Weihnachtspause nur für die Spieler, harte Arbeit hinter den Kulissen

von knospepeter

Die Fußball-Bundesliga ging in ihre verdiente Weihnachtspause. Doch Vorsicht: Die Hinrunde ist noch nicht beendet, sie wird erst mit dem 17., dem ersten Spieltag 2024 vom 12 bis 14. Januar, abgeschlossen. Bayer Leverkusen darf sich dennoch über den Platz an der Sonne freuen, ist aber nur Weihnachtsmeister. Die verdiente Pause gibt es allerdings nur für die Spieler, hinter den Kulissen steht in den nächsten Tagen harte und wichtige Arbeit an. Da geht es bei dem einen oder anderen Verein um den Trainer, viele Klubs suchen aber vor allem Verstärkungen. Von Weihnachtsruhe also keine Spur. Ein Spieler wird aber die Pause besonders genießen: Torjäger Harry Kane! Er musste in England bisher immer durchspielen, gerade zum Jahreswechsel ist der Stress dort besonders groß. Jetzt sagte Kane genüsslich: „Ich werde in der Sonne liegen und meinen alten Freunden eine Karte schicken!“

Was die Trainerwechsel angeht, so hat der 1. FC Köln nach dem schwachen Auftritt beim 0:2 bei Union Berlin einen Schnitt gemacht und sich von Trainer Steffen Baumgart getrennt. Eigentlich war der Mann mit der Mütze eine Kultfigur, doch es zählen nur die Ergebnisse. Die Ausbeute von zehn Punkten stieß Köln auf einen Abstiegsplatz. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht, es könnte aber sogar „Rentner“ Friedhelm Funkel werden, ein Fachmann in Sachen Rettung. Verstärkungen sind für die Rheinländer nicht möglich, der Sportgerichtshof CAS bestätigte eine Transfersperre des Vereins in der Sache Potocnik, der am 31. Januar 2022 widerrechtlich in Ljubljana kündigte und nach Köln wechselte.

Nur zehn Punkte stehen auch bei Schlusslicht Darmstadt und Mainz 05 nur zu Buche. Mainz hat bereits den Trainer gewechselt, beim Neuling Darmstadt bleibt man gelassener und zuversichtlich mit Thorsten Lieberknecht. In Mainz weiß man dagegen nicht so Recht, was man machen soll: Den Trainer „auf Zeit“ Ron Siewert weiter vertrauen oder einen neuen suchen? Das 1:1 in Dortmund sprach für Siewert, der die Mannschaft stabilisiert hat, sieben Punkte in sieben Spielen sind keine schlechte Bilanz, aber ein toller Aufwind war es auch wieder nicht.

Mehr Sorgen hat man sich da sogar in Dortmund gemacht, die Pleite von der verlorenen Meisterschaft kam wieder hoch (damals 2:2 gegen Mainz), Trainer Edin Terzic geriet wegen der nicht konstanten Leistungen in die Kritik. Logisch, dass der Krisenrat tagte, auch Sportdirektor Sebastian Kehl stand in der Diskussion. Der Daumen wurde allerdings nicht gesenkt, Terzic (als einstiger Fan fast ein Maskottchen des BVB) darf ebenso bleiben wie Kehl. Beider Verträge laufen bis 2025, wobei Kehl keine Weihnachtsruhe genießen darf, sondern Verstärkungen suchen muss. Sowohl defensiv als auch offensiv soll es besser werden. Nur mit wem? Der Markt gibt nicht viel her, zumal viele Vereine suchen.

Die Trainer der Hinrunde waren Xabi Alonso in Leverkusen und Sebastian Hoeneß in Stuttgart. Da bangen die Vereine eher im Hinblick auf die Zukunft, dass sie bleiben. Bei Bayer sieht man dem Neustart im Januar allerdings mit Sorgen entgegen, weil Asien- und Afrika-Cup die Mannschaft schwächen könnten. Vom 13. Januar bis 11. Februar wird der Afrika-Cup ausgetragen, vom 12. Januar bis 10. Februar der Asien-Cup, insgesamt 13 Vereine könnten bei entsprechender Nominierung betroffen sein, am stärksten eben Leverkusen, das wohl auf Tapsoba (Burkina Faso), Kossounou (Elfenbeinküste), Adli (Marokko), Tella und Boniface (beide Nigeria) verzichten muss. Bayer hat allerdings einen breiten Kader, der Clou, beim 4:0 gegen Bochum testete Trainer Alonso schon mal ohne diese Spieler. Es blieb fast unbemerkt. Also ruhige Weihnachten in Leverkusen.

Anders sieht es in München aus, auch wenn die Bayern mit Kim (Südkorea), Mazraoui (Marokko) und Choupo-Moting (Kamerun) nur drei Spieler ersetzen müssen. Im Gegensatz zu Leverkusen ist der Kader in München auf Kante genäht, nach Ausfällen lief der Bayern-Motor auf der letzten Rille und das Team rettete sich mit 2:1 in Wolfsburg gerade noch so in die Pause. Jetzt ist Sportdirektor Christoph Freund gefordert, gesucht wird vor allem Verstärkung in der Abwehr mit einem Innenverteidiger (nicht nur als Ersatz für Kim) und rechten Außenverteidiger. Das Problem: Auch in der gehobenen Preisklasse ist das Angebot rar, zumal auch Real Madrid einen Ersatz für David Alaba sucht, der einen Kreuzbandriss erlitt. In München herrscht ein bisschen Unzufriedenheit, obwohl die 38 Punkte nach 15 Spielen (eine Partie gegen Union fehlt noch) die beste Bilanz seit acht Jahren sind. Aber überzeugend waren die Schützlinge von Thomas Tuchel selten und der Blick geht in die Zukunft, mit einem weiteren Umbruch im Team, das große Ziel heißt Finale 2025 in der Champions League – in der Allianz Arena! Nicht umsonst haben die Ikonen Manuel Neuer und Thomas Müller ihre Verträge bis dahin verlängert. Übrigens: Das große Duell Leverkusen – Bayern ist von der DFL auf Samstag, 10. Februar (18.30 Uhr), terminiert.

Super League fühlt sich als großer Sieger

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Fußballwelt mit seinem Urteil aufgeschreckt, als er verkündete, dass in Europa die UEFA und auch Weltverband FIFA gegen die Marktgesetze der Europäischen Union verstießen, sie würden ihre „marktbeherrschende Stellung missbrauchen“. Da triumphierte Florentino Perez, Präsident von Real Madrid, der zusammen mit dem FC Barcelona Gründer der Idee der Super League ist und gegen die Ablehnung von UEFA und FIFA vor Gericht ging. Die Macher der Super League sehen sich als große Sieger und haben die neue Liga schon vor Augen, gingen prompt mir ihrer Ligen-Idee an die Öffentlichkeit. Neben der Champions League soll es in Europa auch die Super League geben, die nationalen Runden wären nicht betroffen. Doch welcher Verein nimmt teil, wie und wann sollen diese Spiele terminiert werden?

Nach dem ersten Schock strahlten die etablierten Verbände allerdings Gelassenheit aus, denn der EuGH urteilte nur in der Sache des Antrags, verurteilte die UEFA aber nicht zur Hilflosigkeit. Der Widerstand gegen die Super League ist nach wie vor groß, England und Deutschland werden nicht teilnehmen und die Fan-Organisationen gingen bereits wieder auf die Barrikaden, sie lehnen die Liga ab, die in ihren Augen nur gegründet werden soll, dass reiche Vereine noch reicher werden. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin betonte: „Die vom Gericht angeführten Mängel wurden zum Teil schon beseitigt, Nachbesserungen folgen. Im Grunde würde das bestehende Modell eher gestärkt.“ Er ist sich sicher: „Der Fußball steht nicht zum Verkauf, er bleibt vereint, sie können kreieren, was immer sie wollen.“

Wenn man so will, so hat die FIFA mit der erweiterten Klub-WM schon ein Gegenmodell geschaffen. In Saudi-Arabien wurde jetzt das letzte Turnier der alten Art ausgespielt, ab 2025 werden es 32 Mannschaften sein, die vom 15. Juni bis 13. Juli den „Klub-Weltmeister“ ausspielen. Europa stellt allein zwölf Mannschaften, Bayern München ist ebenso bereits gesetzt wie Paris, Inter Mailand, FC Porto und Benfica Lissabon, qualifiziert sind zudem die letzten Champion-League-Sieger Chelsea, Real Madrid und Manchester City. Deutschland wird zwei Vertreter stellen. Leidtragende sind die Spieler, die kaum eine Pause bekommen. Die Bundesliga endet am 17. Mai, das CL-Finale wird am 31. Mai gespielt, dazu gibt es Länderspiele im Juni und im August beginnt die neue Saison! Die Funktionäre planen rücksichtslos!

Frauen beliebter als Männer

Wer hätte das gedacht, in der „Beliebtheitsskala“ steht die Frauen-Nationalmannschaft vor den Männern! Den Beweis liefern die TV-Einschaltquoten 2023. Das WM-Spiel der Frauen gegen Kolumbien sahen 10,374 Millionen Fans (und das am Mittag!), bei den Männern war das Länderspiel gegen Frankreich mit 10,369 Millionen die Nummer 1. Auch die Frauen-Bundesliga bleibt im Aufwind, der Zuschauerschnitt stieg erneut an, von 2700 auf 2900. Vor dem Boom gab es nur dreistellige Zahlen.

Allerdings sind die Frauen-Teams jetzt gefordert, denn nur Erfolge locken die Fans und da hapert es international. Wichtig wäre, dass die Nationalmannschaft die Olympia-Qualifikation schafft und in der Champions League müsste wenigstens Bayern München noch das Steuer herumreißen. Eintracht Frankfurt hat mit dem 1:1 gegen Benfica Lissabon eine große Chance verpasst und es droht das Ausscheiden in den Gruppe A. Nur Dritter sind deerzeit auch die Bayern, die bei Ajax Amsterdam mit 0:1 ihre überhaupt erste Saison-Niederlage hinnehmen mussten, aber dennoch Chancen haben, das Ruder herum zu reißen. Dazu wäre aber am 24. Januar in Rom ein Sieg notwendig (Hinspiel 2:2). Man sieht, auch die Frauen büßen für ihre neue Popularität und haben keine richtige Winterpause. Bayern und Frankfurt müssen noch Pokalspiele nachholen und am 26. Januar geht es in der Bundesliga weiter.