Die Bayern sind für alle ein Rätsel – auch für sich selbst!

von knospepeter

Die Karikatur erschien vor dem Wochenende, aber sie behielt ihre Gültigkeit: Verunsicherte Bayern-Spieler klagen, „mir san gar nicht mehr mia“. In der Tat, das berühmte „mia san mia“ als Ausdruck des besonderen Selbstbewusstseins ist verloren gegangen. Drei Niederlagen innerhalb einer Woche, 0:3 in Leverkusen, 0:1 bei Lazio Rom und jetzt 2:3 in Bochum, die Meisterschaft verspielt, im Pokal frühzeitig blamabel ausgeschieden, in der Champions League droht das Aus im Achtelfinale – was ist los in München? Die Bayern sind für alle ein Rätsel – auch für sich selbst! Und was ist mit Trainer Thomas Tuchel los? Er macht Fehler und zeigt sich hilflos! Die Bilanz für 2024 ist erschreckend: In acht Spielen nur zwölf Treffer, dreimal torlos geblieben.

Die Bayern in Not, ein Pleite-Jahr droht. Die Gründe für den Absturz sind bekannt, der Unterschied zu Tabellenführer Bayer Leverkusen ist eklatant: Bayer hat einen überragenden Trainer und sich im Sommer gezielt verstärkt, alles passt. Bei „Bayern“ hängt ein „n“ dran, ein „n“ für „Nichts“. Die letzten Transferperioden endeten im reinsten Chaos. Nach der Entlassung von Jürgen Nagelsmann ist der neue Hoffnungsträger Thomas Tuchel bis heute nicht richtig angekommen. Es begann mit einem Aus in der Champions League und endete mit einer überaus glücklichen Meisterschaft, die manche Probleme überdeckte. Jetzt treten sie aber deutlich zutage: Es fehlt die prägnante Führung im Verein und bei der Mannschaft. Der Hilferuf richtet sich vielleicht an Uli Hoeneß, dem „Macher“ und Ehrenpräsidenten, der die richtige Nase hatte, nicht nach Bochum reiste, sondern beim Basketball ein Erfolgserlebnis feierte: Seine Bayern wurden Deutscher Pokalsieger! Also doch ein Titelgewinn.

Aber im Fußball? Kann man sich abschminken. Bayer hat acht Punkte Vorsprung und außerdem einen alten Bayern-Rekord eingestellt: 32 Spiele ungeschlagen, das schafften die Münchner von Dezember 2019 bis September 2020 unter Hansi Flick. Der einstige Erfolgstrainer, der mit Bayern alles gewann, wird jetzt als möglicher Tuchel-Nachfolger ins Gespräch gebracht, er könnte der neue Jupp Heynckes als Helfer in der Not werden. Zwei Dinge sprechen dagegen: Beim Flick-Abgang gab es nicht nur Streit mit der Führung, sondern auch erste Risse mit dem Team und bei DFB-Elf brachte er die Bayern-Stars auch nicht in Form. Zudem wollen die Bosse weg vom ständigen Trainerwechsel, vielleicht aber warten, bis der neue Sportdirektor, der allem Anschein nach Max Eberl heißen wird, am 1. März seine Arbeit aufnimmt und dann entsprechende Entscheidungen trifft. Wenn es dann nicht schon zu spät ist. Tuchel könnte mit dem Spitzenspiel gegen Leipzig am Samstag eine letzte Chance erhalten. Aufstellungsprobleme aber werden bleiben, jetzt fiel mit Mazraoui der letzte Rechtsverteidiger verletzt aus , Pavlovic fehlte erkrankt, Sané saß angeschlagen zuerst auf der Bank. Die Notlösung hieß Upamecano, doch der ist völlig von der Rolle, kassierte seine zweite Rote Karte im zweiten Spiel hintereinander – neuer Rekord bei den Bayern. Es gibt viele Rätsel, aber kaum Lösungen. Nur für Upamecano – der ist gesperrt.

Alles redet von den Bayern, im Schatten trumpft der VfB Stuttgart weiter auf, liegt nur noch vier Punkte hinter den Münchnern, aber sechs vor Leipzig auf Rang sechs. Werder Bremen schwamm auf einer Erfolgswelle nach oben und macht Frankfurt und Freiburg einen Platz in Europa streitig. Am Tabellenende hat sich Union Berlin erholt, dagegen stürzten Gladbach und Augsburg ab. Sicher dürfen sie sich nicht mehr sein, auch Mainz 05 gab mit dem neuen Trainer beim 1:0 über den FCA ein Lebenszeichen von sich. Der Däne Bo Henriksen brachte Schwung in den Laden.

Ultras haben Bundesliga im Griff

Der Bundesliga-Fußball wird weiterhin von den Fan-Protesten überschattet, der auch neue Varianten aufweist. So gelangten sogar ferngesteuerte Autos auf den Rasen und außerdem tauchten kleine Flieger auf, um den Spielbetrieb zu unterbrechen. Tennisbälle und andere Gegenstände flogen weiterhin, bei fast allen Spielen gab es lange Unterbrechungen. Ausnahme St. Pauli: Dort beschränkten sich die Fans auf Proteste auf den Tribünen.

Die Ultras haben die Bundesliga im Griff, aber das Verständnis dafür bröckelt immer mehr. Die „normalen Fans“ wollen diese Unterbrechungen, verbunden mit langen Spielzeiten, nicht mehr hinnehmen, Trainer und Spieler klagen darüber, dass sie aus dem Rhythmus kommen. Die Fans können sogar der eigenen Mannschaft schaden. Dortmunds Coach Edin Terzic baute als erste Maßnahme die Pausen in sein Trainingsprogramm ein. Die DFL zeigt keine Führung, müsste ein Machtwort sprechen und die Vereine zu mehr Sicherheit anhalten. Die Ultras haben andererseits an Sympathie für den Protest gegen Investoren verloren, weil sie keine Gesprächsbereitschaft zeigen. Anders kann man zu keiner Lösung kommen. Die Vereine müssen aufpassen, dass sie die Macht nicht an die Ultras verlieren, die schon für den Wegfall der Montagspiele sorgten. Also bitte: Ende mit den unsäglichen Unterbrechungen!

Keine Proteste gibt es auf Europas Bühne. Die Bayern (0:1 in Rom) und Leipzig (0:1 gegen Real Madrid) starteten mit Niederlagen in die Champions League, Borussia Dortmund soll es am Dienstag bei PSV Eindhoven besser machen. Freiburg (0:0) in Lens und Frankfurt (2:2 bei St. Gilloise) haben alle Chancen für die Rückspiele am Donnerstag in Europa League bzw. Conference League, doch leicht wird es für beide nicht. Gibt es keine Erfolge, verliert die Bundesliga immer mehr an Boden in der UEFA-Rangliste.

Wer Protesten in der Bundesliga aus dem Weg gehen will, sollte sich den Frauen zuwenden, die aber am Wochenende pausieren, weil die Nationalmannschaft vor dem wichtigsten Spiel des Jahres steht. Am Freitag (21 Uhr) geht es in Lyon im Halbfinale der Nations League gegen Frankreich um das Ticket für die Olympischen Spiele im Sommer in Paris. Bei einer Niederlage bleibt noch eine Chance am Mittwoch im Spiel um Platz drei gegen den Verlierer der Partie Spanien – Niederlande, weil Frankreich als Gastgeber qualifiziert ist. „Wir wollen nach Olympia“, wird Bundestrainer Horst Hrubesch deutlich, aus eigenem Erleben kann er den Mädchen erzählen, wie toll Olympia ist. „Wir werden alles reinpacken“, verspricht er. Im Aufgebot fehlen überraschend die zuletzt festen Größen Lena Lattwein und Lena Magull, „beide haben sich nicht empfohlen“, bemerkt der Trainer. Mit dabei ist Lena Oberdorf, die besondere Schlagzeilen machte, sie wechselt im Sommer vom VfL Wolfsburg zu Bayern München, das mit einem 2:0-Sieg gegen Essen die Tabellenführung in der Bundesliga verteidigte. Noch ein Erfolgserlebnis für die Bayern.

Auf und Ab im Biathlon

Mit seiner Einschätzung, dass die Biathlon-WM zu einem Glücksspiel werde, lag der Sport-Grantler genau richtig. Schwierige Wetterverhältnisse mit unterschiedlichen Loipen sowie Wind sorgten für die Athleten für ein Auf und Ab. Vor allem die Präpierung der Ski wurde zu einer Lotterie. Die Ausnahmen bildeten Frankreich bei den Frauen und Norwegen bei den Männern, die ihre Wettbewerbe dominierten. Nur sechs Nationen konnten Medaillen gewinnen, Frankreich war dabei die Nummer 1 mit 13 Medaillen (6 Gold, 1 Silber, 6 Bronze) vor Norwegen mit 12 (4 Gold, 5 Silber, 3 Bronze). Überragender Athlet war Johannes Thingnes Bö, der bei allen Starts eine Medaille gewann und mit 20 WM-Titeln den Rekord der Biathlon-Legende Ole Einar Björndalen einstellte.

Die deutsche Mannschaft gewann wie im Vorjahr in Oberhof drei Medaillen, allerdings war kein Gold dabei. Die große Überraschung war Silber von Janina Hettich-Walz im Einzel, als sie buchstäblich Turboski unter den Füßen hatte. Zweimal Bronze gab es für Benedikt Doll im Einzel, als er ein norwegisches Siegerpodest verhinderte, und die Frauen-Staffel. Da fehlte wieder einmal Pechvogel Franziska Preuß erkrankt, allerdings sicherte ihr Ersatz Sophia Schneider nervenstark mit dem letzten Schuss den dritten Platz. Das Auf und Ab war bei den Deutschen besonders eklatant, einmal waren die Ski schnell, dann wieder extrem langsam. „Ich kam einfach nicht vorwärts“, klagte einmal Vanessa Voigt, erkannte aber auch „vielleicht stimmt auch die Form nicht ganz“. Wohl ein gültiges Fazit für das ganze Team.

Nach ein paar Tagen Pause geht es am 29. Februar in Oslo weiter, danach stehen die abschließenden Wettbewerbe in Übersee an und zwar vom 8. bis 10. März in Soldier Hollow (Utah/USA) und das Finale vom 14. bis 17. März in Canmore (Alberta/Kanada).