig später bei der gleichen Geste von Dahoud die Nase voll, er wollte sich auf derselben nicht herumtanzen lassen. Der Nationalspieler hatte schon Gelb gesehen und seine verärgerte Reaktion war deshalb einfach nur dumm. Er hatte seine Emotionen nicht im Griff.

Es ist ja ein altes Thema im Fußball, dass die Profis gegen Schiedsrichter-Entscheidungen, die ihnen nicht gefallen (und das sind inzwischen fast alle), protestieren. Diesem Unsinn muss man Einhalt gebieten, zumal die Profis auch als Vorbild für die Amateure gelten, vor allem für die Jugend. Respekt dem Schiedsrichter gegenüber sollte logisch sein, denn gutes Benehmen gehört beim Fußball dazu. Aber meist befinden sich die Profis in einem Tunnel, bezeichnend, wenn Spieler sofort andeuten, „ich habe doch den Ball gespielt“, wenn sie einen Gegenspieler umhauen. Ein Foul ist dies immer, wenn es keine saubere Grätsche ist, egal, ob der Ball gespielt wird oder nicht.

Deniz Aytekin wollte ein Zeichen setzen und findet Beifall bei seinen Kollegen. BVB-Boss Watzke konnte ihm nicht folgen. beklagte den Platzverweis als „überzogen“, weil er das Spiel entscheidend beeinflusst habe. Er sollte allerdings Dahoud als Schuldigen ausmachen. DFB-Lehrwart Lutz Wagner begrüßte im kicker die Entscheidung von Aytekin und befand, „es war ein klares Foul von Dahoud und da empfindet es ein Unparteiischer schon als besonders unangemessen, wenn ein Spieler trotzdem so vehement protestiert“. Vielleicht ist es auch nur so, dass die Profis die Regeln gar nicht richtig kennen. Gerade kürzlich hat sich Mitchell Weiser blamiert, als er gestand, dass er die Abstandsregelung bei der Mauerbildung nicht gekannt hatte. Reklamieren tun sie gerne, sich richtig für den Beruf interessieren, scheinbar nicht. Es gehört nicht nur das Geldkassieren dazu…

Bei dieser Debatte ging also fast unter, dass die Dortmunder als Herausforderer der Bayern einen Rückschlag erlitten hatten. Kein Wunder, da Torjäger Haaland und Reus verletzt fehlten. Trainer Adi Hütter und seine Gladbacher feierten dagegen einen Befreiungsschlag. Der gelang auch Trainer Jesse Marsch mit RB Leipzig, wobei das 6:0 vor allem für Gegner Hertha BSC besonders happig war. Nach dem 0:5 in München die zweite hohe Klatsche, aber Trainer Pal Dardai verlor seine gute Laune nicht. Fredi Bobic wird aber wohl bald seine Geduld verlieren. Sein Statement lässt vieles offen: „Es liegt an Dardai, wie lange er Trainer ist.“ Nur gegen Abstiegskandidaten punkten ist nicht der Anspruch. Am Tabellenende rangieren aber die vor der Saison prophezeiten Kandidaten, nämlich die Neulinge Fürth und Bochum sowie Bielefeld. Sieger des Wochenendes waren dagegen die Bayern, da neben Dortmund auch der bisher punktgleiche Verfolger Wolfsburg seine erste Niederlage (1:3 in Hoffenheim) einstecken musste. Jetzt haben die Bayern nach sechs Spieltagen einen Sieg Vorsprung, erster Verfolger ist nun überraschend Bayer Leverkusen. Das nächste Auswärtsspiel führt die Münchner am 17. Oktober in die Bay-Arena!

Tränen in Freiburg

Ein besonderes Spiel erlebte der SC Freiburg. Die Partie gegen den FC Augsburg war die letzte im ehrwürdigen Dreisamstadion. 1954 wurde die Arena eingeweiht, mit dem 361. Bundesligaspiel war jetzt Schluss. Der FCA war ein angenehmer Gast, verlor 0:3, aber das 1000. Tor wollte nicht mehr fallen. Vor allem bei Trainer Christian Streich flossen ein paar Tränen zum Abschied aus der geliebten und ausgefallenen Spielstätte, die der Freiburger mit dem Fahrrad erreichte. „Ich freue mich auf das neue Stadion, vermisse jetzt aber schon das alte“. Gespielt wurde nur mit einer Sondergenehmigung des DFB, weil der Platz um ein paar Meter zu kurz ist und von Süd nach Nord ein Gefälle von 98 cm aufwies. Durch das Fundament der Dachstreben konnte die Neigung nicht ausgeglichen werden. Jetzt werden nur noch die U23 und die Frauen hier spielen, die Profis ziehen ins neue Europa-Park-Stadion um, das 34700 Zuschauern Platz bietet, also 10700 mehr. Allerdings müssen die Schwarzwälder noch die nächste Länderspielpause abwarten, ehe sie am 16. Oktober das erste Heimspiel im neuen Stadion haben. Gast ist RB Leipzig, aber da ist das Omen nicht gut, im Vorjahr unterlag Freiburg zweimal 0:3. Streich orakelte bereits: „Viele Klubs taten sich in einem neuen Stadion zunächst schwer, da kann es auch für uns eine Durststrecke geben.“

Duell der Scheich-Klubs

Was die Bundesliga angeht, so gibt es vor der nächsten Länderspielpause nur noch einen Spieltag am kommenden Wochenende, aber zuerst wird wieder auf Europas Bühne gekämpft. Da stehen nicht die Bundesligisten im Mittelpunkt, sondern der Knaller ist das Duell der Scheich-Klubs. Am Dienstag trifft das von Katar genährte Paris St. Germain auf Manchester City, das auf die Scheichs von Abu Dhabi vertrauen kann. Beide Kader haben je einen Marktwert von rund einer Milliarde Euro, gelten als die teuersten Mannschaften der Welt. Die Scheichs geben ohne Begrenzung Geld aus, damit ihr Herzenswunsch Wirklichkeit wird: Gewinn der Champions League. Beide Vereine haben dies noch nie geschafft. In der Gruppe A schauen RB Leipzig und Club Brügge nicht ganz ehrfürchtig den Scheich-Reichen zu, Brügge knöpfte Paris bereits einen Punkt ab. Aber im Prinzip geht es in diesem Vergleich nur um Platz drei in der Gruppe.

Die deutschen Klubs haben generell keine so spektakulären Spiele. Interessant, dass der frühere französische Mittelfeldstar Robert Pires einen anderen Verein als Nummer 1 in Europa auf dem Zettel hat: „Die beste Mannschaft derzeit hat der FC Bayern München.“ Das haben die Bayerrn beim 3:0-Sieg in Barcelona ein bisschen unter Beweis gestellt, jetzt wartet mit Dynamo Kiew eine eigentlich dankbare Aufgabe, bei allen vier Gastspielen in München ließ die Ukrainer die Punkte in Bayern. Die Nagelsmänner sind auch weiter auf Rekordjagd, sind jetzt in 23 Gruppenspielen hintereinander ungeschlagen, nur Barcelona (25) und Real Madrid (30), hatten eine längere Siegesserie. Vor allem Torjäger Robert Lewandowski wird mit einer Portion Wut auf Torejagd gehen, in Fürth traf er nämlich nicht und damit blieb der Rekord von Gerd Müller mit 16 Spielen hintereinander mit Tor bestehen.

Borussia Dortmund hofft gegen Sporting Lissabon wieder auf den Einsatz von Erling Haaland und Marco Reus, der VfL Wolfsburg hat mit Spaniens Tabellenzweiten FC Sevilla wohl den dicksten Brocken vor der Brust. In der Europa League tritt Bayer Leverkusen bei Celtic Glasgow an, Eintracht Frankfurt bei Royal Antwerpen. Bei der Eintracht sollte nach sechs Remis in Folge in Pflichtspielen mal ein Sieg her, zumal es am Sonntag zu Bayern München geht. Union Berlin will nach dem verpatzten Start in Prag (1:3) die Conference League genießen und gegen Maccabi Haifa den ersten Gruppensieg feiern. Bei allen Spielen sei den Akteuren gesagt: Vergesst das gute Benehmen nicht!

Die Bayern sind auch im Basketball eine heiße Nummer

Meister Alba Berlin hat am Donnerstag die Ehre, die neue Saison der Basketball-Bundesliga (BBL) gegen die Telekom Baskets Bonn zu eröffnen. Es gibt einen Verein, der sieht diese Ehre nur als geliehen an. Die Bayern aus München wollen die Berliner, Meister in den letzten zwei Jahren, endlich wieder vom Thron stürzen. Dafür und vor allem für Erfolge in der Euroleague haben sie gewaltige Kraft(sprich Geld)anstrengungen unternommen. Eins ist sicher: Die Bayern sind auch im Basketball eine ganz heiße Nummer!

Es droht der BBL das Schicksal der Fußball-Bundesliga, die von den Bayern mit neun Titeln in Folge dominiert wird. Das schaffte im Basketball noch niemand, Bayer Leverkusen war in grauer Vorzeit ebenso siebenmal hintereinander Meister wie Alba Berlin von 1997 bis 2003. Danach brach die Ära von Brose Bamberg an, deren Siegesserie von 2010 bis 2017 nur von den Bayern unterbrochen wurde (2014), dann übernahmen die Bayern (2018+2019) sowie Alba Berlin (2020+2021) den Titelstab. Jetzt wollen die Bayern wieder jubeln. Ihren größten Fehler des Vorjahres haben sie durch neun Neuzugänge ausgeglichen, als nämlich die Qualität der deutschen Spieler für die Bundesliga nicht ausreichend war. Sechs Spieler mit deutschem Pass müssen im Kader stehen. Das Team der Bayern mit vielen Ausländern war auf die Euroleague ausgerichtet, wo den Münchnern der größte Erfolg des deutschen Basketballs gelang, als sie die Play-Offs erreichten und an dem Endturnier der Final Four schnupperten. Die Bayern haben sich inzwischen in die Euroleague eingekauft, sind festes Mitglied geworden und deshalb inzwischen eine der interessantesten Adressen im europäischen Basketball.

Dieses Ziel hatte der damalige Vereinsboss Uli Hoeneß verfolgt, als er Basketball bei den Bayern unter seine Fittiche genommen und auf Erfolg getrimmt hat. Sein Nachfolger tritt in die gleichen Fußstapfen, Bayern-Präsident Herbert Hainer versprach vor der Saison: „Wir werden in die Mannschaft weiter investieren, das war erst der erste Schritt auf dem Weg in die internationale Spitze.“ So nebenbei will man auf diesem Weg auch national an der Spitze stehen. Eine Kraftanstrengung ohnegleichen, denn rund 80 Pflichtspiele stehen in einer Saison auf dem Programm.

Herbert Hainer hat Wort gehalten, als Spielgestalter Baldwin und Center Reynolds weiterzogen, beide nicht immer in Bestform, wurde mit Shooting Guard Hillard und Center Hunter prominent ausgeglichen. Frühere NBA-Profis und Stars in Europa, die vor ein paar Jahren der Bundesliga der Bundesliga noch die kalte Schulter gezeigt hätten. Und für die Bundesliga holten die Münchner mit dem Distanzschützen Andreas Obst aus Ulm einen der begehrtesten Spieler in Deutschland. Beobachter urteilen einmütig: Die Bayern haben sich insgesamt klar verbessert. Weiter aufwärts gehen soll es mit dem Umzug in die neue SAP-Arena im September 2022, wenn dann 12.000 Zuschauer Platz haben. Trainer Andrea Trinchieri jubiliert deshalb: „Dann ist der Himmel die Grenze. Der FC Bayern kann ein sehr spezieller Klub für Basketball in Europa werden.“

Der Rest der 18 Vereine muss sich quasi mit dem begnügen, was übrig bleibt, aber im Basketball haben ja die europäischen Ligen einen Boom, da kommt nicht einmal der Fußball mit. Die Euroleague ist die Super League, die einige Vereinspräsidenten von strauchelnden Star-Klubs im Fußball gerne hätten, die Champions League ist darunter angesiedelt und dann wird noch im Europacup und Europe Cup gespielt. Eine Beschäftigung also für sechs weitere Bundesligisten (Alba spielt ebenfalls in der Euroleague), praktisch die Hälfte der Liga macht sich auf nach Europa. Gespielt wird in der BBL übrigens eine Punktrunde mit 34 Spieltagen, dann gehen die besten acht Teams in die Play-offs wo der Deutsche Meister in Best-of-five-Serien ermittelt wird. Zwei Mannschaften müssen absteigen, einziger Neuling ist Heidelberg, weil Leverkusen auf den Aufstieg verzichtet hat. Im Vorjahr waren noch die Riesen Ludwigsburg Nummer 1 der Vorrunde, das Finale gewann dann allerdings Alba mit 3:1 Siegen gegen die Bayern.

Auch im Basketball hofft man natürlich auf die Rückkehr der Zuschauer, die meisten Hallen können zu 50 Prozent ausgelastet werden, manche sogar mehr. Die Spieler zeigten sich als Impf-Vorbilder, bis auf einen einzigen Akteur sind alle Profis geimpft. Das verhinderte allerdings nicht, dass die Bayern vor kurzem ein Turnier absagen mussten, weil einige Spieler in Quarantäne mussten und zum erteilt erkrankt waren. Dennoch herrscht im deutschen Basketball Zuversicht, dass vor allem Alba Berlin, das den Abgang von Meistertrainer Reneser verkraften muss, und die Bayern für Aufmerksamkeit sorgen, zumal am Ende der Saison das Final Four der Euroleague ein Berlin stattfinden wird und im September 2022 auch die Europameisterschaft in Deutschland ausgetragen wird. Basketball-Fans können sich also auf eine interessante Saison freuen.

Elf Freunde gegen Messi und CR7

Es ist wieder das gewohnte Bild in der Fußball-Bundesliga, am 5. Spieltag steht der FC Bayern München an der Spitze der Tabelle. Dabei wollte die Konkurrenz doch den Weg zum zehnten Titel in Folge verbauen, dabei hoffte die Verfolger darauf, dass der Dauersieger Probleme mit dem Umbruch der Mannschaften haben könnte und das Geschehen mit einem neuen Trainer etwas holpriger werden könnte. Pech gehabt, das Gegenteil ist der Fall. Die Bayern spielen unter Julian Nagelsmann wie aus einem Guss, zeigen Torhunger und eine Gier, als würden sie um ihre erste Meisterschaft kämpfen und zeigen dabei eine neue Sicherheit in der Abwehr. Alaba und Boateng werden nicht vermisst, Upamecano, Süle und Hernandez räumen auf. Was ist da los?

Die Schwachstelle bei den Münchnern schien ein kleiner Kader mit Top-Leuten zu sein, Verletzungspech würde gleichzeitig zu Leistungseinbußen führen. Ausfälle gab es bereits genug, doch plötzlich werden unbekannte Nachwuchsleute zu Hoffnungsträgern. In erster Linie sei Jamal Musiala genannt, aber auch Josip Stanisic ließ Pavard vergessen und mit Marcel Sabitzer kam ein Helfer auf vielen Positionen. Flügelflitzer Coman musste sich einer Herzoperation unterziehen, fällt ein paar Wochen aus, macht nichts, andere trumpfen auf, vor allem Leroy Sane. Selbst Torjäger Robert Lewandowski kann vorzeiting zum Duschen gehen (vorher hat er noch mit dem 13. Heimtreffer in Serie einen neuen Rekord aufgestellt), dann trifft halt Maxim Choupo-Moting. Fortschritt statt Rückschritt.

Das wahre Erfolgsgeheimnis verriet aber Leon Goretzka bei seiner Vertragsverlängerung (bis 2026). Deshalb hatte er ebenso wie Partner Joshua Kimmich (2025) verlängert. „Diese Kombination aus Freundschaft und trotzdem der Fähigkeit, Titel zu gewinnen, die findet man, glaube ich, nirgendwo sonst in Euroopa“. Hatte man da richtig gehört? Die geldgierigen Ich-AGs im Profi-Fußball sind plötzlich beste Kumpel? Zieht wieder das alte Fußballer-Rezept „elf Freunde müsst ihr sein“? Gegen die Scheichs und Oligarchen, gegen Messi und CR7, also Cristiano Ronaldo, wollen die Bayern mit elf Freunden ankommen, na ja, eigentlich sind es ja mehr. Die Ergebnisse waren in der letzten Woche schon beachtlich: 4:1 in Leipzig, 3:0 in Barcelona, 7:0 gegen Bochum. Auch die Fachzeitung kicker zeigt sich beeindruckt: „Aus München rollt, sofern dramatische Unfälle ausbleiben, etwas Großes an“.

Die Konkurrenz staunt, muss ehrgeizig bleiben. Der VfL Wolfsburg verlor aber ausgerechnet gegen Ex-Trainer Glasner und seine neuen Frankfurter den ersten Punkt und wird nicht als Dauerrivale gerechnet. Nachdem Leipzig erst noch seine Form finden muss, bleibt nur die Borussia aus Dortmund. Dort wird daran gearbeitet, eine ähnliche Gier wie die Münchner zu entwickeln, die eigentlich bisher nur Erling Haaland vorlebt. Er bietet auch Lewandowski die Stirn (beide sieben Treffer) und ist mit elf Punkten (7 Tore, 4 Vorlagen) alleiniger Skorerkönig vor Lewandowski (7+0) und Wirtz (Leverkusen/3+4) mit je sieben Punkten. Die nächsten Aufgaben der Bayern heißen Fürth, Kiew und Frankfurt, die der Dortmunder Gladbach, Sporting Lissabon und Augsburg. Für beide gibt es wohl größere Hürden.

Fürth ist also der nächste Gegner der Bayern, Pech für den Neuling, weil jetzt nach Wolfsburg (0:2) der nächste Spitzenreiter kommt und die Fürther doch noch auf ihren ersten Heimsieg in der Bundesliga warten. Der Blick auf die Tabelle zeigt Seltsames, der einstige Abstiegskandidat Mainz ist Fünfter mit erst zwei Gegentreffern, dagegen Gladbach auf dem Relegationsplatz, gerade vor den beiden Aufsteigern. Da hatten Manager Max Eberl und der neue Trainer Adi Hütter andere Ambitionen. Die größten Sprünge machten am 5. Spieltag die Hertha (von 16 auf 9) und Augsburg (von 17 auf 11). Am Anfang der Saison sorgen Siege für optische Erholung. Beide zeigten Besonderes, bei der Hertha war Neuzugang Jurgen Ekkelenkamp der Held, der 87 Sekunden nach seiner Einwechslung die Wende gegen Fürth einleitete. Beim FCA wurde Florian Niederlechner gefeiert, der ebenfalls eingewechselt wurde in der 80. Minute den 1:0-Siegtreffer erzielte. Statistiker errechneten, dass dies der erste Schuss aufs Gladbacher Tor war! Das nennt man Effizienz. Die Augsburger haben die wenigsten Torchancen der Liga und die schlechteste Verwertung, aber mit zwei Treffern (beide Niederlechner) fünf Punkte geholt. Auch so könnte man die Klasse halten. Am Sonntag sind sie zudem ein besonderer Gast in Freiburg, dort feiern die Streich-Schützlinge nämlich den Abschied aus dem Dreisamstadion ehe der Verein ins neue Stadion zieht. Von einer neuen sportlichen Erfolgswelle träumen sie im bodenständigen Schwarzwald nicht, eher davon, dass es so weitergeht wie derzeit mit einem sicheren Platz in der Bundesliga.

Geld ist nicht alles in Paris

Auf Europas Bühne waren die Stimmungen bei den deutschen Klubs sehr unterschiedlich. Ein Zeichen setzten die Bayern mit ihrem 3:0-Erfolg in Barcelona, aber sie machten damit auch deutlich, dass die besten Zeiten von Barca ohne Messi und mit vielen Schulden wohl vorbei sind. Das Gegenteil erlebte Leipzig beim 3:6 bei Manchester City, aber selbst da lobte Pep Guardiola den Gegner noch. Dortmunds 2:1-Sieg bei Besiktas Istanbul war Pflichtaufgabe, Wolfsburg tat sich auf internationaler Bühne in Lille mit dem 0:0 unerwartet schwer.

Die Überraschungen lieferten andere, vor allem der Schweizer Meister Young Boys Bern mit dem 2:1-Erfolg über Manchester United. Das war eine Sensation und ein deutliches Zeichen, gegen einen reichen Klub, der aufgerüstet hat. Auch Paris St. Germain ist trotz Stars nicht im Tritt, das 1:1 bei Club Brügge war einerseits peinlich, zeigte andererseits den kleinen Klubs, dass sie gegen eine Ansammlung von Stars eine Chance haben. Hat Bayern (siehe oben) wirklich das bessere Konzept? Lionel Messi erlebt in Paris derzeit Freud und Leid, zumindest national bleibt der Verein auf der Erfolgswelle, Messi war aber sauer, weil ihn Trainer Pochettino am Wochenende vorzeitig vom Platz holte. In Brügge nutzte es nichts, dass Messi, Neymar und Mbappe erstmals gemeinsam aufliefen. Wenig Ertrag für viel Geld. Darüber freuen sich die Fußball-Fans außerhalb von Paris.

In den anderen Ligen konnte nur Leverkusen die Erwartungen erfüllen mit dem 2:1 über Ferencvaros Budapest, aber eine Glanzleistung war das nicht. Eintracht Frankfurt lieferte sich mit Fenerbahce Istanbul eine dramatische Partie, kam über ein 1:1 aber nicht hinaus. Bemerkenswert: Mehmet Özil hatte für Istanbul die Führung erzielt. Union Berlin musste in der Conference League Lehrgeld bezahlen und kassierte bei Slavia Prag eine 1:3-Niederlage. Insgesamt ist für die Bundesligisten also eine Steigerung drin. Weil es in diesem Jahr keine Hetzjagd wie zuletzt beim Höhepunkt der Corona-Pandemie gibt, dürfen sich in dieser Woche also auch die international tätigen Klubs ein bisschen ausruhen. Belastungssteuerung fällt da den Trainern leicht.

Arsen(e) – WM-Pläne sind Gift für den Fußball

Beim Sport-Grantler war schon öfters zu lesen „Geld regiert die Welt“. Jetzt ist wieder ein typisches Beispiel auf dem Markt, in dem Bestreben, mit dem Profi-Fußball möglichst noch mehr Geld zu verdienen. Dahinter steckt natürlich wieder FIFA-Präsident Gianni Infantino, der offensichtlich nichts anderes zu tun hat, als Pläne zu schmieden, wie Fußballwettbewerbe noch ausgeweitet werden können. Mehr Nationen bei der Weltmeisterschaft (ab 2026 Aufstockung von 32 auf 48), eine Klub-WM mit 24 Mannschaften über drei Wochen im Sommer und jetzt der Hammer: Eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre. Aus seiner Sicht ist es logisch: Mit der WM lässt sich gut verdienen, warum also nicht alle zwei Jahre den Reibach machen.

Es scheint, im Fußball gibt es ein Trio Infernale mit Infantino, Turins Präsident Agnelli und Real Madrids Baulöwen Perez. Infantino schürt weltweit mit seinen Plänen Unruhe, die Klub-Präsidenten wollen mit ihrer Idee der Super League dafür sorgen, dass die etablierten Klubs genug Gelder kassieren, um die eigene Misswirtschaft auszugleichen. Vernunft ist für sie ein Fremdwort, in ihren Augen ist es nur vernünftig, wenn der Rubel rollt. Sie denken an sich und ihre Vereine, aber nicht an die Spieler, nicht an die Basis mit den Amateuren und vor allem nicht an die Fans.

Unverständlich, dass ein renommierter Trainer wie der Franzose Arsene Wenger sich vor den Karren von Infantino spannen lässt. In einer Expertenrunde sind auch die deutschen Ex-Nationalspieler und angeblichen Experten Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann dabei. Mit Weitsicht haben sie noch nie geglänzt. Bei Arsen(e) Wenger ist der Name fast Programm: Die WM-Pläne sind Gift für den Fußball!

Der Widerstand formiert sich allerdings schon, vor allem in Europa, wo UEFA-Präsident Aleksander Ceferin sofort sein Veto eingelegt hat. Er sieht durch die WM-Pläne aber vor allem seine eigenen Turniere gefährdet, die Rechnung ist einfach: Verdient die FIFA mehr, verdient die UEFA weniger. So sieht es auch der Kontinentalverband in Südamerika, die CONMEBOL, die ebenfalls beim WM-Rhythmus von vier Jahren bleiben will und um eigene Einnahmen fürchtet. Ein schlichtes Gegenargument nennt Bayern-Trainer Jürgen Nagelsmann, der um die Bedeutung der WM fürchtet, wenn sie alle zwei Jahre stattfindet: „Willst du gelten, mach dich selten“, zitiert er ein Sprichwort. Das sollte sich auch Infantino zu Herzen nehmen, anstatt laufend mit haarsträubenden Plänen in die Öffentlichkeit zu drängen. Alle zwei Jahre ein Turnier, wohin will Infantino mit der Klub-WM? Oder sollen die Kontinentalturniere abgeschafft werden?

Bei Wengers Plänen sind auch Gedanken über einen völlig anderen Spielkalender im Jahr dabei, die zweifellos diskutiert werden können, aber für die Fans sicherlich keine Verbesserung bringen. Wenger möchte eine komprimierte internationale Abstellungsperiode einmal im Jahr über mehrere Wochen, am besten im Herbst. So wäre das Verletzungsrisiko im Frühjahr bei den entscheidenden Spielen der Meisterschaften durch Länderspiele nicht mehr gegeben, zudem würden etliche Flugkilometer gegenüber einem zerstückelten Länderspielkalender wegfallen. Qualifikationen sollten zudem mehr im Play-Off-Modus gespielt werden. Das hätte allerdings den Nachteil, dass die Nationalmannschaften mit ihren Länderspielen (eigentlich normal ein Highlight für die Fans) kaum mehr in Erscheinung treten und bis auf einige Wochen in der Versenkung verschwinden.

Eine WM alle zwei Jahre würde bedeuten, dass jedes Jahr ein großes Turnier stattfindet – einmal WM, einmal EM – und kaum mehr Zeit für die Qualifikationsrunden bleibt, die Höhepunkte im Fußballjahr für die kleinen Nationen darstellen. Die internationalen Wettbewerbe und Turniere der Frauen würden ebenfalls unter dem dichten Terminkalender leiden, sie würden noch mehr im Schatten der Männer darben. Zudem wird der Fußball noch mehr zur Konkurrenz für Olympische Spiele und allen anderen Sportarten, die heute schon weltweit unter der Dominanz des Fußballs leiden.

Vor allem die Fans sollten gegen Infantinos Pläne auf die Barrikaden gehen und dafür sorgen, dass es nur ein Ziel für die WM-Pläne geben kann: Ab in den Papierkorb. Lieber Arsen(e) Wenger, die WM-Pläne sind Gift für den Fußball.

Jetzt beginnt wieder der Tanz um das goldende Kalb

Nationalmannschaft und Bundesliga rücken in den Hintergrund, denn ab Dienstag, 14. September, ist im europäischen Fußball wieder Champions League angesagt. Es beginnt der Tanz um das goldene Kalb, ein paar Euro fallen darüber hinaus auch für die Europa League und die neue Europa Conference League ab. Im Mittelpunkt steht also nicht der Sport, sondern das Geld. Vor allem auch, weil die UEFA und ihr Präsident Ceferin über eine finanziell attraktive Champions League für die Vereine alle hochfliegenden Pläne für eine Super League oder eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre zum Platzen bringen wollen. Die Botschaft ist, Geld gibt es doch auch so genug, Spiele auch, mehr braucht man nicht. Nein, mehr geht auch nicht mehr.

Die Champions League (CL) hat sich bereits als Super League etabliert, weil nicht mehr nur die Meister vertreten sind und der Euro rollt. Wer gut wirtschaftet hat mit einer ständigen CL-Teilnahme ausgesorgt, es sei denn, er schmeißt das Geld zum Fenster raus wie der FC Barcelona. 2,032 Milliarden Euro schüttet die UEFA an die Teilnehmer aus, 15,25 Millionen erhält jeder der Vereine als Startgeld, 2,8 Millionen gibt es für einen Sieg in der Gruppenphase, noch 600.000 für ein Remis, in jeder K.o.-Runde werden Millionen ausgeschüttet, die Finalisten erhalten beide 15,5 Millionen, der Sieger dazu 4,5 Millionen. Allerdings kürzt die UEFA in diesem Jahr geringfügig, um die Kosten der Corona-Pandemie auszugleichen. Dennoch, der Geldsäckel der Erfolgreichen füllt sich.

Da müssen sich Europa League (EL) und die Europa Conference League (ECL) schon als Armenhaus fühlen. Das Startgeld in der EL beträgt nur 3,6 Millionen Euro, für einen Sieg in der Gruppenphase gibt es 630.000, die Finalisten können sich über 4,6 Millionen freuen, der Sieger noch zusätzlich über weitere vier Millionen. In der ECL gibt es immerhin noch 2,94 Millionen Startgeld, 500.000 für einen Sieg, die Finalisten kassieren drei Millionen und der Cup-Gewinner noch einmal zwei Millionen zusätzlich. Immerhin bis zu 15 Millionen sind maximal für einen Verein drin. Dennoch: Die Unterschiede zur CL bleiben gewaltig, was eben auch dazu führt, dass dortige Dauergäste national im Vorteil sind – wenn sie das Geld gut anlegen bzw. investieren.

Und damit zum Sport. Alle Vereine freuen sich, dass es wieder normale Runden gibt und die vor allem mit Fans, wenn auch die Auslastung der Stadien verschieden sein wird. Die Auslosung in der CL hatte fast schicksalshaften Zuschnitt, nachdem die Scheich-Klubs Paris und Manchester City in eine Gruppe gelost wurden. Die Scheichs aus Katar rüsteten fast schon unmoralisch auf, wenn auch die meisten der Stars ablösefrei kamen, aber natürlich alle einen Haufen Geld verdienen. Die Namen Donnarumma, Ramos, Hakimi, Wijnaldum und Messi sollten die Gegner nicht verschrecken, auch wenn noch Neymar und Mbappe dazukommen. Wird aus ihnen allen wirklich eine Mannschaft? Club Brügge ist der erste Gegner, Manchester City der größte Konkurrent in der Gruppe, die auch RB Leipzig erleiden muss. Alles andere als der CL-Sieg wäre eine Pleite für die Scheichs aus Katar ebenso wie für Trainer Mauricio Pochettino. Leipzig startet in Manchester, da gibt es leichtere Aufgaben, zumal RB in der Bundesliga noch nicht in Tritt gekommen ist.

Fast schicksalshaft auch das Los, das Bayern München und den FC Barcelona zusammenführt und das gleich am ersten Spieltag. In Erinnerung ist das Viertelfinale von 2020, als die Bayern auf dem Weg zum Triple Barca mit 8:2 demütigten. Jetzt hat sich einiges geändert, vor allem bei Barcelona, das als Schuldenklub Schlagzeilen machte und Vereinsidol Lionel Messi verlor. Hollands Torjäger Depay soll den Verlust ausgleichen. Barca musste zuletzt pausieren, weil Spieler aus Südamerika noch unterwegs waren, die Form ist fraglich und so seufzt auch Thomas Müller: „Ich kann Barcelona nicht einschätzen“. Zumindest die Bilanz ist für Bayern gut, in elf Spielen gewannen die Münchner siebenmal, dazu 2 Unentschieden und Niederlagen. Und Torjäger Robert Lewandowski (in Leipzig ausgewechselt), hat wieder trainiert. Gruppengegner sind außerdem Dynamo Kiew und Benfica Lissabon.

Leichtere Gruppen haben der VfL Wolfsburg (Lille, FC Sevilla, RB Salzburg) und Borussia Dortmund (Besiktas Istanbul, Sporting Lissabon, Ajax Amsterdam). Titelverteidiger Chelsea London startet ins neue Spieljahr gegen Zenit St. Petersburg. Für die deutschen Fans hat sich vor allem viel im Fernsehen viel geändert, Sky ist nicht mehr der TV-Sender, Hauptsender ist der Streamingdienst DAZN, dazu darf sich Amazon Prime ein Dienstagspiel exklusiv auswählen, das ist zum Start natürlich die Partie Barcelona – Bayern (bei DAZN in Konferenz), danach folgt zweimal Dortmund gegen Sporting und Ajax. Premiere im Free-TV, das ZDF sendet jeder CL-Mittwoch ab 23.00 Uhr eine Zusammenfassung aller Spiele. Das Finale steigt am 28. Mai in St. Petersburg.

Die Europa League wurde verkleinert, statt 48 Klubs spielen nur 32 in der Gruppenphase, eine Auswirkung der neuen ECL. Die Bundesliga vertreten Eintracht Frankfurt (am Donnerstag gegen Fenerbahce Istanbul, außerdem Olympkakos Piräus und Royal Antwerp) und Bayer Leverkusen (Donnerstag gegen Ferencvaros Budapest, außerdem Celtic Glasgow und Betis Sevilla). Gespielt wird um 18.45 Uhr und 21.00 Uhr). Die Fernsehrechte liegen bei RTL, das ausgewählte Spiele selbst übertragen wird, ansonsten viel bei Nitro und den Hauptteil im Streamingdienst TV Now. Neue Fernsehzeiten also in der neuen Saison.

RTL hat zur EL auch die TV-Rechte für die ECL, wo aus der Bundesliga Union Berlin als Siebter der Vorjahressaison mitmischt, nachdem die Qualifikation erfolgreich überstanden wurde. Slavia Prag (am Donnerstag), Feyenoord Rotterdam und Maccabi Haifa sind die Gruppengegner, das Ziel heißt Achtelfinale, für das sich die acht Gruppensieger direkt qualifizieren. Die Gruppenzweiten müssen in eine Play-Off-Runde mit den Gruppendritten aus der EL. Es darf bei der UEFA halt immer auch in bisschen kompliziert sein, damit viele bei Laune gehalten werden. Mit AS Rom und Tottenham Hotspur sind übrigens auch prominente Namen in der dritten Liga vertreten. Werden sie im Finale am 25. Mai in Tirana sein? (EL-Finale am 18. Mai in Sevilla)

Wolfsburg marschiert

Die Bundesliga hat einen Überraschungstabellenführer mit dem VfL Wolfsburg, der nach schwacher Vorbereitung unter dem neuen Trainer Mark van Bommel jetzt viermal siegte – als einziger Verein. Dies ist der beste Saisonstart aller Zeiten für die VW-Städter, bei denen der Trainer deshalb „Big Bommel“ heißt. Ihre ersten Saisonsiege feierten dagegen Gladbach und Hertha BSC Berlin. Auch Bayern München ist wieder in Tritt, wie das 4:1 in Leipzig beweist. Der Held des Spiels war der 18-jährige Jamal Musiala, der inzwischen im Talente-Ranking die Konkurrenten Wirtz (Leverkusen) und Bellingham (Dortmund) abgehängt hat. Dortmund lieferte sich in Leverkusen allerdings das Match der Woche beim 4:3-Sieg. Ein Ergebnis, das die Trainer allerdings nicht glücklich machte. Schon neun Gegentore sind Borussia-Coach Marco Rose zu viel.

Noch sieglos sind dagegen Schlusslicht Greuther Fürth, der FC Augsburg (17.), Frankfurt und Bielefeld. Gerade für Fürth gewinnt das Gastspiel bei der Hertha am Freitag an Bedeutung, Frankfurt steht beim Tabellenführer vor einer hohen Hürde, die Bilanzen gehen extrem auseinander. Auf einer Erfolgswelle reiten noch Mainz 05 (Vierter) und der SC Freiburg (Fünfter). Gerade in Mainz strahlen alle mit der Sonne um die Wette, vor einem Jahr stand der Verein am 6. Spieltag noch mit 0 Punkten da (!), galt bei Halbzeit mit sieben Zählern wie Schalke (ebenfalls 7) als Abstiegskandidat Nummer 1 und schaffte dann mit einem 3:2-Sieg gegen Leipzig die sensationelle Wende, die Mainz zum Schluss noch auf Platz 12 mit 39 Punkten führte. In dieser Zeit hat Mainz zum Beispiel mehr Punkte gesammelt als Leipzig!

Vergangenheit ist schon wieder die Nationalmannschaft, die mit einem 4:0-Erfolg auf Island die drei WM-Qualifikationsspiele wie gewünscht mit neun Punkten und der Tabellenführung abschloss. Bundestrainer Hansi Flick hat der Mannschaft neuen Stil und neuen Schwung verliehen, die Fans begeistert und einen Rückfall in alte Zeiten verhindert. Auch bei ihm war Jamal Musiala die große Entdeckung, aber auch ein Thilo Kehrer kehrte glanzvoll aus der Versenkung zurück. So wird sich die Fußball-Gemeinde auf die nächsten Aufgaben am 8. Oktober gegen Rumänien und am 11. Oktober in Nordmazedonien freuen. Wann hat es das zum letzten Mal gegeben!

Zuschauer-Geschenke für die „Kronprinzen“

Sport-Fans wissen, in Deutschland regiert „König Fußball“. Der ist schon mittendrin in der neuen Saison, die jetzt oder in den nächsten Tagen und Wochen auch für die „Kronprinzen“ beginnt. Bereits am Mittwoch und Donnerstag kehrt Handball in die Hallen zurück, am Donnerstag und Freitag zieht Eishockey nach, Basketball hat den Start auf den 23. September gelegt. Die Corona-Leidenszeit sollte hinter den Vereinen liegen, doch die Nachwirkungen sind noch spürbar. Angeblich hat die Pandemie die Ligen rund 200 Millionen Euro gekostet, schließlich fehlten die in diesen Sportarten überlebenswichtigen Zuschauer-Einnahmen. Doch jetzt gibt es Zuschauer-Geschenke für die „Kronprinzen“, die Fans dürfen wieder kommen, 5000 sind erlaubt plus 50 Prozent vom restlichen Fassungsvermögen. Handball-Meister THW Kiel will sogar vor 9000 Fans spielen. Die Corona-Pandemie ist zwar noch nicht vorbei, aber der Sport lebt wieder.

Es war in den letzten rund 18 Monaten ein reiner Überlebenskampf der Vereine, die nicht die Aufmerksamkeit des Fußballs genießen und kleinere Brötchen backen müssen. So war ein Gehaltsverzicht der Spieler gang und gebe, teils wurde die Saison abgekürzt oder sogar abgebrochen. Jetzt soll wieder der Normalfall eintreten, aber der Staat weiterhin finanzielle Hilfe leisten. 1,8 Millionen Euro standen jedem Verein in den Jahren 2020 und 2021 für entgangene Ticketeinnahmen zur Verfügung, der gesamte Fördertopf umfasst 400 Millionen. Deshalb fordert DEL-Chef Gernot Tripcke: „Die Förderung muss weitergehen, die Vereine gehen nach wie vor finanziell am Stock.“

Aber jetzt soll erst mal wieder gespielt werden, für die Akteure beginnt auch wieder der Stress, denn ob Handball, Basketball oder Eishockey – es gibt mit den internationalen Wettbewerben eine Terminhatz, die an die Grenze der Belastbarkeit der Spieler geht. Das könnte vor allem Auswirkungen auf die Bundesligen haben, denn meist hat die Champions League einen höheren Stellenwert.

Mannheim ist immer dabei

Doch erstes Ziel ist zunächst einmal die nationale Meisterschaft. Im Handball spricht alles wieder für eine schleswig-holsteinisches Duell zwischen Meister Kiel und Beinahe-Meister Flensburg-Handewitt. Nach einer neuen Regel galt im Vorjahr der direkte Vergleich und den hatte Kiel mit 29:21 bzw. 28:31 in den Duellen mit den punktgleichen Flensburgern für sich entschieden. Glücklich war man damit nicht, Kommando zurück, die Tordifferenz aus allen Spielen ist wieder entscheidend. Die beiden Kontrahenten wehren aber ab, dass sie den Titel allein unter sich ausmachen, vor allem die Füchse Berlin, der SC Magdeburg und die Rhein-Neckar Löwen aus Mannheim werden als Spielverderber genannt. Es soll auf jeden Fall wieder spannender zugehen als im Fußball.

Die Präsenz im Fernsehen wie der Fußball hätten die „Kronprinzen“ gerne, doch mit dem derzeitigen Angebot sind sie zufrieden, vor allem sind sie im Free-TV präsent. Handball wird total bei Sky übertragen, der Pay-TV-Sender überträgt immer am Donnerstag und Sonntag einzeln und in Konferenz. Ausgewählte Spiele gibt es dazu bei ARD und ZDF, die dritten Programme bieten dazu zwölf Live-Spiele an. Wenn dann noch die Nationalmannschaft für Werbung sorgt, sollte der Handball glücklich sein.

Das Eishockey hat unter Corona besonders gefröstelt, schließlich sind die Kosten besonders hoch. Kein Wunder, dass die DEL nach noch mehr Unterstützung fleht. Aber jetzt wird wieder gespielt und verkürzte Play-Offs gehören der Vergangenheit an. Ganz im Gegenteil, das Feld wurde sogar größer. Der vereinbarte Auf- und Abstieg mit der DEL 2 wurde nicht ganz umgesetzt, wegen der Pandemie gab es keinen Absteiger, aber der DEL 2 wollte man den Aufstieg nicht wegnehmen. Dabei gab es eine Überraschung, die Bietigheim Steelers aus der Nähe von Stuttgart, standen schon vor der Pleite, aber sie meisterten diese Hürde und holten sich schließlich noch die DEL-Lizenz. Bietigheim als kleinster Standort mit dem kleinsten Etat geht aber jetzt wirklich als Außenseiter ins Spieljahr und könnte gleich wieder der Absteiger sein. Ob es einen zweiten gibt, hängt vom Ausgang der zweiten Liga ab, dort hat Frankfurt ein Aufstiegsrecht, muss dafür aber Meister werden. Wenn nicht, gibt es eben nur einen Absteiger, auf jeden Fall soll das Teilnehmerfeld wieder auf 14 Vereine reduziert werden.

Sportlich beginnt die neue Saison mit einem Kracher, wenn sich die Eisbären Berlin und Red Bull München am Donnerstag gegenüberstehen. Beide zählen zu den heißen Favoriten, dazu kommen noch die Adler Mannheim (aufmerksame Leser werden feststellen, dass Mannheim bei Handball und Eishockey im erweiterten Favoritenkreis zu finden ist). Die Adler werden von den DEL-Trainer sogar als kommender Meister getippt. Im Vorjahr hatte die Truppe von Trainer Pavel Gross mit den verkürzten Play-Offs Probleme und schied gegen Wolfsburg vorzeitig aus. Der Weg für die Eisbären war frei, jetzt wollen die Adler wieder zupacken. Aber auch Münchens Trainer Don Jackson sieht sein Team als potenziellen Titel-Anwärter. Nächstes Jahr, wenn die neue Super-Halle in München für Basketball und Eishockey fertig ist, will Red Bull dann richtig angreifen.

Auf TV-Übertragungen müssen auch die Eishockey-Fans nicht verzichten. Der Streamingdienst MagentaSport überträgt alle Spiele live, außerdem ist Sport1 bei mindestens 40 Partien im Free-TV dabei. Das sollte Eishockey Aufwind geben und die „Kronprinzen“ können doch immer wieder aus dem Schatten von „König Fußball“ treten. Der wird aber auch die nächsten Jahre unbedrängt regieren, so viele Fehler können geldgierige Funktionäre gar nicht machen, auch wenn die Zuschauerzahlen (wohl pandemiebedingt) derzeit nicht den üblichen Umfang haben.

Flick-Fußball macht Appetit auf mehr

Liechtenstein? Was war noch mal in Liechtenstein? Vergessen wir das unansehnliche Spiel gegen den Fußball-Zwerg und die 2:0-Pflichtübung der unmotivierten Stars gegen die ehrgeizigen Amateure. Das war eine Erinnerung an den alten Löw-Fußball. Abgehakt, denn jetzt gibt es Flick-Fußball. Der zeigte sich am Sonntag beim 6:0 über den bisherigen Tabellenführer (!) der Gruppe J Armenien. Da stimmte das ganze Drumherum, die Mannschaft zauberte, begeisterte, schoss schöne Tore und das Publikum in Stuttgart war schier aus dem Häuschen. Wann hatte es dies zuletzt bei der Nationalmannschaft gegeben! Das macht Appetit auf mehr und am Mittwoch gegen Island sollte es in der WM-Qualifikation keinen Rückfall geben. So wollen wir die DFB-Auswahl immer sehen! Liechtenstein? Liechtenstein darf sich nicht wiederholen.

In den ersten Flick-Tagen drangen vom Training der Nationalmannschaft nur positive Nachrichten nach außen. Der neue Bundestrainer war begeistert, wie die Spieler mitzogen, wie sie die Vorgaben umsetzten und welche Fortschritte sie machten. Vor einem Rückfall in alte Gewohnheiten ist der Mensch nie gefeit, auch ein Fußball-Profi nicht. So bekamen die Fans das im Training gezeigte erst verspätet zu sehen, die Mannschaft hatte sich den neuen Schwung für die Heimpremiere aufgehoben. Plötzlich war vieles anders, schnell gespielt, trickreich, starkes Pressing – so wie es der Trainer will. Plötzlich spielte auch Leroy Sané anders als zuletzt, trickreich, einsatzfreudig und erfolgreich in der Defensivarbeit. Da pfeift ihn niemand mehr aus. Die weiteren Gewinner: Serge Gnabry, der wieder einmal seine Torjäger-Qualitäten zeigte, wie von Flick gefordert mit dem Mut zum Risiko. Oder Leon Goretzka, sein Spielwitz stellte Armenien vor Probleme. Die Bayern-Spieler dominierten, die DFB-Auswahl zeigte den Bayern-Fußball unter Flick. Das war ja auch die Hoffnung, dass Flick dies der Mannschaft als Bundestrainer implantieren könnte.

Der Trainer selbst bleibt vorsichtig, was die nächsten Spiele angeht, vor allem, wenn mal größere Kaliber anstehen. Am Mittwoch geht erst nach Island und alle begutachten: War das nur eine Eintagsfliege oder wirklich der neue Fußball? Wir werden sehen. Es gab auch weitere Gewinner, die ihre Leistung bestätigen müssen, wie Marco Reus zum Beispiel, der quasi als Müller-Ersatz der Lenker im Hintergrund war, oder Jonas Hofmann und Thilo Kehrer, die auf ungewohnten Außenverteidiger-Rollen ihren Mann standen. Und Hoffnung machen auch die Youngster, angefangen von Musiala über Wirtz bis zum glücklichen Torschützen Karim Adeyemi. Das ist die Zukunft. Der eine andere verliert da vielleicht den Anschluss, Ilkay Gündogan zum Beispiel, mit ihm verliert das Spiel an Tempo.

Deutschland überzeugte also ganz im Gegensatz zu anderen sogenannten großen Nationen, die noch das eine oder andere Problemchen haben. Spanien unterlag in Schweden, Frankreich spielte gegen Bosnien und Ukraine zweimal nur 1:1, das war auch das Ergebnis der Niederlande in Norwegen (Tor Haaland) beim Comeback von Louis van Gaal als Bondscoach. Italien spielte auch nur zweimal Remis gegen Bulgarien und die Schweiz, stellte aber dennoch einen neuen Weltrekord auf: 36 Pflichtspiele in Folge ungeschlagen. Damit ging Italien an Spanien und Brasilien (beide 35) vorbei.

Der Sport hat es in der Corona-Pandemie schwer, vor allem der Profi-Fußball tut manchmal so, als wenn es Covid-19 nicht gebe. So ignoriert auch die FIFA alle Beschränkungen, die einzelne Nationen ausgesprochen haben und will ihre WM-Qualifikation für 2022 durchziehen. Zu was das führen kann, zeigte sich in Brasilien. Dort wurde das Spiel gegen Argentinien nach wenigen Minuten abgebrochen, weil vier argentinische Spieler falsche Angaben zu ihren Reiseländern gemacht hatten. Sie spielen in England und hätten in Quarantäne gemusst. Das Gesundheitsamt reagierte mit Verspätung und holte sie vom Feld. Auch eine Frechheit, hier wollte wohl jemand Publicity haben, aber die Bestimmungen sind halt so. Da marschierte sogar die Polizei auf und nicht nur die Paris-Freunde Neymar und Messi schauten dumm aus der Wäsche. Blamiert sind der Verband Argentinien, die Spieler und die FIFA, vor allem ihr Boss Infantino.

Spitzenspiele in der Bundesliga

Die Nationalmannschaft hat begeistert, jetzt will auch die Bundesliga wieder begeistern und am 14. September beginnt die Champions League. Die Bundesliga meldet sich gleich mit Schlagerspielen zurück, nämlich mit den Duellen Leverkusen – Dortmund und Leipzig – Bayern am Samstag. Die Form der Teams ist nach der Länderspielpause immer mit einem Fragezeichen zu versehen: Wer hat die Reisestrapazen besser verkraftet und welche Ausfälle gibt es? Wer kommt gleich wieder in Schwung? Meister Bayern hat da oft Probleme, interessant ist aber die Rückkehr von gleich drei Ex-Leipzigern, nämlich Trainer Julian Nagelsmann, Abwehr-As Upamecano und Marcel Sabitzer, der aber vielleicht noch verletzt pausieren muss. Die nächsten schweren Aufgaben warten für beide Teams, Leipzig muss in der Champions League zu Manchester City, die Bayern zum FC Barcelona. RB-Trainer Jesse Marsch verspricht: „Gegen die Besten zu spielen, bedeutet Vollgas für uns.“

Vollgas soll künftig auch Pal Dardai mit Hertha BSC geben. Der Trainer bekam von Sportchef Freddi Bobic einen Rüffel nach seinem Lamentieren, jetzt müssen Punkte her, da gibt es beim Schlusslicht noch eine Fehlanzeige. Bobic hat versucht, das Team noch zu verstärken, so sind Siege in den nächsten beiden Spielen Pflicht, nämlich in Bochum und gegen Fürth. Alles andere würde Abstiegskampf pur bedeuten. An der Tabellenspitze will der VfL Wolfsburg seinen Platz an der Sonne verteidigen, es wäre aber eine der seltsamen Ergebnisse, die es im Sport immer gibt, wenn Wolfsburg ausgerechnet beim Neuling in Fürth verlieren würde, der in der Bundesliga noch keine einziges Heimspiel gewonnen hat!

Ruhe gibt es vorerst wenigstens an der Wechsel-Front, die Transferzeit ist (mit Ausnahmen) abgelaufen. Die Bundesliga bildete in Corona-Zeiten eine rühmliche Ausnahme, übte sich in Zurückhaltung und machte sogar einen Transfergewinn von 53 Millionen Euro. Vor allem die Premier League zeigte sich von Corona unbeeindruckt, finanzielle Probleme kennt man auf der Insel nicht, 1,572 Milliarden Euro gaben die Klubs für neue Spieler aus, verkauften für 1,34 Milliarden, was ein Minus von 232 Millionen bedeutet. Die Bundesliga also als Armenhaus, da kann wohl nur ein Scheich-Verein wie Paris mithalten, wobei aber Superstar Messi ablösefrei kam. Wenn Stars wie Messi und Cristiano Ronaldo die Fronten wechseln, braucht man sich über Geldbewegungen nicht wundern, es geht ja nicht nur um Ablösesummen. Teuer sind vor allem die Gehälter und die Provisionen für die Berater, die eher Abkassierer heißen sollten. Ab jetzt zählt aber erst einmal nur der Sport, es geht um Punkte, nicht um Geld. Die beste Währung ist guter Fußball, damit sich die Fans begeistern können.

Start in eine neue Ära der Nationalmannschaft

Egal ob Bundesliga-Schlagzeilen oder Transfer-Geschichten, im Mittelpunkt wird in dieser Fußball-Woche eine besonderer Start stehen: Mit Hansi Flick als Bundestrainer beginnt eine neue Ära der Nationalmannschaft. 15 Jahre Joachim Löw sind vorbei, die ja mit der Krönung des WM-Titels 2014 durchaus erfolgreich waren, doch zuletzt wurde nur noch das Ende der Jogi-Ära herbei gesehnt. Hansi Flick soll nicht alles, aber vieles besser machen und er muss vor allem die letzten Patzer seines Vorgängers ausbügeln, nämlich u. a. die peinliche Niederlage gegen Nordmazedonien, die Deutschland in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar auf Platz drei in der Gruppe J zurück warf.

Logisch, dass Flick mit einem Sieg-Versprechen sein Amt beginnt. Drei Spiele stehen ab Donnerstag in sieben Tagen an, drei Siege sind Pflicht. Der Auftakt am Donnerstag gegen Nobody und Schlusslicht Liechtenstein ( 0 Punkte, 1:10 Tore) ist mehr ein Aufwärmprogramm, dann folgt allerdings Tabellenführer Armenien (drei Siege) am Sonntag (20.45 Uhr) in Stuttgart und nicht zu unterschätzende Aufgabe am 8. September auf Island. „Wir wollen alle Spiele gewinnen“, verspricht der neue Bundestrainer, eigentlich muss er auch alle drei Spiele gewinnen, wenn die WM-Qualifikation nicht in Gefahr geraten soll.

Im Mittelpunkt seines ersten Aufgebotes stehen die drei Neulinge David Raum (Hoffenheim), Nico Schlotterbeck (Freiburg) und Karim Adeyemi (Salzburg). Vor allem der 19-jährige Mittelstürmer aus der österreichischen Liga überraschte wohl alle, aber er tat eins, was den deutschen Stürmern derzeit abgeht: Er glänzte mit Toren. Hansi Flick löste sein Versprechen ein, „ich schaue auf die aktuelle Form“. Ansonsten bekannte Gesichter, nur Toni Kroos ist zurücktreten, ter Stegen (Barcelona) und Ginter (Gladbach) fehlen verletzt. Vor allem gegen Liechtenstein könnte Flick mit Experimenten aufwarten, so bietet sich Ballkünstler Jamal Musiala gegen eine wohl massierte Abwehr an. Insgesamt steht Flick vor allem unter der Beobachtung, ob er wirklich neuen Schwung in den Laden bringt und die Fans begeistern kann. Die sollen auch wieder zahlreicher zur DFB-Elf pilgern, deshalb hat der Verband für Stuttgart auch Freikarten verteilt!

Die FIFA zeigt sich auch großzügig – den Verbänden gegenüber. Ignoriert werden die Belange der Vereine, aber auch die Coronasituation. Auf allen Kontinenten läuft die WM-Qualifikation, die Abstellungspflicht hat die FIFA um zwei Tage verlängert, was den Verbänden außerhalb Europas hilft, in Europa aber auf Kritik stößt, weil viele Spieler nicht rechtzeitig zu den Punktspielen ihrer Vereine zurück sind. Aber dort werden sie bezahlt! Dies ist dem Weltverband mit ihrem selbstherrlichen Präsidenten Gianni Infantino genauso egal wie das Corona-Problem. Quarantäne-Pflichten werden ignoriert, müssen die Klubs halt auf ihre Spieler warten. Andererseits hatte Infantino auch die Chupze, die Politik aufzufordern, dass der Fußball eine Ausnahme braucht. Die hat er bekanntlich zu den Finalspielen der Europameisterschaft in London bekommen, mit dem Ergebnis, dass die Infektionszahlen in die Höhe schnellten!

Pal Dardai schon in Not

Die Bundesliga gibt nach erst drei Spieltagen noch ein diffuses Bild ab, oben und unten tut sich Seltsames. Ein Tabellenführer VfL Wolfsburg noch ohne Punktverlust konnte ebenso wenig erwartet werden wie ein Schlusslicht Hertha BSC Berlin als einziger Verein ohne Punktgewinn. Wolfsburg wirkte unter dem neuen Trainer Mark van Bommel in der Vorbereitung orientierungslos, jetzt wird solide und erfolgreich gearbeitet. Bei Hertha stimmt dagegen gar nichts, da fehlt zum Teil der Einsatz, vor allem aber das Selbstvertrauen und der Trainer wirkt ratlos. Kein Wunder, dass Pal Dardai schon in der Kritik steht. Da wird sich vor allem der neue Sportdirektor Freddi Bobic Gedanken machen.

Dagegen kam Titelverteidiger Bayern München in Schwung, vor allem Torjäger Robert Lewandowski zeigt sich gleich wieder in Torlaune und so purzeln weiter die Rekorde. Beim 12:0 bei den Amateuren des Bremer SV im Pokal wurden die Stars geschont, eine Torflut gab es dennoch. Die Stammspieler machten gegen Hertha gleich weiter, Lewandowski war dreifacher Torschütze beim 5:0. Damit verbesserte er seine persönliche Bestleistung auf 13 Spiele in Folge mit einem Treffer und er jagt weiter Gerd Müller mit dem Rekord von 16 Toren. Die Zahl hat der Polen auch geschafft – in 16 Pflichtspielen hintereinander traf er für die Münchner. Insgesamt sind es jetzt 301 Tore in genau 333 Pflichtspielen, Gerd Müllers Bilanz weist 566 Tore in 607 Spielen auf. Lewandowski traf zudem in 12 Bundesliga-Heimspielen in Folge und stellte damit ebenfalls den Rekord von Gerd Müller und Jupp Heynckes ein. Das „zu Null“ gegen die Berliner war für Manuel Neuer wichtig, der Bayern-Boss Oliver Kahn damit den Rekord wegschnappte, nämlich mit 205 Spielen ohne Gegentor, bisher lagen beide mit 204 gleichauf. Beide Rekordjäger werden bei der nächsten Bundesliga-Prüfung aber vor größere Probleme gestellt, da geht es nämlich nach Leipzig. Der Verfolger hat inzwischen fast schon eine Filiale in München, zu Trainer Julian Nagelsmann und Abwehr-As Upamecano gesellt sich ziemlich sicher noch Marcel Sabitzer. Der Österreicher könnte auf einige Position helfen und Nagelsmann kennt ja seine Qualitäten zur Genüge.

Für eine „Torflut“ der besonderen Art sorgte der FC Augsburg, in den ersten 14 Minuten gab es gleich zwei Eigentore! Iago und Niederlechner agierten unglücklich, damit ebneten sie Bayer Leverkusen den Weg zum 4:1-Sieg. Florian Niederlechner hatte aber auch noch einen Glücksmoment, sein Treffer zum 1:2 war das erste Saisontor der Augsburger. Die Niederlage kommt freilich nicht überraschend, denn gegen Leverkusen konnte der FCA in seinen zehn Jahren Bundesliga in 21 Spielen noch nicht gewinnen! Mit einem mageren Pünktchen stehen die Schwaben im Tabellenkeller und nach der Länderspielpause geht es zu Union Berlin, das in den letzten 18 Heimspielen ungeschlagen blieb!. Aber Augsburg rüstet auf: Von Brighton & Hove Albion aus der Premier League kommt der 22-jährige Schweizer Stürmer Andi Zeqiri, der als treffsicher gilt und kürzlich Nationalspieler wurde. Mit Schweizer Spielern hat der FCA schon gute Erfahrungen gemacht. Dann kann es ja nur aufwärts gehen.

Red Bull gegen die Scheichs

Union Berlin hat sich auf Europas Bühne gut geschlagen und qualifizierte sich mit einem 4:0 und 0:0 gegen die Finnen von Kuopion für die Gruppenphase der Europa Conference League. Dort sind jetzt Slavia Prag, Maccabi Haifa und Feyenoord Rotterdam durchaus attraktive Gegner. Die haben auch Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen in der Europa League. Die Hessen treffen auf Fenerbahce Istanbul (mit Özil), Olympiakos Piräus und den Royal Antwerp FC. Da sollte ein Weiterkommen ebenso möglich sein wie für Leverkusen gegen Ferencvaros Budapest, Celtic Glasgow und Betis Sevilla. Aber auch hier attraktive Namen.

Im Mittelpunkt steht natürlich die Champions League und die Frage, wer zuerst die Superstars von Paris St. Germain prüfen darf oder besser muss. RB Leipzig hätte sicher gern darauf verzichtet, aber jetzt muss Red Bull Flügel verleihen gegen die Scheichs aus Katar, die Paris finanzieren und Messi nach Paris holten. Es war wirklich ein besonderes Los, dass sich Manchester City in dieser Gruppe befindet, mit Pep Guardiola (einst der Trainer von Messi) und finanziert durch Scheichs aus Dubai. Eine Hammergruppe also mit dem armen vierten Verein von Club Brügge.

Da hat es der VfL Wolfsburg schon besser erwischt gegen Lille, FC Sevilla und RB Salzburg. Auch Borussia Dortmund darf gegen die Gegner Sporting Lissabon, Ajax Amsterdam und Besiktas Istanbul von einem Weiterkommen träumen. Da hat es Meister Bayern etwas schwerer, aber gegen den FC Barcelona, Benfica Lissabon und Dynamo Kiew sollte dennoch die nächste Runde möglich sein. Schwer wird es für die Bayern auch im DFB-Pokal, da geht es Ende Oktober ausgerechnet wieder zum Angstgegner Gladbach.

International für Aufregung sorgte noch ein spektakulärer Vereinswechsel, nämlich der von Cristiano Ronaldo zu Manchester United. Der Star hat schon von 2003 bis 2009 für United gespielt, aber vorher mit dem Lokalrivalen City geflirtet. Doch zu Pep Guardiola hätte er wirklich nicht gepasst. Ein Anruf von United-Trainerlegende Sir Alex Ferguson soll ihn zum Umdenken bewogen haben. Juventus Turin schaut jetzt dumm aus der Wäsche und verlor gleich das erste Spiel nach dem Wechsel von CR7 gegen Empoli mit 0:1.

Bei der Wahl zum „Fußballer des Jahres“ in Europa waren Messi und Ronaldo kein Thema, dafür Champions-League-Sieger Chelsea London. Es siegte Jorginho vor Kevin de Bruyne (City) und seinem Vereinskollegen N’golo Kanté. Deutschland ging nicht leer aus, Thomas Tuchel wurde zum „Trainer des Jahres“ gewählt. Die Wahl bei den Frauen war eine Angelegenheit des CL-Siegers FC Barcelona, Alexia Putellas wurde beste Spielerin, ihr Coach Lluis Cortes bester Trainer. Leider können alle Ehrungen Barcelona nicht von der Schuldenlast befreien. Die Männer wären aber gerne wieder einmal so erfolgreich wie die Frauen.

Bayern-Frauen wollen die Nummer 1 werden

Der Frauen-Fußball in Deutschland hat schon bessere Zeiten erlebt, es gab erfolgreiche Jahre und da wurde von einer glorreichen Zukunft geträumt. Doch die blieb aus, zuletzt stagnierte der Frauen-Fußball in punkto Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Die glorreiche Zeiten sind vorbei. Doch mit dem Start der Bundesliga in die neue Saison am kommenden Wochenende ist auch wieder ein Paket Hoffnung dabei. Die Fußball-Frauen haben sich zum Ziel gesetzt, international wieder an der Spitze mitzumischen. Das gilt nicht nur für die Nationalmannschaft, Vorreiter ist vor allem der FC Bayern München, der national als auch international die Nummer 1 werden möchte.

Diese Aufgabe ist nicht leicht, vor allem international nicht. Besonders in England genießt der Frauen-Fußball einen weitaus größeren Stellenwert als in Deutschland, wie bei den Männern auch, so geben die Spitzenvereine weitaus mehr Geld aus und genießen in der Öffentlichkeit mehr Anerkennung. Bezeichnend: Für die Europameisterschaft 2022 in England wurden bereits jetzt 140.000 Tickets verkauft. Aufbruchstimmung aber auch in Spanien, Vorbild ist da der FC Barcelona, der überraschend die Champions League gewann und die französische Herrschaft der letzten Jahre durch Lyon und Paris beendet hat. Es tut sich also was und Deutschland will nicht abgehängt werden. Siegfried Dietrich, der „Mister Frauen-Fußball“ in Deutschland und Sportdirektor von Eintracht Frankfurt sieht „den Frauen-Fußball auf dem Weg in ein neues Zeitalter, sowohl national als auch international“.

Ein neues Zeitalter wollen auf jeden Fall die Frauen des FC Bayern München einläuten. Zwar haben sich einige Stammkräfte verabschiedet, vor allem hat Simone Laudehr ihre Karriere beendet, aber die Frauen-Abteilung wird vom Gesamtverein unterstützt und kann beachtliche Neuzugänge vorweisen. International Schlagzeilen machte vor allem die Verpflichtung von Saki Kumagai, die zuletzt Kopf der erfolgreichen Mannschaft von Olympique Lyon war. Die 30-jährige Japanerin ist in Deutschland keine Unbekannte, sie spielte von 2011 bis 2013 in Frankfurt und schoss am 17. Juli 2011 in Frankfurt ihre Mannschaft Japan zum WW-Titel, als sie im Elfmeterschießen gegen Hope Solo und die USA den Ball ins linke obere Toreck verwandelte. Kumagai soll der jungen Mannschaft mit ihrer internationalen Erfahrung Halt geben und hat sich bewusst für die Bayern entschieden und auf mehr Geld verzichtet: „München hat war vor, das hat mich ebenso begeistert wie die Stadt.“ Erstaunlich, dass die Bayern reichere Vereine ausgestochen haben, so auch bei der Verpflichtung der schwedischen Nationalspielerin Sofia Jakobsson, die von Real Madrid kommt. Wie stark die Mannschaft scheinbar ist, zeigten in der Vorbereitung Siege über Frankreichs Spitzenteams Lyon und Paris.

In der Bundesliga zeichnet sich ein Duell um die Krone zwischen Titelverteidiger Bayern und dem entthronten VfL Wolfsburg ab. Die Wölfinnen mussten auch einige Abgänge verkraften, haben dafür aber Nationalspielerin Turid Knaak (Atletico Madrid) und Hollands Mittelfeldstar Jill Roord (Arsenal London) an Bord geholt. Neu ist auch Trainer Tommy Stroot, zuletzt bei Twente Enschede, mit 32 Jahren der jüngste Trainer der Bundesliga. Er soll an die erfolgreiche Ära mit sechs Titeln in acht Jahren anknüpfen. Die Bayern unterbrachen die Siegesserie 2015 und 2016 und wollen jetzt ihrerseits eine starten.

Die Frauen-Bundesliga hat allerdings das Problem, dass die anderen Klubs mit den Spitzenvereinen nicht mithalten können. Aber es gibt Hoffnung, die TSG Hoffenheim hat sich als dritte Kraft bewiesen, Eintracht Frankfurt und Turbine Potsdam wollen ebenfalls oben angreifen. Der dritte Platz ist attraktiv als Eintrittskarte für die Champions League. Mit dabei sind außerdem Bayer Leverkusen, SC Freiburg, die SGS Essen, Werder Bremen, SC Sand, Carl Zeiss Jena und der 1. FC Köln. Insgesamt findet die Frauen-Bundesliga sicherlich mehr Beachtung, weil die Fernsehpräsenz merklich gesteigert werden konnte. Magenta Sport überträgt ab sofort alle Spiele, Eurosport an jedem Spieltag eine Begegnung im Free-TV und auch die ARD-Sportschau will sich vermehrt einschalten. Da sollten auch die Zuschauerzahlen in den Stadien wieder steigen, die zuletzt von 1185 im Schnitt 2013/14 auf 833 im Jahr 2018/19 zurückgingen.

Auch international gibt es Bemühungen, den Frauen-Fußball zu stärken, so gibt es ab sofort mehr Geld und Spiele in der Champions League, das Gesamtbudget wurde gleich von 6 auf 24 Millionen Euro gesteigert. Neu eingeführt wurden auch Gruppenspiele, bisher ging es sofort mit einer K.o.-Phase los. Gesetzt ist Meister Bayern München, Hoffenheim hat die ersten Runden der Qualifikation erfolgreich überstanden und startet jetzt genauso wie Wolfsburg in die Play-Offs. Der Streamingdienst DAZN wird alle Spiele live übertragen. Viele positive Nachrichten also. Die Gruppenphase beginnt am 5./6. Oktober, das Endspiel steigt am 22. Mai 2022 in Turin.

Vorher wird natürlich auch die Nationalmannschaft wieder aktiv, die am 18. September in Cottbus gegen Bulgarien in die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2023 startet. Bisher gab es ja das Phänomen, dass die Nationalmannschaft gute Einschaltquoten im Fernsehen erzielt hat, was aber nicht auf die Bundesliga abfärbte. Mit guten Leistungen und einer Rückkehr zur Weltspitze will auch die DFB-Auswahl dazu beitragen, dass der Frauen-Fußball in Deutschland endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient.

Verliert die Bundesliga international den Anschluss?

Die Fußball-Bundesliga ist gerade erst in ihre neue Saison gestartet, da türmen sich über ihr bereits dunkle Wolken auf. Wir stehen vor einer vielleicht entscheidenden Woche im europäischen Fußball und am Ende könnte das Ergebnis sein, dass der Bundesliga Gefahr läuft, den Anschluss im internationalen Wettbewerb zu verlieren! Es geht dabei natürlich um das Geld.

Die Schlagzeilen waren in den letzten Wochen ja schlimm genug, einmal sorgte der Schuldenberg beim FC Barcelona für Kopfschütteln, zum anderen aber auch die Einkaufswut beim Katar-Klub Paris St. Germain mit der Verpflichtung von Lionel Messi als Höhepunkt. Am Donnerstag wird die neue Runde der Champions League (CL) ausgelost und da wird sich zeigen, welche Klubs zuerst die Ehre haben, dem Star-Ensemble auf den Zahn zu fühlen. Am Rande der Auslosungen der CL sowie der Europa League und Europa Conference League geht es aber bei der UEFA vor allem um die Zukunft der Königsklasse. Angeblich will Europas Dachverband bei der CL-Reform ab 2024 das angedachte Privileg von zwei Startplätzen für in der Vergangenheit erfolgreiche Klubs wieder streichen, dafür aber soll ein neues Finanzkontrollsystem geschaffen werden, weil sich das bisherige Financial Fair Play (FFP) nicht als besonders wirksam erwiesen hat. Allerdings auch deshalb, weil die UEFA nicht hart genug durchgegriffen hat. Sonst hätten nich Klubs in Italien und Spanien so viele Schulden angehäuft.

Dafür soll es künftig eine Luxussteuer für den geben, der gegen die Bestimmungen verstößt und den finanziellen Rahmen nicht einhält. Allerdings soll die Grenze wegfallen für Gelder von Investoren, „die neuen Ideen sehen unlimitierte Gesamtkosten vor, solange sie durch Investorengelder gedeckt sind“, schreibt der kicker. Das bedeutet nichts anderes, als eine Liberalisierung der Investorengelder, deshalb schlägt die DFL Alarm, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga würde dies massiv schwächen, heißt es. Klar, da die vernünftige 50+1-Regel, dort keine Grenze für die Millionen von Scheichs oder russischen Oligarchen. Das sind dunkle Wolken der Unvernunft, die der Bundesliga zu schaffen machen würden.

Aktuell geht es bei der Auslosung der Champions League erst einmal darum, die Weichen für die neue Saison zu stellen, die am 14. September beginnt. Die vier Bundesligisten sind auf die vier Töpfe verteilt, wobei sich im zweiten Topf sogar die prominenteren Namen befinden. Topf 1 gehört den Meistern der stärksten Ligen zusammen mit Titelverteidiger Chelsea London und dem FC Villarreal als Sieger der Europa League. Neben Bayern München sind dies Manchester City, Atletico Madrid, Inter Mailand, OSC Lille und Benfica Lissabon. In Topf 2 befinden sich aber neben Borussia Dortmund noch Real Madrid, FC Barcelona, Paris St. Germain, Juventus Turin, Manchester United, FC Liverpool und der FC Sevilla. In Topf 3 ist RB Leipzig eingruppiert, in Topf 4 der VfL Wolfsburg. Da warten also dicke Brocken. Ausgelost werden auch die Europa League (mit Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen) sowie die Europa Conference League, für die sich Union Berlin noch qualifizieren muss, aber nach dem 4:0-Sieg bei Kuopion (Finnland) dürfte das nur Formsache sein.

Im Rahmen der Auslosung werden auch die Besten Europas geehrt. Bis auf eine Ausnahme sucht man deutsche Namen vergeblich. Die Ausnahme ist Thomas Tuchel, der mit Chelsea die CL gewann und neben Pep Guardiola (ManCity) und Italiens Nationalcoach Robert Mancini zum Kreis der besten Drei für den „Trainer des Jahres“ gehört. Bei den Fußballern sind dies Kevin de Bruyne (ManCity) sowie Jorginho und Kante (beide Chelsea). Titelverteidiger Robert Lewandowski kam in der Vorauswahl nur auf Platz fünf (hinter Messi), Erling Haaland wurde Zehnter. Bei den Fußballerinnen gibt CL-Sieger FC Barcelona allein den Ton an, Jennifer Hermoso, Alexia Pustellas und Lieke Martens machen die Siegerin unter sich aus.

Um den internationalen Fußball geht es national ebenfalls am Donnerstag, die Aufmerksamkeit wird vielleicht sogar noch größer sein. Der neue Bundestrainer Hansi Flick gibt nämlich sein erstes Aufgebot für seine drei ersten Länderspiele Anfang September bekannt. Er war natürlich schon im Vorfeld im Gespräch und hat betont, dass für ihn allein die aktuelle Leistung zählt. Dennoch wird es sicherlich Überraschungen geben. Er kann auswählen, außer Toni Kroos hat kein Stammspieler einen Rücktritt vollzogen. Ilkay Gündogan hat zum Beispiel ganz im Gegenteil betont, dass er mit der Nationalmannschaft noch viel vorhabe.

Bleiben wir beim nationalen Fußball. Dort ist es interessant genug, in der Bundesliga geht es zum Saison-Start drunter und drüber, weil vor allem einige Spitzenklubs noch nicht in Form sind bzw. nicht konstant genug. Dortmund als strahlender Auftaktsieger musste zwei Nackenschläge hinnehmen mit den Niederlagen im Supercup gegen die Bayern und überraschend mit 1:2 in Freiburg. „Ich habe diese Schwierigkeiten nach der mangelhaften Vorbereitung erwartet“, schwächt Sportchef Michael Zorc ab, aber eigentlich gilt das für alle Spitzenvereine.

Die Bayern haben sich im Supercup zusammengerissen, schließlich ging es um einen Titel, der erste für Trainer Julian Nagelsmann und sein erster mit den Bayern. Dem folgte sein erster Sieg in der Bundesliga gegen Köln, aber das 3:2 glich einer Achterbahnfahrt. Matchwinner waren Doppeltorschütze Serge Gnabry und Jarmal Musiala, der zur Halbzeit für den enttäuschenden Sane aufs Feld kam und Torjäger Robert Lewandowski zu einer persönlichen Rekordmarke verhalf, er traf jetzt zwölfmal in Folge für die Bayern, das schaffte er 2012/13 auch für Borussia Dortmund. Den Bundesliga-Rekord hält aber Gerd Müller mit 16 Toren in der Saison 1969/70. An den verstorbenen Torjäger wurde vor dem Spiel erinnert, er stellte ja viele Rekorde auf und Uli Hoeneß betonte, Gerd Müller hätte maßgeblich zur Erfindung des Bayern-Mottos „mia san mia“ beigetragen. Die Bayern stellten dennoch einen neuen Rekord auf, sie erzielten im 74. Pflichtspiel in Folge einen Treffer. Bester Verein bisher von den Spitzenligen in Europa war Real Madrid mit 73 Spielen. Das letzte Spiel, in dem die Bayern nicht trafen, war am 9. Februar 2020 beim 0:0 gegen RB Leipzig, dort war damals Julian Nagelsmann Trainer. Jetzt darf er einen Rekord feiern, will aber vor allem Titel hamstern.

Ein Blick auf die Tabelle überrascht, macht aber das Drunter und Drüber deutlich. Sputzenreiter ist der VfL Wolfsburg als einziger Klub mit zwei Siegen, aber das 1:0 gegen Bochum und 2:1 bei Hertha riss keinen von den Sitzen. So spielt kein Meister. Die Nagelprobe folgt am Sonntag gegen den RB Leipzig. Schlusslicht ist aber die Hertha, die wiederum als einziger Verein ganz ohne Punkte blieb. Das hat sich Trainer Pal Dardai ganz anders vorgestellt. Leichter wird es nicht, am Samstag geht es zu den Bayern nach München. Die werden unter der Woche wohl kaum viel Kraft lassen, wenn sie am Mittwoch zum Pokal-Nachholspiel beim Fünftligisten Bremer SV antreten müssen. Der Gegner wird jedoch auf jeden Fall feiern!

Gefeiert wurde auch auf den Rängen, allerdings war nur die Hälfte der Stadien trotz reduzierter Zulassungszahlen ausverkauft. Die Begeisterung für den Fußball ist noch nicht zurück, andererseits meiden wohl viele aus Angst vor Corona die Stadien, zudem ist für viele (vor allem die Ultras) die geliebte Stadion-Atmosphäre noch nicht gegeben, sie warten ab. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Entwickeln müssen sich auch noch einige Teams, da werden wir in den nächsten Tagen bis zum Ende der Transferfrist am 31. August noch einige Überraschungen erleben. Auch der FC Bayern denkt wieder über Verstärkungen nach, doch eine wichtige Unterschrift hat er bereits: Joshua Kimmich hat seinen Vertrag vorzeitig bis 2025 verlängert (bisher 2023), er gilt als der Kapitän der Zukunft und könnte einem Kollegen als Vorbild dienen, auch Leon Goretzka steht angeblich kurz vor einer Vertragsverlängerung. Bayern will also Gegenwart und Zukunft meistern.