Leverkusen von Vizekusen zu Meisterkusen – und bald Triplekusen?

von knospepeter

Die Stadt lag schon eine Woche lang im Rot-Schwarzen Fieber, wartete gespannt auf den Sonntag, an dem Bayer Leverkusen mit einem Erfolg über Werder Bremen das Trauma besiegen sollte, nie Meister zu werden. Häuser, Balkone und Gärten waren in Rot-Schwarz geschmückt, noch nie gehörte dem Werksklub so viel Sympathie in der Stadt, allein in den letzten Wochen erhielt Bayer über 20.000 neue Mitglieder, liegt jetzt bei rund 55.000. Die Mannschaft enttäuschte die Fans nicht, mühsam war die erste Halbzeit, erst dann kam Florian Wirtz und brachte die Party mit einem Hattrick zum 5:0 erst richtig in Gang. Die Fans waren nicht mehr zu halten, überfluteten den Platz, so dass sogar ein Spielabbruch befürchtet werden musste. Anschließend erlebte ganz Leverkusen eine noch nie erlebte Party-Nacht – und die Spieler mittendrin. Deutschland hat einen neuen Fußall-Meister!

Seit dem Aufstieg 1979 spielt Leverkusen in der Bundesliga, nur Bayern (seit 1965) und Dortmund (seit 1976) sind länger ununterbrochen dabei. Zwei Titel holte Bayer in dieser Zeit, 1988 den UEFA-Cup und 1993 den DFB-Pokal und wurde fünfmal Vizemeister. Der Spottname „Vizekusen“ (im Ausland gern auch Neverkusen) entstand 2002, als Leverkusen in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League gleich dreimal nur Zweiter wurde. Im Jahr darauf fast der Absturz, Klassenerhalt gerade noch mit zwei Siegen am Ende. Unter Jupp Heynckes wurde Bayer letztmals 2011 Zweiter. Jetzt ist es mit Vizekusen vorbei. Bei einem Titel soll es nicht bleiben, die Krönung wäre der Sieg in der Europa League im Finale am 22. Mai in Dublin und am 25. Mai wartet im Endspiel des DFB-Pokals gegen den krassen Außenseiter 1. FC Kaiserslautern der nächste Pokal, der auf dem Weg von Vizekusen über Meisterkusen ein Triplekusen machen könnte.

Die Weichenstellung für diesen Erfolgsweg erfolgte im letzten Jahr mit der Verpflichtung des Spaniers Xabi Alonso als Trainer, der die Mannschaft aus dem Tabellenkeller der Bundesliga zur besten Mannschaft Europas machte, die als einziges Spitzenteam in dieser Saison noch ungeschlagen ist. Auch für Alonso eine Krönung, aus dem Trainer-Lehrling wurde ein begehrter Meister. Aber dieser Erfolg wäre nicht ohne die gute Transferperiode im Sommer möglich gewesen. Geschäftsführer Sport Simon Rolfes und Boss Fernando Carro hatten ein glückliches Händchen und waren mutige Antreiber. Neben dem Trainer wurde Granit Xhaka zur Schlüsselfigur. Der 31-jährige Schweizer wurde für 15 Millionen Euro von Arsenal London losgeeist und ist Denker und Lenker sowie verlängerte Arm von Alonso auf dem Feld. Ein Typ, den der nach elf Titelgewinnen in Folge entthronte Serienmeister Bayern in diesem Jahr so vermisste. Am 3. Spieltag übernahm Leverkusen zum ersten Mal die Tabellenführung, gab sie nur einmal kurz an Bayern ab und marschierte ab Spieltag sechs ungehindert vorneweg. 16 Punkte Vorsprung sind es heute, der Meister spielt wie einst die Bayern in einer eigenen Liga. Mit entscheidend auch Talent Florian Wirtz, über den Alonso sagte: „Er macht uns besser, auch mich als Trainer.“ In der Noten-Rangliste des kicker liegt er (logisch) auf Platz eins, insgesamt liegen acht Bayer-Spieler vorn.

Der Rest hat die Zeit der Endspiele

Leverkusen thront in der Bundesliga oben, doch was passiert dahinter? Für den Rest beginnt quasi die Zeit der Endspiele, es geht um Entscheidungen. Die Bayern kämpfen mit Stuttgart nur noch um Rang zwei, der könnte das Spiel um den Supercup bescheren, wenn Bayer auch Pokalsieger wird. Aber auch Dortmund und Leipzig, die mit je 56 Punkten gleichauf liegen und Platz vier im Visier haben, könnten von Bayer-Siegen profitieren, dann nämlich wenn Bayer bei West Ham United in der Europa League gewinnt, weil dann die Chance größer ist, dass Deutschland vor England in der UEFA-Rangliste bleibt und sogar der Fünfte in die Champions League einzieht. Dortmund steht vor „Endspielen“, zuerst am Sonntag, 17.30 Uhr, die Prüfung gegen den neuen Meister Leverkusen, am Wochenende drauf das Duell in Leipzig. Letzte Gegner sind Augsburg, Mainz und Darmstadt.

Dahinter geht es um die einen Platz in Europa, sogar Rang acht könnte noch glücklich machen, Platz sieben ist sicherer, den nimmt im Moment der FC Augsburg ein, punktgleich mit Freiburg und ein Zähler dahinter Hoffenheim. Davor noch die schwächelnde Eintracht, der Vorsprung auf die Verfolger schmolz auf drei Punkte. Langweilig wird es also nicht. Frankfurt und der FCA stehen sich am Freitag (20.30 Uhr) direkt gegenüber. Der Blick nach unten: Den Tabellenkeller mischt Mainz 05 auf, ist nur noch einen Punkt von der Rettung entfernt. Platz 15 hält Bochum, das in der Not den Trainer wechselte. U19-Trainer Heiko Butscher folgte auf Thomas Letsch und soll den VfL retten. Kurios: Er hilft schon zum vierten Mal aus. Immer mehr in die Bredouille geraten aber auch Wolfsburg, Union und Bremen. Vor allem Wolfsburg hat mit anderen Tabellenregionen gerechnet, durch die Entlassung von Sportboss Marcel Schäfer, der seinen Abgang für den Sommer ankündigte (Leipzig soll das neue Ziel sein) und deshalb sofort gehen musste, entstand weitere Unruhe. Keine leichte Aufgabe für den neuen Trainer Ralph Hasenhüttl, der sich das wohl anders vorgestellt hat. Auch hier steht ein „Endspiel“ an, Bochum gastiert am Samstag in Wolfsburg. Außerdem duellieren sich die beiden Teams vom Tabellenende. Schlusslicht Darmstadt steht vor der letzten Chance, bei einer Niederlage in Köln wäre der Abstieg wohl nicht mehr abzuwenden.

Kampf gegen England

Wie oben schon beschrieben, kämpft die Bundesliga (Platz zwei hinter Italien) gegen England um mehr Teilnehmer auf Europas Bühne. Also sollte zum Beispiel der FC Bayern am Mittwoch gegen Arsenal London nicht nur für sich gewinnen, sondern auch für die Liga. Das 2:2 vom Hinspiel lässt alles offen, beide Teams befinden sich aber nicht in Bestform und klagen über Verletzungen. Die Münchner stehen ohne Flügelflitzer da, wenn neben Coman und Gnabry auch noch Sané ausfällt. Arsenal bangt um den gefährlichen Sako und Spielmacher Ödegaard und verlor mit einer 0:2-Niederlage gegen Aston Villa die Tabellenführung in England. Gutes Bayern-Omen: Nach Unentschieden kamen sie in 22 von 25 Fällen in den K.o.-Runden weiter! Auch Dortmund sollte im doppelten Interesse gegen Atletico Madrid gewinnen, nach dem 1:2 im Hinspiel aber keine leichte Aufgabe. Nach den Hinspielen könnte es die Halbfinals Bayern – Manchester City und Dortmund – Barcelona geben. Das wäre doch was! Leverkusen sollte sich in der Europa League nicht von West Ham düpieren lassen. Ziel: Ungeschlagen bleiben (ohne Kater von der Meisterparty).

Erfolgreiche Frauen-Teams

Bei den Frauen geht es nicht nur um die Fußball-Bundesliga, aber sie steht vorne dran. Die beiden Spitzenteams gaben sich keine Blöße (Bayern 5:1 in Duisburg, Wolfsburg 4:1 in Freiburg), München braucht noch zwei Siege zum Titel, Bremen, Leverkusen, Nürnberg und Hoffenheim sind die Gegner. Eintracht Frankfurt war der große Verlierer am Wochenende, denn nach der 0:2-Niederlage in Leverkusen gerät Platz drei, den Hoffenheim hält, und damit die Qualifikation für die Champions League in Gefahr.

Gefeiert haben die Handball-Frauen, denn die Nationalspielerinnen machten es ihren Kolleginnen vom Fußball gleich und qualifizierten sich für die Olympischen Spiele im Sommer in Paris. Siege gegen Slowenien (31:25), Montenegro (28:24) und die Paraguay (37:20) machten dies möglich. Da flossen Freudentränen, denn seit 16 Jahren fand Olympia ohne dem DHB-Team statt! Damit haben es die Frauen den Männern nachgemacht, die sich bereits qualifiziert hatten. Im Basketball sind die Männer dabei, im Hockey haben es ebenfalls beide Teams geschafft.

Die deutschen Eishockey-Frauen hatten bei der Weltmeisterschaft in den USA nur eine gute Platzierung im Blick, Ziel war sogar das Halbfinale, nachdem die Mannschaft von Bundestrainer Jeff MacLeod in den Gruppenspielen ungeschlagen blieb und auch Favorit Schweden bezwang. Dann aber war im Viertelfinale gegen Tschechien mit 0:1 Endstation und im Spiel um Platz fünf verlor die Mannschaft um die überragende Torhüterin Sandra Abstreiter gegen die Schweiz nach Verlängerung mit 2:3. Platz sechs ist aber ein Fortschritt zum letzten Turnier, als Deutschland Achter wurde.

Keine Überraschung gab es beim ersten großen Golfturnier des Jahres, dem Masters in Augusta (siehe auch der nächste Blog). Mit Scottie Scheffler (USA) gewann die Nummer 1 der Welt vor dem großen Talent Ludvig Aberg aus Schweden. Golf-Star Tiger Woods schaffte einen Rekord und musste Demütigungen aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes hinnehmen. Er ist jetzt der erste Spieler, der bei allen seinen 24 Starts den Cut geschafft hat. Danach aber ging es bergab, er spielte mit 10 über Par seine überhaupt schlechteste von jetzt 100 Runden und wurde Letzter der 60 verbliebenen Starter.