Leverkusen mausert sich zum Titelanwärter Nummer 1
von knospepeter
Furios ist die Fußball-Bundesliga in die neue Saison gestartet – und hat am zweiten Spieltag keineswegs nachgelassen. Nach dem VfB Stuttgart gibt es den zweiten Überraschungs-Tabellenführer, diesmal ist es Union Berlin, das ein Quintett von fünf Mannschaften mit sechs Punkten anführt und bei gleicher Tordifferenz mit den Bayern vorn ist, weil Union ein Tor mehr geschossen hat. Aber die überzeugendste Mannschaft der ersten Spieltage war zweifellos Bayer Leverkusen, ein Sieg über den Mitkonkurrenten Leipzig und eine beeindruckende Leistung beim 3:0 in Gladbach machen Bayer inzwischen zum Titelanwärter Nummer 1. Da ist vor allem Trainer Xabi Alonso, der die Mannschaft in Schwung gebracht hat, und dazu kommt die wohl beste Einkaufsbilanz dieses Sommers. Punktgenau wurde das Team verstärkt und der Abgang von Flügelflitzer Diaby mehr als kompensiert. Grimaldo (Benfica) als Linksverteidiger, Xhaka (Arsenal) im Mittelfeld, Hofmann (Gladbach) und vor allem Boniface (St. Gilloise) im Angriff – jeder ein Gewinn. Leverkusen übernahm auf jeden Fall die Rolle von Borussia Dortmund als die Mannschaft, die Bayern München vom Thron stürzen kann.
Die Münchner selbst starteten solide, aber keineswegs beeindruckend in die neue Saison. Der große Einkauf der Bayern lohnte sich, denn 100-Millionen-Mann Harry Kane war an vier der sieben Treffer direkt beteiligt. Er trat sogar beim Elfmeter in die Fußstapfen von Lewandowski, obwohl es doch heißt, dass Engländer keine Elfmeter schießen können. „I Kane“ sagte Harry und traf. Beim 3:1 gegen Augsburg wurden die Bayern nur wenig gefordert, Thomas Müller gestand „im Training geht es schärfer zur Sache“. Die schweren Aufgaben folgen: Am Samstag das „Topspiel“ bei Gladbach (Im Vorjahr hieß es 3:2 und 1:1 aus Borussia-Sicht!) und nach der Länderspielpause der Knüller gegen Bayer Leverkusen.
Ohne Punktverlust blieben neben Union, Bayern und Bayer auch Wolfsburg und Freiburg. Vor allem bei den Wölfen macht ein Stürmer viel Wind, der Däne Jonas Wind traf bereits (wie Kevin Behrens von Union) vier Mal. Freiburg hat wohl einen Nachfolger für Nils Petersen, denn Rückkehrer Maximilian Philipp traf gegen Werder als Joker entscheidend in der 96. Minute. Petersen war bekanntlich der Joker-König der Bundesliga. Borussia Dortmund wiederum musste einen Rückschlag hinnehmen. Galt gegen Köln noch „schlecht gespielt, aber gewonnen“, so klappte dies im Ruhr-Derby nicht mehr. Bochum raubte wie im Vorjahr einen Zähler und Trainer Thomas Letsch konnte seinen 55. Geburtstag ausgiebig feiern. Dortmund hadert dagegen.
Oben fünf ohne Punktverlust, am Ende der Tabelle vier Teams ohne Punktgewinn. Mit dabei Köln und Bremen als Schlusslicht, die beide ein schweres Auftaktprogramm hatten. Mit dabei auch die beiden Aufsteiger, die zunächst einmal Lehrgeld bezahlen müssen. Heidenheim fühlte sich schon in der Bundesliga angekommen, führte mit 2:0 gegen Hoffenheim, aber dann kam mit dem Gegentreffer in der 77. Minute der Einbruch und die 2:3-Niederlage. Nichts war es mit großen Sause bei der Premiere im eigenen Stadion. Vor der Länderspielpause hängen die Punkte hoch, Heidenheim muss nach Dortmund, Darmstadt nach Leverkusen. Die Bundesliga ist hart. Wichtige Spiele folgen aber auch für Teams mit Punktgewinnen. Wer hat in der Pause eher Ruhe? Augsburg und Bochum duellieren sich (im Vorjahr 1:0 und 3:2 für Bochum), auch bei Bremen – Mainz geht es um den ersten Sieg.
In dieser Woche geht es aber nicht nur um Punkte, sondern auch um die letzten Entscheidungen rund um die Teams, denn die Wechselfrist endet am Freitag. Auch Meister Bayern ist mit seinem Kader noch nicht fertig, Pavard drängt nach wie vor auf einen Wechsel zu Inter Mailand, Tuchel auf einen echten Sechser und dabei ist jetzt vor allem der Nigerianer Wilfred Ndidl von Leicester City im Visier. Beide kennen und schätzen sich. Ein Sechser wäre Tuchel wichtiger als ein Pavard-Ersatz, da hat er jetzt auch Leimer getestet. Hoffnung: Manuel Neuer trainierte erstmals wieder, zusammen mit dem neuen Schlussmann Daniel Peretz. Eintracht Frankfurt muss gleich um zwei Spieler bangen. Paris will Torjäger Randal Kolo Muani noch loseisen und Lindström der Verein Richtung Italien verlassen, Neapel soll Interesse zeigen. Auch Stuttgart könnte es noch weh tun, wenn Torjäger Guirassy den Verein verlässt.
Es wird gewählt und gelost
Aber nicht nur die Spielerwechsel stehen im Mittelpunkt, der Donnerstag, 31. August, wird auch ein wichtiger Tag im europäischen Fußball. Im Rahmen der Auslosung der UEFA-Wettbewerbe werden auch Europas Spielerin und Spieler sowie die Trainerin und Trainer des Jahres geehrt. Bei den Männern stehen nach einer Vorauswahl Lionel Messi (Miami), Erling Haaland und Kevin de Bruyne (beide Manchester City) zur Debatte, bei den Trainern sind es Pep Guardiola (City), Simone Inzaghi (Inter Mailand) und Luciano Spalletti (Neapel). Bei den Fußballerinnen haben es gleich zwei Weltmeisterinnen in die Endauswahl geschafft, nämlich die Spanierinnen Aitana und Olga, sowie die Australierin Sam Kerr, die in England spielt. Auf der Shortlist der Trainer stehen Sarina Wiegman (England), Jorge Vida (Spanien) und Jonatan Giraldez (Barcelona). Deutsche Kandidaten sucht mal vergebens.
Bei den Auslosungen wird vor allem Union Berlin voller Stolz vertreten sein und mit Spannung auf die ersten Gegner in der Champions League warten. Zwei dicken Brocken aus den Töpfen eins und zwei sind zu erwarten. Nur die Bayern sind in Topf eins vertreten, auch Borussia Dortmund und RB Leipzig müssen mit prominenten Gegnern rechnen. Der SC Freiburg und Bayer Leverkusen sind in den Lostöpfen für die Europa League dabei, Eintracht Frankfurt will in der Conference League vertreten sein, muss dafür aber Lewski Sofia nach dem 1:1 im Hinspiel in den Play-Offs noch schlagen.
Am Donnerstag will übrigens auch Bundestrainer Hansi Flick sein erstes Aufgebot der Nationalmannschaft nach der Sommerpause nominieren. Mit den Testspielen gegen Japan am 9. und Frankreich am 12. September soll die Experimentierphase beendet sein, man darf als gespannt sein, welche Hinweise Flick auf echte EM-Kandidaten gibt. Im Hinblick auf die Europameisterschaft 2024 in Deutschland soll bei diesen Spielen auch die Stimmung im Land wieder pro Nationalteam gedreht werden.
Überschattet werden alle Ehrungen und Auslosungen von dem Kuss-Skandal um Spaniens Verbandschef Luis Rubiales, der bei der WM-Siegerehrung die Spielerin Jenny Hermoso nicht nur geherzt, sondern auf den Mund geküsst hatte, die das als „ekelhaft“ bezeichnete. Rubialas wird in aller Welt kritisiert und die deutsche Spielerin Svenja Huth machte die Position des DFB-Teams klar: „Solch ein Verhalten ist nicht akzeptabel, noch untragbarer ist es, das herunterzuspielen und die Spielerin unter Druck zu setzen.“ ZDF-Expertin Kathrin Lehmann wurde noch deutlicher: „Hermoso hätte ihm eine knallen sollen.“ Der Verband gab Hermoso die Schuld an dem Eklat! Deutlich wurde auch Ex-Nationalspieler und Idol Andres Iniesta: „Das Verhalten war unmöglich, Rubialas klammert sich an sein Amt, dabei beschmutzt er das Ansehen Spaniens und des spanischen Fußballs in aller Welt.“ Die FIFA hat Rubialas (er ist auch UEFA-Vizepräsident) für alle Ämter für 90 Tage für eine Untersuchung gesperrt, die spanische Sportbehörde sieht eine Sperre als unerlässlich an. Alle Weltmeisterinnen haben angekündigt, unter dieser Verbandsführung nicht mehr für Spanien antreten zu wollen. Schade, dass ein Präsident ohne Anstand solche Schatten auf einen einmaligen sportlichen Erfolg werfen kann.
Leichtathleten Gewinner und Verlierer
Es war eigentlich eine historische Pleite: Bei den Weltmeisterschaften in Budapest blieben die deutschen Leichtathleten erstmals überhaupt ohne einzige Medaille. Die letzten Hoffnungen auf Zehnkämpfer Leo Neugebauer (Fünfter) und Speerwerfer Julian Weber (Vierter) erfüllten sich nicht. Dabei dachte man, nur zwei Medaillen bei der letzten WM vor einem Jahr in Eugene/Oregon wären der Tiefpunkt. Trotzdem sieht Sportdirektorin Annett Stein einen Fortschritt: „Wir dürfen nicht auf die Medaillen schauen, insgesamt ist das Niveau in der Mannschaft besser geworden.“ Zweifellos ist es aber so, dass Nationen wie die Niederlande oder England über eine weitaus bessere Nachwuchsförderung als Deutschland verfügen. Hier muss der DLV ansetzen.
Dennoch kann sich die Leichtathletik zu den Gewinnern zählen, denn an den Bildschirmen in Deutschland war die WM ein Erfolg, die Einschaltquoten mit über vier Millionen Zuschauern und mehr als 20 Prozent Marktanteil waren sehr hoch. Die Leichtathletik hat also ihre Fans und bleibt auch ohne deutsche Erfolge die „Königin der Sommersportarten“.