Das Rätsel um die DFB-Elf: Ein Unentschieden als Dämpfer und Mutmacher zugleich

von knospepeter

Jetzt geht die deutsche Mannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft doch als Gruppensieger in das Achtelfinale. Ein Erfolg, wenn man die letzten Turnierpleiten anschaut. Das 1:1 gegen die Schweiz, mit dem Ausgleich in der Nachspielzeit, gibt aber Rätsel auf. Na ja, gerätselt wurde schon vor dem Spiel in Frankfurt, weil es um den weiteren Weg der Nationalmannschaft im Turnier geht. Zwar sollte Schritt für Schritt geplant werden, aber als Gruppensieger droht im Viertelfinale Spanien, doch zuvor gibt es noch eine andere Hürde. Und zuvor muss auch das Match gegen die Schweiz aufgearbeitet werden. Leistungsmäßig ist das Unentschieden ein Dämpfer, aber das Aufbäumen des Teams, der sichtbare Wille, den Bock noch einmal umzustoßen, ist zugleich ein Mutmacher. Das Tor zum Remis war auch wichtig für die deutsche EM-Stimmung, Dämpfer brauchen wir da nicht. Am Samstag um 21.00 Uhr in Dortmund werden also wieder alle mitfiebern, der Gegner wird am Dienstag ermittelt, es ist der Zweite der Gruppe C und dort ist bei England, Dänemark, Slowenien und Serbien alles möglich.

Bundestrainer Julian Nagelsmann ließ keine Zweifel daran, dass die Mannschaft Gruppensieger werden wolle, egal wie die Turnierkonstellation sich darstellt. Dennoch wirkte es lange Zeit so, als sollte die Diskussion unterschwellig in den Köpfen der Spieler hängen geblieben sein, selbst die Stützen der Mannschaft wie Tah, Rüdiger, Kroos, Gündogan, Wirtz und Musiala wirkten fahrig, die Pässe kamen nicht an, ein Lösung gegen das aggressive Spiel der Schweizer wurde nicht gefunden. Zwar war Deutschland dominant (66 Prozent Ballbesitz, 9;2 Ecken), hatte ein deutliches Übergewicht an Schüssen, aber die besseren Chancen hatte die Schweiz und sie ging auch 1:0 in Führung (28., Ndoye).

Deutschland im Rückstand – eine neue Situation bei diesem Turnier. Vielleicht auch ein guter Test für die weiteren Spiele. Nagelsmann kann auf eine Stärke bauen: Den Zusammenhalt im Team und auf seine Joker. Von der Bank kann immer die Wende kommen, so wie diesmal mit Beier, Raum und dem Torjäger der letzten Minuten, Niclas Füllkrug. Dazu durfte sich Nico Schlotterbeck zeigen, ob er den im Achtelfinale gesperrten Jonathan Tah ersetzen kann. Raum und Füllkrug kramten aber das alte Rezept der DFB-Elf hervor, das einst schon Kaltz und Hrubesch anwandten: Flanke – Tor in der 92. Minute. Sie üben es bei Sonderschichten im Training, da könnte Nagelsmann auch für längere Spielzeit auf die Waffe zurückgreifen. Zum Unentschieden hätte es dennoch nicht gereicht, wenn nicht Torhüter Manuel Neuer kurz zuvor mit einer Weltklasseparade bei einem Schuss von Xhaka das 0:2 verhindert hätte. Es war eine Parade zur Feier des Tages, denn jetzt ist Neuer alleiniger EM-Rekordtorhüter an Spielen.

Nun also das Achtelfinale. In der Gruppe C muss England (4 Punkte) gegen Slowenien (2) gewinnen, um den Gruppensieg sicher zu haben. Bei einem Unentschieden könnte nämlich Dänemark (2) mit einem Sieg gegen Serbien (1) vorbeiziehen, wenn es dann die bessere Tordifferenz aufweist (das direkte Duell endete 1:1, die Tordifferenz ist bei England +1, bei Dänemark 0). Die Schweiz als Gruppenzweiter spielt gegen den Zweiten Gruppe B, Schottland ist nach dem 0:1 gegen Ungarn (Tor in der 10. Minute der Nachspielzeit) ebenso wie bereits Polen ausgeschieden.

Die deutschen Spieler werden interessiert zuschauen, nachdem sie am Montag einen Ruhetag genießen konnten. Sie gehören dann zu den TV-Zuschauern, die für Rekordquoten sorgen. Am Sonntag sahen über 25 Millionen das Spiel der Deutschen. Bei Abwehrchef Antonio Rüdiger steht aber Pflege an, er hat Oberschenkelprobleme, sein Einsatz am Samstag ist unsicher, Partner Tah ist gesperrt – ein großes Fragezeichen in der Abwehr also. So könnten ausgerechnet in Dortmund Schlotterbeck und Waldemar Anton auflaufen, der künftig ebenfalls beim BVB spielen will. Es wird also auf jeden Fall so sein, dass Nagelsmann erstmals nicht die gleiche Anfangself aufbieten kann. Ansonsten wird an den letzten Spieltagen der Gruppenphase vor allem gerechnet werden, wer sind die glücklichen vier besten Gruppendritten, die ebenfalls ins Achtelfinale einziehen. Der Rechenschieber löst den Fußball ab.

Wechsel-Theater in der Bundesliga

Bei der EM sitzen natürlich zahlreiche Vereinsmanager auf den Tribünen, schließlich gilt es, den Markt zu beobachten und Kontakte zu knüpfen. Auf den Schreibtischen der Bundesliga-Boss staut sich die Arbeit, es wird an der Mannschaft für die neue Saison gebastelt. Zahlreiche Wechsel sind bereits über die Bühne gegangen, besonders weit scheint der FC Heidenheim zu sein, der bereits sieben Spieler verpflichtet hat, zuletzt das Talent Paul Wanner, der vom FC Bayern ausgeliehen wird. Dafür verlieren die Heidenheimer ihren Torjäger Tim Kleindienst, der ausgerechnet zu dem Verein geht, der im Wechsel-Theater bereits erfolgreich zugeschlagen hat – Borussia Mönchengladbach. Eine enttäuschende Saison mit Abstiegssorgen und am Ende Platz 14 soll sich nicht wiederholen. Mit Stöger (Bochum) und Sander (Kiel) wurden Mittelfeldstrategen geholt und jetzt ein echter Torjäger mit mannschaftsdienlichen Stärken.

Von den Spitzenteams ist besonders der VfB Stuttgart aktiv, der vorsorgen will, wenn seine Stars Guirassy, Führich und Anton den Verein verlassen sollten. Der VfB setzt bisher aber vor allem auf Talente wie bei Woltemade (Bremen), Diehl (Köln) und EM-Spieler Rieder(Rennes/Schweiz). Mehr Erfahrung haben schon Chabot (Köln) und Keitel (Freiburg). Wenig hört man von Meister Leverkusen, immer im Gespräch sind dagegen die Bayern. Bisher wurden sie nich besonders fündig mit Ito (Stuttgart) und dem australischen Talent Ivankunda (Adelaide). Weitere Verstärkungen werden vor allem viel Geld kosten, so soll Flügelflitzer Michal Olise von Crystal Palace kommen, der für 60 Millionen Euro wechseln darf. Er wäre eine Ansage für Coman und Gnabry, die den Verein verlassen können. Tah soll von Leverkusen losgeeist werden, zwischen Angebot (20 Millionen) und Bayer-Forderung (40 Millionen) gibt es eine große Diskrepanz. Joao Palhinha vom FC Fulham ist auch wieder im Gespräch, der Portugiese möchte gern kommen, von 45 Millionen plus Boni ist die Rede, im Vorjahr waren es noch 65 Millionen. Dafür stehen bekanntlich de Ligt und Upamecano auf der Verkaufsliste, neuerdings auch der etwas fremdelnde Südkoreaner Kim. Im Wechsel-Theater fällt erst Ende August der Vorhang.

Frauen-Bundesliga wird aufgestockt

Gute Nachricht für die Frauen-Bundesliga. Die schon lange erhobene Forderung (auch an dieser Stelle) nach einer Aufstockung der Eliteliga über die derzeitigen 12 Vereine hinaus, wird erfüllt. Ab 2025 wird es 14 Vereine geben, deshalb in der neuen Saison nur einen Absteiger, aber drei Aufsteiger aus der 2. Bundesliga. Sollte sich ein Aufsteiger nicht um die BL-Lizenz bemühen, gibt es keinen Absteiger. Im nächsten Schritt ist bereits die Aufstockung auf 16 Klubs im Visier, was noch besser für die Liga wäre und dem wachsenden Interesse für den Frauen-Fußball erst richtig gerechet werden würde. Mehr Spiele bedeuten schließlich auch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Allerdings dürfen sich die Mädchen danach nicht über zu viel Stress beklagen!