Leverkusens Signal: Wir werden Meister!

von knospepeter

Das ist ein Zeichen beim Jahresauftakt der Fußball-Bundesliga: Der Bayern-Dusel wurde zum Bayer-Dusel. Leverkusen lässt sich auch von fehlenden Stars nicht verunsichern und sendete mit einem Siegtor in der 94. Minuten zum wichtigen 1:0-Sieg in Augsburg ein Signal: Wir werden Meister! Schluss mit Vizekusen, Trainer Xabi Alonso hat das „Mia san mia“, was er in München erlebt hat, seinem ersten Profi-Team als Coach eingeimpft. Bayer beendete die Hinrunde als ungeschlagener Halbzeitmeister, was ihnen in der Saison 2009/10 schon einmal gelang, doch da rutschten sie noch auf Rang vier ab. Das ist diesmal nicht zu erwarten. Dieser Durchmarsch gelang erst das siebte Mal, dreimal schaffte dies Bayern München und wurde am Ende der Saison auch immer Meister. Für Bayer ist dies auch ein Zeichen.

Erstaunlich, wie gelassen Xabi Alonso mit den Absenzen der wichtigen Spieler umgeht. Schließlich fehlen mit Tapsoba und Kossounou starke Abwehrspieler, sowie mit Adli (alle beim Afrika-Cup) und Torjäger Boniface (Adduktoren-OP) wertvolle Stürmer. Dazu „schonte“ der Trainer Jonathan Tah, dem eine Gelbsperre droht, vor dem Schlagerspiel gegen Leipzig und setzte den erkälteten Wirtz erst in der 62. Minute ein. Dennoch trumpfte Bayer gegen tapfere Augsburger auf, verzeichnete 76 Prozent Ballbesitz und hatte das gleiche Verhältnis bei den Torschüssen. Da war das 1:0 hoch verdient und keineswegs der erste späte Treffer. Früher verzweifelte Bayer in solchen Spielen, Alonso hat seinem Team Selbstvertrauen bis zum Schluss vermittelt. So blieb Leverkusen auch international ungeschlagen, in insgesamt 26 Pflichtspielen. Auffallend: Bayer spielt den besten Fußball der Liga und der einst kritisierte Werksklub wird immer beliebter. Kann der Tabellenvierte Leipzig nun der Erste sein, der Leverkusen schlägt? Die Generalprobe ging schief, RB erlitt das Gegenteil, nämlich die erste Heimniederlage der Saison mit dem 0:1 gegen Frankfurt. Aber gerade das könnte den Ehrgeiz vor dem Duell am Samstag (18.30) besonders anstacheln, zumal es in der Hinrunde in Leverkusen (3:2 für Bayer) schon knapp war.

Und was machen die Bayern? Die sind am Sonntag erst einmal in ein kurzes Trainingslager bis Donnerstag nach Portugal geflogen. Da wird nicht Kondition gepaukt, sondern es gilt vor allem als Teambuilding-Maßnahme vor der Rückrunde und einer englischen Woche mit Spielen gegen Bremen (Samstag), das Nachholspiel gegen Union Berlin (Mittwoch) und in Augsburg (27.1.). 18 Profis und sieben Nachwuchsspieler sind mit von der Partie, nicht dabei ist Joshua Kimmich, der Nachwuchs erwartet, mit dabei ist Neuzugang Eric Dier, der ins Team integriert werden und das Bayern-Spiel kennenlernen soll. Der Kumpel von Torjäger Harry Kane wurde von Tottenham ausgeliehen und soll die Abwehr verstärken, kann aber auch im Mittelfeld aushelfen. Apropos Harry Kane, der stellte mit seinem 22. Treffer in der Nachspielzeit beim 3:0 gegen Hoffenheim den Hinrunden-Torrekord von Robert Lewandowski ein und kündigt selbstbewusst an: „Natürlich versucht man, die Rekorde zu brechen.“ Ihm bleibt ja für die Hinrunde noch das Nachholspiel gegen Union. Dann wollen auch die Bayern ihre Leichtigkeit wiedergefunden haben, die Leverkusen derzeit auszeichnet.

Borussia Dortmund bemühte die Vergangenheit, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Nach Sahin und Bender als Co-Trainer hilft jetzt auch wieder Jadon Sancho als Flügelflitzer. Er wurde von Manchester United ausgeliehen, wo er ein bisschen in Ungnade gefallen war. Beim alten Verein in Dortmund hat er sein Lächeln wieder gefunden, legte beim 3:0-Sieg Freund Marco Reus den vorentscheidenden Treffer zum 2:0 auf und so fühlt sich die Borussia fit für einen Höhenflug. Der Start ins neue Jahr konnte nicht besser sein, weil die Konkurrenz Federn ließ, nach Leipzig auch Stuttgart mit einer 1:3-Niederlage in Gladbach. Ist der Höhenflug des VfB vorbei? Wir werden es am Samstag in Bochum sehen.

Am Tabellenende gibt es ein Schneckenrennen, Unentschieden waren an der Tagesordnung, es hat sich quasi nichts getan. Allerdings gerät Köln immer mehr in Not, diesmal wegen Verletzungssorgen. Davie Selke sorgte mit einer artistischen Einlage beim 1:1 gegen Heidenheim wieder einmal für das einzige Tor, aber jetzt fällt er mit einer Verletzung ebenso wie Waldschmidt länger aus. Köln ohne Lebensversicherung, das riecht nach Abstieg.

In der 2. Bundesliga tummeln sich bekanntlich schon Traditionsvereine und mühen sich teils vergebens, endlich wieder im Oberhaus mitzumischen. Das gilt vor allem für den Hamburger SV, der traurig auf Leverkusens „Unschlagbarkeit“ schaut, denn der HSV war in der Saison 1982/83 der erste Verein, der in einer Hinrunde der Bundesliga ungeschlagen blieb. Derzeit sind die Hamburger Dritter im Unterhaus und fast Woche für Woche schwankt die Stimmung, ob sie den Aufstieg schaffen oder nicht. Am Wochenende startet die Rückrunde der zweiten Liga und beim Schlagerspiel auf Schalke (Samstag, 20.30 Uhr) treffen gleich die zwei populärsten Klubs aufeinander, Schalke hat aber Abstiegssorgen, der HSV erhofft sich neuen Schwung mit Flügelflitzer Magaya Okugawa, der vom FC Augsburg ausgeliehen wurde.

Einen wie Franz Beckenbauer wird es nie mehr geben

Nicht nur die Fußballgemeinde war geschockt, als vor einer Woche der Tod von Franz Beckenbauer bekannt wurde. Die Welt ohne den „Kaiser“ ist fast undenkbar, allerdings war Freunden bekannt, dass es dem 78-Jährigen in den letzten Monaten sehr schlecht ging, Termine musste er absagen. Mit seinem Tod ist nicht nur die Fußballwelt ärmer geworden, der Weltmeister von 1974 als Spieler und 1990 als Trainer hat auch viel für das Image für das Land Deutschland getan. Nicht umsonst heißt es, „einen wie ihn wird es nie mehr geben“. Beckenbauer brillierte auf dem Spielfeld, erfand den Libero in einer freien Rolle, die nur er perfekt ausüben konnte. Beckenbauer beeindruckte als Mensch mit einer Unbeschwertheit und Leichtigkeit sowie einem losen Mundwerk, so dass ihm die Herzen zuflogen. Für Schatten wegen dunkler Finanztransaktionen oder ungeklärten Geldern rund um das Sommermärchen bei der WM 2006 in Deutschland sorgten vor allem seine Berater, weil der „Kaiser“ auch in diesen Angelegenheiten seine Leichtigkeit walten ließ, wo Ernsthaftigkeit notwendig gewesen wäre. Aber das trübt sein Lebenswerk nicht, er war der Größte, den der deutsche Fußball bisher hergebracht hat und hat ein Denkmal verdient. Beckenbauer wurde in München im Familienkreis beerdigt, am Freitag kann die Fußballgemeinde ab 15 Uhr bei einer Trauerfeier in der Allianz Arena von ihm Abschied nehmen. Danke für die vielen schönen Stunden Franz Beckenbauer.

Handballer Lieblinge der Nation

Bei der Europameisterschaft in Deutschland erobern die Handballer die Herzen der Sportfans. Während die ansonsten so gefeierten Fußballer zuletzt nur Enttäuschungen ablieferten, schwingt sich die Handball-Nationalmannschaft zur Nummer 1 (noch vor Weltmeister Basketball). Sowohl gegen die Schweiz als auch beim 34:25 gegen Nordmazedonier lieferten die Handballer ein Feuerwerk von Klasse und Begeisterung und haben sich damit vorzeitig für die Hauptrunde qualifiziert. Allerdings ist noch nichts gewonnen und das abschließende Gruppenspiel gegen Frankreich am Dienstag (20.30 Uhr) in Berlin gegen Frankreich ist von doppelter Bedeutung. Einmal für das DHB-Team selbst, weil die Punkte mit in die Hauptrunde genommen werden. Gewinnt Deutschland, könnte die Schweiz aufrücken, wenn sie Nordmazedonien hoch schlägt, weil sie gegen Frankreich ein überraschendes 26:26-Unentschieden erreichte. Da zählt dann das Torverhältnis.

Im DHB-Team beeindrucken vor allem beide Torhüter sowie der Spielmacher und Torjäger Juri Knorr. Im Kasten waren sowohl Andreas Wolff gegen die Schweiz als auch sein Vertreter David Späth gegen Nordmazedonien schier unüberwindbar. Mit dieser Sicherheit lässt sich vorn befreit aufspielen, das tat neben Juri Knorr vor allem auch Julian Köster in Abwehr und Angriff, er gilt als die Entdeckung in diesem Turnier. Nun muss allerdings erst einmal die Hauptrunde mit Spielen von Donnerstag bis Mittwoch, 24. Januar, gut überstanden werden. Die Hauptrunde wird in zwei Gruppen gespielt, nur die jeweils zwei besten Teams qualifizieren sich für das Halbfinale. Werden wir also Deutschland noch am Wochenende vom 26./28. Januar sehen? Dann hätten wir endgültig neue Sport-Helden. Schon gegen Nordmazedonien sahen 7,38 Millionen im Fernsehen zu, mehr als zuletzt der Fußball locken konnte.