Bittere Pille für Bayer und das Wunder von Heidenheim

von knospepeter

Zwei Spieltage hat die Fußball-Bundesliga in der neuen Saison nur absolviert und schon gibt es bereits eine Länderspielpause. Diese zwei Spieltage hatten es allerdings in sich und machten Lust auf mehr. Es ging kunterbunt zu und der Blick auf die Tabelle bringt Erstaunliches zu Tage: Newcomer 1. FC Heidenheim grüßt als Tabellenführer und Meister Leverkusen ist nur Achter. Die Überraschung am zweiten Spieltag: Die in 35 Partien Unschlagbaren kassierten eine Niederlage. Ausgerechnet die Brause-Bullen aus Leipzig verpassten Bayer eine bittere Pille, 462 Tage nach der letzten Niederlage, am 27. Mai 2023 mit dem 0:3 in Bochum am letzten Spieltag der Saison 22/23. Wenn die Zeichen nicht trügen, dann wird es in dieser Saison keinen Alleingang einer Mannschaft geben.

Als Tabellenführer in die Länderspielpause geht überraschend der 1. FC Heidenheim – und das ohne Gegentor!. Vor einem Jahr hieß es noch, es wird nur ein kurzes Gastspiel des Vereins aus dem kleinen 45.000-Einwohner-Städtchen an der Ostalb mit dem höchstgelegenen Stadion (555 m) geben. Doch der Neuling stürmte gleich in seiner ersten Saison auf Europas Bühne und qualifizierte sich in der letzten Woche für die Conference League. Und das, obwohl der Verein seine Top-Stürmer verlor. So dürfen die fünf Siege in Folge fast als das Wunder von Heidenheim bezeichnet werden. Ruhiges Arbeiten ohne Spektakel mit langjähriger Treue zum Trainer Frank Schmidt, der den Verein von den unteren Ligen bis an die Spitze Deutschlands geführt hat, zahlt sich aus. Heidenheim ist das neue Vorbild für jeden aufstrebenden Verein.

Vereinsboss Oliver Sanwald hatte bei den Neuverpflichtungen wieder ein glückliches Händchen bewiesen. Vor allem der 18-jährige Paul Wanner, der seine ersten Erfahrungen beim Zweitligisten Elversberg sammelte, ist der Mann der ersten Spiele. Die Leihgabe aus München trumpft auf, lenkt das Spiel, schießt entscheidende Tore und bereitet wichtige Treffer vor. Er nahm sich auch sofort den Ball, als es beim 4:0 gegen Augsburg Elfmeter gab, verwandelte sicher und ist jetzt der mit 18 Jahren und 263 Tagen der jüngste Elfmetertorschütze der Bundesliga. Die Bayern können sich über dieses Talent glücklich schätzen, da brauchen sie nicht viel Geld für einen Florian Wirtz ausgeben. Um den Deutsch-Österreicher sollte auch Julian Nagelsmann kämpfen – Ralf Rangnick lockt ihn schon in die Alpenrepublik.

In Heidenheim nehmen sie den Platz an der Sonne gelassen hin, sie wissen, das wird nicht von Dauer sein und sind gewarnt, schon viele Tabellenführer der ersten Spieltage mussten am Ende der Saison doch absteigen. Der Klassenerhalt bleibt das Ziel, die nächste große Aufgabe steht zudem bevor, zum Start des 3. Spieltages geht es am Freitag, 13. September, nach Dortmund. Aber bereits im Vorjahr Heidenheim die Borussia mit einem 2:2.

Nur drei Mannschaften haben die ersten zwei Spieltage schadlos überstanden, nach Heidenheim folgen die Bayern und der RB Leipzig, Dortmund kam in Bremen nicht über ein 0:0 hinaus. Am Tabellenende liegen ohne Punkte drei Mannschaften, die schon vorher zum Kreis der Abstiegskandidaten gerechnet wurden, Bochum und die Aufsteiger St. Pauli und Kiel. Gefeiert wurde dagegen in München, nicht einmal so sehr das 2:0 gegen Freiburg, sondern vor allem der ewige Thomas Müller, der die letzte halbe Stunde mitwirken durfte und die Party in Gang setzte mit einem typischen Müller-Tor. Mit seinem Einsatz wurde er aber zum Bayern-Rekordspieler mit 710 Pflichtspielen für die Münchner, er löste Torhüter-Legende Sepp Maier ab. Nun darf er sich ein paar Tage ausruhen, dies hatte ihm aber Trainer Vincent Kompany schon vorher zugestanden, nachdem er der Nationalmannschaft ade gesagt hat.

Die Frauen-Bundesliga hat eine ganz seltsame Termingestaltung, nach nur einem Spieltag wird bereits für den Pokal unterbrochen. Meister Bayern München startete bei Aufsteiger Turbine Potsdam und tat sich da sehr schwer. Das Livespiel im ZDF war keine Werbung, die Bayern siegten in einer mäßigen Partie durch zwei Kopfballtore der Schwedin Linda Sembrant mit 2:0.

Mehr Spitzenspiele in der Champions League

Am 17. September geht es erst los, aber am Donnerstag und Freitag wurde die neue Saison mit den Auslosungen bereits eingeleitet. Alles neu im Jahr 2024, das war bekannt, der an dem komplizierten Modus verzweifelte, blickt jetzt vielleicht eher durch, zumindest die Gegner sind bekannt und ganz einfach: Es gibt nur eine Liga. Für die Vereine ein Anreiz: Es gibt mehr Geld, insgesamt 4,4 Milliarden Euro schüttet die UEFA aus, 2,4 Milliarden für die Champions League, 565 Millionen gehen an die Europa League und 285 Millionen an die Conference League. Jeder Verein hat acht Gegner, Vorteil gegenüber der bisherigen Gruppenphase: Es gibt nicht nur mehr Spiele, sondern vor allem mehr Spitzenspiele. So trifft Bayern München auf den FC Barcelona und Paris St. Germain. Auftakt ist am 17. September aber gegen Dinamo Zagreb, weitere Gegner sind Aston Villa, Benfica Lissabon, Feyenoord Rotterdam, Schachtar Donezk und Slovan Bratislava.

Borussia Dortmund trifft auf Barca, Real Madrid, Bologna, Celtic Glasgow, Donezk, Club Brügge, Zagreb und Sturm Graz. Bayer Leverkusen spielt gegen Liverpool, AC und Inter Mailand, Atletico Madrid, Rotterdam, RB Salzburg, Brest und Sparta Prag. RB Leipzig hat Liverpool, Aston Villa, Inter Mailand, Juventus Turin, Atletico Madrid, Celtic Glasgow, Sporting Lissabon und Graz als Gegner, der VfB Stuttgart wiederum Real Madrid, Juve, Bergamo, Paris, Bern, Roter Stern Belgrad, Sparta Prag und Bratislav. Erstes Ziel für alle 36 Mannschaften: Nicht zu dem Dutzend gehören, das ausscheiden muss!

In der Europa League sind Eintracht Frankfurt und die TSG Hoffenheim vertreten. Die Eintracht tirfft auf AS Rom, Olympique Lyon, Besiktas Istanbul, Slavia Prag, Viktoria Pilsen, FC Midtjylland, Ferencvaros Budapest und FC Riga. Hoffenheims Gegner sind Tottemham Hotspur, Lyon, FC Porto, Sporting Braga, Dynamo Kiew, RSC Anderlecht, Midtjylland und FCSB Bukarest. Der 1. FC Heidenheim hat sich durch Siege über Häcken in den Play-Offs in die Confence League (nur sechs Spieltage) gekämpft und wird damit belohnt, dass er Chelsea London zu Hause erwarten darf. Los geht es aber am 3. Oktober gegen Olimpija Ljubljana, dann folgen Pafos, Heart of Midlothian, am 28. 11. Chelsea, Basaksehir und FC St. Gallen.

Kimmich ist der neue Kapitän

Zunächst hat aber die Nationalmannschaft das Wort, kurz nach der EM beginnt die Nations League und da trifft Deutschland am Samstag (20.45 Uhr) in Düsseldorf auf Ungarn und am Dienstag (20.45 Uhr) in Amsterdam auf die Niederlande. Dritter im Bunde ist Bosnien-Herzegowina. Bei der Bekanntgabe des Aufgebots von Bundestrainer Julian Nagelsmann wurde deutlich, dass Nagelsmann auf einen Neuanfang verzichtet. Die Rücktritte der verdienten Spieler Kroos, Gündogan, Neuer und Müller nimmt er zum Anlass, den anderen Spielern aus dem EM-Kader eine Chance zu geben. Einziger Neuling ist Angelo Stiller vom VfB Stuttgart.

Allerdings ist es auch so, dass Nagelsmann nach der EM noch keine neuen Erkenntnisse gewinnen konnte, das wird bis zur zweiten Länderspielpause Mitte Oktober anders sein. Auffallend ist, dass Dortmund mit fünf Aktiven die meisten Abstellungen hat, Stuttgart, das noch gar nicht in Schwung gekommen ist, vier und Bayern München, das sonst die Basis des Teams stellt, nur mit drei Spielern vertreten ist.

Weitere wichtige Entscheidungen hat Nagelsmann bis auf den Montag aufgeschoben, dann gab er bekannt, dass Joshua Kimmich der neue Kapitän der DFB-Elf wird. „Eine logische Entscheidung,“ so der Bundestrainer, „er war schon bisher einer der drei Kapitäne“. Stellvertreter werden künftig Kai Havertz und Antonio Rüdiger sein, die beide damit ihre Stellung im Team stärken können. Logisch auch, dass ter Stegen die neue Nummer 1 im Tor wird, er hat ja als Stellvertreter von Manuel Neuer lange auf diese Chance gewartet. Kimmich soll vorerst auf der rechten Seite bleiben, aber vielleicht wagt sich Nagelsmann an das Experiment von Kompany, der Kimmich als Hybrid-Spieler einsetzte, der rechts und im Mittelfeld zu finden war.

Das Aufgebot: Tor: Marc-Andre ter Stegen, Oliver Baumann, Alexander Nübel. – Abwehr: Waldemar Anton, Benjamin Henrichs, Joshua Kimmich, Robin Koch, Maximilian Mittelstädt, David Raum, Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah. – Mittelfeld: Robert Andrich, Emre Can, Chris Führich, Pascal Groß, Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic, Angelo Stiller, Florian Wirtz. – Angriff: Maximilian Beier, Niclas Füllkrug, Kai Havertz, Deniz Undav.