Wenn Trainer und Vereine hilflos sind…

von knospepeter

Was ist los in der Fußball-Bundesliga? Bei vielen Vereinen und Trainern macht sich statt Erfolgsdenken Hilflosigkeit breit! Die Erfolge bleiben aus, den Trainer will man nach Möglichkeit nicht entlassen, aber die Ergebnisse stimmen nicht. Was tun, wenn man nichts tun will… Es soll aufwärts gehen, geht aber abwärts.

Das typische Beispiel ist der FC Bayern München. Die ersten Titel sind futsch, die Meisterschaft bei zehn Punkten Rückstand auf Leverkusen nur noch eine Fata Morgana, im Pokal schon frühzeitig ausgeschieden, das Verhältnis vom Trainer zur Mannschaft gestört, aber von Thomas Tuchel will man sich erst am Saisonende trennen. Aber geht das gut? Das 2:2 in Freiburg gab eine Antwort: Nein! Vor dem „Endspiel“ in der Champions League gegen Lazio Rom am Dienstag, wo ein Sieg mit zwei Toren Unterschied gelingen muss, um das Viertelfinale zu erreichen, herrscht statt Aufbruchstimmung eine Abbruchtendenz. Die Spieler führen ein Eigenleben (Tuchel: „Sie haben gespielt, was wir nie trainiert haben“), von vielen ist die Zukunft ungewiss. Typisches Beispiel Joshua Kimmich, der völlig von der Rolle ist. Er soll Chef sein, ist nicht einmal ein Chefchen. Thomas Müller ist für gute Stimmung zuständig, doch echte Führungsqualitäten bringt er nicht auf den Rasen. Einziger Hoffnungsfunken: Auch Gegner Lazio zeigt sich am Wochenende gegen AC Mailand von der Rolle. Mit Max Eberl wurde gerade ein Hoffnungsträger als Sportvorstand installiert, doch so schnell kann er keine neuen Weichen stellen. Aufräumen kann aber nur ein starker Mann. Muss es heißen „Uli Hoeneß übernehmen Sie…“.

Mit dem Rätselraten über den Trainer und die Zukunft stehen die Bayern in der Bundesliga nicht allein da. Nicht ganz so schlimm, aber ähnlich ist es in Dortmund. Edin Terzic wird immer wieder in Frage gestellt, die schwankenden Leistungen seines Teams kratzen an seinem Ruf, mit dem 2:0-Sieg in Berlin hat er wieder ein Woche Ruhe. Boss Watzke schützt ihn fast in Nibelungentreue, weil er dem Trainer öffentlich eine lange Laufzeit versprochen hat. Doch die Qualifikation für die Champions League gerät in Gefahr, die Borussia ist deshalb in der Zwickmühle. Die nächsten Aufgaben sind Samstag in Bremen und am Mittwoch, 13. März, in der CL das Rückspiel gegen Eindhoven (Hinspiel 1:1). Nur Siege sorgen für Ruhe, ein Ausscheiden gegen Eindhoven könnte dennoch das Aus für Terzic bedeuten.

Im Abstiegskampf wird bei Misserfolgen beim Trainer schnell gehandelt, es ist der Griff nach dem Rettungsring. Geht es um höhere Ziele, liegt die Hemmschwelle höher, doch die Zweifel bleiben. So auch in Wolfsburg, wo die Trennung von Niko Kovac absehbar ist, aber wann? Die Mannschaft spielt nicht schlecht, doch die Ergebnisse stimmen nicht, die Punkte fehlen. Nur 25 Punkte nach 24 Spielen, so schlecht war der VfL noch nie, seit neun Spielen gab es keinen Sieg. Das Ziel internationales Geschäft kann abgehakt werden, eher droht ein Abstiegskampf, wenn die Klubs am Tabellenende mal zu punkten anfangen sollten. Das Ende spätestens im Sommer scheint sicher.

Und wie lange bleibt Torsten Lieberknecht bei Schlusslicht Darmstadt? Am Samstag war er hilflos, die Mannschaft machte dem Letzten alle Ehre, die Fehler häuften sich und Augsburg ergötzte sich an einer Torflut beim 6:0, dem höchsten Sieg des FCA in seiner Bundesligageschichte. Logisch, dass sich die Spieler der „Lilien“ eine Schimpfkanonade anhören mussten, doch nicht vom Trainer oder dem Präsidenten – sondern von einem Fan. Ein einzigartiger Fall in der Bundesliga, wie Schulbuben standen die Profis da und ließen sich von einem Fan die Leviten lesen. Über Investoren haben die Fans schon die Entscheidung gefällt, sitzen sie also bald auf der Trainerbank? Leider fallen sie aber weiterhin eher durch Krawalle auf, so in Rostock und im Rhein-Derby in Köln, als sich Schlägertrupps beider Klubs gegenüber standen und ein Ordner schwer verletzt wurde. Das wollen wir nicht sehen!

Zurück zu den Trainern, da kann man sich bei Bayer Leverkusen doppelt freuen, toller Trainer, tolle Mannschaft, zehn Punkte Vorsprung. Ähnlich beim VfB Stuttgart, vom Abstiegskandidaten auf dem Weg in die Champions League mit Sebastian Hoeneß, so schön kann die Fußballwelt sein. Wenn es nur so bleiben könnte, doch die Zukunft bei beiden Trainer ist ungewiss. Beim Tabellenführer wird es wichtig sein, dass er auch international erfolgreich ist, am 7. und 14. März geht es gegen Quarabag Agdam um den Einzug ins Viertelfinale der Europa League. Der SC Freiburg ist ebenfalls mit von der Partie, hat mit West Ham United die wesentlich schwerere Aufgabe. Seltsam, dass die UEFA nicht verhindert, dass bereits im Achtelfinale Klubs aus der Gruppe wieder aufeinandertreffen können. Das ist bei Bayer und dem SCF der Fall. In der CL kämpft RB Leipzig am Mittwoch bei Real Madrid ums Weiterkommen, steht aber nach dem 0:1 vom Hinspiel vor einer doppelt hohen Hürde.

Wieder Hoffnung bei den Frauen

„Paris, Paris, wir fahren nach Paris“ sangen die Fußball-Frauen euphorisiert nach der geschafften Olympia-Qualifikation. Der 2:0 über die Niederlande war ein Akt des Willens, mit ihrem Einsatz gingen die Mädchen von Interimsbundestrainer Horst Hrubesch über ihre Grenzen. Sie sind bei den Olympischen Spielen im Sommer also dabei, doch ob sie in Paris im Olympischen Dorf einziehen dürfen, steht noch in den Sternen, denn die ersten Spiele finden alle in der Provinz statt und Paris bedeutet Finalteilnahme. Überhaupt wird Olympia schwierig, denn statt des üblichen Kaders von 23 Spielerinnen dürfen nur 18 nominiert werden. Horst Hrubesch hat schon in den letzten Spielen Konsequenzen gezogen, so fehlten Lina Magull und Lena Lattwein, Svenja Huth und Sara Däbritz verloren ihren Stammplatz. Hrubesch kann noch beobachten, vor Olympia muss sich die Mannschaft noch in der EM-Qualifikation bewähren.

Auf jeden Fall hat die Nationalmannschaft wieder für den Frauen-Fußball geworben und ein bisschen Begeisterung zurück gebracht, über fünf Millionen Zuschauer verfolgten das entscheidende Spiel an den Fernsehschirmen. Jetzt beginnt der Alltag wieder, am Dienstag mit vier Spielen im Viertelfinale des DFB-Pokal (Hoffenheim – Wolfsburg, Leverkusens – Essen, Jena – Bayern, Frankfurt – Duisburg) und am Wochenende geht es in der Bundesliga weiter. Bei den Frauen ist es spannender als bei den Männern, Wolfsburg liegt nur einen Punkt hinter Tabellenführer München zurück, da darf sich keiner einen Ausrutscher leisten. Die Bayern-Mädchen stehen am Samstag (13 Uhr) mit dem Gastspiel beim Tabellendritten Frankfurt gleich vor einer großen Bewährungsprobe. Noch acht Spieltage stehen aus, wobei sich die Stimmen mehr, dass die Bundesliga mit derzeit nur zwölf Mannschaften unbedingt aufgestockt werden sollte, zumal sich auch in der zweiten Liga das Niveau verbessert hat. 16 Teams wären besser, dann gibt es acht Spieltage mehr und die Frauen-Bundesliga wäre dadurch mehr im Gespräch. Auch dies eine Notwendigkeit, um die gesteigerte Aufmerksamkeit am Leben zu erhalten.