Titel oder nicht – Tage der Weichenstellung für das ungeschlagene Leverkusen

von knospepeter

Elf Meisterschaften in Serie – Bayern München sorgte für Langeweile in der Bundesliga. Die Nummer 12 hängt allerdings in der Luft, mit der Langeweile ist es vorbei, die Bayern haben einen ernsthaften Konkurrenten. Er heißt allerdings nicht Borussia Dortmund oder RB Leipzig, sondern Bayer Leverkusen, die Überraschungsmannschaft der Saison. Im Vorjahr lag Bayer nach acht Spieltagen noch auf einem Abstiegsplatz, dann kam Xabi Alonso. Der Spanier startete als neuer Trainer mit einem 4:0-Sieg gegen Schalke und erweckte Leverkusen zu neuem Leben, am Ende war das Team Sechster und für die Europa League qualifiziert. Der Aufschwung hält an, Bayer ist als einzige Mannschaft der großen Ligen in Europa in allen Pflichtspielen noch ungeschlagen und hat deshalb drei Titelgewinne im Visier. Die Frage „ob Titel oder nicht“ wird zum Teil in dieser Woche beantwortet. Es sind die Tage der Weichenstellung für Leverkusen: Am Dienstag im Pokal gegen Stuttgart und am Samstag das „Spiel der Spiele“ in der Bundesliga gegen Bayern München. Xabi Alonso und seine Schützlinge können viel gewinnen, aber eben auch viel verspielen.

„Ganze Konzentration auf Stuttgart“ heißt es logischerweise zunächst bei Bayer, die Fans schauen aber mehr auf den Samstag. Gewinnt allerdings Leverkusen am Dienstag, ist man dem ersten Titel schon ganz, ganz nahe, denn nach Stand der derzeitigen Form ist das Duell mit dem VfB das vorgezogene Endspiel. Die Zweitligisten sorgten für die Überraschungen, die Erstligisten bleiben dennoch die Favoriten. Der 1. FC Kaiserslautern (3:1 bei Hertha BSC Berlin) und Fortuna Düsseldorf (2:2/4:3 n. E. bei St. Pauli) haben sich überraschend für das Halbfinale bereits qualifiziert. In der zweiten Woche sind jetzt die Bundesligisten dran, wobei Borussia Mönchengladbach in Saarbrücken bestehen muss. Der Drittligist hat bekanntlich u. a. Bayern München ausgeschaltet. Die Borussia ist also gewarnt. Vielversprechend allerdings die Partie am Dienstag mit zwei Teams, die ihre Stärke in der Offensive und im schnellen Spiel haben. Dazu die Frage der Woche: Erleidet Bayer seine erste Niederlage?

Mehr im Mittelpunkt steht aber das Bundesliga-Spitzenspiel. Gibt es da für Leverkusen die erste Niederlage, dann wäre das gleichbedeutend mit dem Verlust der Tabellenführung, die Meisterschaft aber wäre noch lange nicht entschieden. Mehr unter Druck stehen natürlich die Münchner, die bei einer Niederlage mit fünf Punkten Rückstand hinterher hecheln müssten. Im Hinspiel in der Allianz-Arena gab es beim 2:2 keinen Sieger. Beide zeigten zuletzt unterschiedliche Spiele: Leverkusen schwungvoll, Zweckfußball bei den Bayern.

Es ist ein Duell der Superlative, noch nie hatten die ersten zwei Teams 102 Punkte geholt, die Bayern sind der beste Zweite aller Zeiten. Die Konkurrenz bleibt weit zurück, in der Tabelle der Dritte Stuttgart bereits zehn Punkte hinter den Bayern. Aussagekräftig ist auch die Statistik der Fachzeitung kicker: Die fünf besten Spieler nach kicker-Noten kommen aus Leverkusen (Wirtz, Kassounou, Grimaldo, Tah, Palacios)! Dahinter die Bayern Kane und Sané, die sich in der Scorerliste revanchieren und da die Rangliste mit 30 bzw. 20 Punkten anführen. Die Bayern haben allerdings mit Verletzungen zu kämpfen (jetzt fällt auch Davies aus), Bayer kann dagegen mit Rückkehrern vom Afrika-Cup die Abwehr verstärken. Die mit Gelb gefährdeten Spieler haben die Vorwoche überstanden, Xhaka beim 2:0 in Darmstadt auf der einen und de Ligt bzw. Sané auf der anderen Seite sind dabei. Gelbsperren werden jetzt immer mehr alle Spiele beeinflussen.

Das „Spiele der Spiele“ ist aber auch ein Duell der Jungstars. Auf den ersten Blick die beiden 20-jährigen Florian Wirtz und Jamal Musiala, die Hoffnungsträger des deutschen Fußballs. Inzwischen gesellt sich allerdings überraschend ein 19-Jähriger hinzu, durch die Verletzungsmisere bei den Bayern ging nämlich der Stern von Aleksandar Pavlovic auf, er beeindruckt die Fachwelt und lässt im Mittelfeld sogar Joshua Kimmich nicht vermissen. Ein Wink auch für Bundestrainer Julian Nagelsmann! Der gebürtige Münchner lebt wirklich ein Märchen mit seinem Weg vom Balljungen zum Bundesliga-Star. Er sorgte dafür, dass die Bayern in die Erfolgsspur zurückkehrten, ein weiterer Faktor beim 3:1 gegen Gladbach war Thomas Müller, zuletzt meist nur auf der Bank. Jetzt spielte er von Anfang an, war an zwei Toren entscheidend beteiligt und feierte seinen fast unglaublichen 500. Sieg im 690. Spiel. Das gab es in der Bundesliga noch nie. Da kann Trainer Thomas Tuchel auch in Leverkusen nicht an dem Routinier vorbei. Müller scherzt: „Ich würde mich aufstellen.“ Münchens Trainer hat aber noch eine andere Baustelle aufgemacht mit einer Diskussion mit den Medien, er fühlt sich hintergangen und unberechtigt kritisiert. Ein Ärgernis konnte er nicht abstellen, die Zeitung mit den vier großen Buchstaben veröffentlicht nach wie vor Internas aus der Bayern-Kabine, so soll Tuchel den Spielern vorgeworfen haben „Ihr gebt mir keine Energie“. Es wird suggeriert, Teile der Mannschaft stellen sich gegen den Trainer. Keine guten Voraussetzungen vor dem Spitzenspiel.

Schlagzeilen machten in allen Stadien auch die Fans, die weiterhin als Protest gegen die Investoren-Entscheidung der DFL für Unterbrechungen sorgen. Am Schlimmsten war es bei Hertha in der 2. Bundesliga, als das Spiel (1:2 gegen HSV) für 32 Minuten unterbrochen war, weil laufend Tennisbälle auf das Spielfeld geworfen wurden. Ein Abbruch war nahe. Wobei die Hertha-Fans vergessen, dass mit Lars Windhorst ein Investor mit über 300 Millionen Euro den Vereine ebenso gerettet hat wie jetzt der Vertrag mit „777 Partners“, ein Investor, wie er von der Tribüne bekämpft wird! Die Fans lassen die Herzen sprechen, vergessen aber die Vernunft.

Sportlich fiel vor allem der 1. FC Köln auf, der mit einem 2:0 gegen Frankfurt mit einer jungen Mannschaft in die Erfolgsspur zurück fand. Seinen ersten Sieg 2024 bejubelte auch RB Leipzig beim 2:0 gegen Union. Im Abstiegskampf ist wieder Leben, wobei das Nachholspiel am Mittwoch in Mainz besondere Brisanz genießt. Sollte Gegner Union Berlin gewinnen, hätten Mainz und Darmstadt mit elf Punkten auf den Abstiegsplätzen endgültig den Kontakt zum rettenden 15. Platz verloren.

Glücksspiel Biathlon-WM

Bei den deutschen Fernsehzuschauern ist nach wie vor Biathlon der beliebteste Wintersport. Entsprechend im Mittelpunkt steht deshalb auch die Weltmeisterschaft in Nove Mesto (Tschechin), die am Mittwoch beginnt und bis Sonntag, 18. Februar, dauert. Die deutsche Mannschaft will sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern vorne mitmischen, doch die WM wird auch ein Glücksspiel. Da ist zuerst das Wetter, die Aussichten sind für Biathlon ungünstig mit viel Wind, teilweise sogar starken Böen. Zudem dürfte das Wachsen bei unterschiedlichen Temperaturen zum Glücksspiel werden. Bisher hatten meist die Norweger die besten Ski. Dennoch, ganz chancenlos sind die deutschen Athleten nicht, wenn es denn auch mit dem Schießen klappt.

Bei den Männern stellt sich die Frage nach den Siegern kaum, im Zweifel ein Norweger, meist der überragende Johannes Thingnes Bö, der im Weltcup führt. Da sind gleich sechs Norweger vorn und dies zudem an allen Disziplinen. Hoffnungsfunken: Deutschland ist in der Nationenwertung die Nummer zwei, Benedikt Doll (8.), Johannes Kühn (9.), Philipp Nawrath (11.) und Justus Strelow (12.) sind alle in der Gesamtwertung vorn dabei. Außerdem schafften Roman Rees und Philipp Horn den Sprung ins WM-Aufgebot. Vier Saisonsiege konnten schon gefeiert werden.

Vergessen wir nicht, dass beim Saisonstart Philipp Nawrath das Gelbe Trikot trug. Dies tat auch Franziska Preuß, die größte Hoffnungsträgerin bei den Frauen. Bei ihnen gibt es keine dominierende Nation, ergo mehr Spannung. Allerdings führt auch hier mit Ingrid Landmark Tandrevold eine Norwegerin die Gesamtwertung an, aber danach ist es gemischt. Preuß fiel zwischendurch wieder wegen Krankheit aus, ist aber Achte, Vanessa Vogt Elfte. Neben Janina Hettich-Walz und Sophia Schneider gehören zwei Nachwuchstalente zum WM-Kader, Selina Grotian und Johanna Puff haben aber im Weltcup noch nicht überzeugt. Sollte es Ausfälle geben, könnte das die Erfolgsaussichten in der Staffel mindern. Die Staffeln gehören bei Männern und Frauen zu den Disziplinen, wo besonders auf Medaillen gehofft wird.

Für Spannung ist also gesorgt, gute TV-Zuschauerzahlen sollte es auch geben, die Startzeiten sind meist am Spätnachmittag um ca. 17.00 Uhr, so dass schon einige Fans die Wettbewerben am Bildschirm verfolgen können. Los geht es am Mittwoch (17.00 Uhr) mit der Mixed-Staffel, der Schlusstag am Sonntag, 18. Februar, bringt die interessanten Massenstarts der Frauen (14.05 Uhr) und Männer (16.20 Uhr).