Bühne frei für die Basketball-Weltmeister

von knospepeter

„Die Liga der Weltmeister“ nennt sich jetzt die Basketball-Bundesliga. Na ja, so ganz stimmt das nicht, aber immerhin ein Drittel der zwölf Helden, die in Asien vor wenigen Wochen sensationell den WM-Titel gewonnen hatten, sind in Deutschland beheimatet. Die großen Stars um Kapitän Dennis Schröder spielen im Ausland, vor allem in der NBA, sonst hätte das Team nicht diese Qualität gehabt. Die Bundesliga aber hofft, dass Basketball in Deutschland jetzt „in“ ist, dass die Begeisterung über den Titel sich jetzt auch im Ligen-Alltag niederschlägt. 18 Mannschaften spielen ab Mittwoch die Hauptrunde, die am 12. Mai 2024 endet. Danach schließen die Play-Offs an, für die sich die besten acht Teams qualifizieren, die beiden letzten Mannschaften steigen direkt ab.

Die Play-Offs sind im amerikanischen Sport und hierzulande zum Beispiel auch im Eishockey neben dem Basketball eingeführt. Davon können Mannschaften profitieren, die in der Hauptrunde etwas unter dem Radar geflogen sind. Das nutzte in der letzten Saison Ratiopharm Ulm, der Überraschungsmeister, nacheinander wurden die Favoriten Alba Berlin, Bayern München und die Telekom Baskets Bonn ausgeschaltet. Der Fluch der guten Tat: Die Mannschaft fiel auseinander, die Stars wanderten ab. Noch schlechter erging es Finalgegner Bonn, der das gesamte Team verlor. Aber beide Vereine hadern nicht, sie sagen sich: Auf zu neuen Überraschungen.

Der große Favorit ist aber der FC Bayern München, der nach vier Jahren Dürre endlich wieder zuschlagen will. Der Pokalsieg war nur ein kleiner Trost, der Titel soll verteidigt werden und dazu will man bei Europas Größen in der Euroleague eine gute Rolle spielen. Dafür haben die Bayern aufgerüstet, sie haben nicht nur die Weltmeister Andreas Obst, Isaac Bonga und Niels Giffey, die alle über ihre Leistungsgrenze gingen, in ihren Reihen, sie haben ausländische Stars eingekauft, allen voran den ehemaligen NBA-Champion Serge Ibaka. Manager Marko Pesic schwärmt, „er macht die Bundesliga attraktiv“ und Pesic kann sich bestätigt fühlen. Der 2,08 Meter große Center und Power Forward aus Brazzaville/Kongo nahm das Münchner Angebot unter anderem deshalb an, weil er den neuen Trainer Pablo Laso gut kennt und mit ihm in Madrid erfolgreich war. Der 55-jährige Spanier folgt auf den Italiener Andrea Trinchieri, der die Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte. Laso, der wegen Herzproblemen zuletzt pausieren musste, fühlt sich wieder gesund und gilt als einer der erfolgreichsten Trainer Europas. Mit Real gewann er 21 Titel, auch zweimal die Euroleague. Nun soll die Titelsammlung in München weitergehen.

Als stärkster Konkurrent gilt Alba Berlin, dort spielt mit Johannes Thiemann der vierte Weltmeister. Alba möchte an die erfolgreichen Jahre von 2020 bis 2022 anschließen, als das Titel-Triple gelang. Zuletzt war gegen Ulm im Viertelfinale Schluss und dazu kam ein Umbruch im Team, die Stützen Luke Simka (Piräus), Weltmeister Maodo Lo (Mailand) und Jaleen Smith (Bologna) zog es weg. Der Nachwuchs soll sein Können zeigen, dazu kommen Neuzugänge mit NBA-Erfahrung. Trainer Israel Gonzalez und Sportdirektor Hilmar Ojeda sind schließlich geblieben und wollen wieder glorreiche Zeiten: „Es wird kein Spaziergang für die Bayern.“

Die Bayern warten aber noch mit einer Weltneuheit auf: Erstmals wird auf einer Hightech-Glasfläche gespielt, das gab es noch nie. Die deutsche Firma ASB GlassFloor hat diesen Boden entwickelt, der sogar griffiger als Parkett sein soll und mit LEDs ausgestattet ist, so dass sich durch die Anzeigen unendliche Möglichkeiten mit wechselnden Linien oder Werbung ergeben. Die Tests verliefen ausgesprochen erfolgreich und auch die NBA zeigt bereits Interesse am deutschen „Wunderboden“.

Neu ist auch der Fernsehpartner der Basketball-Bundesliga. Die neu gegründete Sport-Streaming-Plattform Dyn, die mehrheitlich der Axel Springer SE gehört und die vom ehemaligen DFL-Manager Christian Seifert gegründet wurde, hat die Rechte erworben. Die Gefahr besteht, dass Basketball damit mehr oder weniger von der Bildfläche verschwindet. Zuletzt war MagentaSport der Hauptpartner. Immerhin überträgt aber die ARD zwölf ausgewählte Spiele. Es wäre ja schade, wenn die Begeisterung für Basketball wieder im Keim ersticken würde. Nächstes Highlight wären dann erst die Olympischen Spiele 2024 in Paris, wofür sich Weltmeister Deutschland qualifiziert hat.

Der erste Spieltag: Ulm – Chemnitz, Vechta – Bamberg, Heidelberg – Berlin, Würzburg – Göttingen, Braunschweig – Oldenburg, Crailsheim – Rostock, Luwigsburg – Hamburg, München – Mitteldeutscher BC (Weißenfels), Bonn – Tübingen.

Spitzengolf ohne deutsche Beteiligung

Was ist mit dem deutschen Golf los? In diesen Wochen finden die bedeutendsten Golf-Duelle, die Erdteilkämpfe zwischen Europa und den USA, ohne deutsche Beteiligung statt. Das hat es seit Jahren nicht mehr gegeben. Sowohl beim Solheim Cup der Damen als auch beim Ryder Cup der Herren heißt es bei der Frage nach deutschen Startern nur „Fehlanzeige“. Das tut vor allem den Herren weh, denn mit Bernhard Langer stand ein Deutscher auf Platz eins, als die Weltrangliste ins Leben gerufen wurde. Der jetzt 66-jährige Augsburger ist heute noch im Champions Cup der Senioren (über 50) einer der besten Spieler und vor allem vielfacher Rekordhalter. Martin Kaymer sollte in seine Fußstapfen treten, wurde zweifacher Masterssieger und ebenfalls kurz Nummer 1 der Welt, doch jetzt spielt er in der von Saudis subventionierten LIV-Runde meist am Ende vom Feld. In der aktuellen Weltrangliste muss man lange suchen, um auf deutsche Namen zu stoßen. Stephan Jäger, der in den USA lebt und spielt, rangiert auf Platz 92, Yannik Paul, der sich Hoffnung auf eine Nominierung im Ryder Cup gemacht hatte, folgt auf Platz 98. Kein Ruhmesblatt. Fast peinlich: Dafür ist Österreich mit Sepp Straka vertreten.

Auch die deutschen Damen schauten nur zu, als am lezten Wochenende in Finca Cortesin in Andalusien der Solheim Cup ausgetragen wurde. Die Stars aus Europa und den USA trugen einen spannenden Kampf aus, die USA führte nach der ersten Session 4:0 (!), aber Europa glich schließlich zum 8:8 vor den abschließenden Einzeln aus. Der Krimi endete schließlich 14:14, womit Europa nach den Siegen von 2019 und 2021 die Trophäe erneut behalten durfte. Groß gefeiert wurde vor allem die Spanierin Carlota Ciganda, die im letzten Spiel gegen die Favoritin Nelly Korda ihre Nerven im Zaum hielt und gewann. Sie war überhaupt Europas Überraschung für Kapitänin Suzann Petterson, weil sie alle ihre vier Spiele gewann.

Ab Freitag sind jetzt in Rom die Herren dran, aber da haben Europas Männer einiges gutzumachen, denn beim letzten Vergleich in Wisconsin in den USA gab es eine bittere 9:19-Abfuhr. Hoffnung für Rom macht, dass die USA seit 30 Jahren in Europa nicht mehr gewonnen haben. Aber die Amerikaner gelten dennoch als Favoriten, was ihre Platzierungen in der Weltrangliste angeht, aber das galt für die Damen auch. Europas Kapitän Luke Donald wartete bei der Nominierung mit einigen Überraschungen auf, so schenkt er zum Beispiel Schwedens Jungstar Ludvig Aberg das Vertrauen, der wie aus dem Nichts plötzlich bei den Profis vorne mitmischt. Immerhin hat er als zweifacher College-Meister in den USA etwas vorzuweisen.

Die Teams: Europa: Ludvig Aberg (Schweden), Matt Fitzpatrick, Tommy Fleetwood, Tyrrell Hatton, Justin Rose (alle England), Nicolai Hojgaard (Dänemark), Viktor Hovland (Norwegen), Shane Lowry (Irland), Robert MacIntyre (Schottland), Rory McIlroy (Nordirland), Jon Rahm (Spanien), Sepp Straka (Österreich). – USA: Sam Burns, Patrick Cantlay, Wyndham Clark, Rickie Fowler, Brian Harman, Max Homa, Brooks Koepka, Collin Morikawa, Xander Schauffele, Scottie Scheffler, Jordan Spieth, Justin Thomas.