Die Bundesliga feiert eine historische Saison

von knospepeter

Die Feiern sind vorbei, andernorts geht es an die Aufräumarbeiten nach einer verkorksten Saison. Überall wird Bilanz gezogen, kaum ist das alte Spieljahr der Fußball-Bundesliga vorbei ist das neue schon im Visier. Ein Blick zurück lohnt sich allerdings, war es doch insgesamt eine historische Saison, die in die Geschichte eingehen wird.

Dafür sorgte in erster Linie natürlich Bayer Leverkusen, das als erster Verein überhaupt in 61 Jahren Bundesliga ungeschlagen blieb. Eigentlich hatte man dies eher den Bayern in den letzten Jahren zugetraut, doch trotz der ebenfalls historischen elf Titel in Folge schafften dies die Münchner nicht. Jetzt aber müssen sie fast eine andere historische Bilanz ziehen – ein Jahr ohne Titel. Bei Bayer wirkte sich offensichtlich Fairness positiv aus, die Mannschaft blieb ohne Platzverweis und erhielt keinen Elfmeter gegen sich.

Gefeiert wurde auch in Stuttgart. Wer erinnert sich jetzt an den Tiefpunkt im Verein? Vor acht Jahren flossen die Tränen, der VfB stieg aus der Bundesliga ab, gleichzeitig die zweite Mannschaft aus der 3. Liga. Ganz anders heute: Vizemeister mit noch nie dagewesenen 23 Siegen und 73 Punkten und Rückkehr der U21 in die 3. Liga. Historisch auch Torjäger Serhou Guirassy, der 39 Tore in seinen 50 Ligaspielen für den VfB erzielte, das schaffte keiner vor ihm. Jetzt allerdings wird mit seinem Abgang gerechnet, er ist günstig zu haben, Dortmund soll besonderes Interesse haben. Der Lohn für die Leistung wird in der Champions League kassiert.

Historisch für den Verein auch die Leistung von Aufsteiger Heidenheim. Der Neuling aus der Kleinstadt im Württembergischen an der Grenze zu Bayern wurde zusammen mit dem zweiten Aufsteiger Darmstadt als erster Absteiger genannt. Eigentlich hätte man den Lilien noch eher den Klassenerhalt zugetraut, doch die Lieberknecht-Schützlinge mussten mit nur drei Siegen froh sein, dass sie nicht zu den historisch schlechten Vereinen zählen. Das bleiben mit nur je zwei Siegen Tasmania Berlin (1965/66) und der Wuppertaler SV (1974/75). Heidenheim schaffte das Gegenteil, der bodenständige Verein wurde zu einem Vorbild für andere Klubs, steht inzwischen auf einer Stufe mit dem SC Freiburg. Trainer Frank Schmidt ist der dienstälteste Coach der Liga, seine Schützlinge sorgten für Furore, so schaffte es Jan-Niklas Beste sogar in den Kreis der Nationalmannschaft. Ihm gelangen acht Tore und 13 Vorlagen, seitdem die Scorerpunkte gezählt werden, war nur Emil Forsberg 2016/17 für RB Leipig für einen Bundesliga-Neuling besser. Und auch Torjäger Tim Kleindienst führt Ranglisten an: Er kämpfte für sein Team, führte die meisten Zweikämpfe (927), foulte (als Stürmer!) am meisten (89) und zog die meisten Sprints an (1056).

Absteigen muss auch der 1. FC Köln, der am bittersten dafür büßen musste, dass im Verein schlecht gearbeitet wurde. Auch Bochum hatte es sich anders vorgestellt, als in der Relegation zu bangen. Andere Klubs hangelten sich gerade noch auf sicheres Terrain. Union Berlin, Mainz 05, der VfL Wolfsburg und der FC Augsburg hatten mit Trainerwechseln Glück. Vor allem Dänen-Power beeindruckte die Bundesliga, Bo Henriksen trieb Mainz zum Klassenerhalt, Jess Thorup brachte dem FCA Spielkultur bei und holte frühzeitig den Klassenerhalt. Das war notwendig, den am Schluss gab es fünf Niederlagen am Stück, das trübt die Bilanz. Erneut wurden die 40 Punkte nicht erreicht, aber Rang elf ist die beste Platzierung seit neun Jahren! Der FCA will sein Team weiter verstärken, muss aber mit einem Abgang von Torjäger Demirovic rechnen.

Im Hinblick auf eine bessere Saison hat Union Berlin bereits gehandelt und in der Führung für einen Wechsel gesorgt. Als neuer Geschäftsführer Profifußball kommt Horst Heldt, sein Vorgänger Oliver Ruhnert bleibt dem Verein jedoch erhalten und wird wieder Chefscout, so wie er 2017 bei den Berlinern begann. Von Wechseln will Borussia Mönchengladbach nichts wissen, trotz einer enttäuschenden Saison und Zittern am Schluss. Nur Rang 14 wurde es, von Europa hatte man geträumt, aber Trainer Gerardo Seoane soll bleiben. Da sieht es in Frankfurt anders aus, Trainer Dino Toppmöller scheint zu wackeln, obwohl die Eintracht mit Rang 6 zufrieden sein kann, aber es gab zu viel Auf und Ab in der Saison.

Darüber klagen auch andere Vereine. Freiburg hätte sich ein besseres Ergebnis zum Abschied von Trainer Christian Streich gewünscht, den vor allem Verletzungssorgen bremsten. Wolfsburg schaffte mit dem neuen Trainer Ralph Hasenhüttl die Trendwende, will wieder nach oben. Zufrieden sein kann Werder Bremen, das eine solide Saison gespielt hat, glücklich war am Ende vor allem aber Hoffenheim, denn nach Rang 7 und einem Platz in Europa sah es lange nicht aus. Solide auch RB Leipzig, das wieder in die Champions League einzieht und immer beständig in der Spitzengruppe blieb. Anders ging es in Dortmund zu, Trainer Edin Terzic stand schon vor dem Aus, weil er mit seinem Team einfach keine konstante Leistungen zeigte. Erfolge in der Champions League kaschierten dies und nun greift die Borussia sogar nach dem Henkelpott. Ein Sieg gegen Real Madrid im Finale am 1. Juni und es wird eine historische Saison!

Ein Rückblick auf das ereignisreiche Jahr macht deutlich, dass sich die Fans schon jetzt wieder auf die neue Saison freuen dürfen. Die Sommerpause wird nicht nur durch die Europameisterschaft nicht langweilig, sondern bleibt spannend durch die vielen Geschichten rund um die Vereine mit Spieler- und Trainersuche. Vor allem die Bayern werden da scheinbar noch einige Zeit für Unterhaltung sorgen…

Auch die Bayern-Frauen ungeschlagen

Auf den Spuren von Leverkusen wandelten die Frauen des FC Bayern, sie blieben nämlich ebenfalls in dieser Bundesliga-Saison ungeschlagen, gewannen sogar alle Spiele der Rückrunde und wurden folgerichtig zum zweiten Mal hintereinander Meister. Allerdings haperte es bei ihnen im Pokal und international. Da soll es besser werden. Der erste Schritt dazu war die Vertragsverlängerung um ein Jahr mit Trainer Alexander Straus, der jetzt bis 2026 bleiben soll. Ihm zur Seite stehen als neue Assistenten Kjel Lone, den er von SK Brann kennt, und Clara Schöne (bisher im Nachwuchs). Straus will auch in Europa angreifen und sagt, „die nächsten Jahre werden spannend“. Deshalb kommt wohl auch Wolfsburgs Star Lena Oberdorf nach München. Ihren Vertrag verlängert hat auch die 37-jährige Schwedin Linda Sembrant, die im Winter von Juventus Turin ausgeliehen wurde. Sie hat sich als Stütze in der Abwehr erwiesen und lobt, „das Team und der Verein sind einzigartig“. Das hört man bei den Bayern gern!

Hinter München haben sich in der Bundesliga Wolfsburg und Eintracht Frankfurt die Plätze für die Qualifikation in der Champions League gesichert. Hoffenheim fiel am Ende ab und noch hinter Essen auf Rang fünf zurück. Zufrieden mit ihrer Saison waren Leverkusen und Bremen sowie Neuling Leipzig als Achter. Freiburg und Köln hatten sich sicher mehr erhofft, absteigen müssen der 1. FC Nürnberg und MSV Duisburg. Schade eigentlich, beide Vereine hätten der Bundesliga auch künftig gutgetan, zumal die Liga mit zwölf Vereinen eigentlich zu klein ist. Viele fordern eine Aufstockung und mehr Spiele, damit die Bundesliga mehr im Gespräch ist. Hoffnung machen Vereine wie der Hamburger SV und Borussia Dortmund, die auch mit den Frauen die Bundesliga anstreben. In Dortmund wird sogar gemunkelt, dass in einem Jahr Wolfsburgs Star Alexandra Popp als „Entwicklungshelferin“ kommen soll.

Zunächst ist Popp allerdings noch bei der Nationalmannschaft gefragt. Bundestrainer Horst Hrubesch hat seinen Kader für die nächsten EM-Qualifikationsspiele am 30. Mai und 4. Juni gegen Polen benannt und da ist die Kapitänin ebenso wieder dabei wie Marina Hegering nach einer Verletzungspause. Dafür fällt Sara Däbritz verletzt aus, Lina Magull und Linda Dallmann stehen nur Abruf im Kader. Hrubesch hat 23 Spielerinnen nominiert und nutzt die Spiele als Test für Olympia, da darf er dann nur 18 Spielerinnen mitnehmen und wird eine harte Auswahl treffen müssen. Nach den Begegnungen gibt es für die Mädchen in einem stressigen Jahr ein bisschen Urlaub, vor Olympia stehen noch die nächsten EM-Qualifikationsspiele gegen Island (12. 7.) und Österreich (16. 7.) an. Start bei Olympia ist dann am 25. Juli gegen Australien.