Tante Käthe macht müde Männer munter
von knospepeter
Was für eine Überraschung! Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht – plötzlich rannten die deutschen Fußballprofis wieder, hatten den Kampfgeist wieder entdeckt und bezwangen (mit etwas Glück) Vize-Weltmeister Frankreich mit 2:1. Und das nach der 1:4-Blamage gegen Japan, die Bundestrainer Hansi Flick den Job kostete. In Dortmund war aber alles anders. Sportdirektor Rudi Völler hatte mit seinen Assistenten Hannes Wolf und Sandro Wagner an den richtigen Schrauben gedreht. Rudi Völler wurde früher gern liebevoll „Tante Käthe“ genannt, jetzt machte Tante Käthe müde Männer munter.
Die zweite Überraschung: Die Fans zogen mit. Schon lange nicht mehr hatte man so eine positive Stimmung bei der Nationalmannschaft auf den Tribünen erlebt wie am Dienstag in Dortmund. Und zu Hause waren auch alle neugierig, 10,3 Millionen Zuschauer saßen an den Fernsehschirmen, die dritthöchste Zuschauerzahl in diesem Jahr! Dennoch bemerkenswert, mehr Interesse fanden bisher nur ein Münster-Tatort und – ein WM-Spiel der deutschen Frauen!
Aber die einst müden Männer dürfen dennoch glücklich sein, eine Art Wende ist geschafft, weil Rudi Völler nicht auf spielerische Schnörkel setzte, sondern auf eine sichere Abwehr und ein gemeinsames Abwehrverhalten auch der Vorderleute. Gewinner des Spiels waren Jonathan Tah in der ungewohnten Rolle des Rechtsverteidigers und sein Pendant auf der anderen Seite, Benjamin Henrichs. Dazu zeigte Thomas Müller (am Mittwoch 34 Jahre alt) nicht nur mit seinem frühen Tor wie wertvoll er als Führungsfigur auf dem Feld und Stimmungsmacher in der Kabine ist. Seine gute Form bestätigte auch wieder Leroy Sané, der mit dem 2:0 für die Entscheidung sorgte, kurz darauf fast aber alles mit einem dummen Foul wieder eingerissen hätte. Völler gnädig: „Ist halt ein Stürmer“. Es hätte vorher aber schon bei strengerer Regelauslegung zumindest einen Elfmeter gegen Deutschland geben können.
Eine Aufgabe ist erfüllt, die Nationalelf betrieb erfolgreich Wiedergutmachung, die schwere Aufgabe wird die Suche nach einem Nachfolger von Hansi Flick. Eine Expertenrunde wird sich der Sache annehmen, aber DFB-Präsident Bernd Neuendorf machte bei seinem Statement im Fernsehen wieder eine überaus schlechte Figur: Ungenau in den Aussagen, keine Führungsstärke ausstrahlend und richtiggehend hilflos. Kein Wunder, dass der DFB ein Problem-Verband geworden ist, der Präsident agiert wie die Mannschaft unter Hansi Flick. Da wäre wohl eine weitere Ablösung notwendig. Wer aber leitet die Mannschaft bei den nächsten Aufgaben im Oktober in den USA an? „Bis dahin wollen wir den geeigneten Mann gefunden haben“, sagt Rudi Völler, der notfalls wohl noch einmal einspringen muss. Die Fans sangen nicht umsonst „es gibt nur ein`Rudi Völler“.
Frauen wollen auf der Euphoriewelle bleiben
Nach der missglückten Weltmeisterschaft haben die Frauen fast die gleichen Probleme wie die Männer, aber sie hoffen darauf, dass die Bundesliga weiterhin zieht, sie wollen auf der Euphoriewelle bleiben. Die Zeichen sind gut, der Frauen-Fußball hat sich positiv entwickelt und viele Fans gewonnen, das zeigte sich auch im Pokal, als über 19.000 Zuschauer das Derby zwischen St. Pauli (3. Liga) und dem Hamburger SV (2. Liga) sahen. So soll es in der Bundesliga, die am Freitag startet, kein Zurück mehr geben, nachdem die Zuschauerzahlen um ein mehrfaches gestiegen sind. Wieder wollen die Vereine oft in die großen Arenen ausweichen, so spielt Bayern München am 14. Oktober gegen Frankfurt erstmals in der Allianz Arena. Neuling Nürnberg trägt sogar alle Spiele im 50.000 Zuschauer fassenden Max-Morlock-Stadion aus. Ein Vorgeschmack war das letztjährige Pokalspiel gegen Wolfsburg, als 17.000 Fans kamen. Auch Köln und Frankfurt wollen wieder in die großen Arenen umziehen.
Beste Voraussetzungen dafür, mehr Fans zu gewinnen, bieten auch die Fernsehübertragungen. Die Sendezeiten haber sich wesentlich verbessert. ARD und ZDF wollen zehn Bundesligaspiele live übertragen, das ZDF beginnt mit dem Eröffnungsspiel SC Freiburg – Bayern München am Freitag (18.15 Uhr). Alle Spiele werden bei Magentasport gezeigt, außerdem gibt es jetzt immer ein Montagspiel, das Sport1 live im Free-TV überträgt.
Nachteilig könnte sich auswirken, dass die Liga zu wenig Spannung bietet. Im Abstiegskampf ist dies vielleicht anders, aber an der Spitze thronen Titelverteidiger Bayern und der VfL Wolfsburg als zuletzt erfolgreichste Mannschaft ziemlich unangefochten. Als dritte Kraft konnte sich zuletzt Eintracht Frankfurt etablieren und der neben Nürnberg zweite Aufsteiger RB Leipzig hat wie bei den Männern große Ambitionen. Im Spitzenduell hat München mit der Verpflichtung des Paares Magdalena Eriksson und Pernille Harder von Chelsa London für Aufsehen gesorgt, die internationalen Topspielerinnen sollen den Verein vor allem auch in der Champions League weiterbringen. Die Wölfinnen haben außer Nationalspielerin Chantal Hagen vor allem Talente geholt.
Ein Manko für die Bundesliga ist auch der Spielplan, wie kann es sein, dass die Saison nach dem Start sofort wieder unterbrochen wird. Am 22. und 26. September stehen Länderspiele in der neuen Nations League an und zwar in Dänemark und in Bochum gegen Island. Einfach ein Unding, das nicht mehr passieren darf.
Der erste Spieltag: Freiburg – Bayern, Hoffenheim – Duisburg, Nürnberg – Bremen, Köln – Leipzig, Wolfsburg – Leverkusen, Essen – Frankfurt.
Eishockey wurde die Show gestohlen
Was hatten sich die Eis-Cracks gefreut, als sie im Mai bei der Weltmeisterschaft in Finnland sensationell Silber holten. Doch heute kräht danach kein Hahn mehr, die Basketballer haben ihnen mit dem Weltmeistertitel die Show gestohlen. Eishockey rückt aber auch wieder in den Blickpunkt, denn am Donnerstag, 14. September, beginnt mit dem Duell von Titelverteidiger Red Bull München gegen die Düsseldorfer EG die neue Saison. Diesmal sind 14 Teams dabei, denn mit Bietigheim gab es zwar einen Absteiger, aber aus der DEL2 konnte kein Verein den Aufstieg wahrnehmen. Ravensburg wurde Meister, hatte aber keine Lizenz beantragt und durchkreuzte damit die Pläne von Kassel, Krefeld und Dresden, die wieder zusammen mit Bietigheim parat stehen. Der Tabellenletzte sollte sich also auf einen Abstieg einstellen. Als Kandidaten dafür werden vor allem Augsburg, Schwenningen und Iserlohn gehandelt.
Im Vorjahr versank auch Mitfavorit Berlin in den unteren Regionen, das soll diesmal anders sein, die Eisbären wollen wieder oben mitmischen. Die Topfavoriten kommen aber aus München und Mannheim. In München ging allerdings die Ära von Trainer Don Jackson zu Ende, der den Verein zu vier Titeln führte. Sein Nachfolger wurde der frühere Bundestrainer Toni Söderholm, ein alter Bekannter in München. Die Adler aus Mannheim wollen aber hoch fliegen und holten dafür den zweimaligen Stanley-Cup-Gewinner Tom Kühnhackl (Sohn von Eishockey-Legende Erich Kühnhackl) von Skelleftea/Schweden ins Land. Die Klubs aus Ingolstadt, Köln und Wolfsburg könnten den Spitzenteams noch die Suppe versalzen, haben zuerst aber die Play-Offs (ersten sechs) bzw. notfalls die Pre-Play-Offs (sieben bis zehn) im Visier.
Wirtschaftlich hoffen die 14 DEL-Klubs auf weitere Besserung, denn sie haben zwei Jahre lang finanziell unter der Corona-Pandemie gelitten. Den größten Etat hat angeblich Mannheim mit 18 Millionen Euro vor München und Berlin mit 17 Millionen. Die Zuschauerzahlen stiegen wieder an, was wichtig ist, denn anders als der Profi-Fußball leben die Eishockey-Klubs vor allem von den Zuschauer-Einnahmen und Sponsoren. Mehr Aufmerksamkeit erhofft man sich auch davon, dass vier Spiele an einem Samstagabend ausgetragen werden. Alle Spiele sind bei Magentasport zu sehen, am Sonntagnachmittag gibt es das „Spiel der Woche“ bei ServusTV.
Der erste Spieltag: München – Düsseldorf, Köln – Nürnberg, Berlin – Ingolstadt, Frankfurt – Iserlohn, Straubing – Bremerhaven, Schwenningen – Mannheim, Wolfsburg – Augsburg.