Vor dem Bundesliga-Start: Bayern nach Kane-Rausch mit Olmo-Kater
von knospepeter
Die Fußball-Fans wurden in den letzten Tagen mit Schlagzeilen gefüttert, es gab Turbulenzen überall. Dabei geht es am kommenden Freitag erst richtig los, mit der Partie Werder Bremen gegen Titelverteidiger Bayern München beginnt die neue Bundesliga-Saison. Es ist ein Duell der Enttäuschten. Werder verlor im Pokal, Bayern verpasste den Supercup. Ruhiger wird es in den nächsten Wochen nicht, weil die Wechselfrist erst am 1. September endet und bei einigen Vereine stehen Ab- und Zugänge noch auf der Todo-Liste. Im Mittelpunkt natürlich wieder die Bayern, die aber Rätsel aufgeben. Nach dem Kane-Rausch wachten sie mit einem Olmo-Kater auf. Es gab dazu das erste Pokal-Wochenende, das gleich mit einer Pleite für drei Bundesligisten endete (neben Werder auch Bochum und Augsburg). Die Ungewissheit ist groß.
Zuerst zu den Bayern. Jetzt hat es also mit dem Wechsel von Torjäger Harry Kane von den Tottenham Hot Spur zu den Münchnern doch noch geklappt. 100 Millionen Euro Ablösesumme (plus Boni, plus 100 Millionen für den Spieler in vier Jahren), sind ein Rekord für die Bundesliga. Der bisher titellose Engländer wollte gleich nach Ankunft mit den Bayern seinen ersten Pokal gewinnen, doch RB Leipzig hatte etwas dagegen. Der Star auf dem Rasen war der Spanier Dani Olmo, der mit drei Treffern die Gastgeber düpierte und dem Pokalsieger nun auch den Supercup sicherte. Die Sachsen sind titelhungrig geworden und träumen nun auch von der Meisterschaft. Damit stehen sie nicht allein. Die Bayern aber blieben seit Februar 2020 in der Allianz-Arena erstmals wieder ohne Treffer. Damals gab es ein 0:0 gegen – RB Leipzig!
Und schon wird gelästert, dass die Bayern jetzt dem Kane-Fluch erliegen werden, also „koan Titel“. In der Tat wirkt sogar Trainer Thomas Tuchel ratlos: „Die letzten Spiele waren gut, das Training hervorragend und jetzt ein Rückfall in die letzte Saison.“ Die Künstler am Ball verkraften offenbar wichtige Spiele nicht. Schwächen vorn, da soll Kane helfen, Schwächen in der Abwehr, deshalb will Tuchel unbedingt noch einen Abräumer für das Mittelfeld. Des Rätsels Lösung: Verteidiger Benjamin Pavard wird zum Interessenten Manchester United verkauft, dafür kommt ein echter Sechser und Joshua Kimmich muss wieder die ungeliebte Rolle als rechter Außenverteidiger spielen. Abschreiben sollte man den Dauer-Meister nicht, er peilt natürlich den zwölften Titel in Folge an, der DFB-Pokal soll auch mal wieder her und Kane soll helfen, in der Champions League wieder eine gute Rolle zu spielen mit dem Henkelpott als Trophäe – irgendwann in den nächsten Jahren. Kane hilft auch der Bundesliga für die internationale Reputation. Da erwartet uns hoffentlich ein interessantes Spieljahr.
Der Kampf um den Titel
Selten waren die Rollen in der Bundesliga allerdings so klar verteilt wie vor der Saison 2023/24, aber Langeweile sollte es nicht geben und Überraschungen sind bekanntlich immer dabei. In die Phalanx der besten vier Teams sollte sich allerdings niemand einmischen können, die Plätze in der Champions League scheinen an die Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen vergeben. In welcher Reihenfolge? Auffallend, die Konkurrenz kuscht nicht, will die Münchner vom Thron stürzen. Dortmund war bekanntlich nah dran, Nervenschwäche soll der Vergangenheit angehören, die Borussia strotzt vor Selbstbewusstsein, sinnbildlich mit Kämpfer Emre Can als Kapitän für den eher zurückhaltenden Marco Reus. Leipzig hat zwar viele prominente Abgänge, scheint aber bei den Neuen ein gutes Händchen gehabt zu haben und wenn Olmo sich nicht verletzt, sondern in Form ist, dann könnte er der Star der Saison werden. Bei Leverkusen ging es unter Xabi Alonso aufwärts, nun hat man sich gezielt verstärkt und will wieder oben mitmischen.
Der Kampf um Europa
Der Höhenflug der Außenseiter ist wohl beendet, vor allem Union Berlin kann nicht ewig jedes Jahr in der Tabelle klettern. Von Platz elf im ersten Bundesliga-Jahr ging es über Rang sieben und fünf mit Platz vier sogar in die Champions League. Jetzt muss ein kleiner Rückschritt einkalkuliert werden, aber im Kampf um Europa League und notfalls Conference League sind die Berliner dabei. Das gilt auch für den SC Freiburg, bei dem die größte Frage ist, ob Talent Noah Atubolu im Tor der gleiche Rückhalt sein kann wie es Mark Flekken war. International will natürlich auch Eintracht Frankfurt wieder mit von der Partie sein und dahinter hofft auch der VfL Wolfsburg auf ein Zusatzgeschäft. Welche Mannschaft aus dem Mittelfeld nach vorn stoßen kann, muss sich zeigen.
Im Mittelfeld, mit Blick nach oben, aber wenig Sorgen nach unten, tummeln sich Mainz 05, Mönchengladbach, Hoffenheim und der 1. FC Köln. Oft hängt es davon ab, wie der Einstieg in die Saison gelingt.
Die 40-Punkte-Fraktion
Weiter unten geht es nur um ein Ziel: Die 40 Punkte sollen erreicht werden, davon sprechen sogar Union und Freiburg. 40 Punkte galten früher als das Soll für den Klassenerhalt, doch das ist schon lange nicht mehr so. Im Vorjahr reichten dem FC Augsburg 34 Punkte um der Relegation zu entgehen. Stuttgart hatte 33 und bestand die zusätzliche Prüfung. Augsburg träumt indes von einer sorgenfreien Saison, doch das Pokal-Aus ist schon wieder ein Dämpfer. Und es gibt ein schlechtes Omen: Sky-Experte Didi Hamann tippte bisher immer den FCA als Absteiger, diesmal nicht. Skeptiker sagen, im 13. Jahr erwischt es jetzt die Augsburger, die vor allem unter einer schwachen Abwehr leiden. Optimistischer dürfen da wohl Stuttgart und Bremen sein, aber eine sorgenfreie Saison ist keineswegs sicher.
Erste Abstiegskandidaten sind immer die Aufsteiger, in dem Jahr besonders, weil Darmstadt und Heidenheim große Aufstiegs-Überraschungen gewesen sind. Bei Neuling Heidenheim, dem 57. Klub in der 60-jährigen Geschichte, gesteht Trainer Frank Schmidt: „Das ist eine neue Dimension für uns.“ Für den Klub aus der Kleinstadt spricht die Ruhe im Verein, er wird sich nicht unterkriegen lassen. Schmidt verspricht auch: „Wir haben gegen jeden Gegner, auch gegen die Bayern, das Ziel drei Punkte.“ Heidenheim könnte also eine Frischzellenkur für die Bundesliga werden. Damit könnten sie den Schmerz der Liga über das Fehlen der Publikumsmagneten Schalke, Hertha und seit Jahren der HSV lindern.
Die Basis für eine gute Saison ist meist ein guter Start. Eröffnet wird wie gesagt am Freitag mit Bremen gegen Bayern, früher ein Duell auf Augenhöhe, heute sind die Münchner enteilt. Das absolute Schlagerspiel gibt es am Samstag zwischen Bayer Leverkusen und RB Leipzig. Wer profiliert sich als Bayern-Jäger? RB muss zeigen, dass der Sieg im Supercup keine Eintagsfliege war. Wegweisend sind besonders noch die Duelle zwischen Augsburg und Gladbach sowie Stuttgart und Bochum. Wer verliert, steht sofort unter Druck. Übrigens gibt es nur drei Spieltage, dann steht schon wieder eine Länderspielpause an. Dann werden wohl die ersten Wunden geleckt!
Neuer Weltmeister bei den Frauen
Die Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland befindet sich auf der Zielgeraden, am Sonntag um 12 Uhr MESZ steht das Finale an. Das Halbfinale bestreiten am Dienstag (10 Uhr) Spanien und Schweden sowie am Mittwoch (12 Uhr) Australien und England. Damit steht fest, dass es nach den USA, Deutschland, Norwegen und Japan einen neuen Weltmeister gibt. Das Niveau des Turniers war beachtlich, die Stimmung vor allem in Australien fast berauschend. Die besten Teams befinden sich auf Augenhöhe, da geben Kleinigkeiten den Ausschlag. Zwei Spiele des Viertelfinals gingen in die Verlängerung, eins sogar ins Elfmeterschießen mit 20 Elfmetern (!) und die anderen Spiele endeten 2:1. Eng wird es also bleiben, allerdings gilt die Partie Australien – England als vorgezogenes Endspiel. Spanien ist gegen Schweden Favorit, aber die kopfballstarken Skandinavierinnen sind die Überraschung schlechthin. Deutschland konnte da leider nur neidvoll zuschauen.