Aus Vizekusen wird ein Titelhamster! Und was wird aus Tuchel?

von knospepeter

Wachablösung!!! Mit einer wahren Demontage machte Bayer Leverkusen Dauermeister Bayern München deutlich, dass die Titelserie zu Ende ist. Wer den für die Bayern peinlichen 3:0-Sieg von Leverkusen gesehen hat, kann sich nicht vorstellen, dass Trainer Xabi Alonso und seine Mannen diese einmalige Chance nicht nutzen. Es war eine vorentscheidende Woche für Bayer und sie haben sie auf der ganzen Linie genutzt. Mit ein bisschen Glück und viel Können. Am Dienstag zogen sie mit einem 3:2 gegen den VfB Stuttgart (mit einem Treffer von Tah in der 90. Minute!) ins Pokal-Halbfinale ein, am Samstag stellten sie die Weichen für den Gewinn der Meisterschaft. Aus dem einst verhöhnten Vizekusen (der ewige Zweite) wird nun ein Titelhamster, denn in der Europa League gehört Bayer mit diesen Leistungen auch zum Favoritenkreis.

Das „Spiel der Spiele“ in der Bundesliga wurde zuerst zu einem taktischen Schlagabtausch der Trainer. Alonso wollte die Bayern „spiegeln“ und baute auf Viererkette um, Thomas Tuchel wollte Bayer „spiegeln“ und setzte erstmals auf Dreierkette. Alonsos Rechnung ging auf, Tuchels nicht. Die Bayern-Abwehr machte Fehler, deutlich beim 1:0 durch Josip Stanicic. Andrichs scharfer Pass ging durch die gesamte Abwehrreihe, Stanicic stand allein und hatte keine Mühe. Ausgerechnet Stanicic. Der 23-jährige gebürtige Münchner, der für Kroatien spielt, hatte zu wenig Einsatzzeiten bei Bayern, ließ sich nach Leverkusen ausleihen und wurde Alonsos Trumpfkarte als rechter Verteidiger. Für 30 Millionen Euro holten die Bayern den Franzosen Sache Boey als Ersatz, der heillos überfordert war. Die vielen fehlgeschlagenen Transfers der letzten Monate wurden für die Münchner schmerzlich deutlich.

Überfordert ist anscheinend auch Trainer Thomas Tuchel, denn angesichts der (Nicht)Entwicklung der Mannschaft, fragt man sich: Was wird aus Tuchel? Immer wieder hat das Team unerklärliche Aussetzer, kassierte die dritte Niederlage nach ebenso peinlichen 1:5 in Frankfurt und dem 0:1 daheim gegen Bremen. Leverkusen ist noch ungeschlagen! Tuchel brachte viel zu spät die erfahrenen Thomas Müller und Joshua Kimmich und unisono beklagten hinterher Tuchel und Müller, dass die Mannschaft im Training ein ganz anderes Gesicht zeige. „Leverkusen spielt befreit auf, wir sind zu verkopft, trauen uns nichts“, hat Thomas Müller erkannt. Was auch heißen kann: Die vorgegebene Taktik von Tuchel kommt nicht an, es wird zu viel überlegt. Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Erstmals seit 30 Jahren hatten die Bayern keine echte Torchance, ganze 18 Ballkontakte hatte Torjäger Harry Kane, der von Bayer buchstäblich kalt gestellt wurde. Überhaupt lahmt die Offensive der Bayern, das „mia san mia“ ist nicht erkennbar. Und ausgerechnet in dieser Phase der Unsicherheit verzichtet der Trainer mit Müller auf seinen erfahrensten Spieler. Das sagt alles.

Der Weg für Leverkusen zur ersten Meisterschaft ist frei, man kann sich nicht vorstellen, dass die Mannschaft einen Einbruch erlebt. Die Bayern hoffen natürlich, es klingt wie das Pfeifen im dunklen Wald, wenn sie sich Mut machen „fünf Punkte kann man aufholen, haben wir schon gemacht“. Von den anderen Konkurrenten scheint es sowieso keine Gefahr für den Tabellenführer zu geben, von Stuttgart über Dortmund bis Leipzig haben sie alle nur die Champions League als Ziel, wobei der Außenseiter VfB nicht gewillt scheint, den Favoriten den Weg frei zu machen. Im Pokal trifft Bayer im Halbfinale auf Fortuna Düsseldorf, Kaiserslautern erwartet den Sieger des abgesagten Spiels Saarbrücken/Gladbach.

Die Sache mit einer Ausleihe der Spieler werden nicht nur die Bayern überdenken, auch Bremen wunderte sich. Ausgerechnet der verliehene Stürmer Eren Dinkci war der entscheidende Spieler beim 1:2 gegen Heidenheim, dazu traf noch der Ex-Bremer Niklas Beste. Pech gehabt. Der Aufsteiger ist damit seit acht Spielen ungeschlagen und befindet sich mit Rang neun in der oberen Hälfte der Tabelle. Es gibt aber auch noch andere bemerkenswerte Serien. Hoffenheim wartet nach dem 1:1 gegen Köln seit sieben Spielen auf einen Dreier. Der Vorletzte Mainz wird den Abstieg nicht verhindern können, wenn er auswärts nicht auch mal gewinnt, das schaffte er als einziger Verein bisher nicht. Der neue Trainer Jan Siewert kann sowieso nicht gewinnen, unter seiner Regie blieb Mainz elfmal sieglos. Da kündigt sich ein neuer Trainerwechsel an. Andere Sorgen hat Augsburgs Torhüter Finn Dahmen, der einen Rekord hält, den er sicher nicht haben wollte: In seinen bisher 34 Bundesliga-Spielen blieb er nie ohne Gegentor! Immerhin hielt er einen Elfmeter und sicherte dem FCA damit beim 2:2 gegen Leipzig den ersten Heimpunkt 2024.

In Sachen Trainer hat der Hamburger SV in der 2. Bundesliga bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Sportdirektor Jonas Boldt und der Vorstand haben die Nase voll vom ständigen Auf und Ab unter Trainer Tim Walter. Der ersehnte Aufstieg scheint einmal nah, dann wieder fern und nach der erneuten vogelwilden 3:4-Heimpleite gegen Hannover war das Fass übergelaufen, Walter wurde am Montag entlassen. Eine schon längst notwendige Entscheidung, zumal mit Steffen Baumgart, der zuletzt in Köln gute Arbeit geleistet hat, ein Mann zur Verfügung steht, der schon vor zweieinhalb Jahren Kandidat beim HSV war und Sympathien für den Verein öffentlich kundtat.

Die DFL muss Härte zeigen

Die Proteste der Ultras in den Bundesliga-Stadien sind nur noch nervig. Aus Ablehnung eines Einstiegs von Investoren werfen sie Gegenstände (bevorzugt Tennisbälle) auf den Rasen, um Spielunterbrechungen zu erzwingen. Das geht bis kurz vor dem drohenden Abbruch des Spiels. Sie skandieren „Ihr macht unseren Sport kaputt“, übersehen aber, dass ihnen der Fußball keineswegs gehört, sie sind Gäste! Trainer und Spieler haben schon deutlich geäußert, „eher gehört der Fußball doch uns“. Wie besitzergreifend die Protestes sind, zeigt sich daran, dass eine Minderheit auf die Mehrheit in den Stadien (und an den Bildschirmen!) keine Rücksicht nimmt.

Die DFL muss deshalb Härte zeigen und Maßnahmen ergreifen, diese unsinnigen Proteste zu unterbinden. Im Rahmen der Meinungsfreiheit können sich die Ultras selbstverständlich äußern, aber dieses Machtgehabe geht zu weit. Eine Einladung zu einer Diskussion lehnen sie ab, sie fordern dagegen eine Wiederholung der Abstimmung. Das darf auf keinen Fall passieren, denn dann wären alle künftigen Abstimmungen ebenfalls mit einem Fragezeichen zu versehen. Die Vereine müssen verhindern, dass weiterhin Gegenstände auf dem Rasen landen. Übrigens: Bei Spielabbruch kann die Mannschaft, deren Fans für den Abbruch sorgen, mit Punktabzug bestraft werden, evtl. sogar beide Teams! Wollen das die Protestler wirklich?

Europas Bühnen öffnen wieder

In dieser Woche geht es auch auf Europas Bühnen weiter. Start ist am Dienstag mit den ersten Spielen des Achtelfinales der Champions League. Die acht Begegnungen sind auf zwei Wochen verteilt, jeweils am Donnerstag werden auch die Play-Off-Runden der Europa League und Conference League ausgetragen. Den Auftakt der Bundesligisten macht am Dienstag RB Leipzig, das Real Madrid empfängt. Natürlich ist der Tabellenführer aus Spanien klarer Favorit, RB öffnet sich aber vielleicht eine kleine Chance durch Verletzungsprobleme des Gegners, der u. a. auf Rüdiger verzichten muss. Bayern München greift am Mittwoch ein und gastiert bei Lazio Rom, dem Tabellenachten der Serie A, der allerdings aus den letzten sieben Spielen fünf Siege und ein Remis holte. Für die Bayern ist die Champions League wohl die letzte Chance auf einen Titelgewinn, zumindest das Halbfinale wird als Ziel ausgegeben. Die Statistik spricht für die Bayern, die schon einmal Lazio ausgeschaltet haben und seit 2011 in zwölf Spielen gegen Teams aus Italien ungeschlagen blieben (10 Siege, 2 Remis). Dagegen hat Lazio zuletzt fünf von sechs Duellen gegen Bundesligisten verloren.

Zur Erinnerung die Spiele: Champions League: Dienstag, 13.2.: Kopenhagen – Manchester City, Leipzig – Real Madrid. Mittwoch, 14.2.: Paris – Real Sociedad, Lazio Rom – Bayern. Dienstag, 20.2.: Inter Mailand – Atletico Madrid, Eindhoven – Dortmund. Mittwoch, 21.2.: Porto – Arsenal London, Neapel – FC Barcelona (alle Spiele 21 Uhr, Rückspiele am 5./6. März). Europa League: Donnerstag, 15.2. u. a. Lens – Freiburg (21 Uhr). Rückspiele am 22.2. – Conference League: Donnerstag, 15.2. u. a. St. Gilloise – Frankfurt (18.45 Uhr). Rückspiele am 21./22.2.