Wochen der Wahrheit für Borussia Dortmund

von knospepeter

„Mit uns wird es nicht langweilig“, scherzte Trainer Edin Terzic nach dem 4:2-Sieg gegen den Namensvetter aus Mönchengladbach, nachdem es noch einmal gut gegangen war. Dadurch war auch die Stimmung bei der Mitgliederversammlung tags darauf gelöst und gelassen. Nach 28 Minuten beim Spiel am Samstag hatte es noch anders ausgeschaut, Gladbach führte mit 2:0 und bei Dortmund gingen die Köpfe nach unten. Marcel Sabitzers Tor zwei Minuten später leitete allerdings die Wende ein und Schwarz-Gelben zeigten ihr Talent als Comebacker: Sie holten bereits elf Punkte nach einem Rückstand, besser machte es in dieser Saison nur der FC Augsburg mit zwölf. Das gibt also Hoffnung, Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke stellte dann auch Optimismus in den Vordergrund: „Wir hätten uns zwei, drei Punkte mehr erhofft, vor einem Jahr hatte der Spitzenreiter 26 Punkte, da wäre wir nur zwei dahinter.“ Watzke gestand, „in den letzten Wochen war nicht alles gut“ und legte den Fokus auf den Rest des Jahres: „Wir haben in den kommenden Wochen viel Zeit und viele Möglichkeiten, das Bild zu verbessern.“

In der Tat steht die Borussia vor den Wochen der Wahrheit. Bis Weihnachten folgt ein volles Programm mit entscheidenden Spielen in allen Wettbewerben, da geht es darum, was im Frühjahr überhaupt noch möglich ist. Eigentlich befindet sich Dortmund schon in einer entscheidenden Woche mit den Duellen beim AC Mailand (Dienstag, 21.00 Uhr) in der Champions League und am Sonntag (17.30 Uhr) in Leverkusen. Da geht es um das Überwintern in der CL und um eine Weichenstellung in der Bundesliga. Watzke lobt den Tabellenführer („Die machen das außerordentlich gut“), stachelt seine Mannen aber an: „Es wäre toll, wenn wir sie stoppen könnten“. Dann wäre viel gewonnen, aber noch nicht alles, es folgen die Aufgaben im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart (Mittwoch, 6. Dezember, 20.45 Uhr), der nächste Bundesliga-Schlager gegen RB Leipzig (Samstag, 9. Dezember, 18.30 Uhr) und der CL-Abschluss gegen Paris St. Germain (Mittwoch, 13. Dezember, 21.00 Uhr). Ein Höhepunkt nach dem anderen. Mal sehen, wie die Stimmung danach ist…

Beste Stimmung herrscht natürlich in Leverkusen, Bayer befindet sich auf Rekordkurs und hat immer was zum Feiern, so diesmal den 42. Geburtstag von Erfolgstrainer Xabi Alonso, an dem Geschenk in Form eines 3:0-Sieges in Bremen wurde nicht gezweifelt. Die Torfabrik läuft, die Abwehr steht sicher, Leverkusen ist die erste Mannschaft, die in den ersten zwölf Spielen zumindest immer zwei Tore geschossen hat! Die Bayern halten also nicht alle Rekorde und Alonso könnte mit seinem Team auch den erfolgreichsten Start aller Zeiten von Pep Guardiola übertreffen. Dennoch bleiben sie in Leverkusen nüchtern und zurückhaltend, als wollten sie dem Erfolg nicht trauen.

In München wird natürlich verstärkt nach Leverkusen geschaut und darauf gehofft, dass Bayer seiner Rolle als Vizekusen gerecht wird. Bayern nicht Tabellenführer, da ist die Stimmung nicht so gut wie am Rhein, aber die Bilanz kann sich sehen lassen: Die Bayern sind ebenfalls noch ungeschlagen, haben nach dem sechsten Sieg in Folge 32 Punkte und sind noch nie so gut gestartet seit der Saison 2015/16, damals unter Pep Guardiola (siehe oben, mit Alonso als Bayern-Spieler!). Pep wurde gefeiert, Thomas Tuchel gilt eher als Griesgram und muss sich gegen Kritik wehren. Wieder machte er Schlagzeilen, weil er beim 1:0-Sieg in Köln keinen einzigen Wechsel vornahm, das gab es in München seit van Gaal am 11. Dezember 2010 nicht mehr! Tuchel hatte allerdings eine gute Begründung: „Die Mannschaft hat das Spiel gut kontrolliert, das wollte ich nicht stören. Ich habe gefühlt, das muss so sein.“ Das Tor erzielte natürlich wieder einmal Harry Kane, es war sein 18. Treffer im 12. Spiel, damit löste er Gerd Müller (17) als Rekordmann ab.

Dumm aus der Wäsche geguckt haben die Spieler beim Aufwärmen, die auf ihren Einsatz gehofft hatten. So vor allem Thomas Müller, der immer mehr in den Blickpunkt rückt, weil er nur wenige Einsatzminuten erhält. Geht seine Zeit bei den Bayern zu Ende? Man kann es sich nicht vorstellen, bei seiner Verbindung zu den Bayern und der privaten Situation als Pferdestallbesitzer. Aber er möchte noch bis 2025 spielen, aber wahrscheinlich nicht auf der Bank sitzen. Vielleicht gibt es für ihn und Torhüter Manuel Neuer in den Tagen vor dem Fest noch ein Weihnachtsgeschenk in Form der Vertragsverlängerung. Am Mittwoch in der CL gegen Kopenhagen dürfte ein Einsatz winken, der Trainer klagte ja über die große Belastung seiner Spieler und da ist für den einen oder anderen Schonung angesagt. Das Achtelfinale ist ja schon perfekt.

Unions neue Hoffnung

Die Bundesliga wird immer mehr zweigeteilt, keine Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte konnte am 12. Spieltag gewinnen, alle traten praktisch auf der Stelle bei vier Unentschieden (dreimal 1:1, einmal 0:0). Am meisten wurde der Punktgewinn bei Union Berlin gefeiert, es war schließlich der erste Zähler nach einer Niederlagenserie. Das Tor zum 1:1 von Volland gegen Augsburg fiel zudem spät in der 88. Minute. Interimstrainer Marco Grote geht dennoch ab sofort zurück zur U19. Beim Nachfolger für Urs Fischer sorgte Union für eine Überraschung, mit dem relativ unbekannten Kroaten Nenad Bjelica hat keiner gerechnet, sogar Spaniens Star Raul war im Gespräch. Nun soll Bjelica den Klassenerhalt schaffen, bis Oktober arbeitete er zuletzt bei Trabzonspor Istanbul, war vorher in Österreich und in seiner Heimat erfolgreich. Marie-Louise Eta bleibt Co-Trainerin und damit weiter die einzige Frau in der Bundesliga. Die erste Aufgabe wird schwer für den neuen Coach, es geht am Samstag zu den Bayern. Wichtiger sind die weiteren Spiele bis zum Jahresende (bisher 7 Punkte): Gladbach (H), Bochum (A) und Köln (H). Überhaupt stehen im Dezember wichtige Duelle im Abstiegskampf an. Schlusslicht Köln (6 Punkte): Darmstadt (A), Mainz (H), Freiburg (A) und Union (A). Mainz (8) auf Relegationsplatz16: Freiburg (H), Köln (A), Heidenheim (H), Dortmund (A). 15. Darmstadt (9): Köln (H), Heidenheim (A), Wolfsburg (H, Hoffenheim (A).

Die Klubs hoffen dabei auf mehr Glück als es Schiedsrichter Felix Brych hatte. Deutschlands erfolgreichster Schiri musste ausgerechnet in seinem Rekordspiel vorzeitig vom Platz. Er erlitt beim Spiel Frankfurt – Stuttgart einen Kreuzbandriss als er wegrutschte. Er versuchte es noch einmal, doch die Schmerzen waren zu stark, die Diagnose am Ende ein Schock. So droht eine lange Pause und möglicherweise bleibt es bei den 344 Spielen, die er wie Wolfgang Stark geleitet hat. Mit 48 Jahren hat er die eigentlich vom DFB festgelegte Altersgrenze sowieso überschritten, aber vielleicht kämpft er sich noch einmal zurück für den alleinigen Rekord.

Frauen kämpfen um Olympia

Im Frauen-Fußball sind alle Augen auf das Länderspiel am Freitag in Rostock gerichtet (20.30 Uhr, live im ZDF). Gegen Dänemark muss eine 0:2-Niederlage aus dem Hinspiel wettgemacht werden, um die Chance auf das Olympia-Ticket zu erhalten. Eine schlechte Nachricht hat Interimstrainer Horst Hrbusch schon erhalten, denn Torjägerin Lea Schüller fällt wegen einer Verletzung aus. So muss es jetzt „poppen“, alle Hoffnungen ruhen auf Kapitänin Alexandra Popp, die beim 5:0 von Wolfsburg im Pokal gegen Bremen ihr Comeback feierte und sich treffsicher zeigte. Die deutschen Mädchen müssen aber ihre Bestleistung abrufen und dürfen danach auch am Dienstag, 5. Dezember, in Wales nichts liegenlassen. Werden diese Aufgaben erfolgreich gelöst, folgen im März noch die entscheidenden Play-Off-Spiele der vier Gruppensieger um zwei Olympia-Tickets.

Die Männer werden sicherlich die Daumen drücken, schauen aber vor allem gespannt auf die Gruppen-Auslosung für die Europameisterschaft 2024 am Samstag (18.00 Uhr) in Hamburg. Alles über die Nationalmannschaft und die Auslosung im nächsten Blog „Der DFB, Nagelsmann und Probleme ohne Ende“.