Nach dem bitteren EM-Aus: Mit Verjüngungskur zum WM-Titel 2026!
von knospepeter
Der Titel ist das Ziel aller Turnierträume! Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sind bei der heimischen Europameisterschaft im Viertelfinale alle Träume jäh geplatzt. Was bleibt, ist Hoffnung. Es ist fast ein Wink des Schicksals, dass in diesen Tagen ein besonderes Jubiläum gefeiert wurde: Am 7. Juli 1974, also genau vor 50 Jahren, wurde Deutschland bei der Heim-WM mit einem 2:1-Sieg über die Niederlande Weltmeister! Es war unter Bundestrainer Helmut Schön ein holpriger Weg zum Titel, mit Streit zwischen Spielern und Verband, mit Querelen im Team und Ärger nach einer 0:1-Niederlage im „Bruderkampf“ gegen die DDR. Diese Niederlage war wegweisend, die Mannschaft rückte zusammen, der Weg ins Endspiel war ein leichterer als der für die DDR. Über Jugoslawien, Schweden und in der Wasserschlacht von Frankfurt über Polen ging es ins Finale nach München. Dort ging die Niederlande schnell in Führung, Paul Breitner glich per Elfmeter aus und Gerd Müller (wer sonst) erzielte den Siegtreffer zum zweiten Titelgewinn Deutschlands nach 1954. Die Stimmung im Land war dabei nicht so euphorisch wie jetzt bei der EM, die Zeiten waren andere, Public Viewing war noch nicht erfunden, die Leute ächzten unter wirtschaftlichen Problemen.
Erinnerungen wecken in Richtung WM gleichzeitig Hoffnungen. Nach dem bitteren EM-Aus sprach Bundestrainer Julian Nagelsmann nach Tränen der Enttäuschung von der Zukunft, die er mit einer Verjüngungskur einleiten will. Er sorgte für „Futter“ für die Journalisten: „Und für die WM 2026 (in den USA, Kanada und Mexiko) gibt es nur ein Ziel, wir wollen Weltmeister werden, das wollt Ihr doch hören.“ An solche Ziele klammern sich auch die Fans, immerhin beeindruckte die deutsche Mannschaft und zeigte deutlich, bis zur Weltspitze ist es nicht weit. Im Halbfinale stehen nun Mannschaften, die eher Rumpelfußball boten.
Trotz der unglücklichen Niederlage in einem schieren Abnützungskampf können Nagelsmann und seine Mannen ein positives EM-Fazit ziehen. Die Mannschaft weckte wieder Fußballbegeisterung, es gab einen Zusammenhalt im Team und zwischen Spielern und Fans,die Stimmung war euphorisch. Schade, dass das Ausscheiden auch durch den Schiedsrichter beeinflusst wurde, der Engländer Anthony Taylor hätte in der 106. Minute Elfmeter für Deutschland geben müssen, Musialas Schuss ging Richtung Tor und wurde durch den abgespreizten Arm des spanischen Abwehrspielers gestoppt. Ein Treffer wäre möglich gewesen, da gilt die Ermessungsentscheidung nicht mehr. Welcher Zufall: Auch im Finale 1974 pfiff ein Engländer mit Namen Taylor, gab Elfmeter für die Niederlande und Deutschland!
In Zukunft hat Julian Nagelsmann andere Sorgen und er hat sie schon angesprochen. Deutschland stellte bei der EM die älteste Mannschaft des Turniers, eine Verjüngung ist also dringend notwendig, einzig Toni Kroos hat aber von den Ü30 seinen Rücktritt bisher verkündet. Sein großer Traum vom EM-Titel ging nicht mehr in Erfüllung, in Bestform war er am Schluss auch nicht mehr. Er tritt mit 34 als einer der erfolgreichsten Fußballer mit insgesamt 34 Titeln (!) ab, war aber nie ganz unumstritten, eine Führungsfigur wie Beckenbauer oder Matthäus wurde er nie. Auch mit dem Rücktritt von Thomas Müller (34) wird gerechnet, der auf dem Feld keine große Rolle mehr spielen konnte und dessen Vertrag bei den Bayern bis 2025 läuft. Ähnlich sieht es bei Manuel Neuer (38) aus, der die nächsten Tage in sich gehen will und sich noch nicht entschieden. Marc-Andre ter Stegen (32) wartet auf den Rücktritt, die Zukunft dürfte aber Alexander Nübel (27) gehören. Zu den Ü30 gehören auch Antonio Rüdiger (31) und Kapitän Ilkay Gündogan (33), doch beide sind als Halt in der Abwehr bzw. erfahrener Anker im Mittelfeld eingeplant.
Das Gros der Mannschaft dürfte bei der WM 2026 dabei sein, vor allem Spieler wie Kimmich, Wirtz, Musiala und Havertz machen Hoffnung, wobei die beste Rolle von Havertz wohl nicht die des Mittelstürmers ist. Aber Nagelsmann hat schon Namen von Hoffnungsträgern in die Debatte geworfen, Angelo Stiller (Stuttgart) und Aleksandar Pavlovic (Bayern) als nächste Anwärter im Mittelfeld genannt. Dazu sind der Mainzer Brajan Gruda und der Gladbacher Rocco Reitz auf dem Sprung. Lange dauert es nicht, bis sich die neue Nationalmannschaft präsentiert, am 7. September beginnt mit dem Spiel gegen Ungarn in Düsseldorf die nächste Nations League, drei Tage später ist die Niederlande in Amsterdam der Gegner. Da sind in der Bundesliga gerade mal zwei Runden gespielt. Es warten also neue Aufgaben für Nagelsmann und sein Team, in erster Linie Sandro Wagner und Benjamin Glück, das offensichtlich prächtig harmoniert. Auch Nagelsmann hat sich profiliert, hat den Zusammenhalt in den Vordergrund gestellt und ganz Deutschland eine Mahnung mit auf den Weg gegeben: „Ohne ein Miteinander, ohne Zusammenhalt geht es nicht.“
Drei Spiele stehen also noch auf dem Papier, zu hoffen ist, dass auch das deutsche Publikum Halbfinale und Finale mit Wohlwollen begleitet. Spanien gegen Frankreich (in München) und England gegen die Niederlande (in Dortmund) sind echte Knüller, auch wenn die Leistungen nicht unbedingt den großen Namen entsprachen. Spanien hat im Duell mit Deutschland Federn lassen müssen, gilt dennoch weiter als Favorit, zumal Frankreich unter einer Torflaute leidet. Die Niederlande hat nach großem Kampf die Türkei nach Hause geschickt, die vielleicht zu viel auf die Politik geachtet hat. Und England darf weiter davon träumen, endlich wieder seit 1966 einen Titel zu gewinnen.
Start der Bundesliga am 23. August
Die Nationalmannschaft ist ausgeschieden, in Deutschland werden sich die Fans wieder der Bundesliga zuwenden. In diesen Tagen hat die DFL bereits die Spielpläne für die erste und zweite Liga veröffentlicht und damit die Vorfreude geschürt. Die 2. Bundesliga startet am 2. August mit dem Schlager 1. FC Köln – Hamburger SV, zwei Traditionsclubs und Aufstiegsaspiranten. Zwei Wochen lang gehören die Schlagzeilen der zweiten Liga, dann folgen Pokal, der Supercup zwischen Leverkusen und Stuttgart und am 23. August startet das Oberhaus mit der Partie Mönchengladbach gegen Meister Bayer Leverkusen.
Bis dahin werden die Spielerwechsel die Schlagzeilen beherrschen, wobei die Bayern hier für erste Ergebnisse gesorgt haben. Am Sonntag wurde Flügelflitzer Michael Olise (22) von Crystal Palace verpflichtet, an dem unter anderem auch Manchester City interessiert war. Der Portugiese Joao Palhinha (28), Sechser beim FC Fulham, soll bald folgen, Abwehrspieler Hiroki Ito (25) ist schon da, ein rund 130 Millionen Euro schweres Paket. Borussia Dortmund schaut sich derweil beim Nationalteam um, Waldemar Anton hat sich zum BVB bekannt, jetzt soll auch noch Pascal Groß folgen und auch Stuttgarts Chris Führich ist in Dortmund im Gespräch. Der VfB Stuttgart kämpft dagegen darum, die Abgänge seiner Stars wieder auszugleichen.
Frauen haben Olympia im Blick
Bei den Männern ist Schluss, die Frauen stehen am Anfang. Die Nationalmannschaft traf sich am Montag, da stand auch die Einkleidung für die Olympischen Spiele in Paris auf dem Programm. Bundestrainer Horst Hrubesch hat nach schwierigen Gesprächen einen Kader von nur 18 Spielerinnen benannt, mehr dürfen nicht nominiert werden, dazu bleiben vier auf Abruf. Prominente Namen wie Lina Magull, Sara Däbritz und Lena Lattwein fehlen. Der Vorbereitung auf Olympia dienen die letzten Spiele in der EM-Qualifikation, die Deutschland schon geschafft hat, aber das Team will ungeschlagener Tabellenführer bleiben. Am Freitag, 12. Juli (18.15 Uhr) ist der erste Test in Island, Österreich ist am Dienstag, 16. Juli (19 Uhr) in Hannover der letzte Gegner.
Das Aufgebot: Tor: Frohms (Wolfsburg), Berger (Gotham). – Abwehr: Doorsoun (Frankfurt), Hegering, Hendrich, Linder (alle Wolfsburg), Schulze Solano (Bilbao), Gwinn (Bayern). – Mittelfeld und Sturm: Brand, Endemann, Popp (alle Wolfsburg), Bühl, Lohmann, Schüller, Oberdorf (alle Bayern), Freigang, Senß (beide Frankfurt), Nüsken (Chelsea). – Abruf: Johannes, Anyomi (beide Frankfurt), Rauch (North Carolina), Minge (Wolfsburg).