Start der Saison 2023/24: Die beste zweite Liga der Welt!
von knospepeter
Wer die Auftaktpartie anschaut, denkt an die Fußball-Bundesliga: Hamburger SV – Schalke 04. Es ist aber nur die 2. Bundesliga, aber die hat es in sich. Mit Blick auf die Prominenz der Vereine und was die Zuschauerzahlen angeht, da gibt es zum Start der Saison 2023/24 am Freitag nur eine Meinung: Deutschland hat die beste zweite Liga der Welt!
Ein paar Fakten zur Prominenz. Unter den neun KLubs, die seit 1903 die Deutsche Meisterschaft im Rahmen des DFB am häufigsten gewannen, sind vier aktuelle Zweitligisten: Hinter Rekordsieger Bayern München (33) ist der 1. FC Nürnberg (neunmal Meister) die Nummer 2, nach Borussia Dortmund (8) folgen Schalke 04 (7) und der Hamburger SV (6), der 1. FC Kaiserslautern holte vier Titel. Auch bei den meisten Vereinsmitgliedern spielt die 2. Bundesliga an der Spitze mit. Nur die Bayern (300.000) und Dortmund (177.000) stehen vor Schalke (174.000), der Hamburger SV (95.000) folgt auf Rang sieben, Hertha BSC Berlin (46.000) auf Rang elf. Auch St. Pauli, Nürnberg, Düsseldorf, Kaiserslautern und Rostock sind unter ersten zwanzig Klubs mit den meisten Mitgliedern zu finden. Und auf den Zuschauerschnitt von 22.271 aus der letzten Saison schauen alle zweiten Ligen der Welt mit Neid. Keiner hat mehr.
Bei allen schönen Zahlen, wollen die meisten Vereine dennoch die beste zweite Liga der Welt verlassen, weil es im Oberhaus einfach mehr zu Verdienen gibt und die Zugkraft natürlich noch einmal viel größer ist. Gerade die sogenannten Traditionsklubs wollen nach oben, die Bundesliga-Absteiger Schalke und Hertha hoffen auf den sofortigen Wiederaufstieg, der Hamburger SV steckt voller Sehnsucht, dass die Rückkehr in die Belle Etage im sechsten Anlauf endlich gelingen möge. Die Bundesliga würde alle drei mit offenen Armen aufnehmen, die neuen Nobodys Heidenheim und Darmstadt verderben ihnen ein bisschen das Geschäft. Der Zuschauerschnitt im Oberhaus wird sinken, der im Unterhaus noch mehr steigen.
Es ist seit ein paar Jahren gute Sitte, dass die 2. Bundesliga einen Frühstart in die neue Saison hinlegt und damit ein Alleinstellungsmerkmal auskosten kann. Zwei Spieltage sind es diesmal, bevor der DFB-Pokal ansteht und am 18. August auch die Bundesliga startet, wobei dort die Auftaktpartie Werder Bremen – Bayern München keineswegs attraktiver ist.
Wer aber darf sich wirklich Hoffnung auf den Aufstieg machen? Die meisten Experten nennen Schalke 04, das anders als vor zwei Jahren nicht geschwächt daher kommt, sondern eine starke Mannschaft präsentiert mit treuen Fans als Rückhalt. Da sieht es bei Hertha BSC ganz anders aus, trotz Millionensummen von Geldgebern geriet der Verein aus den Fugen, versucht jetzt die Rückkehr mit jungen Spielern, unter ihnen gleich drei Söhne von Trainer Pal Dardai. Aber Favoriten sind andere. Der Hamburger SV zum Beispiel, der unbedingt nach oben will, aber mit dem Handicap von zahlreichen Verletzungen startet. So werden beim Start die Abwehr-Asse Schonlau und Mikelbrencis sowie Mittelfeldmotor Reis fehlen, das werden Neuzugang Immanuel Pharai als neuer Hoffnungsträger und der Uwe-Seeler-Enkel Levin Öztunali nicht ausgleichen können. Dazu kommt ein Hammerprogramm zum Start, nach dem Auftakt gegen Schalke geht es nach Karlsruhe (für einige ein Geheimfavorit mit Rückkehrer Lars Stindl), dann kommt die Hertha und es folgt das Duell in Hannover. Ist dann schon alle Hoffnung dahin?
Besonders tragisch wäre es für den HSV, wenn der Hamburger Rivale St. Pauli den ersehnten Aufstieg wegschnappen würde. Auch Hannover hat aufgerüstet und Düsseldorf wird stark eingeschätzt. Konkurrenz ist also vorhanden. Am Tabellenende werden eher die Neulinge Elversberg und Wehen-Wiesbaden erwartet, vor allem das kleine Städtchen Elversberg aus dem Saarland mit gerade mal 13.000 Einwohnern und einem Stadion fast ohne Parkplätze kommt sich vor wie im Traum, will sich aber nach zwei Aufstiegen in Folge nun den Traum vom Klassenerhalt erfüllen. Aber wie immer, jede Saison lebt auch von Überraschungen.
Der erste Spieltag: Hamburg – Schalke (Fr), Kaiserslautern – St. Pauli, Hannover – Elversberg, Osnabrück – Karlsruhe, Wiesbaden – Magdeburg, Düsseldorf – Hertha (alle Sa), Fürth – Paderborn, Rostock – Nürnberg, Braunschweig – Kiel (alle So).
Bayern in der Torhüter-Falle
Die 2. Bundesliga startet die Punktrunde, in der 1. Bundesliga werden die Testspiele immer prominenter. Auf Werbetour gingen am Montag die beiden besten Mannschaften, Borussia Dortmund zieht es in die USA, Meister Bayern macht Asien seine Aufwartung. Ziel ist nicht nur die Promotion für den Klub, sondern auch Werbung für die Liga. Beide Teams duellieren sich mit der Premier League, Dortmund trifft nach dem heimischen Zweitligisten San Diego Loyal auf Manchester United und Chelsea London, die Bayern treffen ihren ehemaligen Trainer Pep Gurardiola mit Manchester City am Mittwoch in Tokio, treten dort auch gegen Kawasaki an und treffen dann in Singapur auf Jürgen Klopp und den FC Liverpool.
ln Asien nicht dabei sein werden Torhüter Alexander Nübel, der zum VfB Stuttgart ausgeliehen wird, und Marcel Sabitzer, der nach Dortmund wechselt. So gibt es einen Ringtausch, der sich für beide Vereine lohnt. Dortmund gab Guerreiro ab, derzeit verletzt, den die Bayern für die linke Seite brauchen, dafür lassen die Bayern Sabitzer gehen, weil das Mittelfeld gut besetzt ist, Dortmund dort aber nach dem Abgang von Bellingham und Dahoud Verstärkung benötigt. Wer ist am Ende besser dran? Die Bayern befinden sich aber in der Torhüter-Falle, denn auch Yann Sommer will nicht den Ersatzmann für Manuel Neuer spielen. Der verletzte Torhüter ist zwar optimistisch, was seine Genesung angeht, aber zum Saisonstart dürfte er fehlen. Welcher gute Keeper setzt sich aber auf die Bank. So bleibt nur der ewige Ersatzmann Sven Ulreich.
Auch die Frage Harry Kane köchelt weiter, kommt er oder kommt er nicht. Neueste Entwicklung: Der Besitzer der Tottenham Hotspur drängt angeblich auf einen Verkauf und Kanes Ehefrau soll sich München angesehen und geprüft haben, ob es ihr da gefällt. Die Bayern haben also weiterhin Hoffnung auf die dringend notwendige hochkarätige Verstärkung.
Marokko ein dankbarer Gegner
Die befürchteten Kantersiege blieben bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen bisher aus. Ganz im Gegenteil, die Neulinge verkauften sich gut und brachten die Favoriten ins Schwitzen. Jamaika 0:0 gegen Frankreich, Nigeria 0:0 gegen Kanada, Haiti nur 0:1 gegen England, Südafrika unglücklich 1:2 gegen Schweden und Neuseeland feierte seinen ersten WM-Sieg überhaupt mit 1:0 gegen Norwegen. Das könnte also noch interessant werden. Keine Probleme hatte allerdings die deutsche Mannschaft bei ihrem Auftakt, das 6:0 gegen Neuling Marokko war das bisher höchste Resultat bei dieser WM. Allerdings machten es die Afrikanerinnen den DFB-Mädchen leicht, kämpften zwar tapfer, streuten aber viele Fehler in Abwehr und bei Pässen ein. Dennoch wirkte die deutsche Abwehr manchmal unsicher. Besser lief es in der Offensive, wo Alexandra Popp gleich mit den ersten zwei Treffern ihren großen Wert für die Mannschaft bestätigte. Wehe, wenn sie verletzt ausfällt! Das deutsche Spiel lief gefällig vor allem über die agile Klara Bühl und Svenja Huth auf der linken Seite, die gegen einen dankbaren Gegner in der Defensive kaum gefordert wurde.
Die deutsche Mannschaft hat ansehnliche Ansätze gezeigt und ist gut aus den Startlöchern gekommen, doch eine Aussage zur Form lässt sich noch nicht treffen, es kommen andere Kaliber. Schon am Sonntag gegen Kolumbien sollten allerdings die verletzten Marina Hegering und Lena Oberdorf wieder mit von der Partie sein und für mehr Sicherheit sorgen.
Die WM startete nicht nur mit positiven Schlagzeilen. Vor dem Eröffnungsspiel wurde Neuseeland geschockt, als es in Auckland in unmittelbarer Nähe der Fan-Zone und Quartiere der beteiligten Mannschaften eine Schießerei mit mehreren Toten gab. Das war für Neuseeland noch nicht alles, das Team musste auch aus seinem Hotel flüchten, nachdem ein Brand entdeckt wurde. Andere Probleme hatte die Niederlande, der versprochene gute Trainingsplatz erwies sich als ramponierter Acker weil hier laufend Cricket gespielt wird. Trainer Andries Jonker war sauer und klagte die FIFA an: „Eine Spitzenveranstaltung mit dann amateurhaften Bedingungen, das darf nicht passieren.“ Immerhin ließ sich die Niederlande nicht aus dem Konzept bringen und besiegte Portugal mit 1:0.