Der Skisport auf den Spuren von Infantino

von knospepeter

So lieben wir den Winter: Verschneite Landschaften, die Ruhe ausstrahlen und ein Bild der Unschuld darstellen. Das Gegenteil davon sucht der Wintersport bei den Profis. Da geht es um Werbung, Gewinnmaximierung und Aufmerksamkeit. Hier für einen steten Aufwärtstrend zu sorgen, wird immer schwieriger, deshalb werden die Ideen immer ausgefallener und rücksichtsloser. Die Grenze ist nicht nur erreicht, sie ist sogar schon überschritten. Auf die Sportler wird dabei genauso wenig Rücksicht genommen, wie auf die Fans und – die Natur.

Mit dem seit Juni 2021 amtierenden schwedisch-britischen Geschäftsmann Johan Eliasch als FIS-Präsidenten befindet sich der Skisport auf den Spuren vom größenwahnsinnigen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Korruption zu seinen Gunsten hat Eliasch allerdings nicht nötig, angeblich ist der einstige CEO der Skifirma Head Milliardär und gehört zu den reichsten Menschen in Großbritannien. Was ihm vielleicht fehlt, ist die Aufmerksamkeit und öffentliche Anerkennung, er will im Mittelpunkt stehen. Höhepunkt seiner wahnwitzigen Ideen ist eine Abfahrt am Matterhorn von Zermatt nach Cervinia, von der Schweiz nach Italien. Am ersten Wochenende hat sich die Natur gewehrt, zu viel Schnee, zu starker Wind. Jetzt sind die Frauen dran, haben vielleicht die Ehre der Premiere, die Wettervorhersagen sind so, dass die Abfahrten am Samstag und Sonntag stattfinden können. Dabei startet die Skisaison sowieso schon spektakulär und zu früh, nämlich im Oktober auf dem Gletscher in Sölden. Auch das ist eine reine PR-Aktion, um die Skifans auf die neue Saison aufmerksam zu machen und den Umsatz der Ski-Industrie anzukurbeln. Auch da wehrte sich die Natur, der Wettbewerb der Männer musste abgebrochen werden. Dass die FIS auf den Klimawandel keine Rücksicht nimmt, zeigt sich auch daran, dass in der Saison zweimal in die USA und Kanada geflogen wird, zu Beginn der Saison und wieder am Ende. Unsinnig!

Die Wintersportverbände haben mit dem Klimawandel sowieso ihre Probleme, die Angst geht um, dass der Wintersport überhaupt aussterben könnte. Skispringen auf Kunststoffmatten ist möglich, aber ebenso wenig Wintersport, wie Langlauf und Biathlon auf Rollern, wie jetzt schon im Sommer. Bei einigen Verbänden schrillen schon die Alarmglocken, so fehlen bei Rodel und Bob die Wettkampfstätten, neue werden kaum gebaut werden. So ist auch noch offen, wo die Wettbewerbe in der Eisröhre bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina D’Ampezzo stattfinden werden. Aber die Weltverbände nehmen auch keine Rücksicht, so startete die Bob-Saison ausgerechnet in China, doch für die Frauen-Rennen meldeten nicht genug Nationen – abgesagt. Welch eine Ohrfeige.

Die Männer-Wettbewerbe fanden statt und begannen mit einem Doppelsieg des deutschen Duos Johannes Lochner und Francesco Friedrich. Das macht dann wieder Lust auf mehr, wobei die deutschen Athleten ihre Fans mit Ausnahme von Bob und Rodel wahrscheinlich nicht mit allzu vielen Siegen verwöhnen werden. Beim alpinen Skisport sind die Kandidaten fast an einer Hand abzuzählen, Lena Dürr beeindruckte mit zwei Podestplätzen bei den Slaloms in Lappland, Kira Weidle will endlich einen Weltcupsieg in der Abfahrt, den strebt auch Thomas Dreeßen bei den Männern an und Linus Straßer will im Slalom auf den Spuren des erfolgreichsten deutschen Skifahrers Felix Neureuther wandeln.

Beliebt beim Fernsehpublikum sind vor allem Skispringen (in erster Linie die Vierschanzentournee) und Biathlon. Bei den ersten Winterwettbewerben waren ARD und ZDF noch nicht dabei, am 25. November beginnt für sie die Wintersaison erst richtig, dann wird von 10.00 bis 18.00 Uhr wieder acht Stunden lang übertragen, die Einschaltquoten sind dabei höher als bei den sonstigen alltäglichen Sendungen. Im Skispringen greifen vor allem die Frauen nach dem Sieg, Katharina Schmid (geb. Althaus) ist das Aushängeschild, Selina Freitag will ebenfalls vorne mitmischen. Unruhe gab es vor dem Saisonstart, weil Bundestrainer Maximilian Mechler kurzfristig vom Amt zurücktrat. Jetzt wird der bisherige Co-Trainer Thomas Juffinger die Frauen betreuen. Bei den Männern ruhen die Hoffnungen auf Karl Geiger und Andreas Wellinger. Der Dritte im Bunde, Markus Eisenbichler, hat seine Form noch nicht gefunden und wurde in den B-Kader versetzt. Die Männer starten in Kuusamo in Finnland, die Frauen Anfang Dezember in Lillehammer.

Für die Biathleten geht es am 25. November in Östersund in Schweden los. Zur Einführung am ersten Wochenende die Mixed-Staffeln, danach geht es ab Mittwoch, 29. November, richtig los. Im deutschen Team wird die Siegläuferin fehlen, denn Denise Herrmann-Wick hat ihre Karriere beendet. Ein neues Aushängeschild, sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen, wird gesucht. „Anführer“ bei den Männern ist Routinier Benedikt Doll, der 33-jährige wird nach dieser Saison seine Karriere allerdings ebenfalls beenden. Bei den Frauen könnte Franziska Preuß bei ihren Comeback die neue Anführerin werden und auch um Siege mitkämpfen, wenn sie gesund bleibt. Die Hoffnungen für die Zukunft ruhen auf der fünfmaligen Juniorinnen-Weltmeisterin Selina Grotian, die jetzt im Weltcup starten darf. Mit spannenden Rennen und starken deutschen Leistungen soll das Interesse am Biathlon erhalten bleiben, im Januar wird dann auf deutschem Boden in Oberhof und Ruhpolding gestartet.

Egal, ob Ski alpin, Ski nordisch oder Biathlon, schöne Bilder sind garantiert und die Sportfans können Winternachmittage am Fernsehen verbringen, wenn es draußen ungemütlich ist. Für Spannung wollen auch die Eis-Verbände sorgen, egal ob Schnelllauf, Kunstlauf oder Rodel und Bob. Der Winter kann kommen, die Verbände hätten es aber nicht nötig, für Theater nach dem Vorbild des Fußball-Bosses zu sorgen. Aber auszuschließen ist nicht, dass irgendwann der Weltcup-Zirkus auch in Katar oder Saudi-Arabien Station macht, mit künstlichem Schnee in der Wüste. Nur schöne Winterbilder gibt es dann nicht.