Bayern-Schock: Die besten Jahre sind vorbei!
von knospepeter
Am Freitag nahm Bayern München mit einer überwältigenden Trauerfeier endgültig Abschied vom verstorbenen Franz Beckenbauer und gedachte noch einmal seiner großen Leistungen als Mensch und Sportler. Einer, den es so niemals wieder geben wird, einer, der den größten Anteil daran hatte, dass der FC Bayern heute der dominierende Verein in Fußball-Deutschland ist. Am Sonntag, beim Bundesligaspiel gegen Werder Bremen, saß Beckenbauers alter Weggefährte Uli Hoeneß immer noch mit trauriger Miene auf der Tribüne, sah seine Bayern verlieren und sinnierte wohl: Die besten Jahre sind vorbei!
Was war los mit der Mannschaft? War es Überheblichkeit? War das Kurz-Trainingslager in Portugal eher kontraproduktiv? Die nackten Zahlen mussten die Bayern in Sicherheit wiegen: Seit 2008, seit 28 Spielen (24 Siege, 4 Remis) gegen Werder Bremen nicht mehr verloren, zuletzt in 65 Heimspielen immer getroffen und damit einen Bundesliga-Rekord aufgestellt, Werder kam als schwächstes Auswärtsteam der Liga, Thomas Müller und Joshua Kimmich haben gegen Bremen noch nie verloren. Bis zum 0:1 am Sonntag. Müller ernüchtert: „Wir haben um die Niederlage gebettelt“. Kimmich: „Die Bremer waren hungriger als wir“. Die Bayern pomadig, sorglos, einfallslos, als wollten sie jeder Anstrengung aus dem Weg gehen. Selbst Boss Jan-Christian Dreesen wunderte sich: „Wir haben 70 Minuten langweiligen Fußball gespielt.“ Nach elf Titeln in Folge wird es so nichts mit der zwölften Meisterschaft am Stück, ganz im Gegenteil, bildlich gesprochen gab es von Werder „eine voll auf die Zwölf“.
Werder freut sich dagegen gerade über eine kleine Serie, fünf Spiele ohne Niederlage, beste Aussichten also auf den Klassenerhalt. Dabei fehlte Torjäger Marvin Ducksch gelbgesperrt, Rafael Borre saß nur auf der Bank, doch das junge Duo Nick Woltemade und Justin Njinmahs machte der Bayern-Abwehr das Leben schwer. Dazu stellte Mitchell Weiser seinen Gegenspieler Alphonso Davies als Schwachpunkt bloß. Er „vernaschte“ ihn beim goldenen Tor, zeigte mehr Durchsetzungsvermögen. Da staunte auch Manuel Neuer beim Schuss hoch ins kurze Eck. Werder könnte jetzt auf dem Weg zum Klassenerhalt sein, wenn nicht der Bayern-Fluch wirkt. Wer den Meister schlägt, muss meist in den nächsten Spielen mit Niederlagen büßen. Was tragisch wäre, die nächsten Werder-Gegner heißen Mainz, Heidenheim, Köln und Darmstadt – Gelegenheit, sich aus dem Abstiegskampf zu verabschieden.
Der große Bayern-Gegner (außer den eigenen Unzulänglichkeiten) heißt vor allem Bayer Leverkusen. Es wiederholte sich, wie schon vor einer Woche in Augsburg, Leverkusen siegte auch beim Schlagerspiel in Leipzig in der Nachspielzeit. 3:2 in der 91. Minute und hat im Moment sieben Punkte Vorsprung vor den Münchnern, für die es jetzt gar nicht mehr so sicher ist, dass sie am Mittwoch im Nachholspiel gegen Union Berlin den Rückstand verkürzen können. Dann geht es nach Augsburg, das in Gladbach beim 2:1-Sieg Selbstvertrauen tankte. Im Gegensatz zu Thomas Tuchel in München hat Xabi Alonso den „Laden“ in Leverkusen im Griff. Er lässt sich von personellen Rückschlägen nicht beeindrucken, bekanntlich fehlen Spieler, dazu musste mit Frimpong ein Schlüsselspieler verletzt vom Platz. Egal, Leverkusen siegt weiter, bleibt ungeschlagen. Es scheint, dass Tuchel der Trainer ist, der die Meister-Serie abreißen lässt. Die besten Jahre sind halt vorbei.
Es wäre zu viel, davon zu sprechen, dass Dortmund auf gute Jahre hofft, die Borussia tut aber alles, damit die Rückrunde erfolgreich verläuft, ein Platz in der Champions League ergattert wird und damit die Saison gerettet ist. Aber wie stark ist die „runderneuerte“ Borussia wirklich, Siege gegen die Kellerkinder Darmstadt und Köln streuen vielleicht Sand in die Augen. Immerhin aber gab es zweimal kein Gegentor, was Trainer Edin Terzic gefällt: „Wir wollen mehr Sicherheit“. Köln spielte wie ein Absteiger, der Trainerwechsel verpuffte, da ist bei Darmstadt mehr Leben, hat aber nicht mehr Punkte. Es bleibt dabei, am Tabellenende gibt es keine Bewegung.
Die Ultras werden zur Gefahr
Ein Spielabbruch war nahe, das Spiel Bochum gegen Stuttgart war 56 Minuten lang unterbrochen, weil Ultrafans aus Stuttgart mit einer riesigen Zaunfahne gegen den Einstieg von Investoren bei der DFL protestierten. Eigentlich ihr gutes Recht, doch sie schießen mit ihren Aktionen über das Ziel hinaus. In Bochum wurden Fluchtwege blockiert und deshalb wurde aus Sicherheitsgründen nicht mehr angepfiffen, bis das Problem gelöst werden konnte, ohne dass die Fahne ganz verschwand. Die Ultras blieben stur, sie nahmen rund 25.000 Zuschauer in Geiselhaft, die eigentlich Fußball sehen wollten. Dies zeigt wieder deutlich, dass es den Ultras nur um sich selbst und ihre Interessen geht. Der Fußball dient ihnen als Unterhaltung und er soll sich gefällig so organisieren, wie sie es wollen. Damit sind sie auf dem Holzweg und werden für die Bundesliga immer mehr zu Gefahr. Sie missachten Sicherheitsbestimmungen, versuchen Vereinsführungen unter Druck zu setzen und stören den Spielbetrieb. Die Kommerzialisierung ist ihnen ein Dorn im Auge, aber die Spiele der Millionäre besuchen sie doch. Wäre es da nicht ehrlicher, wenn sie – als friedliche Fans, die nur reinen Fußball sehen wollen – den Amateuren ihre Aufwartung machen würden?
Schiedsrichter Dankert bewies in Bochum unendlich Geduld, aber es wäre interessant zu wissen, wie ein Sportgerichtsurteil ausgefallen wäre. Ein Wiederholungsspiel ohne Zuschauer? Wer hätte die Punkte bekommen? Beide Klubs stehen am Pranger: Bochum war für die Sicherheit zuständig, wie kamen die Banner ins Stadion? Stuttgart muss für seine Fans büßen. Aber das ist ja den Ultras egal, dass „ihr“ Verein tausende von Euro zahlen muss, wenn sie mit Pyro und ähnlichem über die Stränge schlagen. Der Beweis: Es geht um sie, die Ultras, nicht um den Verein. Allein das sollte den Klubs zu denken geben.
Die 2. Bundesliga stand bei ihrem Start in die Rückrunde im Zeichen der Trauer. Überraschend ist Hertha-Präsident Kay Bernstein im Alter von nur 43 Jahren gestorben. Zwei Jahre war er im Amt, schaffte den Weg vom Ultra bis zum Präsidenten und leistete an der Spitze des Vereins hervorragende Arbeit. Er brachte Ruhe in den Klub und verordnete Hertha den „Berliner Weg“, das heißt solide finanzielle Basis und das Augenmerk auf die Nachwuchsarbeit. Dieser „Berliner Weg“ wird sein Vermächtnis bleiben. Mit einem Trauermarsch zum Olympiastadion gedachten rund 7000 Fans dem Präsidenten. Hertha fand mit dem 2:2 gegen Düsseldorf ein bisschen Trost. Im Spitzenspiel gewann der Hamburger SV bei Schalke 04 mit 2:0 und bleibt Dritter.
Gleich Stress für die Frauen
Auch im Frauen-Fußball ist die Winterpause beendet. Dabei geht es für Bayern München und Eintracht Frankfurt gleich in die Vollen, denn sie müssen vor dem ersten Bundesligaspiel bereits in der Champions League starten. Ein Kaltstart gewissermaßen, denn die Nachholspiele im Pokal wurden auf Februar verlegt. Beide Teams wissen also nicht, wo sie stehen. Hart trifft es die Eintracht, die am Donnerstag gleich beim Gruppenfavoriten FC Barcelona antreten muss. In der Bundesliga geht es am Sonntag gegen Köln.
Mehr Hoffnungen macht sich da Bayern München, aber auch der Meister steht unter Druck, die CL-Gruppe ist sehr ausgeglichen und nur mit einem Sieg bei AS Rom am Mittwoch bleiben die Chancen aufs Weiterkommen intakt. Die Bayern-Mädchen klagen, dass sie durch die Wechsel im Team noch nicht zur richtigen Form gefunden haben. Aber es bleibt unruhig, mit Lena Magull verließ so etwas wie eine Vereinsikone das Team. Die frühere Kapitänin hofft bei Inter Mailand auf mehr Spielpraxis, sie gehörte nicht mehr zur Stammelf. Pech hatten die Bayern mit den Stars Harder und Eriksson, die beide mit Verletzungen ausfielen, wobei Pernille Harder jetzt endlich für Schwung sorgen soll. In der Abwehr gibt es durch den Ausfall von Magdalena Eriksson nach ihrem Mittelfußbruch Probleme, deshalb wurde von Juventus Turin bis Saisonende die 36-jährige Innenverteidigerin Linda Sanbrandt ausgeliehen, die bereits 134 Länderspiele für Schweden absolviert hat.
Mit einem wichtigen Spiel geht auch die Bundesliga für die Bayern-Mädchen los, denn am Samstag kommt mit der TSG Hoffenheim ein Verfolger nach München. Punktverluste dürfen sich die Bayern nicht mehr leisten, denn der Dauerkonkurrent VfL Wolfsburg hat bekanntlich die Tabellenspitze übernommen. Essen wird für die Wölfinnen aber auch keine leichte Aufgabe sein.