Wachablösung im deutschen Fußball: Für Leverkusen stehen zwei Trophäen bereit
von knospepeter
In den letzten Jahren dominierte der FC Bayern München den deutschen Fußball. Elf Meisterschaften in Folge sprechen eine deutliche Sprache, dazu kam in dieser Zeit fünfmal der Gewinn des DFB-Pokals, also das berühmte Double. In diesem Jahr muss sich der Seriensieger an Niederlagen gewöhnen, keine Meisterschaft und der letzte Pokalgewinn stammt sowieso von 2020. Dafür stehen für die beste Mannschaft der Saison, Bayer Leverkusen, zwei Trophäen parat: Die Meisterschale liegt bei 13 Punkten Vorsprung vor den letzten sieben Spielen praktisch bereit, dazu ist der DFB-Pokal greifbar nahe, denn Leverkusen ist der einzige Bundesligist im Halbfinale und hat gegen Fortuna Düsseldorf sogar Heimrecht.
Logisch, dass sich die Stimmung in Leverkusen und München gravierend unterscheidet, wobei die Bayern am Wochenende gleich zwei Niederlagen hinnehmen mussten. Die erste war die Absage von Wunschtrainer Xabi Alonso. Der begehrte Spanier gab kund, dass er zumindest ein weiteres Jahr in Leverkusen bleibt, ihm gefällt es bei Bayer, er wäre mit seiner Arbeit noch nicht fertig und außerdem läuft der Vertrag sowieso bis 2026. Die Fans feierten diese Nachricht und Alonso begeistert, der Verein darf hoffen, dass jetzt auch die umworbenen Spieler eher bleiben und den Weg in die Champions League mitgehen. Vorreiter ist Talent Florian Wirtz, dessen Vater und Berater verriet, dass sein Sohn auf jeden Fall noch ein Jahr bei Bayer bleiben werde. Wie der Trainer also. Und dann gemeinsam nach München?
Das ist wohl die Hoffnung bei den Bayern, die am Samstag den nächsten Schock erlitten. In der Vorbereitung auf den Klassiker gegen Dortmund kam aus Leverkusen die Nachricht, dass dem Spitzenreiter die erste Niederlage droht, da lachte das Bayern-Herz. Doch Bayer hat in diesem Jahr eine besondere Qualität, zeigt starke Nerven, dreht Spiele im letzten Moment und schoss dann auch gegen Hoffenheim nach 0:1-Rückstand Tore in der 88. und 91. Minute. Der Siegtreffer war der achte in dieser Saison nach der 90. Minute! Die Bayern-Stars wussten dies vor dem Anpfiff gegen Dortmund und das lähmte wohl Hirn und Beine. Dortmund kämpfte, die Bayern schauten emotionslos zu, waren von der Rolle. Genickschläge gab es durch Tore von Adeyemi und Ryerson in der 10. und 83. Minute. Vermeidbare Treffer, doch das war der Borussia egal, sie feierte den ersten Sieg nach zehn Jahren in München!
Für besonderen Kampfgeist bei den Dortmundern sorgte wohl auch Bundestrainer Julian Nagelsmann. In seinem aktuellen Team war außer für Torjäger Füllkrug kein Platz für Dortmunder Spieler (siehe auch im nächsten Blog „Eine neue DFB-Elf: Nagelsmann schafft die Trendwende“), das wollten sie nicht auf sich sitzen lassen. Vor allem Mats Hummels und Nico Schlotterbeck kämpften, spielten konzentriert und mit einem Einsatz wie seit Jahren nicht, sie bildeten ein starkes Abwehrbollwerk. Hummels wurde mit einer Kung-Fu-Rettung bei einem Kopfball von Dier der Star des Spiels. Nur, in der Nationalmannschaft ist meist keine Abwehrschlacht gefragt. Egal, diesmal der Triumph, Dortmund und Leverkusen waren die Sieger der Spitzengruppe, Stuttgart und Leipzig mussten sich mit Unentschieden begnügen. Die Borussia sollte diese Leistung am kommenden Samstag (erneut 18.30 Uhr) wiederholen, da taucht der Dritte, VfB Stuttgart, zum nächsten Schlagerspiel auf. Beim VfB ist zu befürchten, dass er sich seine Sensationssaison durch Querelen im Vorstand selbst kaputt macht.
Die Bayern wiederum werden die Woche über ihre Wunden lecken und müssen am Samstag beim heimstarken Neuling Heidenheim versuchen, ihre Form für die Aufgabe in der Champions League bei Arsenal London zu finden. Auch dem neue Sportdirektor Max Eberl ist aufgefallen, dass man nicht immer nur den Trainer wechseln kann, sondern dass irgendetwas in der Mannschaft nicht stimmt. Die hat immer wieder in dieser Saison unerklärliche Ausfallerscheinungen. Eberl muss wohl oder über übel die Aufgabe des Auf- und Ausräumers übernehmen. Selbst ein neuer Versuch mit Nagelsmann ist im Gespräch, der aber hat mit seinem neuen DFB-Team den Bayern eher geschadet. Jamal Musiala zum Beispiel war sichtbar müde, aber da hätte Tuchel früher reagieren müssen.
Auffallend ist, dass in der Bundesliga Unentschieden an der Tagesordnung sind. So ausgeglichen ist die Liga eigentlich nicht, aber offensichtlich wollen in den entscheidenden Spiele viele kein Risiko eingehen. Von neun Partien endeten fünf unentschieden, davon alle drei Sonntagspiele. So blieb vor allem am Tabellenende alles gleich, aber jetzt wird das kommende Wochenende interessant, die Kellerkinder sind unter sich. Bei Mainz (20 Punkte) – Darmstadt (14) und Köln (19) – Bochum (26) liegen am Samstag (15.30 Uhr) also wieder Remis in der Luft. Immerhin hat Schlusslicht Darmstadt mit dem 2:2 in Bochum ein Lebenszeichen von sich gegeben.
DFB-Pokal ein Fall für Außenseiter
Mit Bayer Leverkusen nur ein Erstligist im Halbfinale des DFB-Pokals – eine Blamage für die Bundesliga. Jetzt stellt sich die Frage, wird der Pokal als Fall für Außenseiter besonders interessant oder hätten die Fans lieber Duelle der großen Klubs. Aber München, Dortmund oder Leipzig haben frühzeitig die Segel gestrichen. Die TV-Quoten werden es zeigen. Am Dienstag gibt es beim Drittligisten Saarbrücken im Duell mit dem Zweitligisten Kaiserslautern immerhin ein Derby, wenn überhaupt gespielt werden kann. In Saarbrücken sorgt Regen erneut für Sorgenfalten der Platz wurde abgedeckt, aber wichtiger wäre, dass der Himmel ein Einsehen hat. Die ARD will übertragen, am Mittwoch ist das ZDF dran mit dem Spiel Leverkusen – Düsseldorf, da darf die Fortuna als Dritter der 2. Bundesliga testen, ob sie reif für die erste Liga ist, aber es wäre eine echte Pokalsensation, wenn Bayer ausgerechnet beim Griff nach dem Pokal die erste Saison-Niederlage erleiden würde. Meister war Bayer noch nie, Pokalsieger immerhin bereits 1993. Auch schon lange her.
Bei den Frauen Finale der Besten
Anders als bei den Männern duellieren sich bei den Frauen die beiden derzeit besten Teams im Finale am 9. Mai in Köln, nämlich Bundesliga-Tabellenführer Bayern München und Titelverteidiger VfL Wolfsburg. In der Punktrunde hatten die Bayern zuletzt die Wölfinnen in die Schranken verwiesen, der Pokal ist aber seit neun Jahren eine Wolfsburger Sache. Den Frust von der Niederlage in der Bundesliga schossen sie sich mit einem 9:0 gegen Essen im Pokal-Halbfinale von der Seele. Schwer zu kämpfen hatten dagegen die Münchnerinnen gegen Frankfurt, 1:1 stand es nach Verlängerung, aber im Elfmeterschießen zeigten sich die Eintracht-Schützinnen nicht zielsicher. Bayern-Torhüterin Mala Grohs hielt gleich drei Elfmeter! Am Ende hieß es 3:1, wobei Weltstar Pernille Harder mit dem letzten Schuss für die Entscheidung sorgte.
In den nächsten Tagen steht allerdings die Nationalmannschaft im Vordergrund. Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2025 in der Schweiz beginnt. Der Auftakt für Deutschland ist am Freitag (20.30 Uhr) in Linz gegen Österreich, am Dienstag, 9. April (18.10 Uhr), tritt die DFB-Elf in Aachen gegen Island an (außerdem ist Polen dabei). Bundestrainer Horst Hrubesch muss in diesen Spielen auf zwei Leistungsträgerinnen verzichten, Kapitänin Alexandra Popp und Abwehrchefin Marina Hegering sind verletzt. Dazu fehlt künftig auch Svenja Huth, die ihren Rücktritt verkündet hat. Für Hegering zog Hrubesch einen überraschenden Neuling aus dem Hut, Bibiana Schulze von Athletik Bilbao. „Wir schauen auch ins Ausland und sie ist eine interessante Kandidatin“, urteilt der Trainer. Im Ausland spielen auch zwei Rückkehrerinnen, nämlich Felicitas Rauch in den USA und Lina Magull in Mailand. Ein guter Auftakt wäre wichtig, wobei sich in Österreich quasi ein Team Bundesliga B Deutschland entgegenstellt, denn die Austria-Teamchefin Irene Fuhrmann hat 14 Spielerinnen aus der Bundesliga nominiert. Allerdings bereiten zwei Bayern-Mädchen Sorgen, Sarah Zadrazil fällt mit einem Muskelriss aus, Katharina Naschenweng hat sich gegen Frankfurt verletzt. Beide Ausfälle taten auch den Bayern weh.