Bundesliga-Start: Neue Saison, neue Trainer, neue Spannung – und ein Zeichen von Leverkusen!
von knospepeter
Warmlaufen für die neue Bundesliga-Saison – das ist für viele Erstligisten der DFB-Pokal eine Woche vor dem Start. Es wurden aber auch schon erste Zeichen gesetzt, so dadurch, dass am Wochenende nur ein Bundesligist ausgeschieden ist. Es erwischte den VfL Bochum in Regensburg, für ihn ein Zeichen, dass wieder einmal der Abstiegskampf bevorsteht. Ein Zeichen gab es aber auch von Bayer Leverkusen, der Meister machte im hektischen Spiel um den Supercup gegen den VfB Stuttgart deutlich, dass er die Stärken der alten Saison mit in die neue nimmt. Wieder wendete Bayer eine Niederlage in den letzten Minuten ab (2:2) und siegte im Elfmeterschießen. Der erste Titel also, seit März 2023 ist der Meister national ungeschlagen!
Dennoch, die Fußballfans können sich auf eine neue Saison mit neuer Spannung freuen, außerdem sorgen gleich sechs neue Trainer dafür, dass bei vielen Vereine große Ungewissheit herrscht. Mit Bayern München und Borussia Dortmund haben zwei Spitzenteams ihre Trainer gewechselt, mit dem Ziel, einen erfolgreichen Angriff auf den Leverkusen zu starten. Ungewohnt ist dies für die Bayern, die vom Gejagten zum Jäger wurden, aber Vincent Kompany hat neuen Schwung in die Mannschaft gebracht, mehr Schwung als unter Thomas Tuchel, es wird gelaufen statt lamentiert, wie beim 4:0 beim Zweitligisten Ulm zu sehen. Ein neuer Geist und ein neuer Wind weht unter Nuri Sahin auch in Dortmund, dazu kam ein gewisser Umbruch im Team, mit Torjäger Füllkrug und den Vereinsikonen Hummels und Reus gingen wesentliche Figuren der letzten Jahre, die Neuzugänge Anton, Guirassy (beide Stuttgart), Beier (Hoffenheim) und vor allem Groß (Brighton) sollen für neuen Schwung sorgen. Dazu will auch Abwehrkoloss Süle beitragen, der im Sommer schwer abgenommen hat und wieder die Figur eines Spitzensportlers statt eines Feierabendfußballers hat. Zur Spitzengruppe dürfen erneut Vizemeister Stuttgart und Leipzig gezählt werden. Der VfB zeigte im Supercup, dass er die Abgänge gut verkraftet hat, was aber teuer war, nur so war der Kampf um Undav erfolgreich. Ebenso hat Leipzig um Xavi gekämpft und will den Abgang von Olmo durch Talent Nusa ausgleichen. Neu ist: Es gibt nicht den einen Favoriten, wie in vielen Jahren mit den Bayern, beim Nachfolger ohne „n“, Bayer, ist man noch skeptisch, ob er die Leistung des letzten Jahres wiederholen kann.
Von oben nach unten. Im Keller ist das Gedränge noch größer als an der Spitze. Wieder einmal zählen die Aufsteiger zu den ersten Abstiegskandidaten, besonders für Holstein Kiel ist die Bundesliga vor allem ein Abenteuer. Rückkehrer St. Pauli schielt mehr auf den Erfolg von Heidenheim im Vorjahr und will eher auf diesen Spuren wandeln, der in Belgien zweimal als Trainer des Jahres ausgezeichnete Alexander Blessin soll dies als Nachfolger von Erfolgscoach Fabian Hürzeler (nach England) bewerkstelligen. Aber nicht nur die Aufsteiger dürfen im Abstiegskampf erwartet werden, erster Kandidat dafür ist auch der VfL Bochum unter dem neuen Trainer Peter Zeidler. Aufpassen müssen auch Union Berlin mit dem neuen Coach Bo Svensson und dessen alter Verein Mainz 05, die schon im Vorjahr lange in Schwierigkeiten steckten. Auch das letztjährige Überraschungsteam aus Heidenheim gibt (mit altem Trainer Frank Schmidt) nur den Klassenerhalt als Ziel aus, obwohl sich der Neuling im Vorjahr bis in die Conference League spielte und am Donnerstag in Göteborg gegen BK Häcken sein Debüt auf Europas Bühne gibt. Mit Torjäger Kleindienst, Standardkönig Beste und Flitzer Dinkci gingen wichtige Spieler, die kaum adäquat ersetzt werden konnten. Englische Wochen sind außerdem Neuland.
Fehlen noch sieben Vereine, deren Tendenzen ziemlich offen sind. Eintracht Frankfurt darf man noch am ehesten einen Angriff auf die Plätze für die Champions League zutrauen, Wolfsburg will endlich wieder dahin kommen, während Gladbach und Freiburg vor allem wieder einen einstelligen Tabellenplatz angreifen. In Freiburg gab es den spektakulärsten Trainerwechsel, weil Legende Christian Streich aufhörte und die Schwarzwälder mit Julian Schuster auf einen jungen Mann aus dem eigenen Verein setzen. Augsburg, Bremen und Hoffenheim wollen mit dem Kampf um den Klassenerhalt nichts zu tun haben, schauen eher nach oben. Der FCA muss aber den Weggang von Torjäger und Kapitän Demirovic (Stuttgart) verkraften. Ein böses Erwachen könnte es für Hoffenheim geben, das von Sommerturbulenzen mit Wechsel in der Führung gebeutelt wurde, auch der Abgang von Beier dürfte wehtun. Zudem ist Trainer Pellgrino Matarazzo im Verein nicht unumstritten. Das ist keine Basis für Erfolge.
Neuer Wind bei Schiedsrichtern
Nicht nur die Vereine hoffen auf neuen Schwung und wenig Ärger in der neuen Saison, das gilt auch die Schiedsrichter, die ja eine wichtige Rolle spielen. Mit Knut Kircher, der am 1. Juli das Amt der Schiri-Chefs vom scheidenden Lutz-Michael Fröhlich übernahm, soll wieder neuer Wind in den oft kritisierten Laden kommen. Der neue Boss hat sich vorgenommen, dass das Leistungsprinzip auch unter der Saison aktuell angewandt wird und er will seine Leute auf dem Platz stärken, der VAR soll nicht so oft im Vordergrund stehen. Im Pokal, wo es den VAR wegen der Amateure erst ab dem Achtelfinale gibt, zeigte sich allerdings, dass bei Fehlentscheidungen, die auf den Bildschirmen zu sehen sind, der VAR vermisst wird. Leichter haben es die Unparteiischen, dass sie Proteste nur noch vom Kapitän entgegen nehmen, andere Spieler müssen auf Distanz bleiben. Rudelbildung soll es also nicht geben. Andererseits wurde im Pokal deutlich, dass die Spieler bei Auseinandersetzungen untereinander auf die Rudelbildung nicht verzichten wollen.
Noch einmal zurück zum DFB-Pokal. Vor den vier ausstehenden Spielen am Montag und den Nachholspielen von Leverkusen und Stuttgart war die erste Runde keine gute für die kleinen Vereine, die sich zwar tapfer wehrten, aber kaum für Überraschungen sorgen konnten. Bezeichnend der Start am Freitag, als die ersten drei Spiele in die Verlängerung gingen, sich aber am Ende die Bundesligisten durchsetzten. Die Ober- und Regionalligisten schieden alle aus, von den Drittligisten schaffte nur Dynamo Dresden mit dem 2:0 über Düsseldorf eine Überraschung. Saarbrücken, das Sensationsteam des letzten Jahres (u. a. gegen die Bayern), scheiterte diesmal im Elfmeterschießen an Nürnberg. Die nächste Runde wird am 1. September ausgelost, weiter geht es am 29./30. Oktober.
Supercup der Frauen
Auch bei den Fußball-Frauen steht die neue Saison bevor, die ebenfalls durch den Supercup eingeläutet wird. Dabei stehen sich am Sonntag (18.15 Uhr) in Dresden Meister Bayern München und Pokalsieger VfL Wolfsburg gegenüber. Auf neutralem Platz duellieren sich also die beiden derzeit überragenden Teams im deutschen Frauen-Fußball. Wie immer eine besondere Prestigeangelegenheit, zumal die Bayern eine Führungsrolle beanspruchen, die Wölfinnen dies aber so nicht hinnehmen wollen. Interessanter könnte der Start nicht sein, leider fällt aber Lena Oberdorf noch aus, die von Wolfsburg zu den Bayern wechselte. Es ist aber ein interessanter Vergleich, der die aktuellen Kräfteverhältnisse aufzeigen sollte. Die Bundesliga startet dann am Freitag, 30. August, mit der Partie Turbine Potsdam – Bayern München.