Paris will einzigartige Olympische Spiele bieten

von knospepeter

Wir kennen Paris als die Stadt der Liebe, die Stadt der Mode und in den letzten Jahren leider auch oft als die Stadt der Krawalle. In den nächsten Wochen will sich Paris von einer neuen Seite zeigen: Die französische Hauptstadt hat die Sportler aus aller Welt zu Gast, organisiert nach 1900 und 1924 zum dritten Mal die Olympischen Sommerspiele. Vom Freitag bis zum 11. August sollen es einzigartige Spiele werden. Die Organisatoren versprechen nicht die größten oder besten Spiele aller Zeiten, sondern solche mit einem besonderen Flair, „das Paris und Frankreich in der ganzen Welt erstrahlen lässt“. Für das IOC ist aber klar: Die größten Spiele aller Zeiten.

Das Besondere beginnt schon mit der Eröffnungsfeier, die erstmals nicht in einem Stadion stattfindet, sondern auf der Seine. Der Fluss, der sich durch Paris schlängelt, wird Schauplatz für das wohl größte olympische Experiment, wenn die Sportler auf 94 Booten sich auf sechs Kilometern Fahrstrecke den rund 300.000 Zuschauern am Ufer präsentieren. Aber das ist nicht alles, die Organisatoren wollen die Schönheit der Stadt herausstellen, der Marathonlauf wird zum Beispiel zu einer Sightseeingtour (wofür die Starter aber wohl kaum Augen haben), die interessantesten Gebäude und Plätze werden Austragungsstätten, so findet zum Beispiel Beachvolleyball am Fuße des Eiffelturms statt. Aber Atmosphäre und Optik ist nicht alles, Olympia soll sich klimaneutral, ökologisch und sozial präsentieren, so hielten sich auch die Neubauten in Grenzen, Paris wird später nicht unter Olympia-Ruinen leiden.

Besondere Spiele erlebte auch München 1972, die heiteren Spiele begeisterten die Menschen, bis ein Terrorakt für einen traurigen Schatten sorgte. Damals stand man dieser Tatsache unbedarft gegenüber, über Paris liegt diesmal der Schatten des Terrors und von Kriegen in aller Welt. Man will alles Menschenmögliche tun, um die Sicherheit zu gewährleisten. 10.500 Sportlerinnen und Sportlern stehen 35.000 Sicherheitskräfte gegenüber, davon 18.000 Soldaten, auch aus dem Ausland wurde Hilfe angefordert, Kontrollen an den Grenzen wieder eingeführt. Es sollen heitere Spiele unter dem Dach der Sicherheit werden.

Heitere Spiele werden es für manche Fans nur, wenn auch die Erfolge stimmen. Ein Medaillengewinn bei Olympia ist immer noch etwas Besonderes. Olympische Spiele werden nie diese Fanbegeisterung mit Massenmärschen zu den Stadien oder vollen Fanzonen mit Public Viewing entfachen können wie die Fußball-Europameisterschaft, aber das Interesse ist weltweit riesengroß und deshalb sind die Spiele für Stadt und Land immer ein Gewinn, wobei Olympia besonderes in diktatorischen Ländern als PR-Maschine missbraucht wird. Lassen wir uns davon nicht beeindrucken, nach einer Umfrage des kicker interessieren sich bei uns 80 Prozent für Olympia und 67 Prozent schauen auch Sportarten, die sie sonst links liegen lassen. ARD und ZDF berichten fast rund um die Uhr. Olympia ist etwa Eigenes, auch für die Athletinnen und Athleten, die sich darüber freuen, im Olympischen Dorf auf Teilnehmer anderer Sportarten zu treffen.

Im Mittelpunkt steht aber natürlich die Jagd nach den Medaillen, die Jagd nach Gold, das Interesse gehört dem Medaillenspiegel. Traditionell findet man auf Platz 1 die USA, aber es gibt Ausnahmen, so hatte China bei den Spielen in Peking die USA von der Spitze verdrängt. In Tokio (wegen der Corona-Pandemie erst 2021) war die USA wieder vorn (Medaillen 39 Gold, 41 Silber, 33 Bronze) vor China (38/32/19) und Gastgeber Japan (27/14/17). Traditionell wachsen die Gastgeber immer über sich hinaus, unternehmen vermehrt Anstrengungen, um vor eigenem Publikum besonders erfolgreich zu sein. Das hebt natürlich die Stimmung. Die Briten war 2012 in London besonders erfolgreich, das wollen nun auch die Franzosen schaffen. Fraglich ist, ob dann auch alles mit rechten Dingen zugeht, vor allem in China und Russland waren Zweifel angesagt, aber leider sind Olympische Spiele sowieso immer Festspiele des Dopings, das lässt sich nicht mehr ausmerzen. Russland und Belarus sind übrigens wegen des Ukraine-Krieges als Nationen nicht dabei.

5084 Medaillen sind zu gewinnen

329 Goldmedaillen in 32 Sportarten mit 48 Disziplinen werden vergeben, neu dabei ist Breaking, bekannt als Breakdance aus der Hip-Hop-Szene, insgesamt sind es 5084Medaillen. Wie viele davon gehen nach Deutschland? In Tokio waren es 10 Gold-, 11 Silber- und 16 Bronzemedaillen, Rang neun in der Nationenwertung. Das soll diesmal besser laufen, eine Zeitschrift kündigt an „Zeit für Helden“. Medaillenhoffnungen gibt es in vielen Sportarten, doch ein bisschen Glück gehört dazu. Im Kanusport, Hallenradsport, beim Rudern, Reiten oder bei den Schützen fallen oft Medaillen ab. Die Schwimmer, allen voran Florian Wellbrock und Lukas Märtens, wollen das Wasser zur Goldgrube machen (die Freiwasser-Wettbewerbe werden in der Seine ausgetragen, die über Jahre hinweg gereinigt wurde und hygenisch sauber sein soll). Eine heiße Favoritin ist Darja Varfolomeev aus Stuttgart, die als fünffache Weltmeisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik glänzte. In der Leichtathletik steht Weitsprung-Europameisterin Malaika Mihambo mit Weltbestweite im Mittelpunkt. Zehnkämpfer Leo Neugebauer ist ebenfalls die Nummer 1 der Welt. Alexander Zwerew träumt im Tennis davon, seinen Sieg von Tokio zu wiederholen. Der Profi hat erkannt: „Olympia ist nicht zu vergleichen“.

Besonders im Mittelpunkt stehen die Mannschaften und da ist Deutschland gut vertreten. Die Weltmeister im Basketball wollen das Dream-Team aus den USA herausfordern, mit Kapitän Dennis Schröder und den Wagner-Brüdern haben sie auch NBA-Stars zu bieten. Gruppengegner sind Japan, Brasilien und Frankreich. Auch die Basketball-Frauen können eine gute Rolle spielen, Hockey ist immer für eine Überraschung gut und die Handballer träumen auch von einer Medaille. Sie verzichten sogar auf die Eröffnungsfeier, weil sie am Samstag (19 Uhr) gegen Schweden antreten müssen. „Wir wollen ja keine Touristen sein“, heißt es.

Eine besondere Rolle bei den Olympischen Spielen gehörte immer den deutschen Fußball-Frauen. Seit 1996 ist Frauen-Fußball dabei, erster Olympiasieger waren die USA, die den Erfolg 2004, 2008 und 2012 wiederholten. Dazwischen gewann Norwegen 2000, danach wurde Deutschland 2016 in Brasilien mit einem 2:1 gegen Schweden Olympiasieger, Nachfolger war 2021 Kanada. Aber Deutschland hatte 1996 die Ehre, das erste Spiel zu bestreiten, Japan war am 21. Juli der Gegner, Bettina Wiegmann erzielte das 1:0 und war damit die erste Torschützin bei Olympia! Am Ende stand ein 2:1-Sieg, Deutschland schied aber in der Vorrunde aus. Dafür gab es 2000, 2004 und 2008 jeweils eine Bronzemedaille!

Eine Medaille wollen die deutschen Mädchen auch diesmal, Trainer Horst Hrubesch sagt sogar, „wir wollen in das Finale“. Das bedeutet nämlich, dass sie dann das Olympische Dorf in Paris erleben dürfen. Für den Olympiasieg würde der DFB zudem 20.000 Euro Prämie zahlen. In der Gruppe B spielt Deutschland in Marseille und St. Etienne, Gegner sind die USA, Australien und Sambia. Schwere Aufgaben. Insgesamt 12 Nationen sind nur dabei, die zwei Besten jeder Gruppe ziehen mit den beiden besten Gruppendritten ins Viertelfinale ein. In der Gruppe A sind Frankreich, Kolumbien, Neuseeland und Kanada vertreten, in der Gruppe C Spanien, Japan, Nigeria und Brasilien. Die Kadergröße umfasst nur 18 Spielerinnen. Das DFB-Team startet sogar einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Spiele, am Donnerstag (19 Uhr) gegen Australien. Ein guter Start wäre wichtig, nein, eigentlich ist bei dieser Konstellation jedes Spiel fast ein Endspiel. Weiter geht es am Sonntag (21 Uhr) gegen die USA und am Mittwoch, 31.7. (19 Uhr) gegen Sambia. Die Mannschaft ist allerdings durch den Ausfall der Mittelfeldstrategin Lena Oberdorf erheblich geschwächt. Sie verletzte sich beim 4:0-Sieg gegen Österreich in der EM-Qualifikation am Knie, was ansonsten eine gelungene Generalprobe war. Torhüterin Ann-Katrin Berger glückte der seltene Fall von zwei Assists zu Toren und nun bleibt die spannende Frage, ob sie oder Merle Frohms gegen Australien auflaufen darf. Kapitänin Alexandra Popp hofft darauf, dass sie am Tag danach als Fahnenträgerin nach Paris reisen darf. Die Entscheidung darüber wird am Donnerstag verkündet.