Die Bundesliga als Billigware?
von knospepeter
„Was nix kost, taugt nix“ sagt der Volksmund. Wenn wir das auf die neue Idee bei Fortuna Düsseldorf ummünzen, dann verkommt die Bundesliga zur Billigware, die keinen Anreiz mehr bietet. Das ganze Gegenteil soll allerdings stattfinden und deshalb ist das Experiment in Düsseldorf überaus interessant. Endlich eine neue Idee und wer kann etwas dagegen haben, dass die Zuschauer keinen Eintritt mehr zahlen müssen.
„Fortuna für alle“ heißt die Idee und wurde am Samstag erstmals im Spiel der 2. Bundesliga gegen Kaiserslautern umgesetzt. Der Verein gewann Sponsoren, die mit ihrem Geld für einen Ausgleich der entgangenen Zuschauereinnahmen sorgten. Das Interesse bei den Fans war riesig, die Tickets wurden verlost, besondere Gruppen besonders behandelt und die Dauerkartenbesitzer hatten natürlich Erstzugriff. 33.000 Zuschauer kamen bisher im Schnitt zu den Fortuna-Spielen, 52.000 waren es diesmal und das Spiel machte Lust auf mehr. Die Hausherren holten sich nach einem 0:3-Rückstand noch einen 4:3-Sieg, das Stadion tobte, Herz, was willst Du mehr. Es gab nur zwei Schönheitsfehler, weil die Idioten in den Stadien nicht aussterben. Bei einem Flaschenwurf wurde Lauterns Spieler Ache am Kopf getroffen, ein möglicher Protest von Kaiserslautern steht im Raum. Und die Fortuna-Fans konnten es auch nicht lassen Feuerwerkskörper zu zünden. Schade, das schmälert den positiven Eindruck.
Der Premiere ist insgesamt jedoch gut verlaufen, die Frage bleibt, ob es eine Idee für die gesamte Bundesliga ist. Fortuna-Boss Alexander Jobst sieht hier ein Geschäftsmodell mit gesellschaftlicher Verantwortung, nach dem Motto „Fußball für alle“. Zwei weitere Gratis-Spiele gibt es im Januar gegen St. Pauli und im April gegen Braunschweig. Danach kann man wirklich Bilanz ziehen.
Neuer Trainer, neues Glück
In der Bundesliga stand diesmal nicht die Tabellenspitze, sondern das Tabellenende im Mittelpunkt und da besonders der FC Augsburg, der sich von Platz 15 auf 10 katapultiert hat. Möglich machte dies ein überraschender 5:2-Sieg bei Neuling Heidenheim, der erste Auswärtssieg nach mehr als einem Jahr! Der neue Trainer Jess Thorup hatte also einen perfekten Einstand und es zeigte sich wieder einmal, dass neue Besen gut kehren. Enrico Maaßen wurde wegen Erfolgslosigkeit und fehlender Entwicklung der Mannschaft entlassen, sein Nachfolger musste nur die Hand auflegen und schon klappte das meiste. Allein, dass der FCA nach einem 0:2-Rückstand nach 18 Minuten nicht einbrach, überraschte und gab es zuletzt nie. Das Heimspiel gegen Wolfsburg am Samstag ist plötzlich eines der Tabellennachbarn, allerdings gibt es noch vier Punkte Abstand.
Das Gesetz der Liga, dass bei Erfolglosigkeit der Trainer gehen muss, will Union Berlin nicht anwenden. Urs Fischer verantwortete den Aufstieg der Eisernen, nun soll der Schweizer Union auch aus dem Tal führen. Wundern muss man sich schon, dass aus dem Höhenflug ein Absturz wurde. Ob dies wirklich daran liegt, dass der Verein seinen alten Weg verlassen hat und statt Nobodys mit Bonucci, Gosens und Volland prominente Spieler verpflichtet hat? Die Wahrheit ist, dass es zuletzt acht Niederlagen in Pflichtspielen gab, jetzt ausgerechnet mit 0:3 gegen Stuttgart, dessen Höhenflug wiederum fast ein Wunder ist. Blick zurück: Vor einem Jahr siegte Union 1:0 gegen den VfB, verteidigte am 9. Spieltag seinen Platz an der Tabellenspitze, während Stuttgart mit fünf Zählern am Tabellenende fest hing (16.) und am Ende auch in die Relegation musste, während Union jetzt Champions League spielt. Da ist am Dienstag im Olympiastadion Italiens Meister SSC Neapel nicht unbedingt ein Aufbaugegner. Am Samstag in Bremen muss aber ein Sieg her! Der VfB muss andererseits erstmals mit einem Rückschlag umgehen, Torjäger Serhou Guirassy, der wieder das erste Tor erzielte und mit sagenhaften 14 Treffern die Torschützenliste anführt, fällt mit einer Oberschenkelverletzung vorerst aus.
Es gibt auch ein neues Schlusslicht. Nachdem sich der 1. FC Köln ausgerechnet im Derby gegen Gladbach seinen ersten Sieg holte (3:1) rutschte Mainz 05 ans Tabellenende. Dabei hielt eine Serie, eine endete. Seit 13 Spielen sind die Rheinhessen jetzt ohne Sieg, dreimal gewannen sie zuletzt gegen die Bayern, die trotz Personalmangel diesmal aber trotzten, das 3:1 aber bitter bezahlten. Mit Leon Goretzka (Mittelhandbruch) fällt der nächste Stammspieler aus, die Ersatzbank war so leer wie bei keinem anderen Verein und mit Bouna Sarr kam der seit vier Jahren fleißige Bankdrücker (insgesamt nur 15 Spiele) zu einem Einsatz. Übrigens: Auch in Mainz ist von einem Trainerwechsel keine Rede, am Freitag in Bochum steht beim Vorletzten ein echtes Kellerderby an.
Richten wir den Blick nach oben, das Führungsquartett siegte, überzeugende Leistungen gab es aber selten. Die nächsten Wochen könnten die „Wochen der Wahrheit“ werden, denn wer auf Europas Bühne und im Pokal beschäftigt ist (Bayern, Leverkusen, Dortmund, Leipzig, Frankfurt, Freiburg, Union), hat nur englische Wochen. Die Bayern sind ebenfalls am Dienstag (18.45 Uhr) bei Galatasaray Istanbul gefordert (nur 18 Spieler im Kader) und es dürfte das vorerst letzte Mal sein, dass Sven Ulreich das Tor hütet. Am Samstag gegen Darmstadt soll Manuel Neuer sein Comeback feiern. Für ihn und den Verein nach langer Ausfallzeit ein besonderer Moment.
Irritationen bei den Frauen
Es tut sich was im Frauen-Fußball, wobei es in den letzten Tagen Irritationen auf dem Spielfeld und abseits davon gab. Sportlich erlebte der VfL Wolfsburg eine harte Woche, denn mit einer 0:2-Niederlage gegen FC Paris schieden die Wölfinnen unerwartet in der Champions League aus. Dabei galten sie als einer der Favoriten. Der Titelträger von 2013 und 2014 stand seit 2012 immer zumindest im Viertelfinale, 2016, 2018, 2020 und 2023 zudem im Finale. Logisch, dass die Tränen flossen, dafür fließt kein Geld, nämlich die Antrittsprämie von 400.000 Euro. Beinahe hätte es in der Bundesliga den nächsten Rückschlag gegeben, doch Alexandra Popp rettete mit ihrem Tor in der 89. Minute gerade noch ein 2:2 gegen Verfolger Hoffnheim und damit die Tabellenführung. Das nächste Spitzenspiel steht nach der Länderspielpause am 5. November in München an. Die Bayern sind nach dem 3:0-Sieg in Leipzig Dritter. Der zweite Neuling 1. FC Nürnberg feierte eine Premiere, holte sich mit dem 2:0 in Freiburg seinen ersten Bundesligasieg.
In die Champions League geschafft hat es dagegen Eintracht Frankfurt, für das Sparta Prag (5:0 und 3:0) keine Hürde war. Die Auslosung für die Gruppenspiele ergab nun mit Titelverteidiger FC Barcelona, Benfica Lissabon und FC Rosengaard namhafte Gegner. Die Bayern-Mädchen haben eine „Hammergruppe“ mit Paris St. Germain, AS Rom und Ajax Amsterdam. Erster Spieltag ist am 14./15. November.
Jetzt steht erst einmal die Nationalmannschaft im Mittelpunkt und da gab es Irritationen um die noch amtierende Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Sie und der DFB geben weiter Rätsel auf. Plötzlich ist MVT, wie sie kurz genannt wird, nicht mehr im Krankenstand, sondern im Urlaub. Am Donnerstag hielt sie beim Zahnärztetag in München einen Vortrag mit dem Motto „Formen, um zu performen – mein Change-Management im Frauen-Fußball“. Ein Hinweis auf künftige Funktionärstätigkeiten?
Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch wusste am Freitag bei der Bekanntgabe des Nationalkaders nichts von diesem Urlaub bzw. Vortrag. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wiegelte ab, „sie soll sich Zeit lassen und erholen“. Dabei warten alle auf eine Entscheidung.
Eine Entscheidung hat Hrubesch im Bezug auf die Mannschaft getroffen, Überraschungen gab es kaum, außer dass die Frankfurterin Kleinherne fehlt. Auf einige verletzte Spielerinnen wie die Müncherin Lohmann oder Stammtorhüterin Frohms (Wolfsburg) muss er verzichten. „Wir wollen zu Olympia“, nennt Hrubesch das Ziel und da müssen am Freitag (17.45 Uhr) in Sinsheim gegen Wales und am Dienstag,31. Oktober (20.00 Uhr) in Reykjavik gegen Island Siege her. Das Gros des Teams bilden die Wölfinnen, die dann hoffentlich wieder bissig sind.
Das Aufgebot: Tor: Berger (Chelsea), Johannes (Frankfurt), Mahmutovic (Duisburg). – Abwehr: Hegering, Hendrich, Rauch (alle Wolfsburg), Gwinn (Bayern), Doorsoun (Frankfurt), Linder (Hoffenheim), Nüsken (Chelsea). – Mittelfeld/Angriff: Brand, Huth, Lattwein, Oberdorf, Popp (alle Wolfsburg), Bühl, Dallmann, Magull, Schüller (alle Bayern), Anyomi, Freigang (beide Frankfurt), Däbritz (Lyon), Minge (Freiburg).