Im Wechsel-Theater des Fußballs ist alles geboten
von knospepeter
Es wird zwar auch Fußball gespielt, im Mittelpunkt stehen im Sommer aber die Spielerwechsel, geht es doch auch für die Fans hier um die Zukunft ihres Vereins. Wird gut eingekauft? Was kann man für die neue Saison erwarten? Muss man sich Sorgen machen? Im Wechsel-Theater des Fußballs ist aber buchstäblich alles geboten, da wird gepokert, geht es einerseits lustig zu, andererseits macht mancher Abgang die Fans auch traurig. Manche Gespräche muten wie eine Schmierenkomödie an, mancher Wechsel schlägt wiederum ein wie eine Bombe. Kein richtiges Theater kann so viel Abwechslung bieten.
Das Ende des Wechsel-Theaters ist noch lange nicht in Sicht, ganz im Gegenteil, Höhepunkte werden zum Schluss im letzten Akt erwartet, besonders turbulent ist immer der letzte Tag. Manche Manager pokern bis zu letzten Minute, manche verzocken sich aber auch dabei oder schicken das Fax, das gibt es auch heute noch, nicht rechtzeitig weg. Manchmal zählt wirklich jede Minute. Es ist noch zu früh, eine Zwischenbilanz zu ziehen, aber viele Vereine sind schon fündig geworden und machen Hoffnung, andere wiederum müssen noch fleißig suchen, um eine einigermaßen konkurrenzfähige Mannschaft an den Start zu bringen. Gut dran ist, wer auf einen starken Kader zurückgreifen kann.
Zur Komödie werden aber auch viele Äußerungen der Spieler, die oft wie aus einem Lehrbuch „Wie erkläre ich meinen Wechsel“ wirken. So wiederholen sich immer wieder die Feststellungen zum neuen Verein, dass „dies ein toller Verein sei und viel vorhabe und ich möchte ein Teil davon sein“. Kaum zu glauben, wie oft die Spieler gerade zu „ihrem Wunschverein“ wechseln und „ein Traum in Erfüllung geht“. Sind die Äußerungen nicht vergessen oder man sieht mehrere Jahre zurück, hat es diese Feststellung schon einmal gegeben. Es gibt viele „Traumvereine“!
Jeder Verein sucht aber Verstärkungen. Die Bild am Sonntag hat eine Geldrangliste aufgestellt, welcher Bundesligist wie viel Geld ausgeben will. Spitzenreiter ist auch hier Bayern München, das mit 150 Millionen Euro taxiert wird, wenn denn Harry Kane aus Tottenham kommt. Doch das ist ein Wechsel, bei dem vielleicht bis zum letzten Tag gepokert wird. Viel tut sich bei RB Leipzig, das Nkunku (Chelsea, 60 Millionen Euro), Szoboszlai (Liverpool (70 Mill.), Laimer (Bayern, ablösefrei) und wahrscheinlich Gvardiol (Manchester City) ersetzen muss. Da sind 119 Millionen als Ausgabe zu verschmerzen, bisher sind u. a. Sesko, Seiwald (beide Salzburg) und Baumgartner (Hoffenheim) da, doch das reicht nicht. Dritter ist Leverkusen (100 Millionen), wo einiges noch in der Schwebe ist, Arthur (Brasilien) und Grimaldo (Benfica) wurden aber frühzeitig verpflichtet, mit der Verpflichtung von Jonas Hofmann (Gladbach) und Xhaka (Arsenal) gelang ihnen ein Coup. Die Abgänge von Diaby, Frimpong und Tah sind aber möglich, bringen Geld, bedeuten aber eine Schwächung. Schlusslichter der Rangliste sind Werder Bremen (0 – kann das wirklich sein?) und die Neulinge Darmstadt (3) und Heidenheim (4). Na ja, die Zahlen sind Spielerei, sie sollen das Wechsel-Theater unterhaltsam machen.
Fakten sind natürlich besser. Die hat Bayern München schon mal geschaffen, unabhängig von der Akte Kane. In der Abwehr wird sich entscheidendes tun, Lucas Hernandez wechselt endgültig zu Paris St. Germain, Bayern kassiert 45 Millionen und kauft dafür das „Monster“ Min-Jae Kim für 50 Millionen vom SSC Neapel. Zusammen mit dem 1,89 m großen Matthijs de Light soll der 1,90 m große Südkoreaner eine „Monster-Abwehr“ bilden. Der Fall Pavard ist noch ungeklärt, der Franzose möchte weg, Bayern ihn nicht unbedingt gehen lassen. Der Vertrag läuft 2024 aus. Auf der rechten Seite soll sich noch was tun, ob aber wirklich Kyle Walker von Manchester City kommt? Er könnte die Bayern als Druckmittel für eine Vertragsverlängerung bei City nutzen. Den besten Verkauf hat Borussia Dortmund mit Jude Bellingham gemacht, der für 103 Millionen Euro zu Real Madrid geht. So ein Geschäft haben die Bayern noch nie gemacht. selbst Torjäger Robert Lewandowski ging für 45 MIllionen zum FC Barcelona, die größte Summe wurde 2017 für Douglas Costa erzielt, für den Juventus Turin 48 Millionen zahlte.
England ohne Gegentor
Was die Spielerwechsel angeht, so hoffen Vereine und Spieler auf die perfekte Saison. Ein perfektes Turnier spielten jetzt die Junioren der U21 von England. Sie setzten sich im Finale der Europameisterschaft in Georgien und Rumänien im Endspiel gegen Spanien mit 1:0 durch und beendeten das Turnier ohne ein einziges Gegentor! Das lag vor allem auch am überragenden Torhüter James Trafford, der Held im spannenden Schlussakt war (was für ein Theater!): In der 9. Minute (!) der Nachspielzeit gab es Elfmeter für Spanien nach Videostudium. Trafford hielt aber den Schuss von Torjäger Ruiz und auch den Nachschuss! England war nach 39 Jahren erstmals wieder Europameister! Trafford war natürlich überglücklich („Ich habe als Kind schon geträumt, im Tor von England zu stehen“) und nimmt in seiner Karriere einen Umweg: Von Manchester City wechselt er für 20 Millionen Euro zu Aufsteiger FC Burnley, um mehr Spielpraxis zu erhalten (auch ein Grund für Wechsel, der sich oft nicht erfüllt). City soll sich ein Rückkaufrecht gesichert haben.
Frauen mit Problemen vor der WM
Am 20. Juli beginnt die Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland, am 24. Juli, also in zwei Wochen, steht das erste deutsche Spiel gegen Marokko an. Das DFB-Team tritt am Dienstag die Reise von Frankfurt nach Sydney aber mit einem Paket an Problemen an. In der Vorbereitung klappte nicht viel, von einer Euphoriewelle wie vor einem Jahr bei der EM in England ist man weit entfernt und dazu gibt es Verletzungssorgen. Seit November gab es in sieben Spielen nur drei Siege (2:1 in den USA, 1:0 in den Niederlanden, 2:1 gegen Vietnam), aber auch drei Niederlagen, nach dem 1:2 und den USA und 1:2 gegen Brasilien jetzt 2:3 gegen Sambia zum am Abschluss der Vorbereitung. Vor allem die schnelle Stürmerin Barbra Banda, die einen zu hohen Testaronspiegel aufweist und wohl eher ein Stürmer ist, lief den deutschen Spielerinnen davon und deckte die eklatanten Schwächen in der Abwehr auf. Probleme, die an die A-Nationalmannschaft der Männer erinnern.
Dazu kamen Verletzungen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Verteidigerin Carolin Simon fällt mit einem Kreuzbandriss ganz aus, Lena Oberdorf (muskuläre Probleme) und Marina Hegering (Fußprellung) müssen pausieren, fliegen aber mit. Die Münchnerinnen Linda Dallmann und Giulia Gwinn fallen sowieso aus. Seltsam ist, dass Deutschland mit acht Spielerinnen von Vizemeister VfL Wolfsburg begann, davon die komplette (fehlerhafte) Abwehr. Von Meister Bayern starteten nur Lina Magull und Klara Bühl. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg wagte ein letztes Experiment mit Flügelflitzerin Svenja Huth als Rechtsverteidigerin. Da wird noch nach der richtigen Lösung noch gesucht. Die Trainerin nach dem 2:3 ernüchtert: „Es fehlt Frische, es fehlt Durchschlagskraft.“ Die Spielerinnen selbst bleiben optimistisch: „Wir spielen um den Titel mit“ ist das allgemeine Motto. Das hat man aber auch von den Männern vor den letzten Turnier-Pleiten gehört. Im Gegensatz zum Männer-Team bäumten sich die Frauen gegen die Niederlage auf, glichen gegen Sambia zum 2:2 auf, ließen in der 12. Minute der Nachspielzeit aber doch noch den entscheidenden Konter zu.
Martina Voss-Tecklenburg hat am Samstag die 23 WM-Fahrerinnen nominiert, wobei Chantal Hagel (Wolfsburg) für Simon auf den WM-Flieger sprang, Janina Minge (Freiburg) fliegt zusätzlich mit, falls durch Verletzung eine Nominierungsänderung notwendig wird.