Champions League im Schatten der Saudis

von knospepeter

Kritiker werfen der Champions League im Fußball immer vor, dass sie nur nach dem Geld trachtet, die Vereine immer reicher macht und wer da nicht vertreten ist, abgehängt wird. Jetzt werfen andere einen Schatten auf die Königsklasse, wenn von Geld die Rede ist, dann kommt nämlich Saudi-Arabien ins Gespräch. Der Wüstenstaat hat wüst in Europa geräubert und Stars mit viel Geld ins Land geholt. Der alternde Cristiano Ronaldo war Vorreiter, Neymar und Benzema an der Spitze folgten wie viele andere auch. Dazu zog es Lionel Messi zum Ende seiner Karriere zu Inter Miami in die USA. Der Champions Leagues gingen die Stars verloren, es ist das Ende einer Ära; aber nicht das Ende der Königsklasse.

Eine Ende gibt es allerdings schon, die Gruppenphase hat ausgedient, die CL kommt das letzte Jahr im alten Gewand daher. Nächstes Jahr steigt die Zahl der Teilnehmer von 32 auf 36 Mannschaften, die in einer einzigen Tabelle gewertet werden, jedes Team trägt allerdings nur acht Spiele aus. Dafür werden die Teams in vier Pools aufgeteilt, der Spielplan wird so gestaltet, dass alle vier Heim- und vier Auswärtsspiele gegen acht unterschiedliche Vereine austragen. Danach schließt sich das Achtelfinale an. Mehr Spiele bedeuten natürlich mehr Geld. Die CL soll auch trotz des Geldflusses aus Saudi-Arabien attraktiv bleiben.

Bereits jetzt gibt es viel zu verdienen, zwei Milliarden Euro werden an die Klubs ausgeschüttet, allein das Startgeld beträgt 15,64 Millionen Euro, für jeden Sieg gibt es 2,8 Millionen, für das Erreichen des Achtelfinales werden 9,6, Viertelfinale 10,6, Halbfinale 12,5, Finale 15,5 und der Titelgewinn wird noch einmal mit 4,5 Millionen Euro honoriert. Kein Wunder also, dass auch die deutschen Vereine danach trachten, möglichst einen Platz in der Königsklasse zu erhaschen, besonders glücklich ist in diesem Jahr Union Berlin, das am Mittwoch (18.45 Uhr) seine Premiere bei Real Madrid feiert. „Ein Traum geht in Erfüllung“, heißt es bei Union.

Stammgast in der Champions League ist Bayern München, 16 Mal in Folge dabei, nur Real Madrid (27) und der FC Barcelona (20) können mehr Starts vorweisen. Der Auftakt gegen Manchester United am Mittwoch (21 Uhr) hat es in sich, die Bayern halten nämlich Rekorde in der Gruppenphase. Vor sechs Jahren (!) erlitten sie letztmals eine Niederlage (September 2017 ein 0:3 in Paris), seit 34 Spielen sind sie unbesiegt (31 Siege/3 Remis), zuletzt gab es 13 Siege in Folge. Auch gegen ManU? Die Bilanz spricht für die Bayern, zumal der Gegner, einst einer der größten Vereine der Welt, intern gewisse Probleme hat. Interessant: Trainer Erik ten Hag coachte bereits die Bayern-Amateure. Sein Gegenüber Thomas Tuchel wird allerdings nur auf der Tribüne sitzen, beim Viertelfinal-Aus in der letzten Saison erhielt er beim 1:1 gegen Manchester City die Rote Karte und ist gesperrt. Die Assistenten Zsolt Löw und Anthony Berry werden ihn an der Linie vertreten. Die weiteren Gegner in der Gruppe sind FC Kopenhagen und Galatasaray Istanbul.

In der Einschätzung heißt es, die Bayern hätten eher eine leichte Gruppe. Das kann Union Berlin bei seinem Debüt nicht sagen, neben Real stehen auch der SSC Neapel und Sporting Braga einem Weiterkommen im Wege. Aber im Mittelpunkt steht das Erlebnis Champions League. Ihre Heimspiele tragen die „Eisernen“ im Stadion ihres Lokalrivalen Hertha BSC aus, nämlich im Olympiastadion. Die eigene Heimat an der Alten Försterei ist zu klein. Borussia Dortmund hat auch eine sogenannte Hammergruppe und muss am Dienstag (21 Uhr) gleich zu Paris St. Germain. Allerdings ist der Mbappe-Klub auch nicht in Bestform, die neu formierte Mannschaft ohne Messi Neymar ist nach einer 2:3-Heimniederlage gegen Nizza nur Achter der Ligue 1. Da scheint es eine Chance für die Borussia zu geben. RB Leipzig steht wieder Manchester City im Weg, am Dienstag (18.45 Uhr) geht es aber erst zu Young Boys Bern, Vierter im Bunde ist Roter Stern Belgrad – da sollte es einen Weg ins Achtelfinale geben. Die letzte Gruppenphase endet am 13. Dezember.

Das Wunder VfB Stuttgart

Was im Fußball alles möglich ist, zeigt der VfB Stuttgart. Im Vorjahr noch im Abstiegskampf mischt der VfB jetzt fast die Bundesliga auf. Nur in Leipzig ließ er Federn, aber dank Torjäger Serbou Guirassy winkt am Freitag mit einem Sieg gegen Darmstadt sogar die vorübergehende Tabellenführung. Der Bomber aus Guinea erzielte in vier Spielen bereits acht Tore, die Hälfte der Bestleistung der letzten Saison nach 34 Spielen! Niclas Füllkrug und Christopher Nkunku holten mit 16 Treffern die Torjägerkanone. Besser als Guirassy war nur Peter Meyer von Borussia Mönchengladbach 1967/68, der hatte nach vier Spieltagen neun Tore. Stuttgart gehört zu vier Klubs, die hinter Leverkusen und den Bayern das Verfolgerfeld bilden, mit dabei sind Leipzig, Wolfsburg und ebenso überraschend Hoffenheim. Die letztjährigen Überraschungsteams Union und Freiburg haben gewisse Startschwierigkeiten. Die hat auch Dortmund, doch dank Routinier Mats Hummels gelang ein 4:2-Sieg in Freiburg. Der Abwehrchef erzielte gleich zwei Tore und schrieb damit Bundesliga-Geschichte, weil er in der 16. Saison in Folge traf, das gelang bisher nur fünf Spielern (Olaf Thon, Michael Zorc, Holger Fach, Bernd Nickel und Willi Neuberger).

Einen Platz in der Geschichte hat jetzt auch Heidenheims Coach Frank Schmidt inne, der den Ex-Freiburger Volker Finke als Trainer mit der längsten Amtszeit ablöste. Finke trainierte den SCF von 1991 bis 2007 genau 5843 Tage, Schmidt begann am 17. September 2007 in Heidenheim und ist jetzt 5845 Tage Trainer bei den Württemberger, die er von der Oberliga bis in die Bundesliga führte. Die tolle Leistung wurde mit dem ersten Bundesligasieg abgerundet, der Neuling bezwang Werder Bremen mit 4:2. Auffallend, sechs Mannschaften sind noch ohne Sieg, am Tabellenende Mainz und Darmstadt, davor Köln, Augsburg, Gladbach und Bochum. Mit Augsburg – Mainz und Bremen – Köln gibt es am Wochenende zwei Kellerduelle, besonders gefährdet sein dürfte FCA-Coach Enrico Maaßen, der in Augsburg bereits angezählt wird. Die erste Halbzeit beim 0:3 in Leipzig sahen die Spieler als „Katastrophe“, zum siebten Mal in Folge kassierte der FCA mindestens zwei Gegentreffer. Das reicht nicht für die Bundesliga.

Nichts für die Geschichte, aber großes Theater. Der DFB überraschte mit der Berufung von Andreas Rettig als neuen Geschäftsführer Sport. Die Verpflichtung des Kritikers der großen Vereine, der es selbst sowohl bei der DFL als auch bei einigen Vereinen nie lange aushielt, kam in der Bundesliga nicht gut an. Aus dem nach der WM gebildeten Expertenrat, der die Zukunft des deutschen Fußballs mitbestimmen sollte, traten prompt Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Minthlaff zurück, weil sie nicht informiert wurden und sich so übergangen fühlten. Ein weiterer Beleg dafür, dass DFB-Präsident Bernd Neuendorf den Laden nicht im Griff hat.

Was ist bei den Frauen los?

Die Bundesliga der Frauen begann mit einem Paukenschlag, denn der SC Freiburg konnte dem großen Favoriten Bayern München mit einem 2:2 den Start vermiesen. Von den großen Stars war nichts zu sehen, bei Harder nicht auf dem Feld, Eriksson saß nur auf der Bank, ebenso wie anfangs Lena Magull. „Wir sind noch nicht im Rhythmus fand Bayern-Trainer Straus eine Erklärung, die kampfstarken Freiburger feierten vor 13.000 Zuschauern das Remis wie einen Sieg. Noch schlechter ging es Eintracht Frankfurt, das in Essen 0:2 unterlag. Mitfavorit Wolfsburg wird sich nach dem 3:0 gegen Leverkusen die Hände gerieben haben. Die Neulinge mussten Lehrgeld bezahlen, Nürnberg verlor vor 2300 Zuschauern gegen Bremen mit 1:5, Leipzig in Köln mit 1:2.

Die Punktrunde wird wieder unterbrochen, weil die Nationalmannschaft in der Nations League gefordert ist. Allerdings gibt es vor den Spielen am Freitag in Dänemark und am 26. September gegen Island Ärger rund um das Team. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist krankgeschrieben, aber hinter den Kulissen kracht es. Bei der WM wären Trainerteam und Mannschaft zerstritten gewesen, Co-Trainerin Britta Carlson hätte sogar eine Abstimmung gegen ihre Chefin vorgenommen, was sie allerdings dementiert. In den bevorstehenden Länderspielen hat jetzt Carlson das Kommando, ob und wann Voss-Tecklenburg zurückkehrt, scheint offen zu sein. Selbst in der bisher heilen Welt der Frauen gibt der DFB ein schlechtes Bild ab.

Wie bei den Männern, so kommen auch auf die Frauen Zusatzbelastungen auf europäischer Ebene zu. Eintracht Frankfurt hat den Sprung in die Play-Offs der Champions League geschafft und trifft dort auf Sparta Prag, der VfL Wolfsburg war dafür bereits qualifiziert, muss aber gegen den zweiten Pariser Verein, dem FC, aufpassen, denn die Französinnen haben Arsenal London ausgeschaltet. Gespielt wird am 10. und 18. Oktober. Meister Bayern greift erst in der Gruppenphase ein (ab 14. November).