Der Fußball-Traum: Deutsches CL-Finale wie 2013
von knospepeter
In dieser Woche tritt in Fußball-Deutschland alles in den Hintergrund: Die Trainer-Suche der Bayern, der Abstiegskampf in der Bundesliga, die Bemühungen um den Aufstieg in der zweiten Liga, das „Spiel des Jahres“ bei den Frauen und die Europameisterschaft ist noch weit weg. Jetzt geht es darum, am Dienstag und Mittwoch den deutschen Vertretern im Halbfinale der Champions League die Daumen zu drücken. Zuerst sind die Dortmunder in Paris dran, mit einem 1:0-Vorsprung im Gepäck, ein Unentschieden reicht zum Einzug ins Finale. Schlechter die Ausgangslage der Bayern bei Real Madrid nach dem 2:2 im Hinspiel, ein Sieg muss her. Klappt es bei beiden, wird der Traum Wirklichkeit: Ein deutsches Finale am 1. Juni in Wembley wie 2013.
Es war der 25. Mai 2013, als die beiden deutschen Vorzeigeklubs in London um den begehrten Henkelpott kämpften. Statt dem erwarteten spanischen Finale gab es ein deutsches, Dortmund hatte Real mit 4:1, 0:2 ausgeschaltet, München den FC Barcelona sogar mit 4:0, 3:0! Fast eine ganze Nation war am Fernseher dabei, 21,6 Millionen (Rekordquote von 61,7 Prozent) saßen gespannt vor den Bildschirmen. Die Trainer der Protagonisten waren Jürgen Klopp und Jupp Heynckes und das waren die Mannschaften:
Dortmund: Weidenfellner – Piszek, Subotic, Hummels, Schmelzer – S. Bender, (60. Sahin), Gündogan – Blszcykowski (90. Schieber), Reus, Großkreutz – Lewandowski. – München: Neuer – Lahm, Boateng, Dante, Alaba – Javi Martinez, Schweinsteiger – Robben, T. Müller, Ribery (90.+1 Luiz Gustavo) – Mandzukic (90.+4 Gomez). Schiedsrichter war der Italiener Rizzoli. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, die Bayern gingen nach 60 Minuten durch Mandzukic in Führung, Gündogan glich nur acht Minuten später durch Elfmeter aus. Die Entscheidung fiel in der 89. Minute, als Arjen Robben nach Zuspiel von Franck Ribery den Ball an Torhüter Weidenfellner vorbei ins Tor „streichelte“. Gibt es eine Revanche? Mit Hummels und Reus bzw. Neuer und Thomas Müller sind noch vier Spieler in ihren Klubs dabei, Gündogan spielt jetzt in Barcelona, Alaba bei Real. Für Marco Reus, der seinen Abschied aus Dortmund verkündet hat, wäre es ein glorreiches Ende!
Aber vorher müssen die Aufgaben im Halbfinale gelöst werden. Vor dem Hinspiel gegen Paris haderte man in Dortmund nach einer Niederlage in Leipzig, jetzt holte sich eine B-Elf Schwung mit einem 5:1 gegen Augsburg. Trainer Edin Terzic hat die Qual der Wahl, er braucht ein glückliches Händchen, sein Team darf Mbappé und Co. nicht ins Spiel kommen lassen. Paris lechzt buchstäblich nach dem Titel. Mehr Sorgen hat Kollege Thomas Tuchel, das Verletzungspech hält an, jetzt fällt auch noch Guerreiro aus, das Spiel in Stuttgart galt als unwichtig, ein 1:3 war die Folge. Platz zwei in der Bundesliga ist in Gefahr, doch egal, Real (frischgebackener Meister in Spanien) zählt und Tuchel hofft auf die angeschlagenen de Ligt, Sané und Musiala. Frage: Werden 90 oder 120 Minuten gespielt? Notfalls entscheidet das Elfmeterschießen. Schlechtes Omen: In vier von fünf Fällen sind die Bayern nach einem Unentschieden zu Hause ausgeschieden!
Da tritt auch die Trainersuche in den Hintergrund, obwohl die Medien voll von Spekulationen sind und sich ein Eimer voll Spott über die Bayern ergoss, als der nächste Wunschkandidat Ralf Rangnick absagte, weil er lieber das beschaulichere Dasein als Österreichs Nationaltrainer genießt. „Es wird sich eine Tür öffnen“, bleibt Sportvorstand Max Eberl optimistisch. Vielleicht überlegt es sich Jürgen Klopp noch mit seinem Sabbatjahr und lässt sich als „Retter“ in München feiern oder die Hoeneß-Familie beordert Sohn/Neffe Sebastian an die Isar…
Das Gegenteil bei Leverkusen, sie sind glücklich mit dem Trainer und reiten weiter auf der Erfolgswelle. Neues Ziel: In der ganzen Saison ungeschlagen bleiben, fünf Spiele stehen höchstens noch an, bei AS Rom und evtl. das Finale, in der Bundesliga gegen Bochum und Augsburg und das Pokalfinale gegen Kaiserslautern. Bayer zeigt keine Schwäche und jede Aufstellung passt. Daneben gibt es noch andere Rekorde, so feiert Kapitän Lukas Hradecky, er machte sein 292. Bundesligaspiel und löste damit Yann Sommer (291) als Rekordtorhüter ab. Den Rekord schaffte er ausgerechnet bei seinem ersten Verein, von 2015 bis 2018 spielte er in Frankfurt. In Rom wird er wieder Platz machen für Vertreter Kovar, aber auch das klappte bisher. Rom schwächelte beim 1:1 gegen Juventus Turin. Sollte Bayer patzen, könnte es nicht nur ein deutsches Finale geben, sondern in der Europa League mit Rom gegen Atalanta Bergamo (1:1 bei Olympique Marseille) auch ein italienisches. Dafür sind die Hürden aber hoch.
In der Bundesliga ist an der Spitze die Spannung weg. Nicht nur, dass Bayer Leverkusen als Meister feststeht, sondern durch Dortmunds Sieg über Paris darf auch der Fünfte in der neuen Champions League spielen, die Borussia hat sich damit selbst ein Geschenk gemacht und ihr kann es egal sein, ob sie vor oder hinter Leipzig landet. Gleichzeitig wird in Stuttgart gefeiert, es ist wirklich sensationell vom Abstiegskandidaten zum CL-Teilnehmer zu werden. Dahinter geht der Kampf um die Plätze in Europa ungehindert weiter und wird wohl erst am letzten Spieltag entschieden. Jetzt muss sogar Frankfurt (45 Punkte) noch um Platz sechs und die Europa League bangen. Wie eng das Feld zusammen liegt, zeigt sich daran, dass man mit einem Sieg vom Abstiegskandidaten zum Anwärter auf Europa wird (Platz 7 und evtl. 8), so bei Werder Bremen (38) und dem VfL Wolfsburg (37). Auch Freiburg (41), Hoffenheim (40) und Augsburg (39) sind trotz mancher Schwächen noch dabei und als Überraschungsgast Neuling Heidenheim (38).
Noch mehr Spannung gibt es natürlich im Abstiegskampf. Nur bei Schlusslicht Darmstadt wird getrauert und Trainer Lieberknecht klagt ,“wenn die Saison nur vorbei wäre“. Kaum zu retten ist der 1. FC Köln, der fünf Punkte auf den Relegationsplatz aufholen muss, da gibt es am Samstag noch ein „Endspiel“ gegen Union Berlin (sechs Punkte mehr/30). Für beide Klubs gilt, das die Saison schlecht gemanagt wurde und die Trainerwechsel nichts brachten. Köln muss am letzten Spieltag nach Heidenheim, Union hat Freiburg zu Gast. Auf dem Relegationsplatz liegt bisher Mainz (28), der Schwung ist ein bisschen dahin, die letzten Aufgaben gegen Dortmund und in Wolfsburg sind schwer. Wenn es dumm läuft, können auch Bochum und Gladbach (je 33) noch nach unten rutschen. Wer absteigt, bangt auch um seine Existenz.
Frauen: Spiel des Jahres
Es geht um die Gegenwart und die Zukunft. Die beiden besten deutschen Frauen-Teams kämpfen am Donnerstag (16.00 Uhr) in Köln direkt um den DFB-Pokal. Es ist das „Spiel des Jahres“ und es geht darum, wer die Nummer 1 ist, vor allem auch in der Zukunft. Es ist ja fast ein Witz, dass die Bayern-Frauen mit einem 2:1-Sieg ausgerechnet in Leverkusen den Titel holten, also bei dem Verein, der den Männern die Meisterschaft abluchste. Aber Bayern will mehr, will endlich die Siegesserie der Wölfinnen im Pokal stoppen. Wolfsburg siegte zehnmal, zuletzt neunmal in Folge, die Bayern konnten sich nur 2012 den Pokal in die Vitrinen stellen. Das soll anders werden. „Wir wollen das Double“, tönte es sofort nach der erfolgreichen Titelverteidigung von den Münchnerinnen (große Feiern gab es nicht) und Präsident Herbert Hainer kündigte an: „Wir wollen dauerhaft die Nummer 1 in Deutschland werden“. Trainer Alexander Straus geht sogar noch weiter: „Wir wollen auch in der Champions League angreifen.“ Deshalb wurde auch Lena Oberdorf für die neue Saison verpflichtet, die jetzt die Bayern noch einmal ärgern kann.
In der Meisterschaft siegten die Bayern in beiden Duellen. Nach dem 2:1 im Hinspiel übernahmen sie am 6. Spieltag erstmals die Tabellenführung, im Rückspiel stellten sie mit einem 4:0 in Wolfsburg die Weichen für den insgesamt sechsten Titelgewinn und blieben bisher national in der ganzen Saison ungeschlagen (wieder Parallelen zu Leverkusens Männern). Der Pokal aber hat bekanntlich eigene Gesetze und die Wölfinnen behaupten, „der gehört uns.“ Mit dem Double könnten die Bayern-Mädchen aber Ansprüche stellen, ihre Pokale in München auf dem Rathaus am Marienplatz den Fans zu präsentieren, nachdem die Feier mit den Männern ausfallen muss. Es sei denn, diese holen den Henkelpott der Champions League…
Hinweis: In dieser Woche folgt noch ein Blog zur Eishockey-Weltmeisterschaft mit dem Motto „wer Silber gewann, kann auch Gold holen“.